Die Heiligtumslehre des alten und des neuen Bundes!

Die Heiligtumslehre des alten und des neuen Bundes!

Vorwort:

Gott, der himmlische Vater zeigte Mose das himmlische Heiligtum und ließ ihn das Abbild und den Schatten himmlischer Dinge nachbauen, welches nur auf das zukünftige Versöhnungswerk im wahrhaftigen Heiligtum im Himmel hinweist, in welchem das Untersuchungsgericht seit 1844 über jeden Menschen stattfindet.

Gott, der himmlische Vater, offenbarte seinem Volk durch Mose im alten Bund seinen Rettungsplan, wie Gott sein Volk aus Ägypten – Sklaverei der Sünde – führen, zur Rettung seines Volkes ein Opfer – seinen aus sich gezeugten Sohn – bringen und es retten wird, wie Gott und sein Sohn im himmlischen Heiligtum ihrem Volk dienen und es mit sich versöhnen werden.

Dieses Vorhaben im alten Bund gilt nicht nur dem Volke in der Wüste, welche keine Juden, sondern Hebräer waren (2.Mose 2:11, 2.Mose 3:18, 2.Mose 7:16), sondern jedem sündigen Menschen in dieser Welt.

Oder hast du nicht gesündigt?

wie geschrieben steht: «Es ist keiner gerecht, auch nicht einer; Römer 3:10 

Wer das Vorhaben Gottes im alten Bund studiert und darin gräbt, der wird wahre Schätze finden und auch das wahre Werk des himmlischen Vaters und seines Sohnes Jesus im himmlischen Heiligtum erkennen, es schätzen und verstehen, dass der alte Bund eigentlich nur über das wahre Opfer, nämlich das Lamm Gottes berichtet und dass dieses Opfer für jeden Menschen und nicht nur für das Volk in der Wüste gebracht wurde.

Es steht geschrieben:

Das alles, was jenen widerfuhr, ist ein Vorbild und wurde zur Warnung geschrieben für uns, auf welche das Ende der Zeitalter gekommen ist. 1.Korinther 10:11

In 1.Korinther 10:11 steht sehr deutlich geschrieben, dass das in der Wüste Geschehene ein Vorbild für die ist, die am Ende der Zeit leben, also für jeden Menschen in diesen Tagen und nicht für das damalige Volk.

Wer den alten Bund (alte Testament) mit dem neuen Bund (neue Testament) vergleicht, der wird erkennen, dass das Blut der Tieropfer im alten Bund all die Sünden des Volkes nicht wegnehmen konnte und das Volk deshalb sündigte, weil noch kein heiliger Geist gegeben war und der alte Bund nur das wahre und zukünftige Vorhaben Gottes im neuen Bund aufzeigte.

Deshalb kam im neuen Bund (neue Testament) das wahre Opferlamm, um sein Blut, wie im alten Bund aufgezeigt und prophezeit, zu vergießen und dieses wohlgefällige Blut zur Versöhnung Gott dazureichen, welches alle Sünden des Volkes wegnehmen, also von aller Sünde befreien kann, damit es wieder so rein und heilig wird, wie Adam und Eva im Anfang rein und heilig waren. 

Seit dem die Erde Existiert, gab es nur ein Mensch der Opfer brachte und sein Blut vergoss, der von den Toten auferweckt wurde, zum Himmel fuhr, in das himmlische Heiligtum einging und Vollmacht von Gott erhielt, Menschen von aller Sünde zu befreien, ihnen den Charakter Gottes zu verleihen und sie zu heiligen.

Diese Macht kann nur der allein wahre Gott verleihen und diese verlieh er nur einem. Deshalb kann diese Macht auch nur einer weitergeben, die seine Gesandtschaft, Macht und Existenz bestätigt.

Der Sohn Gottes, Jesus, der Christus.

Sobald ein Mensch durch die Macht des Herrn Jesus von aller Sünde befreite wurde und das noch in dieser Welt, wird dieser Mensch zum Beweis für den wahren Gott und seine Macht und die Sendung und Existenz seines Sohnes Jesus.

Kein anderer Gott kann die Macht verleihen, Sünden zu vergeben und von aller Sünde zu befreien, als nur der eine und wahre Gott, der Vater des Herrn Jesus, weshalb Vater all diese Macht seinem geliebten Sohn Jesus gab, damit der Sohn allen Hungernden und Dürstenden dieses Geschenk weitergeben kann.

Kein anderer Gott, wahrlich, wahrlich, kein anderer Gott kann die Macht verleihen, noch in dieser Welt von aller Sünde zu befreien und den Charakter Gottes im Menschen zu zeugen, als nur der eine und wahre Gott, der Vater des Herrn Jesus.

Der Dienst Jesu im Allerheiligsten muss erforscht werden.

„Der große Erlösungsplan, wie er im Abschlußwerk für diese letzten Tage offenbart worden ist, muß gründlich erforscht werden. Die mit dem himmlischen Heiligtum verbundenen Szenen müssen auf Geist und Gemüt aller einen solchen Eindruck machen, daß sie befähigt sind, sie anderen nahezubringen. Alle bedürfen eines besseren Verständnisses für das Versöhnungswerk, das im himmlischen Heiligtum vor sich geht. Wenn diese erhabene Wahrheit erkannt und verstanden wird, werden diejenigen, die an ihr festhalten, mit Christo zusammenwirken, um ein Volk vorzubereiten, das am großen Tage Gottes bestehen kann; und ihre Bemühungen werden Erfolg haben. Durch Studium der Heiligen Schrift, durch Nachsinnen und Gebet wird Gottes Volk über die alltäglichen und irdischen Gedanken und Gefühle erhoben werden. Dann wird es auch in Übereinstimmung mit Christo und seinem Werk der Reinigung des himmlischen Heiligtums von den Sünden des Volks gebracht werden. Im Glauben werden sie ihm ins Heiligtum folgen, und die Anbeter auf Erden werden ihr Leben sorgfältig prüfen und ihren Charakter mit dem großen Maßstab der Gerechtigkeit vergleichen. Sie werden ihre eigenen Fehler erkennen und werden einsehen, daß sie der Hilfe des Heiligen Geistes bedürfen, wenn sie die Eignung für das große und ernste Werk erlangen wollen, das den Boten Gottes für diese Zeit übertragen ist.“
Ellen G. White, Zeugnisse für die Gemeinden Band 5, S. 604

Der alte Bund, das AT und der neue Bund, das NT, sind eins!

Das im alten Bund eingesetzte Heiligtum und Priestertum, wies nur auf das wahre und zukünftige Priestertum des Herrn Jesus im himmlischen Heiligtum hin. All das im alten Bund eingesetzte und prophezeite, erfüllt sich nur durch einen einzigen Menschen, Jesus, den Christus.

Mose ist der Sinnbildliche der Mittler für den Herrn Jesus der alten Bundes.

Jesus ist durch sein Opfer und Priesteramt der wahre Mittler des neuen Bundes.

Das Heiligtum im alten Bund.

Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, daß ich mitten unter ihnen wohne! Durchaus, wie ich dir ein Vorbild der Wohnung und aller ihrer Geräte zeigen werde, also sollt ihr es machen. 2.Mose 25:8-9

Und siehe zu, daß du es machest nach dem Vorbilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist! 2.Mose 25:40 

Und du sollst deinen Bruder Aaron und seine Söhne mit ihm zu dir nahen lassen aus den Kindern Israel, daß er mein Priester sei, nämlich Aaron und seine Söhne, Nadab, Abihu, Eleasar und Itamar. Und du sollst deinem Bruder Aaron heilige Kleider machen zur Ehre und zur Zierde. Und sollst reden mit allen, die eines weisen Herzens sind, die ich mit dem Geist der Weisheit erfüllt habe, daß sie dem Aaron Kleider machen, ihn zu heiligen und mir zum Priester zu weihen. Das sind aber die Kleider, welche sie machen sollen: Ein Brustschildlein, ein Ephod, einen Rock und einen Leibrock von gewürfeltem Stoff, Kopfbund und Gürtel. Also sollen sie deinem Bruder Aaron und seinen Söhnen heilige Kleider machen, daß er mein Priester sei. Dazu sollen sie Gold nehmen und Stoffe von blauem und rotem Purpur und Karmesinfarbe und von weißer Baumwolle. 2.Mose 28:1-5

Und unten, an seinem Saum, sollst du Granatäpfel machen aus Stoffen von blauem und rotem Purpur und Karmesinfarbe, ringsum, und goldene Schellen zwischen dieselben, auch ringsum, 2.Mose 28:33

„Es wurde mir gezeigt, was am Schluß der prophetischen Perioden 1844 im Himmel stattfand. Als Jesus sein Predigtamt in dem Heiligen beendigte und die Tür zu dieser Abteilung schloß, lagerte sich eine große Finsternis über diejenigen, welche die Botschaften von seinem Kommen gehört und verworfen hatten, und sie verloren ihn aus den Augen. Dann bekleidete sich Jesus mit köstlichen Gewändern. An dem Saum seines Kleides waren abwechselnd Schellen und Granatäpfel. Ein Brustschild von kunstvoller Arbeit hing von seinen Schultern herab. Wenn er sich bewegte, glänzte es gleich Edelsteinen und ließ Buchstaben hervortreten, die auf dem Brustschild geschrieben oder eingegraben waren. Auf seinem Haupte war etwas, was einer Krone ähnlich sah. Als er vollständig bekleidet war, wurde er von Engeln umgeben und fuhr in seinem feurigen Wagen hinter den zweiten Vorhang.“
Ellen G. White, Erfahrungen und Gesichte sowie Geistliche Gaben

Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, erwecken aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern; auf den sollst du hören! 5.Mose 18:15 

Der HERR hat geschworen und wird es nicht bereuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks! Psalm 110:4

Das Heiligtum im neuen Bund.

Anhand all den Schriften kann man die Einigkeit von Paulus mit den Schriften aus dem alten Bund erkennen. Das eingesetzte Heiligtum und Priesteramt im alten Bund, stimmt vollkommen überein mit dem Priesteramt des Herrn Jesus im neuen Bund.

Der Prophet, von dem Paulus schreibt, ist allein der Herr Jesus. Mose sagte, dass dieser so sein wird wie Mose, also das gleiche wie Mose lehren wird. Von keinem anderen schrieb Mose und kein anderer Mensch lehrte das Gleiche wie Mose, als nur der Mensch Jesus.

Deshalb sagte der Herr Jesus, dass Mose von ihm und keinem anderen schrieb:

Denn wenn ihr Mose glaubtet, so würdet ihr auch mir glauben; denn von mir hat er geschrieben. Johannes 5:46 

Denn Mose hat zu den Vätern gesagt: «Einen Propheten wird euch der HERR euer Gott erwecken aus euren Brüdern, gleichwie mich; auf den sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird. Und es wird geschehen: jede Seele, welche nicht auf diesen Propheten hören wird, soll aus dem Volk vertilgt werden.» Und alle Propheten, von Samuel an und den folgenden, soviele ihrer geredet haben, die haben auch diese Tage angekündigt. Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott mit unsern Vätern schloß, indem er zu Abraham sprach: «Und in deinem Samen sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden.» Euch zuerst hat Gott, indem er seinen Sohn Jesus auferweckte, ihn gesandt, um euch zu segnen, durch Bekehrung eines jeden unter euch von seiner Bosheit. Apostelgeschichte 3:22-26

Daher, ihr heiligen Brüder, Genossen einer himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unsres Bekenntnisses, Jesus, welcher treu ist dem, der ihn gemacht hat, wie auch Mose, in seinem ganzen Hause. Denn dieser ist größerer Ehre wertgeachtet worden als Mose, wie ja doch der, welcher ein Haus bereitet hat, mehr Ehre verdient als das Haus selbst. Denn jedes Haus wird von jemand bereitet; der aber alles bereitet hat, ist Gott. Auch Mose zwar ist treu gewesen in seinem ganzen Hause als Diener, zum Zeugnis dessen, was gesagt werden sollte, Christus aber als Sohn über sein eigenes Haus; sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende fest behalten. Hebräer 3:1-6

Daher mußte er in allem den Brüdern ähnlich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, um die Sünden des Volkes zu sühnen; Hebräer 2:17 

Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, so lasset uns festhalten an dem Bekenntnis! Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unsren Schwachheiten, sondern der in allem gleich wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde. So lasset uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen und Gnade finden zu rechtzeitiger Hilfe! Hebräer 4:14-16

Denn jeder aus Menschen genommene Hohepriester wird für Menschen eingesetzt, zum Dienst vor Gott, um sowohl Gaben darzubringen, als auch Opfer für Sünden. Ein solcher kann Nachsicht üben mit den Unwissenden und Irrenden, da er auch selbst mit Schwachheit behaftet ist; und ihretwegen muß er, wie für das Volk, so auch für sich selbst, opfern für die Sünden. Und keiner nimmt sich selbst die Würde, sondern er wird von Gott berufen, gleichwie Aaron. So hat auch Christus sich nicht selbst die hohepriesterliche Würde beigelegt, sondern der, welcher zu ihm sprach: «Du bist mein Sohn; heute habe ich dich gezeugt.» Wie er auch an anderer Stelle spricht: «Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.» Und er hat in den Tagen seines Fleisches Bitten und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tode retten konnte, und ist auch erhört und befreit worden von dem Zagen. Und wiewohl er Sohn war, hat er doch an dem, was er litt, den Gehorsam gelernt; und so zur Vollendung gelangt, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, von Gott zubenannt: Hoherpriester «nach der Ordnung Melchisedeks». Hebräer 5:1-10

Denn dieser Melchisedek (König zu Salem, Priester Gottes, des Allerhöchsten, der Abraham entgegenkam, als er von der Niederwerfung der Könige zurückkehrte, und ihn segnete, dem auch Abraham den Zehnten von allem gab, der zunächst, wenn man seinen Namen übersetzt, «König der Gerechtigkeit» heißt, dann aber auch «König von Salem», das heißt König des Friedens, ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, der weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens hat), der ist mit dem Sohne Gottes verglichen und bleibt Priester für immerdar. Sehet aber, wie groß der ist, dem auch Abraham, der Patriarch, den Zehnten von der Beute gab! Zwar haben auch diejenigen von den Söhnen Levis, welche das Priesteramt empfangen, den Auftrag, vom Volke den Zehnten zu nehmen nach dem Gesetz, also von ihren Brüdern, obschon diese aus Abrahams Lenden hervorgegangen sind; der aber, der sein Geschlecht nicht von ihnen herleitet, hat von Abraham den Zehnten genommen und den gesegnet, der die Verheißungen hatte! Nun ist es aber unwidersprechlich so, daß das Geringere von dem Höheren gesegnet wird; und hier zwar nehmen sterbliche Menschen den Zehnten, dort aber einer, von welchem bezeugt wird, daß er lebt. Und sozusagen ist durch Abraham auch für Levi, den Zehntenempfänger, der Zehnte entrichtet worden; denn er war noch in der Lende des Vaters, als dieser mit Melchisedek zusammentraf! Wenn nun das Vollkommenheit wäre, was durch das levitische Priestertum kam (denn unter diesem hat das Volk das Gesetz empfangen), wozu wäre es noch nötig, daß ein anderer Priester «nach der Ordnung Melchisedeks» auftrete und nicht einer «nach der Ordnung Aarons» bezeichnet werde? Denn wenn das Priestertum verändert wird, so muß notwendigerweise auch eine Änderung des Gesetzes erfolgen. Denn der, auf welchen sich jener Ausspruch bezieht, gehört einem andern Stamme an, von welchem keiner des Altars gepflegt hat; denn es ist ja bekannt, daß unser Herr aus Juda entsprossen ist, zu welchem Stamm Mose nichts auf Priester bezügliches geredet hat. Und noch viel klarer liegt die Sache, wenn nach der Ähnlichkeit mit Melchisedek ein anderer Priester aufsteht, welcher es nicht nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebotes geworden ist, sondern nach der Kraft unauflöslichen Lebens; denn es wird bezeugt: «Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.» Da erfolgt ja sogar eine Aufhebung des vorher gültigen Gebotes, seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit wegen (denn das Gesetz hat nichts zur Vollkommenheit gebracht), zugleich aber die Einführung einer besseren Hoffnung, durch welche wir Gott nahen können. Und um so mehr, als dies nicht ohne Eidschwur geschah; denn jene sind ohne Eidschwur Priester geworden, dieser aber mit einem Eid durch den, der zu ihm sprach: «Der HERR hat geschworen und es wird ihn nicht gereuen: Du bist Priester in Ewigkeit»; um so viel mehr ist Jesus auch eines bessern Bundes Bürge geworden. Und jene sind in großer Anzahl Priester geworden, weil der Tod sie am Bleiben verhinderte; er aber hat, weil er in Ewigkeit bleibt, ein unübertragbares Priestertum. Daher kann er auch bis aufs äußerste die retten, welche durch ihn zu Gott kommen, da er immerdar lebt, um für sie einzutreten! Denn ein solcher Hoherpriester geziemte uns, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert und höher als der Himmel ist, der nicht wie die Hohenpriester täglich nötig hat, zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen, darnach für die des Volkes; denn das hat er ein für allemal getan, indem er sich selbst zum Opfer brachte. Denn das Gesetz macht Menschen zu Hohenpriestern, die mit Schwachheit behaftet sind, das Wort des Eidschwurs aber, der nach der Zeit des Gesetzes erfolgte, den Sohn, welcher für alle Ewigkeit vollendet ist. Hebräer 7:1-28 

Die Hauptsache aber bei dem, was wir sagten, ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel sitzt, einen Diener des Heiligtums und der wahrhaftigen Stiftshütte, welche der HERR errichtet hat, und nicht ein Mensch. Denn jeder Hoherpriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen; daher muß auch dieser etwas haben, was er darbringen kann. Wenn er sich nun auf Erden befände, so wäre er nicht einmal Priester, weil hier solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern. Diese dienen einem Abbild und Schatten des Himmlischen, gemäß der Weisung, die Mose erhielt, als er die Stiftshütte anfertigen wollte: «Siehe zu», hieß es, «daß du alles nach dem Vorbild machst, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist!» Nun aber hat er einen um so bedeutenderen Dienst erlangt, als er auch eines besseren Bundes Mittler ist, der auf besseren Verheißungen ruht. Denn wenn jener erste Bund tadellos gewesen wäre, so würde nicht Raum für einen zweiten gesucht. Denn er tadelt sie doch, indem er spricht: «Siehe, es kommen Tage, spricht der HERR, da ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern gemacht habe an dem Tage, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen (denn sie sind nicht in meinem Bund geblieben, und ich ließ sie gehen, spricht der HERR), sondern das ist der Bund, den ich mit dem Hause Israel machen will nach jenen Tagen, spricht der HERR: Ich will ihnen meine Gesetze in den Sinn geben und sie in ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Und es wird keiner mehr seinen Mitbürger und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den HERRN! denn es werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen; denn ich werde gnädig sein gegen ihre Ungerechtigkeiten und ihrer Sünden nicht mehr gedenken.» Indem er sagt: «Einen neuen», hat er den ersten für veraltet erklärt; was aber veraltet ist und sich überlebt hat, das wird bald verschwinden. Hebräer 8:1-13

Es hatte nun zwar auch der erste Bund gottesdienstliche Ordnungen und das irdische Heiligtum. Denn es war ein Zelt aufgerichtet, das vordere, in welchem sich der Leuchter und der Tisch und die Schaubrote befanden; dieses wird das Heilige genannt. Hinter dem zweiten Vorhang aber befand sich das Zelt, welches das Allerheiligste heißt; zu diesem gehört der goldene Räucheraltar und die Bundeslade, allenthalben mit Gold überzogen, und in dieser war der goldene Krug mit dem Manna und die Rute Aarons, die geblüht hatte, und die Tafeln des Bundes; oben über ihr aber die Cherubim der Herrlichkeit, die den Sühndeckel überschatteten, worüber jetzt nicht im einzelnen zu reden ist. Da nun dieses so eingerichtet ist, betreten zwar die Priester allezeit das vordere Zelt zur Verrichtung des Gottesdienstes; in das zweite Zelt aber geht einmal im Jahr nur der Hohepriester, nicht ohne Blut, das er für sich selbst und für die Versehen des Volkes darbringt. Damit zeigt der heilige Geist deutlich, daß der Weg zum Heiligtum noch nicht geoffenbart sei, solange das vordere Zelt Bestand habe. Dieses ist ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit, da noch Gaben und Opfer dargebracht werden, welche, was das Gewissen anbelangt, den nicht vollkommen machen können, der den Gottesdienst verrichtet, da er sich nur auf Speisen und Getränke und verschiedene Waschungen bezieht, auf fleischliche Verordnungen, welche bis zur Zeit der Zurechtbringung auferlegt sind. Als aber Christus kam als ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, ist er durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht durch das Blut von Böcken und Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für allemal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden. Denn wenn das Blut von Böcken und Stieren und die Besprengung mit der Asche der jungen Kuh die Verunreinigten heiligt zu leiblicher Reinigkeit, wieviel mehr wird das Blut Christi, der durch ewigen Geist sich selbst als ein tadelloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! Darum ist er auch Mittler eines neuen Bundes, damit (nach Verbüßung des Todes zur Erlösung von den unter dem ersten Bunde begangenen Übertretungen) die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfingen. Denn wo ein Testament ist, da muß notwendig der Tod des Testators erwiesen werden; denn ein Testament tritt auf Todesfall hin in kraft, da es keine Gültigkeit hat, solange der Testator lebt. Daher wurde auch der erste Bund nicht ohne Blut eingeweiht. Denn nachdem jedes einzelne Gebot nach dem Gesetz von Mose dem ganzen Volke vorgelegt worden war, nahm er das Blut der Kälber und Böcke mit Wasser und Purpurwolle und Ysop und besprengte sowohl das Buch selbst als auch das ganze Volk, wobei er sprach: «Dies ist das Blut des Bundes, welchen Gott euch verordnet hat!» Auch das Zelt und alle Geräte des Gottesdienstes besprengte er in gleicher Weise mit Blut; und fast alles wird nach dem Gesetz mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. So ist es also notwendig, daß die Abbilder der im Himmel befindlichen Dinge durch solches gereinigt werden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Opfer als diese. Denn nicht in ein mit Händen gemachtes Heiligtum, in ein Nachbild des wahrhaften, ist Christus eingegangen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesichte Gottes für uns; auch nicht, um sich selbst öfters zu opfern, gleichwie der Hohepriester jedes Jahr mit fremdem Blut ins Heiligtum hineingeht; denn sonst hätte er ja öfters leiden müssen von Grundlegung der Welt an! Nun aber ist er einmal gegen das Ende der Weltzeiten hin erschienen zur Aufhebung der Sünde durch das Opfer seiner selbst; und so gewiß den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, darnach aber das Gericht, so wird auch Christus, nachdem er sich einmal zum Opfer dargebracht hat, um die Sünden vieler auf sich zu nehmen, zum zweitenmal ohne Sünde denen erscheinen, die auf ihn warten, zum Heil. Hebräer 9:1-28

Auch der Prophetin Ellen G. White wurden Visionen gegeben, welche die niedergeschriebenen Worte im alten Bund (altes Testament) und von Paulus bestätigen:

„Es wurde mir auch ein Heiligtum auf Erden, zwei Abteilungen enthaltend, gezeigt. Es glich dem himmlischen, und es wurde mir gesagt, daß es ein Bild des himmlischen sei. Die Geräte der ersten Abteilung des irdischen Heiligtums waren gleich denen in der ersten Abteilung des himmlischen. Der Vorhang war emporgehoben und ich blickte in das Allerheiligste und sah, daß die Geräte dieselben waren wie in dem Allerheiligsten des himmlischen Heiligtums. Der Priester diente in beiden Abteilungen des irdischen. Er ging täglich in die erste Abteilung; aber das Allerheiligste betrat er nur einmal im Jahr, um es von den Sünden zu reinigen, welche dorthin übertragen waren. Ich sah, daß Jesus in beiden Abteilungen des himmlischen Heiligtums diente. Das irdische Heiligtum betraten die Priester mit dem Blut eines Tieres, als ein Opfer für die Sünde. Christus betrat das himmlische Heiligtum mit dem Opfer seines eigenen Blutes. Die irdischen Priester wurden durch den Tod weggenommen, deshalb konnten sie nicht lange fortfahren; aber Jesus ist ein Priester ewiglich. Durch die Gaben und Opfer, die in das irdische Heiligtum gebracht wurden, wurden die Kinder Israel angeleitet, die Verdienste eines zukünftigen Heilandes zu erfassen. In der Weisheit Gottes sind uns Einzelheiten dieses Werkes gegeben, damit wir, indem wir darauf zurückblicken, das Werk Jesu im himmlischen Heiligtum verstehen möchten. 

Als Jesus auf Golgatha starb, rief er aus: „Es ist vollbracht!“ Und „der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus.“ Dies sollte zeigen, daß der Dienst des irdischen Heiligtums für immer beendet sei, und daß Gott nicht mehr mit den Priestern im irdischen Tempel sein wollte, um ihre Opfer entgegen zu nehmen. Das Blut Jesu, welches von ihm selbst in dem himmlischen Heiligtum dargebracht werden sollte, war dann vergossen worden. Wie der Priester das Allerheiligste einmal im Jahr betrat, um das irdische Heiligtum zu reinigen, so betrat Jesus das Allerheiligste des Himmels am Ende der 2300 Tage von Daniel 8 im Jahre 1844, um eine endliche Versöhnung für alle zu vollbringen, welche durch seine Vermittlung sich helfen lassen wollen, um so das Heiligtum zu reinigen.“
Ellen G. White, Erfahrungen und Gesichte sowie Geistliche Gaben, S: 239-242

Nun ein Auszug aus einer Botschaft vom himmlischen Vater an das Volk Gottes für diese letzten Tage:

„Das Volk hat nicht das wahre Verständnis über den alten und neuen Bund, über das alte und das neue Testament.
Das alte Testament prophezeite den verheißenen Messias und wies auf ihn hin.
Das neue Testament zeugt vom Erfüllen, also Geschehen des Verheißenen.
Der alte Bund zeigt Gottes Vorhaben, was Gott zur Rettung seines Volkes tun und wie Gott sein Volk retten wird.
Im neuen Bund rettet Gott sein Volk und erfüllt das Prophezeite.
Im alten Bund verhieß Gott, dass er seinem Volke ein neues Herz und einen neuen Geist schenken und sein Gesetz in ihr Herz schreiben und ihre Gedanken mit diesem füllen wird.
Im neuen Bund sendet der Herr Jesus seinen Geist, wodurch das Volk ein neues Herz und einen neuen Geist bekommt, und durch das Gesetz Christi wird das Gesetz Gottes in ihre Herzen geschrieben und in ihre Gedanken gelegt.
Im alten Bund empfing Abraham das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens.
Im neuen Bund wird der Mensch durch den Geist Christi am Herzen beschnitten und durch das Innere zum Juden, weil der Herr Jesus ein Diener der Beschneidung für die Wahrhaftigkeit Gottes ist, um die Verheißungen an die Väter zu bestätigen.
Im alten Bund setzte Gott in der nach dem himmlischen Abbild angefertigten Stiftshütte Priester ein, die auf den einen Diener des Heiligtums der wahrhaftigen Stiftshütte, den Herrn Jesus, und sein ewiges hohes priesterliches Amt nach der Ordnung Melchisedeks, hinwiesen.
Im neuen Bund kam der Herr Jesus, der als Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks eingesetzt wurde und jetzt zur rechten des Thrones der Majestät im Himmel sitzt.
Im alten Bund schrieb Gott mit seinem Finger die zehn Gebote auf zwei Steintafeln und gab sie durch seinen Mittler Mose an sein Volk weiter.
Im neuen Bund machte Gott Vater seinen Sohn zur Gerechtigkeit, zur Erlösung, zum Erretter, damit das auf Steine Niedergeschriebene durch den Geist Christi auf die fleischernen Tafeln des Herzens aufgedrückt wird.
Im alten Bund opferte man Lämmer, also Tiere, die auf das Lamm Gottes, den Sohn Gottes hinwiesen.
Im neuen Bund kam das Lamm Gottes in die Welt, um für die Sünder zu sterben, und so wurde das Lamm Gottes ohne zu murren und zu klagen geschlachtet, damit die Sünder durch dieses Opfer, durch dieses einmalige Opfer leben, wenn sie es annehmen.
So wie Gott im alten Bund vom Volk forderte, die zehn Gebote aus Liebe zu halten, aber das Volk es nicht konnte, weil seine Kraft nicht ausreichte, und deshalb die Steine von Mose zerbrochen wurden, als sie den Bund brachen, so sandte Gott im neuen Bund seinen geliebten Sohn, damit dieser in denen, die ihn annehmen und glauben, wie die Schrift es sagt, das Gesetz, die 10 Gebote erfüllt.
So wie im alten Bund der alleinige und wahre Gott sein Volk durch seinen starken Arm aus Ägyptenland, aus der Sklaverei herausführte, so führt Gott durch seinen geliebten Sohn im neuen Bund aus Ägyptenland, aus der Sklaverei heraus, nämlich aus der Sklaverei der Sünde, weshalb geschrieben steht, dass der Herr Jesus vom Gesetz der Sünde und des Todes befreit.
Im alten Bund schloss Gott mit seinem Volk einen Bund, den das Volk aber brach, wodurch es sich von Gott schied.
Im neuen Bund sandte der alleinige und wahre Gott seinen geliebten Sohn, damit der Bund, den Gott mit seinem Volke schließt, nicht gebrochen, sondern gehalten wird.
Der alte Bund wurde mit dem Blut der Tiere besiegelt.
Der neue Bund wurde mit dem einmalig vergossenen Blut des geliebten Sohnes Gottes besiegelt.
Der alte Bund war nur ein Schatten, der auf das hinwies, was kommen sollte, wovon Christus im neuen Bund die Erfüllung ist.
Im alten Bund diente und opferte das Volk im Abbild und Schatten des Himmlischen.
Im neuen Bund dient der Hohepriester im himmlischen Heiligtum.
Der alte Bund wurde mit dem Blut der Tiere besiegelt und das Volk mit dem Blut der Tiere besprengt.
Doch der neue Bund wurde mit dem Blut des Opfers, das Gott sandte, besprengt und besiegelt.
Im alten Bund übertrug man die Sünden des Volkes auf die Opfertiere, die aber die Sünden nicht hinwegnehmen konnten.
Im neuen Bund werden die Sünden auf das Opferlamm Gottes, den geliebten Sohn des wahren Gottes gelegt, der deshalb kam, damit die Sünden hinweggenommen werden und das Volk frei von Sünde wird.
Im alten Bund vermittelte ein Mensch zwischen Gott und dem Volk.
Im neuen Bund wurde der Herr Jesus ein Mittler des neuen Bundes und der Mensch Jesus, der Christus, vermittelt zwischen dem alleinigen wahren Gott und seinem Volk.
Im alten Bund trug ein Mensch Gottes Gebote zu den Menschen und wies sie an, diese zu halten.
Im neuen Bund trägt der eine Mensch Jesus, der Christus, die zehn Gebote Gottes zu den Menschen und weist sie an, diese Gebote aus Liebe zu Gott zu halten.
Im alten Bund sagte der Mensch, der zwischen Gott und dem Volke vermittelte: „Einen Propheten wird euch der HERR, euer Gott erwecken aus euren Brüdern, gleichwie mich; auf den sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird.“
Das Alte wurde gegeben, damit das Volk erkennt, was im Neuen für das Volk getan wird.
Das Alte wurde gegeben, weil es auf das Neue hinwies.
Das Alte wurde gegeben, damit der Mensch die Erfüllung des Alten im Neuen erkennt.
Das Alte prophezeite das Neue. Das Alte verkündete den Messias.
Das Alte verkündete die Rettung der Welt. Das Alte verkündete die Reinigung durch das Blut.
Im Alten brachte Abraham seinen geliebten Sohn dar und litt, als er ihn opfern sollte, und im Neuen brachte Gott seinen geliebten Sohn dar und litt, als er ihn opferte.
Und da all die Tieropferungen im alten Bund auf das kommende Opferlamm Gottes im neuen Bund hinweisen, und das Lamm Gottes kam und sich als Opfer darbrachte und sein Blut vergoss, wurden die Schatten des alten Bundes durch dieses eine Opfer beendet.
Wer weiterhin Opfer darbringt, hat das Opferlamm Gottes nicht angenommen, somit achtet er seine eigenen Opfer höher als das Opfer, das Gott für den Menschen brachte.
Denn wer sein eigenes Opfer höher achtet als das von Gott erbrachte Opfer, dessen Opfer wird ebenso wenig angesehen wie das Opfer Kains.
Wer weiterhin seine eigenen Opfer darbringt bezeugt, dass er das Fleisch nicht isst, das Blut nicht trinkt, das des Opfers Gottes ist, der bezeugt, dass er nicht an das Opfer Gottes glaubt, das Opfer Gottes nicht annahm und wie die enden wird, die in der Wüste nicht an die erhöhte Schlange glaubten.
Denn so wie die Schlange in der Wüste erhöht wurde, so wurde auch der Sohn, das Opfer Gottes erhöht, damit jeder, der an ihn glaubt, gerettet wird und ewiges Leben hat.
Ja, der Mensch meint, erkannt zu haben, doch er erkannte noch nicht, wie man erkennen sollte.
Es steht geschrieben: „Aber ihre Sinne wurden verhärtet; denn bis zum heutigen Tage bleibt dieselbe Decke beim Lesen des alten Testamentes, so dass sie nicht entdecken, dass es in Christus aufhört; sondern bis zum heutigen Tage, so oft Mose gelesen wird, liegt die Decke auf ihrem Herzen. Sobald sie sich aber zum HERRN bekehren, wird die Decke weggenommen.“
In diesen Worten steht nicht geschrieben, dass das alte Testament aufhören wird, sondern dass das im alten Testament Niedergeschriebene und Prophezeite in Christus seine Erfüllung findet.
Nicht das alte Testament wird in diesen Worten beendet, sondern es steht geschrieben, dass, sobald sie sich zum HERRN bekehren, die Decke weggenommen wird.
Welche Decke? Die Decke von ihrem Herzen, die ihren Verstand blendet und sie deshalb nicht verstehen können und das alte Testament ablehnen, weil sie sich noch nicht zum HERRN bekehrt haben. Aus diesem Grunde schreit das Volk, wir brauchen das alte Testament nicht mehr, weil die Menschen sich noch nicht zum HERRN bekehrt haben und die Decke auf ihrem Herzen liegt, weshalb sie das alte nicht annehmen, weil sie noch nicht im Neuen leben, weshalb sie das Alte nicht verstehen und erkennen, weil sie sich durch das Neue nicht lehren lassen.
Es steht geschrieben: „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen, den andern aber in Gleichnissen, auf dass sie sehen und doch nicht sehen, und hören und doch nicht verstehen.“ Zu wem sagte der Herr Jesus diese Worte? Zu seinen Jüngern, und sie verstanden und erkannten.
Warum kannst du die Geheimnisse des Reiches Gottes nicht erkennen?
Warum kannst du nicht hören und verstehen? Was steht geschrieben?
„Und mit Mose anfangend, ging er alle Propheten durch und legte ihnen aus allen Schriften das über Ihn selbst Gesagte aus.“
Es steht geschrieben: „Dies sind meine Worte, die Ich zu euch sprach, als Ich noch bei euch war: Alles muss erfüllt werden, was im Gesetz des Mose, in den Propheten und Psalmen von mir geschrieben ist.“ 
Der Herr Jesus selbst bezeugte, dass er kam um zu erfüllen, was Mose, die Propheten und die Psalmen über ihn geweissagt und geschrieben haben.
Der Herr kam nicht und erfüllte, damit ihr nicht mehr halten müsst.
Der Herr kam und erfüllte, was über ihn prophezeit wurde.
Der Herr kam und legte die Schriften von Mose und den Propheten aus.
Der Herr Jesus verkündete das alte Testament, das, was ihr nicht halten wollt, weil die Decke auf eurem Herzen liegt und ihr deshalb nicht versteht.
Ihr, die ihr behauptet, ihr bräuchtet das Alte, den alten Bund nicht.
Warum schreibt der neue Bund von dem Alten?
Warum bezeugt der neue Bund das Alte?
Warum vergoss der neue Bund, wie es im Alten prophezeit wurde?
Warum verkündet der neue Bund das Alte?
Warum legt der neue Bund den alten aus?
Warum verkündeten im neuen Bund die Jünger das Alte und legten das Alte aus?
Es steht geschrieben: „… vom Morgen bis zur Abenddämmerung das Königreich Gottes auseinandersetzte und bezeugte, indem er sie in Bezug auf Jesus vom Gesetz des Mose wie auch von den Propheten her zu überzeugen suchte.“
Es steht geschrieben: „… so stehe ich bis auf diesen Tag und lege Zeugnis ab vor Kleinen und Großen und lehre nichts anderes, als was die Propheten und Mose gesagt haben, dass es geschehen werde: nämlich, dass Christus leiden müsse und dass er, der Erstling aus der Auferstehung der Toten, Licht verkündigen werde dem Volke und auch den Heiden.“
Warum verkündigten die Jünger Jesu das Alte?
Warum glaubten sie an das Alte, wenn ihr vorgebt, dass es nicht mehr gelten würde und ihr es nicht bräuchtet?
Weil sie durch das Alte den Verheißenen erkannten!
Weil sie durch das Alte dem Verheißenen begegnen konnten!
Weil sie durch das Alte dem verheißenen Messias folgen konnten!
Weil sie durch das Alte den verheißenen Messias annehmen konnten!
Weil sie durch das Alte mit dem Verheißenen eins werden konnten!
Weil das Alte der Schatten des Verheißenen war!
Das Alte wie das Neue gehören untrennbar zusammen!
Man schreibt dir einen Brief, in dem man dir ankündigt und aufzeigt, was geschehen wird, damit, wenn es geschieht, du verstehst, erkennst und annimmst.
Du liebst diesen Brief, du hast ihn zu deinem Leben gemacht, und wenn die Tage erfüllt sind und sich das in dem Brief Versprochene erfüllt und du dadurch die Wahrheit des Briefes erkennst, so wärest du töricht, wenn du diesen Brief wegwirfst und an diesen nicht mehr glaubst, auf den du gebaut hast und durch den du zum Glauben kamst, durch den du, als sich die Zeit erfüllte, die Wahrheit erkannt hast.
So sei nicht töricht und spreche nicht aus, dessen Bedeutung du nicht kennst.
Sage nicht, dass du das Alte nicht benötigst, wenn dein Unverstand gegenüber dem alten Bund, dem alten Testament, dich selbst als blind entlarvt, weil die Decke noch auf deinem Herzen liegt und du dadurch selbst Zeugnis von dir abgibst, dass du dich noch nicht zum HERRN bekehrt hast.
So sinne um von deinem breiten Weg, damit die Decke von deinem Herzen genommen wird und du den schmalen Weg betrittst, damit der Gerechte, der in die Welt kam und für dich Sünder starb, damit du leben kannst, du durch diesen Gerechten lebst, das Alte verstehst, das Alte ebenso zu deinem Leben machst und du durch das Alte erkennst, dass sich das im Alten Verheißene im Neuen erfüllte, also geschah.“
Die Botschaft an das Volk Gottes – Der alte Bund, das AT und der neue Bund, das NT, sind eins.

„Ihr seid schnell im Schlechten zu tun, doch zu töricht, um Gerechtes zu erweisen, um gerecht zu handeln, um gerecht zu wandeln.
Doch im Geiste, im Geist Gottes und nur die Frucht des Geistes leben die, in die es hineingelegt wurde. So wie ich sagte: Ich werde meinem Volk Israel ein neues Herz, einen neuen Geist schenken und mein Gesetz in ihre Herzen und Gedanken legen.
Doch sind viele unter euch, die sagen, dies gilt für das Volk Israel.
Ihr habt Recht! Es gilt wirklich für das Volk Israel, nur leider könnt ihr nicht erkennen, dass zum Volk Israel jeder Mensch in dieser Welt gehören darf.
Dies wurde nicht nur für das Volk, das in der Wüste war, gegeben, sondern das, was in der Wüste geschah, geschah euch zum Vorbild und wurde niedergeschrieben, damit ihr euch daran halten könnt, damit ihr seht, was euch erwartet, was ihr tun sollt.
Diese Werke geschahen euch zum Vorbild und doch seid ihr so töricht und sagt, dies galt nur für das Volk, das in der Wüste war, nur für die Juden.
Jude ist der, der am Herzen beschnitten ist, so wie es mir gefällt und nicht am Fleische, denn derjenige, der sich am Fleisch beschneiden lässt, der ist von meinem geliebten Sohn und mir getrennt.
Denn die Beschneidung am Herzen geschieht durch den Geist Gottes.
So wie der Wind weht und ihr nicht wisst, woher er kommt und wohin er weht, so wisst ihr auch nicht, wer beschnitten ist und wer nicht, aber doch könntet ihr erkennen, wenn ihr durch die Wahrheit wandeln würdet, durch meinen und den Geist meines Sohnes, dann würdet ihr erkennen, wer beschnitten ist und wer nicht.
Denn denen, denen ich mein Gesetz in ihre Herzen und Gedanken legte, diese sinnen über mich und meinen geliebten Sohn nach.
Dies ist die Gnade, ein unverdientes Geschenk, das sich niemand von euch verdienen kann – dass niemand durch Werke in das Reich Gottes eingehen kann – sondern dies bekommt ihr alles geschenkt, wenn ihr wollt.
Doch leider sprecht ihr nur davon, was ihr wollt, aber handelt nicht danach, wenn man euch reicht, was euch dazu verhelfen könnte, um in mein Reich einzugehen.
Doch leider werden viele von euch dieses erst dann erkennen, wenn die Plagen über die Welt ausgegossen werden.
Denn ich habe einen Tag festgesetzt, an dem ich richten werde und es gibt viele Menschen in eurer Welt, die sagen, Gott ist Liebe, Gott wird das nicht tun.
Doch, ich werde es tun! … So spricht der HERR, der HERR JHWH. Seid gesegnet und Friede sei mit euch. Amen“
Die Botschaft an das Volk Gottes – Das Papsttum ist das Übel dieser Welt.

„Keine menschliche Autorität hat das Recht, den Platz dieser Botschaften zu verändern, ebensowenig wie das Alte Testament durch das Neue ersetzen werden darf. Das Alte Testament verkündet das Evangelium in Bildern und Symbolen. Das Neue Testament bringt die Wirklichkeit. Das eine ist so wichtig wie das andere.“
Ellen G. White, Christus ist Sieger, S. 348

Das erste Opfer des Menschen.

„Die Opferung des ersten Opfertieres war für Adam eine äußerst schmerzliche Handlung. Er mußte seine Hand ausstrecken, um Leben auszulöschen, das nur Gott geben konnte. Zum erstenmal war er Zeuge des Sterbens. Wäre er gehorsam gewesen — das wußte er —, so hätte es keinen Tod für Mensch oder Tier gegeben. Als er das unschuldige Opfer schlachtete, zitterte er bei dem Gedanken, daß infolge seiner Sünde das Blut des unschuldigen Lammes Gottes vergossen werden muß. Das gab ihm eine nachhaltige und lebendige Erkenntnis der Größe seiner Übertretung, die nur durch den Tod des teuren Sohnes Gottes ausgelöscht werden konnte. Staunen ergriff ihn angesichts der unendlichen Güte Gottes, die bereit war, solch einen Preis zu zahlen, um Schuldige zu erretten. Ein Hoffnungsstern erhellte die düstere Zukunft und befreite ihn von der Furcht, völlig verloren zu sein.

Der Stammvater Adam war aufgefordert worden, seine Nachkommen die Furcht Gottes zu lehren und sie durch sein Beispiel und seinen stillen Gehorsam zu unterweisen, damit sie die Anordnungen des Opferdienstes hochhielten, die auf das Kommen des Erlösers hindeuteten. Gewissenhaft bewahrte Adam, was Gott ihm offenbart hatte, und reichte es mündlich seinen Kindern und Kindeskindern weiter. An der Pforte des Paradieses, durch Cherubim bewacht, wurde die göttliche Herrlichkeit offenbar. Dorthin kamen die ersten Anbeter. Hier errichteten sie ihre Altäre und brachten Opfer dar.

In jedem Opfer, das auf den Altar gelegt wurde, schaute man im Glauben den kommenden Erlöser. Mit dem aufsteigenden Rauch stieg aus demütigen Herzen die Bitte zu Gott empor, das Opfer als Ausdruck des Glaubens an einen kommenden Erlöser anzunehmen.

Der Opferdienst, von Gott den ersten Menschen verordnet, wurde später von deren Nachkommen sinnentstellt. Aberglaube, Abgötterei, Grausamkeit und Ausschweifung verkehrten den einfachen und inhaltsvollen, von Gott verordneten Dienst ins Böse. Durch den ständigen Einfluß abgöttischer Bewohner, mit denen sich das Volk Israel vermengt hatte, wurden auch manche heidnischen Gebräuche in den Gottesdienst aufgenommen. Darum sah es der Herr als notwendig an, am Sinai genaue Unterweisungen über den Opferdienst zu geben.“
Ellen G. White, Wir haben einen Fürsprecher, S. 29-31

Die Stiftshütte und der Heiligtumsdienst symbolisieren das Opfer und den Dienst Christi im neuen Bund.

„Diese irdische „Wohnung Gottes“ sollte die himmlische Wirklichkeit modellartig darstellen. Die entsprechenden Anweisungen für den Bau der Stiftshütte empfing Mose auf dem Berg Sinai direkt von Gott. Zugleich ließ der Herr die Israeliten durch die Gebote wissen, wie er sich die Art und das Wesen eines Volkes vorstellte. Es sollte ein Abbild dessen sein oder werden, den sie anbeteten und dem sie dienten. Vorbild war ihnen Gott selbst, der, als er an Mose vorüberging, ausrief: „Ich bin der Herr, der barmherzige und gnädige Gott. Meine Geduld ist groß, meine Liebe und Treue kennen kein Ende.“

Allerdings war von vornherein klar, daß sie diesem Ideal aus eigener Kraft nicht würden gerecht werden können. Die Offenbarung am Sinai machte ihnen aber bewußt, wie hilflos sie waren und was sie eigentlich brauchten. Deshalb sollte ihnen das Heiligtum und der darin stattfindende Opferdienst zeigen, wie Sünde getilgt wurde, und wie ihnen durch den Erlöser die Kraft zu einem geheiligten Leben vor Gott vermittelt werden konnte. Was durch die Stiftshütte und den Heiligtumsdienst symbolisch dargestellt wurde, sollte später durch Christus in die Tat umgesetzt werden.

Die vergoldeten Wände, die mit Cherubim bestickten Vorhänge, der Weihrauch, der immerwährend zum Himmel stieg, die makellos weiße Kleidung der Priester und das innerste Heiligtum mit dem Gnadenstuhl zwischen den anbetenden Engeln waren Symbole, die den Israeliten zeigen sollten, was Gott mit seinem Volk vorhatte. Der Apostel Paulus hat das viele Jahrhunderte später so ausgedrückt: „Denkt also daran, daß ihr Gottes Bauwerk und sein Tempel seid, daß Gottes Geist in euch wohnt! Wer diesen Tempel zerstört, den wird Gott richten. Denn Gottes Tempel ist heilig, und dieser Tempel seid ihr!“ … Allerdings war das „Projekt Stiftshütte“ nicht nur eine Sache weniger Spezialisten, sondern sollte dem ganzen Volk am Herzen liegen. Deshalb wurden viele in die Planung, den Bau und die Ausgestaltung einbezogen. Darüber hinaus sollten alle Israeliten entsprechend ihren Möglichkeiten dafür sorgen, daß es nicht an kostbaren Materialien für den Bau fehlte.

So lernte Israel durch gemeinsamen Dienst und durch Opferbereitschaft mit Gott zusammenzuarbeiten. Und so, wie das beim Bau des heiligen Zeltes geschah, sollte es in Zukunft auch beim Errichten des inwendigen Tempels, d. h. der Wohnstätte Gottes in den Herzen der Menschen, sein.“
Ellen G. White, Erziehung, S. 33-34

„Die Opfergaben und das Priestertum des Jüdischen Systems waren sinnbildlich angeordnet, um den Tod und das Mittleramt Christi darzustellen. Alle diese Zeremonien hatten nur den Sinn oder Wert in ihrer Beziehung zu Christus, der selbst die Grundlage und Begründer des ganzen Systems war. Von Adam an bis zu der Zeit, als die jüdische Nation ein eigentümliches und ausgesondertes Volk wurde, waren die Verehrer Gottes über den erwarteten Erlöser, den ihre Opfergaben vorstellten, belehrt worden. Der HERR hatte es Adam, Abel, Noah, Abraham, anderen alten frommen Männern und besonders Mose bekannt gemacht, dass das zeremonielle System der Opfer und das Priestertum nicht an und für sich zur Rettung auch nur eines Menschen genügend sei. Jene Vorbilder und Zeichen weisen nur auf Christus hin. Durch sie sahen die alten frommen Männer Christus und glaubten an ihn. Sie sollten jedoch nur bis zu der Zeit, da das vollkommene Opfer dargebracht würde, fortbestehen.

Das System der Opfergaben wurde von göttlicher Seite verordnet, um die durch die Sünde verursachte Trennung zwischen Gott und den Menschen und die Notwendigkeit eines vermittelnden Priestertums dem Volk beständig vor Augen zu führen. Der mit seiner Schuld belastete Sünder, da ihm der notwendige Verdienst fehlte, konnte nicht für sich selbst vor Gott treten. Aber ein Weg wurde jetzt gebahnt, auf dem er durch die Vermittlung eines anderen wieder Zutritt zu Gott gewinnen konnte. Das irdische Priestertum sollte das Priestertum Christi vorschatten, der selbst als Vermittler zwischen dem Allerhöchsten und seinem Volk stehen sollte. Christus war vollkommen, ohne Fehler und Flecken – unbefleckt von Sünde. Er allein von allen, die je auf der Erde wohnten, konnte sagen: „Welcher von euch überführt mich einer Sünde?“ (Joh. 8, 46) Die Verbindung zwischen Gott und den Menschen, die wegen Adams Sündenfall abgeschnitten war, konnte in Christus wieder hergestellt werden. Sein Amt und Werk sollten in Würde und Herrlichkeit bei weitem das irdische, typische Priesteramt übertreffen.“
Ellen G. White, Das Leben Jesu (1886), S. 24-25

„Ein „Schatten der himmlischen Dinge“. – Wie das irdische Heiligtum, das Mose nach dem Vorbild baute, das ihm auf dem Berge gezeigt wurde, so war Salomos Tempel mit all seinen Diensten ein „Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit, in der Gaben und Opfer dargebracht wurden.“ Seine beiden heiligen Abteilungen waren „Abbilder der himmlischen Dinge.“ Christus, unser großer Hoherpriester, ist ein „Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte geworden, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch.“ Als dem Johannes in der Vision ein Einblick in den Tempel Gottes im Himmel geschenkt wurde, sah er dort „sieben helle Fackeln vor dem Thron brennen“. Er sah einen Engel, der „hatte ein goldenes Räuchergefäß; dem wurde viel Räucherwerk gegeben, das er auf dem goldenen Altar vor dem Thron verbrennen sollte, um das Gebet aller Heiligen vor Gott zu bringen.“ Hier wurde dem Propheten gestattet, die erste Abteilung des Heiligtums im Himmel zu schauen; und er sah dort „die sieben Feuerfackeln“ und den „goldenen Altar“, was im irdischen Heiligtum durch den siebenarmigen Leuchter und den Räucheraltar dargestellt wird. Wiederum: „Und der Tempel Gottes im Himmel wurde aufgetan“, und er blickte hinter den inneren Vorhang ins Allerheiligste. Hier sah er „die Bundeslade“, die durch den heiligen Behälter dargestellt wird, den Mose baute, um das Gesetz Gottes aufzubewahren.

Im Dienst des irdischen Heiligtums, das als „Abbild und Schatten himmlischer Dinge“ diente, wurde das Allerheiligste nur am großen Versöhnungstag geöffnet, dem vorbildlichen großen Gerichtstag, der zur Reinigung des Heiligtums abgesondert wurde. Die Aussage daher: „Und der Tempel Gottes im Himmel wurde aufgetan, und die Lade seines Bundes wurde im Tempel sichtbar“ weist auf das Öffnen des Allerheiligsten des himmlischen Heiligtums am Ende der 2300 Tage im Jahre 1844 hin, als Christus dort hineinging, um das abschließende Versöhnungswerk auszuführen. Die ihrem Hohenpriester im Glauben folgten, als Er seinen Dienst im Allerheiligsten begann, sahen die Bundeslade.

Das Heiligtum im Himmel ist ja gerade der Mittelpunkt des Werkes Christi für die Menschen. Es bezieht jede Seele ein, die auf Erden lebt. Es eröffnet den Blick für den Erlösungsplan, bringt uns bis ans Ende der Zeit und offenbart den triumphalen Ausgang des Kampfes zwischen Gerechtigkeit und Sünde. Es ist von allergrößter Wichtigkeit, daß alle diese Themen sorgfältig studieren, um jedem, der fragt, den Grund angeben zu können der Hoffnung, die in ihnen ist.

Wir leben jetzt im großen Versöhnungstag. Während der Hohepriester im abbildlichen Dienst die Versöhnung für Israel vornahm, wurden alle aufgefordert, ihre Seelen durch Bereuen ihrer Sünden „zu kasteien“ (3.Mose 23,27), durch Demütigung vor dem Herrn, damit sie nicht aus ihrem Volke ausgerottet würden. In gleicher Weise sollten alle, die ihre Namen im Lebensbuch behalten möchten, jetzt, in den wenigen verbleibenden Tagen ihrer Gnadenzeit, ihre Seelen vor Gott „kasteien“, indem sie Leid tragen wegen der Sünde und aufrichtig bereuen. Es muß eine tiefgreifende, gläubige Herzenserforschung stattfinden. Der oberflächliche, leichtfertige Geist, dem sich so viele bekenntliche Christen hingeben, muß abgelegt werden. Ernsthafter Kampf steht allen bevor, die die bösen Neigungen, die nach Oberherrschaft streben, bezwingen wollen. Das Werk der Vorbereitung ist ein persönliches. Wir werden nicht in Gruppen gerettet. Reinheit und Hingabe des einen werden nicht den Mangel dieser guten Eigenschaften bei anderen ausgleichen. Obwohl alle Völker im Gericht vor Gott vorüberziehen müssen, wird Er doch den Fall jedes einzelnen so genau überprüfen, als gäbe es kein anderes Wesen auf Erden. Jeder einzelne muß geprüft und ohne Flecken oder Runzeln oder dergleichen erfunden werden.

Feierlich sind die Szenen, die mit dem abschließenden Versöhnungswerk zusammenhängen. Bedeutsam sind die hierin enthaltenen Belange. Das Gericht ergeht jetzt im Heiligtum droben. Mehr als sechzig Jahre findet dieses Werk schon statt. Bald — niemand weiß, wie bald — wird es auf die Fälle der Lebenden übergehen. In der ehrfurchtgebietenden Gegenwart Gottes soll unser Leben in der Rückschau aufgerollt werden. Zu dieser Zeit besonders ist es Pflicht und Schuldigkeit jeder Seele, die Ermahnung des Erlösers zu beachten: „Wachet und betet, denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist.“ „Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.“ Markus 13,33.

Wenn das Werk des Untersuchungsgerichtes abschließt, wird das Geschick aller entschieden sein, sei es zum Leben oder zum Tod. Die Gnadenzeit endet kurz vor dem Erscheinen des Herrn in den Wolken des Himmels. Zu jener Zeit wird Christus verkünden: „Wer böse ist, der sei fernerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig. Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sind.“ Offenbarung 22,11-12.

Die Gerechten und die Bösen werden immer noch auf Erden in ihrem sterblichen Zustand leben — Menschen werden pflanzen und bauen, essen und trinken, nicht wissend, daß die endgültige, unwiderrufliche Entscheidung im Himmel droben verkündet worden ist. Vor der Sintflut, nachdem Noah in die Arche gegangen war, schloß Gott hinter ihm zu und schloß die Gottlosen aus; sieben Tage lang jedoch wußten die Menschen nicht, daß ihr Geschick besiegelt war und setzten ihr sorgloses, vergnügungssüchtiges Leben fort und spotteten der Warnungen vor dem bevorstehenden Gericht. „So“ sagt der Erlöser, „wird auch das Kommen des Menschensohnes sein.“ Still, unbemerkt wie der Dieb um Mitternacht wird die entscheidende Stunde kommen, die die Feststellung des Schicksals eines jeden Menschen kundtut, sowie das endgültige Zurückziehen der Gnade, die schuldigen Menschen angeboten worden war.

„So wachet nun, … auf daß er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.“ Gefährlich ist der Zustand derer, die in ihrem Wachen müde werden und sich den Verlockungen der Welt zuwenden. Während der Geschäftsmann in Gewinnstreben aufgeht, während der Vergnügungsliebende Befriedigung sucht, während die Modepuppe ihren Schmuck anlegt — vielleicht gerade in dieser Stunde wird der Richter aller Welt das Urteil verkünden: „Man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden.“ — The Review and Herald, 9. November 1905.“
Ellen G. White, Gedanken über das Buch Daniel, S. 40-43

„Ebenso wie der Hohepriester seine Amtskleidung ablegte und im weißen Leinengewand eines gewöhnlichen Priesters fungierte, so erniedrigte sich Christus, nahm Knechtsgestalt an und brachte Opfer dar — Priester und Opfer zugleich. Nachdem der Hohepriester seinen Dienst im Allerheiligsten beendet hatte, kam er in seiner Amtskleidung zur wartenden Gemeinde zurück. Ebenso wird Christus, wenn er zum zweitenmal wiederkommt, in herrlichen, so überaus weißen Kleidern erscheinen, „daß sie kein Färber auf Erden kann so weiß machen.“ Er wird in seiner eigenen Herrlichkeit kommen und in der Herrlichkeit seines Vaters — als König aller Könige und Herr aller Herren, und alle Engel werden ihn auf seinem Weg begleiten. — Manuskript 113, 1899.“
Ellen G. White, Der Bibelkommentar, S. 49

„Der Hohepriester war dazu bestimmt, in einer besonderen Weise Jesus Christus darzustellen, der für ewige Zeiten ein Hohepriester werden sollte nach der Ordnung Melchisedeks. Diese Ordnung des Priestertums sollte in kein anderes übergehen oder von einem anderen Priestertum beiseitegesetzt werden.“
Ellen G. White, Der Bibelkommentar, S.526

Die Stiftshütte und ihr Dienst.

„Als Mose auf dem Berge war, erhielt er von Gott den Auftrag: „Sie sollen mir ein Heiligtum machen, daß ich unter ihnen wohne.“ 2.Mose 25,8. Dazu wurden ihm ausführliche Anweisungen für den Bau der Stiftshütte erteilt. Mit ihrem Abfall hatten die Israeliten den Segen der göttlichen Gegenwart verloren. Eine Zeitlang war die Errichtung eines Heiligtums in ihrer Mitte unmöglich. Aber nachdem der Himmel sie in Gnaden wieder angenommen hatte, ging ihr großer Führer daran, den göttlichen Befehl auszuführen. Für die Errichtung des Heiligtums rüstete Gott erwählte Männer mit besonderem Geschick und Weisheit aus. Er selbst gab Mose den Plan für den Bau mit genauen Anweisungen über Größe und Gestaltung, über das zu verwendende Material und alle Geräte, womit er auszustatten war. Die von Menschenhänden zubereitete heilige Stätte sollte „ein Gegenbild des wahrhaftigen Heiligtums“ sein, „Abbilder der himmlischen Dinge“ (Hebräer 9,24.23), eine verkleinerte Darstellung des himmlischen Tempels, wo Christus, unser Hoherpriester, für die Sünder dienen sollte, nachdem er sein Leben als Opfer dargebracht haben würde. Gott ließ Mose einen Blick auf das himmlische Heiligtum tun und befahl ihm dann, alle Gegenstände nach dem Muster herzustellen, das er ihm gezeigt hatte. Mose prägte sich alle diese Anweisungen sorgfältig ein und übermittelte sie den Obersten des Volkes.

Für diese Arbeit waren umfangreiche, kostspielige Vorbereitungen notwendig. Man brauchte dazu eine Menge sehr wertvolles, kostbares Material. Aber der Herr nahm nur freiwillige Opfer an. „Daß sie für mich eine Opfergabe erheben von jedem, der es freiwillig gibt“ (2.Mose 25,2), lautete der göttliche Befehl, den Mose vor dem Volke wiederholte. Die ersten Erfordernisse zur Vorbereitung einer Wohnstätte für den Höchsten waren Liebe zu ihm und Opfersinn.

Das ganze Volk antwortete zustimmend. „Alle, die es gern und freiwillig gaben, kamen und brachten dem Herrn die Opfergabe zur Errichtung der Stiftshütte und für allen Dienst darin und für die heiligen Kleider. Es brachten aber Männer und Frauen freiwillig Spangen, Ohrringe, Ringe und Geschmeide und allerlei goldenes Gerät, ein jeder das Gold, das er zur Gabe für den Herrn bestimmt hatte. Und wer bei sich blauen und roten Purpur fand, Scharlach, feine Leinwand, Ziegenhaar, rotgefärbte Widderfelle und Dachsfelle, der brachte sie. Und wer eine Opfergabe von Silber und Kupfer geben wollte, der brachte es dem Herrn als Opfergabe. Und wer Akazienholz hatte, der brachte es zu allerlei Verwendung für den Dienst. Und alle Frauen, die diese Kunst verstanden, spannen mit ihren Händen und brachten ihr Gespinst, blauen und roten Purpur, Scharlach und feine Leinwand. Und alle Frauen, die solche Arbeit verstanden und willig dazu waren, spannen Ziegenhaare. Die Stammesfürsten aber brachten Onyxsteine und eingefaßte Steine für den Priesterschurz und die Brusttasche und Spezerei und Öl für den Leuchter und für das Salböl und für das wohlriechende Räucherwerk.“ 2.Mose 35,21-28.

Während das Heiligtum im Bau war, brachte das Volk, alt und jung, Männer, Frauen und Kinder, auch weiterhin seine Opfergaben, bis die Aufsichtführenden feststellten, sie hätten genug und sogar mehr, als sie brauchten. Deshalb befahl Mose, im ganzen Lager auszurufen: „Niemand, weder Mann noch Frau, soll hinfort noch etwas bringen als Opfergabe für das Heiligtum. Da brachte das Volk nichts mehr.“ 2.Mose 36,6. Das Murren der Israeliten und die Bestrafungen durch Gottes Gerichte um ihrer Sünden willen sind als Warnung für spätere Geschlechter überliefert. Ihre Hingabe, ihr Eifer und ihre Freigebigkeit dagegen sind ein nachahmenswertes Beispiel. Alle, die gern zum Gottesdienst gehen und den Segen der heiligen Gegenwart Gottes zu würdigen wissen, werden denselben Opfergeist an den Tag legen, wenn es gilt, ein Haus vorzubereiten, in dem der Herr ihnen begegnen kann. Sie wird der Wunsch beseelen, ihm eine Opfergabe vom Besten zu bringen, das sie haben. Solches Haus Gottes dürfte keine Schulden haben, denn damit wird der Herr entehrt. Man sollte freiwillig einen ausreichend großen Betrag zur Vollendung des Werkes geben, damit die Arbeiter — wie einst die Erbauer der Stiftshütte — sagen können: Niemand soll noch etwas als Opfergabe bringen.

Die Stiftshütte war auseinandernehmbar, so daß die Israeliten sie auf allen ihren Wanderungen mitführen konnten. Sie war deshalb klein, nur fünfzehn Meter lang und je fünf Meter breit und hoch. Trotzdem sah sie prachtvoll aus. Die Hütte und ihre Geräte bestanden aus Akazienholz, das für Fäulnis weniger anfällig war als alle anderen Bäume am Sinai, die Wände aus aufgerichteten Brettern, die auf silbernen Sockeln von Pfeilern und Querbalken festgehalten wurden. Und alles war mit Gold überzogen. Das gab dem ganzen Bauwerk das Aussehen von massivem Gold. Vier Lagen Teppiche bildeten das Dach, der innerste „von gezwirnter feiner Leinwand, von blauem und rotem Purpur und von Scharlach. Cherubim sollst du einweben in kunstreicher Arbeit.“ 2.Mose 26,1. Die drei anderen Teppiche bestanden aus Ziegenhaar, rotgefärbten Widderfellen und Dachsfellen. Sie waren so angeordnet, daß sie vollständig Schutz boten.

Ein kostbarer, schöner Vorhang teilte die Hütte in zwei Räume; er hing an vergoldeten Säulen. Ein ähnlicher Vorhang verschloß den Eingang zur ersten Abteilung. Diese und die inneren Teppiche trugen, schön angeordnet, die wunderbarsten Farben: blau, purpurn und scharlach. Aus Gold- und Silberfäden eingewebte Cherubim stellten die Engelschar dar, die im himmlischen Heiligtum dienen und auch für das Volk Gottes auf Erden dienstbare Geister sind.

Das heilige Zelt war von einem offenen Vorhof eingeschlossen, der von einer Schutzwand aus feiner Leinwand, die an Messingsäulen hing, begrenzt wurde. Der Eingang zu diesem Vorhof lag an der Ostseite. Vorhänge aus meisterhaft gearbeitetem, kostbarem Stoff, obwohl geringer an Wert als die am Heiligtum, schlossen ihn ab. Da die Behänge des Vorhofs nur etwa halb so hoch waren wie die Wände des Heiligtums, konnte man von draußen den Bau deutlich sehen. Im Vorhof stand in der Nähe des Eingangs der eherne Brandopferaltar. Auf ihm wurden dem Herrn alle Brandopfer dargebracht und seine Hörner mit dem versöhnenden Blut besprengt. Zwischen dem Altar und dem Eingang zum Heiligtum befand sich das Waschbecken. Es war aus Erz gefertigt und aus Spiegeln, einer freiwilligen Opfergabe der israelitischen Frauen. An dem Becken sollten sich die Priester Hände und Füße waschen, so oft sie in die heiligen Räume gingen oder an den Altar traten, um dem Herrn Brandopfer darzubringen.

Im ersten Raum, dem Heiligen, standen der Schaubrottisch, der Leuchter und der Rauchopferaltar. Der Schaubrottisch an der Nordseite hatte einen zierlichen Aufsatz und war mit reinem Gold überzogen. Auf diesen Tisch mußten die Priester an jedem Sabbat zwölf Brote, in zwei Schichten angeordnet, legen und mit Weihrauch besprengen. Die alten Brote wurden entfernt und sollten von den Priestern verzehrt werden, weil sie als heilig galten. An der Südseite stand der siebenarmige Leuchter mit den sieben Lampen. Seine Arme waren mit ausnehmend fein gearbeiteten Blumen geschmückt, die Lilien glichen, alles aus massivem Gold. Da die Stiftshütte keine Fenster hatte, wurden niemals alle Lampen gleichzeitig gelöscht, sie leuchteten vielmehr Tag und Nacht. Dicht vor dem Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten und damit von der unmittelbaren Gegenwart Gottes trennte, stand der goldene Rauchopferaltar. Darauf sollte der Priester an jedem Morgen und Abend Räuchwerk verbrennen. Die Hörner des Altars wurden mit dem Blut des Sündopfers bestrichen und am großen Versöhnungstag mit Blut besprengt. Das Feuer auf diesem Altar hatte Gott selbst entzündet, und es wurde deshalb heiliggehalten. Ununterbrochen verbreitete der Weihrauch seinen Wohlgeruch in den heiligen Räumen und weit um die Stiftshütte herum.

Hinter dem zweiten Vorhang war das Allerheiligste, der Mittelpunkt des sinnbildlichen Versöhnungs- und Mittlerdienstes, das Bindeglied zwischen Himmel und Erde. Hier stand die Bundeslade, eine Truhe aus Akazienholz, innen und außen mit Gold überzogen, oben mit einer goldenen Leiste versehen. Sie diente als Aufbewahrungsort der Steintafeln, auf die Gott selbst die Zehn Gebote geschrieben hatte. Daher wurde sie Lade des Testamentes oder Lade des Bundes genannt, weil die Zehn Gebote die Grundlage des Bundes zwischen Gott und Israel waren.

Der Deckel der heiligen Lade wurde Gnadenstuhl genannt; er war aus einem einzigen massiven Stück Gold gearbeitet. Goldene Cherubim deckten ihn, je einer zu beiden Seiten. Ein Flügel jedes Engels war nach oben gerichtet, während der andere den Leib als Zeichen der Ehrfurcht und Demut umhüllte. Die Haltung der Cherubim, die sich einander zuwandten und ehrerbietig auf die Lade hinabschauten, versinnbildete die Ehrfurcht, mit der die himmlische Schar auf das Gesetz Gottes sieht, und ihre Anteilnahme am Erlösungsplan.

In der Schechina über dem Gnadenstuhl offenbarte Gott seine Gegenwart; inmitten der Cherubim tat Gott seinen Willen kund. Hin und wieder wurden dem Hohenpriester göttliche Botschaften durch eine Stimme aus der Wolke mitgeteilt. Manchmal fiel ein Licht auf den Engel zur Rechten zum Zeichen der Billigung und Annahme, oder es ruhte ein Schatten auf dem Engel zur Linken, um Mißfallen oder Verwerfung auszudrücken.

Das in der Lade verwahrte Gesetz Gottes war die erhabene Richtschnur für Gerechtigkeit und Gericht. Es verurteilte den Übertreter zum Tode; aber über dem Gesetz offenbarte sich Gottes Gegenwart auf dem Gnadenstuhl, von dem aufgrund des Sühnopfers dem reuigen Sünder Vergebung zuteil wurde. So kommt es, daß in dem Erlösungswerk Christi, das der Heiligtumsdienst versinnbildete, „Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen“. Psalm 85,11.

Keine Sprache kann die Herrlichkeit beschreiben, die sich dem Beschauer im Heiligtum darbot: die vergoldeten Wände, die das Licht des goldenen Leuchters zurückwarfen, die leuchtenden Farben der reich geschmückten Vorhänge mit ihren strahlenden Engeln, der Tisch, der Rauchopferaltar, alles glänzte von Gold; hinter dem zweiten Vorhang die heilige Lade mit ihren geheimnisvollen Cherubim und darüber die heilige Schechina, die sichtbare Offenbarung des gegenwärtigen JHWH; aber alles war nur ein matter Abglanz der Herrlichkeit des Tempels Gottes im Himmel, dem Mittelpunkt des Erlösungswerkes für die Menschen.

Man brauchte etwa ein halbes Jahr zum Bau der Stiftshütte. Nach der Vollendung prüfte Mose die Arbeit der Baumeister. Er verglich sie mit dem Muster, das er auf dem Berge gesehen hatte, und mit den Anweisungen Gottes. „Und siehe, sie hatten es gemacht, wie der Herr geboten hatte. Und er segnete sie.“ 2.Mose 39,43. Mit eifriger Anteilnahme drängte sich das ganze Volk um das heilige Bauwerk. Während sie alles mit ehrfurchtsvoller Befriedigung beschauten, schwebte die Wolkensäule auf das Heiligtum herab und hüllte es ein. „Und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnung.“ 2.Mose 40,34. Gott offenbarte sich mit Majestät, und eine Zeitlang konnte nicht einmal Mose eintreten. Mit tiefer Bewegung ersah das Volk aus diesem Zeichen, daß das Werk ihrer Hände angenommen war. Man hörte keine lauten Freudenkundgebungen. Heilige Scheu lag über allen. Aber unter Freudentränen flüsterten sie leise, ernste Worte der Dankbarkeit, daß Gott sich herabgeneigt hatte, um bei ihnen zu wohnen.

Auf göttliche Anweisung wurde der Stamm Levi für den Dienst am Heiligtum ausgesondert. Anfänglich war jeder Mann der Priester seines eigenen Hauses. In den Tagen Abrahams sah man das Priestertum als angestammtes Recht des ältesten Sohnes an. Jetzt nahm der Herr den Stamm Levi anstelle der Erstgeborenen ganz Israels zum Dienst am Heiligtum an. Mit dieser Auszeichnung bekundete er seine Anerkennung dafür, daß die Leviten treu an seinem Dienst festgehalten und seine Gerichte vollstreckt hatten, als Israel mit der Anbetung des goldenen Kalbes abtrünnig geworden war. Das Priesteramt jedoch blieb auf Aarons Familie beschränkt. Nur er und seine Söhne durften vor dem Herrn dienen; die übrigen Leviten waren mit der Pflege der Stiftshütte und ihrer Geräte betraut. Sie sollten den Priestern bei deren Dienst zur Seite stehen, aber sie durften weder opfern noch Weihrauch anzünden oder die heiligen Dinge sehen, bevor sie bedeckt waren.

Zu ihrem Dienst wurde den Priestern besondere Kleidung vorgeschrieben. „Du sollst Aaron, deinem Bruder, heilige Kleider machen, die herrlich und schön seien“ (2.Mose 28,2), lautete der göttliche Befehl an Mose. Das Gewand des gewöhnlichen Priesters war aus weißem Leinen und in einem Stück gewoben. Es reichte bis fast zu den Füßen und wurde um die Hüfte von einem blau, purpurn und rot bestickten weißen Leinengürtel zusammengehalten. Ein Turban, einem hohen Hut vergleichbar und aus Leinen gefertigt, vervollständigte das äußere Gewand. Am brennenden Busch wurde Mose befohlen, seine Schuhe auszuziehen, denn der Boden, auf dem er stand, war heilig. So durften auch die Priester das Heiligtum nicht mit Schuhen betreten. Daran haftender Schmutz hätte den heiligen Ort entweiht. Deshalb hatten die Priester ihre Schuhe im Vorhof zu lassen. Bevor sie in der Stiftshütte oder am Brandopferaltar dienten, sollten sie auch Hände und Füße waschen. So wurden sie ständig ermahnt, alle Unreinheit abzulegen, wenn sie sich der Gegenwart Gottes nahen wollten.

Die Gewänder des Hohenpriesters waren aus kostbarem Stoff und kunstvoll ausgeführt, wie es seiner hohen Stellung entsprach. Zu dem Leinenrock des gewöhnlichen Priesters trug er ein blaues Oberkleid, ebenfalls aus einem Stück gewebt. Rund um den Saum war es mit goldenen Glöckchen und blauen, purpurnen und scharlachfarbenen Granatäpfeln verziert. Darüber trug er das Ephod, einen kürzeren Überrock aus goldener, blauer, purpurner, scharlachener und weißer Farbe. Ein schön gearbeiteter Gürtel aus demselben Stoff hielt es zusammen. Das Ephod war ärmellos gearbeitet, und auf seinen beiden goldbestickten Schulterstücken waren zwei Onyxsteine eingearbeitet mit den Namen der zwölf Stämme Israels.

Über dem Ephod befand sich das Brustschild, das heiligste Stück der priesterlichen Kleidung. Es bestand aus demselben Stoff wie dieses. In Form eines Vierecks von etwa 20 cm Seitenlänge hing es an einer blauen Schnur und an goldenen Ringen von den Schultern herab. Den Saum bildete eine Auswahl von Edelsteinen; es waren die gleichen, die auch die zwölf Grundsteine der Stadt Gottes bilden. Innerhalb des Saumes steckten noch zwölf goldgefaßte Steine, in Reihen zu je vier angeordnet, und wie die in den Schulterstücken mit den Namen der Stämme versehen. Des Herrn Anweisung hieß: „So soll Aaron die Namen der Söhne Israels in der Brusttasche auf seinem Herzen tragen, wenn er in das Heiligtum geht, zum gnädigen Gedenken vor dem Herrn allezeit.“ 2.Mose 28,29. So trägt auch Christus, der große Hohepriester, der die Sünder vor dem Vater vertritt und auf sein Blut hinweist, den Namen jedes reuigen Gläubigen auf seinem Herzen. Der Psalmist sagt: „Ich bin arm und elend; der Herr aber sorgt für mich.“ Psalm 40,18.

Rechts und links neben dem Brustschild befanden sich zwei große Steine von besonderer Leuchtkraft. Sie waren als Urim und Thummim bekannt. Durch sie erfuhr man über den Hohenpriester den Willen Gottes. Wenn dem Herrn Fragen zur Entscheidung vorgelegt wurden, war ein Lichthof um den Edelstein zur Rechten das Zeichen der göttlichen Zustimmung oder Billigung, während eine Wolke, die den linken Stein überschattete, Ablehnung oder Mißfallen bedeutete.

Als Kopfbedeckung trug der Hohepriester einen weißen Leinenturban. Daran war mit blauer Schnur ein goldenes Schild befestigt mit der Inschrift „Heilig dem Herrn“. 2.Mose 28,36. Alles, was mit der Kleidung und dem Verhalten der Priester zusammenhing, sollte dem Betrachter die Heiligkeit Gottes und seiner Verehrung zum Bewußtsein bringen, aber auch, daß Reinheit von jenen gefordert wurde, die in seine Gegenwart kamen.

Nicht nur das Heiligtum selbst, auch das Amt der Priester sollte, dem „Abbilde und Schatten des Himmlischen“ (Hebräer 8,5) dienen. Darum hatte es solch große Bedeutung. Der Herr gab durch Mose bestimmte und genaue Anweisungen über jede Einzelheit dieses symbolischen Dienstes. Er bestand aus zwei Teilen, einem täglichen und einem jährlichen. Der tägliche vollzog sich am Brandopferaltar im Vorhof der Stiftshütte und im Heiligen; der jährliche fand im Allerheiligsten statt.

Mit Ausnahme des Hohenpriesters durfte kein Sterblicher das Innere des Heiligtums schauen. Nur einmal im Jahr konnte er dort hineingehen und das auch nur nach ernstester, sorgfältigster Vorbereitung. Mit Zittern trat er dort vor Gott, und in ehrfürchtigem Schweigen erwartete das Volk seine Rückkehr, die Herzen von ernstem Verlangen um den göttlichen Segen erfüllt. Vor dem Gnadenstuhl erwirkte der Hohepriester die Versöhnung für Israel; und in der Wolke der Herrlichkeit begegnete ihm Gott. Verweilte er hier über die gewohnte Zeit hinaus, erfüllte die Israeliten die Furcht, er könne ihrer oder seiner Sünden wegen durch die Herrlichkeit des Herrn getötet worden sein.

Der tägliche Dienst bestand aus dem morgendlichen und abendlichen Brandopfer, der Darbringung wohlriechenden Weihrauchs auf dem goldenen Altar und aus den besonderen Opfern für die Sünden einzelner. Es gab auch Opfer anläßlich der Sabbate, Neumonde und besonderen Feste.

Jeden Morgen und jeden Abend wurde ein einjähriges Lamm mit einem angemessenen Speisopfer auf dem Altar verbrannt. Es versinnbildete die tägliche Weihe des Volkes an JHWH und seine ständige Abhängigkeit vom Versöhnungsblut Christi. Gott befahl ausdrücklich, daß an jedem für das Heiligtum dargebrachten Opfer „kein Fehler“ (2.Mose 12,5) sein sollte. Die Priester mußten alle zum Opfer angebotenen Tiere prüfen und jedes zurückweisen, an dem sie einen Fehler entdeckten. Nur ein Opfer, an dem „kein Fehler“ war, konnte Sinnbild für die vollkommene Reinheit dessen sein, der sich als ein unschuldiges und unbeflecktes Lamm (vgl. 1.Petrus 1,19) opfern sollte. Der Apostel Paulus verweist auf diese Opfer, um zu veranschaulichen, wozu die Nachfolger Christi werden sollen: „Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, daß ihr eure Leiber gebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.“ Römer 12,1. Wir sollen uns dem Dienst für den Herrn hingeben und dieses Opfer so vollkommen wie möglich zu bringen suchen. Gott wird nur Wohlgefallen am Besten haben, das wir ihm geben können. Die ihn von ganzem Herzen lieben, wird der Wunsch beseelen, zu tun, was in ihren Kräften steht. Sie werden ständig versuchen, ihr ganzes Wesen in Übereinstimmung mit den Geboten zu bringen, die sie befähigen, seinen Willen zu tun.

Beim Räuchopfer kam der Priester unmittelbarer in Gottes Gegenwart als bei jeder andern Handhabung des täglichen Dienstes. Da der innere Vorhang des Heiligtums nicht bis zur Decke reichte, war die Herrlichkeit Gottes über dem Gnadenstuhl auch vom ersten Raum aus teilweise sichtbar. Brachte der Priester ein Räuchopfer vor dem Herrn dar, blickte er in Richtung der Bundeslade. Stieg dann die Weihrauchwolke auf, senkte sich die göttliche Herrlichkeit auf den Gnadenstuhl herab und erfüllte das Allerheiligste und oft auch beide Abteilungen so sehr, daß sich der Priester bis zur Tür der Stiftshütte zurückziehen mußte. Wie er in jenem sinnbildlichen Dienst im Glauben zum Gnadenstuhl hinschaute, den er nicht sehen konnte, so soll das Volk Gottes jetzt seine Gebete an Christus richten, seinen großen Hohenpriester, der sich, dem menschlichen Auge unsichtbar, im oberen Heiligtum für die Gläubigen einsetzt.

Der Weihrauch, der mit den Gebeten Israels aufstieg, stellt Christi Verdienste und Mittleramt dar, seine vollkommene Gerechtigkeit, die seinem Volke durch den Glauben zugerechnet wird. Durch sie allein kann Gott die Anbetung sündiger Wesen in Gnaden annehmen. Vor dem Vorhang zum Allerheiligsten stand ein Altar der steten Fürbitte, vor dem Heiligtum ein Altar ständiger Versöhnung. Über Blut und Weihrauch sollten sie sich Gott nahen, Sinnbilder, die auf den großen Mittler hinwiesen. Durch ihn können sich Sünder JHWH nahen, und durch ihn allein kann der reuevollen, gläubigen Seele Gnade und Rettung zuteil werden.

Wenn die Priester morgens und abends zur Zeit des Räuchopfers das Heilige betraten, war das tägliche Opfer so weit vorbereitet, daß es auf dem Altar im Vorhof dargebracht werden konnte. Das war eine Zeit gespannter Aufmerksamkeit für die Anbeter, die sich an der Stiftshütte versammelten. Ehe sie sich durch den Dienst des Priesters der Gegenwart Gottes nahten, mußten sie nach ernster Selbstprüfung ihre Sünden bekennen. Sie vereinigten sich zu stillem Gebet, das Gesicht dem Heiligen zugewandt. So stiegen ihre Bitten mit der Weihrauchwolke empor. Im Glauben hielten sie sich an die Verdienste des verheißenen Erlösers, der im Versöhnungsopfer dargestellt war. Die Stunden des Morgen- und Abendopfers sah man als heilig an; sie wurden für das ganze jüdische Volk zu bestimmten Gebetszeiten. Selbst als die Juden in späteren Zeiten als Gefangene in fernen Ländern verstreut leben mußten, richteten sie zur vorgeschriebenen Stunde ihre Gesichter nach Jerusalem und legten dem Gott Israels ihre Bitten vor. Diese Gewohnheit ist den Christen Vorbild für ihre Morgen- und Abendandacht. Gott mißbilligt zwar Zeremonien ohne den Geist der Anbetung, er sieht aber mit Wohlgefallen auf die, die ihn lieben und sich morgens und abends vor ihm beugen, um Vergebung ihrer Sünden zu erlangen und ihn um den notwendigen Segen zu bitten.

Als ständiges Opfer wurden jederzeit Schaubrote vor dem Herrn vorrätig gehalten. Sie bildeten einen Teil des täglichen Opfers. Man nannte sie Schaubrote oder „Brote der Gegenwart“, weil sie dem Herrn stets vor Angesicht lagen. Vgl. 2.Mose 25,30. Damit bekannte der Mensch seine Abhängigkeit von Gott für den Erhalt sowohl irdischer als auch geistlicher Speise, die man nur durch die Fürsprache Christi empfangen kann. Gott hatte Israel in der Wüste mit Brot vom Himmel versorgt. Es war auch jetzt noch immer abhängig von seinen Gaben an leiblicher Nahrung und geistlichem Segen. Manna und Schaubrote wiesen beide auf Christus, das Lebensbrot, der um unsertwillen stets in der Gegenwart Gottes ist. Er sagte selbst: „Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen.“ Johannes 6,51. Auf den Schaubroten lag Weihrauch, den man zum Gedächtnis vor Gott verbrannte, wenn sie am Sabbat durch frische Brote ersetzt wurden.

Der wichtigste Teil des täglichen Gottesdienstes war das Opfer, das um einzelner Personen willen dargebracht wurde. Der reuige Sünder brachte das Opfertier an die Tür der Stiftshütte. Er legte die Hand auf dessen Haupt, bekannte seine Sünden und übertrug sie damit bildlich von sich auf das unschuldige Tier. Dann schlachtete er es eigenhändig. Der Priester trug das Blut ins Heiligtum und sprengte es vor den Vorhang, hinter dem die Lade mit dem Gesetz stand, das der Sünder übertreten hatte. Mit diesem feierlichen Brauch wurde nun die Sünde bildlich auf das Heiligtum übertragen. In anderen Fällen wurde das Blut nicht hineingebracht, dann aber mußte der Priester das Fleisch essen. Das hatte Mose den Söhnen Aarons geboten, als er sagte: „Der Herr hat es [das Sündopfer] euch gegeben, daß ihr die Schuld der Gemeinde wegnehmen und sie vor ihm entsühnen sollt.“ 3.Mose 10,17. Beide Zeremonien versinnbildeten die Übertragung der Sünde von dem Bußfertigen auf das Heiligtum.

So geschah es Tag für Tag das ganze Jahr hindurch. Aber Israels Sünden, die so auf das Heiligtum übertragen wurden, entweihten die heiligen Stätten. Darum bedurfte es eines besonderen Dienstes, um diese Sünden zu entfernen. Gott gebot, für jeden der heiligen Räume und auch für den Altar Sühne zu leisten, damit er „von den Verunreinigungen der Kinder Israel“ (3.Mose 16,19) gereinigt und geheiligt werde.

Einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag, betrat der Hohepriester das Allerheiligste zur Reinigung des Heiligtums. Damit war die Jahresrunde der Gottesdienste vollständig.

Am Versöhnungstage warf man an der Tür der Stiftshütte über zwei Ziegenlämmer das Los, „ein Los dem Herrn und das andere dem Asasel“. 3.Mose 16,8. Der Bock, auf den das erste Los fiel, sollte als Sündopfer für das Volk geschlachtet werden. Der Hohepriester mußte das Blut hinter den Vorhang bringen und es auf den Gnadenstuhl sprengen. Auf diese Weise sollte er „das Heiligtum entsühnen wegen der Verunreinigungen der Kinder Israel und wegen ihrer Übertretungen, mit denen sie sich versündigt haben. So soll er tun der Stiftshütte, die bei ihnen ist inmitten ihrer Unreinheit.“ 3.Mose 16,16.

„Dann soll Aaron seine beiden Hände auf dessen Kopf legen und über ihm bekennen alle Missetat der Kinder Israel und alle ihre Übertretungen, mit denen sie sich versündigt haben, und soll sie dem Bock auf den Kopf legen und ihn durch einen Mann, der bereit steht, in die Wüste bringen lassen, daß also der Bock alle ihre Missetat auf sich nehme und in die Wildnis trage; und man lasse ihn in der Wüste.“ 3.Mose 16,21.22. Erst wenn das Tier fortgebracht worden war, sah sich das Volk von seiner Sündenlast befreit. Während des Versöhnungswerkes sollte jeder mit Trauer an seine Sünden denken. Alle Tätigkeit unterblieb, und die ganze Gemeinde Israel verbrachte den Tag in Demut vor Gott mit Gebet, Fasten und ernster Selbstprüfung.

Dieser jährliche Gottesdienst belehrte das Volk über die Bedeutung der Versöhnung. Infolge der im Verlauf des Jahres dargebrachten Sündopfer hatte Gott wohl einen Vertreter anstelle der Sünder angenommen, aber vollkommene Versöhnung brachte das Blut dieses Opfertieres nicht. Es war nur das Mittel, mit dem die Sünde auf das Heiligtum übertragen wurde. Mit der Darbringung von Blut bestätigte der Sünder die Autorität des Gesetzes. Er bekannte sich seiner Übertretung schuldig und bewies zugleich den Glauben an den, der die Sünde der Welt wegnehmen sollte; aber er war noch nicht völlig vom Fluch des Gesetzes befreit. Am Versöhnungstage dagegen ging der Hohepriester nach einem Opfer für die Gemeinde mit dem Blut in das Allerheiligste und sprengte es auf den Gnadenstuhl über den Gesetzestafeln. So wurde der Anspruch des Gesetzes, das das Leben des Sünders forderte, abgegolten. Dann nahm der Hohepriester in seiner Eigenschaft als Mittler die Sünden auf sich und war mit Israels Schuld belastet, wenn er das Heiligtum verließ. An der Tür der Stiftshütte legte er seine Hände auf den Bock für Asasel und bekannte dann über ihm „alle Missetat der Kinder Israel und alle ihre Übertretungen, mit denen sie sich versündigt“ hatten, und legte „sie dem Bock auf den Kopf“. 3.Mose 16,21. Nun erst, nachdem der mit diesen Sünden beladene Bock fortgebracht worden war, sah man diese als für immer vom Volke getrennt an. So war der Dienst beschaffen nach „dem Abbilde und Schatten des Himmlischen“. Hebräer 8,5.

Das irdische Heiligtum wurde, wie wir lasen, von Mose nach dem Muster errichtet, das ihm auf dem Berge gezeigt worden war. Es war „ein Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit“, zu der „Gaben und Opfer geopfert“ werden. Hebräer 9,9. Die beiden heiligen Räume waren „Abbilder der himmlischen Dinge“ (Hebräer 9,23); Christus, unser Hoherpriester, aber ist „ein Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, welche Gott aufgerichtet hat und kein Mensch“. Hebräer 8,3. Als dem Apostel Johannes im Gesicht ein Blick in den himmlischen Tempel Gottes gewährt wurde, sah er dort, daß „sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron“. Offenbarung 4,5. Er sah einen Engel, der „hatte ein goldenes Räuchergefäß, und ihm ward viel Räucherwerk gegeben, daß er es gäbe zum Gebet aller Heiligen auf den goldenen Altar vor dem Thron“. Offenbarung 8,3. Hier durfte der Prophet in die erste Abteilung des himmlischen Heiligtums schauen; und er sah dort die „sieben Fackeln mit Feuer“ und den „goldenen Altar“, im irdischen Heiligtum durch den goldenen Leuchter und den Rauchopferaltar dargestellt. Bei einer anderen Gelegenheit wurde „der Tempel Gottes im Himmel … aufgetan“, und Johannes blickte hinter den inneren Vorhang in das Allerheiligste. Hier sah er „die Lade seines Bundes“ (Offenbarung 11,19), versinnbildet durch die heilige Truhe, die Mose herstellte, um in ihr das Gesetz Gottes aufzubewahren.

Mose baute das irdische Heiligtum „nach dem Vorbilde, das er gesehen hatte“. Apostelgeschichte 7,44. Der Verfasser des Hebräerbriefes erklärte, daß „die Stiftshütte und alles Gerät des Gottesdienstes“ (Hebräer 9,21) nach ihrer Vollendung „Abbilder der himmlischen Dinge“ (Hebräer 9,23) waren. Und Johannes sagt, daß er das Heiligtum im Himmel sah. Jenes Heiligtum, in dem Jesus um unsertwillen dient, ist das erhabene Urbild, von dem das durch Mose geschaffene ein Abbild war.

Der himmlische Tempel, die Wohnstätte des Königs der Könige, von dem gesagt ist, „tausendmal Tausende dienten ihm und zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm“ (Daniel 7,10), ist erfüllt von der Herrlichkeit des ewigen Thrones. Die Seraphim, seine strahlenden Wächter, verhüllen ihr Antlitz in Anbetung. Kein irdisches Bauwerk könnte seine unermeßliche Größe und Herrlichkeit wiedergeben. Doch sollte auch schon das irdische Heiligtum mit seinem Gottesdienst wesentliche Wahrheiten über das himmlische vermitteln sowie über das große Erlösungswerk, das dort für die Menschen geschieht.

Nach seiner Himmelfahrt begann unser Heiland seinen hohepriesterlichen Dienst für uns. Paulus sagt: „Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, das mit Händen gemacht ist, welches ist ein Gegenbild des wahrhaftigen Heiligtums, sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns.“ Hebräer 9,24. Wie sich Christi Dienst in zwei großen Abschnitten vollziehen sollte, von denen jeder eine bestimmte Zeit dauern und einen besonderen Platz im himmlischen Heiligtum haben sollte, so bestand auch der sinnbildliche Dienst aus zwei Teilen, dem täglichen und dem jährlichen, und jedem war eine Abteilung der Stiftshütte gewidmet.

Wie Christus nach seiner Himmelfahrt in die Gegenwart Gottes trat, um sein Blut für die reumütigen Gläubigen geltend zu machen, so versprengte der Priester beim täglichen Dienst für den Sünder das Blut des Opfertieres im Heiligen. Das Blut Christi sollte den reuigen Sünder von der Verurteilung durch das Gesetz befreien, aber die Sünde nicht tilgen. Sie würde im Heiligtum verzeichnet stehen bis zur endgültigen Versöhnung. So nahm auch im Schattendienst das Blut des Sündopfers die Sünde wohl von dem, der bereute, hinweg, aber sie blieb bis zum Versöhnungstage im Heiligtum.

Am großen Tage des Jüngsten Gerichts werden die Toten „nach dem, was geschrieben steht in den Büchern, nach ihren Werken“ (Offenbarung 20,12), gerichtet. Dann werden aufgrund des sühnenden Blutes Christi die Sünden aller aufrichtig Bereuenden aus den Büchern des Himmels gelöscht. So wird das Heiligtum von den verzeichneten Sünden befreit beziehungsweise gereinigt. Im Vorbild wurde dieses große Versöhnungswerk, das heißt die Tilgung der Sünden, durch die Gottesdienste am Versöhnungstage dargestellt. Dabei ging es um die Reinigung des irdischen Heiligtums, die durch die Entfernung der Sünden, durch die es verunreinigt worden war, kraft des Blutes vom Sündopfer vollzogen wurde. Wie bei der endgültigen Versöhnung die Sünden der wirklich Reumütigen aus den Büchern des Himmels getilgt werden sollen, um nie wieder ins Gedächtnis zurückgerufen zu werden, so wurden sie beim Schattendienst in die Wüste hinausgetragen und für immer von der Gemeinde genommen.

Weil Satan als Urheber der Sünde auch der unmittelbare Anstifter zu allen Sünden ist, die den Tod des Sohnes Gottes verursachten, fordert die Gerechtigkeit schließlich auch Satans Bestrafung. Christi Werk zur Erlösung der Menschen und zur Reinigung des Weltalls von Sünde wird abgeschlossen werden mit deren Entfernung aus dem himmlischen Heiligtum. Sie wird auf Satan gelegt, der die volle Strafe tragen muß. Auch im vorgebildeten Gottesdienst beschlossen die Reinigung des Heiligtums und das Bekenntnis der Sünden auf den Kopf des Bockes für Asasel die jährlichen Amtshandlungen.

So wurden dem Volk jeden Tag an der Stiftshütte und nachfolgend bei den Diensten im Tempel die großen Wahrheiten vergegenständlicht, die sich auf Christi Tod und Mittlerdienst bezogen. Und einmal in jedem Jahr wurden ihre Gedanken auf jene abschließenden Ereignisse des großen Kampfes zwischen Christus und Satan gelenkt, auf die endgültige Reinigung des Weltalls von Sünde und Sündern.“
Ellen G. White, Patriarchen und Propheten, Kapitel 30: Die Stiftshütte und ihr Dienst

Aufbau des Heiligtums.

Es hatte nun zwar auch der erste Bund gottesdienstliche Ordnungen und das irdische Heiligtum. Denn es war ein Zelt aufgerichtet, das vordere, in welchem sich der Leuchter und der Tisch und die Schaubrote befanden; dieses wird das Heilige genannt. Hinter dem zweiten Vorhang aber befand sich das Zelt, welches das Allerheiligste heißt; zu diesem gehört der goldene Räucheraltar und die Bundeslade, allenthalben mit Gold überzogen, und in dieser war der goldene Krug mit dem Manna und die Rute Aarons, die geblüht hatte, und die Tafeln des Bundes; oben über ihr aber die Cherubim der Herrlichkeit, die den Sühndeckel überschatteten, worüber jetzt nicht im einzelnen zu reden ist.
Da nun dieses so eingerichtet ist, betreten zwar die Priester allezeit das vordere Zelt zur Verrichtung des Gottesdienstes; in das zweite Zelt aber geht einmal im Jahr nur der Hohepriester, nicht ohne Blut, das er für sich selbst und für die Versehen des Volkes darbringt. Damit zeigt der heilige Geist deutlich, daß der Weg zum Heiligtum noch nicht geoffenbart sei, solange das vordere Zelt Bestand habe. Dieses ist ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit, da noch Gaben und Opfer dargebracht werden, welche, was das Gewissen anbelangt, den nicht vollkommen machen können, der den Gottesdienst verrichtet, da er sich nur auf Speisen und Getränke und verschiedene Waschungen bezieht, auf fleischliche Verordnungen, welche bis zur Zeit der Zurechtbringung auferlegt sind.
Als aber Christus kam als ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, ist er durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht durch das Blut von Böcken und Kälbern, sondern durch sein eigenes Blut ein für allemal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden.
Denn wenn das Blut von Böcken und Stieren und die Besprengung mit der Asche der jungen Kuh die Verunreinigten heiligt zu leiblicher Reinigkeit, wieviel mehr wird das Blut Christi, der durch ewigen Geist sich selbst als ein tadelloses Opfer Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott! Darum ist er auch Mittler eines neuen Bundes, damit (nach Verbüßung des Todes zur Erlösung von den unter dem ersten Bunde begangenen Übertretungen) die Berufenen das verheißene ewige Erbe empfingen. Hebräer 9:1-15

Die Stiftshütte

„Die Stiftshütte war auseinandernehmbar, so daß die Israeliten sie auf allen ihren Wanderungen mitführen konnten. Sie war deshalb klein, nur fünfzehn Meter lang und je fünf Meter breit und hoch. Trotzdem sah sie prachtvoll aus. Die Hütte und ihre Geräte bestanden aus Akazienholz, das für Fäulnis weniger anfällig war als alle anderen Bäume am Sinai, die Wände aus aufgerichteten Brettern, die auf silbernen Sockeln von Pfeilern und Querbalken festgehalten wurden. Und alles war mit Gold überzogen. Das gab dem ganzen Bauwerk das Aussehen von massivem Gold. Vier Lagen Teppiche bildeten das Dach, der innerste „von gezwirnter feiner Leinwand, von blauem und rotem Purpur und von Scharlach. Cherubim sollst du einweben in kunstreicher Arbeit.“ 2.Mose 26,1. Die drei anderen Teppiche bestanden aus Ziegenhaar, rotgefärbten Widderfellen und Dachsfellen. Sie waren so angeordnet, daß sie vollständig Schutz boten.“
Ellen G. White, Patriarchen und Propheten (1999), S. 324

Vorhof

„Das heilige Zelt war von einem offenen Vorhof eingeschlossen, der von einer Schutzwand aus feiner Leinwand, die an Messingsäulen hing, begrenzt wurde. Der Eingang zu diesem Vorhof lag an der Ostseite. Vorhänge aus meisterhaft gearbeitetem, kostbarem Stoff, obwohl geringer an Wert als die am Heiligtum, schlossen ihn ab. Da die Behänge des Vorhofs nur etwa halb so hoch waren wie die Wände des Heiligtums, konnte man von draußen den Bau deutlich sehen. Im Vorhof stand in der Nähe des Eingangs der eherne Brandopferaltar. Auf ihm wurden dem Herrn alle Brandopfer dargebracht und seine Hörner mit dem versöhnenden Blut besprengt. Zwischen dem Altar und dem Eingang zum Heiligtum befand sich das Waschbecken. Es war aus Erz gefertigt und aus Spiegeln, einer freiwilligen Opfergabe der israelitischen Frauen. An dem Becken sollten sich die Priester Hände und Füße waschen, so oft sie in die heiligen Räume gingen oder an den Altar traten, um dem Herrn Brandopfer darzubringen.“
Ellen G. White, Patriarchen und Propheten (1999), S. 324

Das Heilige

„Die heiligen Stätten des Heiligtums im Himmel werden durch die zwei Abteilungen im irdischen Heiligtum dargestellt. Als dem Apostel Johannes in einem Gesicht ein Blick auf den Tempel Gottes im Himmel gewährt wurde, sah er, wie dort „sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Stuhl“. Offenbarung 4,5. Er erblickte einen Engel, der „hatte ein goldenes Räuchfaß; und ihm ward viel Räuchwerk gegeben, daß er es gäbe zum Gebet aller Heiligen auf den goldenen Altar vor dem Stuhl“. Offenbarung 8,3. Hier wurde dem Propheten gestattet, die erste Abteilung des himmlischen Heiligtums zu schauen; und er sah dort die „sieben Fackeln mit Feuer“ und „den goldenen Altar“, dargestellt durch den goldenen Leuchter und den Räucheraltar im irdischen Heiligtum. Wiederum heißt es: „Der Tempel Gottes ward aufgetan im Himmel“ (Offenbarung 11,19), und er schaute in das Innere, hinter den zweiten Vorhang, in das Allerheiligste. Hier erblickte er „die Lade des Bundes“, dargestellt durch die heilige Lade, die Mose anfertigen ließ, um das Gesetz Gottes darin aufzubewahren. So fanden die, die sich mit diesem Problem befaßten, unbestreitbare Beweise für das Vorhandensein eines Heiligtums im Himmel. Mose baute das irdische Heiligtum nach einem Vorbild, das ihm gezeigt worden war. Paulus lehrt, daß jenes Vorbild das wahrhaftige Heiligtum sei, das im Himmel ist; und Johannes bezeugt, daß er es im Himmel gesehen habe.“
Ellen G. White, Der große Kampf (1973), S. 415

„Ein kostbarer, schöner Vorhang teilte die Hütte in zwei Räume; er hing an vergoldeten Säulen. Ein ähnlicher Vorhang verschloß den Eingang zur ersten Abteilung. Diese und die inneren Teppiche trugen, schön angeordnet, die wunderbarsten Farben: blau, purpurn und scharlach. Aus Gold- und Silberfäden eingewebte Cherubim stellten die Engelschar dar, die im himmlischen Heiligtum dienen und auch für das Volk Gottes auf Erden dienstbare Geister sind. Das heilige Zelt war von einem offenen Vorhof eingeschlossen, der von einer Schutzwand aus feiner Leinwand, die an Messingsäulen hing, begrenzt wurde.“
Ellen G. White, Patriarchen und Propheten (1999), S. 324

Im ersten Raum, dem Heiligen, standen der Schaubrottisch, der Leuchter und der Rauchopferaltar. Der Schaubrottisch an der Nordseite hatte einen zierlichen Aufsatz und war mit reinem Gold überzogen. Auf diesen Tisch mußten die Priester an jedem Sabbat zwölf Brote, in zwei Schichten angeordnet, legen und mit Weihrauch besprengen. Die alten Brote wurden entfernt und sollten von den Priestern verzehrt werden, weil sie als heilig galten. An der Südseite stand der siebenarmige Leuchter mit den sieben Lampen. Seine Arme waren mit ausnehmend fein gearbeiteten Blumen geschmückt, die Lilien glichen, alles aus massivem Gold. Da die Stiftshütte keine Fenster hatte, wurden niemals alle Lampen gleichzeitig gelöscht, sie leuchteten vielmehr Tag und Nacht. Dicht vor dem Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten und damit von der unmittelbaren Gegenwart Gottes trennte, stand der goldene Rauchopferaltar. Darauf sollte der Priester an jedem Morgen und Abend Räuchwerk verbrennen. Die Hörner des Altars wurden mit dem Blut des Sündopfers bestrichen und am großen Versöhnungstag mit Blut besprengt. Das Feuer auf diesem Altar hatte Gott selbst entzündet, und es wurde deshalb heiliggehalten. Ununterbrochen verbreitete der Weihrauch seinen Wohlgeruch in den heiligen Räumen und weit um die Stiftshütte herum.“
Ellen G. White, Patriarchen und Propheten (1999), S. 325

„Im Heiligen, nach Süden hin, befand sich der Leuchter mit seinen sieben Lampen, die das Heiligtum Tag und Nacht erleuchteten; nach Norden hin stand der Schaubrottisch und vor dem Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte, der goldene Räuchaltar, von dem die Wolke des Wohlgeruchs mit den Gebeten Israels täglich zu Gott emporstieg.“
Ellen G. White, Der große Kampf, S. 413

Das Allerheiligste

„Hinter dem zweiten Vorhang über dem Gnadenstuhl war der Ort der sichtbaren Offenbarung der Herrlichkeit Gottes, vor den außer dem Hohenpriester niemand treten und am Leben bleiben konnte.“
Ellen G. White, Der große Kampf, S. 414 – 415

„Der Deckel dieser heiligen Truhe war der Gnadenthron, der aus purem Gold bestand.“
Ellen G. White, Die Engel, S. 82

„Hinter dem zweiten Vorhang war das Allerheiligste, der Mittelpunkt des sinnbildlichen Versöhnungs- und Mittlerdienstes, das Bindeglied zwischen Himmel und Erde. Hier stand die Bundeslade, eine Truhe aus Akazienholz, innen und außen mit Gold überzogen, oben mit einer goldenen Leiste versehen. Sie diente als Aufbewahrungsort der Steintafeln, auf die Gott selbst die Zehn Gebote geschrieben hatte. Daher wurde sie Lade des Testamentes oder Lade des Bundes genannt, weil die Zehn Gebote die Grundlage des Bundes zwischen Gott und Israel waren.
Der Deckel der heiligen Lade wurde Gnadenstuhl genannt; er war aus einem einzigen massiven Stück Gold gearbeitet. Goldene Cherubim deckten ihn, je einer zu beiden Seiten. Ein Flügel jedes Engels war nach oben gerichtet, während der andere den Leib als Zeichen der Ehrfurcht und Demut umhüllte. Die Haltung der Cherubim, die sich einander zuwandten und ehrerbietig auf die Lade hinabschauten, versinnbildete die Ehrfurcht, mit der die himmlische Schar auf das Gesetz Gottes sieht, und ihre Anteilnahme am Erlösungsplan. In der Schechina über dem Gnadenstuhl offenbarte Gott seine Gegenwart; inmitten der Cherubim tat Gott seinen Willen kund. Hin und wieder wurden dem Hohenpriester göttliche Botschaften durch eine Stimme aus der Wolke mitgeteilt. Manchmal fiel ein Licht auf den Engel zur Rechten zum Zeichen der Billigung und Annahme, oder es ruhte ein Schatten auf dem Engel zur Linken, um Mißfallen oder Verwerfung auszudrücken. Das in der Lade verwahrte Gesetz Gottes war die erhabene Richtschnur für Gerechtigkeit und Gericht. Es verurteilte den Übertreter zum Tode; aber über dem Gesetz offenbarte sich Gottes Gegenwart auf dem Gnadenstuhl, von dem aufgrund des Sühnopfers dem reuigen Sünder Vergebung zuteil wurde. So kommt es, daß in dem Erlösungswerk Christi, das der Heiligtumsdienst versinnbildete, „Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen“. Psalm 85,11.“
Ellen G. White, Patriarchen und Propheten (1999), S. 325-326

„Der Deckel dieser heiligen Truhe war der Gnadenthron, der aus purem Gold bestand. Auf jeder Seite des Gnadenthrons befand sich ein Cherub aus Gold. Sie waren einander zugewandt und blickten ehrerbietig nach unten auf den Gnadenthron. Das war ein Sinnbild dafür, daß alle himmlischen Engel mit großem Interesse und Ehrerbietung auf das Gesetz blicken, das Gott in die himmlische Bundeslade gelegt hat. Diese Cherubim hatten Flügel, davon wies einer nach oben in den Himmel, der andere bedeckte sie. Die Bundeslade auf der Erde war das Abbild der Bundeslade im Himmel. Dort stehen lebendige Engel auf beiden Seiten der Lade; mit dem einem Flügel, der nach oben weist, bedecken sie den Gnadenstuhl, mit dem anderen bedecken sie sich selbst, als Zeichen ihrer Ehrfurcht und Demut. The Spirit of Prophecy I, 272.“
Ellen G. White, Die Engel, S. 83-84

„Die heiligen Stätten des Heiligtums im Himmel werden durch die zwei Abteilungen im irdischen Heiligtum dargestellt. Als dem Apostel Johannes in einem Gesicht ein Blick auf den Tempel Gottes im Himmel gewährt wurde, sah er, wie dort „sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Stuhl“. Offenbarung 4,5. Er erblickte einen Engel, der „hatte ein goldenes Räuchfaß; und ihm ward viel Räuchwerk gegeben, daß er es gäbe zum Gebet aller Heiligen auf den goldenen Altar vor dem Stuhl“. Offenbarung 8,3. Hier wurde dem Propheten gestattet, die erste Abteilung des himmlischen Heiligtums zu schauen; und er sah dort die „sieben Fackeln mit Feuer“ und „den goldenen Altar“, dargestellt durch den goldenen Leuchter und den Räucheraltar im irdischen Heiligtum. Wiederum heißt es: „Der Tempel Gottes ward aufgetan im Himmel“ (Offenbarung 11,19), und er schaute in das Innere, hinter den zweiten Vorhang, in das Allerheiligste. Hier erblickte er „die Lade des Bundes“, dargestellt durch die heilige Lade, die Mose anfertigen ließ, um das Gesetz Gottes darin aufzubewahren. So fanden die, die sich mit diesem Problem befaßten, unbestreitbare Beweise für das Vorhandensein eines Heiligtums im Himmel. Mose baute das irdische Heiligtum nach einem Vorbild, das ihm gezeigt worden war. Paulus lehrt, daß jenes Vorbild das wahrhaftige Heiligtum sei, das im Himmel ist; und Johannes bezeugt, daß er es im Himmel gesehen habe.“
Ellen G. White, Der große Kampf, S. 415

Was ist das Heiligtum?

 

„Jesus sandte seine Engel, um die Gedanken der getäuschten Seelen auf das Allerheiligste zu richten, wo er eingegangen war, um das Heiligtum zu reinigen und eine besondere Versöhnung für Israel zu wirken. Jesus sagte den Engeln, daß alle, welche ihn finden, das Werk verstehen werden, welches er tue. Ich sah, daß Jesus, während er in dem Allerheiligsten war mit dem neuen Jerusalem vermählt wurde, und nachdem sein Werk im Allerheiligsten erfüllt sein wird, wird er in königlicher Macht auf die Erde herabkommen und die treuen Seelen zu sich nehmen, die geduldig auf seine Rückkehr gewartet haben.

Es wurde mir gezeigt, was am Schluß der prophetischen Perioden 1844 im Himmel stattfand. Als Jesus sein Predigtamt in dem Heiligen beendigte und die Tür zu dieser Abteilung schloß, lagerte sich eine große Finsternis über diejenigen, welche die Botschaften von seinem Kommen gehört und verworfen hatten, und sie verloren ihn aus den Augen. Dann bekleidete sich Jesus mit köstlichen Gewändern. An dem Saum seines Kleides waren abwechselnd Schellen und Granatäpfel. Ein Brustschild von kunstvoller Arbeit hing von seinen Schultern herab. Wenn er sich bewegte, glänzte es gleich Edelsteinen und ließ Buchstaben hervortreten, die auf dem Brustschild geschrieben oder eingegraben waren. Auf seinem Haupte war etwas, was einer Krone ähnlich sah. Als er vollständig bekleidet war, wurde er von Engeln umgeben und fuhr in seinem feurigen Wagen hinter den zweiten Vorhang. 

Es wurde mir dann geboten, die zwei Abteilungen des himmlischen Heiligtums zu betrachten. Der Vorhang oder die Tür war offen, und es wurde mir erlaubt einzutreten. In der ersten Abteilung sah ich den siebenarmigen Leuchter, den Tisch mit den Schaubroten, den Räucheraltar und das Rauchfaß. Alle Gegenstände dieser Abteilung schienen reich dem reinsten Golde und strahlten das Bild dessen wieder, der diesen Ort betrat. Der Vorhang, welcher die beiden Abteilungen trennte, bestand aus verschiedenen Farben und verschiedenem Material, mit einer prachtvollen Borte, in welche goldene Bilder, Engel darstellend, eingewebt waren. Der Vorhang wurde gehoben und ich schaute in die zweite Abteilung. Ich sah dort eine Arche, welche das Aussehen von feinstem Golde hatte. Eine prachtvolle Arbeit, Kronen darstellend, umgab als Einfassung den Rand der Arche. In der Arche befanden sich Steintafeln, auf welchen die zehn Gebote geschrieben waren. 

Zwei schöne Cherubim standen mit ausgebreiteten Flügeln darüber, an jedem Ende der Arche einer. Sie berührten einander über dem Haupte Jesu, als er vor dem Gnadenstuhle stand. Ihre Angesichter waren gegeneinander gewendet, und sie blickten auf die Arche nieder. Sie stellten die ganze Engelschar dar, die mit Interesse auf das Gesetz Gottes schaut. Zwischen den Cherubim war ein goldenes Rauchfaß, und wenn die im Glauben dargebrachten Gebete der Heiligen aufstiegen, und er sie seinem Vater darbrachte, stieg eine Wolke des Wohlgeruchs von dem Räucheraltar auf, welche wie Rauch in den herrlichen Farben aussah. Über dem Orte vor der Arche, wo Jesus stand, war eine außerordentliche Herrlichkeit, daß ich nicht hinsehen konnte. Es schien gleich dem Throne Gottes. Als der Weihrauch zu dem Vater aufstieg, übertrug sich die große Herrlichkeit von dem Throne auf Jesum, und von ihm war sie über diejenigen ausgegossen, deren Gebete gleich süßem Wohlgeruch aufstiegen. Es wurde Licht in reichlicher Fülle über Jesum ausgegossen und überschattete den Gnadenstuhl, und die Herrlichkeit Gottes füllte den Tempel. Ich konnte nicht lange auf den außerordentlichen Glanz blicken. Keine Sprache kann ihn beschreiben. Ich war überwältigt und wandte mich von der Erhabenheit und Herrlichkeit der Szene ab. 

Es wurde mir auch ein Heiligtum auf Erden, zwei Abteilungen enthaltend, gezeigt. Es glich dem himmlischen, und es wurde mir gesagt, daß es ein Bild des himmlischen sei. Die Geräte der ersten Abteilung des irdischen Heiligtums waren gleich denen in der ersten Abteilung des himmlischen. Der Vorhang war emporgehoben und ich blickte in das Allerheiligste und sah, daß die Geräte dieselben waren wie in dem Allerheiligsten des himmlischen Heiligtums. Der Priester diente in beiden Abteilungen des irdischen. Er ging täglich in die erste Abteilung; aber das Allerheiligste betrat er nur einmal im Jahr, um es von den Sünden zu reinigen, welche dorthin übertragen waren. Ich sah, daß Jesus in beiden Abteilungen des himmlischen Heiligtums diente. Das irdische Heiligtum betraten die Priester mit dem Blut eines Tieres, als ein Opfer für die Sünde. Christus betrat das himmlische Heiligtum mit dem Opfer seines eigenen Blutes. Die irdischen Priester wurden durch den Tod weggenommen, deshalb konnten sie nicht lange fortfahren; aber Jesus ist ein Priester ewiglich. Durch die Gaben und Opfer, die in das irdische Heiligtum gebracht wurden, wurden die Kinder Israel angeleitet, die Verdienste eines zukünftigen Heilandes zu erfassen. In der Weisheit Gottes sind uns Einzelheiten dieses Werkes gegeben, damit wir, indem wir darauf zurückblicken, das Werk Jesu im himmlischen Heiligtum verstehen möchten. 

Als Jesus auf Golgatha starb, rief er aus: „Es ist vollbracht!“ Und „der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus.“ Dies sollte zeigen, daß der Dienst des irdischen Heiligtums für immer beendet sei, und daß Gott nicht mehr mit den Priestern im irdischen Tempel sein wollte, um ihre Opfer entgegen zu nehmen. Das Blut Jesu, welches von ihm selbst in dem himmlischen Heiligtum dargebracht werden sollte, war dann vergossen worden. Wie der Priester das Allerheiligste einmal im Jahr betrat, um das irdische Heiligtum zu reinigen, so betrat Jesus das Allerheiligste des Himmels am Ende der 2300 Tage von Daniel 8 im Jahre 1844, um eine endliche Versöhnung für alle zu vollbringen, welche durch seine Vermittlung sich helfen lassen wollen, um so das Heiligtum zu reinigen.“
Ellen G. White, Erfahrungen und Gesichte sowie Geistliche Gaben, S: 239-242

„Die Bibelstelle, die vor allen andern die Grundlage und der Hauptpfeiler des Adventglaubens war, ist die in Daniel 8,14 gegebene Erklärung: „Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden.“ Dies waren allen denen vertraute Worte, die an das baldige Kommen des Herrn geglaubt hatten. Von tausenden Lippen klang diese Weissagung als das Losungswort ihres Glaubens. Alle fühlten, daß von den darin dargelegten Ereignissen ihre strahlendsten Erwartungen und liebsten Hoffnungen abhingen. Sie hatten gezeigt, daß diese prophetischen Tage im Herbst des Jahres 1844 zu Ende gingen. Mit der übrigen christlichen Welt glaubten die Adventisten, daß die Erde oder ein Teil von ihr das Heiligtum sei und daß die Weihe des Heiligtums die Reinigung der Erde durch das Feuer des letzten großen Tages bedeutete und bei der Wiederkunft Christi stattfände. Daraus entstand die Schlußfolgerung, daß Christus im Jahre 1844 auf die Erde zurückkehren würde. 

Aber die festgesetzte Zeit war vorübergegangen und der Herr — nicht erschienen. Die Gläubigen wußten, daß das Wort Gottes nicht irren konnte; ihre Auslegung der Weissagung mußte also auf falscher Fährte sein; aber wo steckte der Fehler? Viele zerhieben voreilig diese Schwierigkeit, indem sie in Abrede stellten, daß die zweitausenddreihundert Tage im Jahre 1844 endeten. Dafür konnten sie jedoch keinen andern Grund anführen als den, daß Christus nicht zu der Zeit gekommen war, da sie ihn erwartet hatten. Sie schlossen daraus, daß, wenn die prophetischen Tage im Jahre 1844 zu Ende gegangen wären, Christus dann gekommen sein würde, um durch die Läuterung der Erde mit Feuer das Heiligtum zu reinigen, und daß, weil er nicht gekommen sei, die Tage auch nicht verstrichen sein könnten.

Durch Annahme dieser Schlußfolgerung verwarfen sie die ehemalige Berechnung der prophetischen Zeitangaben. Wie man gefunden hatte, fingen die zweitausenddreihundert Tage an, als das Gebot des Artaxerxes (oder Arthahsastha), das die Wiederherstellung und den Aufbau von Jerusalem befahl, in Kraft trat: im Herbst des Jahres 457 v. Chr. Dies als Ausgangspunkt annehmend, ergab sich in der Auslegung jener Periode eine vollkommene Übereinstimmung mit allen in Daniel 9,25-27 vor Augen geführten Ereignissen. Neunundsechzig Wochen, die ersten vierhundertdreiundachtzig von den zweitausenddreihundert Jahren, sollten sich bis auf Christus, den Gesalbten, erstrecken. Christi Taufe und die Salbung mit dem Heiligen Geist im Jahre 27 n. Chr. erfüllten diese Angaben genau. In der Mitte der siebzigsten Woche sollte der Gesalbte ausgerottet werden. Dreieinhalb Jahre nach seiner Taufe, im Frühling des Jahres 31 n. Chr., wurde Christus gekreuzigt. Die siebzig Wochen oder vierhundertneunzig Jahre sollten insbesondere den Juden gehören. Am Schluß jenes Zeitraumes besiegelte diese Nation die Verwerfung Christi durch die Verfolgung seiner Jünger, und die Apostel wandten sich im Jahre 34 n. Chr. zu den Heiden. Nachdem vierhundertneunzig Jahre von den zweitausenddreihundert verstrichen waren, blieben noch achtzehnhundertzehn Jahre übrig. Vom Jahre 34 n. Chr. erstrecken sich achtzehnhundertzehn Jahre bis ins Jahr 1844. „Dann“, sagte der Engel, „wird das Heiligtum wieder geweiht werden.“ Alle vorhergehenden Angaben der Weissagung waren unverkennbar zur bestimmten Zeit erfüllt worden.

Alles war bei dieser Berechnung klar und zutreffend, nur ließ sich nicht erkennen, daß irgendein Ereignis, das der Weihe des Tempels entspräche, im Jahre 1844 stattgefunden habe. Wollte man verneinen, daß die Tage zu jener Zeit endeten, so hieße das Verwirrung in die ganze Sache bringen und Grundsätze umstoßen, die durch untrügliche Erfüllungszeichen der Weissagung ihre Bestätigung erhalten hatten.

Aber Gott war in der großen Adventbewegung der Leiter seines Volkes gewesen; seine Macht und Herrlichkeit hatten das Werk begleitet, und er wollte es nicht in Finsternis und Enttäuschung enden lassen, damit man es nicht beschuldigen könne, eine falsche und schwärmerische Bewegung gewesen zu sein. Er konnte sein Wort nicht im Lichte des Zweifels und der Ungewißheit erscheinen lassen. Wenn auch viele ihre frühere Berechnung der prophetischen Zeitangaben fahren ließen und die Richtigkeit der darauf gegründeten Bewegung verneinten, so waren andere doch nicht willens, Glaubenspunkte und Erfahrungen aufzugeben, die durch die Heilige Schrift und das Zeugnis des Geistes Gottes erhärtet wurden. Sie glaubten, daß sie in ihrem Studium der Weissagungen diese richtig ausgelegt hätten und daß es ihre Pflicht sei, an den bereits gewonnenen Wahrheiten festzuhalten und ihre biblischen Forschungen fortzusetzen. Mit ernstem Gebet prüften sie ihre Auffassungen und forschten in der Heiligen Schrift, um ihren Fehler zu entdecken. Da sie in ihrer Berechnung der prophetischen Zeitabschnitte keinen Irrtum entdecken konnten, fühlten sie sich veranlaßt, das „Heiligtum“ näher zu prüfen.

Ihre Untersuchung ergab, daß keine biblischen Beweise die allgemeine Ansicht, daß die Erde das Heiligtum sei, unterstützten. Aber sie fanden in der Bibel eine vollständige Auslegung über das Heiligtum, seine Beschaffenheit, seinen Standort und den in ihm stattfindenden Dienst. Das Zeugnis der heiligen Schreiber war so klar und ausführlich, daß es keinen Zweifel darüber aufkommen ließ. Paulus sagt in dem Brief an die Hebräer: „Es hatte zwar auch das erste seine Rechte des Gottesdienstes und das äußerliche Heiligtum. Denn es war da aufgerichtet das Vorderteil der Hütte, darin der Leuchter war und der Tisch und die Schaubrote; und dies heißt das Heilige. Hinter dem andern Vorhang aber war die Hütte, die da heißt das Allerheiligste; die hatte das goldene Räuchfaß und die Lade des Testaments allenthalben mit Gold überzogen, in welcher war der goldene Krug mit dem Himmelsbrot und die Rute Aarons, die gegrünt hatte, und die Tafeln des Testaments; oben darüber aber waren die Cherubim der Herrlichkeit, die überschatteten den Gnadenstuhl.“ Hebräer 9,1-5.

Das Heiligtum, auf das der Apostel hier hinweist, war die von Mose nach dem Befehl Gottes als die irdische Wohnstätte des Allerhöchsten erbaute Stiftshütte. „Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, daß ich unter ihnen wohne“ (2.Mose 25,8), lautete die an Mose gerichtete Anweisung zu der Zeit, da er mit Gott auf dem Berge war. Die Israeliten zogen durch die Wüste, und die Stiftshütte war so gebaut, daß sie von Ort zu Ort mitgenommen werden konnte. Dennoch war sie ein großartiger Bau. Ihre Wände bildeten aufrechtstehende, mit schwerem Gold belegte Bretter, die in silberne Sockel eingelassen waren, während das Dach aus Teppichen oder Decken bestand, deren äußerste aus Fellen und deren innerste aus feiner, mit prächtigen Cherubim durchwirkter Leinwand hergestellt waren. Ohne den Vorhof, in dem der Brandopferaltar stand, gehörten zur Stiftshütte selbst zwei Abteilungen, das Heilige und das Allerheiligste, die durch einen schönen und kostbaren Vorhang voneinander getrennt waren; ein ähnlicher Vorhang verschloß den Eingang in die erste Abteilung.

Im Heiligen, nach Süden hin, befand sich der Leuchter mit seinen sieben Lampen, die das Heiligtum Tag und Nacht erleuchteten; nach Norden hin stand der Schaubrottisch und vor dem Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten trennte, der goldene Räuchaltar, von dem die Wolke des Wohlgeruchs mit den Gebeten Israels täglich zu Gott emporstieg.

Im Allerheiligsten stand die Bundeslade aus kostbarem, mit Gold belegtem Holz, der Aufbewahrungsort der zwei Steintafeln, auf die Gott die Zehn Gebote eingegraben hatte. Über der Lade bildete der Gnadenthron den Deckel der heiligen Truhe. Er war ein prächtiges Kunstwerk, auf dem sich zwei Cherubim erhoben, an jeder Seite einer, aus reinem Golde gearbeitet. In dieser Abteilung offenbarte sich die göttliche Gegenwart in der Wolke der Herrlichkeit zwischen den Cherubim.

Nachdem sich die Hebräer in Kanaan niedergelassen hatten, wurde die Stiftshütte durch den Tempel Salomos ersetzt, der, obwohl ein fester Bau und von größerem Umfang, doch die gleichen Größenverhältnisse beibehielt und auf ähnliche Weise ausgestattet war. In dieser Form bestand das Heiligtum, ausgenommen die Zeit Daniels, als es in Trümmern lag, bis zu seiner Zerstörung durch die Römer im Jahre 70 n. Chr.

Dies ist das einzige Heiligtum, das je auf Erden bestanden hat und über das die Bibel irgendwelche Auskunft gibt. Paulus nennt es das Heiligtum des ersten Bundes. Aber hat der Neue Bund kein Heiligtum?

Als sich die nach Wahrheit Forschenden in den Hebräerbrief vertieften, fanden sie, daß das Vorhandensein eines zweiten oder neutestamentlichen Heiligtums in den bereits angeführten Worten des Apostels angedeutet war: „Es hatte zwar auch das erste (d.h. das Alte Testament) seine Rechte des Gottesdienstes und das äußerliche Heiligtum.“ Der Gebrauch des Wortes „auch“ deutet an, daß Paulus dieses Heiligtum zuvor erwähnt hat. Als sie zum vorhergehenden Kapitel zurückgingen, lasen sie am Anfang: „Das ist nun die Hauptsache, davon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zu der Rechten auf dem Stuhl der Majestät im Himmel und ist ein Pfleger des Heiligen und der wahrhaftigen Hütte, welche Gott aufgerichtet hat und kein Mensch.“ Hebräer 8,1.2.

Hier wird das Heiligtum des Neuen Bundes offenbart. Das Heiligtum des ersten Bundes war von Menschen aufgerichtet, von Mose erbaut worden; dieses hier ist vom Herrn und nicht von Menschen aufgerichtet. In jenem Heiligtum vollzogen die irdischen Priester ihren Dienst; in diesem hier dient Christus, unser großer Hoherpriester, zur Rechten Gottes. Das eine Heiligtum befand sich auf Erden, das andere ist im Himmel. 

Ferner war das von Mose erbaute Heiligtum nach einem Vorbild aufgerichtet worden. Der Herr hatte ihn angewiesen: „Wie ich dir ein Vorbild der Wohnung und alles ihres Gerätes zeigen werde, so sollt ihr‘s machen.“ Und wiederum war ihm der Auftrag erteilt worden: „Siehe zu, daß du es machst nach dem Bilde, das du auf dem Berge gesehen hast.“ 2.Mose 25,9.40. Der Apostel erklärt dazu, daß die erste Hütte „ist ein Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit, nach welchem Gaben und Opfer geopfert werden“; daß die heiligen Stätten „der himmlischen Dinge Vorbilder“ waren; daß die Priester, die nach dem Gesetz Gaben darbrachten, „dem Vorbilde und dem Schatten des Himmlischen“ dienten, und daß „Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist (welches ist ein Gegenbild des wahrhaftigen), sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns“. Hebräer 9,9.23; Hebräer 8,5; Hebräer 9,24.

Das Heiligtum im Himmel, in dem Christus um unsertwillen dient, ist das große Urbild des von Mose erbauten Heiligtums. Gott legte seinen Geist auf die Bauleute des irdischen Heiligtums. Die bei seiner Erbauung entfaltete Kunstfertigkeit war eine Offenbarung der göttlichen Weisheit. Die Wände hatten das Aussehen massiven Goldes und warfen das Licht des siebenarmigen goldenen Leuchters in alle Richtungen zurück. Der Schaubrottisch und der Räucheraltar glänzten wie reines Gold. Die prächtigen Teppiche, die die Decke bildeten und mit Engelsgestalten in Blau, Purpur und Scharlach durchwirkt waren, trugen zur Schönheit des Anblicks bei. Hinter dem zweiten Vorhang über dem Gnadenstuhl war der Ort der sichtbaren Offenbarung der Herrlichkeit Gottes, vor den außer dem Hohenpriester niemand treten und am Leben bleiben konnte.

Der unvergleichliche Glanz der irdischen Stiftshütte strahlte dem menschlichen Anblick die Herrlichkeit jenes himmlischen Tempels wider, in dem Christus, unser Vorläufer, für uns vor dem Thron Gottes dient. Die Wohnstätte des Königs der Könige, wo tausendmal tausend ihm dienen und zehntausendmal zehntausend vor ihm stehen (Daniel 7,10), jener Tempel voll der Herrlichkeit des ewigen Thrones, wo Seraphim, die strahlenden Hüter, anbetend ihre Angesichter verhüllen, konnte in dem denkwürdigsten Bau, den Menschenhände je errichteten, nur einen matten Abglanz seiner Größe und Herrlichkeit finden. Doch wurden durch das Heiligtum und seine Gottesdienste wichtige Wahrheiten hinsichtlich des himmlischen Heiligtums und des großen Werkes, das dort zur Erlösung des Menschen ausgeführt wird, gelehrt.

Die heiligen Stätten des Heiligtums im Himmel werden durch die zwei Abteilungen im irdischen Heiligtum dargestellt. Als dem Apostel Johannes in einem Gesicht ein Blick auf den Tempel Gottes im Himmel gewährt wurde, sah er, wie dort „sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Stuhl“. Offenbarung 4,5. Er erblickte einen Engel, der „hatte ein goldenes Räuchfaß; und ihm ward viel Räuchwerk gegeben, daß er es gäbe zum Gebet aller Heiligen auf den goldenen Altar vor dem Stuhl“. Offenbarung 8,3. Hier wurde dem Propheten gestattet, die erste Abteilung des himmlischen Heiligtums zu schauen; und er sah dort die „sieben Fackeln mit Feuer“ und „den goldenen Altar“, dargestellt durch den goldenen Leuchter und den Räucheraltar im irdischen Heiligtum. Wiederum heißt es: „Der Tempel Gottes ward aufgetan im Himmel“ (Offenbarung 11,19), und er schaute in das Innere, hinter den zweiten Vorhang, in das Allerheiligste. Hier erblickte er „die Lade des Bundes“, dargestellt durch die heilige Lade, die Mose anfertigen ließ, um das Gesetz Gottes darin aufzubewahren. So fanden die, die sich mit diesem Problem befaßten, unbestreitbare Beweise für das Vorhandensein eines Heiligtums im Himmel. Mose baute das irdische Heiligtum nach einem Vorbild, das ihm gezeigt worden war. Paulus lehrt, daß jenes Vorbild das wahrhaftige Heiligtum sei, das im Himmel ist; und Johannes bezeugt, daß er es im Himmel gesehen habe.

Im himmlischen Tempel, der Wohnstätte Gottes, ist sein Thron auf Gerechtigkeit und Gericht gegründet. Im Allerheiligsten ist sein Gesetz der große Maßstab des Rechts, nach dem alle Menschen geprüft werden. Die Bundeslade, welche die Tafeln des Gesetzes birgt, ist mit dem Gnadenstuhl bedeckt, vor dem Christus sein Blut zugunsten des Sünders darbietet. Auf diese Weise wird die Verbindung von Gerechtigkeit und Gnade im Plan der menschlichen Erlösung dargestellt. Diese Vereinigung konnte allein ewige Weisheit ersinnen und unendliche Macht vollbringen; es ist eine Verbindung, die den ganzen Himmel mit Staunen und Anbetung erfüllt. Die ehrerbietig auf den Gnadenstuhl niederschauenden Cherubim des irdischen Heiligtums versinnbilden die Anteilnahme, mit der die himmlischen Heerscharen das Werk der Erlösung betrachten. Dies ist das Geheimnis der Gnade, das auch die Engel verlangt zu schauen: daß Gott gerecht sein kann, während er den reumütigen Sünder rechtfertigt und seine Verbindung mit dem gefallenen Geschlecht erneuert; daß Christus sich herablassen konnte, unzählige Scharen aus dem Abgrund des Verderbens herauszuheben und sie mit den fleckenlosen Gewändern seiner eigenen Gerechtigkeit zu bekleiden, damit sie sich mit Engeln, die nie gefallen sind, vereinen und ewig in der Gegenwart Gottes wohnen können. 

Christi Werk als Fürsprecher der Menschen wird in der schönen Weissagung Sacharjas von dem, „der heißt Zemach“ (Zweig), veranschaulicht. Der Prophet sagt: „Den Tempel des Herrn wird er bauen und wird den Schmuck tragen und wird sitzen und herrschen auf seinem (des Vaters) Thron, wird auch Priester sein auf seinem Thron und es wird Friede sein zwischen den beiden.“ Sacharja 6,13.

„Den Tempel des Herrn wird er bauen.“ Durch sein Opfer und sein Mittleramt ist Christus beides, der Grund und der Baumeister der Gemeinde Gottes. Der Apostel Paulus verweist auf ihn als den Eckstein, „auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchem auch ihr mit erbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist“. Epheser 2,21.22.

„Und wird den Schmuck tragen.“ Der Schmuck, die Herrlichkeit der Erlösung des gefallenen Geschlechts, gebührt Christus. In der Ewigkeit wird das Lied der Erlösten sein: Dem, „der uns geliebt hat und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut …, dem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen“. Offenbarung 1,5.6.

Er „wird sitzen und herrschen auf seinem Thron, wird auch Priester sein auf seinem Thron“. Jetzt sitzt er noch nicht auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit; denn das Reich der Herrlichkeit ist noch nicht aufgerichtet. Erst nach der Vollendung seines Werkes wird Gott „ihm den Stuhl seines Vaters David geben“, ein Reich, dessen „kein Ende sein“ wird. Lukas 1,32.33. Als Priester sitzt Christus jetzt mit seinem Vater auf dessen Stuhl. Offenbarung 3,21. Auf dem Throne mit dem Ewigen, der in sich selbst Dasein hat, sitzt er, der da „trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen“, „der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde“, damit er könnte „helfen denen, die versucht werden“. „Ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater.“ Jesaja 53,4; Hebräer 4,15; Hebräer 2,18; 1.Johannes 2,1. Seine Vermittlung geschieht durch einen durchbohrten und gebrochenen Leib, durch sein makelloses Leben. Die verwundeten Hände, die durchstochene Seite, die durchbohrten Füße legen Fürsprache ein für den gefallenen Menschen, dessen Heil so unermeßlich teuer erkauft wurde.

„Und es wird Friede (der Rat des Friedens) sein zwischen den beiden.“ Die Liebe des Vaters ist nicht weniger als die des Sohnes die Quelle des Heils für die verlorene Menschheit. Jesus sagte zu seinen Jüngern, ehe er wegging: „Ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten will; denn er selbst, der Vater, hat euch lieb.“ Johannes 16,26.27. „Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber.“ 2.Korinther 5,19. Und in dem Dienst des Heiligtums droben ist der Rat des Friedens zwischen den beiden. „Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Johannes 3,16.

Die Frage: Was ist das Heiligtum? ist in der Heiligen Schrift klar beantwortet. Der Ausdruck „Heiligtum“, wie er in der Bibel gebraucht wird, bezieht sich zunächst auf die von Mose als Abbild der himmlischen Dinge errichtete Stiftshütte, und zweitens auf die wahrhaftige Hütte im Himmel, auf die das irdische Heiligtum hinwies. Mit dem Tode Christi endete der bildliche Dienst. Die wahre Hütte im Himmel ist das Heiligtum des Neuen Bundes. Und da die Weissagung aus Daniel 8,14 ihre Erfüllung in diesem Bund findet, muß das Heiligtum, auf das sie sich bezieht, das Heiligtum des Neuen Bundes sein. Am Ende der zweitausenddreihundert Tage, im Jahre 1844, hatte sich schon seit vielen Jahrhunderten kein Heiligtum mehr auf Erden befunden. Somit verweist die Weissagung: „Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden“ ohne Zweifel auf das Heiligtum im Himmel.

Aber noch bleibt die wichtigste Frage zu beantworten. Was ist unter der Weihe oder Reinigung des Heiligtums zu verstehen? Das Alte Testament berichtet, daß ein solcher Dienst in Verbindung mit dem irdischen Heiligtum bestand. Aber kann im Himmel irgendetwas zu reinigen sein? In Hebräer 9 wird die Reinigung des irdischen sowie des himmlischen Heiligtums deutlich gelehrt: „Und es wird fast alles mit Blut gereinigt nach dem Gesetz; und ohne Blutvergießen geschieht keine Vergebung. So mußten nun der himmlischen Dinge Vorbilder mit solchem (dem Blut von Tieren) gereinigt werden; aber sie selbst, die himmlischen, müssen bessere Opfer haben, denn jene waren“ (Hebräer 9,22,23) — nämlich das köstliche Blut Christi.

Die Reinigung muß sowohl im Schattendienst als auch im wahrhaftigen Dienst mit Blut vollzogen werden; in jenem mit dem Blut von Tieren, in diesem mit dem Blut Christi. Paulus nennt den Grund, warum diese Reinigung mit Blut vollzogen werden mußte: weil ohne Blutvergießen keine Vergebung geschieht. Vergebung zu erlangen oder die Sünde auszutilgen, das ist das zu vollbringende Werk. Aber wie konnte die Sünde mit dem Heiligtum, sei es im Himmel oder auf Erden, verbunden sein? Das können wir aus dem gegenbildlichen Dienst erkennen; denn die Priester, die ihr Amt auf Erden versahen, dienten „dem Vorbilde und dem Schatten des Himmlischen“. Hebräer 8,5.

Der Dienst im irdischen Heiligtum war ein zweifacher: die Priester dienten täglich im Heiligen, während der Hohepriester einmal im Jahr im Allerheiligsten ein besonderes Werk der Versöhnung zur Reinigung des Heiligtums darbrachte. Tag für Tag führte der reumütige Sünder sein Opfer zur Tür der Stiftshütte und bekannte, seine Hand auf den Kopf des Opfertieres legend, seine Sünden, die er damit bildlich von sich auf das unschuldige Opfer übertrug. Dann wurde das Tier geschlachtet. „Ohne Blutvergießen“, sagt der Apostel, „geschieht keine Vergebung.“ „Des Leibes Leben ist im Blut.“ 3.Mose 17,11. Das gebrochene Gesetz Gottes forderte das Leben des Übertreters. Das Blut, welches das verwirkte Leben des Sünders darstellte, dessen Schuld das Opfertier trug, wurde vom Priester in das Heilige getragen und vor den Vorhang gesprengt, hinter dem sich die Bundeslade mit den Tafeln des Gesetzes befand, das der Sünder übertreten hatte. Durch diese Handlung wurde die Sünde durch das Blut bildlich auf das Heiligtum übertragen. In einigen Fällen wurde das Blut nicht in das Heilige getragen; dann jedoch wurde das Fleisch von dem Priester gegessen, wie Mose die Söhne Aarons anwies und sagte: „Er (Gott) hat‘s euch gegeben, daß ihr die Missetat der Gemeinde tragen sollt.“ 3.Mose 10,17. Beide Handlungen versinnbildeten gleicherweise die Übertragung der Sünde von dem Bußfertigen auf das Heiligtum.

So geschah der Dienst, der das ganze Jahr über Tag für Tag vor sich ging. Die Sünden Israels wurden auf diese Weise auf das Heiligtum übertragen, und eine besondere Handlung war nötig, um sie wegzuschaffen. Gott befahl, daß jede der heiligen Abteilungen versöhnt werden sollte. „Und soll also versöhnen das Heiligtum von der Unreinigkeit der Kinder Israel und von ihrer Übertretung in allen ihren Sünden. Also soll er auch tun der Hütte des Stifts; denn sie sind unrein, die umher lagern.“ Es mußte ferner die Versöhnung vollzogen werden für den Altar, um ihn zu „reinigen und heiligen von der Unreinigkeit der Kinder Israel“. 3.Mose 16,16.19.

Einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag, ging der Priester in das Allerheiligste, um das Heiligtum zu reinigen. Das dort vollzogene Werk vollendete die jährliche Runde des Dienstes im Heiligtum. Am Versöhnungstag wurden zwei Ziegenböcke vor die Tür der Stiftshütte gebracht und das Los über sie geworfen, „ein Los dem Herrn und das andere dem Asasel“. 3.Mose 16,8. Der Bock, auf den des Herrn Los viel, sollte als Sündopfer für das Volk geschlachtet werden, und der Priester mußte dessen Blut hinter den Vorhang bringen und es auf den Gnadenstuhl und vor den Gnadenstuhl sprengen. Auch mußte es auf den Räucheraltar, der vor dem Vorhang stand, gesprengt werden.

„Da soll denn Aaron seine beiden Hände auf sein (des lebenden Bockes) Haupt legen und bekennen auf ihn alle Missetat der Kinder Israel und alle ihre Übertretung in allen ihren Sünden, und soll sie dem Bock auf das Haupt legen und ihn durch einen Mann, der bereit ist, in die Wüste laufen lassen, daß also der Bock alle ihre Missetat auf sich in eine Wildnis trage.“ 3.Mose 16,21.22. Der Sündenbock kam nicht mehr in das Lager Israels, und der Mann, der ihn weggeführt hatte, mußte sich und seine Kleider mit Wasser waschen, ehe er ins Lager zurückkehren durfte.

Die ganze Handlung war dazu bestimmt, den Israeliten die Heiligkeit Gottes und seinen Abscheu vor der Sünde einzuprägen und ihnen ferner zu zeigen, daß sie mit der Sünde nicht in Berührung kommen konnten, ohne befleckt zu werden. Jeder wurde, während dieses Versöhnungswerk vor sich ging, aufgefordert, seine Seele zu demütigen. Alle Beschäftigung mußte beiseite gelegt werden, und die Israeliten hatten den Tag in feierlicher Demütigung vor Gott mit Gebet, Fasten und gründlicher Herzenserforschung zuzubringen.

Der sinnbildliche Dienst ließ wichtige Wahrheiten über die Versöhnung offenbar werden. Ein Stellvertreter wurde statt des Sünders angenommen; aber die Sünde konnte durch das Blut des Opfertieres nicht ausgetilgt werden. Es wurde dadurch nur ein Mittel vorgesehen, sie auf das Heiligtum zu übertragen. Durch das Darbringen des Blutes erkannte der Sünder die Autorität des Gesetzes an, bekannte seine Schuld der Übertretung und drückte sein Verlangen nach Vergebung aus, und zwar im Glauben an einen zukünftigen Erlöser; aber noch war er von der Verdammung des Gesetzes nicht gänzlich befreit. Am Versöhnungstag ging der Hohepriester, nachdem er von der Gemeinde ein Opfer genommen hatte, mit dem Blut dieses Opfers in das Allerheiligste und sprengte es auf den Gnadenstuhl, unmittelbar über das Gesetz, um für dessen Ansprüche Genugtuung zu leisten. Dann nahm er als Mittler die Sünden auf sich selbst und trug sie aus dem Heiligtum. Er legte seine Hände auf den Kopf des lebenden Bockes, bekannte auf ihn alle diese Sünden und übertrug sie damit von sich auf den Bock, den man dann hinwegjagte. Diese Sünden wurden jetzt als für immer vom Volk geschieden betrachtet.

So geschah der in dem „Vorbild und dem Schatten des Himmlischen“ vollzogene Dienst. Und was sinnbildlich im Dienst des irdischen Heiligtums getan wurde, geschieht im Wesen während des Dienstes im himmlischen Heiligtum. Nach seiner Himmelfahrt begann unser Heiland seinen Dienst als Hoherpriester. Paulus sagt: „Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist (welches ist ein Gegenbild des wahrhaftigen), sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns.“ Hebräer 9,24.

Der Dienst des Priesters während des ganzen Jahres in der ersten Abteilung des Heiligtums, „im Inwendigen des Vorhangs“, der die Tür bildete und das Heilige vom Vorhof trennte, stellt den Dienst dar, den Christus mit seiner Himmelfahrt angetreten hat. Es war die Aufgabe des Priesters während des täglichen Dienstes, vor Gott das Blut des Sündopfers und den Weihrauch darzubringen, der mit den Gebeten Israels emporstieg. So machte Christus vor dem Vater sein Blut für die Sünder geltend und brachte ihm ferner mit dem köstlichen Wohlgeruch seiner eigenen Gerechtigkeit die Gebete der reumütigen Gläubigen dar. Das war der Dienst in der ersten Abteilung des himmlischen Heiligtums.

Dorthin folgte Christus der Glaube seiner Jünger, als er, ihren Blicken entschwindend, gen Himmel fuhr. Hier wurzelte ihre Hoffnung, „welche wir“, wie Paulus sagt, „haben als einen sichern und festen Anker unsrer Seele, der auch hineingeht in das Inwendige des Vorhangs, dahin der Vorläufer für uns eingegangen, Jesus, ein Hoherpriester geworden in Ewigkeit“. Christus ist „nicht durch der Böcke oder Kälber Blut, sondern durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden“. Hebräer 6,19.29; Hebräer 9,12.

Achtzehn Jahrhunderte lang wurde dieser Dienst im ersten Teil des Heiligtums fortgeführt. Das Blut Christi legte Fürbitte für reumütige Gläubige ein und verschaffte ihnen Vergebung und Annahme beim Vater, doch standen ihre Sünden noch immer in den Büchern verzeichnet. Wie im irdischen Heiligtum am Ende des Jahres ein Versöhnungsdienst stattfand, so muß, ehe Christi Aufgabe der Erlösung der Menschen vollendet werden kann, das himmlische Heiligtum durch die Entfernung der Sünden versöhnt werden. Dies ist der Dienst, der am Ende der zweitausenddreihundert Tage begann. Zu jener Zeit trat, wie vom Propheten Daniel vorhergesagt wurde, unser großer Hoherpriester in das Allerheiligste, um den letzten Teil seines feierlichen Werkes, die Reinigung des Heiligtums, zu vollziehen.

Wie die Sünden des Volkes vor alters durch den Glauben auf das Sündopfer gelegt und bildlich durch dessen Blut auf das irdische Heiligtum übertragen wurden, so werden im Neuen Bund die Sünden der Bußfertigen durch den Glauben auf Christus gelegt und in Wirklichkeit auf das himmlische Heiligtum übertragen. Und wie im Schattendienst die Reinigung des irdischen Heiligtums durch das Wegschaffen der Sünden, durch die es befleckt worden war, vollbracht wurde, so soll die Reinigung des himmlischen durch das Wegschaffen oder Austilgen der dort aufgezeichneten Sünden vollzogen werden. Ehe dies aber geschehen kann, müssen die Bücher untersucht werden, um zu entscheiden, wer, durch Bereuen der Sünden und den Glauben an Christus, der Wohltaten seiner Versöhnung teilhaftig werden kann. Die Reinigung des Heiligtums schließt deshalb eine Untersuchung, ein Gericht ein. Diese Untersuchung muß stattfinden, ehe Christus kommt, um sein Volk zu erlösen; denn wenn er kommt, ist sein Lohn mit ihm, „zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden“. Offenbarung 22,12. 

Auf diese Weise erkannten die, welche dem Licht des prophetischen Wortes folgten, daß Christus, statt am Ende der zweitausenddreihundert Tage im Jahre 1844 auf die Erde zu kommen, damals in das Allerheiligste des himmlischen Heiligtums einging, um das abschließende Werk der Versöhnung, die Vorbereitung auf sein Kommen, zu vollziehen.

Man erkannte nicht nur, daß der geschlachtete Bock auf Christus als ein Opfer hinwies und den Hohenpriester Christus als einen Mittler darstellte, sondern auch, daß der Sündenbock Satan, den Urheber der Sünde, versinnbildete, auf den die Sünden der wahrhaft Reumütigen schließlich gelegt werden sollen. Wenn der Hohepriester — kraft des Blutes des Sündopfers — die Sünden vom Heiligtum wegschaffte, legte er sie auf den Sündenbock; wenn Christus am Ende seines Dienstes — kraft seines eigenen Blutes — die Sünden seines Volkes aus dem himmlischen Heiligtum fortnimmt, wird er sie auf Satan legen, der bei der Vollstreckung des Gerichts die endgültige Schuld tragen muß. Der Sündenbock wurde in die Wüste gejagt, damit er nie wieder in die Gemeinschaft der Kinder Israel zurückkommen konnte. Ebenso wird Satan auf ewig aus der Gegenwart Gottes und seines Volkes verbannt und bei der endgültigen Vernichtung der Sünde und der Sünder vertilgt werden.“
Ellen G. White, Der große Kampf, Kapitel 23: Was ist das Heiligtum?, S. 410-422

Im Allerheiligsten.

„Das Heiligtum war der Schlüssel zu dem Geheimnis der Enttäuschung vom Jahre 1844. Ein vollständiges System der Wahrheit, harmonisch miteinander verbunden, wurde sichtbar und zeigte, daß Gott die große Adventbewegung geleitet hatte. Offenbar wurde die gegenwärtige Aufgabe des Volkes Gottes, indem seine Stellung und Pflicht ans Licht kam. Gleichwie Jesu Jünger nach der schrecklichen Nacht ihres Schmerzes und ihrer Enttäuschung froh wurden, „daß sie den Herrn sahen“ (Johannes 20,20), so freuten sich nun die, welche im Glauben seiner Wiederkunft entgegengesehen hatten. Sie waren der Hoffnung nachgegangen, daß er in seiner Herrlichkeit erscheinen werde, um seine Knechte zu belohnen. Als ihre Hoffnungen enttäuscht wurden, hatten sie Jesus aus den Augen verloren und wie Maria am Grabe gerufen: „Sie haben den Herrn weggenommen …, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ Nun sahen sie ihn, ihren barmherzigen Hohenpriester, der bald als ihr König und Befreier erscheinen sollte, im Allerheiligsten wieder. Licht aus dem Heiligtum erhellte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie wußten, daß Gott sie in seiner untrüglichen Vorsehung geführt hatte. Wenn sie auch wie die ersten Jünger die Botschaft nicht verstanden, die sie verkündigten, so war sie doch in jeder Hinsicht richtig gewesen. Durch ihre Verkündigung hatten sie Gottes Absicht erfüllt, und ihre Arbeit war vor dem Herrn nicht vergebens gewesen. „Wiedergeboren … zu einer lebendigen Hoffnung“, freuten sie sich „mit unaussprechlicher und herrlicher Freude“. 1.Petrus 1,3.8.

Sowohl die Weissagung in Daniel 8,14: „Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden“ als auch die erste Engelsbotschaft: „Fürchtet Gott und gebet ihm die Ehre; denn die Zeit seines Gerichts ist gekommen“ wiesen auf den Dienst Christ im Allerheiligsten, auf das Untersuchungsgericht hin, nicht aber auf das Kommen Christi zur Erlösung seines Volkes und zur Vernichtung der Gottlosen. Der Fehler lag nicht in der Berechnung der prophetischen Zeitangaben, sondern in dem Ereignis, das am Ende der zweitausenddreihundert Tage stattfinden sollte. Durch diesen Irrtum waren die Gläubigen enttäuscht worden, obwohl sich alles, was durch die Weissagung vorhergesagt war und was sie nach der Schrift erwarten konnten, erfüllt hatte. Zur selben Zeit, als sie den Fehlschlag ihrer Hoffnungen beklagten, hatte das vorhergesagte Ereignis stattgefunden, das sich erfüllen mußte, ehe der Herr erscheinen konnte, um seine Diener zu belohnen.

Christus war gekommen, nicht auf die Erde, wie sie erwartet hatten, sondern, wie im Schatten angedeutet ist, in das Allerheiligste des Tempels Gottes im Himmel. Von dem Propheten Daniel wird dargestellt, wie er zu dieser Zeit vor den Alten der Tage kommt: „Ich sah in diesem Gesichte des Nachts, und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn (nicht zur Erde, sondern) bis zu dem Alten und ward vor ihn gebracht.“ Daniel 7,13.

Dieses Kommen wird uns auch von dem Propheten Maleachi vor Augen geführt: „Bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr suchet; und der Engel des Bundes, des ihr begehret, siehe, er kommt! spricht der Herr Zebaoth.“ Maleachi 3,1. Das Kommen des Herrn zu seinem Tempel geschah für seine Kinder plötzlich, unerwartet. Dort suchten sie ihn nicht, sondern sie erwarteten, daß er auf die Erde käme „mit Feuerflammen, Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelium“. 2.Thessalonicher 1,8. 

Aber auch sie waren noch nicht bereit, ihrem Herrn zu begegnen. Sie mußten noch darauf vorbereitet werden. Ein Licht mußte ihnen leuchten, das ihre Gedanken auf den Tempel Gottes im Himmel richtete, und falls sie im Glauben ihrem Hohenpriester in seinem Dienst dorthin folgten, sollten ihnen neue Pflichten gezeigt werden. Die Gemeinde mußte noch belehrt werden und eine Warnungsbotschaft empfangen. 

Der Prophet sagt: „Wer wird aber den Tag seiner Zukunft erleiden können, und wer wird bestehen, wenn er wird erscheinen? Denn er ist wie das Feuer eines Goldschmieds und wie die Seife der Wäscher. Er wird sitzen und schmelzen und das Silber reinigen; er wird die Kinder Levi reinigen und läutern wie Gold und Silber. Dann werden sie dem Herrn Speisopfer bringen in Gerechtigkeit.“ Maleachi 3,2.3. Die auf Erden leben, wenn die Fürbitte Christi im Heiligtum droben aufhören wird, werden vor den Augen eines heiligen Gottes ohne einen Vermittler bestehen müssen. Ihre Kleider müssen fleckenlos, ihre Charaktere durch das Blut der Besprengung von Sünde gereinigt sein. Durch Gottes Gnade und durch ihre eigenen fleißigen Anstrengungen müssen sie im Kampf mit dem Bösen siegreich bleiben. Während das Untersuchungsgericht im Himmel vor sich geht, während die Sünden reumütiger Gläubiger aus dem Heiligtum entfernt werden, muß sich das Volk Gottes auf Erden in besonderer Weise läutern, d.h. seine Sünden ablegen. Das wird in den Botschaften von Offenbarung 14 deutlich ausgesagt.

Nachdem das geschehen ist, werden die Nachfolger Christi für sein Erscheinen bereit sein. Dann „wird dem Herrn wohl gefallen das Speisopfer Juda‘s und Jerusalems wie vormals und vor langen Jahren“. Maleachi 3,4. Dann wird die Gemeinde, die der Herr bei seinem Kommen zu sich nehmen wird, herrlich sein, eine Gemeinde, „die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas“. Epheser 5,27. Dann wird sie hervorbrechen „wie die Morgenröte, schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne, schrecklich wie die Heerscharen“. Hohelied 6,10. 

Außer dem Eingang des Herrn in seinen Tempel sagt Maleachi auch seine Wiederkunft zur Ausführung des Gerichtes mit folgenden Worten voraus: „Und ich will zu euch kommen und euch strafen und will ein schneller Zeuge sein wider die Zauberer, Ehebrecher und Meineidigen und wider die, so Gewalt und Unrecht tun den Tagelöhnern, Witwen und Waisen und den Fremdling drücken und mich nicht fürchten, spricht der Herr Zebaoth.“ Maleachi 3,5. Judas verweist auf dasselbe Ereignis, wenn er sagt: „Siehe, der Herr kommt mit vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen alle Gottlosen um alle Werke ihres gottlosen Wandels, womit sie gottlos gewesen sind, und um all das Harte, das die gottlosen Sünder wider ihn geredet haben.“ Judas 14-15. Dieses Kommen (Wiederkunft) und der Eingang des Herrn in seinen Tempel sind zwei bestimmte und voneinander verschiedene Ereignisse.

Der Eingang als unser Hoherpriester in das Allerheiligste, um das Heiligtum zu reinigen, wie es in Daniel 8,14 dargelegt ist, das Kommen des Menschensohns zu dem Hochbetagten, das in Daniel 7,13 vor Augen geführt wird, und das Kommen des Herrn zu seinem Tempel, wie es von Maleachi vorausgesagt wird, sind Beschreibungen ein und desselben Ereignisses, das auch durch das Erscheinen des Bräutigams zur Hochzeit dargestellt wird, wie es von Christus in dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen in Matthäus 25 beschrieben ist.

Im Sommer und Herbst des Jahres 1844 erging der Ruf: „Siehe, der Bräutigam kommt!“ Es hatten sich damals die beiden Gruppen der klugen und der törichten Jungfrauen gebildet; eine Gruppe, die mit Freuden auf das Erscheinen des Herrn wartete und sich ernstlich vorbereitet hatte, ihm zu begegnen; eine andere Gruppe, die furchterfüllt und nur aus Gefühlsantrieben handelnd, sich mit der Wahrheit als Theorie zufriedengegeben hatte, aber der Gnade Gottes ermangelte. Im Gleichnis gingen die mit dem Bräutigam zur Hochzeit hinein, welche bereit waren, als er kam. Das hier erwähnte Kommen des Bräutigams findet vor der Hochzeit statt. Die Hochzeit stellt Christi Übernahme seines Reiches dar. Die heilige Stadt, das neue Jerusalem, das die Hauptstadt und Vertreterin des Reiches ist, wird das Weib, die „Braut des Lammes“ genannt. So sagte der Engel zu Johannes: „Komm, ich will dir das Weib zeigen, die Braut des Lammes.“ „Und führte mich hin im Geist …“, erzählt dieser, „und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, herniederfahren aus dem Himmel von Gott.“ Offenbarung 21,9.10. Demnach stellt offenbar die Braut die heilige Stadt dar, und die Jungfrauen, die dem Bräutigam entgegengehen, sind ein Sinnbild der Gemeinde. Nach der Offenbarung sollen die Kinder Gottes die Gäste beim Hochzeitsmahl sein. Offenbarung 19,9. Sind sie die Gäste, so können sie nicht zu gleicher Zeit als Braut dargestellt werden. Christus wird, wie uns der Prophet Daniel dies schildert, von dem Alten „Gewalt, Ehre und Reich“ entgegennehmen. Er wird das neue Jerusalem, die Stadt seines Reiches, empfangen, „bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann“. Daniel 7,14; Offenbarung 21,2. Nachdem er das Reich empfangen hat, wird er in seiner Herrlichkeit als König der Könige und Herr der Herren kommen, um sein Volk zu erlösen, das „mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen“ (Matthäus 8,11; Lukas 22,30) wird an seinem Tisch in seinem Reich, um an dem Hochzeitsmahl des Lammes teilzunehmen.

Die Verkündigung: „Siehe, der Bräutigam kommt!“, wie sie im Sommer des Jahres 1844 erging, veranlaßte Tausende, die unmittelbare Ankunft des Herrn zu erwarten. Zur vermuteten Zeit kam der Bräutigam, aber nicht, wie sein Volk erwartete, auf die Erde, sondern zum Alten im Himmel, zur Hochzeit, zur Übernahme seines Reiches. „Die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür ward verschlossen.“ Sie waren bei der Hochzeit nicht anwesend, denn diese fand im Himmel statt, während sie noch auf Erden lebten. Die Nachfolger Christi sollen „auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit“. Lukas 12,36. Aber sie müssen sein Werk verstehen und ihm im Glauben folgen, wenn er hineingeht vor den Thron Gottes. In diesem Sinne kann von ihnen gesagt werden, daß sie hineingehen zur Hochzeit.

Im Gleichnis nahmen die, welche Öl in ihren Gefäßen und ihren Lampen hatten, an der Hochzeit teil. Alle, die mit der Erkenntnis der Wahrheit aus der Heiligen Schrift auch den Geist und die Gnade Gottes besaßen, die in der Nacht ihrer bitteren Prüfung geduldig gewartet und in der Bibel nach hellerem Licht geforscht hatten, erkannten die Wahrheit bezüglich des Heiligtums im Himmel und des veränderten Dienstes des Heilandes und folgten ihm im Glauben in seinem Dienst im himmlischen Heiligtum. Und alle, die durch das Zeugnis der Heiligen Schrift dieselben Wahrheiten annehmen und Christus im Glauben folgen, wenn er vor Gott tritt, das letzte Werk der Fürsprache zu vollziehen, um bei dessen Abschluß sein Reich zu empfangen, werden als solche dargestellt, die zur Hochzeit hineingehen.

In dem Gleichnis in Matthäus 22 wird das gleiche Bild von der Hochzeit angewandt, und es wird deutlich gezeigt, daß das Untersuchungsgericht vor der Hochzeit stattfindet. Vor der Hochzeit ging der König hinein, um zu sehen (Matthäus 22,11), ob alle Gäste mit dem hochzeitlichen Kleid, dem fleckenlosen Gewand, dem Charakter, der gewaschen und hell gemacht ist „im Blut des Lammes“ (Offenbarung 7,14), angetan waren. Wer nicht mit einem solchen Gewand bekleidet ist, wird hinausgeworfen werden, aber alle, die bei der Prüfung in einem hochzeitlichen Kleid angetroffen werden, wird Gott annehmen und für würdig erachten, einen Anteil an seinem Reich und einen Sitz auf seinem Thron zu haben. Diese Charakterprüfung, die Entscheidung, wer für das Reich Gottes bereit ist, bedeutet das Untersuchungsgericht, das Schlußwerk im himmlischen Heiligtum.

Wenn diese Untersuchung beendet ist, wenn die Fälle derer, die sich von jeher als Nachfolger Christi bekannt haben, geprüft und entschieden worden sind, dann und nicht eher wird die Prüfungszeit zu Ende gehen und die Gnadentür geschlossen werden. Somit führt uns der kurze Satz: „Die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür ward verschlossen“ durch den letzten Dienst Christi bis zur Vollendung des großen Erlösungswerkes.

Im Dienst des irdischen Heiligtums, der, wie wir gesehen haben, ein Abbild des Dienstes im himmlischen war, ging der Dienst in der ersten Abteilung zu Ende, wenn der Hohepriester am Versöhnungstag das Allerheiligste betrat. Gott befahl: „Kein Mensch soll in der Hütte des Stifts sein, wenn er hineingeht, zu versöhnen im Heiligtum, bis er herausgehe.“ 3.Mose 16,17. So beschloß Christus, als er das Allerheiligste betrat, um die letzte Aufgabe der Versöhnung zu vollziehen, seinen Dienst in der ersten Abteilung. Doch als dieser endete, begann der Dienst in der zweiten Abteilung. Wenn der Hohepriester im Schattendienst am Versöhnungstag das Heilige verließ, betrat er den Ort der Gegenwart Gottes, um für alle Israeliten, die ihre Sünden wahrhaft bereuten, das Blut des Sündopfers darzubringen. So hatte Christus nur einen Teil seines Werkes als unser Vermittler vollendet, um einen andern Teil desselben Werkes zu beginnen, wobei er noch immer kraft seines Blutes für die Sünder beim Vater Fürbitte einlegte.

Dies verstanden die Adventisten im Jahre 1844 nicht. Nachdem die Zeit, da der Heiland erwartet wurde, verstrichen war, glaubten sie noch immer, daß sein Kommen nahe sei, daß sie einen entscheidenden Augenblick erreicht hätten und daß das Werk Christi als Mittler des Menschen vor Gott zu Ende sei. Es schien ihnen, die Bibel lehre, daß die Prüfungszeit des Menschen kurz vor der wirklichen Ankunft des Herrn in den Wolken des Himmels zu Ende ginge. Dies glaubten sie aus jenen Schriftstellen herauszulesen, die auf eine Zeit hinweisen, in der die Menschen die Tür der Gnade suchen, anklopfen und rufen, ihnen aber nicht geöffnet wird. Sie fragten sich nun, ob die Zeit, zu der sie die Wiederkunft Christi erwartet hatten, nicht vielmehr den Anfang dieses Zeitabschnittes bezeichnete, der seinem Kommen unmittelbar vorausgehen sollte. Da sie die Warnungsbotschaft von dem nahenden Gericht verkündigt hatten, meinten sie, daß ihre Arbeit für die Welt getan sei. Sie verloren ihre Verantwortung für die Errettung von Sündern aus den Augen, und der kühne und gotteslästerliche Spott der Gottlosen schien ihnen ein weiterer Beweis dafür zu sein, daß sich der Geist Gottes von den Verwerfern seiner Gnade zurückgezogen hatte. All dies bestärkte sie in der Überzeugung, daß die Gnadenzeit beendet oder, wie sie sich damals ausdrückten, daß „die Tür der Gnade verschlossen“ sei.

Aber mit der Untersuchung der Heiligtumsfrage kam helleres Licht. Sie sahen jetzt, daß sie recht hatten zu glauben, das Ende der zweitausenddreihundert Jahre im Jahre 1844 bezeichne einen entscheidenden Zeitpunkt. Wenn es auch wahr ist, daß die Tür der Hoffnung und Gnade, durch welche die Menschen achtzehnhundert Jahre lang Zugang zu Gott gefunden hatten, geschlossen war, so wurde doch eine andere Tür geöffnet und den Menschen durch die Vermittlung Christi im Allerheiligsten, das im Himmel ist, die Vergebung der Sünden angeboten. Ein Teil seines Dienstes war beendet, um einem andern Platz zu machen. Noch immer stand eine Tür zum himmlischen Heiligtum offen, wo Christus um der Sünder willen diente.

Nun wußte man jene Worte Christi in der Offenbarung anzuwenden, die gerade an die Gemeinde zu dieser Zeit gerichtet sind: „Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf: Ich weiß deine Werke. Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür, und niemand kann sie zuschließen.“ Offenbarung 3,7.8. 

Alle, die Christus durch den Glauben in dem großen Erlösungswerk folgen, empfangen die Segnungen seiner Vermittlung, während jene, die das Licht über seinen Dienst verwerfen, keinen Nutzen davon haben. Die Juden, die das bei der ersten Ankunft Christi gegebene Licht verwarfen und sich weigerten, an ihn als den Heiland der Welt zu glauben, konnten durch ihn keine Vergebung erlangen. Als Jesus nach seiner Himmelfahrt durch sein eigenes Blut in das himmlische Heiligtum trat, um seinen Jüngern die Segnungen seiner Fürbitte angedeihen zu lassen, verblieben die Juden in vollständiger Finsternis und setzten ihre nutzlosen Opfer und Gaben fort. Der Dienst der Vorbilder und Schatten war zu Ende gegangen. Jene Tür, durch welche die Menschen früher Zugang zu Gott gefunden hatten, stand nicht länger offen. Die Juden hatten sich geweigert, den Herrn auf dem richtigen Weg zu suchen, auf dem er damals zu finden war: durch den Dienst im himmlischen Heiligtum. Deshalb fanden sie keine Gemeinschaft mit Gott. Für sie war die Tür verschlossen. Sie erkannten in Christus nicht das wahre Opfer und den einzigen Mittler vor Gott und konnten deshalb auch nicht den Segen seiner Fürsprache empfangen.

Der Zustand der ungläubigen Juden veranschaulicht die Verfassung der Sorglosen und Ungläubigen unter den angeblichen Christen, die absichtlich nichts von dem Werk unseres gnädigen Hohenpriesters wissen wollen. Wenn im sinnbildlichen Dienst der Hohepriester das Allerheiligste betrat, wurden alle Israeliten aufgefordert, sich um das Heiligtum zu versammeln und in der feierlichsten Weise ihre Seelen vor Gott zu demütigen, damit ihnen ihre Sünden vergeben und sie nicht aus der Gemeinde ausgeschlossen wurden. Wieviel wichtiger ist es, daß wir an diesem gegenbildlichen Versöhnungstag das Werk unseres Hohenpriesters verstehen und erkennen, welche Pflichten uns obliegen.

Die Menschen können nicht ungestraft die Warnungen verwerfen, die Gott ihnen in Gnaden sendet. In den Tagen Noahs wurde der Welt eine Botschaft vom Himmel gesandt, und ihre Rettung hing davon ab, wie sie diese Warnungsbotschaft aufnehmen würde. Weil man sie verwarf, zog sich der Geist Gottes von jenem sündigen Geschlecht zurück, das in den Wassern der Sintflut ums Leben kam. Zur Zeit Abrahams hörte die Gnade auf, mit den schuldbeladenen Einwohnern Sodoms zu rechten, und alle außer Lot mit seinem Weibe und seinen beiden Töchtern wurden von dem Feuer verzehrt, das vom Himmel herabfiel. So war es auch in den Tagen Christi. Der Sohn Gottes sagte den ungläubigen Juden jenes Geschlechts: „Euer Haus soll euch wüst gelassen werden.“ Matthäus 23,38. Die letzten Tage ins Auge fassend, erklärte dieselbe unendliche Macht hinsichtlich derer, welche „die Liebe zur Wahrheit nicht haben angenommen, auf daß sie selig würden“. „Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, daß sie glauben der Lüge, auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit.“ 2.Thessalonicher 2,10-12. Wenn sie die Lehren seines Wortes verwerfen, entzieht Gott ihnen seinen Geist und überläßt sie den Irrtümern, die sie lieben.

Aber Christus tritt dennoch für die Menschen ein, und Licht wird denen gegeben, die danach suchen. Obwohl die Adventisten dies zuerst nicht verstanden, wurde es ihnen später klar, als sich ihnen die Schriftstellen erschlossen, die ihre wahre Stellung kennzeichneten. 

Nach Ablauf des Jahres 1844 folgte ein Abschnitt großer Prüfung für alle, die den Adventglauben noch immer bewahrten. Ihre einzige Hilfe, soweit dies die Vergewisserung ihrer wahren Stellung anbetraf, war das Licht, das ihre Aufmerksamkeit auf das Heiligtum droben richtete. Manche sagten sich von ihrem Glauben an die frühere Berechnung der prophetischen Ketten los und schrieben den gewaltigen Einfluß des Heiligen Geistes, der die Adventbewegung begleitet hatte, menschlichen oder satanischen Kräften zu. Andere hielten daran fest, daß der Herr sie in ihrer vergangenen Erfahrung geführt habe; und da sie warteten, wachten und beteten, um den Willen des Herrn zu erfahren, sahen sie, daß ihr großer Hoherpriester einen andern Dienst angetreten hatte. Ihm gläubig folgend, verstanden sie auch das abschließende Werk der Gemeinde. Die erste und zweite Engelsbotschaft wurde ihnen klarer, und sie waren vorbereitet, die feierliche Warnung des dritten Engels aus Offenbarung 14 zu empfangen und der Welt zu verkünden.“
Ellen G. White, Der große Kampf, Kapitel 24: Im Allerheiligsten, S. 423-431

Christi Heiligtumsdienst im himmlischen Heiligtum.

„Ein „Schatten der himmlischen Dinge“. – Wie das irdische Heiligtum, das Mose nach dem Vorbild baute, das ihm auf dem Berge gezeigt wurde, so war Salomos Tempel mit all seinen Diensten ein „Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit, in der Gaben und Opfer dargebracht wurden.“ Seine beiden heiligen Abteilungen waren „Abbilder der himmlischen Dinge.“ Christus, unser großer Hoherpriester, ist ein „Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte geworden, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch.“ Als dem Johannes in der Vision ein Einblick in den Tempel Gottes im Himmel geschenkt wurde, sah er dort „sieben helle Fackeln vor dem Thron brennen“. Er sah einen Engel, der „hatte ein goldenes Räuchergefäß; dem wurde viel Räucherwerk gegeben, das er auf dem goldenen Altar vor dem Thron verbrennen sollte, um das Gebet aller Heiligen vor Gott zu bringen.“ Hier wurde dem Propheten gestattet, die erste Abteilung des Heiligtums im Himmel zu schauen; und er sah dort „die sieben Feuerfackeln“ und den „goldenen Altar“, was im irdischen Heiligtum durch den siebenarmigen Leuchter und den Räucheraltar dargestellt wird. Wiederum: „Und der Tempel Gottes im Himmel wurde aufgetan“, und er blickte hinter den inneren Vorhang ins Allerheiligste. Hier sah er „die Bundeslade“, die durch den heiligen Behälter dargestellt wird, den Mose baute, um das Gesetz Gottes aufzubewahren.

Im Dienst des irdischen Heiligtums, das als „Abbild und Schatten himmlischer Dinge“ diente, wurde das Allerheiligste nur am großen Versöhnungstag geöffnet, dem vorbildlichen großen Gerichtstag, der zur Reinigung des Heiligtums abgesondert wurde. Die Aussage daher: „Und der Tempel Gottes im Himmel wurde aufgetan, und die Lade seines Bundes wurde im Tempel sichtbar“ weist auf das Öffnen des Allerheiligsten des himmlischen Heiligtums am Ende der 2300 Tage im Jahre 1844 hin, als Christus dort hineinging, um das abschließende Versöhnungswerk auszuführen. Die ihrem Hohenpriester im Glauben folgten, als Er seinen Dienst im Allerheiligsten begann, sahen die Bundeslade.

Das Heiligtum im Himmel ist ja gerade der Mittelpunkt des Werkes Christi für die Menschen. Es bezieht jede Seele ein, die auf Erden lebt. Es eröffnet den Blick für den Erlösungsplan, bringt uns bis ans Ende der Zeit und offenbart den triumphalen Ausgang des Kampfes zwischen Gerechtigkeit und Sünde. Es ist von allergrößter Wichtigkeit, daß alle diese Themen sorgfältig studieren, um jedem, der fragt, den Grund angeben zu können der Hoffnung, die in ihnen ist.

Wir leben jetzt im großen Versöhnungstag. Während der Hohepriester im abbildlichen Dienst die Versöhnung für Israel vornahm, wurden alle aufgefordert, ihre Seelen durch Bereuen ihrer Sünden „zu kasteien“ (3.Mose 23,27), durch Demütigung vor dem Herrn, damit sie nicht aus ihrem Volke ausgerottet würden. In gleicher Weise sollten alle, die ihre Namen im Lebensbuch behalten möchten, jetzt, in den wenigen verbleibenden Tagen ihrer Gnadenzeit, ihre Seelen vor Gott „kasteien“, indem sie Leid tragen wegen der Sünde und aufrichtig bereuen. Es muß eine tiefgreifende, gläubige Herzenserforschung stattfinden. Der oberflächliche, leichtfertige Geist, dem sich so viele bekenntliche Christen hingeben, muß abgelegt werden. Ernsthafter Kampf steht allen bevor, die die bösen Neigungen, die nach Oberherrschaft streben, bezwingen wollen. Das Werk der Vorbereitung ist ein persönliches. Wir werden nicht in Gruppen gerettet. Reinheit und Hingabe des einen werden nicht den Mangel dieser guten Eigenschaften bei anderen ausgleichen. Obwohl alle Völker im Gericht vor Gott vorüberziehen müssen, wird Er doch den Fall jedes einzelnen so genau überprüfen, als gäbe es kein anderes Wesen auf Erden. Jeder einzelne muß geprüft und ohne Flecken oder Runzeln oder dergleichen erfunden werden.

Feierlich sind die Szenen, die mit dem abschließenden Versöhnungswerk zusammenhängen. Bedeutsam sind die hierin enthaltenen Belange. Das Gericht ergeht jetzt im Heiligtum droben. Mehr als sechzig Jahre findet dieses Werk schon statt. Bald — niemand weiß, wie bald — wird es auf die Fälle der Lebenden übergehen. In der ehrfurchtgebietenden Gegenwart Gottes soll unser Leben in der Rückschau aufgerollt werden. Zu dieser Zeit besonders ist es Pflicht und Schuldigkeit jeder Seele, die Ermahnung des Erlösers zu beachten: „Wachet und betet, denn ihr wißt nicht, wann die Zeit da ist.“ „Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.“ Markus 13,33.

Wenn das Werk des Untersuchungsgerichtes abschließt, wird das Geschick aller entschieden sein, sei es zum Leben oder zum Tod. Die Gnadenzeit endet kurz vor dem Erscheinen des Herrn in den Wolken des Himmels. Zu jener Zeit wird Christus verkünden: „Wer böse ist, der sei fernerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig. Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sind.“ Offenbarung 22,11-12.

Die Gerechten und die Bösen werden immer noch auf Erden in ihrem sterblichen Zustand leben — Menschen werden pflanzen und bauen, essen und trinken, nicht wissend, daß die endgültige, unwiderrufliche Entscheidung im Himmel droben verkündet worden ist. Vor der Sintflut, nachdem Noah in die Arche gegangen war, schloß Gott hinter ihm zu und schloß die Gottlosen aus; sieben Tage lang jedoch wußten die Menschen nicht, daß ihr Geschick besiegelt war und setzten ihr sorgloses, vergnügungssüchtiges Leben fort und spotteten der Warnungen vor dem bevorstehenden Gericht. „So“ sagt der Erlöser, „wird auch das Kommen des Menschensohnes sein.“ Still, unbemerkt wie der Dieb um Mitternacht wird die entscheidende Stunde kommen, die die Feststellung des Schicksals eines jeden Menschen kundtut, sowie das endgültige Zurückziehen der Gnade, die schuldigen Menschen angeboten worden war.

„So wachet nun, … auf daß er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt.“ Gefährlich ist der Zustand derer, die in ihrem Wachen müde werden und sich den Verlockungen der Welt zuwenden. Während der Geschäftsmann in Gewinnstreben aufgeht, während der Vergnügungsliebende Befriedigung sucht, während die Modepuppe ihren Schmuck anlegt — vielleicht gerade in dieser Stunde wird der Richter aller Welt das Urteil verkünden: „Man hat dich auf der Waage gewogen und zu leicht befunden.“ — The Review and Herald, 9. November 1905.“
Ellen G. White, Gedanken über das Buch Daniel, S. 40-43

Das Untersuchungsgericht.

„Solches sah ich“, schreibt der Prophet Daniel, „bis daß Stühle gesetzt wurden; und der Alte setzte sich. Des Kleid war schneeweiß, und das Haar auf seinem Haupt wie reine Wolle; sein Stuhl war eitel Feuerflammen, und dessen Räder brannten mit Feuer. Und von ihm ging aus ein langer feuriger Strahl. Tausendmal tausend dienten ihm, und zehntausendmal zehntausend standen vor ihm. Das Gericht ward gehalten, und die Bücher wurden aufgetan.“ Daniel 7,9.10.

So wurde dem Propheten im Gesicht der große und feierliche Tag vor sein geistiges Auge geführt, da der Charakter und das Leben eines jeden Menschen von dem großen Richter des Alls geprüft wird. Der Alte ist Gott der Vater. Der Psalmist sagt: „Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Psalm 90,2. Der Urheber alles Daseins und aller Gesetze wird im Gericht den Vorsitz führen. Heilige Engel, „tausendmal tausend und zehntausendmal zehntausend“, werden diesem großen Gericht als Diener und Zeugen beiwohnen.

„Und siehe, es kam einer in des Himmels Wolken wie eines Menschen Sohn bis zu dem Alten und ward vor ihn gebracht. Der gab ihm Gewalt, Ehre und Reich, daß ihm alle Völker, Leute und Zungen dienen sollten. Seine Gewalt ist ewig, die nicht vergeht, und sein Königreich hat kein Ende.“ Daniel 7,13.14. Das hier beschriebene Kommen Christi ist nicht seine Wiederkunft zur Erde. Er kommt vor den „Alten“ im Himmel, um Gewalt, Ehre und Reich zu empfangen, die ihm am Ende seines Vermittlungswerkes gegeben werden. Von diesem Kommen, und nicht von seiner Wiederkunft zur Erde, wird in der Weissagung bezeugt, daß es am Ende der zweitausenddreihundert Tage, im Jahre 1844, stattfinden werde. In Begleitung himmlischer Engel betritt unser Hoherpriester das Allerheiligste und erscheint dort vor Gott, die letzten Handlungen seines Dienstes für die Menschen vorzubereiten, um das Untersuchungsgericht auszuführen und alle die zu versöhnen, die sich der Wohltaten dieser Versöhnung würdig erweisen.

Im sinnbildlichen Dienst hatten nur die, welche zu Gott kamen, um zu bekennen und zu bereuen, deren Sünden durch das Blut des Sündopfers auf das Heiligtum übertragen worden waren, einen Anteil am Dienste des Versöhnungstages. So werden auch an dem großen Tag der Endversöhnung und des Untersuchungsgerichts nur die Fälle des bekennenden Volkes Gottes in Betracht gezogen. Das Gericht über die Gottlosen ist eine besondere, von diesem getrennte, später stattfindende Maßnahme. „Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht an dem Hause Gottes. So aber zuerst an uns, was will‘s für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben?“ 1.Petrus 4,17.

Die Bücher des Himmels, in denen die Namen und Taten der Menschen verzeichnet stehen, werden die Entscheidungen des Gerichts bestimmen. Der Prophet Daniel sagt: „Das Gericht ward gehalten, und die Bücher wurden aufgetan.“ Der Schreiber der Offenbarung fügt bei der Schilderung desselben Vorganges hinzu: „Ein anderes Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken.“ Offenbarung 20,12.

Das Buch des Lebens enthält die Namen aller, die jemals in den Dienst Gottes getreten waren. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Freuet euch …, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Lukas 10,20. Paulus spricht von seinen getreuen Mitarbeitern, deren „Namen sind in dem Buch des Lebens“. Philipper 4,3. Im Hinblick auf „eine solche trübselige Zeit“, „wie sie nicht gewesen ist“, erklärte Daniel, daß Gottes Volk errettet werden soll, und zwar „alle, die im Buch geschrieben stehen“. Daniel 12,1. In der Offenbarung heißt es, daß nur solche Menschen die Stadt Gottes betreten dürfen, deren Namen „geschrieben sind in dem Lebensbuch des Lammes“. Offenbarung 21,27.

„Ein Gedächtnisbuch“ ist vor dem Herrn geschrieben worden, worin die guten Taten aller Menschen berichtet stehen, die „den Herrn fürchten und an seinen Namen gedenken“. Maleachi 3,16, Grundtext. Ihre Worte des Glaubens, ihre Taten der Liebe stehen im Himmel verzeichnet. Nehemia bezieht seine Worte darauf, wenn er sagt: „Gedenke, mein Gott, mir daran und tilge nicht aus meine Barmherzigkeit, die ich an meines Gottes Hause und an seinem Dienst getan habe!“ Nehemia 13,14. Im Gedächtnisbuch Gottes wird jede gerechte Tat verewigt. Dort findet sich jede widerstandene Versuchung, jegliches überwundene Übel, jedes ausgesprochene Wort zärtlichen Mitleids gewissenhaft berichtet; jede aufopfernde Tat, jeder um Christi willen ausgestandene Schmerz oder Kummer sind dort eingetragen. Der Psalmist sagt: „Zähle die Wege meiner Flucht; fasse meine Tränen in deinen Krug. Ohne Zweifel, du zählst sie [‚Stehen sie nicht in deinem Buche?‘].“ Psalm 56,9.

Es wird dort auch ein Bericht über die Sünden der Menschen geführt. „Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse.“ Prediger 12,14. Der Heiland sagte: „Die Menschen müssen Rechenschaft geben am Jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.“ Matthäus 12,36.37. Die geheimen Absichten und Beweggründe erscheinen in jenem unfehlbaren Verzeichnis; denn Gott „wird ans Licht bringen, was im Finstern verborgen ist, und den Rat der Herzen offenbaren“. 1.Korinther 4,5. „Siehe, es steht vor mir geschrieben … beide, ihre Missetaten und ihrer Väter Missetaten miteinander, spricht der Herr.“ Jesaja 65,6.7.

Eines jeden Taten werden einer Untersuchung vor Gott unterzogen und als treu oder untreu eingetragen. In die himmlischen Bücher wird gegenüber dem Namen eines jeden mit peinlicher Genauigkeit jedes schlechte Wort, jede selbstsüchtige Handlung, jede unerfüllte Pflicht, jegliche verborgene Sünde und jede listige Verstellung eingeschrieben. Vom Himmel gesandte Warnungen oder Rügen, die vernachlässigt wurden, verschwendete Augenblicke, unbenutzte Gelegenheiten, der zum Guten oder Bösen ausgeübte Einfluß mit seinen weitreichenden Folgen, alles wird von dem berichtführenden Engel niedergeschrieben.

Das Gesetz Gottes ist das Richtmaß, nach dem das Leben und der Charakter des Menschen im Gericht gemessen werden. Der weise Mann sprach: „Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gehört allen Menschen zu. Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse.“ Prediger 12,13.14. Und der Apostel Jakobus ermahnte seine Brüder: „Also redet und also tut, als die da sollen durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden.“ Jakobus 2,12.

Wer im Gericht für würdig befunden wird, wird an der Auferstehung der Gerechten teilhaben. Jesus sagte: „Welche aber würdig sein werden, jene Welt zu erlangen und die Auferstehung von den Toten, … sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, dieweil sie Kinder sind der Auferstehung.“ Lukas 20,35.36. „Und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens.“ Johannes 5,29. Die gerechten Toten werden erst nach dem Gericht auferweckt, in deren Verlauf sie der „Auferstehung des Lebens“ für würdig befunden werden. Sie werden also nicht persönlich am Gericht teilnehmen, wenn ihre Lebensberichte untersucht und ihre Fälle entschieden werden.

Jesus wird als ihr Verteidiger auftreten und vor Gott für sie Fürbitte einlegen. „Ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist.“ 1.Johannes 2,1. „Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, so mit Händen gemacht ist (welches ist ein Gegenbild des wahrhaftigen), sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns.“ „Daher kann er auch selig machen immerdar, die durch ihn zu Gott kommen, und lebt immerdar und bittet für sie.“ Hebräer 9,24; Hebräer 7,25.

Wenn die Bücher aufgeschlagen werden, wird der Lebenslauf eines jeden, der an Jesus geglaubt hat, vor Gott untersucht. Unser Fürsprecher beginnt mit denen, die zuerst auf Erden lebten, prüft dann die nachfolgenden Geschlechter und schließt mit den Lebenden. Jeder Name wird erwähnt, der Fall jedes einzelnen genau untersucht. Es werden Namen angenommen, Namen verworfen. Finden sich bei manchen Namen Sünden in den Büchern verzeichnet, die nicht bereut und vergeben sind, so werden ihre Namen aus dem Buch des Lebens entfernt und das Verzeichnis ihrer guten Taten aus dem Gedächtnisbuch Gottes getilgt. Der Herr erklärte Mose: „Was? Ich will den aus meinem Buch tilgen, der an mir sündigt.“ 2.Mose 32,33. Und der Prophet Hesekiel sagte: „Wo sich der Gerechte kehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Böses …, sollte der leben? Ja, aller seiner Gerechtigkeit, die er getan hat, soll nicht gedacht werden.“ Hesekiel 18,24.

Bei den Namen aller, die ihre Sünden wahrhaft bereut und durch den Glauben das Blut Christi als ihr versöhnendes Opfer in Anspruch genommen haben, wird Vergebung in die Himmelsbücher eingeschrieben. Da sie Teilhaber der Gerechtigkeit Christi geworden sind und ihr Charakter in Übereinstimmung mit dem Gesetz Gottes gefunden wird, werden ihre Sünden ausgetilgt und sie selbst des ewigen Lebens für würdig angesehen. Der Herr erklärte durch den Propheten Jesaja: „Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht.“ Jesaja 43,25. Jesus sprach: „Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“ „Wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“ Offenbarung 3,5; Matthäus 10,32.33.

Das regste Augenmerk der Menschen auf die Entscheidungen irdischer Gerichtshöfe ist nur ein schwaches Gegenstück zu der an dem himmlischen Gerichtshof herrschenden Anteilnahme, wenn die im Buch des Lammes eingetragenen Namen zur Untersuchung vor den Richter der ganzen Welt gebracht werden. Der göttliche Vermittler bittet darum, daß allen, die durch den Glauben an sein Blut überwunden haben, ihre Übertretungen vergeben werden, daß sie wieder in das Paradies eingesetzt und gekrönt werden als Miterben mit ihm für die „vorige Herrschaft“. Micha 4,8. Satan hatte gehofft, die Menschen mit seinen Bemühungen versuchen und täuschen, den göttlichen Plan bei der Erschaffung des Menschen vereiteln zu können; Christus aber bittet nun, daß dieser Plan ausgeführt werde, als wäre der Mensch nie gefallen. Er bittet für sein Volk nicht nur um völlige Vergebung und Rechtfertigung, sondern auch um einen Anteil an seiner Herrlichkeit und um einen Sitz auf seinem Thron.

Während Jesus für diese Menschen Fürbitte einlegt, beschuldigt Satan sie vor Gott als Übertreter. Der große Betrüger suchte sie in den Unglauben zu verstricken und zu veranlassen, ihr Gottvertrauen fahren zu lassen, sich von der Liebe Gottes zu trennen und dessen Gesetz zu brechen. Nun verweist er auf ihren Lebensbericht, auf ihre charakterlichen Unvollkommenheiten, auf ihre Unähnlichkeit mit Christus, womit sie ihrem Erlöser Schande bereitet haben, und auf alle Sünden, zu denen er sie verleitet hat, und beansprucht sie, indem er sich auf diese Vorkommnisse stützt, als seine Untertanen.

Jesus entschuldigt ihre Sünden nicht, verweist aber auf ihre Reue und ihren Glauben und bittet für sie um Vergebung; er hält seine verwundeten Hände vor dem Vater und den heiligen Engeln empor und ruft aus: „Ich kenne sie bei Namen, ich habe sie in meine Hände gezeichnet. ‚Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist; ein geängstet und zerschlagen Herz wirst du, Gott, nicht verachten.‘“ Psalm 51,19. Und dem Ankläger seines Volkes erklärt er: „Der Herr schelte dich, du Satan; ja, der Herr schelte dich, der Jerusalem erwählt hat! Ist dieser nicht ein Brand, der aus dem Feuer errettet ist?“ Sacharja 3,2. Christus wird seine Getreuen mit seiner eigenen Gerechtigkeit kleiden, damit er sie seinem Vater darstellen kann als „eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas“. Epheser 5,27. Ihre Namen stehen im Buch des Lebens, und von ihnen ist geschrieben: „Sie werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind‘s wert.“ Offenbarung 3,4.

So wird die vollkommene Erfüllung der Verheißung des Neuen Bundes verwirklicht werden: „Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken“. „Zur selben Zeit und in denselben Tagen wird man die Missetat Israels suchen, spricht der Herr, aber es wird keine da sein, und die Sünden Judas, aber es wird keine gefunden werden.“ Jeremia 31,34; Jeremia 50,20. „In der Zeit wird des Herrn Zweig lieb und wert sein und die Frucht der Erde herrlich und schön bei denen, die erhalten werden in Israel. Und wer da wird übrig sein zu Zion und übrig bleiben zu Jerusalem, der wird heilig heißen, ein jeglicher, der geschrieben ist unter die Lebendigen zu Jerusalem.“ Jesaja 4,2.3.

Das Untersuchungsgericht und die Austilgung der Sünden muß vor der Wiederkunft des Herrn vollendet werden. Da die Toten gerichtet werden sollen nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, so ist es unmöglich, daß die Sünden der Menschen vor Ablauf des Gerichts, das ihr Lebenswerk untersucht, ausgetilgt werden können. Der Apostel Petrus sagt deutlich, daß die Sünden der Gläubigen ausgetilgt werden sollen, „auf daß da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesichte des Herrn, wenn er senden wird den, der euch jetzt zuvor gepredigt wird, Jesus Christus“. Apostelgeschichte 3,20. Wenn das Untersuchungsgericht beendet ist, wird Christus kommen und sein Lohn mit ihm, einem jeglichen zu geben, wie seine Werke sein werden.

Im sinnbildlichen Dienst trat der Hohepriester, nachdem er die Versöhnung für Israel erwirkt hatte, heraus und segnete die Gemeinde. So wird auch Christus nach Beendigung seines Mittleramtes „ohne Sünde erscheinen … zur Seligkeit“ (Hebräer 9,28), um sein harrendes Volk mit dem ewigen Leben zu segnen. Gleichwie der Priester die Sünden, als er sie aus dem Heiligtum entfernt hatte, auf das Haupt des noch lebenden Bocks (Asasel) bekannte, so wird Christus alle diese Sünden auf Satan, den Urheber und Anstifter der Sünde, legen. Dieser Asasel, der die Sünden Israels trug, wurde weggeführt „in die Wüste“; (3.Mose 16,22) ebenso wird Satan, die Schuld aller Sünden tragend, zu denen er Gottes Volk verführte, tausend Jahre lang auf der Erde, die dann wüste und leer sein wird, gebannt sein und zuletzt die volle Strafe für die Sünde in dem Feuer erleiden, das alle Gottlosen vernichten wird. Auf diese Weise wird der große Erlösungsplan mit der endgültigen Ausrottung der Sünde und mit der Befreiung aller, die willens waren, dem Bösen zu widerstehen, vollendet werden.

Zu der für das Gericht vorhergesagten Zeit, mit dem Ablauf der zweitausenddreihundert Tage im Jahre 1844, begann die Untersuchung und die Austilgung der Sünden. Alle, die jemals den Namen Christi angenommen haben, werden einer genauen Prüfung unterzogen. Lebende und Tote sollen gerichtet werden nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken.

Sünden, die nicht bereut und unterlassen wurden, werden nicht vergeben und nicht aus den Büchern ausgetilgt, sondern am Tage Gottes gegen den Sünder zeugen. Er mag seine bösen Taten am hellen Tage oder in finsterer Nacht begangen haben; sie waren „bloß und entdeckt“ vor dem, in dessen Händen wir sind. Die Engel Gottes sahen jede Sünde und verzeichneten sie in den untrüglichen Büchern. Man mag die Sünde verhehlen, verleugnen, vor Vater, Mutter, Weib, Kindern oder Freunden verdecken, kein einziger außer den schuldigen Tätern mag den allergeringsten Verdacht von dem Unrecht hegen; aber es ist offenbar vor den himmlischen Wesen. Das Dunkel der finstersten Nacht, die Heimlichkeit der täuschendsten Künste genügt nicht, um auch nur einen Gedanken vor der Allwissenheit des Ewigen zu verschleiern. Gott hat ein genaues Verzeichnis aller ungerechten Berichte, jeder unbilligen Handlung. Er ist nicht durch den Schein eines gottseligen Wesens zu täuschen. Ihm unterläuft kein Fehler bei der Beurteilung des Charakters. Die Menschen mögen von denen, die verderbten Herzens sind, betrogen werden; aber Gott durchdringt alle Verstellung und erkennt das innere Leben.

Wie ernst ist dieser Gedanke! Ein Tag nach dem andern vergeht und belastet die himmlischen Bücher mit seinen Berichten. Einmal gesprochene Worte, einmal begangene Taten lassen sich nie mehr ungeschehen machen. Die Engel haben beides eingetragen, das Gute und das Böse. Der gewaltigste Eroberer auf Erden ist nicht imstande, den Bericht auch nur eines einzigen Tages zurückzunehmen. Unsere Taten, unsere Worte, ja unsere geheimsten Gedanken tragen alle zur Entscheidung unseres Schicksals bei, sei es zum Leben oder zum Tode. Obgleich wir sie vergessen, wird ihr Zeugnis dazu dienen, uns zu rechtfertigen oder zu verdammen.

So wie die Gesichtszüge durch den Künstler mit untrüglicher Genauigkeit auf die glänzende Platte gebannt werden, so getreu wird der Charakter in den Büchern droben dargestellt. Doch wie wenig Sorge macht man sich um den Bericht, der dem Blick himmlischer Wesen ausgesetzt ist. Könnte der Schleier, der die sichtbare Welt von der unsichtbaren trennt, zurückgeschlagen werden, und könnten die Menschenkinder einem Engel zusehen, der jedes Wort und jede Tat verzeichnet, die im Gericht offenbar werden müssen, wie viele täglich ausgesprochene Worte blieben unausgesprochen, wie viele Taten ungetan!

Im Gericht wird die Anwendung jeder anvertrauten Gabe genau geprüft werden. Wie haben wir die uns vom Himmel verliehenen Güter verwendet? Wird der Herr bei seinem Erscheinen sein Eigentum mit Zinsen wiedernehmen? Haben wir die uns in Hand, Herz und Hirn anvertrauten Kräfte zur Verherrlichung Gottes und zum Segen der Welt eingesetzt? Wie haben wir unsere Zeit, unsere Feder, unsere Stimme, unser Geld, unseren Einfluß verwertet? Was haben wir für Christus in Gestalt der Armen, der Heimgesuchten, der Witwen oder der Waisen getan? Gott hat uns beauftragt, sein heiliges Wort zu bewahren; was haben wir mit dem Licht und der Wahrheit getan, die uns verliehen wurden, damit wir die Menschen zur Seligkeit führten? Einem bloßen Glaubensbekenntnis an Christus wird kein Wert beigemessen; nur die Liebe, die sich in guten Werken erweist, wird als echt anerkannt. Und doch ist es die Liebe allein, die in den Augen des Himmels eine Tat wertvoll macht. Was immer aus Liebe geschieht, wird Gott annehmen und belohnen, wie gering es auch in der Menschen Augen scheinen mag.

Die verborgene Selbstsucht der Menschen ist in den Büchern des Himmels offenbart. Dort findet sich der Bericht unerfüllter Pflichten gegen die Mitmenschen, die Vernachlässigung der Ansprüche des Heilandes. Dort werden sie sehen, wie oft Satan die Zeit, die Gedanken und die Kraft gegeben wurden, die Christus gebührten. Traurig ist der Bericht, den Engel gen Himmel tragen. Vernunftbegabte Wesen, Menschen, die sich Nachfolger Christi nennen, sind gänzlich von dem Trachten nach weltlichen Besitztümern oder nach den Genüssen irdischer Vergnügungen in Anspruch genommen. Geld, Zeit und Kräfte werden dem Aufwand der Genußsucht geopfert; nur wenige Augenblicke sind dem Gebet, dem Schriftstudium, der Demütigung der Seele und dem Bekennen der Sünde geweiht.

Satan erfindet unzählige Pläne, um unsere Gedanken zu beschäftigen, damit sie sich nicht mit dem Werk befassen können, mit dem wir am besten vertraut sein sollten. Der Erzbetrüger haßt die großen Wahrheiten, die ein versöhnendes Opfer und einen allmächtigen Mittler erkennen lassen. Er weiß, daß für ihn alles davon abhängt, die Gedanken von Jesus und seiner Wahrheit abzulenken.

Wer die Wohltaten der Fürsprache Christi empfangen möchte, sollte sich durch nichts von seiner Pflicht abhalten lassen, die Heiligung in der Furcht Gottes zu vervollkommnen. Statt kostbare Stunden dem Vergnügen, dem Aufwand oder der Gewinnsucht zu opfern, wäre es besser, sie einem ernsten, andachtsvollen Studium des Wortes der Wahrheit zu widmen. Das Wesen des Heiligtums und des Untersuchungsgerichts sollte das Volk Gottes klar und deutlich verstehen. Alle bedürfen einer persönlichen Erkenntnis der Stellung und des Werkes ihres großen Hohenpriesters, sonst wird es ihnen unmöglich sein, den in dieser Zeit so wesentlichen Glauben zu üben oder den Platz einzunehmen, den sie nach Gottes Willen ausfüllen sollen. Jeder Mensch hat eine Seele zu retten oder zu verlieren. Jeder harrt auf die Entscheidung über sein Leben im Gericht Gottes. Jeder muß dem großen Richter von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten. Wie wichtig ist es daher für jeden, die ernste Tatsache zu erwägen, daß Gericht gehalten wird und die Bücher aufgetan werden, und daß ein jeder mit Daniel in seinem Erbteil stehen muß am Ende der Tage.

Alle, die über diese Dinge Licht erhalten haben, müssen von den erhabenen Wahrheiten, die Gott ihnen anvertraut hat, Zeugnis ablegen. Das himmlische Heiligtum ist der echte Mittelpunkt des Werkes Christi für die Menschen. Das geht jede Seele an, die auf Erden lebt. Es erschließt unseren Blicken den Erlösungsplan bis an das unmittelbare Ende der Zeit und offenbart den siegreichen Ausgang des zwischen der Gerechtigkeit und der Sünde stattfindenden Kampfes. Es ist von größter Wichtigkeit, daß wir alle diese Vorgänge gründlichst untersuchen und imstande sind, jeden, der uns fragt, einen Grund zu geben der Hoffnung, die in uns ist.

Die Fürsprache Christi im Heiligtum droben für den Menschen ist ein ebenso wesentlicher Teil des Heilsplanes wie sein Tod am Kreuz. Mit seinem Tode begann er das Werk, das zu vollenden er nach seiner Auferstehung gen Himmel fuhr. Wir müssen im Glauben „in das Inwendige des Vorhangs“ eingehen, „dahin der Vorläufer für uns eingegangen“. Hebräer 6,20. Dort spiegelt sich das vom Kreuz auf Golgatha ausstrahlende Licht wider. Dort vermögen wir einen klareren Einblick in die Geheimnisse der Erlösung zu gewinnen. Die Seligkeit des Menschen ist mit unermeßlichen Kosten des Himmels erreicht worden; das dargebrachte Opfer entspricht allen Anforderungen des gebrochenen Gesetzes Gottes. Jesus hat den Weg zum Thron des Vaters gebahnt, und durch seine Vermittlung kann das aufrichtige Verlangen aller Menschen, die im Glauben zu ihm kommen, vor Gott gebracht werden.

„Wer seine Missetat leugnet, dem wird es nicht gelingen; wer sie aber bekennt und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ Sprüche 28,13. Sähen doch alle, die ihre Fehler verbergen und entschuldigen, wie Satan über sie jubelt, wie er Christus und die heiligen Engel mit ihrem Wandel schmäht, so würden sie eilends ihre Sünden bekennen und ablegen. Indem Satan den Charakter schwächt, sucht er sich des ganzen Gemüts zu bemächtigen, und er weiß, daß es ihm gelingen wird, falls diese Schwächen genährt werden. Darum will er die Nachfolger Christi beständig mit seinen unheilvollen Vorspiegelungen täuschen, daß es ihnen unmöglich sei zu überwinden. Aber Jesus bittet für sie mit seinen verwundeten Händen und seinem zerschlagenen Leib und sagt allen, die ihm nachfolgen wollen: „Laß dir an meiner Gnade genügen.“ 2.Korinther 12,9. „Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen: Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ Matthäus 11,29.30. Keines Menschen Fehler sind unheilbar. Gott wird Glauben und Gnade verleihen, sie zu überwinden.

Wir leben in der Zeit des großen Versöhnungstages. Im Schattendienst mußten alle, während der Hohepriester für Israel die Versöhnung erwirkte, ihre Seele kasteien, indem sie ihre Sünden bereuten und sich vor dem Herrn demütigten, damit sie nicht von dem Volk ausgerottet würden. In gleicher Weise sollten jetzt alle, die ihren Namen im Lebensbuch erhalten wollen, in den wenigen noch verbleibenden Tagen ihrer Gnadenzeit ihre Sünden bereuen und ihre Seele durch wahrhafte Buße vor dem Herrn demütigen. Das Herz muß einer tiefgehenden, gewissenhaften Prüfung unterzogen werden. Der leichtfertige, oberflächliche Geist, den so viele bekenntliche Christen an den Tag legen, muß abgetan werden. Es steht allen ein schwerer Kampf bevor, die die üble Neigung, nach Macht zu streben, überwinden sollen. Das Werk der Vorbereitung ist eine persönliche Aufgabe. Wir werden nicht scharenweise erlöst. Die Frömmigkeit und Reinheit des einen kann nicht das Fehlen dieser Eigenschaften bei einem andern ersetzen. Obgleich alle Völker vor dem Gericht Gottes erscheinen müssen, wird Gott doch den Fall jedes einzelnen so gründlich und genau untersuchen, als gäbe es keine andern Wesen auf Erden. Jeder muß bei seiner Prüfung ohne Flecken, ohne Runzel oder sonst etwas Derartiges gefunden werden.

Sehr ernst sind die mit dem Schlußwerk der Versöhnung zusammenhängenden Vorgänge, folgenschwer die damit verbundenen Tatsachen. Das Gericht geht jetzt im himmlischen Heiligtum vor sich. Schon viele Jahre wird dies Werk getan. Bald — niemand weiß wie bald — werden die Fälle der Lebenden behandelt werden. In der Ehrfurcht gebietenden Gegenwart Gottes wird unser Leben untersucht werden. Mehr denn je ist es jetzt am Platze, daß jede Seele die Ermahnung des Heilandes beherzige. „Sehet zu, wachet und betet, denn ihr wisset nicht, wann es Zeit ist.“ Markus 13,33. „So du nicht wirst wachen, werde ich über dich kommen wie ein Dieb, und wirst nicht wissen, welche Stunde ich über dich kommen werde.“ Offenbarung 3,3.

Geht dann das Untersuchungsgericht zu Ende, so wird das Schicksal aller Menschen zum Leben oder zum Tode entschieden sein. Die Gnadenzeit endet kurz vor der Erscheinung des Herrn in den Wolken des Himmels. Christus erklärte im Hinblick auf diese Zeit: „Wer böse ist, der sei fernerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig. Siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden.“ Offenbarung 22,11.12.

Die Gerechten und Gottlosen werden dann noch in ihrem sterblichen Zustand auf Erden leben: sie werden pflanzen und bauen, essen und trinken und nicht wissen, daß die endgültige unwiderrufliche Entscheidung im himmlischen Heiligtum bereits gefallen ist. Vor der Sintflut, nachdem Noah in die Arche gegangen war, machte Gott hinter ihm zu und schloß die Gottlosen aus; sieben Tage lang setzten die Menschen ihre gleichgültige, vergnügungssüchtige Lebensweise fort und spotteten der Warnungen eines drohenden Gerichts, ohne zu wissen, daß ihr Schicksal entschieden war. „Also“, sagte der Heiland, „wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.“ Matthäus 24,39. Still, unbeachtet wie ein Dieb um Mitternacht wird die entscheidungsvolle Stunde kommen, in der sich das Schicksal jedes Menschen erfüllen und die den sündigen Menschen angebotene göttliche Gnade auf immer entzogen wird.

„So wachet nun …, auf daß er nicht schnell komme und finde euch schlafend.“ Markus 13,35.36. Gefahrvoll ist der Zustand derer, die — des Wachens müde — sich den Verführungen der Welt zuwenden. In derselben Stunde, da der Geschäftsmann sich ganz dem Gewinnstreben hingibt, da der Vergnügungssüchtige seine Befriedigung sucht und die Modepuppe ihren Schmuck anlegt, kann der Richter der ganzen Welt den Urteilsspruch aussprechen: „Man hat dich in einer Waage gewogen und zu leicht gefunden.“ Daniel 5,27.“
Ellen G. White, Der große Kampf, Kapitel 28: Das Untersuchungsgericht, S. 476-487

Seit 1844 tagt das Untersuchungsgericht über alle Lebenden!

Die Reinigung der Gemeinde und das Gericht über die Lebenden.

„Wäre Achan, als er der Versuchung nachgab, gefragt worden, ob er wünschte, Niederlage und Tod in das Lager Israels zu bringen, hätte er geantwortet: „Nein, nein! Ist dein Diener ein Hund, daß er so etwas Böses tun sollte?“ Aber er verweilte bei der Versuchung, um seine Gier zu befriedigen, und als sich die Gelegenheit bot, ging er weiter, als er sich in seinem Herzen vorgenommen hatte. Genau auf diese Weise werden die einzelnen Gemeindeglieder unmerklich dazu verleitet, ihre Nachbarn zu betrügen und das Mißfallen Gottes über die Gemeinde zu bringen. Niemand lebt sich selber. Schande, Niederlage und Tod kamen durch eines Mannes Sünde über Israel. Jener Schutz, der ihre Häupter in Kriegszeiten bedeckte, wurde zurückgezogen. Verschiedene Sünden, die bekenntliche Christen hegen und ausführen, bringen Gottes Mißfallen über die Gemeinde. An dem Tage, an dem der Bericht des Himmels aufgeschlagen wird, wird der Richter die Schuld jedes Menschen nicht in Worten ausdrücken, sondern nur einen durchdringenden, überführenden Blick werfen, und jede Tat, jede Handlung seines Lebens wird sich dem Gedächtnis des Übeltäters lebendig einprägen. Die jeweilige Person wird nicht wie zu Josuas Zeit vom Stamm bis hinab zur Familie aufgespürt werden müssen, sondern wird seine Schande, Selbstsucht, Habgier, Unehrlichkeit, Verstellung und seinen Betrug mit eigenen Lippen bekennen. Seine Sünden, verborgen vor Menschen, werden dann sozusagen vom Dache verkündet werden. — Vgl. Testimonies for the Church IV, 492-493.

Im Gericht über die Lebenden wird jeder Heuchler entlarvt und jeder wahre Gläubige gerechtfertigt werden

Wenn sich das Gericht setzt und die Bücher aufgeschlagen werden, wird es viele erstaunliche Enthüllungen geben. Menschen werden dann nicht wie vor menschlichen Augen und begrenztem Beurteilungsvermögen erscheinen. Geheimsünden werden dann vor den Blicken aller offengelegt werden. Beweggründe und Absichten, die in den dunklen Herzenskammern versteckt worden sind, werden offenbar. Hinterlistige Bestrebungen, selbstsüchtige Absichten werden zutage treten, wo äußerer Schein nur das Verlangen bekundete, Gott zu ehren und zum Wohle der Menschen zu wirken. Welche Enthüllungen es geben wird! Menschen mit lauteren Beweggründen und wahren, edlen Absichten mögen jetzt geringgeschätzt, vernachlässigt, verleumdet und verachtet werden; dann aber werden sie offenbar werden, wie sie sind und werden mit der Anerkennung Gottes geehrt werden. Heuchlerische, nach Anerkennung strebende Lehrer mögen jetzt von Menschen bewundert und emporgehoben werden; Gott aber, der die Geheimnisse des Herzens kennt, wird sie ihrer täuschenden Maske entkleiden und ihr wahres Wesen offenbar werden lassen. Jedem Heuchler wird die Maske vom Gesicht gerissen, jeder verleumdete Gläubige gerechtfertigt und jeder getreue Haushalter Gottes gelobt und belohnt werden. — The Review and Herald, 1. Januar 1884.

Im Untersuchungsgericht, „an jenem Tage“, wird die Schuldbefleckung aus den Herzen der Gläubigen hinweggewaschen werden

Wir sollten darüber wachen, welcher Bericht über unser tägliches Leben in den Himmel gelangt: bei Gott gibt es kein Ansehen der Person; Er wird jeden nach seinen Werken beurteilen. Der Weltenrichter wird eines jeden Menschen Gerichtssache führen. Du magst menschliche Augen hinters Licht führen. In irdischen Gerichtssälen regiert nicht immer das Recht. Oft leiden die Unschuldigen, und die Schuldigen werden oft aus Mangel an rechtskräftigen Beweisen freigesetzt: im himmlischen Gerichtssaal aber wird es keinen Mangel an Beweisen geben. Die Taten der Menschen werden samt jedem verborgenen Beweggrund offenbar werden. Die Augen des Herrn wandern über die ganze Erde dahin. Der dem Sünder das Heil angeboten hat, wird eines Tages die Gedanken und Taten derer richten, die vor Ihm stehen. Der starb, damit der Mensch an der göttlichen Natur teilhabe, wird ihn eines Tages vor dem Vater und den heiligen Engeln freisprechen oder verurteilen. Gold und Silber werden an jenem Tage kein ausreichendes Loskaufmittel sein — nichts, außer den Verdiensten des Blutes Christi wird ausreichen, die Schuldbefleckung aus den Menschenherzen hinwegzuwaschen. — The Review and Herald, 13. Mai 1890.

Die Szene von Daniel 7,9-10 und 13-14, in der der Vater und der Sohn ins Allerheiligste gingen — Das Ende der 2300 Tage

Ich sah einen Thron, auf dem der Vater und der Sohn saßen. Ich betrachtete die Erscheinung Jesu und bewunderte seine holde Gestalt. Des Vaters Gestalt konnte ich nicht sehen, denn eine Wolke strahlenden Lichtes bedeckte sie. Ich fragte Jesum, ob sein Vater eine Gestalt habe wie er selbst. Er bejahte, sagte aber, daß ich ihn nicht sehen könne, denn wenn ich die Herrlichkeit seiner Person sähe, müßte ich sterben. Vor dem Throne erblickte ich das Adventvolk — die Gemeinde (Gottes) — und die Welt. Ich sah zwei Gruppen, die einen in tiefer Teilnahme vor dem Throne gebeugt, während die anderen teilnahmslos und sorglos dastanden. Diejenigen, die vor dem Throne gebeugt waren, brachten Jesu ihre Gebete dar und blickten nur auf ihn; dann schaute er auf seinen Vater und schien für sie zu bitten. Ein Licht ging von dem Vater auf den Sohn und von diesem auf die betende Schar aus. Dann sah ich ein besonders helles Licht vom Vater auf den Sohn kommen, und von dem Sohn ergoß es sich über das Volk vor dem Throne. Aber nur wenige nahmen dieses große Licht an. Viele traten aus seinem Bereich heraus und wiesen es sogleich zurück; andere kümmerten sich gar nicht darum und achteten es nicht; da verließ sie das Licht. Manche aber achteten es und gingen hin und beugten sich mit der kleinen betenden Schar. Alle in dieser Schar empfingen das Licht und freuten sich desselben, und ihre Angesichter strahlten in seiner Herrlichkeit.

Ich sah den Vater sich von dem Thron erheben und in einem Feuerwagen in das Allerheiligste hinter den Vorhang gehen und sich niedersetzen. Dann erhob sich Jesus von dem Thron, und die meisten, die sich davor niedergebeugt hatten, erhoben sich mit ihm. Ich sah keinen Lichtstrahl, der sich von Jesus über die sorglose Zahl ergoß, als er sich erhob; sie wurden in völliger Finsternis zurückgelassen. Diejenigen, die sich mit Jesu erhoben hatten, hielten ihre Augen auf ihn gerichtet, als er den Thron verließ und eine Strecke wegging. Dann erhob er seinen rechten Arm, und wir hörten ihn mit lieblicher Stimme sagen; „Wartet hier, ich will zu meinem Vater gehen, um das Reich zu empfangen; haltet eure Kleider rein, und bald will ich wiederkommen von der Hochzeit und euch zu mir nehmen.“ Dann kam ein Wolkenwagen mit Rädern gleich Feuer, von Engeln umgeben, dahin, wo Jesus war. Er stieg in den Wagen und wurde zu dem Allerheiligsten getragen, wo der Vater saß. Dann sah ich Jesum, den großen Hohenpriester, vor dem Vater stehen. An dem Saum seines Gewandes waren abwechselnd Schellen und Granatäpfel. Diejenigen, die sich mit Jesus erhoben hatten, folgten ihm im Glauben in das Allerheiligste und beteten: „Vater, gib uns deinen Geist.“ Dann blies Jesus den Heiligen Geist über sie. In diesem Hauch war Licht, Macht, viel Liebe, Freude und Friede.

Ich wandte mich nach der Schar um, die noch vor dem Throne lag; sie wußte nicht, daß Jesus ihn verlassen hatte. Dann schien Satan bei dem Thron zu sein und zu versuchen, das Werk Gottes dort fortzusetzen. Ich sah sie zu dem Throne aufschauen und beten: „Vater, gib uns deinen Geist.“ Da hauchte Satan einen unheiligen Einfluß über sie aus; darin war Licht und viel Macht, aber keine süße Liebe, keine Freude und kein Friede. Satans Ziel war, den Betrug an ihnen aufrechtzuerhalten und Gottes Kinder zurückzuzerren und irrezuführen. — Early Writings 54-56; Erfahrungen und Gesichte 45-47.“
Ellen G. White, Gedanken über das Buch Daniel, S. 26-39

Die Versöhnung und das himmlische Heiligtum.

„Eine wahre Kenntnis des Moralgesetzes ist die Grundlage für die wahre Kenntnis der Versöhnung

Nur diejenigen, die den verbindlichen Charakter des Moralgesetzes anerkennen, können die Natur der Versöhnung erklären. Christus kam, um zwischen Gott und Menschen zu vermitteln, um den Menschen mit Gott zu vereinen, indem Er ihn anleitete, dem Gesetz Gottes treu zu sein. Im Gesetz war keine Kraft vorhanden, dem Übertreter zu vergeben. Jesus allein vermochte des Sünders Schuld zu begleichen. Die Tatsache aber, daß Jesus die Schuld des reumütigen Sünders bezahlt hat, gibt ihm keinen Freibrief zur fortgesetzten Übertretung des Gesetzes Gottes, sondern er muß fortan in Gehorsam jenem Gesetz gegenüber leben.

Gottes Gesetz war vor der Schöpfung des Menschen vorhanden, andernfalls hätte Adam nicht sündigen können. Nach Adams Übertretung wurden die Grundsätze des Gesetzes nicht verändert, sondern genau geordnet und ausgedrückt, damit sie dem Menschen in seinem gefallenen Zustand angemessen seien. Nur diejenigen, die das Gesetz Gottes recht achten, können die Versöhnung Christi recht wertschätzen, die ja durch Übertretung des Gesetzes des Vaters notwendig wurde. – The Signs of the Times, 14. März 1878; Selected Messages I, 229-230.232.

Der Evangeliumsplan, der Plan, durch den der Mensch mit Gott vereint oder versöhnt wird, war in den jüdischen Einrichtungen vorausgeschattet. Daran zu glauben oder nicht, entscheidet unsere Wegrichtung. So war es seit den Tagen Kains und Abels. So war es immer und wird es immer sein.

Die Anbetung Gottes durch Schlachtopfer wurde eingesetzt, und wer Ehrfurcht vor Gott hatte, bekannte vor Ihm seine Sünden und hielt mit Dankbarkeit und heiligem Vertrauen Ausschau nach dem Kommen des hellen Morgensterns, der die in Sünde gefallenen Adamssöhne durch Umkehr zu Gott und Glauben an unseren Herrn und Erlöser Jesus Christus zum Himmel führen sollte.

So wurde das Evangelium in jedem Opfer gepredigt, und die Werke der Gläubigen offenbarten fortwährend ihren Glauben an einen kommenden Erretter. Jesus sagte zu den Juden: „Wenn ihr Mose glaubtet, würdet ihr auch mir glauben, denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?“ Johannes 5,46-47.

Die Kinder Adams stellen das früheste Beispiel der beiden verschiedenen Richtungen dar, die Menschen hinsichtlich göttlicher Forderungen einschlagen. Abel sah in den Schlachtopfern Christus vorgeschattet. Kain war hinsichtlich der Notwendigkeit von Schlachtopfern ungläubig, er lehnte es ab zu erkennen, daß Christus im geschlachteten Lamm vorgebildet war — das Blut von Tieren schien ihm ohne Wert zu sein. Das Evangelium wurde Kain wie auch seinem Bruder gepredigt, aber es war für Kain ein Geruch des Todes zum Tode, weil er im Blut des Opferlammes Jesus nicht als die einzige Vorkehrung zur Errettung des Menschen anerkannte.

Unser Erlöser erfüllte in seinem Leben und Sterben alle Prophezeiungen, die auf Ihn selbst hinwiesen und war die Erfüllung (das Wesen) aller angedeuteten Vorbilder und Schatten. Er hielt das Sittengesetz und erhöhte es, indem Er dessen Forderungen als Stellvertreter des Menschen nachkam.

Diejenigen in Israel, die sich dem Herrn zuwandten und Christus als das Wesen annahmen, vorausgeschattet durch die vorbildhaften Schlachtopfer, erkannten das Ende dessen, das abgeschafft werden sollte. Die Verschwommenheit, die das jüdische System wie mit einem Vorhang bedeckte war für sie vergleichbar mit dem Vorhang, der die Herrlichkeit des Antlitzes Moses verdeckte. Die Herrlichkeit des Antlitzes Moses spiegelte das Licht wider, das Christus in die Welt zum Wohle des Menschen zu bringen kam.

Während Mose mit Gott im Berge abgeschlossen war, wurde ihm der Erlösungsplan, der mit dem Sündenfall Adams begann, in eindrucksvoller Weise offenbart. Da wußte er, daß gerade der Engel, der die Kinder Israel auf ihren Reisen führte, im Fleisch offenbart werden sollte. Gottes lieber Sohn, der eins mit dem Vater war, sollte alle Menschen mit Gott vereinen, die an Ihn glauben und Ihm vertrauen würden. Mose erkannte die wahre Bedeutung des Schlachtopferdienstes. Christus lehrte Mose den Evangeliumsplan, und die Herrlichkeit des Evangeliums durch Christus erleuchtete Moses Antlitz, so daß die Menschen es nicht anschauen konnten.

Mose selbst war sich der strahlenden Herrlichkeit, die sich auf seinem Antlitz widerspiegelte, nicht bewußt und wußte nicht, weshalb die Israeliten von ihm flohen, als er sich ihnen nahte. Diejenigen, die die Ansicht hegen, im Alten Bund gebe es keinen Erlöser, haben auf ihrem Verständnis einen ebenso dunklen Vorhang wie die Juden damals, die Jesus verwarfen. In den Schlachtopfern, die Christus vorausschatteten, bejahten die Juden ihren Glauben an einen kommenden Messias. Als Jesus jedoch kam, alle Prophezeiungen hinsichtlich des verheißenen Messias erfüllte und die Werke verrichtete, die Ihn als Sohn Gottes kennzeichneten, verwarfen sie Ihn und lehnten es ab, die eindeutigsten Hinweise seines wahren Charakters anzunehmen. Die Gemeinde Christi andererseits, die den tiefsten Glauben an Jesus bekennt, verleugnet, wenn sie das jüdische System verachtet, in Wirklichkeit Christus, der ja Urheber der gesamten jüdischen Heilseinrichtung war. — The Signs of the Times, 14. März 1878; vgl. Selected Messages I, 236-241; The Review and Herald, 22. April 1902.

Christi Priestertum existiert in zwei Abschnitten:

  1. sein Sterben als Schlachtopfer
  2. sein Mittlerdienst im Heiligtum

Der Sohn Gottes … hat sein Versprechen erfüllt und ist in den Himmel eingegangen, um selbst die Regierung der himmlischen Heerscharen zu übernehmen. Er erfüllte einen Abschnitt seines Priestertums, indem Er für die gefallene Menschheit am Kreuz starb. Er erfüllte jetzt einen anderen Abschnitt, indem Er vor dem Vater für die Sache des reumütigen, gläubigen Sünders fleht und Gott die Opfer seines Volkes darbringt. Nachdem Er die menschliche Natur angenommen und in dieser Natur die Versuchungen des Feindes überwunden und göttliche Vollkommenheit erlangt hat, wurde Ihm das Weltengericht übertragen. Der Fall eines jeden wird in Rückschau vor Ihm ablaufen. Er wird das Urteil sprechen und einem jeden nach seinen Werken geben. — S.D.A. Bible Commentary VII, 929; Manuskript 42, 1901.

  1. Opfer

In Wirklichkeit war der Priester das Sündopfer

Christus setzte in Beratung mit seinem Vater das Opferungssystem ein: anstatt daß der Tod sofort vollzogen wird, soll er auf ein Opfer übertragen werden, das das große und vollkommene Opfer des Sohnes Gottes vorausschatten sollte. Die Sünden des Volkes wurden bildlich auf den dienstausübenden Priester übertragen, der für das Volk ein Mittler war. Der Priester konnte nicht selbst ein Sündopfer werden und sein Leben versöhnen, denn er war ja selbst ein Sünder. Anstatt selbst zu sterben, tötete er daher ein fehlerloses Lamm; die Sündenstrafe wurde auf das unschuldige Tier übertragen, das zu seinem augenblicklichen Stellvertreter wurde und das vollkommene Opfer Jesu Christi vorausschattete. Durch das Blut dieses Opfers blickte der Mensch im Glauben auf das Blut Christi, das die Sünden der Welt versöhnen sollte. — The Signs of the Times, 14. März 1878; Selected Messages I, 230; S.D.A. Bible Commentary VII, 459; Questions on Doctrine 663.

Golgatha: Gottes Mittel zur völligen Überwindung

Das Kreuz von Golgatha ist eine Herausforderung und wird schließlich jede irdische und höllische Macht besiegen. Im Kreuz hat alle Wirkung ihren Mittelpunkt, und vom Kreuz geht alle Wirkung aus. Es ist der große Mittelpunkt der Anziehung, denn am Kreuz gab Christus sein Leben für das Menschengeschlecht dahin. Dieses Opfer wurde dargebracht, um den Menschen in seine ursprüngliche Vollkommenheit zurückzuversetzen, ja mehr noch: es wurde dargebracht, um ihm eine völlige Charakterumwandlung zu verleihen und ihn turmhoch siegen zu lassen … Findet das Kreuz keine günstigen Bedingungen vor, schafft es sich welche. Von Geschlecht zu Geschlecht wird die Wahrheit für diese Zeit als gegenwärtige Wahrheit offenbart. Christus am Kreuz war das Mittel, wodurch Gnade und Wahrheit zusammentrafen und Gerechtigkeit und Friede einander küßten. Dies ist das Mittel, das die Welt bewegen soll. — Manuskript 56, 1899; Questions on Doctrine 661; Manuskript 56, 1899; S.D.A. Bible Commentary VII, 457-458.

Das Versöhnungsopfer ist vollständig

Er (Christus) pflanzte das Kreuz zwischen Himmel und Erde auf, und als der Vater das Opfer seines Sohnes sah, beugte Er sich davor und erkannte die Vollständigkeit des Opfers an. „Es ist genug“, sagte Er, „die Versöhnung ist vollständig.“ — The Review and Herald, 24. September 1901; S.D.A. Bible Commentary VII, 459; Questions on Doctrine 663.

Das Opfer sollte ein Heilmittel sein, um uns wiederherzustellen

Die Versöhnung Christi ist nicht lediglich ein ausgeklügelter Weg, unsere Sünden zu vergeben: sie ist eine göttliche Arznei zur Heilung der Übertretung und zur Wiederherstellung geistlicher Gesundheit. Sie ist das vom Himmel bestimmte Mittel, damit die Gerechtigkeit Christi nicht nur auf uns ruhe, sondern auch in unseren Herzen und unserem Charakter sei. — Brief 406, 1906; Questions on Doctrine 668; S.D.A. Bible Commentary VII, 464.

Mit Golgatha endete Christi Aufgabe als die des Opferlamms, nicht aber als die des Erlösers

Als Christus sagte: „Es ist vollbracht“, antwortete Gott: „Es ist vollbracht, ich gebe der Menschheit noch eine Chance.“ Der Erlösungspreis ist bezahlt, und Satan fiel wie ein Blitz vom Himmel. In seiner Fleischwerdung hatte Er die vorgeschriebene Grenze als Opfer erreicht, nicht aber als Erlöser. — Manuskript 111, 1897.

  1. Mittlerschaft

Christi Dienst im Heiligtum in zwei verschiedenen Abschnitten

Nach seiner Himmelfahrt begann unser Heiland seinen hohepriesterlichen Dienst für uns. Paulus sagt: „Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, das mit Händen gemacht ist, welches ist ein Gegenbild des wahrhaftigen Heiligtums, sondern in den Himmel selbst, um jetzt zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns.“ Hebräer 9,24. Wie sich Christi Dienst in zwei großen Abschnitten vollziehen sollte, von denen jeder eine bestimmte Zeit dauern und einen besonderen Platz im himmlischen Heiligtum haben sollte, so bestand auch der sinnbildliche Dienst aus zwei Teilen, dem täglichen und dem jährlichen, und jedem war eine Abteilung der Stiftshütte gewidmet. – Patriarchen und Propheten 334; Patriarchs and Prophets 357.

A Der tägliche Dienst

Der tägliche Dienst war eine ‚fortgesetzte‘ Versöhnung

Der Weihrauch, der mit den Gebeten Israels aufstieg, stellt Christi Verdienste und Mittleramt dar, seine vollkommene Gerechtigkeit, die seinem Volke durch den Glauben zugerechnet wird. Durch sie allein kann Gott die Anbetung sündiger Wesen in Gnaden annehmen. Vor dem Vorhang zum Allerheiligsten stand ein Altar der steten Fürbitte, vor dem Heiligen ein Altar ständiger Versöhnung. Über Blut und Weihrauch sollten sie sich Gott nahen; Sinnbilder, die auf den großen Mittler hinwiesen. Durch Ihn können sich Sünder JHWH nahen, und durch Ihn allein kann der reuevollen, gläubigen Seele Gnade und Rettung zuteil werden. — Patriarchen und Propheten 330; Patriarchs and Prophets 353.

Wenn man sich dem Kreuz von Golgatha nähert, wird eine Liebe ohnegleichen sichtbar. Indem man im Glauben die Bedeutung des Opfers erfaßt, sieht man sich als Sünder, verurteilt durch ein übertretenes Gesetz. Dies ist Reue. Wenn man demütigen Herzens kommt, erlangt man Vergebung; Christus Jesus wird nämlich als ständig am Altar stehend dargestellt, wie er gerade das Opfer für die Sünden der Welt darbringt. Er ist ein Diener an der wahren Stiftshütte, die der HERR aufgerichtet hat und kein Mensch.

Die sinnbildlichen Verschattungen des jüdischen Heiligtums besitzen keinerlei Wert mehr. Eine tägliche und jährliche abbildliche Versöhnung braucht nicht mehr vollzogen werden; das Versöhnungsopfer durch einen Mittler aber ist aufgrund ständiger Übertretungen unerläßlich. Jesus übt seinen Dienst in Gottes Gegenwart aus und bringt sein vergossenes Blut als eines geschlachteten Lammes dar. Jesus bringt für jede Übertretung und jeden Mangel des Sünders das Opfer dar. Christus, unser Mittler, und der Heilige Geist treten ständig für den Menschen ein; der Geist aber bittet nicht für uns wie Christus, der sein Blut darbringt, wie es vor Grundlegung der Welt geplant war, sondern der Geist wirkt auf unsere Herzen ein und entlockt Gebete, Reue, Lob und Dank. Die Dankbarkeit, die von unseren Lippen fließt, rührt daher, daß der Geist auf den Saiten der Seele in heiligen Erinnerungen spielt und so die Musik des Herzens zum Klingen bringt.

Die Gottesdienstversammlungen, die Gebete, das Lob, das reumütige Bekenntnis der Sünde steigen von wahrhaft Gläubigen als Weihrauch zum himmlischen Heiligtum auf; indem sie jedoch durch den verdorbenen Kanal der menschlichen Natur ziehen, sind sie so besudelt, daß sie bei Gott keinerlei Wert besitzen, es sei denn, sie werden durch Blut gereinigt. Sie steigen nicht in makelloser Reinheit auf, und wenn der Mittler, der zur Rechten Gottes ist, nicht alles durch seine Gerechtigkeit reinigt und so darbringt, kann sie Gott nicht annehmen.

Aller Weihrauch aus irdischen Heiligtümern muß angefeuchtet werden mit den reinigenden Tropfen des Blutes Christi. Er hält dem Vater das Weihrauchgefäß seiner eigenen Verdienste hin, in denen sich kein Flecken irdischer Verderbtheit befindet. In dieses Weihrauchgefäß sammelt er die Gebete, das Lob und die Bekenntnisse seines Volkes und vermischt diese mit seiner eigenen makellosen Gerechtigkeit. Dann, durchräuchert mit dem Wohlgeruch der Verdienste Christi, steigt der Weihrauch auf zu Gott, jetzt ganz und gar annehmbar. Dann fallen Gottes Antworten gnädig aus.

Mögen doch alle sehen, daß alles, was in Gehorsam, Reue, Lob und Dank geschieht, auf das glühende Feuer der Gerechtigkeit Christi gelegt werden muß. Der Wohlgeruch dieser Gerechtigkeit steigt rings um den Gnadenthron empor wie eine Wolke. — Selected Messages I:343-346; S.D.A. Bible Commentary VI, 1077-1078.

Das Werk Christi für (außer) uns gibt uns ein Anrecht auf den Himmel. Das Werk des Heiligen Geistes in uns macht uns bereit für den Himmel.

Ich rufe jedermann auf, der beansprucht, Kind Gottes zu sein, diese große Wahrheit nie zu vergessen, daß wir den Geist Gottes in uns benötigen, um den Himmel zu erlangen und das Werk Christi für uns, um das Anrecht auf das unsterbliche Erbe zu erhalten. — Testimonies to Ministers and Gospel Workers 442.

Das Werk Christi für uns ist uns zugerechnet, und das Werk des Heiligen Geistes verleiht uns Heiligkeit.

Die innewohnende Gerechtigkeit wird durch die äußere Gerechtigkeit bezeugt. Wer innerlich gerecht ist, ist nicht hartherzig und unsympathisch, sondern wächst täglich in das Bild Christi und schreitet von Kraft zu Kraft. Wer sich durch die Wahrheit heiligen läßt, wird selbstbeherrscht sein und den Fußtapfen Jesu folgen, bis die Gnade in der Herrlichkeit aufgegangen ist. Die Gerechtigkeit, durch die wir gerechtfertigt werden, ist zugerechnet; die Gerechtigkeit, durch die wir geheiligt werden, ist verliehen. Erstere ist unser Anrecht auf den Himmel, die zweite unsere Eignung für den Himmel. — The Review and Herald, 4. Juni 1895.

Die praktische Anwendung der vorhergehenden Wahrheiten Innerlich: Gehorsam durch den Geist Äußerlich: Besprengung des Heiligtums mit Blut

Ich glaube an Jesus. Ich weiß, mein Erlöser liebt mich, und ich liebe meinen Jesus. Ich ruhe in seiner Liebe trotz meiner Unvollkommenheiten. Gott hat Christi Vollkommenheit an meiner Statt angenommen. Er ist meine Gerechtigkeit, und ich traue auf seine Verdienste. Ich bin sein reumütiges, gläubiges Kind. Er hat meine sündenbefleckten Kleider weggenommen und mich mit dem Kleid seiner Gerechtigkeit bedeckt. Bekleidet mit diesem Gewand, stehe ich gerechtfertigt vor dem Vater. Ich gehöre zu der Zahl derer, die genannt werden als die „erwählt sind nach der Vorsehung Gottes, des Vaters, in der Heiligung durch den Geist.“ 1.Petrus 1,1-2. Und was macht sie zu ‚Erwählten‘? Gehorsam und die Besprengung mit dem Blute Jesu Christi. — Brief 24, 1895.

Der tägliche Dienst Christi befaßt sich mit Schuld und ihrer Vergebung

Jeder Fehler, jeder Irrtum, wie unbedeutend er auch betrachtet werden mag, hinterläßt eine Narbe in diesem Leben und einen Flecken im himmlischen Bericht. — Our High Calling 227.

Jeder unreine Gedanke befleckt die Seele, beeinträchtigt das sittliche Empfinden und trägt dazu bei, die Spuren des Heiligen Geistes auszulöschen. Der geistliche Blick wird getrübt, so daß die Menschen Gott nicht wahrnehmen können. Der Herr will dem reumütigen Sünder vergeben und vergibt ihm auch; dennoch bleibt die Seele beschädigt. — Das Leben Jesu 292; The Desire of Ages 302.

Es mag sein, daß ihr bereut. Aber selbst wenn Vergebung über euren Namen geschrieben steht, werdet ihr euch einen furchtbaren Verlust zuziehen; denn die Narben, die ihr euren Seelen zugefügt habt, werden bleiben. — Testimonies to Ministers and Gospel Workers 447.

Jesus im Himmel ist mit unserer Schuld beladen, und wir werden als schuldlos betrachtet

Wir müssen auf Jesus als unsere einzige Hoffnung blicken, der unsere Sünden wegnimmt, denn in Ihm ist keine Sünde. Er wurde für uns zur Sünde gemacht, damit Er unsere Schuld trage und an unserer Statt als schuldig vor dem Vater stehe, während wir, die wir an Ihn als einen persönlichen Erretter glauben, aufgrund seiner Verdienste als rein vom verunreinigenden Einfluß der Sünde betrachtet werden. Durch die zugerechnete Gerechtigkeit Christi gelten wir als schuldlos. Christus hat jedem Menschen den Erweis gegeben, daß Er allein in der Lage ist, menschlichen Kummer, Sorge und Sünde zu tragen. Diejenigen, die Christus als ihren Stellvertreter und ihre Sicherheit betrachten und ihre hilflosen Seelen auf Ihn werfen, können leben, als sähen sie Ihn, der doch unsichtbar ist. Der Segen: „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen“, gehört ihnen … Christus allein kann uns von Sünden retten, denn Er kann uns seine Gerechtigkeit verleihen und sie auf unser Konto setzen. — The Signs of the Times, 3. Oktober 1895.

B Der jährliche Dienst

Der jährliche Dienst ist eine ‚abschließende‘ Versöhnung und ein ‚besonderes‘ Werk.

Wie der Priester das Allerheiligste einmal im Jahr betrat, um das irdische Heiligtum zu reinigen, so betrat Jesus das Allerheiligste des Himmels am Ende der 2300 Tage von Daniel 8 im Jahre 1844, um eine abschließende Versöhnung für alle zu vollbringen, die sich durch seine Vermittlung helfen lassen wollen und so das Heiligtum zu reinigen. — Erfahrungen und Gesichte 245; Early Writings 253.

Jesus sandte seine Engel, um die Gedanken der enttäuschten Seelen auf das Allerheiligste zu richten, wohin er eingegangen war, um das Heiligtum zu reinigen und eine besondere Versöhnung für Israel zu erwirken. Jesus sagte den Engeln, daß alle, die zu ihm fänden, das Werk begreifen würden, das er ausführen sollte. — Erfahrungen und Gesichte 242-243; vgl. Early Writings 251.

Auf diese Weise erkannten die, welche dem Licht des prophetischen Wortes folgten, daß Christus, statt am Ende der zweitausenddreihundert Tage im Jahre 1844 auf die Erde zu kommen, damals in das Allerheiligste des himmlischen Heiligtums einging, um das abschließende Werk der Versöhnung, die Vorbereitung auf sein Kommen, zu vollziehen. — Der große Kampf 423; The Great Controversy 422.

So beschloß Christus, als Er das Allerheiligste betrat, um die letzte Aufgabe der Versöhnung zu vollziehen, seinen Dienst in der ersten Abteilung. Doch als dieser endete, begann der Dienst in der zweiten Abteilung. Wenn der Hohepriester im Schattendienst am Versöhnungstage das Heilige verließ, betrat er den Ort der Gegenwart Gottes, um für alle Israeliten, die ihre Sünden wahrhaft bereuten, das Blut des Sündopfers darzubringen. So hatte Christus nur einen Teil seines Werkes als unser Vermittler vollendet, um einen anderen Teil desselben Werkes zu beginnen, wobei er noch immer kraft seines Blutes für die Sünder beim Vater Fürbitte einlegte. — Der große Kampf 430; The Great Controversy 428-9.

Die endgültige Versöhnung ist das ‚Auslöschen der Sünde‘ und findet in den himmlischen Büchen sowie im Sinn der Gläubigen statt

Wie Christus nach seiner Himmelfahrt in die Gegenwart Gottes trat, um sein Blut für die reumütigen Gläubigen geltend zu machen, so versprengte der Priester beim täglichen Dienst für den Sünder das Blut des Opfertieres im Heiligtum. Das Blut Christi sollte den reuigen Sünder von der Verurteilung durchs Gesetz befreien, aber die Sünde nicht tilgen. Sie würde im Heiligtum verzeichnet stehen bis zur endgültigen Versöhnung. So nahm auch im Schattendienst das Blut des Sündopfers die Sünde wohl von dem, der bereute, hinweg, aber sie blieb bis zum Versöhnungstag im Heiligtum.

Am großen Tage der endgültigen Belohnung werden die Toten „nach dem, was geschrieben steht in den Büchern, nach ihren Werken“, gerichtet. Offenbarung 20,12. Dann werden aufgrund des sühnenden Blutes Christi die Sünden aller aufrichtig Bereuenden aus den Büchern des Himmels gelöscht. So wird das Heiligtum von den verzeichneten Sünden befreit beziehungsweise gereinigt. Im Vorbild wurde dieses große Versöhnungswerk, das heißt die Tilgung der Sünden, durch die Gottesdienste am Versöhnungstag dargestellt. Dabei ging es um die Reinigung des irdischen Heiligtums, die durch die Entfernung der Sünden, durch die es verunreinigt worden war, kraft des Blutes vom Sündopfer vollzogen wurde. Wie bei der endgültigen Versöhnung die Sünden der wirklich Reumütigen aus den Büchern des Himmels getilgt werden sollen, um nie wieder ins Gedächtnis zurückgerufen zu werden, so wurden sie beim Schattendienst in die Wüste hinausgetragen und für immer von der Gemeinde genommen. — Patriarchen und Propheten 334-335; Patriarchs and Prophets 357-358; vgl. GK.

Im sinnbildlichen Dienst hatten nur die, welche zu Gott kamen, um zu bekennen und zu bereuen, deren Sünden durch das Blut des Sündopfers auf das Heiligtum übertragen worden waren, einen Anteil am Dienste des Versöhnungstages. So werden auch an dem großen Tag der Endversöhnung und des Untersuchungsgerichts nur die Fälle des bekennenden Volkes Gottes in Betracht gezogen. Das Gericht über die Gottlosen ist eine besondere, von diesem getrennte, später stattfindende Maßnahme. „Denn es ist Zeit, daß anfange das Gericht an dem Hause Gottes. So aber zuerst an uns, was will‘s für ein Ende werden mit denen, die dem Evangelium Gottes nicht glauben?“ 1.Petrus 4,17. — Der große Kampf 480; The Great Controversy 480.

Zum Sündenbock und zur Versöhnung (siehe Offenbarung 20). Weitere erklärende Zeugnisse über die Versöhnung Christi und des Gläubigen (siehe Offenbarung 19; Offenbarung 14 und Offenbarung 13). (Das engl. ‚atone-ment‘, ‚at-one-ment‘ bedeutet ‚Einswerden‘, ‚Zusammenbringen‘).“
Ellen G. White, Gedanken über das Buch Daniel, S. 57-67

Das Untersuchungsgericht tilgt jede Süde aus dem Heiligtum und aus jedem wahrhaft Reumütigen aus.

Reinigung des Heiligtums in Daniel 8,14

A – Das Heiligtum ist in zweifacher Hinsicht verunreinigt

  1. Wenn Sünde begangen wurde und in den himmlischen Büchern verzeichnet steht. 3.Mose 20,3; 4.Mose 19,13; Jeremia 32,34; Hesekiel 5,11; 23,38; 43,7-8.
  2. Wenn man die Sünde bekennt, wird sie auf das himmlische Heiligtum übertragen. 3.Mose 10,17; 3.Mose 4-5.

Die Sündentat verunreinigt die Seele und die himmlischen Bücher

Jeden Tag lernen wir Gutes oder Böses. Jeder Gedanke, den wir hegen, jeder befriedigte Trieb hinterläßt seinen Eindruck in uns … Was für ein Bericht doch in den himmlischen Büchern eingetragen wird: Unfreundliche Blicke und Worte, die wie eine Natter beißen und stechen! Und dies ist nicht nur der Bericht eines Tages im Jahr, sondern so geht‘s tagaus tagein. Wenn doch diese Familien bedenken würden, daß Engel Gottes den Charakter gewissermaßen fotografieren, ebenso genau, wie ein Künstler die menschlichen Gesichtszüge festhält, und daß wir aufgrund dieser Aufzeichnungen gerichtet werden sollen! — The Review and Herald, 2. Februar 1886.

Jeder Fehler, jeder Irrtum, für wie unbedeutend wir ihn auch ansehen mögen, hinterläßt in diesem Leben eine Narbe und in den himmlischen Büchern einen Flecken. — Our High Calling 227.

Vergebung kann die Aufzeichnungen nicht löschen

Jeder unreine Gedanke befleckt die Seele, schwächt den Sinn für Anstand und wirkt dahin, die Eindrücke des Heiligen Geistes auszulöschen. Er macht das geistliche Sehvermögen verschwommen, so daß die Menschen Gott nicht sehen können. Der HERR kann dem reumütigen Sünder vergeben, und er tut es auch, trotz Vergebung jedoch ist die Seele beschädigt. The Desire of Ages 302.

Nun kann es sein, daß ihr umkehrt. Aber selbst wenn über eure Namen ‚Vergebung‘ vermerkt wird, werdet ihr doch furchtbaren Verlust davontragen, denn die Narben, die ihr euren Seelen zugefügt habt, werden bleiben. — Testimonies to Ministers and Gospel Workers 447.

Eine verkehrte Handlung hinterläßt durch häufige Wiederholung in den Sinnen des Täters einen bleibenden Eindruck, wie auch in den Sinnen derer, die mit ihm in irgendeiner Beziehung, es sei geistlich oder weltlich, zu tun haben. — Child Guidance 201.

Diejenigen, die in diesen Dingen [Vergnügungen] die Führung übernehmen, fügen Gottes Werk einen Schandfleck zu, der nicht so leicht entfernt werden kann. Sie verwunden ihre eigene Seele und werden ihr Leben lang die Narben davontragen. Der Übeltäter mag seine Sünde einsehen und sie bereuen. Gott mag ihm vergeben; das Unterscheidungsvermögen aber, das stets wach und hellhörig gehalten werden sollte, um zwischen Heiligem und Gewöhnlichem zu unterscheiden, ist in großem Maße zerstört. — Testimonies for the Church VIII, 66.

Jeder Christ wird einen schweren Kampf mit verkehrten Gewohnheiten zu kämpfen haben. Er muß seinen Unglauben, seine Charakterentartung und Neigung zur Selbstsucht besiegen. Sein lang anhaltender Widerstand gegen Licht, Warnungen und Aufrufe hat ein Malzeichen in seinem Leben hinterlassen; und obwohl Gott ihm vergeben hat, empfindet er, daß er sich selbst nicht vergeben kann. — The Review and Herald, 13. Januar 1891.

Er mag bekehrt sein, er mag die Ungerechtigkeit gegen seinen Nächsten einsehen und soweit möglich wiedergutmachen: die Narben eines verwundeten Gewissens jedoch werden immer bleiben. — S.D.A. Bible Commentary III, 1158.

Unsere Gedanken sollten streng im Zaum gehalten werden, denn ein einziger unreiner Gedanke macht einen tiefen Eindruck auf die Seele. Ein böser Gedanke hinterläßt einen bösen Abdruck im Geist. — Messages to Young People 144.

Übertragung der Schuld

Der wichtigste Teil des täglichen Gottesdienstes war das Opfer, das um einzelner Personen willen dargebracht wurde. Der reuige Sünder brachte das Opfertier an die Tür der Stiftshütte. Er legte die Hand auf dessen Haupt, bekannte seine Sünden und übertrug sie damit bildlich von sich auf das unschuldige Tier. Dann schlachtete er es eigenhändig. Der Priester trug das Blut ins Heilige und sprengte es vor den Vorhang, hinter dem die Lade mit dem Gesetz stand, das der Sünder übertreten hatte. Mit diesem feierlichen Brauch wurde nun die Sünde bildlich auf das Heiligtum übertragen. In anderen Fällen wurde das Blut nicht hineingebracht, dann aber mußte der Priester das Fleisch essen. Das hatte Mose den Söhnen Aarons geboten, als er sagte: „Der HERR hat es (das Sündopfer) euch gegeben, daß ihr die Schuld der Gemeinde wegnehmen und sie vor ihm entsühnen sollt.“ 3.Mose 10,17. Beide Zeremonien versinnbildeten die Übertragung der Sünde von dem Bußfertigen auf das Heiligtum.

So geschah es Tag für Tag das ganze Jahr hindurch. Aber Israels Sünden, die so auf das Heiligtum übertragen wurden, verunreinigten die heiligen Stätten. Darum bedurfte es eines besonderen Dienstes, um diese Sünden zu entfernen … Mit der Darbringung von Blut bestätigte der Sünder die Autorität des Gesetzes. Er bekannte sich seiner Übertretung schuldig und bewies zugleich den Glauben an den, der die Sünde der Welt wegnehmen sollte; aber er war noch nicht völlig vom Fluch des Gesetzes befreit. — Patriarchen und Propheten 331-333; Patriarchs and Prophets 354-356; vgl. Der große Kampf 419-424.

B – Die Reinigung des Heiligtums hat mit der Aufzeichnung und Schuld der Sünde zu tun. Das Blut des Sündopfers löschte die Aufzeichnung aus, und der Sündenbock trug die Schuld hinweg, nachdem die Versöhnung vollzogen worden war — 3.Mose 16

Der Bock für den HERRN löschte die Sünde aus

Das Blut Christi sollte den reuigen Sünder von der Verurteilung durchs Gesetz befreien, aber die Sünde nicht tilgen. Sie würde im Heiligtum verzeichnet stehen bis zur endgültigen Versöhnung. So nahm auch im Schattendienst das Blut des Sündopfers die Sünde wohl von dem, der bereute, hinweg, aber sie blieb bis zur Versöhnung im Heiligtum.

Am großen Tage der endgültigen Belohnung werden die Toten „nach dem, was geschrieben steht in den Büchern, nach ihren Werken“, gerichtet. Offenbarung 20,12. Dann werden aufgrund des sühnenden Blutes Christi die Sünden aller aufrichtig Bereuenden aus den Büchern des Himmels gelöscht. So wird das Heiligtum von den verzeichneten Sünden befreit beziehungsweise gereinigt. Im Vorbild wurde dieses große Versöhnungswerk, das heißt die Tilgung der Sünden, durch die  Gottesdienste am Versöhnungstag dargestellt. Dabei ging es um die Reinigung des irdischen Heiligtums, das durch die Entfernung der Sünden, durch die es verunreinigt worden war, kraft des Blutes vom Sündopfer vollzogen wurde. Wie bei der endgültigen Versöhnung die Sünden der wirklich Reumütigen aus den Büchern des Himmels getilgt werden sollen, um nie wieder ins Gedächtnis zurückgerufen zu werden, so wurden sie beim Schattendienst in die Wüste hinausgetragen und für immer von der Gemeinde genommen. — Patriarchen und Propheten 334-335; Patriarchs and Prophets 357-358.

Der Bock für Asasel trug die Schuld solcher Sünden hinweg, die bereits durch den Bock für den HERRN ausgelöscht worden waren

Am Versöhnungstage dagegen ging der Hohepriester nach einem Opfer für die Gemeinde mit dem Blut in das Allerheiligste und sprengte es auf den Gnadenstuhl über den Gesetzestafeln. So wurde der Anspruch des Gesetzes, das das Leben des Sünders forderte, abgegolten. Dann nahm der Hohepriester in seiner Eigenschaft als Mittler die Sünden auf sich und trug mit sich die Last der Schuld Israels, wenn er das Heiligtum verließ. An der Tür der Stiftshütte legte er seine Hände auf den Bock für Asasel und bekannte über ihm „alle Missetat der Kinder Israel und alle ihre Übertretungen, mit denen sie sich versündigt“ hatten, und legte „sie dem Bock auf den Kopf“. 3.Mose 16,21f. Nun erst, nachdem der mit diesen Sünden beladene Bock fortgebracht worden war, sah man diese als für immer vom Volke getrennt an. So war der Dienst beschaffen nach „dem Abbilde und Schatten des Himmlischen“. Hebräer 8,5. — Patriarchen und Propheten 333; Patriarchs and Prophets 356.

Dieser Asasel, der die Sünden Israels trug, wurde weggeführt, „in die Wüste“ (3.Mose 16,22); ebenso wird Satan, die Schuld aller Sünden tragend, zu denen er Gottes Volk verführte, tausend Jahre lang auf der Erde, die dann wüst und leer sein wird, gebannt sein und zuletzt die volle Strafe für die Sünde in dem Feuer erleiden, das alle Gottlosen vernichten wird. — Der große Kampf 485; vgl. The Great Controversy 485-486.

Denn die Sünden derer, die durch das Blut Jesu erlöst sind, werden am Ende auf den Urheber der Sünde zurückfallen und er wird ihre Strafe erleiden müssen, während diejenigen, die das Heil durch Jesum nicht annehmen, selbst die Strafe ihrer Sünde erleiden müssen. — Erfahrungen und Gesichte 168; vgl. Early Writings 178.

C Die Reinigung des himmlischen Heiligtums und die endgültige Reinigung des Herzens

Weil die himmlischen Bücher das fotografische Abbild der Aufzeichnung im Geist eines Menschen sind (Der große Kampf 486), hat die Reinigung der himmlischen Bücher auch eine Einwirkung auf den Geist des Gläubigen. Die Sünden werden in Verbindung mit dem Spätregen ausgelöscht.

Das Untersuchungsgericht und die Austilgung der Sünden muß vor der Wiederkunft des Herrn vollendet werden. Da die Toten gerichtet werden sollen nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, ist es unmöglich, daß die Sünden der Menschen vor Ablauf des Gerichts, das ihr Lebenswerk untersucht, ausgetilgt werden können. Der Apostel Petrus sagt deutlich, daß die Sünden der Gläubigen ausgetilgt werden sollen, „auf daß da komme die Zeit der Erquickung von dem Angesichte des Herrn, wenn er senden wird den, der euch jetzt zuvor gepredigt wird, Jesus Christus“. Apostelgeschichte 3,20.

Wenn das Untersuchungsgericht zu Ende geht, wird Christus kommen und sein Lohn mit Ihm, einem jeglichen zu geben, wie seine Werke sein werden. — Der große Kampf 484-485; The Great Controversy 485.

Die Sünden werden aus dem Geist der wahrhaft Reumütigen ausgelöscht

Hätte Jakob nicht zuvor seine Sünde, die Erlangung der Erstgeburt durch Betrug, bereut, so würde Gott sein Gebet nicht erhört und sein Leben gnädig bewahrt haben. Ebenso würden auch die Kinder Gottes überwältigt werden, wenn in der trübseligen Zeit, da sie von Angst und Schrecken gepeinigt sind, noch nicht bekannte Sünden vor ihnen auftauchen; Verzweiflung würde ihren Glauben ersticken, und sie könnten kein Vertrauen haben, bei Gott um Errettung zu bitten. Aber während sie sich des tiefen Gefühls ihrer Unwürdigkeit bewußt sind, haben sie keine verborgenen Fehler zu enthüllen. Ihre Sünden sind schon vorher beurteilt und ausgetilgt worden, und sie gedenken ihrer nicht mehr. — Der große Kampf; The Great Controversy 620.

Diejenigen, die eine Vorbereitung auf den Tag des HERRN hinausgeschoben haben, können sie weder in der Zeit der Trübsal noch in irgendeiner zukünftigen Zeitperiode erlangen. Die Gerechten werden in ihren ernsten, verzweifelten Schreien um Errettung nicht ablassen. Sie können sich nicht an bestimmte Sünden erinnern, in ihrem ganzen Leben aber können sie nur wenig Gutes sehen. Ihre Sünden waren ins Gericht vorausgegangen und sind vergeben worden. Ihre Sünden sind ins Land der Vergessenheit hin weggetragen worden, und sie können sich nicht an sie erinnern. Sichere Vernichtung bedroht sie, aber wie Jakob werden sie es nicht dulden, daß ihr Glaube schwach wird, nur weil ihre Gebete nicht sofort erhört werden. Obwohl sie des Hungers Pein spüren, werden sie ihr Flehen nicht abbrechen. Sie ergreifen die Kraft Gottes, wie Jakob den Engel ergriff, und die Rede ihrer Seele lautet: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Die Heiligen siegen schließlich wie Jakob und werden durch Gottes Stimme wunderbar errettet. — Spiritual Gifts III, 134-135; The Spirit of Prophecy I, 124; The Signs of the Times, 27. November 1879.

Im Gericht werden die Schuldflecken vom Herzen weggenommen

Gold und Silber werden an jenem Tage kein ausreichendes Loskaufmittel sein; nichts außer den Verdiensten des Blutes Christi wird ausreichen, die Schuldflecken von den Herzen der Menschen wegzuwaschen. — The Review and Herald, 13. Mai 1890; vgl. Zusammenhang von Daniel 7.

Wir müssen uns auf jene Reinigung des Seelentempels vorbereiten

Ernsthaft und feierlich sollten wir uns auf die Reinigung des Seelentempels vorbereiten und daran denken, daß wir der Welt, den Engeln und den Menschen ein Schauspiel sind. Wird dies Werk gründlich verrichtet, reinigt es das Herz von aller Unreinigkeit, allem Streit und Wunsch nach Oberherrschaft. — Manuskript 14, 1901; siehe Zusammenhang von Daniel 12.

Dieses große Werk fällt mit dem Spätregen zusammen

Der Spätregen, der zum Herbstende fällt, läßt das Getreide ausreifen und bereitet es für die Ernte vor. Der HERR benutzt diese Naturabläufe, um das Werk des Heiligen Geistes darzustellen. So wie Tau und Regen gegeben sind, um zunächst die Saat keimen zu lassen und dann, um die Ernte zur Reife zu bringen, so wird auch der Heilige Geist gegeben, um den Vorgang des geistlichen Wachstums von einem Stadium zum andern voranzubringen. Das Ausreifen des Getreides stellt die Vollendung des Gnadenwerkes Gottes in der Seele dar. Durch die Kraft des Heiligen Geistes soll das Bild Gottes im Charakter vervollkommnet werden. Wir müssen gänzlich in das Ebenbild Christi verwandelt werden. — Testimonies to Ministers and Gospel Workers 506; siehe den vollständigen Zusammenhang von Offenbarung 18.“
Ellen G. White, Gedanken über das Buch Daniel, S. 50-56

Irrlehren über das Heiligtum sind eine ständig drohende Gefahr!

„Der Seelenfeind hat danach getrachtet, die Annahme einzuführen, daß eine große Reformation … stattfinden soll und daß diese Reformation darin bestünde, die Lehren aufzugeben, die als Säulen unseres Glaubens dastehen und einen Reorganisierungsprozeß voranzutreiben. Würde diese Reformation stattfinden, was käme dabei heraus? Die Grundsätze der Wahrheit, die Gott in seiner Weisheit der Gemeinde der Übrigen gegeben hat, würden mißachtet werden. Unsere Religion würde verändert werden. Die fundamentalen Grundsätze, die dem Werk in den letzten fünfzig Jahren eine Stütze gewesen sind, würden als Irrtum betrachtet werden. Eine neue Organisation würde errichtet und Bücher einer neuen Kategorie geschrieben. Ein System intellektueller Philosophie würde eingeführt werden. Die Gründer dieses Systems würden in die Städte gehen und dort ein wunderbares Werk verrichten. Der Sabbat würde selbstverständlich als Nebensache betrachtet werden, wie auch Gott, der ihn schuf. Nichts würde zugelassen werden, das der neuen Bewegung im Wege stünde. Die Leiter würden lehren, daß Tugend besser sei als Laster; da Gott aber beiseitegeschafft wäre, würden sie sich von menschlicher Kraft abhängig machen, die jedoch ohne Gott wertlos ist. Ihr Fundament wäre auf Sand gebaut, und Sturm und Böen würden das Gebäude hinwegfegen.

Wer besitzt die Autorität, eine solche Bewegung zu starten? Wir haben unsere Bibeln. Wir haben unsere Erfahrung, bestätigt durch den wunderwirkenden Heiligen Geist. Wir haben eine Wahrheit, die keinen Kompromiß zuläßt. Sollten wir nicht all das verwerfen, was mit der Wahrheit nicht übereinstimmt?

Ich habe damit gezögert und es aufgeschoben, hinausgehen zu lassen, was der Heilige Geist mich antrieb niederzuschreiben. Ich wollte nicht gezwungen werden, den irreführenden Einfluß dieser Spitzfindigkeiten darzustellen. In der Vorsehung Gottes aber muß den eindringenden Irrtümern die Stirn geboten werden.

Kurz bevor ich die Zeugnisse über die Anstrengungen des Feindes aussandte, der das Fundament unseres Glaubens durch Verbreitung verführerischer Theorien untergraben will, hatte ich über ein Ereignis gelesen, wobei ein Schiff im Nebel auf einen Eisberg traf. Einige Nächte hindurch schlief ich nur wenig. Ich schien überladen zu sein wie ein Ackerwagen mit Garben. Eines Nachts wurde mir eine Szene deutlich vor Augen gestellt. Ein Schiff auf dem Meer fuhr in dichtem Nebel. Plötzlich rief der Wachtposten: „Ein Eisberg dicht vor uns!“ Dort — turmhoch und größer als das Schiff — war ein riesiger Eisberg. Eine Stimme rief befehlend: „Volldampf voraus!“ Da gab es keinen Augenblick zu zögern. Es galt, sofort zu handeln. Der Maschinist schaltete auf Volldampf, und der Mann am Steuer lenkte das Schiff direkt auf den Eisberg zu. Krachend prallte das Schiff gegen die Eismassen. Es gab eine furchtbare Erschütterung, und der Eisberg barst in viele Stücke, die mit Donnergetöse aufs Deck purzelten. Die Passagiere wurden durch den Zusammenstoß mächtig durcheinander gewürfelt, niemand aber kam ums Leben. Das Schiff war beschädigt, aber noch reparierbar. Es prallte zurück vom Zusammenstoß, zitternd von vorn bis hinten, wie ein Lebewesen. Dann setzte es seine Fahrt fort.

Nun, ich verstand die Bedeutung dieser Darstellung. Ich hatte meine Befehle. Ich hatte die Worte gehört, die wie die Stimme unseres himmlischen Kapitäns klangen: „Volldampf voraus!“ Ich kannte meine Pflicht und wußte, daß kein Augenblick zu verlieren war. Die Zeit für entschiedenes Handeln war gekommen. Ich mußte dem Befehl ohne Zögern gehorchen: „Volldampf voraus!“.

In jener Nacht war ich um ein Uhr auf und schrieb, so schnell meine Hand schreiben konnte. Die nächsten paar Tage arbeitete ich früh und spät, indem ich für unser Volk die Anweisungen vorbereitete, die mir über die bei uns eingeschleusten Irrtümer gegeben worden waren.

Ich hoffte auf eine gründliche Reformation und darauf, daß wir die Grundsätze aufrechterhielten, um die wir in den Anfangsjahren gerungen haben und die uns in der Kraft des Heiligen Geistes klargeworden waren.

Viele in unserem Volke erkennen nicht, wie fest das Fundament unseres Glaubens gelegt worden ist. Mein Mann, Bruder Joseph Bates, Vater Pierce, Bruder Edson und andere, scharfsinnig, edel und aufrichtig, waren unter denen, die — nachdem die Zeit von 1844 verstrichen war — nach Wahrheit wie nach verborgenen Schätzen suchten. Ich traf mich mit ihnen, und wir studierten und beteten ernstlich. Oft blieben wir zusammen bis spät nachts — manchmal die ganze Nacht hindurch — beteten um Licht und studierten Gottes Wort. Immer wieder kamen diese Brüder zusammen, die Bibel zu studieren, um deren Bedeutung zu erkennen und bereit zu sein, sie andere mit Vollmacht zu lehren. Wenn sie in ihrem Studium an den Punkt gelangten, wo sie sagten: „Wir kommen nicht weiter“, kam der Geist Gottes auf mich, ich wurde in eine Vision versetzt, und eine deutliche Erklärung des Schriftabschnittes, den wir gerade studiert hatten, wurde mir gegeben, zusammen mit der Anweisung, wie wir wirksam arbeiten und lehren sollten. So wurde Licht gegeben, das uns half, die Schrift in bezug auf Christus, seine Mission und seinen Priesterdienst zu verstehen. Die Wahrheit wurde mir im Zusammenhang erläutert, der von damals bis in die Zeit reichte, wo wir die Stadt Gottes betreten werden, und ich gab anderen die Anweisungen weiter, die der Herr mir gegeben hatte.

Während dieser ganzen Zeit konnte ich die Argumente der Brüder nicht verstehen. Mein Verstand war sozusagen blockiert, und ich konnte die Bedeutung der Schriftabschnitte, die wir gerade studierten, nicht verstehen. Dies verursachte mir mit den größten Kummer in meinem Leben. Ich befand mich in diesem Zustand, bis uns alle Hauptpunkte unseres Glaubens in Übereinstimmung mit Gottes Wort klargemacht wurden. Die Brüder wußten, daß ich diese Dinge nicht verstehen konnte, wenn ich nicht in einer Vision war, und sie nahmen die mir gegebenen Offenbarungen als direktes Licht vom Himmel an.

Zwei oder drei Jahre war mein Verstand weiterhin blockiert, so daß ich die Schrift nicht verstehen konnte. Im Verlauf unsrer Arbeit besuchten mein Mann und ich Vater Andrews, der akut unter entzündlichem Rheuma litt. Wir beteten für ihn. Ich legte meine Hände auf sein Haupt und sagte: „Vater Andrews, der Herr Jesus macht dich gesund.“ Er war sofort geheilt. Er stand auf, ging im Zimmer umher, lobte Gott und sagte: „Ich habe es zuvor nie so gesehen. Engel Gottes sind in diesem Raum.“ Die Herrlichkeit Gottes wurde offenbart. Das Haus schien überall mit Licht durchflutet, und eines Engels Hand legte sich auf mein Haupt. Seit dieser Zeit bin ich in der Lage, Gottes Wort zu verstehen.

Was für ein Einfluß ist es, der Menschen in diesem Abschnitt unserer Geschichte dazu führt, auf heimliche, mächtige Art zu wirken, um das Fundament unseres Glaubens niederzureißen, das Fundament, das am Anfang unseres Werkes durch gebetsvolles Studium und Offenbarung gelegt wurde? Auf dieses Fundament haben wir die letzten fünfzig Jahre gebaut. Wundert ihr euch, daß ich etwas zu sagen habe, wenn ich den Beginn eines Werkes sehe, das einige unserer Glaubenssäulen beseitigen möchte? Ich muß dem Befehl gehorchen: „Volldampf voraus!“

Wir sind Gottes gebotehaltendes Volk. In den letzten fünfzig Jahren ist uns jede Erscheinungsform der Irrlehre aufgebürdet worden, um unseren Verstand bezüglich der Lehren des Wortes Gottes zu umnebeln, besonders was den Dienst Christi im himmlischen Heiligtum betrifft sowie die himmlische Botschaft für diese letzte Zeit, wie sie durch die Engel in Offenbarung 14 dargeboten wird. Botschaften jeglicher Art und Weise sind … aufgedrängt worden; sie sollten den Platz der Botschaft der Wahrheit einnehmen, die Punkt für Punkt durch gebetsvolles Studium erforscht und durch die wunderwirkende Macht des Herrn bestätigt worden war. Die Landmarken aber, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind, sollen bewahrt werden, und sie werden bewahrt werden, wie Gott es durch sein Wort und das Zeugnis seines Heiligen Geistes angezeigt hat. Er ruft uns auf, die fundamentalen Grundsätze, die auf unbestreitbarer Autorität aufgebaut sind, mit dem Griff des Glaubens festzuhalten. — Special Testimonies, Series B II, 54-59.

Satans besondere Angriffe richten sich gegen das Heiligtum!

Satan ist mit seinem ganzen Heer auf dem Schlachtfeld. Christi Soldaten sollen sich jetzt um das blutgetränkte Banner Immanuels scharen. Im Namen des Herrn: verlaßt das schwarze Banner des Fürsten der Finsternis und nehmt euren Platz beim Fürsten des Himmels ein.

„Wer Ohren zu hören hat, der höre“. Lest eure Bibeln! Von höherer Warte, unter der Anweisung, die mir Gott gegeben hat, trage ich euch diese Dinge vor. Die Zeit ist nahe, wo die verführerischen Mächte satanischer Werkzeuge sich völlig entwickeln werden. Auf einer Seite steht Christus, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist. Auf der anderen Seite ist Satan, der seine Macht ständig ausübt, um zu verlocken, um mit mächtigen, vergeistigenden Spitzfindigkeiten zu verführen, Gott von dort zu verdrängen, wo Er in den Gedanken der Menschen seinen Platz einnehmen sollte.

Satan strebt ständig danach, phantasievolle Annahmen in bezug auf das Heiligtum einzuführen und erniedrigt die wunderbaren Darstellungen über Gott und den Dienst Christi zu unserer Errettung zu etwas der fleischlichen Gesinnung Angenehmem. Er verdrängt die überragende Kraft des Heiligtumsdienstes Christi aus den Herzen der Gläubigen und füllt den Platz aus mit phantasievollen Theorien, erfunden, um die Wahrheiten der Versöhnung null und nichtig zu machen und unser Vertrauen in die Lehren zu zerstören, die wir heiliggehalten haben, seit die dritte Engelsbotschaft zum ersten Mal gegeben wurde. So beraubt er uns unseres Glaubens gerade an die Botschaft, die uns zu einem besonderen Volk gemacht hat und die unserem Werk das Gepräge und die Kraft verliehen hat.

Im Worte Gottes werden diesbezüglich deutliche Warnungen ausgesprochen: Trotzdem haben sich phantasievolle Darstellungen und Auslegungen der Wahrheit Schritt um Schritt eingeschlichen, unbemerkt von Männern, die durch ein klares Schriftverständnis vorbereitet sein sollten, die Gefahr zu sehen und davor zu warnen.

In diesen unseren Tagen besteht ein Bedürfnis nach klarem, geistlichem Unterscheidungsvermögen. Laßt alle, die Gott in Battle Creek fürchten, sagen: „Wer ist dazu tüchtig?“, denn Blindheit ist Israel widerfahren, den Lehrern ebenso wie jenen, die gelehrt werden. — Special Testimonies, Series B VII, 16-17. …

Ich schreibe dies, weil mein Leben jeden Augenblick zu Ende sein kann. Wenn nicht ein Losreißen vom Einfluß geschieht, den Satan vorbereitet hat und eine Neubelebung der Zeugnisse, die Gott gegeben hat, werden Seelen in ihrer Täuschung umkommen. Sie werden Trug um Trug annehmen und so eine Uneinigkeit aufrechterhalten, die es immer geben wird, bis diejenigen, die getäuscht worden sind, sich auf die richtige Seite stellen. Die gesamte höhere Bildung, die gerade in Vorbereitung ist, wird ausgelöscht werden, denn sie ist nicht echt. Je einfacher die Ausbildung unserer Evangeliumsdiener, je weniger Verbindung sie mit den Männern haben, die Gott nicht führt, desto mehr wird erreicht werden. Das Werk wird dann in der Einfachheit wahrer Frömmigkeit verrichtet werden, und die uralten Zeiten kommen wieder, in denen Tausende an einem Tage unter der Leitung des Heiligen Geistes getauft wurden. Wenn die Wahrheit in ihrer Einfachheit überall ausgelebt wird, dann wird Gott durch seine Engel wirken, wie Er am Pfingsttage wirkte, und Herzen werden sich so entschieden umwandeln, daß sich der Einfluß echter Wahrheit zeigt wie bei der Ausgießung des Heiligen Geistes. — Special Testimonies, Series B VII, 62-63.“
Ellen G. White, Gedanken über das Buch Daniel, S. 43-48

Welches Gesetz nagelte der Herr Jesus ans Kreuz (wörtl. Pfahl)?

Welches Gesetz nagelte der Herr Jesus ans Kreuz (wörtl. Pfahl)?

Viele Menschen glauben und sind der Meinung, dass der Herr Jesus – wie in Kolosser 2:14 geschrieben – die 10 Gebote ans Kreuz (wörtl. Pfahl) nagelte und man deshalb vom Halten der 10 Gebote befreit wäre.

Ist es wahr oder unwahr?

Prüfen wir es.

Es steht geschrieben:

dadurch, daß er die gegen uns bestehende Schuldschrift, welche durch Satzungen uns entgegen war, auslöschte und sie aus der Mitte tat, indem er sie ans Kreuz heftete. Kolosser 2:14

Was steht geschrieben?

Es steht geschrieben, dass unsere Schuld, die durch Satzungen gegen uns war, aus der Mitte getan und ans Kreuz (wörtl. Pfahl) genagelt wurde.

Es steht „Satzungen“ geschrieben, nicht 10 Gebote oder Gesetz Gottes!

Satzungen sind nicht die 10 Gebote, sondern das dem Mose gegebene Gesetz für all die Zeremonien des Tempeldienstes – genannt Zeremonialgesetz – wurde durch das Opfer des Herrn Jesus beendet, weil all diese Zeremonien nur ein Sinnbild des wahren Opfers, des Lammes Gottes waren.

So wurde es prophezeit:

Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte [Jesus] ausgerottet werden. … Und er  [Jesus] wird vielen den Bund stärken eine Woche [7 Tage = 7 Jahre] lang. Und mitten in der Woche [3,5 Jahren nach Jesu Taufe] wird das Opfer und Speisopfer aufhören [Der Herr Jesus sterben]. Daniel 9:26-27

So hat es auch Paulus bestätigt:

… So hebt Er ersteres auf, um das zweite aufzustellen. Hebräer 10:9

So steht es auch in der Apostelgeschichte:

So sei euch nun kund, ihr Männer und Brüder, daß euch durch diesen Vergebung der Sünden verkündigt wird; und von allem, wovon ihr durch das Gesetz Moses nicht gerechtfertigt werden konntet, wird durch diesen [Jesus] jeder gerechtfertigt, der da glaubt. ‭‭Apostelgeschichte‬ ‭13:38-39‬

Nicht das Gesetz Gottes – die 10 Gebote – wurde beendet, sondern das Gesetz Moses – das Zeremonialgesetz – wurde angenagelt, weil jetzt der Herr Jesus das wahre Opfer und der wahre Hohenpriester ist, der sein Blut darbringt, welches Süden aus dem himmlischen Heiligtum tilgen kann.

Der Herr Jesus konnte das Gesetz Gottes, die 10 Gebote nicht annageln, weil die 10 Gebote der Charakter Gottes sind und so wie Gott, auch die 10 Gebote für all die Ewigkeiten existieren.

Deshalb sagte der Herr Jesus, dass er nicht zum Abschaffen kam und wenn er die 10 Gebote angenagelt hätte, hätte er abgeschafft.

Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen! Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Matthäus 5:17 

Deshalb bestätigt der Herr Jesus in Matthäus 5:18, dass nicht mal ein Jota noch ein einziges Strichlein vom Gesetz verändert wird. Und da der Himmel und die Erde nicht vergangen sind, sondern immer noch existieren, existieren und gelten auch die 10 Gebote.

Denn wahrlich, ich sage euch, bis daß Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Jota noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Matthäus 5:18 

Ebenso steht geschrieben, dass das Gesetz Gottes und seine 10 Gebote ewiglich gelten.

Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht; alle seine Gebote sind rechtschaffen. Sie werden erhalten immer und ewiglich und geschehen treulich und redlich. Psalm 111:7-8

Deine Gerechtigkeit ist auf ewig gerecht, und dein Gesetz ist Wahrheit. Psalm 119:142

HERR, du bist nahe, und deine Gebote sind eitel Wahrheit. Längst weiß ich, daß du deine Zeugnisse für ewig gegründet hast. Psalm 119:151-152

Das sagt uns der himmlische Vater auch durch seine geliebte Tochter und Prophetin Ellen G. White:

„Die Zeremonien, die mit dem Tempeldienst verbunden waren und Christus in Sinn- und Schattenbildern vorausschatteten, wurden zur Zeit der Kreuzigung abgeschafft, denn Bild und Abbild begegneten einander im Tode des wahren und vollkommenen Opfers, des Gotteslammes. Manuskript 72, 1901.“
Ellen G. White, Der Bibelkommentar, S. 464

„Der Vorhang ist zerrissen, die Trennwände sind niedergebrochen, die Handschrift, die in Satzungen bestand, ist ausgelöscht. Durch die Wirksamkeit seines Blutes ist die Feindschaft beseitigt. Durch den Glauben an Christus können Juden und Heiden am lebendigen Brot teilhaben. — Brief 230, 1907.“
Ellen G. White, Der Bibelkommentar, S. 286

„Viele Menschen der christlichen Welt haben gleichfalls einen Schleier vor ihren Augen und Herzen. Sie erkennen nicht völlig, was überflüssig wurde. Sie sehen nicht, daß nur das Zeremonialgesetz durch den Tod Christi aufgehoben wurde. Sie behaupten, das Sittengesetz sei ans Kreuz genagelt worden. Der Schleier, der ihr Verständnis verdunkelt, wiegt schwer. Die Herzen vieler befinden sich im Krieg gegen Gott. Sie sind nicht seinem Gesetz untertan. Nur wenn sie zur Übereinstimmung mit den Regeln seiner Herrschaft kommen, kann Christus für sie von Nutzen sein. Sie mögen von Christus als ihrem Erlöser sprechen, doch letztlich wird er zu ihnen sagen: Nein, ich kenne euch nicht. Ihr habt keine wirkliche Reue gegenüber Gott für die Übertretung seines Gesetzes gezeigt, und ihr könnt kein echtes Vertrauen in mich haben; denn es war meine Aufgabe, das Gesetz Gottes zu verherrlichen.“
Ellen G. White, Für die Gemeinde geschrieben — Band 1, S. 246

„Dieses Joch war nicht das Gesetz der Zehn Gebote, wie einige Gegner der verbindlichen Forderungen des Gesetzes behaupten. Petrus bezog sich hier auf das Zeremonialgesetz, das durch die Kreuzigung Jesu null und nichtig geworden ist.“
Ellen G. White, Gute Nachricht für alle, S. 170-171

„Nachdem Christus als Sündopfer am Kreuz gestorben war, konnte das Zeremonialgesetz keine Macht mehr ausüben. Und doch war es mit dem Sittengesetz verbunden und voller Schönheit. Das Ganze trug den Stempel der Göttlichkeit und war Ausdruck der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes. Wenn schon der Dienst dieser Heilsordnung, die abgeschafft werden sollte, herrlich war, wieviel herrlicher muß dann die Wirklichkeit sein, als Christus offenbart wurde und jenen, die an ihn glaubten, seinen lebenschenkenden, heiligenden Geist gab?“
Ellen G. White, Für die Gemeinde geschrieben — Band 1, S. 244-245

Nicht das Gesetz Mose – Zeremonialgesetz – ist binden,
sondern das Gesetz Gottes, die 10 Gebote!

„Während sich die Apostel gemeinsam mit den Ältesten und Gemeindegliedern zu Antiochien ernstlich darum mühten, Menschen für Christus zu gewinnen, gelang es gewissen jüdischen Gläubigen aus Judäa, die früher der Sekte der Pharisäer angehört hatten, eine Frage aufzuwerfen, die bald zu ausgedehnten Streitigkeiten in der Gemeinde führte und Bestürzung unter den gläubigen Nichtjuden hervorrief. Mit großer Bestimmtheit behaupteten diese judaistischen Lehrer, daß es notwendig sei, sich beschneiden zu lassen und das ganze Zeremonialgesetz zu halten, wenn man selig werden wolle. 

Entschieden traten Paulus und Barnabas dieser falschen Lehre entgegen und wollten verhindern, daß diese Angelegenheit vor die Nichtjuden gebracht werde. Andererseits traten aber auch viele gläubig gewordene Juden in Antiochien für den Standpunkt der kürzlich von Judäa gekommenen Brüder ein.

Die Gläubigen aus den Juden waren im allgemeinen nicht geneigt, so schnell voranzugehen, wie Gottes Vorsehung den Weg bereitete. In Anbetracht des erfolgreichen Wirkens der Apostel unter den Heiden war es klar vorauszusehen, daß es bald mehr bekehrte Nichtjuden als jüdische Bekehrte geben werde. Die Juden fürchteten nämlich, daß ihre nationalen Besonderheiten, durch die sie sich bisher von allen anderen Völkern unterschieden hatten, völlig verschwinden würden, wenn die Einschränkungen und Kultvorschriften ihres Gesetzes den Heiden nicht als Vorbedingung für die Aufnahme in die christliche Gemeinde auferlegt würden.

Die Juden hatten sich stets der Gottesdienste gerühmt, die Gott ihnen verordnet hatte. Viele von denen, die sich zum Glauben an Christus bekehrt hatten, hielten es für unwahrscheinlich, daß Gott, der einst die hebräische Ordnung des Gottesdienstes bestimmt hatte, jemals auch nur die geringste Abänderung billigen könnte. Sie bestanden darauf, daß die jüdischen Gesetze und Zeremonien in die Gebräuche der christlichen Religion übernommen würden. Nur langsam erkannten sie, daß alle Sühnopfer auf den Tod des Sohnes Gottes hingewiesen und daß in ihm alle Bilder und Symbole ihre Erfüllung gefunden hatten; deshalb waren die Zeremonien des mosaischen Gottesdienstes auch nicht länger bindend.

Vor seiner Bekehrung hatte sich Paulus „nach der Gerechtigkeit im Gesetz“ für „unsträflich“ (Philipper 3,6) gehalten. Nach der Wandlung seines Herzens aber hatte er eine klare Erkenntnis von dem Wirken des Heilands als Erlöser des ganzen Menschengeschlechts — der Juden wie der Nichtjuden — gewonnen. Er hatte auch den Unterschied zwischen lebendigem Glauben und totem Formenwesen begriffen. Die den Israeliten gegebenen Verordnungen und Gebräuche hatten im Licht des Evangeliums eine neue, tiefere Bedeutung erhalten. Was sie bisher bildlich darstellten, war Wirklichkeit geworden. Dadurch waren alle, die unter dem Neuen Bund lebten, von der Befolgung dieser Anordnungen befreit. Gottes unveränderliches Gesetz aber, die Zehn Gebote, hielt Paulus auch weiterhin sowohl dem Geist als dem Buchstaben nach.

Die Frage der Beschneidung löste in der Gemeinde Antiochien viele Streitgespräche und Auseinandersetzungen aus. Da nun die Glieder der Gemeinde befürchteten, die fortgesetzten Meinungsverschiedenheiten könnten schließlich zu einer Spaltung führen, beschlossen sie, Paulus, Barnabas und einige verantwortliche Männer der Gemeinde nach Jerusalem zu senden, um diese Angelegenheit den Aposteln und Ältesten zu unterbreiten. Sie würden dort mit Abgeordneten der verschiedenen Gemeinden und auch mit Brüdern zusammentreffen, die zum bevorstehenden Fest nach Jerusalem kamen. Aller Streit sollte inzwischen ruhen, bis eine endgültige Entscheidung durch eine allgemeine Beratung getroffen worden sei, die dann von den verschiedenen Gemeinden im ganzen Land angenommen werden sollte. 

Die Apostel besuchten die Gläubigen in den Städten, die sie auf dem Wege nach Jerusalem durchreisten, und ermutigten sie dadurch, daß sie ihnen von ihren Erfahrungen im Werke Gottes und von der Bekehrung der Nichtjuden berichteten. In Jerusalem kamen die Abgeordneten aus Antiochien mit den Brüdern der verschiedenen Gemeinden zusammen, die sich zu dieser allgemeinen Versammlung eingefunden hatten und berichteten ihnen von ihrem erfolgreichen Wirken unter den Nichtjuden. Dann schilderten sie ausführlich, welche Verwirrung dadurch entstanden sei, daß gewisse bekehrte Pharisäer nach Antiochien gekommen waren und erklärt hatten, auch die gläubig gewordenen Nichtjuden müßten beschnitten werden und das Gesetz Moses halten, um selig zu werden.

Diese Frage wurde in der Versammlung eifrig erörtert. Eng verbunden mit der Frage der Beschneidung waren noch einige andere, die gleichfalls eines sorgfältigen Studiums bedurften. Eine davon war, wie man sich zum Genuß von Götzenopferfleisch verhalten sollte. Viele Neubekehrte aus den Nichtjuden lebten unter unwissenden, abergläubischen Menschen, die den Göttern häufig Opfer darbrachten. Die Priester dieser heidnischen Gottesdienste betrieben einen ausgedehnten Handel mit Opfergaben, die zu ihnen gebracht wurden. Und nun befürchteten die Judenchristen, die bekehrten Heiden könnten das Christentum dadurch in Verruf bringen, daß sie kauften, was zuvor den Götzen geopfert worden war; denn dadurch würden sie gewissermaßen die götzendienerischen Gebräuche gutheißen.

Ferner war es unter den Heiden üblich, das Fleisch von Tieren zu essen, die erstickt worden waren. Die Juden dagegen achteten auf Grund einer göttlichen Anweisung darauf, daß beim Töten der Tiere, die als Speise dienen sollten, der Körper ausblutete; andernfalls wurde das Fleisch für die Ernährung als nicht zuträglich angesehen. Gott hatte den Juden dies zur Erhaltung ihrer Gesundheit vorgeschrieben. Sie sahen es deshalb als Sünde an, Blut als Nahrung zu verwenden. Für sie war das Blut das Leben und Blutvergießen eine Folge der Sünde. Die Heiden dagegen fingen das Blut der Opfertiere auf und verwendeten es zur Zubereitung von Speisen. Die Juden vermochten nicht zu glauben, daß sie ihre Bräuche ändern sollten, die sie auf besondere Anweisung Gottes angenommen hatten. Deshalb mußte es ihnen Anstoß und Ärgernis sein, wenn sie genötigt werden sollten, mit Nichtjuden an einem Tisch zu essen.

Die nichtjüdischen Völker, besonders die Griechen, führten häufig ein ausschweifendes Leben. So lag die Gefahr nahe, daß manche, die in ihrem Herzen noch unbekehrt waren, ein Glaubensbekenntnis ablegen könnten, ohne ihre schlechten Gewohnheiten aufgegeben zu haben. Die jüdischen Christen aber konnten Unsittlichkeit, die von den Heiden durchaus nicht als Unrecht angesehen wurde, nicht dulden. Darum hielten sie es für angebracht, den bekehrten Nichtjuden die Beschneidung und die Beachtung des Zeremonialgesetzes als Beweis ihrer Aufrichtigkeit und Frömmigkeit aufzuerlegen. So meinten sie verhindern zu können, daß jemand ohne wahre Bekehrung des Herzens den Glauben annahm und der Gemeinde beitrat, später aber der Sache Christi durch Unsittlichkeit und ausschweifendes Leben Schande bereitete. Die verschiedenen Gesichtspunkte, die bei der Lösung der Hauptfrage zu berücksichtigen waren, schienen der beratenden Versammlung unüberwindliche Schwierigkeiten zu bereiten. Der Heilige Geist aber hatte in der Frage, von deren Regelung das Wohl, wenn nicht das Bestehen der christlichen Gemeinde abzuhängen schien, bereits entschieden.

„Da man sich aber lange gestritten hatte, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ihr wisset, daß Gott mich lange vor dieser Zeit unter euch erwählt hat, daß durch meinen Mund die Heiden das Wort des Evangeliums hörten und glaubten.“ Apostelgeschichte 15,7. Dann führte er aus, daß der Heilige Geist die strittige Angelegenheit bereits dadurch entschieden habe, daß er sowohl auf unbeschnittene Nichtjuden wie auf beschnittene Juden mit gleicher Kraft herabgekommen sei. Nochmals berichtete er von dem Gesicht, in dem Gott ihm in einem Tuch allerlei vierfüßige Tiere dargeboten hatte mit der Aufforderung, sie zu schlachten und zu essen. Als er sich weigerte und darauf berief, noch nie etwas Gemeines oder Unreines gegessen zu haben, sei ihm geantwortet worden: „Was Gott gereinigt hat, das heiße du nicht gemein.“ Apostelgeschichte 10,15.

Petrus berichtete erneut, welch unmißverständliche Auslegung dieser Worte er unmittelbar danach durch die Aufforderung erhalten habe, zu dem Hauptmann zu gehen und ihn im Glauben an Jesus Christus zu unterweisen. Diese Botschaft habe gezeigt, daß es bei Gott kein Ansehen der Person gäbe, sondern daß er alle, die ihn fürchten, annehme und anerkenne. Ferner erzählte Petrus, daß er im Hause des Kornelius erstaunt Augenzeuge hatte sein dürfen, wie der Heilige Geist seine Zuhörer — Nichtjuden wie Juden — ergriff, während er ihnen noch das Wort der Wahrheit verkündigte. Das gleiche Licht, die gleiche Herrlichkeit erleuchtete sowohl die Gesichter der beschnittenen Juden wie auch der unbeschnittenen Nichtjuden. Das sei für ihn eine göttliche Warnung gewesen, keinen geringer zu achten als den andern, denn das Blut Christi könne alle Unreinigkeit tilgen.

Schon früher einmal hatte sich Petrus mit seinen Brüdern über die Bekehrung des Kornelius und dessen Freunden sowie über seine eigene Gemeinschaft mit ihnen ausgesprochen. Damals hatte er ihnen berichtet, daß der Heilige Geist auch auf die Nichtjuden gefallen war, und erklärt: „Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die da gläubig geworden sind an den Herrn Jesus Christus: wer war ich, daß ich könnte Gott wehren?“ Apostelgeschichte 11,17. Mit gleichem Eifer und Nachdruck sagte er jetzt: „Gott, der die Herzen kennt, gab Zeugnis für sie, denn er gab ihnen den heiligen Geist gleichwie auch uns und machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen, nachdem er ihre Herzen gereinigt hatte durch den Glauben. Was versucht ihr denn nun Gott dadurch, daß ihr ein Joch auf der Jünger Hälse legt, welches weder unsre Väter noch wir haben tragen können?“ Apostelgeschichte 15,8-10. Dieses Joch war nicht etwa das Gesetz der Zehn Gebote, wie manche behaupten, die die bindenden Forderungen des Gesetzes leugnen; Petrus bezog sich hier lediglich auf das Zeremonialgesetz, das durch den Kreuzestod Christi null und nichtig geworden war.

Die Ausführungen des Petrus bewirkten, daß die Versammelten nun geduldig anhören konnten, welche Erfahrungen Paulus und Barnabas von ihrer Arbeit unter den Nichtjuden berichteten. „Da schwieg die ganze Menge stille und hörte Paulus und Barnabas zu, die da erzählten, wie große Zeichen und Wunder Gott durch sie getan hatte unter den Heiden.“ Apostelgeschichte 15,12. Auch Jakobus bezeugte mit aller Entschiedenheit, daß es Gottes Absicht sei, den Heiden die gleichen Gnadengaben und Segnungen zu schenken, die er den Juden gewährt habe.

Der Heilige Geist hielt es für gut, den Bekehrten aus den Heiden das Zeremonialgesetz nicht aufzuerlegen; und die Überzeugung der Apostel in dieser Angelegenheit stimmte bei dieser Beratung mit der Meinung des Geistes Gottes überein. Bei diesem Konzil führte Jakobus den Vorsitz; seine abschließende Entscheidung lautete: „Darum urteile ich, daß man denen, die aus den Heiden zu Gott sich bekehren, nicht Unruhe mache.“ Apostelgeschichte 15,19.

Damit endete die Aussprache. Diese Begebenheit widerlegt die von der römisch-katholischen Kirche vertretene Auffassung, daß Petrus das Haupt der Urgemeinde gewesen sei. Wer, wie die Päpste, den Anspruch erhebt, dessen Amtsnachfolger zu sein, steht mit dieser Forderung nicht auf biblischem Boden. Auch die Behauptung, Petrus sei als Statthalter des Allerhöchsten über seine Brüder gesetzt worden, findet keinerlei Bestätigung in seinem Leben. Wären alle, die als seine Nachfolger bezeichnet wurden, wirklich seinem Beispiel gefolgt, so hätten sie sich stets damit begnügt, ihren Brüdern gleich zu sein.

Vermutlich war in diesem besonderen Fall Jakobus dazu ausersehen worden, den von der Versammlung gefaßten Beschluß bekanntzugeben. Sein Entscheid besagte, daß weder das Zeremonialgesetz noch die Verordnung der Beschneidung den Heiden aufgedrängt, ja nicht einmal empfohlen werden sollte. Jakobus bemühte sich, seinen Brüdern begreifbar zu machen, daß man den Nichtjuden gegenüber, die bereits infolge ihrer Bekehrung zu Gott eine entscheidende Veränderung in ihrem Leben zu vollziehen hatten, große Nachsicht walten lassen sollte. Sie sollten deshalb nicht durch verwirrende Streitfragen von untergeordneter Bedeutung beunruhigt und dadurch in der Nachfolge Christi entmutigt werden. 

Die bekehrten Nichtjuden ihrerseits sollten alle Gebräuche aufgeben, die sich mit den Grundsätzen eines Christenlebens nicht vereinbaren ließen. Die Apostel und Ältesten wurden sich einig, sie brieflich davon zu unterrichten, sich fortan der Götzenopfer, des Blutgenusses, des Erstickten und der Unzucht zu enthalten. Sie sollten vielmehr ermahnt werden, die Gebote zu halten und ein heiliges Leben zu führen. Außerdem wurde ihnen versichert, daß keiner der Männer, die die Beschneidung als verbindlich gefordert hatten, hierzu von den Aposteln ermächtigt gewesen sei. … In seinem Predigtdienst mußte Paulus oft ganz allein stehen. Er wurde von Gott in besonderer Weise unterwiesen, und er wagte es nicht, Zugeständnisse zu machen, die seinen Grundsätzen zuwiderliefen. Manchmal war die Last schwer, doch Paulus trat entschlossen für das Recht ein. Er war sich darüber klar, daß die Gemeinde niemals der Herrschaft menschlicher Macht unterworfen werden sollte. Weder Überlieferungen noch menschliche Maßstäbe durften je an die Stelle der geoffenbarten Wahrheit treten. Der Fortschritt des Evangeliums sollte weder durch Vorurteile noch durch die Willkür einzelner — ganz gleich, welche Stellung sie innerhalb der Gemeinde einnehmen — behindert werden.

Paulus hatte sich mit all seinen Kräften dem Dienste Gottes geweiht. Er hatte die Wahrheiten des Evangeliums unmittelbar vom Himmel empfangen, mit dem er bis ans Ende seines Predigtdienstes eine lebendige Verbindung unterhielt. Gott selbst hatte ihn unterwiesen, den nichtjüdischen Christen keine unnötige Lasten aufzuerlegen. Als nun die judaisierenden Gläubigen in der Gemeinde Antiochien die Frage der Beschneidung aufwarfen, kannte Paulus die Meinung des Geistes Gottes darüber und nahm einen festen und unnachgiebigen Standpunkt ein, der den Gemeinden die Freiheit von jüdischen Gebräuchen und Zeremonien brachte.“
Ellen G. White, Das Wirken der Apostel, S. 148-157

Das gleiche sagt der himmlische Vater und sein Sohn durch ihre Botschaften an das Volk Gottes für die letzten Tage:

So spricht Gott, der HERR JHWH:
„Denn die Liebe zu mir ist nicht Gesetzlosigkeit, sondern die Gebote aus Liebe zu mir und meinem Sohne zu halten, mein Gesetz sind die 10 Gebote. Die Satzungen Mose, ist das Gesetz Mose, das durch das Opfer meines Sohnes beendet wurde, denn mein Sohn trug an den Pfahl, das, was gegen euch durch die Satzungen war. So steht es geschrieben, aber ihr wollt es nicht wahr haben.“
Botschaft an das Volk Gottes – Dein Mund spricht von Liebe, aber dein Herz ist gesetzlos und lieblos

Der Herr Jesus sagt:
„Das Alte schrieb nieder, das ich das Wesen, der Schatten der Feste bin, die auf mich hingewiesen haben, wodurch ich die Feste beendet habe, durch meinen Tod, durch das Opferlamm, genau dies geschah.“
Botschaft an das Volk Gottes – Das Alte und das Neue

Der Herr Jesus sagt:
„Täuschet euch nicht, täuschet euch nicht, denn viele unter euch sagen: „Der Herr Jesus kam zu erfüllen, und er ist das Ende des Gesetzes.“ Der Herr Jesus kam, damit erfüllt wird, was geschrieben wurde, was die Propheten angesagt haben, was durch die Propheten niedergeschrieben wurde. Der Herr Jesus kam nicht, zum erfüllen, damit ihr nicht mehr halten müsst. Der Herr Jesus kam nicht und hat das Gesetz, die 10 Gebote, beendet. Durch meinen Tod, wurden die Feste und die Satzungen beendet, denn sie waren nur ein Schatten und ich das Wesen davon. Wenn ich das Gesetz beendet hätte, hätte ich nicht gesagt zu der Frau, als sie sündigte, zu dem Mann, als ich ihn heilte, gehe hinfort und sündige nicht mehr.
Wenn ich das Gesetz beendet hätte, hätte ich nicht gesagt, kein Strichlein und Jota wird am Gesetz fallen, bis alles geschehen ist.“
Botschaft an das Volk Gottes – Ist der Herr Jesus das Ende der 10 Gebote?

Der Herr Jesus sagt:
„Ich habe die Opfer abgeschafft, durch mein Opfer, das ich für euch opferte. All die Feste, all die Sabbate, die nur ein Schatten von mir waren und ich das Wesen davon bin und weil ich kam und erfüllt habe, was das Gesetz fordert, was über mich angesagt war, was man über mich schrieb und ich aus diesem Grunde kam, um zu erfüllen …“
Botschaft an das Volk Gottes – Liebe zu Gott ist seine 10 Gebote zu halten

Stirbt das wahre Opfer, sterben auch die auf ihn hinweisende Zeremonien.

Nagelt man das wahre Opfer an, nagelt man auch die auf ihn hinweisende Zeremonien an.

„Keine menschliche Autorität hat das Recht, den Platz dieser Botschaften zu verändern, ebensowenig wie das Alte Testament durch das Neue ersetzen werden darf. Das Alte Testament verkündet das Evangelium in Bildern und Symbolen. Das Neue Testament bringt die Wirklichkeit. Das eine ist so wichtig wie das andere.“
Ellen G. White, Christus ist Sieger, S. 348

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