Der Ursprung des Bösen und die erste große Täuschung!

Der Ursprung des Bösen und die erste große Täuschung!

Warum ließ Gott die Sünde zu?

„Gott ist Liebe.“ 1.Johannes 4,16. Sein Wesen, sein Gesetz sind Liebe. So war es immer, so wird es immer sein. „Der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt“ (Jesaja 57,15), der „wie vor alters einherzog“ (Habakuk 3,6), ändert sich nicht. Bei ihm „ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis“. Jakobus 1,17.

Jede Offenbarung der Schöpfermacht ist zugleich ein Ausdruck unendlicher Liebe. Die Herrschaft Gottes schließt die Fülle des Segens für alle Geschöpfe ein. Der Psalmist sagt: „Du hast einen gewaltigen Arm, stark ist deine Hand, und hoch ist deine Rechte. Gerechtigkeit und Gericht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue gehen vor dir einher. Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln; sie werden über deinen Namen täglich fröhlich sein und in deiner Gerechtigkeit herrlich sein. Denn du bist der Ruhm ihrer Stärke, und durch deine Gnade wirst du unser Haupt erhöhen. Denn dem HERRN gehört unser Schild, und dem Heiligen in Israel unser König.“ Psalm 89,14-19.

Die Geschichte des großen Kampfes zwischen Gut und Böse, von seinem Ursprung im Himmel bis zur Niederwerfung des Aufruhrs und der vollständigen Ausrottung der Sünde, ist ebenfalls eine Offenbarung der unwandelbaren Liebe Gottes.

Der HERR des Weltalls stand bei seinem Liebeswerk nicht allein. Er hatte einen Mitarbeiter, der seine Absichten und seine Freude am Glück seiner Geschöpfe teilen konnte. … Christus, der Eingeborene Gottes, war eins mit dem ewigen Vater im Wesen und in den Absichten. Er war der einzige, der alle Ratschläge und Vorhaben Gottes begreifen konnte. … Sein Ausgang ist „von Anfang und von Ewigkeit her gewesen“. Micha 5,1. Der Sohn Gottes sagte unter dem Sinnbild der personifizierten Weisheit über sich selbst: „Der HERR hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her … Als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich als sein Liebling bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit.“ Sprüche 8,22.23.29.30.

Durch seinen Sohn wirkte der Vater bei der Erschaffung aller himmlischen Wesen. „Denn in ihm ist alles geschaffen, … es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.“ Kolosser 1,16. Engel sind Gottes dienstbare Geister. Sie strahlen von dem Licht, das immerwährend von seiner Gegenwart ausgeht, und eilen auf raschen Flügeln, seinen Willen auszuführen. Aber der Sohn, der Gesalbte Gottes, „der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens … trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort“ (Hebräer 1,3) und hat den Vorrang vor allen. „Der Thron der Herrlichkeit, erhaben von Anbeginn“ (Jeremia 17,12), war die Stätte seines Heiligtums. „Das Zepter der Gerechtigkeit ist seines Reiches Zepter.“ Hebräer 1,8. „Hoheit und Pracht sind vor ihm, Macht und Herrlichkeit in seinem Heiligtum.“ Psalm 96,6. „Gnade und Treue gehen vor dir einher.“ Psalm 89,15. 

Die Grundlage der Herrschaft Gottes ist das Gesetz der Liebe. Das Glück aller vernunftbegabten Wesen hängt von ihrer vollständigen Übereinstimmung mit diesen erhabenen Grundsätzen der Gerechtigkeit ab. Gott wünscht von allen seinen Geschöpfen Dienst aus Liebe, der aus der Würdigung des göttlichen Charakters kommt. Er hat keinen Gefallen an erzwungenem Gehorsam. Jeder hat die persönliche Freiheit, ihm aus freiem Willen zu dienen.

Solange alle Geschöpfe die Gehorsamspflicht der Liebe anerkannten, herrschte im gesamten Weltall vollkommene Eintracht. Den Willen ihres Schöpfers zu erfüllen, bedeutete für die himmlische Schar Glück, seine Herrlichkeit widerzuspiegeln und sein Lob zu verkündigen, Freude. Und solange die Liebe zu Gott das Höchste für sie blieb, war die Liebe zueinander selbstlos und voller Vertrauen. Kein Mißklang störte die himmlische Harmonie. Aber dieser glückliche Zustand änderte sich. Es gab einen, der die Freiheit mißbrauchte, die Gott seinen Geschöpfen gewährte. Die Sünde nahm ihren Ursprung in dem, der nächst Christus von Gott die höchste Ehrenstellung empfangen hatte und unter den Bewohnern des Himmels der Angesehenste an Macht und Herrlichkeit war. Luzifer, der „schöne Morgenstern“ (Jesaja 14,12), war der erste der ausgebreiteten Cherubim, heilig und unbefleckt. Er stand in der Gegenwart des Schöpfers, und die Strahlen der Herrlichkeit, die den ewigen Gott einhüllen, ruhten auf ihm. … Aber nach und nach keimte in Luzifer das Verlangen nach Selbsterhöhung. Die Schrift sagt: „Weil sich dein Herz erhob, daß du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz …“ Hesekiel 28,17. „Du aber gedachtest in deinem Herzen: ‚lch will … meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen; ich will … gleich sein dem Allerhöchsten.‘“ Jesaja 14,13.14. Obwohl alle seine Pracht von Gott war, betrachtete dieser mächtige Engel sie schließlich als ihm zukommend. Angesehener als die andern der himmlischen Schar, war er mit seiner Stellung doch nicht zufrieden; er begehrte jene Huldigung, die allein dem Schöpfer gebührt. Anstatt Gott bei allen Geschöpfen zum Höchsten zu erheben, bemühte er sich, ihre Anhänglichkeit für sich zu gewinnen. Ihn verlangte nach der Herrlichkeit, mit der der unendliche Vater seinen Sohn ausgestattet hatte. Dieser Engelfürst erstrebte das alleinige Hoheitsrecht Christi.

Damit war die vollkommene Eintracht des Himmels zerstört. Luzifers Neigung, an sich selbst zu denken, statt seinem Schöpfer zu dienen, weckte Besorgnis bei denen, die Gottes Ehre als das Höchste ansahen. Im himmlischen Rat redeten die Engel eindringlich mit Luzifer. Der Sohn Gottes führte ihm die Größe, Güte und Gerechtigkeit des Schöpfers und die heilige, unveränderliche Natur seines Gesetzes vor Augen. Gott selbst hatte die Ordnung des Himmels begründet. Wenn Luzifer davon abwich, entehrte er seinen Schöpfer und brachte sich selbst den Untergang. Aber die Warnung, die ihm in grenzenloser Liebe und Barmherzigkeit zuteil wurde, weckte nur seinen Widerstand. Luzifer gab der Mißgunst gegen Christus Raum und wurde nur um so entschlossener. 

Nun begann dieser Engelfürst dem Sohne Gottes die Oberhoheit streitig zu machen und damit die Weisheit und Liebe des Schöpfers in Zweifel zu ziehen. Alle Kräfte dieses überragenden Geistes, der nach Christus der bedeutendste unter den himmlischen Heerscharen war, richteten sich auf dieses Ziel. Aber Gott wollte Geschöpfe mit freier Entscheidungsmöglichkeit und ließ niemanden gegenüber der verwirrenden Spitzfindigkeit wehrlos, mit der der Aufruhr gerechtfertigt werden sollte. Ehe der große Streit begann, sollten alle eine klare Vorstellung vom Willen Gottes haben, dessen Weisheit und Güte die Quelle ihrer Freude war. 

Der König des Universums berief die himmlischen Heerscharen vor sich, damit er in ihrer Gegenwart die wahre Stellung seines Sohnes darlegen und das Verhältnis aufzeigen konnte, das er zu allen geschaffenen Wesen unterhielt. Der Sohn Gottes teilte den Thron mit dem Vater, und die Herrlichkeit des Ewigen, aus sich Lebenden umschloß sie beide. Um den Thron standen die Engel, eine riesige, unzählbare Menge, „vieltausendmal tausend“. Offenbarung 5,11. Als Untertanen und Diener erfreuten sich die bedeutendsten Engel des Lichtes, das aus der Gegenwart Gottes auf sie fiel. Vor den Bewohnern des Himmels erklärte der König, daß außer Christus, dem Eingeborenen Gottes, niemand seine Absichten ganz begreifen könne und daß ihm die Durchführung seiner Vorhaben übertragen sei. Der Sohn Gottes hatte des Vaters Willen schon bei der Erschaffung aller Himmelsheere ausgeführt. Ihm schuldeten sie wie Gott Ehrerbietung und Ergebenheit. Christus sollte auch bei der Erschaffung der Erde und ihrer Bewohner göttliche Macht ausüben. Aber bei alledem würde er nie im Widerspruch zu Gottes Plan stehen und eigene Macht und Ehre suchen. Er würde vielmehr des Vaters Herrlichkeit preisen und dessen auf Liebe und Wohltat gerichtete Absichten ausführen.

Die Engel anerkannten freudig Christi Vorherrschaft, fielen vor ihm nieder und brachten ihm ihre Liebe … dar. Luzifer beugte sich mit ihnen, aber in seinem Herzen tobte ein seltsamer, heftiger Kampf. Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeitssinn und Treue lagen im Widerstreit mit Neid und Eifersucht. Der Einfluß der heiligen Engel schien ihn eine Zeitlang davon abzubringen. Als von Tausenden froher Stimmen Loblieder in wohlklingenden Weisen emporstiegen, schien der Geist des Bösen überwunden zu sein. Unaussprechliche Liebe ergriff sein Herz. Er war in der Liebe zum Vater und zum Sohne in voller Übereinstimmung mit den sündlosen Anbetern. Aber wieder überkam ihn der Stolz. Das Verlangen nach Oberherrschaft kehrte zurück, und abermals gab er dem Neid auf Christus Raum. Die hohen Würden, die er bereits innehatte, sah er nicht als besondere Gottesgabe an, deshalb erweckten sie auch keine Dankbarkeit dem Schöpfer gegenüber. Glanz und Würden ließen ihn danach streben, Gott gleich zu sein. Die himmlischen Heerscharen liebten und verehrten ihn. Sie freuten sich, seine Befehle auszuführen. Doch der Sohn Gottes stand über ihm und war dem Vater an Macht und Ansehen gleich. Er hatte Anteil an dessen Ratschlüssen, während Luzifer in solchem Maße niemals in Gottes Absichten einbezogen wurde. „Warum“, fragte dieser mächtige Engel, „soll Christus die Vorherrschaft haben? Warum wird er höher geehrt als ich?“ 

Luzifer mied fortan den Platz in der unmittelbaren Nähe des Vaters und versuchte den Geist der Unzufriedenheit unter den Engeln zu verbreiten. Er arbeitete mit rätselvoller Heimlichkeit und verbarg sogar eine Zeitlang seine wahre Absicht unter scheinbarer Verehrung Gottes. Aber er deutete Zweifel über die Gesetze an, die die Engel als himmlische Wesen regierten. Er gab zu verstehen, daß solche wohl notwendig seien für die Bewohner der Welten, aber nicht für Engel, deren Weisheit ihnen hinlänglich Ratgeber sei. Wie könnten sie, deren Gedankenwelt geheiligt wäre, Gott Unehre bereiten! Sie könnten sich so wenig irren wie Gott selbst. Die Erhöhung des Sohnes Gottes auf die Ebene des Vaters stellte Luzifer als eine Ungerechtigkeit gegen ihn hin. Auch er habe, so behauptete er, Anspruch auf Verehrung. Wenn er als Engelfürst nur seine rechtmäßige hohe Stellung erlangen könnte, würde daraus für das gesamte Himmelsheer viel Gutes erwachsen. Denn es wäre sein Ziel, für alle die Unabhängigkeit zu wahren. Aber jetzt sei es mit der Freiheit vorbei, die sie bisher genossen hätten, denn ihnen sei ein absoluter Herrscher bestimmt worden, dem sie alle huldigen müßten. So sahen die spitzfindigen Trugbilder aus, die sich durch Luzifers Tücke in den himmlischen Vorhöfen festsetzten.

In der Stellung oder dem Ansehen Christi hatte sich nichts geändert. Nur Luzifers Neid, seine falsche Darstellung und die Forderung, Christus gleich zu sein, hatten es notwendig gemacht, die rechtmäßige Stellung des Sohnes Gottes darzulegen. Sie war seit Anfang dieselbe geblieben. Aber viele Engel ließen sich durch Luzifer täuschen.

Unter Ausnutzung der Liebe und des Vertrauens, die ihm die Engel unter seinem Befehl schenkten, flößte er ihnen sein eigenes Mißtrauen und seine Unzufriedenheit ein. Dabei ging er so geschickt vor, daß sie die Wirkung gar nicht wahrnahmen. Luzifer hatte Gottes Absichten in falschem Licht dargestellt, sie mißdeutet und entstellt, um Unzufriedenheit und abweichende Meinungen zu erregen. Mit List brachte er seine Hörer dazu, über ihre Empfindungen zu sprechen. Sobald es ihm nützlich schien, wiederholte er dann diese Äußerungen als Beweis dafür, daß die Engel nicht in voller Übereinstimmung mit der Regierung Gottes stünden. Während er versicherte, Gott treu zu sein, betonte er doch nachdrücklich, daß um der Beständigkeit der göttlichen Regierung willen Änderungen in der Ordnung und den Gesetzen des Himmels notwendig seien. Scheinbar bemüht, Unzufriedenheit zu beseitigen, war er in Wirklichkeit darauf bedacht, Widerspruch gegen das Gesetz Gottes zu erregen. Ihm ging es darum, den ihm anbefohlenen Engeln seine eigene Unzufriedenheit einzuflößen. Im geheimen schürte er Zwietracht und Empörung und brachte es dabei mit vollendeter Geschicklichkeit fertig, den Anschein zu erwecken, als wolle er Eintracht und Frieden erhalten.

Der Geist der Unzufriedenheit, der sich auf diese Weise entzündete, tat sein unheilvolles Werk. Noch gab es keinen offenen Ausbruch von Feindseligkeiten unter den Engeln, es entwickelte sich jedoch, unmerklich zuerst, gegenseitige Abneigung. Einige hörten Luzifers Anspielungen gegen Gottes Regierung nicht ungern. Obwohl sie früher in vollkommener Eintracht mit der von Gott errichteten Ordnung gelebt hatten, waren sie unglücklich, weil sie seine unerforschlichen Ratschlüsse nicht durchschauten. Sie sahen auch Christi Erhöhung nur ungern. Dagegen waren sie bereit, Luzifers Verlangen nach gleichem Ansehen mit dem Sohne Gottes zu rechtfertigen. Aber treue, ergebene Engel unterstützten die Weisheit und Gerechtigkeit des göttlichen Ratschlusses und bemühten sich, jene Unzufriedenen mit dem Willen Gottes zu versöhnen. Christus war der Sohn Gottes. Er war eins mit seinem Vater und — schon bevor die Engel ins Dasein gerufen wurden — immer zur Rechten des Vaters gewesen. Nie zuvor war dessen gütige Herrschaft, die sich segensreich auf alle auswirkte, die sich ihr unterordneten, in Frage gestellt und die Eintracht des Himmels gestört worden. Warum sollte jetzt Zwietracht herrschen? Die Gott treu gesinnten Engel konnten nur schreckliche Folgen aus diesem Zwiespalt erwachsen sehen. Ernst und eindringlich rieten sie daher den Unzufriedenen, solche Gedanken aufzugeben und in Gehorsam Gott die Treue zu halten.

Gott ertrug Luzifer lange und mit großer Gnade, wie es seinem göttlichen Charakter entspricht. Der Geist der Unzufriedenheit war bisher im Himmel unbekannt gewesen. Er war ein neues Element, fremd, geheimnisvoll, unerklärlich. Luzifer kannte anfangs die wahre Natur seiner Gefühle selbst nicht. Eine Zeitlang hatte er sich gescheut, solche Gedankengänge zu äußern. Aber er wies sie auch nicht von sich. Er sah nicht, wohin er trieb. Mit unendlicher Liebe und Weisheit wollte man ihn von seinem Irrtum überzeugen. Man wies ihm die Grundlosigkeit seiner Unzufriedenheit nach und zeigte ihm, welches die Folgen sein würden, wenn er in Empörung verharrte. Luzifer war von seinem Unrecht überzeugt. Er erkannte: „Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.“ Psalm 145,17. Er empfand, daß die göttlichen Gesetze gerecht sind und er das vor dem gesamten Himmel bekennen sollte. Hätte er es getan, hätte er sich und viele Engel retten können. Zu der Zeit gab er seine Gehorsamspflicht Gott gegenüber noch nicht völlig auf. Obgleich er seine Stellung als deckender Cherub verließ, hätte er wieder in sein Amt eingesetzt werden können, wenn er nur bereit gewesen wäre, zu Gott zurückzukehren und des Schöpfers Weisheit anzuerkennen. Wäre er doch damit zufrieden gewesen, den Platz auszufüllen, der ihm in Gottes großem Plan zugewiesen worden war! Nun war die Zeit für eine endgültige Entscheidung gekommen. Entweder mußte er Gottes Oberhoheit uneingeschränkt anerkennen oder sich in offener Empörung gegen ihn erheben. Er kam fast zu dem Entschluß, zurückzukehren; aber Stolz verbot es ihm. Es war ein zu großes Opfer für jemanden, der so hoch geehrt worden war, zu bekennen, daß er sich geirrt hatte, daß seine Vorstellungen verkehrt gewesen waren, und sich der Autorität zu beugen, die er selbst als ungerecht hatte darstellen wollen.

Der mitfühlende Schöpfer suchte in herzlichem Erbarmen Luzifer und seine Anhänger von dem Abgrund des Verderbens zurückzureißen, in den sie zu stürzen drohten. Aber seine Güte wurde mißverstanden. Luzifer hielt die Langmut Gottes für den Beweis seiner eigenen Überlegenheit, als ein Zeichen dafür, daß der König des Weltalls seinen Forderungen doch noch zustimmen würde. Wenn die Engel nur fest zu ihm stünden, erklärte er, könnten sie noch alles gewinnen, wonach sie verlangten. Hartnäckig verteidigte er seine Handlungsweise und stürzte sich nun ganz in den großen Kampf gegen den Schöpfer. So wurde aus Luzifer, dem „Lichtträger“, der Anteil an Gottes Herrlichkeit hatte und vor seinem Throne diente, durch Übertretung Satan, der Gegner Gottes und der heiligen Wesen, der Verderber für jene, die der Himmel seiner Obhut und Führung anvertraut hatte.

Mit Verachtung wies er die Begründungen und dringenden Bitten der treuen Engel zurück und brandmarkte sie als irregeleitete Sklaven. Die Bevorzugung Christi erklärte er als Ungerechtigkeit gegen ihn und das ganze himmlische Heer. Er kündigte an, daß er sich diesem Eingriff in seine und ihre Rechte nicht länger fügen werde. Nie wieder würde er den Vorrang Christi anerkennen. Er war entschlossen, die von ihm beanspruchte Ehre zu fordern und den Befehl über alle zu übernehmen, die seine Anhänger werden wollten. Allen denen, die in seine Reihen eintreten würden, versprach er eine neue, bessere Herrschaft, unter der sie Freiheit genießen sollten. Eine große Zahl von Engeln bekundete die Absicht, seine Führung anzuerkennen. Geschmeichelt über die Bereitwilligkeit, mit der sein Anerbieten aufgenommen wurde, hoffte er, alle Engel auf seine Seite zu ziehen, Gehorsam von den himmlischen Heerscharen verlangen zu können und Gott gleich zu werden.

Noch bedrängten die treuen Engel ihn und seine Anhänger, sich Gott zu unterwerfen. Sie führten ihnen die unabwendbaren Folgen einer Ablehnung vor Augen: Der Schöpfer würde ihren Einfluß zunichte machen und ihre aufrührerische Verwegenheit streng bestrafen. Kein Engel könne Einspruch erheben gegen das Gesetz Gottes, das heilig sei wie er selbst. Sie ermahnten alle, ihre Ohren vor Luzifers trügerischer Beweisführung zu verschließen. Sie baten ihn und seinen Anhang dringend, ohne Zögern die Gegenwart Gottes zu suchen und ihren Irrtum zu bekennen, daß sie seine Weisheit und Machtvollkommenheit bezweifelt hätten.

Viele waren geneigt, diesen Rat zu beachten, ihre Unzufriedenheit zu bedauern und um die Gunst des Vaters und des Sohnes nachzusuchen. Aber Luzifer hatte schon eine andere Täuschung bereit. Der mächtige Empörer behauptete jetzt, daß die Engel, die sich ihm angeschlossen hatten, zu weit gegangen seien, als daß eine Umkehr noch möglich wäre. Er kenne das göttliche Gesetz und wisse, Gott werde ihnen nicht vergeben. Alle, die sich der Autorität des Himmels fügten, würden ihrer Ehre beraubt und aus ihrer Stellung entfernt. Er selbst sei entschlossen, die Vormachtstellung Christi niemals wieder anzuerkennen. Ihm und seinen Anhängern bliebe nur, ihre Freiheit zu behaupten und die Rechte mit Gewalt zu gewinnen, die man ihnen freiwillig nicht zugestand.

Für Satan traf es zu, daß er schon zu weit gegangen war, aber nicht für jene, die durch seine Täuschungen verführt worden waren. Sie durften aufgrund des Rates und der Bitten der treuen Engel noch hoffen. Und hätten sie die Warnung beachtet, wären sie aus Satans Schlinge entkommen. Aber Liebe zu ihm, Stolz und der Wunsch nach unbegrenzter Freiheit gewannen die Oberhand. Sie wiesen die Angebote der göttlichen Liebe und Gnade zurück.

Gott ließ Satan sein Werk fortführen, bis sich der Geist der Unzufriedenheit zu offener Empörung auswuchs. Diese Pläne mußten sich vollentwickeln, damit alle deren wahre Natur und eigentlichen Zweck sähen. Als Cherub war Luzifer hoch erhoben worden. Die himmlischen Wesen liebten ihn, er hatte großen Einfluß auf sie. Gottes Herrschaft umfaßte nicht nur die Bewohner des Himmels, sondern die aller geschaffenen Welten. Luzifer folgerte, er werde sie alle beherrschen, wenn er die Engel im Himmel mit in seine Empörung hineinrisse. Schlau hatte er die ganze Angelegenheit in seiner Sicht dargestellt, indem er sein Ziel mit Betrug und Spitzfindigkeit zu erreichen suchte. Er verfügte über ein großes Täuschungsvermögen. Unter dem Deckmantel der Lüge nutzte er seine Überlegenheit aus. Alles, was er tat, war derart mit Geheimnis umgeben, daß es für die Engel schwer war, das eigentliche Wesen seines Wirkens zu durchschauen. Ehe es nicht voll ausgereift war, konnte Gott es nicht als das Böse, das es war, in Erscheinung treten lassen. Man würde Satans Unzufriedenheit gar nicht als Empörung verstehen. Sogar die treuen Engel konnten seinen Charakter nicht recht durchschauen und erkennen, wohin das alles führte.

Luzifer verhielt sich bei seinen Versuchungen anfänglich so, daß er in keiner Weise bloßgestellt wurde. Den Engeln, die er nicht ganz auf seine Seite ziehen konnte, warf er Gleichgültigkeit gegenüber den Belangen der himmlischen Wesen vor. Genau das, was er selber tat, legte er den treuen Engeln zur Last. Seine Verfahrensweise bestand darin, Gottes Absichten mit heimtückischen Beweisgründen zu verwirren. Alles Einfache umgab er mit Geheimnis, und mit geschickter Verdrehung zog er die klarsten Darlegungen JHWH´s in Zweifel. Und seine hohe Stellung, die mit der Herrschaft Gottes so eng verbunden war, verlieh seinen Schilderungen nur um so größeres Gewicht.

Gott konnte nur Mittel anwenden, die mit Wahrheit und Gerechtigkeit vereinbar waren. Was Gott nicht konnte, war jedoch Satan möglich: Schmeichelei und Täuschung zu gebrauchen. Er hatte versucht, Gottes Wort zu fälschen. Er hatte Gottes Art zu herrschen verfälscht, indem er behauptete, Gott sei ungerecht, wenn er den Engeln Gesetze auferlege, und suche nur Selbsterhöhung, wenn er von seinen Geschöpfen Unterwerfung und Gehorsam verlange. Deshalb war es notwendig, vor den Bewohnern des Himmels und aller Welten darauf hinzuweisen, daß Gottes Herrschaft gerecht und sein Gesetz vollkommen ist. Satan hatte sich den Anschein gegeben, als ob er das Wohl des Weltalls zu fördern suche. Darum sollten alle den wahren Charakter dieses Anmaßenden und sein tatsächliches Ziel verstehen lernen. Aber es dauerte seine Zeit, bis Satan sich durch böse Taten ganz offenbarte.

Die Zwietracht, die er verursacht hatte, legte Satan nun Gott zur Last. Alles Böse sei die Folge seiner Herrschaft. Von sich behauptete er, er habe nur JHWH´s Gesetze vervollkommnen wollen. Deshalb ließ es Gott geschehen, daß er seine Ansprüche nachzuweisen suchte, um die Auswirkungen der von ihm vorgeschlagenen Änderungen des göttlichen Gesetzes zu zeigen. Sein eigenes Werk mußte ihn verdammen. Zwar hatte Satan von Anfang an behauptet, kein Empörer zu sein, aber das gesamte Weltall sollte den Betrüger ohne Maske sehen.

Selbst nach der Verstoßung aus dem Himmel vernichtete die unendliche Weisheit Satan nicht. Gott ist nur ein Dienst in Liebe angenehm, darum muß die Treue seiner Geschöpfe auf der Überzeugung von seiner Gerechtigkeit und Güte beruhen. Die Bewohner des Himmels und der Welten waren nicht darauf vorbereitet, das Wesen und die Folgen der Sünde zu begreifen. Sie hätten deshalb auch in der Vernichtung Satans keine göttliche Gerechtigkeit erkennen können. Wäre er auf der Stelle vertilgt worden, hätten einige Gott mehr aus Furcht als aus Liebe gedient. Der Einfluß des Betrügers wäre nicht völlig ausgelöscht noch der aufrührerische Geist gänzlich ausgerottet worden. Zum Heil des ganzen Weltalls mußte er seine Gedanken in vollem Umfang entwickeln können, damit seine Anklagen gegen die Regierung Gottes von allen Geschöpfen in ihrem wahren Licht erkannt würde. Ferner sollten Gottes Gerechtigkeit und Gnade sowie die Unveränderlichkeit seines Gesetzes für immer über allen Zweifel erhaben bleiben.

Satans Aufruhr sollte also dem Weltall für alle Zeit eine Lehre sein, ein immerwährendes Zeugnis für die Wesensart der Sünde und deren schreckliche Folgen. Die satanische Herrschaft und ihre Auswirkungen auf Menschen und Engel würden dartun, was es bedeutete, Gottes Macht abzulehnen; sie würden bezeugen, daß das Wohlergehen aller Geschöpfe an Gottes Herrschaft gebunden ist. So sollte die Geschichte dieser verhängnisvollen Empörung dazu dienen, alle heiligen Wesen vor einer Fehleinschätzung im Hinblick auf die Tragweite der Übertretung und damit zugleich vor der Sünde und deren Strafe zu bewahren.

Nur der eine, der die Himmel regiert, sieht das Ende von Anfang an. Vor ihm sind die Geheimnisse der Vergangenheit und der Zukunft gleicherweise offenbar. Er sieht über Leid, Dunkelheit und Verderben, die durch die Sünde kamen, hinaus die Vollendung seiner eigenen Liebes- und Segensabsichten. Obgleich „Wolken und Dunkel“ um ihn her sind, bleiben doch Gerechtigkeit und Gericht „seines Thrones Stütze“. Psalm 97,2. Das werden die Bewohner des Weltalls, Gute und Böse, eines Tages verstehen. „Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er.“ 5.Mose 32,4.“
Ellen G. White, Patriarchen und Propheten, S. 9-19

Der Ursprung des Bösen!

„Viele Menschen ist der Ursprung der Sünde und die Ursache ihres Daseins eine Quelle großer Verwirrung. Sie sehen das Werk der Sünde mit seinen schrecklichen Folgen, dem Kummer und der Verwüstung, und sie fragen sich, wie dies alles unter der Herrschaft des Einen bestehen kann, dessen Weisheit, Macht und Liebe unendlich ist.
Das ist ein Geheimnis, für das sie keine Erklärung finden können. Und in ihrer Ungewißheit und ihrem Zweifel sind sie blind gegenüber den so deutlich in Gottes Wort offenbarten und zur Erlösung so wesentlichen Wahrheiten.
Es gibt Menschen, die bei ihrem Forschen über das Dasein der Sünde Dinge zu ergründen suchen, die Gott nie offenbart hat. Daher finden sie auch keine Lösung ihrer Schwierigkeiten; und solche Menschen, die mit einem Hang zum Zweifeln oder zu Spitzfindigkeiten behaftet sind, führen diese Schwierigkeiten als Entschuldigung dafür an, daß sie die Worte der Heiligen Schrift verwerfen.
Andern fehlt ein befriedigendes Verständnis der wichtigen Frage über die Sünde, weil herkömmliche Überlieferungen und falsche Auslegungen die Lehren der Bibel über das Wesen Gottes, die Art und Weise seiner Regierung und die Grundsätze seines Verfahrens mit der Sünde verdunkelt haben.
Es ist unmöglich, den Ursprung der Sünde so zu erklären, daß dadurch eine Begründung für ihr Dasein gegeben würde. Doch kann genug von dem Ursprung und dem endgültigen Schicksal der Sünde verstanden werden, um die Gerechtigkeit und die Güte Gottes in seinem ganzen Verfahren mit dem Bösen völlig zu offenbaren. Die Heilige Schrift lehrt nichts deutlicher, als daß Gott in keiner Hinsicht für das Eindringen der Sünde verantwortlich war, und daß zum Entstehen einer Empörung weder ein willkürliches Entziehen der göttlichen Gnade noch eine Unvollkommenheit in der göttlichen Regierung Anlaß gab. Die Sünde ist ein Eindringling, für dessen Erscheinen wir keine Ursache angeben können. Sie ist geheimnisvoll, seltsam, sie zu entschuldigen, hieße sie zu verteidigen.
Wäre ihr Dasein zu entschuldigen oder zu begründen, so hörte sie auf, Sünde zu sein. Unsere einzige Auslegung der Sünde entnehmen wir dem Worte Gottes: sie ist „Übertretung des Gesetzes“, sie ist die Ausübung eines Grundsatzes, der mit dem großen Gesetz der Liebe, das die Grundlage der göttlichen Regierung bildet, in Feindschaft steht.
Ehe das Böse Eingang fand, walteten Friede und Freude im ganzen Weltall. Alles befand sich in vollkommener Harmonie mit dem Willen des Schöpfers. Die Liebe zu Gott war über alles erhaben, die Liebe zueinander rein in ihren Beweggründen. Christus, das Wort, der eingeborene Sohn Gottes, war eins mit dem ewigen Vater, eins in Natur, eins in seinem Wesen und eins in seinem Vorhaben, das einzige Wesen im ganzen Weltall, das mit allen Ratschlüssen und Absichten Gottes vertraut war. Durch Christus wirkte der Vater bei der Erschaffung aller himmlischen Wesen.
„Durch ihn ist alles geschaffen, was im Himmel … ist, das Sichtbare und Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Obrigkeiten.“ Kolosser 1:16.
Und der ganze Himmel gelobte Christus und dem Vater Treue und Gehorsam. Da das Gesetz der Liebe die Grundlage der Regierung Gottes war, so hing das Glück aller erschaffenen Wesen von ihrer vollkommenen Übereinstimmung mit den erhabenen Grundsätzen der Gerechtigkeit ab. Gott sieht bei allen seinen Geschöpfen auf den Dienst der Liebe, auf eine Huldigung, die einer einsichtsvollen Wertschätzung seines Charakters entspringt. Er hat kein Gefallen an erzwungener Treue. Er verleiht allen Menschen Willensfreiheit, damit sie ihm freiwillig dienen können.
Einer war jedoch da, der es vorzog, diese Freiheit zu verfälschen. Die Sünde hatte ihren Ursprung bei dem, der nächst Christus am meisten von Gott geehrt worden war, und der unter den Bewohnern des Himmels an Macht und Ehre am höchsten stand. Vor seinem Fall war Luzifer der erste der schirmenden Engel, heilig und unbefleckt.
„So spricht der HERR HERR: Du bist ein reinliches Siegel, voller Weisheit und aus der Maßen schön … Du bist wie ein Cherub, der sich weit ausbreitet und decket; und ich habe dich auf den heiligen Berg Gottes gesetzt, daß du unter den feurigen Steinen wandelst. Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, da du geschaffen wurdest, bis sich deine Missetat gefunden hat.“ Hesekiel 28:12-15.
Von allen Engelscharen geliebt und geehrt, hätte Luzifer in der Gunst Gottes bleiben und seine ganze hohe Begabung zum Segen anderer und zur Verherrlichung seines Schöpfers anwenden können. Aber der Prophet sagt:
„Dein Herz erhob sich wegen deiner Schönheit, du verlorest deinen Verstand wegen deines Glanzes.“ Hesekiel 28:17
Ganz allmählich kam in Luzifer die Neigung zur Selbsterhebung auf: „Weil sich denn dein Herz erhebt, als wäre es eines Gottes Herz.“ „Gedachtest du doch …: ,Ich will meinen Stuhl über die Sterne Gottes erhöhen; ich will mich setzen auf den Berg der Versammlung … ich will über die hohen Wolken fahren und gleich sein dem Allerhöchsten.“ Hesekiel 28:6; Jesaja 14:13-14.
Anstatt danach zu trachten, Gott durch die Anhänglichkeit und Treue seiner Geschöpfe über alles zu erhöhen, war es Luzifers Bestreben, ihren Dienst und ihre Huldigung für sich zu gewinnen. Und indem ihn nach der Ehre gelüstete, die der unendliche Vater seinem Sohne gegeben hatte, strebte dieser Engelfürst nach einer Macht, die ausschließlich Christus vorbehalten war.
Der ganze Himmel hatte Freude daran gefunden, die Herrlichkeit des Schöpfers widerzustrahlen und seine Gerechtigkeit zu rühmen. Und während Gott auf diese Weise geehrt wurde, war alles von Friede und Freude erfüllt gewesen. Doch nun störte ein Mißton den himmlischen Einklang. Die Selbsterhebung und ihr Dienst, die dem Plan des Schöpfers zuwider sind, erweckten unheilvolle Vorahnungen in Gemütern, denen die Verherrlichung Gottes das Höchste bedeutete. Der himmlische Rat verhandelte die Angelegenheit mit Luzifer.
Der Sohn Gottes stellte ihm die Größe, Güte und Gerechtigkeit des Schöpfers und das heilige und unveränderliche Wesen seines Gesetzes vor Augen. Gott selbst habe die Ordnung des Himmels eingeführt, und Luzifer werde seinen Schöpfer verachten und sich ins Verderben stürzen, wenn er von dieser Ordnung abweiche. Aber die in unendlicher Liebe und Barmherzigkeit erteilte Warnung erregte nur den Geist des Widerstandes. Luzifer ließ sich von der Eifersucht gegen Christus beherrschen und handelte um so entschlossener.
Der Stolz auf seine Herrlichkeit nährte das Verlangen nach der Oberherrschaft. Die Luzifer erwiesenen hohen Ehren wurden von ihm nicht als Gabe Gottes anerkannt und stimmten ihn nicht dankbar gegen den Schöpfer. Er brüstete sich mit seiner Herrlichkeit und erhabenen Stellung und strebte danach, Gott gleich zu sein. Die himmlischen Heerscharen liebten und ehrten ihn. Engel fanden Freude daran, seine Anordnungen auszuführen, und er war mehr als sie alle mit Weisheit und Herrlichkeit ausgestattet. Dennoch war der Sohn Gottes der anerkannte Fürst des Himmels, eins mit dem Vater in Macht und Gewalt. An allen Ratschlüssen Gottes hatte Christus Anteil, während Luzifer nicht so tief in die göttlichen Absichten eingeweiht wurde.
Warum, so fragte dieser gewaltige Engel, sollte Christus die Oberherrschaft haben? Warum wird er auf diese Weise höher geehrt als ich? Luzifer verließ seinen Platz in der unmittelbaren Nähe Gottes und ging hin und säte den Geist der Unzufriedenheit unter die Engel. Während er sein Werk unter geheimnisvoller Verschwiegenheit betrieb und seine wahren Absichten eine Zeitlang unter dem Anschein der Ehrfurcht vor Gott verbarg, versuchte er, Unzufriedenheit über die den himmlischen Wesen gegebenen Gesetze zu erregen und bedeutete ihnen, daß diese unnötige Einschränkungen auferlegten.
Er behauptete, die Engel dürften, da sie von Natur heilig seien, auch den Eingebungen ihres eigenen Willens gehorchen. Er versuchte, Mitgefühl für sich selbst zu gewinnen, indem er das Geschehen so darstellte, als behandelte Gott ihn ungerecht, da er Christus die höchste Ehre erzeigte. Er gab vor, nicht nach Selbsterhebung zu trachten, wenn er nach größerer Macht und Ehre suche, sondern daß er die Freiheit für alle Bewohner des Himmels sichern wolle, damit sie dadurch eine höhere Daseinsstufe erreichen möchten.
Gott trug Luzifer lange mit großer Barmherzigkeit. Er enthob ihn nicht sofort seiner hohen Stellung, als er begann, sich dem Geist der Unzufriedenheit zu ergeben, selbst dann noch nicht, als er seine falschen Ansprüche den getreuen Engeln unterbreitete. Gott duldete ihn noch lange Zeit im Himmel. Immer wieder wurde ihm unter der Bedingung, daß er bereute und sich unterwarf, Vergebung angeboten.
So große Anstrengungen, wie sie nur unendliche Liebe und Weisheit ersinnen konnten, wurden unternommen, um ihn seines Irrtums zu überführen. Bisher hatte man im Himmel den Geist der Unzufriedenheit nicht gekannt. Luzifer selbst sah anfangs nicht, wohin es ihn trieb; er erkannte die wahre Natur seiner Gefühle nicht. Als dann die Grundlosigkeit seiner Unzufriedenheit nachgewiesen wurde, kam er zu der Überzeugung, daß er sich im Unrecht befand, daß die göttlichen Ansprüche gerecht waren und er sie als solche vor dem ganzen Himmel anerkennen müßte. Wäre er dem gefolgt, so hätte er sich selbst und viele Engel retten können; denn zu dieser Zeit hatte er seine Unterwürfigkeit gegen Gott noch nicht ganz fahren lassen.
Obgleich er seine Stellung als schirmender Engel verlassen hatte, wäre er doch wieder in sein Amt eingesetzt worden, hätte er zu Gott zurückgefunden, die Weisheit des Schöpfers anerkannt und sich begnügt, den ihm nach dem erhabenen Plane Gottes zugeordneten Platz zu bekleiden. Aber sein Stolz hinderte ihn, sich zu unterwerfen. Er verteidigte beharrlich sein Verhalten, behauptete, keiner Buße zu bedürfen, und überließ sich völlig dem großen Streit mit seinem Schöpfer.
Er richtete nun alle Kräfte seines gewaltigen Geistes auf Täuschungen, um bei den Engeln, die unter seinem Befehl gestanden hatten, Mitgefühl zu erregen; sogar die Tatsache, daß Christus ihn gewarnt und ihm Rat erteilt hatte, wurde verdreht, um sie seinen verräterischen Zwecken dienstbar zu machen. Denen, deren liebevolles Vertrauen sie am innigsten mit ihm verband, hatte er vorgehalten, daß man ihn ungerecht beurteile, daß man seine Stellung nicht achte und daß seine Freiheit beschränkt werden solle. Von falschen Darstellungen der Worte Christi ging er auf Verdrehungen und schroffe Unwahrheiten über und beschuldigte den Sohn Gottes, ihn vor den Bewohnern des Himmels demütigen zu wollen. Auch suchte er Streitigkeiten zwischen sich und den treuen Engeln hervorzurufen.
Alle, die er nicht verführen und völlig auf seine Seite ziehen konnte, klagte er an, gegen das Wohl der himmlischen Wesen gleichgültig zu sein. Gerade das Werk, das er selbst betrieb, legte er denen zur Last, die Gott treu blieben. Und um seiner Klage über Gottes Ungerechtigkeit gegen ihn Nachdruck zu geben, stellte er die Worte und Handlungen des Schöpfers falsch dar. Es lag in seiner Absicht, die Engel mit spitzfindigen Beweisführungen hinsichtlich der Absichten Gottes zu verwirren. Alles, was einfach war, hüllte er ins Geheimnisvolle und erregte durch listige Verdrehung Zweifel gegenüber den deutlichsten Aussagen des Allerhöchsten. Seine hohe Stellung in solch enger Verbindung mit der göttlichen Regierung verlieh seinen Vorspiegelungen eine um so größere Kraft und veranlaßte viele Engel, sich ihm bei der Empörung gegen die Herrschaft des Himmels anzuschließen.
Der allweise Gott gestattete es Satan, sein Werk weiterzuführen, bis der Geist der Unzufriedenheit zu offenem Aufruhr heranreifte. Seine Pläne mußten sich völlig entwickeln, damit ihr wahres Wesen und Streben von allen erkannt werden konnte. Luzifer hatte als der gesalbte Cherub eine außerordentlich hohe Stellung eingenommen; er war von den himmlischen Wesen sehr geliebt worden und hatte großen Einfluß auf sie ausgeübt. Gottes Regierung erstreckte sich nicht nur über die Geschöpfe des Himmels, sondern über die aller Welten, welche er geschaffen hatte, und Satan glaubte, falls er die Engel des Himmels mit in die Empörung hineinziehen könnte, würde er das gleiche auch auf den andern Welten zustande bringen.
Mit außerordentlichem Geschick hatte er seine Stellung in der Angelegenheit dargelegt und Scheingründe und Betrug angewandt, um seine Absichten zu erreichen. Seine Macht, zu täuschen, war sehr groß, und indem er sich in ein Lügengewand kleidete, hatte er einen großen Vorteil gewonnen. Sogar die treuen Engel vermochten nicht völlig seinen Charakter zu durchschauen oder zu erkennen, wohin sein Werk führte.
Satan war so hoch geehrt worden, und alle seine Handlungen waren so geheimnisumwittert, daß es seine Schwierigkeit hatte, den Engeln die wahre Natur seines Wirkens zu enthüllen. Bis zu ihrer völligen Entfaltung konnte die Sünde nicht so böse erscheinen, wie sie wirklich war. Vordem hatte sie keinen Platz in Gottes Weltall gehabt, und den heiligen Wesen war ihre Natur und Bösartigkeit unbekannt gewesen. Sie konnten die schrecklichen Folgen, die ein Beiseitesetzen des göttlichen Gesetzes nach sich ziehen würde, nicht erkennen. Satan hatte anfangs sein Werk unter einer scheinbaren Anhänglichkeit an Gott verborgen. Er gab vor, die Ehre Gottes, die Beständigkeit seines Reiches und das Wohl aller Himmelsbewohner fördern zu wollen.
Während er den ihm untergeordneten Engeln Unzufriedenheit einflößte, wußte er sich sehr geschickt den Anschein zu geben, als wolle er jede Unzufriedenheit beseitigen. Als er darauf drang, daß Veränderungen an den Gesetzen und Verordnungen der Regierung Gottes vorgenommen werden sollten, geschah es unter dem Vorwand, daß sie notwendig seien, um die Eintracht des Himmels zu bewahren. In dem Verfahren mit der Sünde konnte Gott nur mit Gerechtigkeit und Wahrheit vorgehen. Satan handelte, wie Gott nicht handeln konnte: durch Schmeichelei und Betrug. Er hatte versucht, das Wort Gottes zu verfälschen, und hatte den Plan seiner Regierung den Engeln falsch dargestellt, indem er behauptete, Gott sei nicht gerecht, wenn er den Bewohnern des Himmels Gesetze und Vorschriften auferlege; er wolle sich, indem er von seinen Geschöpfen Unterwürfigkeit und Gehorsam fordere, nur selbst erheben. Deshalb müsse sowohl den Bewohnern des Himmels als auch denen aller Welten klar gezeigt werden, daß Gottes Regierung gerecht und sein Gesetz vollkommen sei. Satan hatte sich den Anschein gegeben als suchte er selbst das Wohl des Weltalls zu fördern. Alle sollten den wahren Charakter dieses Aufrührers und dessen eigentliche Absichten verstehen, und deshalb mußte er Zeit haben, sich durch seine gottlosen Werke zu offenbaren.
Die Uneinigkeit, die durch sein Verhalten im Himmel entstanden war, legte Satan dem Gesetz und der Regierung Gottes zur Last. Alles Böse, erklärte er, sei die Folge der göttlichen Regierung. Er wolle die Satzungen Gottes verbessern. Deshalb war es notwendig, daß er das Wesen seiner Ansprüche entfaltete und die Wirkung seiner vorgeschlagenen Veränderungen am göttlichen Gesetz praktisch zeigte. Sein eigenes Werk mußte ihn verdammen. Er hatte von Anfang an behauptet, er sei kein Empörer; daher mußte das ganze Weltall den Betrüger entlarvt sehen.
Selbst als es beschlossen war, daß Satan nicht länger im Himmel bleiben könnte, vernichtete ihn die unendliche Weisheit nicht. Da nur der Dienst der Liebe Gott angenehm sein kann, so muß sich die Treue seiner Geschöpfe auf die Überzeugung von seiner Gerechtigkeit und Güte gründen. Die Bewohner des Himmels und anderer Welten hätten, da sie unvorbereitet waren, das Wesen oder die Folgen der Sünde zu begreifen, die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit Gottes bei der Vernichtung Satans nicht erkennen können. Wäre er unmittelbar aus dem Dasein ausgetilgt worden, so hätten sie Gott mehr aus Furcht denn aus Liebe gedient. Weder wäre der Einfluß des Betrügers völlig verwischt noch der Geist der Empörung gänzlich ausgetilgt worden.
Das Böse mußte reifen. Zum Besten des gesamten Weltalls für ewige Zeiten mußte Satan seine Grundsätze ausführlicher entfalten, damit alle erschaffenen Wesen seine Anklagen gegen die göttliche Regierung in ihrem wahren Lichte sehen und die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit Gottes sowie die Unveränderlichkeit seines Gesetzes für immer ohne allen Zweifel feststellen konnten.
Satans Empörung sollte dem Weltall für alle künftigen Zeiten eine Lehre sein, ein beständiges Zeugnis für die Natur und die schrecklichen Folgen der Sünde. Die Auswirkung der Grundsätze Satans und ihre Folgen auf Menschen und Engel sollten die Frucht der Mißachtung der göttlichen Allmacht zeigen. Sie mußten bezeugen, daß mit dem Bestehen der Regierung Gottes und seines Gesetzes die Wohlfahrt aller von ihm erschaffenen Wesen verbunden ist. So sollte die Geschichte dieses schrecklichen Empörungsversuches für alle heiligen Wesen eine beständige Schutzwehr sein, um sie vor der Täuschung zu bewahren, das Wesen der Übertretung, das Begehen der Sünde und das Erleiden der Strafe zu verkennen.
Bis zum Ende des Streites im Himmel fuhr der große Aufrührer fort, sich zu rechtfertigen. Als angekündigt wurde, daß er mit allen seinen Anhängern aus den Stätten der Wonne ausgestoßen werden müsse, erklärte der Rädelsführer kühn, er verachte des Schöpfers Gesetz. Er wiederholte immer wieder seine Behauptung, daß die Engel keiner Aufsicht bedürften, sondern frei sein müßten, ihrem eigenen Willen zu folgen, der sie allezeit richtig führen werde. Er schmähte die göttlichen Satzungen als eine Beschränkung ihrer Freiheit und erklärte, daß es seine Absicht sei, das Gesetz abzuschaffen, damit die Heerscharen des Himmels, von diesem Zwang befreit, zu einem erhabeneren, herrlicheren Dasein gelangen möchten.
In völligem Einverständnis legten Satan und seine Scharen die Verantwortung für ihre Empörung gänzlich Christus zur Last und behaupteten, sie hätten sich niemals aufgelehnt, wenn sie nicht gerügt worden wären. Da der Erzempörer und alle seine Anhänger hartnäkkig und herausfordernd in ihrer Treulosigkeit verharrten, da sie sich vergeblich bemühten, die Regierung Gottes zu stürzen, und sich dennoch Gott gegenüber lästernd als unschuldige Opfer einer ungerechten Macht hinstellten, wurden sie schließlich aus dem Himmel verbannt.
Derselbe Geist, der die Empörung im Himmel anstiftete, erregt noch immer Aufruhr auf Erden. Satan verfolgt bei den Menschen denselben Plan, den er bei den Engeln anwandte. Sein Geist herrscht jetzt in den Kindern des Ungehorsams. Gleich ihm versuchen auch sie die Schranken des Gesetzes Gottes niederzureißen und versprechen den Menschen Freiheit durch die Übertretung seiner Verordnungen. Wegen der Sünde gerügt worden zu sein, erweckt noch immer den Geist des Hasses und des Widerstandes. Wirken Gottes Warnungsbotschaften auf das Gewissen, so verleitet Satan die Menschen, sich zu rechtfertigen und bei andern Teilnahme für ihr sündiges Leben zu suchen. Statt ihre Irrtümer zu berichtigen, erregen sie Unwillen gegen den Mahnenden, als sei er die einzige Ursache ihrer Schwierigkeit. Von den Tagen des gerechten Abel bis in unsere Zeit hat sich dieser Geist denen gegenüber offenbart, die es wagten, die Sünde zu rügen.
Durch die gleiche falsche Darstellung des Wesens Gottes, deren Satan sich im Himmel bediente und die Gott als streng und herrschsüchtig abstempelte, verleitete er die Menschen zur Sünde. Und als er damit Erfolg hatte, behauptete er, Gottes ungerechte Einschränkungen hätten zum Fall der Menschen geführt, wie sie auch Anlaß zu seiner eigenen Empörung gewesen wären.
Aber der Ewige selbst verkündet sein Wesen als: „HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue! der da bewahret Gnade in tausend Glieder und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, und vor welchem niemand unschuldig ist.“ 2.Mose 34:6-7.
Durch die Verbannung Satans aus dem Himmel bekundete Gott seine Gerechtigkeit und behauptete die Ehre seines Thrones. Als aber der Mensch sündigte, weil er auf die Täuschungen dieses abgefallenen Engelfürsten einging, bewies Gott seine Liebe, indem er seinen eingeborenen Sohn für die gefallene Menschheit in den Tod gab. In der Versöhnung offenbart sich das Wesen Gottes. Das Kreuz, (wörtlich Pfahl), ist für das ganze Weltall der mächtigste Beweis, daß das sündige Verhalten Luzifers in keiner Hinsicht der Herrschaft Gottes zur Last gelegt werden kann.
In dem Kampf zwischen Christus und Satan wurde während des irdischen Wirkens Jesu der Charakter des großen Betrügers entlarvt. Nichts hatte Satan so gründlich von der Zuneigung der himmlischen Engel und des ganzen dem Gesetz ergebenen Weltalls trennen können wie dieser grausame Streit gegen den Erlöser der Welt. Die vermessene Lästerung in seiner Forderung, Christus solle ihn anbeten, seine anmaßende Dreistigkeit, ihn auf den Bergesgipfel und die Tempelzinne zu tragen, die heimtückische Absicht, die in dem Vorschlag kund wurde, Christus solle sich von dieser schwindelnden Höhe hinabstürzen, die nie ruhende Bosheit, die ihn von Ort zu Ort verfolgte und die Herzen von Priestern und Volk anfeuerte, seine Liebe zu verwerfen, und schließlich der Schrei „Kreuzige ihn! Kreuzige ihn!“ dies alles erregte das Erstaunen und die Entrüstung des Alls. Satan verführte die Welt, daß sie Christus verwarf.
Der Fürst des Bösen wandte alle seine Macht und Verschlagenheit an, Jesus zu verderben; denn er sah, daß des Heilandes Barmherzigkeit und Liebe, daß seine mitleidsvolle Zärtlichkeit und Teilnahme der Welt das Wesen Gottes veranschaulichten. Satan bestritt jeden Anspruch des Sohnes Gottes und benutzte Menschen als seine Werkzeuge, um das Leben des Heilandes mit Leiden und Sorge anzufüllen. Die Spitzfindigkeiten und Unwahrheiten, durch die er das Werk Christi zu hinderntrachtete, der durch die Kinder des Ungehorsams bekundete Haß, Satans grausame Anschuldigungen gegen den, dessen Leben ein beispielloser Liebesdienst war, alles entsprang einem tiefeingewurzelten Rachegelüste. Das zurückgehaltene Feuer des Neides und der Bosheit, des Hasses und der Rachsucht brach auf Golgatha gegenden Sohn Gottes los, während der ganze Himmel in stillem Entsetzen auf dieses Geschehen herabblickte.
Als das große Opfer vollbracht war, fuhr Christus auf zum Vater, weigerte sich jedoch, die Anbetung der Engel entgegenzunehmen, ehe er dem Vater die Bitte vorgelegt hatte: „Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast.“ Johannes 17:24.
Dann kam mit unaussprechlicher Liebe und Macht die Antwort vom Throne Gottes: „Es sollen ihn alle Engel Gottes anbeten.“ Hebräer 1:6.
Kein Makel ruhte auf Jesus. Als seine Erniedrigung zu Ende war und er sein Opfer vollbracht hatte, wurde ihm ein Name gegeben, der über alle Namen ist.
Nun wurde ersichtlich, daß es für Satans Vergehen keine Entschuldigung gab. Er hatte seinen wahren Charakter als Lügner und Mörder offenbart. Es erwies sich, daß er denselben Geist, mit dem er die unter seiner Macht stehenden Menschenkinder regierte, auch im Himmel bekundet hätte, wäre es ihm gestattet gewesen, über dessen Bewohner zu herrschen.
Er hatte behauptet, die Übertretung des Gesetzes Gottes bringe Freiheit und Erhebung; statt dessen zeigte es sich, daß Knechtschaft und Entartung die Folge waren.
Satans lügenhafte Anschuldigungen gegen den göttlichen Charakter und die göttliche Regierung erschienen in ihrem wahren Licht. Er hatte Gott beschuldigt, dieser fordere von seinen Geschöpfen um seiner eigenen Erhebung willen Unterwerfung und Gehorsam, und hatte erklärt, daß der Schöpfer, der doch von allen andern Selbstverleugnung erpresse, sie weder selbst übe noch Opfer bringe. Nun wurde offenbar, daß zum Heil der gefallenen und sündigen Menschen der Herrscher des Weltalls das größte Opfer gebracht hatte, das die Liebe zu bringen vermochte; „Denn Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber“. 2.Korinther 5:19.
Man sah ferner, daß Luzifer durch sein Verlangen nach Ehre und Oberherrschaft der Sünde Einlaß verschafft hatte und daß Christus sich selbst demütigte und bis zum Tode gehorsam wurde, um die Sünde auszutilgen.
Gott hatte seinen Abscheu gegen die Grundsätze der Empörung deutlich bekundet. Der gesamte Himmel sah sowohl in der Verdammung Satans als auch in der Erlösung des Menschen eine Offenbarung seiner Gerechtigkeit. Luzifer hatte erklärt, daß jeder Übertreter auf ewig von der Huld des Schöpfers ausgeschlossen sein müsse, wenn das Gesetz Gottes unveränderlich und seine Strafe unerläßlich sei. Er hatte behauptet, daß das sündige Geschlecht nicht erlöst werden könne und deshalb seine rechtmäßige Beute sei. Aber der Tod Christi war ein Beweis zugunsten der Menschen, der nicht widerlegt  werden konnte. Die Strafe des Gesetzes fiel auf den, der Gott gleich war, und der Mensch konnte die Gerechtigkeit Christi annehmen und durch einen bußfertigen und demütigen Wandel über die Macht Satans siegen, wie auch der Sohn Gottes gesiegt hatte. Somit ist Gott gerecht und macht gerecht alle, die an Jesus glauben.
Christus kam jedoch nicht nur auf diese Erde, um durch sein Leiden und Sterben die Erlösung des Menschen zu vollbringen; er kam, um das „Gesetz herrlich und groß“ zu machen. Nicht allein, damit die Bewohner dieser Welt das Gesetz achten möchten, wie es ihm gebührt, sondern um allen Welten der ganzen Schöpfung zu beweisen, daß das Gesetz Gottes unveränderlich ist. Hätten seine Ansprüche beiseitegesetzt werden können, dann hätte der Sohn Gottes nicht sein Leben opfern müssen, um die Übertretung zu sühnen.
Der Tod Christi beweist die Unveränderlichkeit des Gesetzes.
Und das Opfer, zu dem die unendliche Liebe den Vater und den Sohn drang, damit Sünder erlöst werden möchten, zeigt dem ganzen Weltall, wie nichts Geringeres als dieser Erlösungsplan es hätte zeigen können, daß Gerechtigkeit und Barmherzigkeit die Grundlage des Gesetzes und der Regierung Gottes sind.
Bei der endgültigen Vollstreckung des Gerichts wird es sich herausstellen, daß kein Grund für die Sünde besteht. Wenn der Richter der ganzen Erde Satan fragen wird: Warum hast du dich wider mich empört und mich der Untertanen meines Reiches beraubt? Dann wird der Urheber des Bösen keine Entschuldigung vorbringen können. Aller Mund wird verstopft werden, und die aufrührerischen Scharen werden stumm bleiben.
Während das Kreuz auf Golgatha das Gesetz als unveränderlich erklärt, verkündigt es der Welt, daß der Tod der Sünde Sold ist. Mit dem Todesruf des Heilandes: „Es ist vollbracht!“ wurde Satans Vernichtung angekündigt.
Der große, so lange währende Streit wurde entschieden und die endgültige Austilgung der Sünde sichergestellt. Der Sohn Gottes ging durch die Tore des Todes, „auf daß er durch den Tod die Macht nehme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel“. Hebräer 2:14
Luzifers Verlangen nach Selbsterhebung hatte ihn verleitet, zu sagen: „Ich will … meinen Stuhl über die Sterne Gottes erhöhen, … ich will … gleich sein dem Allerhöchsten.“ Gott sprach: „Darum will ich … dich zu Asche machen auf der Erde, … daß du … nimmermehr aufkommen kannst.“ Jesaja 14:12-14; Hesekiel 28:18-19.
„Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen; da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der künftige Tag wird sie anzünden, spricht der HERR Zebaoth, und wird ihnen weder Wurzel noch Zweige lassen.“ Maleachi 3:19.
Das ganze Weltall wird Zeuge des Wesens und der Folgen der Sünde geworden sein, und ihre gänzliche Ausrottung, die, wäre sie gleich am Anfang geschehen, die Engel in Furcht versetzt und Gott Schande gebracht hätte, wird nun seine Liebe rechtfertigen und seine Ehre vor allen Geschöpfen des Weltalls erheben, deren größte Freude es ist, seinen Willen zu tun, und in deren Herzen sein Gesetz geschrieben steht. Nie wird das Böse wieder auftreten. Das Wort Gottes sagt:
„Es wird das Unglück nicht zweimal kommen.“ Nahum 1:9.
Das Gesetz Gottes, das Satan als ein Joch der Knechtschaft geschmäht hat, wird als das Gesetz der Freiheit geehrt werden. Die geprüfte und bewährte Schöpfung wird nie wieder abfallen von ihrer Ergebenheit gegen den, dessen Wesen sich völlig in unergründlicher Liebe und unendlicher Weisheit offenbart hat.“
Ellen G. White, Der große Kampf, Kapitel 29, S. 490-501

Die Unsterblichkeit der Seele – ist diese Lehre biblisch?

Die erste große Täuschung und der Ursprung der unsterblichen Seele.

Die Unsterblichkeit der Seele ist eine Lehre, die in den Kirchen und Religionen dieser Welt verkündet wird. Ist diese Lehre in der heiligen Schrift zu finden ? Haben der Herr Jesus und seine Jünger diese Lehre verkündet? Wenn nein, wer hat sie dann in die Welt gebracht?

„Von der frühesten Geschichte des Menschen an begann Satan seine Bemühungen, unser Geschlecht zu verführen. Der im Himmel Empörung angestiftet hatte, wollte die Bewohner der Erde veranlassen, sich mit ihm in dem Streit gegen die Regierung Gottes zu verbinden. Adam und Eva lebten im Gehorsam gegen das Gesetz Gottes vollkommen glücklich, und diese Tatsache war ein beständiges Zeugnis gegen die Behauptung, die Satan im Himmel vorgebracht hatte, daß Gottes Gesetz seine Geschöpfe knechte und ihrem Glück entgegenstehe. Auch war durch die schöne, dem sündlosen Paar bereitete Heimat Satans Neid gereizt worden. Er beschloß daher, die Menschen zu Fall zubringen, um dann, nachdem er sie von Gott getrennt und unter seine eigene Macht gebracht hätte, die Erde einzunehmen und hier, dem Allerhöchsten zum Trotz, sein Reich aufzurichten.

Hätte er seinen wahren Charakter offenbart, so wäre er ohne weiteres zurückgewiesen worden; denn Gott hatte Adam und Eva vor diesem gefährlichen Feind gewarnt. Doch Satan wirkte im Verborgenen und verhüllte seine Absicht, um sein Ziel um so sicherer zu erreichen. Die Schlange, damals eine Kreatur von anziehendem Äußeren, als Werkzeug benutzend, wandte er sich an Eva: „Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allerlei Bäumen im Garten?“ 1.Mose 3,1. Hätte sich Eva nicht auf ein Gespräch mit dem Versucher eingelassen, so wäre sie bewahrt geblieben; doch sie wagte es, mit ihm zu sprechen und fiel seinen listigen Anschlägen zum Opfer. So werden noch immer viele Menschen überwunden. Sie bezweifeln und erwägen Gottes Anforderungen und nehmen, statt den göttlichen Geboten zu gehorchen, menschliche Theorien an, die nur die Pläne Satans verdecken.

„Da sprach das Weib zur Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret‘s auch nicht an, daß ihr nicht sterbet. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben; sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ 1.Mose 3,2-5. Satan erklärte, daß sie würden wie Gott, begabt mit größerer Weisheit als zuvor und zu einer höheren Daseinsstufe befähigt. Eva gab der Versuchung nach, und durch ihren Einfluß wurde auch Adam zur Sünde verführt. Sie glaubten den Worten der Schlange, daß Gott nicht meinte, was er sagte, sie mißtrauten ihrem Schöpfer und bildeten sich ein, daß er ihre Freiheit beschränke, daß sie aber große Weisheit und eine hohe Stellung erlangen könnten, wenn sie sein Gesetz übertreten würden.

Doch welchen Sinn fand Adam, nachdem er gesündigt hatte, hinter den Worten: „Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben?“ 1.Mose 2,17. Fand er ihre Bedeutung dementsprechend, was Satan ihn glauben gemacht hatte, daß er in eine erhabenere Daseinsstufe versetzt werden sollte? Dann wäre in der Tat durch die Übertretung ein großer Gewinn zu erzielen, und Satan erwiese sich als der Wohltäter unseres Geschlechts. Aber Adam stellte fest, daß dies keineswegs der Sinn des göttlichen Ausspruchs war. Gott hatte erklärt, daß der Mensch als Strafe für die Sünde wieder zu Erde werden müsse, von der er genommen war: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden.“ 1.Mose 3,19. Die Worte Satans: „So werden eure Augen aufgetan“, erwiesen sich als wahr nur in einem Sinne; denn nachdem Adam und Eva Gott ungehorsam waren, wurden ihnen die Augen geöffnet, damit sie ihre Torheit einsähen; sie erkannten das Böse und kosteten die bittere Frucht der Übertretung.

In der Mitte des Gartens wuchs der Baum des Lebens, dessen Frucht die Kraft hatte, das Leben immerwährend zu erhalten. Wäre Adam Gott gehorsam geblieben, so hätte er sich stets des freien Zugangs zu diesem Baum erfreuen dürfen und würde ewig gelebt haben. Als er aber sündigte, trennte Gott ihn von dem Baum des Lebens und unterwarf ihn dem Tode. Der göttliche Urteilsspruch: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden“ deutet auf eine gänzliche Austilgung des Lebens hin.

Die dem Menschen unter der Bedingung des Gehorsams verheißene Unsterblichkeit war durch die Übertretung verwirkt worden. Adam konnte seiner Nachkommenschaft nichts überlassen, was er selbst nicht besaß, und es hätte keine Hoffnung für die gefallene Menschheit gegeben, wenn Gott den Menschen durch die Hingabe seines Sohnes nicht den Weg zur Unsterblichkeit gewiesen hätte. Während „der Tod zu allen Menschen durchgedrungen“ ist, „dieweil sie alle gesündigt haben“, hat Christus „das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium“. Römer 5,12; 2.Timotheus 1,10. Durch Christus allein kann Unsterblichkeit erlangt werden. Jesus sagte: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen.“ Johannes 3,36. Jeder Mensch kann diesen unschätzbaren Segen erlangen, wenn er die Bedingungen erfüllt. Alle, „die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben“, empfangen „Preis und Ehre und unvergängliches Wesen“. Römer 2,7.

Der große Betrüger versprach Adam Leben im Ungehorsam. Die Erklärung, die die Schlange der Eva im Paradiese gab, „Ihr werdet mitnichten des Todes sterben!“, war die erste über die Unsterblichkeit der Seele gehaltene Predigt. Und doch hallt diese Erklärung, die auf der Autorität Satans beruht, von den Kanzeln der Christenheit wider und wird von der Mehrzahl der Menschen ebenso bereitwillig angenommen, wie sie von unseren ersten Eltern angenommen worden ist. Der göttliche Richterspruch: „Welche Seele sündigt, die soll sterben“ (Hesekiel 18,20) wird danach gedeutet: Die Seele, die sündigt, soll nicht sterben, sondern ewig leben. Wir können uns nur wundern über die seltsame Verblendung, die die Menschen hinsichtlich der Worte Satans so leichtgläubig und bezüglich der Worte Gottes so ungläubig macht.

Hätte der Mensch nach seinem Fall freien Zugang zu dem Baum des Lebens gehabt, so würde er ewig gelegt haben, und auf diese Weise wäre die Sünde unsterblich geworden. Aber „Cherubim mit dem bloßen hauenden Schwert“ bewahrten „den Weg zu dem Baum des Lebens“ (1.Mose 3,24), und keinem aus der Familie Adams war es gestattet worden, die Schranke zu überschreiten und von der lebenspendenden Frucht zu genießen. Deshalb gibt es keinen unsterblichen Sünder.

Nach dem Fall gebot Satan seinen Engeln, besondere Anstrengungen zu machen, dem Menschen den Glauben an seine natürliche Unsterblichkeit einzuschärfen. Wenn sie das Volk zur Annahme dieses Irrtums verleitet hätten, sollten sie es zu der Schlußfolgerung führen, daß der Sünder ewig im Elend leben würde. Der Fürst der Finsternis stellt durch seine Diener Gott als einen rachsüchtigen Tyrannen dar und erklärt, dieser verstoße alle, die ihm nicht gefallen, in die Hölle, wo er sie auf ewig seinen Zorn fühlen lasse, und ihr Schöpfer blicke, während sie unaussprechliche Qualen erdulden und sich in den ewigen Flammen vor Schmerzen krümmen, mit Befriedigung auf sie nieder.

Auf diese Weise bekleidet der Erzfeind den Schöpfer und Wohltäter des Menschengeschlechts mit den Eigenschaften, die er selbst besitzt. Grausamkeit ist satanisch. Gott ist die Liebe, und alles, was er schuf, war rein, heilig und lieblich, bis durch den ersten großen Empörer die Sünde hereingebracht wurde. Satan selbst ist der Feind, der den Menschen zur Sünde verführt und ihn dann womöglich vernichtet. Hat er sein Opfer sicher, frohlockt er über das Verderben, das er bewirkte. Könnte er, wie er wollte, so würde er das ganze Menschengeschlecht in sein Netz einfangen. Legte sich nicht die göttliche Macht ins Mittel, ihm würde nicht ein Sohn, nicht eine Tochter Adams entrinnen.

Satan sucht die Menschen heute zu überwinden, wie er unsere ersten Eltern überwand, indem er ihr Vertrauen zu dem Schöpfer erschüttert und sie verleitet, die Weisheit seiner Regierung und die Gerechtigkeit seiner Gesetze anzuzweifeln. Satan und seine Sendlinge stellen Gott schlimmer dar, als sie selbst sind, um ihre eigene Bosheit und Empörung zu rechtfertigen. Der große Betrüger versucht, seinen schrecklich grausamen Charakter unserem himmlischen Vater unterzuschieben, damit er selbst als ein Wesen erscheine, dem durch die Verstoßung aus dem Himmel ein großes Unrecht zugefügt wurde, da er sich einem so ungerechten Herrscher nicht unterwerfen wollte. Er führt der Welt die Freiheit vor Augen, der sie sich unter seiner milden Herrschaft erfreuen könnte, im Gegensatz zu der durch die strengen Erlasse Gottes auferlegten Knechtschaft. Auf diese Weise gelingt es ihm, Seelen von ihrer Treue zu Gott abwendig zu machen.

Wie unvereinbar mit jeder Regung von Liebe und Barmherzigkeit, ja selbst mit unserem Sinn von Gerechtigkeit ist die Lehre, daß die gottlosen Toten mit Feuer und Schwefel in einer ewig brennenden Hölle gepeinigt werden, daß sie für die Sünden in einem kurzen irdischen Leben leiden müssen, solange Gott lebt!

Und doch ist dies allgemein gelehrt worden, und diese Lehre findet sich noch heute in vielen Glaubensbekenntnissen der Christenheit. Ein angesehener Theologe sagte: „Der Anblick der Höllenqualen wird die Glückseligkeit der heiligen für immer erhöhen. Wenn sie sehen, wie andere, gleicher Natur wie sie und unter den gleichen Umständen geboren, in solches Elend verstoßen sind, während sie selbst erhaben dastehen, werden sie innewerden, wie glücklich sie sind.“ Ein anderer sprach folgendes: „Während der Verdammungsbefehl ewig an den Gefäßen des Zornes ausgeübt wird, wird der Rauch ihrer Qual ewiglich vor den Gefäßen der Gnade aufsteigen, und diese werden, statt an dem Schicksal dieser Elenden Anteil zu nehmen, sagen: Halleluja! Lobt den Herrn!“

Wo finden sich im Worte Gottes solche Lehren? Werden die Erlösten im Himmel für alle Gefühle des Mitleids und des Erbarmens, ja selbst für die Empfindungen gewöhnlicher Menschlichkeit unzugänglich sein? Sollen diese gegen den Gleichmut des Stoikers oder die Grausamkeit des Wilden eingetauscht werden? Nie und nimmer! Solches lehrt das Wort Gottes nicht! Männer, welche die in jenen Zitaten dargelegten Ansichten verkündigen, mögen Gelehrte und sogar aufrichtige Menschen sein, aber sie sind durch die Sophistereien Satans betrogen. Er verleitet sie, wichtige Ausdrücke der Heiligen Schrift zu entstellen und dem Wortlaut eine Färbung zur Bitterkeit und Bosheit hin zu geben, die ihm selbst, aber nicht unserem Schöpfer eigen ist. „So wahr als ich lebe, spricht der HERR HERR, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß sich der Gottlose bekehre von seinem Wesen und lebe. So bekehret euch doch nun von eurem bösen Wesen. Warum wollt ihr sterben?“ Hesekiel 33,11.

Könnte es zu Gottes Gunsten sein, wenn wir zugeben wollten, daß er sich beim Anblick unaufhörlicher Qualen ergötze, daß er erquickt werde durch das Stöhnen, das Geschrei und die Verwünschungen der leidenden Geschöpfe, die er in den Flammen der Hölle gefangenhält Können diese entsetzlichen Töne Musik sein in den Ohren unendlicher Liebe? Es wird behauptet, daß die Verhängung endlosen Elends über die Gottlosen den Haß Gottes gegen die Sünde bekunde, die den Frieden und die Ordnung im Weltall zerstöre. O schreckliche Gotteslästerung! Als ob Gottes Haß gegen die Sünde ein Grund sei, sie zu verewigen! Denn nach den Lehren dieser Theologen macht die fortgesetzte Qual ohne Hoffnung auf Erbarmen ihre elenden Opfer rasend; und da sich ihre Wut in Flüchen und Gotteslästerungen äußert, vergrößern sie ständig ihre Schuldenlast. Gottes Herrlichkeit wird nicht erhöht durch eine solche endlose Verewigung der beständig zunehmenden Sünde.

Es liegt außerhalb der Fähigkeit des menschlichen Geistes das Übel abzuschätzen, das durch die falsche Lehre von der ewigen Qual geschaffen worden ist. Die Religion der Bibel, die voller Liebe und Güte und überaus reich an Erbarmen ist, wird durch den Aberglauben verfinstert und in Schrecken gehüllt. Ist es verwunderlich, daß unser gnadenreicher Schöpfer gefürchtet, gescheut und sogar gehaßt wird, wenn wir bedenken, in welchen falschen Farben Satan das Wesen Gottes gemalt hat? Die entsetzlichen Vorstellungen von Gott, wie sie durch jene Lehren von der Kanzel herunter über die Welt verbreitet wurden, haben Tausende, ja Millionen von Zweiflern und Ungläubigen hervorgerufen.

Die Ansicht von einer ewigen Qual ist eine der falschen Lehren, die zu dem Gräuelwein des geistlichen Babylons gehören, mit dem es die Völker trunken macht. Offenbarung 14,8; Offenbarung 17,2. Wie Diener Christi diese falsche Lehre annehmen und sie von geweihter Stätte herab verkündigen konnten, ist in der Tat unverständlich. Sie empfingen sie, wie auch den falschen Sabbat, von Rom. Wohl haben große und gute Männer diese Lehre auch gepredigt; aber ihnen war darüber nicht die Erkenntnis geworden wie uns heute. Sie waren nur für das Licht verantwortlich, das zu ihrer Zeit schien; wir müssen Rechenschaft ablegen über das Licht, das in unserer Zeit scheint. Wenden wir uns von dem Zeugnis des Wortes Gottes ab und nehmen wir falsche Lehren an, weil unsere Väter sie verbreiteten, so fallen wir unter die über Babylon ausgesprochene Verdammnis; wir trinken von dem Wein ihrer Gräuel.

Sehr viele Menschen, denen die Lehre von einer ewigen Qual anstößig ist, werden zu dem entgegengesetzten Irrtum getrieben. Sie sehen, daß die Heilige Schrift Gott als ein Wesen der Liebe und der Barmherzigkeit darstellt, und sie können nicht glauben, daß er seine Geschöpfe dem verzehrenden Feuer einer ewig brennenden Hölle überlassen werde.

Durch die Behauptung, daß die Seele an und für sich unsterblich sei, kommen sie zu dem Schluß, daß alle Menschen schließlich gerettet werden. Die Drohungen der Bibel sind, nach ihrer Auffassung, nur dazu bestimmt, die Menschen durch Furcht zum Gehorsam zu bringen, aber nicht um buchstäblich erfüllt zu werden. Auf diese Weise kann der Sünder in selbstsüchtigem Vergnügen dahinleben, die Anforderungen Gottes mißachten und doch erwarten, schließlich in Gnaden angenommen zu werden. Eine solche Lehre, die auf Gottes Gnade pocht, aber seine Gerechtigkeit unbeachtet läßt, gefällt dem fleischlichen Herzen und macht die Gottlosen kühn in ihrer Ungerechtigkeit.

Um zu zeigen, wie die an eine allgemeine Erlösung glaubenden Menschen die Bibel verdrehen, um ihre Seelen verderbenden Lehrsätze zu unterstützen, braucht man nur ihre eigenen Aussprüche anzuführen. Beim Begräbnis eines ungläubigen jungen Mannes, der durch einen Unfall plötzlich getötet worden war, wählte ein universalistischer Geistlicher als Text die auf David bezogene Aussage der Bibel: „Er hatte sich getröstet über Amnon, daß er tot war.“ 2.Samuel 13,39.

„Man fragt mich häufig“, sagte der Sprecher, „was das Schicksal jener sein werde, die in Sünden die Welt verlassen, die vielleicht in trunkenem Zustand sterben, mit den unabgewaschenen Scharlachflecken des Verbrechens an ihren Kleidern, oder die dahinfahren wie dieser junge Mann, ohne je nach Religion gefragt oder ihren Segen erfahren zu haben. Wir sind zufrieden mit der Heiligen Schrift; ihre Antwort soll die schwierige Aufgabe lösen. Amnon war überaus sündig; er war unbußfertig, er wurde trunken gemacht und in diesem Zustand umgebracht. David war ein Prophet Gottes; er muß gewußt haben, ob Amnon es in der zukünftigen Welt schlecht oder gut haben werde. Was waren die Äußerungen seines Herzens? ‚Er hatte sich getröstet über Amnon, daß er tot war.‘

Welchen Schluß könne wir aus diesen Worten ziehen?  Ist es nicht dieser, daß die endlose Qual keinen Teil seines religiösen Glaubens ausmachte? So denken wir; und hier entdecken wir einen trefflichen Beweis als Stütze der angenehmeren, erleuchtenderen, wohltätigeren Annahme einer letzten allgemeinen Reinheit und eines dauernden Friedens. Er war getröstet darüber, daß sein Sohn tot war. Und warum? Weil sein prophetisches Auge vorwärts in die herrliche Zukunft blicken und sehen konnte, daß sein Sohn, nachdem er, von allen Versuchungen weit entfernt, der Knechtschaft entbunden, von der Verderbtheit der Sünde gereinigt, hinreichend geheiligt und erleuchtet worden war, in die Versammlung zum Himmel aufgefahrener, frohlockender Geister aufgenommen wurde. Sein einziger Trost war, daß sein geliebter Sohn, entrückt aus dem gegenwärtigen Zustand der Sünde und des Leidens, dorthin versetzt sei, wo die erhabensten Einflüsse des Heiligen Geistes sich in seine verfinsterte Seele ergießen würden, wo sein Gemüt der Weisheit des Himmels und dem süßen Entzücken unsterblicher Liebe geöffnet würde und er, auf diese Weise ausgerüstet mit einem geheiligten Wesen, die Ruhe und die Gemeinschaft des himmlischen Erbes genießen könne.

In diesen Gedanken möchten wir so verstanden werden, daß wir glauben, die Seligkeit des Himmels hängt von nichts ab, was wir in diesem Leben tun können, weder von einer gegenwärtigen Veränderung des Herzens noch von dem jetzigen Glauben oder einem gegenwärtigen Religionsbekenntnis.“

Auf diese Weise wiederholte der angebliche Diener Christi die von der Schlange im Paradies ausgesprochene Lüge: „Ihr werdet mitnichten des Todes sterben. Welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott.“ Er erklärte, daß der gröbste Sünder, ob Mörder, Dieb oder Ehebrecher, nach dem Tode vorbereitet wird, um in unsterbliche Wonne einzugehen.

Und woraus zieht dieser Verfälscher der Heiligen Schrift seine Schlüsse? Aus dem einzigen Satz, der Davids Unterwerfung unter die Fügung der Vorsehung ausdrückt. „David stand davon ab, auszuziehen wider Absalom; denn er hatte sich getröstet über Amnon, daß er tot war.“ Nachdem die Heftigkeit seines Schmerzes mit der Zeit nachgelassen hatte, wandten sich seine Gedanken von dem toten zu dem lebendigen Sohn, der aus Furcht vor der gerechten Bestrafung seines Verbrechens freiwillig in die Verbannung gegangen war. Und das wäre der Beweis, daß der blutschänderische, betrunkene Amnon unmittelbar nach dem Tode an den Ort der Wonne entrückt wurde, um dort gereinigt und zubereitet zu werden für die Gemeinschaft sündloser Engel! Eine angenehme Fabel in der Tat, wohl geeignet, das fleischliche Herz zufriedenzustellen! Dies ist Satans eigene Lehre, und sie wirkt erfolgreich für sein Werk. Dürfen wir uns wundern, daß bei solcher Belehrung die Gottlosigkeit überhandnimmt?

Das Verfahren dieses falschen Lehrers veranschaulicht das vieler anderer. Einige wenige Worte der Heiligen Schrift werden aus dem Zusammenhang gerissen, der in vielen Fällen zeigen würde, daß ihr Sinn gerade entgegengesetzt ist. Dann werden diese zerstückelten Stellen verdreht und als Beweis von Lehren gebraucht, die im Worte Gottes keine Grundlage haben. Das als Beweis angeführte Zeugnis, daß der betrunkene Amnon im Himmel sei, ist nichts als eine Schlußfolgerung, der die deutliche und bestimmte Erklärung der Heiligen Schrift, daß kein Trunkenbold das Reich Gottes ererben kann (1.Korinther 6,10), direkt widerspricht. Auf diese Weise verwandeln Zweifler, Ungläubige und Skeptiker die Wahrheit Gottes in eine Lüge; viele sind durch solche Sophistereien getäuscht und in fleischliche Sicherheit gewiegt worden.

Wenn es wahr wäre, daß die Seelen aller Menschen bei ihrem Tod sofort in den Himmel gingen, dann möchten wir wohl eher den Tod begehren als das Leben. Viele sind durch diesen Glauben dazu verleitet worden, ihrem Dasein ein Ende zu machen. Von Sorgen, Schwierigkeiten und Enttäuschungen überwältigt, scheint es ein leichtes zu sein, den schwachen Lebensfaden zu zerreißen und sich zur Wonne der ewigen Welt aufzuschwingen.

Gott hat in seinem Wort entschiedene Beweise dargelegt, daß er die Übertreter seines Gesetzes strafen will. Wer annimmt, daß Gott zu barmherzig sei, um an dem Sünder Gerechtigkeit zu üben, braucht nur auf das Kreuz von Golgatha zu schauen. Der Tod des makellosen Sohnes Gottes bezeugt, daß der Tod der Sünde Sold ist, daß jede Übertretung des Gesetzes Gottes ihre gerechte Vergeltung erfahren muß. Christus, der ohne Sünde war, wurde um unsertwillen zur Sünde gemacht. Er trug die Schuld der Übertretung; seines Vaters Angesicht war vor ihm verhüllt, bis sein Herz brach und das Leben in ihm erstickte. Dies Opfer wurde gebracht, damit Sünder erlöst werden könnten. Auf keine andere Weise war es möglich, den Menschen von der Strafe der Sünde frei zu machen. Jede Seele, die sich weigert, an der so teuer erkauften Versöhnung teilzuhaben, muß selbst die Schuld und Strafe der Übertretung tragen.

Wir wollen betrachten, was die Bibel weiter über die Gottlosen und Unbußfertigen lehrt, die der Universalist als heilige, glückliche Engel in den Himmel versetzt.

„Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst.“ Diese Verheißung gilt nur denen, die dürsten. Nur die nach dem Wasser des Lebens verlangen und es unter allen Umständen suchen, werden es erhalten. „Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.“ Offenbarung 21,6.7. Hier werden ebenfalls Bedingungen aufgestellt. Um alles zu ererben, müssen wir der Sünde widerstehen und sie überwinden.

Der HERR erklärt durch den Propheten Jesaja: „Prediget von den Gerechten, daß sie es gut haben. Weh aber den Gottlosen! Denn sie haben es übel, und es wird ihnen vergolten werden, wie sie es verdienen.“ Jesaja 3,10.11. „Ob ein Sünder hundertmal böses tut und lange lebt, so weiß ich doch, daß es wohl gehen wird denen, die Gott fürchten, die sein Angesicht scheuen. Aber dem Gottlosen wird es nicht wohl gehen“, sagt Salomo. Prediger 8,12.13. Und Paulus bezeugt, daß der Gottlose sich selbst häufe „Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken, denen, die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit, Ungnade und Zorn“. Römer 2,5.6.8.

„Das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner oder Geiziger, welcher ist ein Götzendiener, Erbe hat in dem Reich Christi und Gottes.“ Epheser 5,5. „Jaget nach, dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen.“ Hebräer 12,14. „Selig sind, die seine Gebote halten, auf daß sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt. Denn draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Totschläger und die Abgöttischen und alle, die liebhaben und tun die Lüge.“ Offenbarung 22,14.15.

Gott hat den Menschen sein Wesen und seine Verfahrensweise mit der Sünde beschrieben: „HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue! der da bewahret Gnade in tausend Glieder und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, und vor welchem niemand unschuldig ist.“ 2.Mose 34,6.7. „Der HERR wird vertilgen alle Gottlosen.“ „Die Übertreter werden vertilgt miteinander, und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet.“ Psalm 145,20; Psalm 37,38. Wohl wird die Macht und Autorität der göttlichen Regierung angewandt, um die Empörung niederzuschlagen, dennoch werden alle Bekundungen der vergeltenden Gerechtigkeit vollkommen mit dem Charakter Gottes, der barmherzig, langmütig und gütig ist, übereinstimmen.

Gott zwingt niemandes Willen oder Urteil. Er hat kein Gefallen an sklavischem Gehorsam. Er wünscht, daß seine Geschöpfe ihn lieben, weil er der Liebe wert ist. Er will, daß sie ihm gehorchen, weil sie seine Weisheit, Gerechtigkeit und Großmut würdigen können. Wer eine richtige Vorstellung von diesen Eigenschaften hat, wird ihn lieben, weil er in Bewunderung seines Wesens zu ihm gezogen wird.

Die Grundsätze der Freundlichkeit, Barmherzigkeit und Liebe, wie sie von unserem Heiland gelehrt und ausgelebt wurden, sind ein Abbild des Willens und Wesens Gottes. Christus erklärte, daß er nichts gelehrt habe, was er nicht von seinem Vater empfangen hätte. Die Grundsätze der göttlichen Regierung stimmen vollkommen mit dem Gebot des Heilandes überein: „Liebet eure Feinde!“ Gott läßt den Bösen Gerechtigkeit widerfahren zum Besten des Weltalls, ja selbst zum Besten derer, die von seinen Gerichten heimgesucht werden. Er würde sie glücklich machen, wenn er dies in Übereinstimmung mit den Gesetzen seiner Regierung und der Gerechtigkeit seines Wesens tun könnte. Er umgibt sie mit Zeichen seiner Liebe, er schenkt ihnen die Kenntnis seines Gesetzes und geht ihnen nach mit dem Anerbieten seiner Gnade; aber sie verachten seine Liebe, übertreten sein Gesetz und verwerfen seine Gnade. Während sie beständig seine Gaben empfangen, entehren sie den Geber. Sie hassen Gott, weil sie wissen, daß er ihre Sünden verabscheut. Der HERR hat lange Geduld mit ihrer Bosheit; aber die Stunde wird schließlich doch kommen, da ihr Schicksal entschieden werden muß. Wird er dann die Empörer an sich ketten? Wird er sie zwingen, seinen Willen zu tun?

Seelen, die Satan zu ihrem Führer erwählten und sich von seiner Macht beherrschen ließen, sind nicht vorbereitet, in die Gegenwart Gottes zu treten. Stolz, Trug, Ausschweifung, Grausamkeit haben sich in ihrem Herzen eingewurzelt. Können sie in den Himmel eingehen, um ewig mit denen zusammenzuleben, die sie auf Erden verachteten und haßten? Die Wahrheit wird einem Lügner nie angenehm sein; Sanftmut kann Eigendünkel und Stolz nicht befriedigen, Reinheit wird von dem Verderbten nicht angenommen, und selbstlose Liebe erscheint dem Selbstsüchtigen nicht anziehend. Welche Freuden könnte der Himmel denen bieten, die hier völlig in irdischen und selbstsüchtigen Interessen aufgehen?

Könnten die Menschen, die ihr Leben in Empörung gegen Gott zugebracht haben, plötzlich in den Himmel versetzt werden und den hohen und heiligen Zustand der Vollkommenheit ertragen, der stets dort herrscht, wo jede Seele mit Liebe erfüllt ist, jedes Angesicht vor Freude strahlt; wo klangvolle Melodien zur Ehre Gottes und des Lammes ertönen und Ströme des Lichts, die ausgehen vom Angesicht dessen, der auf dem Stuhl sitzt, unaufhörlich über die Erlösten hinweg fluten? Könnten Seelen, deren Herzen mit Haß gegen Gott, gegen Wahrheit und Heiligkeit erfüllt sind, sich unter die himmlische Schar mischen und in ihren Lobgesang mit einstimmen? Könnten sie die Herrlichkeit Gottes und des Lammes ertragen? Nimmermehr! Jahre der Gnadenzeit waren ihnen gewährt, damit sie einen Charakter für den Himmel heranbildeten, aber sie haben sich nie darin geübt, das Reine zu lieben, haben niemals die Sprache des Himmels gelernt, nun ist es zu spät. Ein Leben der Empörung gegen Gott hat sie für den Himmel untauglich gemacht. Seine Reinheit, seine Heiligkeit und sein Friede wäre ihnen eine Qual, die Herrlichkeit Gottes ein verzehrendes Feuer. Sie würden sich danach sehnen, von jenem heiligen Orte zu fliehen. Sie heißen den Untergang willkommen, damit sie vor dem Angesicht Jesu, der starb, um sie zu erlösen, verborgen wären. Das Schicksal der Gottlosen wird durch ihre eigene Wahl besiegelt. Ihren Ausschluß aus dem Himmel haben sie freiwillig herausgefordert; von seiten Gottes ist er gerecht und barmherzig.

Gleich den Wassern der Sündflut verkünden die Feuer des großen Tages das Urteil Gottes, daß die Gottlosen unheilbar sind. Sie wollen sich der göttlichen Autorität nicht unterwerfen. Ihr Wille hat sich in Empörung geübt, und wenn das Leben zu Ende ist, wird es zu spät sein, ihre Gedanken in die entgegengesetzte Richtung zu lenken, zu spät, um sich von der Übertretung zum Gehorsam, vom Haß zur Liebe zu bekehren.

Indem Gott den Mörder Kain am Leben erhielt, zeigte er der Welt, welche Folgen eintreten, wenn der Sünder am Leben bleibt und seinen Wandel in zügelloser Bosheit weiterführt. Durch den Einfluß von Kains Lehren und Beispiel wurden Tausende seiner Nachkommen zur Sünde verleitet, bis „der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar. Die Erde war verderbt vor Gottes Augen und voll Frevels“. 1.Mose 6,5.11.

Weil er mit der Erde Erbarmen hatte, vertilgte Gott ihre verderbten Bewohner zur Zeit Noahs. Aus Barmherzigkeit vernichtete er die gottlosen Einwohner Sodoms. Durch die trügerische Macht Satans erlangen die Übeltäter Mitgefühl und Bewunderung und führen dadurch beständig andere zur Empörung. So war es in Kains und in Noahs Tagen, zur Zeit Abrahams und Lots; so ist es auch heute. Aus Erbarmen mit dem Weltall wird Gott die Verwerfer seiner Gnade vernichten.

„Der Tod ist der Sünde Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Jesu, unserm Herrn.“ Römer 6,23. Während Leben das Erbe der Gerechten ist, wird der Tod das Teil der Gottlosen sein. Mose erklärte Israel: „Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse.“ 5.Mose 30,15. Der in dieser Schriftstelle erwähnte Tod ist nicht der über Adam ausgesprochene Tod, denn alle Menschen erleiden die Strafe der Übertretung, sondern es ist der „zweite Tod“, der dem ewigen Leben gegenübergestellt wird.

Der Tod ist infolge der Sünde Adams auf das ganze menschliche Geschlecht gekommen. Alle ohne Unterschied sinken ins Grab. Durch die Einsetzung des Erlösungsplanes werden alle wieder aus ihren Gräbern hervorgehen. Es gibt eine zukünftige „Auferstehung der Toten, der Gerechten und Ungerechten“. Apostelgeschichte 24,15. „Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden.“ 1.Korinther 15,22. Dennoch wird ein Unterschied bestehen zwischen den beiden Klassen, die aus den Gräbern hervorgehen werden. „Alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“ Johannes 5,28.29. Die der Auferstehung des Lebens würdig befunden wurden, sind „selig und heilig. Über solche hat der andere Tod keine Macht“. Offenbarung 20,6. Die Menschen hingegen, die nicht durch Buße und Glauben Vergebung erlangt haben, müssen die Strafe für ihre Übertretung, „der Sünde Sold“, erdulden. Sie erleiden Pein nach ihren Werken, unterschiedlich in Dauer und Stärke, die mit dem andern Tod endet. Da es Gott in Übereinstimmung mit seiner Gerechtigkeit und Gnade unmöglich ist, den Sünder in seinen Sünden zu erretten, muß dieser sein Leben lassen, das er durch seine Übertretungen verwirkt hat und dessen er sich unwürdig erwies. Der Psalmist sagt: „Es ist noch um ein kleines, so ist der Gottlose nimmer; und wenn du nach seiner Stätte sehen wirst, wird er weg sein.“ Psalm 37,10. Ein anderer erleuchteter Schreiber erklärt: Sie „sollen sein, als wären sie nie gewesen“. Obadja 16. Mit Schande bedeckt, versinken sie in hoffnungslose, ewige Vergessenheit.

So wird der Sünde mit allem Weh und Verderben, die aus ihr hervorgegangen sind, ein Ende gemacht. Der Psalmist sagt: „Du bringst die Gottlosen um; ihren Namen vertilgst du immer und ewiglich, ihr Gedächtnis ist umgekommen samt ihnen.“ Psalm 9,6.7. In der Offenbarung hört Johannes, indem er auf den ewigen Zustand vorausblickt, einen allgemeinen Lobgesang, der von keinem einzigen Mißklang gestört wird. Alle Kreatur im Himmel und auf Erden gibt Gott die Ehre. Offenbarung 5,13. Es gibt keine verlorenen Seelen mehr, die Gott lästern, während sie sich unter Qualen krümmen; keine elenden Geschöpfe der Hölle werden ihre Schmerzensschreie mit den Gesängen der Erlösten vermischen.

Auf dem Grundirrtum der natürlichen Unsterblichkeit beruht die Lehre von dem Bewußtsein im Tode, eine Lehre, die gleich der von der ewigen Qual den Lehren der Heiligen Schrift, den Eingebungen der Vernunft und unsern Gefühlen der Menschlichkeit widerstrebt. Nach allgemein verbreiteter Auffassung sind die Erlösten im Himmel mit allem vertraut, was auf Erden stattfindet, besonders mit dem Leben der Freunde, die sie zurückgelassen haben. Wie könnte es aber für die Toten eine Quelle der Glückseligkeit sein, die Widerwärtigkeiten der Lebenden zu kennen, die von ihren Lieben begangenen Sünden wahrzunehmen und zu sehen, wie sie leiden, Enttäuschungen und die Sorgen des Lebens erdulden? Wie viel würden jene, deren Gedanken bei ihren Freunden auf Erden verweilen, von der Wonne des Himmels genießen? Und wie außerordentlich empörend ist ferner der Glaube, daß die Seele des Unbußfertigen den Flammen der Hölle übergeben werde, sobald der Odem den Leib verläßt! Welch tiefe Angst mußten die Menschen erleiden, die ihre Freunde unvorbereitet ins Grab sinken sehen, um eine Ewigkeit der Pein und der Sünde anzutreten! Viele sind durch diesen qualvollen Gedanken zum Wahnsinn getrieben worden.

Was sagt die Heilige Schrift über diese Dinge? David erklärt, daß der Tote kein Bewußtsein besitzt: „Des Menschen Geist muß davon, und er muß wieder zu Erde werden, alsdann sind verloren alle seine Anschläge.“ Psalm 146,4. Salomo bezeugt das gleiche: „Die Lebendigen wissen, daß sie sterben werden; die Toten aber wissen nichts, sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Gedächtnis ist vergessen, daß man sie nicht mehr liebt noch haßt noch neidet und haben kein Teil mehr auf der Welt an allem, was unter der Sonne geschieht. Denn bei den Toten, dahin du fährst, ist weder Werk, Kunst, Vernunft noch Weisheit.“ Prediger 9,5.6.10.

Als Hiskias Leben, in Erfüllung seines Gebets, um fünfzehn Jahre verlängert wurde, huldigte der dankbare König Gott mit Lob und Preis für seine große Barmherzigkeit. In diesem Lobgesang nennt er den Grund seiner Freude: „Denn die Hölle lobt dich nicht; so rühmt dich der Tod nicht, und die in die Grube fahren, warten nicht auf deine Wahrheit; sondern allein, die da leben, loben dich, wie ich jetzt tue.“ Jesaja 38,18.19. Die allgemeine Theologie sagt von den gerechten Toten, daß sie im Himmel seien, wo sie, in Wonne lebend, Gott mit unsterblicher Zunge preisen; aber Hiskia konnte im Tode keine solche herrliche Erwartung sehen. Mit seinen Worten stimmt das Zeugnis des Psalmisten überein: „Im Tode gedenkt man dein nicht; wer will dir bei den Toten danken?“ „Die Toten werden dich, HERR, nicht loben, noch die hinunterfahren in die Stille.“ Psalm 6,6; Psalm 115,17.

Petrus sagte am Pfingsttag von dem Erzvater David. „Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag. Denn David ist nicht gen Himmel gefahren.“ Apostelgeschichte 2,29.34. Die Tatsache, daß David bis zur Auferstehung im Grabe bleibt, beweist: Die Gerechten gehen beim Tode nicht in den Himmel ein. Nur durch die Auferstehung und kraft der Tatsache, daß Christus auferstanden ist, kann David schließlich zur Rechten Gottes sitzen.

Paulus erklärte: „So die Toten nicht auferstehen, so ist Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden. So sind auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren.“ 1.Korinther 15,16-18. Wären 4000 Jahre lang die Gerechten beim Tode sofort in den Himmel aufgenommen worden, wie hätte Paulus dann sagen können, daß, wenn es keine Auferstehung gäbe,„auch die, so in Christo entschlafen sind, verloren“ seien? Es wäre dann überhaupt keine Auferstehung nötig.

Der Märtyrer Tyndale sagte über den Zustand der Toten: „Ich gestehe offen, ich bin nicht davon überzeugt, daß sie schon in der Herrlichkeit leben, wie Christus und die erwählten Engel Gottes. Auch ist diese Lehre kein Artikel meines Glaubensbekenntnisses; denn wenn dem so wäre, sähe ich die Predigt von der Auferstehung des Leibes als ganz vergeblich an.“ (Tyndale, Preface to „New Testament“, 1534)

Es ist eine unleugbare Tatsache, daß die Hoffnung, beim Tode sofort in unsterbliche Seligkeit versetzt zu werden, zu einer weitverbreiteten Vernachlässigung der biblischen Lehre über die Auferstehung geführt hat. Dr. Adam Clarke stellte dies fest und sagte: „Die Auferstehungslehre scheint unter den ersten Christen von weit größerer Bedeutung gewesen zu ein, als es heute der Fall ist. Wie kommt das? Die Apostel betonten sie beständig und ermahnten durch sie die Gotteskinder zu Fleiß, Gehorsam und Freudigkeit. Ihre Nachfolger in der Gegenwart erwähnen sie nur selten! So predigten die Apostel und so glaubten die ersten Christen; so predigen wir, und so glauben unsere Zuhörer. Es gibt keine Lehre im Evangelium, auf die mehr Nachdruck gelegt wird, und es findet sich keine Lehre in der gegenwärtigen theologischen Verkündigung, die mehr vernachlässigt wird.“ (Clarke, „Commentary on the New Testament“, Bd. II, über 1.Korinther 15).

Dies hat angedauert, bis die herrliche Wahrheit von der Auferstehung beinahe gänzlich verdunkelt und von der christlichen Welt fast völlig aus den Augen verloren worden ist.Ein führender religiöser Schriftsteller sagt in seinen Anmerkungen zu den Worten des Apostels Paulus in 1.Thessalonicher 4,13-18: „Für alle praktischen Zwecke des Trostes nimmt die Lehre von der seligen Unsterblichkeit der Gerechten für uns die Stelle irgendeiner zweifelhaften Lehre von dem zweiten Kommen Christi ein. Bei unserem Tode kommt der Herr für uns. Darauf sollen wir harren, dafür wachen. Die Toten sind bereits in die Herrlichkeit eingegangen. Sie warten nicht auf die Posaune, ihr Urteil und ihre Seligkeit zu erlange.“

Aber als Jesus im Begriff stand, seine Jünger zu verlassen, sagte er ihnen nicht, daß sie bald zu ihm kommen würden. „Ich gehe hin“, sprach er, „euch die Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, so will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen.“ Johannes 14,2.3. Und Paulus sagt uns weiter, daß „er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes hernieder kommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und übrig bleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen in der Luft, und werden also bei dem Herrn sein allezeit.“ Außerdem fügt er hinzu: „So tröstet euch nun mit diesen Worten untereinander.“ 1.Thessalonicher 4,16-18. Wie groß ist der Unterschied zwischen diesen Worten des Trostes und jenen eben angeführten Bemerkungen des Universalistenpredigers! Dieser tröstete die trauernden Freunde mit der Versicherung, daß der Tote, wie sündig er auch gewesen sein mag, unter die Engel aufgenommen worden sei, sobald er sein Leben hier auf Erden ausgehaucht hatte. Paulus weist seine Brüder auf das zukünftige Kommen des Herrn hin, da die Fesseln des Grabes gebrochen und „die Toten in Christo“ zu ewigen Leben auferweckt werden sollen.

Bevor irgendwelche Seelen die Wohnungen der Seligen betreten können, muß jeder Fall untersucht, müssen ihr Charakter und ihre Werke von Gott beurteilt werden. Alle werden nach den in den Büchern aufgezeichneten Berichten gerichtet; alle werden den Lohn empfangen nach ihren Werken. Dieses Gericht findet nicht beim Tode statt. Man beachte die Worte des Paulus: „Darum daß er einen Tag gesetzt hat, an welchem er richten will den Kreis des Erdbodens mit Gerechtigkeit durch einen Mann, in welchem er‘s beschlossen hat und jedermann vorhält den Glauben, nachdem er ihn hat von den Toten auferweckt.“ Apostelgeschichte 17,31. Hier erklärt der Apostel deutlich, daß für das Gericht eine bestimmte, damals zukünftige Zeit festgesetzt sei.

Judas verweist auf denselben Zeitpunkt: „Die Engel, die ihr Fürstentum nicht bewahrten, sondern verließen ihre Behausung, hat er behalten zum Gericht des großen Tages mit ewigen Banden in der Finsternis.“ Ferner führt er die Worte Henochs an: „Siehe, der HERr kommt mit vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle.“ Judas 6.14.15. Johannes erklärt, daß er „sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken.“ Offenbarung 20,12.

Wenn sich aber die Toten bereits der Wonne des Himmels erfreuen oder sich in den Flammen der Hölle winden, wozu ist dann noch ein künftiges Gericht notwendig? Die Lehren des Wortes Gottes über diese wichtigen Fragen sind weder dunkel noch widersprechend, sie können von einfachen Leuten verstanden werden. Welches aufrichtige Gemüt kann aber in der üblichen Lehre Weisheit oder Gerechtigkeit sehen? Sollen die Gerechten nach der Untersuchung ihrer Fälle im Gericht das Lob empfangen: „Ei du frommer und getreuer Knecht, gehe ein zu deines Herrn Freude!“ (Matthäus 25,21), wenn sie vielleicht schon jahrhundertelang in seiner Gegenwart verweilt haben? Sollen die Gottlosen von dem Ort der Qual weggerufen werden, um von dem Richter der ganzen Erde das Urteil zu vernehmen: „Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer“? Matthäus 25,41.Welch ein Spott! Welch schändliche Anklage gegen die Weisheit und Gerechtigkeit Gottes!

Die Theorie von der Unsterblichkeit der Seele war eine der falschen Lehren, die Rom dem Heidentum entlehnte und mit der christlichen Religion vermengte. Martin Luther reihte sie „den zahllosen Ausgeburten des römischen Misthaufens der Dekretalen an“ (Petavel, „The Problem of Immortality“ 255) In seinen Anmerkungen zu den Worten Salomos im Prediger, daß die Toten nichts wissen, sagt der Reformator. „Ein weiterer Beweis, daß die Toten bewußtlos sind. Salomo denkt deshalb, die Toten schliefen gänzlich, und dächten an nichts. Sie liegen, ohne Tage oder Jahre zu rechnen; doch wenn sie aufwachen, wird es ihnen vorkommen, als ob sie nur einen Augenblick geschlafen hätten.“ (Luthers Werke, St. L., Bd. V, 1535f.)

Nirgends in der Heiligen Schrift ist die Erklärung zu finden, daß die Gerechten ihre Belohnung oder die Gottlosen ihre Strafe beim Tode erhalten. Die Erzväter und Propheten haben keine solche Zusicherung hinterlassen. Christus und seine Apostel haben nichts Derartiges angedeutet. Die Bibel lehrt deutlich, daß die Toten nicht unmittelbar in den Himmel eingehen, sondern bis zur Auferstehung schlafen. (1.Thessalonicher 4,14; Hiob 14,10-12.) An demselben Tage, an dem der „silberne Strick“ wegkommt und die „goldene Schale“ zerbricht (Prediger 12,6), werden des Menschen Gedanken zunichte. Die in das Grab hinunterfahren, verharren in Schweigen. Sie wissen nichts mehr von allem, was unter der Sonne geschieht. Hiob 14,21. Selige Ruhe für die müden Gerechten! Die Zeit, sei sie kurz oder lang, ist nur ein Augenblick für sie! Sie entschlafen und werden durch die Posaune Gottes zu einer herrlichen Unsterblichkeit auferweckt. „Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich. Denn dies Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit. Wenn aber dies Verwesliche wird anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche wird anziehen die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht. Der Tod ist verschlungen in den Sieg.“ 1.Korinther 15,52-55. Wenn sie aus ihrem tiefen Schlummer herausgerufen werden, fangen sie gerade da an zu denken, wo sie seinerzeit aufhörten. Das letzte Gefühl war die Todesangst, der letzte Gedanke, daß sie der Macht des Grabes anheimfielen. Nun, da sie auferstanden sind, wird ihr erster froher Gedanke in dem frohlockenden Ruf ausbrechen: „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ 1.Korinther 15,52-55.“
Ellen G. White, Der große Kampf – 1973, Kapitel 33: Die erste große Täuschung, S. 528-546

Feindschaft zwischen dem Menschen und Satan!

„Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ 1.Mose 3,15. Der göttliche Richterspruch, der nach dem Fall des Menschen über Satan ausgesprochen wurde, war gleichzeitig eine Weissagung, die alle Zeitalter bis zum Ende dieser Welt umschließt und auf den großen Kampf hinweist, an dem sich alle Menschengeschlechter, die auf Erden wohnen, beteiligen würden.

Gott erklärt: „Ich will Feindschaft setzen.“ Diese Feindschaft ist nicht von Natur aus gesetzt. Als der Mensch das göttliche Gesetz übertrat, wurde seine Natur böse, und er gelangte mit Satan in Übereinstimmung, nicht aber in Streit. Es besteht natürlicherweise keine Feindschaft zwischen dem sündigen Menschen und dem Urheber der Sünde. Beide wurden durch ihren Abfall böse. Der Abtrünnige gibt sich nie zufrieden, außer er erhält dadurch Mitgefühl und Stärkung, indem er andere veranlaßt, seinem Beispiel zu folgen. Aus diesem Grunde vereinen sich gefallene Engel und gottlose Menschen in verzweifelter Genossenschaft. Hätte sich Gott nicht ins Mittel gelegt, wären Satan und die Menschen ein Bündnis gegen den Himmel eingegangen, und statt Feindschaft gegen Satan zu hegen, würde sich die ganze menschliche Familie zum Aufstand gegen Gott vereint haben.

Satan versuchte den Menschen zur Sünde, wie er die Engel zur Empörung veranlaßt hatte, um sich dadurch Helfer in seinem Kampf gegen den Himmel zu sichern. Es bestand keine Uneinigkeit zwischen ihm und den gefallenen Engeln, was ihren Haß gegen Christus betrifft; wenn auch in allen andern Dingen Zwietracht herrschte, so waren sie doch fest vereint in ihrer Auflehnung gegen die Oberhoheit des Weltenherrschers. Als aber Satan die Erklärung hörte, daß zwischen ihm und dem Weibe, zwischen seinem Samen und ihrem Samen Feindschaft bestehen sollte, wußte er, daß seine Anstrengung, die menschliche Natur zu verderben, unterbrochen und der Mensch durch irgendein Mittel befähigt würde, seiner Macht zu widerstehen.

Satans Feindschaft wider die Menschen wurde dadurch erregt, weil diesen durch Christus die Liebe und Barmherzigkeit Gottes gehört. Er möchte den göttlichen Plan zur Erlösung des Menschen vereiteln und Schmach auf Gott häufen, indem er das Schöpfungswerk entstellt und verunreinigt; er möchte im Himmel Leid hervorrufen und die Erde mit Weh und Verwüstung erfüllen und dann auf all diese Übel hinweisen, die nur eine Folge davon seien, daß Gott den Menschen geschaffen habe.

Die dem Menschen von Christus verliehene Gnade erweckt im Menschen Feindschaft gegen Satan. Ohne diese bekehrende Gnade und erneuernde Kraft bliebe der Mensch ein Gefangener Satans; ein beflissener Diener, seine Befehle auszuführen. Aber das neue Element in der Seele schafft da Streit, wo bisher Friede gewesen war. Die Kraft, die Christus verleiht, befähigt den Menschen, dem Tyrannen und Thronräuber zu widerstehen. Wer bekundet, daß er die Sünde verabscheut, anstatt sie zu lieben, wer den ihn beherrschenden Leidenschaften widersteht und sie besiegt, offenbart die Wirksamkeit einer Kraft, die nur von oben kommt.

Der Gegensatz, der zwischen dem Geist Christi und dem Satans besteht, offenbart sich äußerst überraschend beim Empfang Jesu auf Erden. Nicht so sehr deshalb, weil er ohne weltlichen Reichtum, ohne Prachtentfaltung oder Größe erschien, verwarfen ihn die Juden; sie sahen wohl, daß er eine Macht besaß, die für den Mangel dieser äußerlichen Vorzüge mehr als einen Ersatz zu leisten vermochte. Aber die Reinheit und Heiligkeit Christi rief den Haß der Gottlosen gegen ihn hervor. Sein Leben der Selbstverleugnung und sündlosen Hingabe war für das stolze und sinnliche Volk ein beständiger Vorwurf und forderte die Feindschaft gegen den Sohn Gottes heraus. Satan und böse Engel vereinigten sich mit bösen Menschen. Alle Kräfte des Abfalls verschworen sich gegen den Verteidiger der Wahrheit.

Gegen die Nachfolger Christi offenbart sich der gleiche Geist der Feindschaft wie gegen ihren Meister. Wer das abschreckende Wesen der Sünde sieht und in der Kraft von oben der Versuchung widersteht, wird sicherlich den Zorn Satans und seiner Anhänger erwecken. Haß gegen die reinen Grundsätze der Wahrheit und Schmach und Verfolgung gegen deren Verteidiger wird es geben, solange es Sünde und Sünder gibt. Die Nachfolger Christi und die Knechte Satans können nicht übereinstimmen. Das Ärgernis des Kreuzes hat nicht aufgehört. „Alle, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, müssen Verfolgung leiden.“ 2.Timotheus 3,12.

Satans Werkzeuge arbeiten beständig unter seiner Leitung, um seine Herrschaft zu festigen und sein Reich als Gegenstück zur Regierung Gottes aufzubauen. Zu diesem Zweck versuchen sie die Nachfolger Christi zu täuschen und sie von ihrer Untertanentreue abzuziehen. Gleich ihrem Anführer mißdeuten und verdrehen sie die Heilige Schrift, um ihren Zweck zu erreichen. Wie Satan zu schmähen suchte, so trachten seine Mittelsmänner danach, das Volk Gottes zu verleumden. Der Geist, der Christus ans Kreuz schlug, regt die Gottlosen an, seine Nachfolger zu verderben. Dies alles wird in jener ersten Weissagung angedeutet: „Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen.“ Diese Feindschaft wird bis zum Ende der Zeit fortdauern.

Satan bietet alle seine Kräfte auf und wirft sich mit ganzer Macht in den Kampf. Wie kommt es, daß er auf keinen größeren Widerstand stößt. Warum sind Christi Streiter so schläfrig und gleichgültig? Weil sie so wenig wirkliche Verbindung mit Christus haben; weil sie seines Geistes so gänzlich ermangeln. Die Sünde erscheint ihnen nicht, wie ihrem Meister, abschreckend und verabscheuungswürdig. Sie treten ihr nicht mit festem und entschiedenem Widerstand entgegen, wie Christus es tat. Sie erkennen nicht das außerordentlich Böse und Verderbliche der Sünde und sind sowohl hinsichtlich des Charakters wie auch der Macht des Fürsten der Finsternis verblendet. Es streiten nur wenige gegen Satan und seine Werke, weil über seine Macht und Bosheit und die weite Ausdehnung seiner Fehde gegen Christus und seine Gemeinde große Unkenntnis herrscht. Tausende werden hier betrogen. Sie wissen nicht, daß ihr Feind ein mächtiger Feldherr ist, der die Gemüter böser Engel beherrscht und mit reiflich überlegten Plänen und kunstvollen Maßnahmen gegen Christus Krieg führt, um die Rettung von Seelen zu verhindern. Unter denen, die sich Christen nennen, und sogar unter den Dienern des Evangeliums hört man kaum eine Bemerkung über Satan, es sei denn vielleicht eine beiläufige Erwähnung von der Kanzel herab. Man übersieht die Zeichen seiner beständigen Tätigkeit und seines Erfolges; man vernachlässigt die vielen Warnungen vor seiner Verschlagenheit, ja man scheint selbst von seinem Dasein keine Notiz zu nehmen.

Während die Menschen von seinen listigen Anschlägen nichts wissen, stellt dieser wachsame Feind ihnen jeden Augenblick nach. Er verschafft sich Eingang in jeden Teil der Haushaltung, in jede Straße unserer Städte, in die Kirchen, Beratungsräume, Gerichtshöfe; er verwirrt, täuscht, verführt und richtet überall Männer, Frauen und Kinder an Leib und Seele zugrunde, er löst Familien auf, sät Haß, Neid, Streit, Empörung und Mord. Und die Christenheit scheint diese Dinge zu betrachten, als hätte Gott sie angeordnet und als müßten sie so sein.

Satan versucht beständig Gottes Volk zu überwinden, indem er die Schranken, die es von der Welt trennen, niederreißt. Die Israeliten des Alten Bundes wurden zur Sünde verleitet, als sie es wagten, mit den Heiden verbotenen Umgang zu pflegen. In ähnlicher Weise wird das Israel der Neuzeit irregeleitet. Es hat „der Gott dieser Welt der Ungläubigen Sinn verblendet, daß sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Klarheit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes“. 2.Korinther 4,4. Alle, die nicht entschiedene Nachfolger Christi sind, sind Knechte Satans. In dem verderbten Herzen herrscht Liebe zur Sünde und eine Neigung, sie zu pflegen und zu entschuldigen. In dem erneuerten Herzen dagegen leben Haß und entschlossener Widerstand gegen die Sünde. Begeben sich Christen in die Gesellschaft der Gottlosen und Ungläubigen, setzen sie sich der Versuchung aus. Satan verbirgt sich ihren Blicken und zieht heimlich seinen trügerischen Deckmantel über ihre Augen. Sie können nicht erkennen, daß eine solche Gesellschaft bestimmt ist, ihnen Schaden zuzufügen. Während sie sich in ihrem Charakter, in ihren Worten und Taten der Welt ständig mehr angleichen, nimmt ihre Verblendung zu.

Indem sich die Kirche weltlichen Gebräuchen anpaßt, bekehrt sie sich zur Welt; niemals aber bekehrt sie dadurch die Welt zu Christus. Vertrautheit mit der Sünde läßt diese unvermeidlich weniger abschreckend erscheinen. Wer mit den Knechten Satans verkehrt, wird bald aufhören, deren Meister zu fürchten. Werden wir auf dem Wege der Pflicht in Versuchungen gebracht, wie Daniel am Hofe des Königs Nebukadnezar, so können wir sicher sein, daß Gott uns beschützt; begeben wir uns aber selbst in Versuchung, werden wir früher oder später fallen.

Der Versucher wirkt oft höchst erfolgreich durch diejenigen, die am wenigsten verdächtig sind, unter seiner Herrschaft zu stehen. Begabte und gebildete Menschen werden bewundert und geehrt, als könnten diese Eigenschaften den Mangel an Gottesfurcht aufwiegen oder auf Gottes Gunst Anspruch erheben. Bildung und Begabung sind an sich Gaben Gottes; werden sie aber an die Stelle der Frömmigkeit gesetzt, wenden sie die Seele von ihm ab, statt sie näher zu Gott zu bringen, dann werden sie den Menschen Fluch und Fallstrick. Bei vielen herrscht die Meinung, Höflichkeit oder feine Lebensart müsse in einem gewissen Sinne die Zugehörigkeit zu Christus bekunden. Kein Irrtum kann größer sein. Diese Eigenschaften sollten den Charakter jedes Christen zieren und würden einen gewaltigen Einfluß zugunsten wahrer Religion ausüben; aber sie müssen Gott geweiht sein, sonst sind sie eine Macht zum Bösen. Mancher Gebildete von gefälligem Benehmen, der sich zu nichts herablassen würde, was gewöhnlich als eine unsittliche Handlung betrachtet wird, ist nur ein auf Glanz geschliffenes Werkzeug in den Händen Satans. Der heimtückische, trügerische Charakter seines Einflusses und Beispiels macht ihn zu einem gefährlicheren Feind der Sache Christi als die Unwissenden und Ungebildeten sein können.

Durch ernstes Gebet und durch Vertrauen auf Gott erlangte Salomo die Weisheit, die das Erstaunen und die Bewunderung der Welt erregten. Als er sich aber von der Quelle seiner Stärke abwandte und, auf sich selbst vertrauend, vorwärts ging, fiel er der Versuchung zum Opfer, und die diesem weisesten der Könige gewährten wunderbaren Gaben ließen ihn nur zu einem wirksameren Werkzeug des Seelenfeindes werden.

Während Satan beständig die Gemüter dieser Tatsache gegenüber zu verschließen sucht, sollten die Christen nie vergessen, daß sie nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen haben, „sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“. Epheser 6,12. Die von Gott eingegebene Warnung klingt durch die Jahrhunderte bis an unsere Ohren: „Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen er verschlinge.“ 1.Petrus 5,8. „Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels.“ Epheser 6,11.

Von den Tagen Adams an bis in unsere Zeit hat unser gewaltiger Feind seine Macht ausgeübt, um zu unterdrücken und zu verderben. Jetzt bereitet er sich auf den letzten großen Feldzug gegen die wahre Gemeinde vor. Alle, die Jesus nachfolgen, werden mit diesem hartnäckigen Feind zusammentreffen. Je sorgfältiger der Christ dem göttlichen Beispiel folgt, desto sicherer wird er ein Ziel der Angriffe Satans sein. Alle, die für Gott wirken, die danach trachten, die Täuschungen des Bösen aufzudecken und den Menschen Christus vor Augen zu führen, können mit in das Zeugnis des Apostels Paulus einstimmen, in dem er davon spricht, dem Herrnin aller Demut des Geistes zu dienen mit vielen Tränen und Anfechtungen.

Satan bestürmte Christus mit den heftigsten und listigsten Versuchungen; aber er wurde bei jedem Treffen zurückgeschlagen. Jene Kämpfe wurden unsertwegen ausgetragen; jene Siege ermöglichen es uns, zu überwinden. Christus will allen Kraft geben, die danach verlangen. Kein Mensch kann ohne seine eigene Zustimmung von Satan überwunden werden. Der Versucher hat keine Macht, den Willen zu beherrschen oder die Seele zur Sünde zu zwingen. Er mag peinigen, aber er kann nicht beschmutzen. Er kann Seelenangst verursachen, aber keine Verunreinigung.Die Tatsache, daß Christus überwunden hat, sollte seine Nachfolger mit Mut erfüllen, mannhaft gegen Satan und die Sünde zu kämpfen.“
Ellen G. White, Der große Kampf – 1973, Kapitel 30: Feindschaft zwischen dem Menschen und Satan, S. 502-507

Die Wirksamkeit der bösen Geister!

„Die Verbindung der sichtbaren mit der unsichtbaren Welt, der Dienst der Engel Gottes und die Wirksamkeit der bösen Geister werden in der Bibel deutlich offenbart und sind untrennbar mit der menschlichen Geschichte verwoben. Man neigt immer mehr dazu, die Existenz böser Geister anzuzweifeln, während die heiligen Engel, welche sind „ausgesandt zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit“ (Hebräer 1,14), von vielen als die Geister der Verstorbenen angesehen werden. Doch die Schrift lehrt nicht nur das Dasein guter und böser Engel, sondern bringt auch unbezweifelbare Beweise, daß diese nicht die entkörperten Geister toter Menschen sind.

Schon vor der Erschaffung des Menschen gab es Engel; denn als die Gründe der Erde gelegt wurden, lobten „mich (Gott) die Morgensterne miteinander … und jauchzten alle Kinder Gottes“. Hiob 38,7. Nach dem Sündenfall wurden Engel ausgesandt, um den Baum des Lebens zu bewachen, und dies geschah, noch ehe ein Mensch gestorben war. Die Engel stehen von Natur aus höher als die Menschen; denn der Psalmist sagt, der Mensch sei „ein wenig unter die Engel erniedrigt“. Psalm 8,6.

Die Schrift gibt uns Aufschluß über die Zahl, die Macht und die Herrlichkeit der himmlischen Wesen sowie über ihre Verbindung zur Regierung Gottes und auch über ihr Verhältnis zum Erlösungswerk „Der HERR hat seinen Stuhl im Himmel bereitet, und sein Reich herrscht über alles.“ Und der Prophet sagt: „Ich … hörte eine Stimme vieler Engel um den Stuhl.“ Sie stehen in der Gegenwart des Königs aller Könige, starke Helden, die seine Befehle ausrichten und auf die Stimme seines Wortes hören. Psalm 103,19; Offenbarung 5,11. Tausendmal tausend und zehntausend mal zehntausend zählte die Schar der himmlischen Boten, die der Prophet Daniel sah. Der Apostel Paulus erklärte, ihrer seien „Myriaden“, eine Unzahl. Daniel 7,10; Hebräer 12,22. Sie ziehen dahin als Boten Gottes, verwirrend in ihrer Herrlichkeit und in ihrem Flug so schnell „wie der Blitz“. Hesekiel 1,14. Beim Anblick des Engels, der am Grabe Christi erschien und dessen „Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß wie Schnee“, erschraken die Wächter vor Furcht und „wurden, als wären sie tot“. Matthäus 28,3.4. Als Sanherib, der hochmütige Assyrer, Gott schmähte und lästerte und Israel mit Verderben drohte, fuhr „in derselben Nacht aus der Engel des HERRN und schlug im Lager von Assyrien 185.000 Mann“. „Der vertilgte alle Gewaltigen des Heeres und Fürsten und Obersten im Lager des Königs von Assyrien (Sanherib), daß er mit Schanden wieder in sein Land zog.“ 2.Könige 19,35; 2.Chronik 32,21.

Es werden Engel mit Aufträgen der Barmherzigkeit zu den Kindern Gottes gesandt: zu Abraham mit Verheißungen des Segens; an die Tore Sodoms, um den gerechten Lot vor der Vernichtung der Stadt durch Feuer zu erretten; zu Elia, als er vor Ermattung und Hunger in der Wüste beinahe verschmachtete; zu Elisa mit feurigen Wagen und Rossen um die kleine Stadt herum, in der er von seinen Feinden eingeschlossen war; zu Daniel, als er am Hofe eines heidnischen Königs nach göttlicher Weisheit suchte und auch als er den Löwen vorgeworfen wurde; zu Petrus, als er zum Tode verurteilt in Herodes‘ Gefängnis lag; zu den Gefangenen in Philippi; zu Paulus und seinen Gefährten in der stürmischen Nacht auf dem Meer; zu Kornelius, um sein Gemüt für das Evangelium zu öffnen; zu Petrus, um ihn mit der Botschaft des Heils zu dem heidnischen Fremdling zu senden: auf diese Weise haben heilige Engel zu allen Zeiten dem Volke Gottes gedient.

Jedem Nachfolger Christi ist ein Schutzengel zur Seite gestellt. Diese himmlischen Hüter beschirmen die Gerechten vor der Macht des Bösen. Dies erkannte selbst Satan; denn er sagte: „Meinst du, daß Hiob umsonst Gott fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher verwahrt.“ Hiob 1,9.10. Der Psalmist schildert uns die Art und Weise, wie der HERR sein Volk beschützt: „Der Engel des HERRN lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus.“ Psalm 34,8. Als der Heiland von denen redete, die an ihn glauben, sagte er: „Sehet zu, daß ihr nicht jemand von diesen Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel.“ Matthäus 18,10. Die zum Dienst für die Kinder Gottes bestimmten Engel haben allezeit Zugang zu ihm.

So kann Gottes Volk, obwohl es der betrügerischen Macht und der nie erlahmenden Bosheit des Fürsten der Finsternis ausgesetzt ist und mit allen Gewalten des Bösen im Kampf steht, des immerwährenden Schutzes der himmlischen Engel sicher sein, und diese Gewißheit tut ihm auch not. Gott verhieß seinen Kindern darum Gnade und Schutz, weil sie mit mächtigen Werkzeugen des Bösen zusammentreffen würden, mit zahlreichen, entschlossenen und unermüdlichen Helfern Satans, vor deren Bosheit und Macht gewiß keiner unwissend oder verschont bleibt.

Die ursprünglich sündlos erschaffenen bösen Geister waren ihrer Natur, ihrer Macht und Herrlichkeit nach den heiligen Wesen gleich, die jetzt Gottes Boten sind. Doch gefallen durch die Sünde, sind sie miteinander verbündet, Gott zu schmähen und die Menschen zu verderben. Mit Satan bei seiner Empörung vereint und mit ihm aus dem Himmel verstoßen, haben sie während der ganzen folgenden Zeit mit ihm in seinem Streit wider die göttliche Gewalt zusammengewirkt. Die Heilige Schrift spricht von ihrem Bündnis, ihrer Führung und ihren verschiedenen Ordnungen, von ihren Fähigkeiten, ihrer Verschlagenheit und ihren heimtückischen Anschlägen gegen den Frieden und das Glück der Menschen.

Die alttestamentliche Geschichte erwähnt gelegentlich das Dasein und die Wirksamkeit böser Geister; besonders während der Zeit, als Christus auf Erden lebte, bekundeten diese ihre Macht in höchst auffallender Weise. Christus war gekommen, um den für die Erlösung der Menschheit entworfenen Plan auszuführen, und Satan war entschlossen, sein vermeintliches Recht, die Welt zu beherrschen, geltend zu machen. Es war ihm gelungen, in allen Teilen der Erde, außer in Palästina, Abgötterei einzuführen. Zu diesem einzigen Land, das sich nicht völlig der Herrschaft des Versuchers ergeben hatte, kam Christus, um dem Volke das Licht des Himmels scheinen zu lassen. Hier beanspruchten zwei gegeneinander wetteifernde Mächte die Oberherrschaft. Jesus streckte seine Arme der Liebe aus und lud alle ein, in ihm Vergebung und Frieden zu finden. Die Scharen der Finsternis sahen, daß sie keine unbeschränkte Macht besaßen, und erkannten, daß ihre Herrschaft, falls Christi Mission erfolgreich war, bald enden müßte. Satan wütete gleich einem gefesselten Löwen und stellte herausfordernd seine Macht über die Leiber und über die Seelen der Menschen zur Schau.

Die Tatsache, daß Menschen von bösen Geistern besessen gewesen sind, spricht das Neue Testament klar aus. Die auf diese Weise gequälten Menschen waren nicht nur aus natürlichen Ursachen krank. Christus hatte vollkommenes Verständnis für die vorliegenden Fälle und erkannte die unmittelbare Gegenwart und Wirksamkeit böser Geister.

Ein treffliches Beispiel von ihrer Zahl, Macht und Bösartigkeit, aber auch von der Kraft und Barmherzigkeit Christi wird uns in dem biblischen Bericht von der Heilung der Besessenen in Gadara gegeben. Jene unglücklichen Wahnsinnigen, die alle Hemmungen von sich warfen, krümmten sich, schäumten und rasten, erfüllten die Luft mit ihrem Geschrei, taten sich selbst Gewalt an und gefährdeten alle, die sich ihnen nähern wollten. Ihre blutenden und entstellten Körper und ihr verwirrter Verstand boten dem Fürsten der Finsternis einen wohlgefälligen Anblick. Einer der bösen Geister, die die Leidenden beherrschten, erklärte „Legion heiße ich; denn wir sind unser viele.“ Markus 5,9. Im römischen Heer zählte eine Legion drei- bis fünftausend Mann. Satans Heere sind ebenfalls in Abteilungen aufgeteilt, und die Schar, zu der diese Dämonen gehörten, zählte nicht weniger als eine Legion.

Auf Jesu Befehl verließen die bösen Geister ihre Opfer, die sich ruhig, untertänig, verständnisvoll und friedlich zu des Heilandes Füßen setzten. Den Dämonen aber wurde gestattet, eine Herde Säue in den See zu stürzen. Für die Einwohner in Gadara überwog dieser Verlust die von Jesus gewährten Segnungen, und der göttliche Arzt wurde ersucht, von dannen zu gehen. Dies war der Erfolg, den Satan erreichen wollte. Indem er die Schuld für den Verlust Jesus zuschrieb, erweckte er die selbstsüchtigen Befürchtungen der Leute und hinderte sie, dessen Worten zu lauschen. Satan klagt die Christen beständig an, sie seien die Ursache von Verlusten, Unglück und Leiden, anstatt den Vorwurf dorthin zur richten, wohin er gehört: auf sich selbst und seine Werkzeuge.

Aber Jesu Absichten wurden nicht vereitelt. Er gestattete den bösen Geistern, die Herde Säue zugrunde zu richten als Vorwurf gegen jene Juden, die diese unreinen Tiere um des Gewinnes willen gezüchtet hatten. Hätte Christus die Dämonen nicht zurückgehalten, so würden sie nicht nur die Schweine, sondern auch deren Hüter und Eigentümer in den See gestürzt haben. Daß beide, der Hüter und der Eigentümer, bewahrt blieben, war nur seiner Macht zu verdanken, mit der er sich barmherzig für deren Errettung eingesetzt hatte. Ferner sollten die Jünger durch dieses Ereignis die grausame Macht Satans über Menschen und über Tiere sehen. Der Heiland wünschte, daß seine Nachfolger den Feind genau kennen sollten, dem sie gegenübertreten mußten, damit sie dessen List nicht täuschen und überwinden möchte. Es war auch sein Wille, den Bewohnern jener Gegend seine Kraft zu zeigen, die die Fesseln Satans bricht und seine Gefangenen befreit. Und wenn Jesus auch selber von dannen ging, so blieben doch die so wunderbar befreiten Männer zurück, um die Barmherzigkeit ihres Wohltäters zu verkündigen.

Die Heilige Schrift berichtet noch andere Beispiele ähnlicher Art. Die Tochter des syrophönizischen Weibes wurde von einem Teufel übel geplagt, den Jesus durch sein Wort austrieb. Markus 7,26-30. „Ein Besessener, der war blind und stumm“ (Matthäus 12,22); ein Jüngling, der einen stummen Geist hatte, der ihn oft „in Feuer und Wasser geworfen, daß er ihn umbrächte“ (Markus 9,17-27); der Wahnsinnige, der von „einem unsauberen Teufel“ (Lukas 4,33-36) gequält, die Sabbatruhe der Schule zu Kapernaum störte, sie alle wurden von dem barmherzigen Heiland geheilt. Fast jedes mal redete Jesus den bösen Geist als ein verständiges Wesen an und befahl ihm, aus seinem Opfer auszufahren und es nicht mehr zu quälen. Als die Anbetenden zu Kapernaum seine gewaltige Macht sahen, „kam eine Furcht über sie alle, und sie redeten miteinander und sprachen: Was ist das für ein Ding? Er gebietet mit Macht und Gewalt den unsauberen Geistern, und sie fahren aus“. Lukas 4,33-36.

Die von Teufeln Besessenen werden meist so dargestellt, als hätten sie ungewöhnlich viel zu leiden, doch gab es auch Ausnahmen von dieser Regel. Um übernatürliche Macht zu erlangen, hießen manche den satanischen Einfluß willkommen. Diese hatten natürlich keinen Kampf mit den bösen Geistern zu bestehen. Zu ihnen gehörten die, welche den Geist des Wahrsagens besaßen: Simon Magus, Elymas der Zauberer und die Magd, die Paulus und Silas zu Philippi nachlief.

Keiner steht in größerer Gefahr, dem Einfluß böser Geister zu erliegen, als der, welcher ungeachtet des bestimmten und umfassenden Zeugnisses der Heiligen Schrift das Dasein und die Wirksamkeit des Teufels und seiner Engel leugnet. Solange wir ihrer List unkundig sind, haben sie einen fast unbegreiflichen Vorteil; viele achten auf ihre Einflüsterungen, während sie meinen, daß sie den Eingebungen ihrer eigenen Weisheit folgen. Weil wir uns dem Ende der Zeit nähern, da Satan mit größter Macht wirken wird, um uns zu betrügen und zu verderben, streut er überall die Meinung aus, daß es ihn überhaupt nicht gebe. Es ist seine listige Methode, sich und eine Wirkungsweise zu verbergen.

Nichts fürchtet der große Betrüger so sehr, als daß wir mit seinen Plänen bekannt werden. Um seinen wahren Charakter und seine Absichten besser zu tarnen, ließ er sich so darstellen, daß sein Name keine stärkere Erregung als Spott oder Verachtung erweckte. Es gefällt ihm sehr wohl, sich als ein lächerliches oder abscheuliches Wesen, als Ungestalt, halb Tier, halb Mensch, abgebildet zu sehen. Es ist ihm angenehm, seinen Namen in Spaß und Spott von denen nennen zu hören, die sich selbst für verständig und wohlunterrichtet halten.

Weil er sich mit größter Geschicklichkeit verstellt hat, erhebt sich so häufig die Frage: Ist solch ein Wesen wirklich vorhanden? Es ist ein Beweis seines Erfolges, daß man Ansichten, die von den deutlichsten Zeugnissen der Heiligen Schrift Lügen gestraft werden, in der religiösen Welt so allgemein annimmt. Und weil Satan die Gemüter, die sich seines Einflusses unbewußt sind, so leicht beherrscht, gibt Gottes Wort viele Beispiele von seinem boshaften Wirken und enthüllt seine geheimen Kräfte, damit wir uns vor seinen Angriffen in acht nehmen.

Die Macht und Bosheit Satans und seiner Scharen könnten uns mit Recht beunruhigen, wenn wir nicht Zuflucht und Befreiung in der überlegenen Macht unseres Erlösers fänden. Unsere Häuser sichern wir sorgfältig mit Riegeln und Schlössern, um unser Eigentum und unser Leben vor bösen Menschen zu schützen, denken aber selten an die bösen Engel, die ständig Zugang zu uns suchen und gegen deren Angriffe wir uns aus eigener Kraft nicht verteidigen können. Falls es ihnen erlaubt wird, können sie unseren Geist verwirren, den Körper krank machen und quälen, unser Besitztum zerstören und unser Leben vernichten. Ihre einzige Freude ist Elend und Verderben. Schrecklich ist der Zustand derer, die sich dem Einfluß Gottes entziehen und den Versuchungen Satans nachgeben, bis Gott sie der Herrschaft der bösen Geister überläßt. Die aber Christus nachfolgen, sind unter seiner Obhut stets sicher. Starke Engel werden vom Himmel gesandt, sie zu beschützen. Der Böse kann die Schutzwache nicht durchbrechen, die Gott um sein Volk gestellt hat.“
Ellen G. White, Der große Kampf – 1973, Kapitel 31: Die Wirksamkeit der bösen Geister, S. 502-507

Die Fallstricke Satans!

Während sich das Volk Gottes den Gefahren der letzten Tage nähert, berät sich Satan ernsthaft mit seinen Engel für den erfolgreichsten Plan um deren Glauben zu stürzen. Er erkennt, dass die populären Kirchen durch seine verführerische Macht
bereits in den Schlaf eingelullt sind. Durch gefällige Sophistereien und
lügnerischen Wundern, kann er darin fortfahren, diese unter seiner Kontrolle zu halten. Deswegen befiehlt er seinen Engeln Fallstricke besonders für jene auszulegen, welche den zweiten Advent Christi erwarten und versuchen alle Gebote Gottes zu halten.
Der Große Versucher sagt: „Wir müssen auf jene achten, welche die Aufmerksamkeit des Volkes auf den Sabbat von Jehova leiten wollen; diese werden viele dazu bringen, den Anspruch des Gesetzes Gottes zu erkennen. Dasselbe Licht, welches den wahren Sabbat zeigt, offenbart auch den Dienst Christi im himmlischen Heiligtum und zeigt, dass das letzte Werk für die Erlösung des Menschen nun voranschreitet. Haltet den Geist des Volkes in Finsternis bis das Werk beendet ist und wir werden uns der Welt als auch der Kirche sicher sein können!“
„Der Sabbat ist die große Frage welches über das Schicksal der Seelen entscheidet. Wir müssen den Sabbat, den wir erschaffen haben erheben. Wir schafften es, dass er sowohl von den weltlichen als auch von den kirchlichen Menschen akzeptiert wird. Nun muss die Kirche dazu gebracht werden, dass sie sich mit der Welt und deren Unterstützung vereinigt. Wir müssen mit Zeichen und Wundern wirken, sodass wir ihre Augen für die Wahrheit blenden, sie dazu
bringen Vernunft und Gottesfurcht zu verwerfen und Gebräuchen und Traditionen folgen.“

„Ich werde beliebte Prediger beeinflussen, sodass sie die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer von den Geboten Gottes ablenken. Dass, was die Schrift als das perfekte Gesetz der Freiheit bezeichnet, soll als ein Joch mit Fesseln dargestellt werden. Das Volk akzeptiert die Erklärungen der Schrift von ihren Predigern und erforscht es nicht für sich selbst. Deswegen, indem ich durch die Prediger wirke, kann ich das Volk nach meinem Willen kontrollieren.“
„Doch unsere wichtigste Sorge ist, diese Sekte der Sabbathalter zum Schweigen zu bringen. Wir müssen allgemeine Verachtung für diese anregen. Wir werden auf unserer Seite große Männer und Weise aus der Welt anstellen und jene mit Autorität verführen, unsere Absichten auszuführen. Dann soll der Sabbat, den ich erschaffen habe, durchgesetzt werden mit den härtesten und strengsten Gesetzen. Jene, welche ihn nicht achten, sollen aus den Städten und Dörfern vertrieben werden und sollen Hunger und Entbehrungen erleiden. Wenn wir einst die Macht haben werden, werden wir zeigen, was wir mit jenen tun, welche nicht von ihrer Treue zu Gott abweichen. Wir brachten die Römische Kirche dazu, Gefängnis, Marter und Tod über jene zu bringen, welche sich weigerten, sich ihren Erlässen zu unterwerfen. Nun, da wir jetzt die Protestantische Kirche und die Welt in Harmonie mit dem rechten Arm unserer Macht bringen, werden wir endlich ein Gesetz haben, all jene zu töten, welche sich nicht unserer Autorität beugen. Wenn der Tod zur Strafe gemacht wird für die Übertretung unseres Sabbats, dann werden viele, welche sich mit den Bewahrern der Gebote verbunden haben, auf unsere Seite überlaufen.“
„Doch bevor wir zu solch extremen Maßnahmen voranschreiten, müssen wir all unsere Weisheit und List aufbringen, um jene zu verführen und einzufangen, welche den wahren Sabbat ehren. Wir können viele durch Weltlichkeit, Lust und Stolz von Christus trennen. Sie mögen sich in Sicherheit wähnen, da sie an die Wahrheit glauben, doch durch das Nachgeben ihres Appetits oder der niederen Gelüste, welches ihr Urteil trübt und ihren Scharfsinn zerstört, werden wir ihren Fall verursachen.“

„Geht, macht die Besitzer von Grund und Geld betrunken mit den Sorgen dieses Lebens. Zeigt ihnen die Welt im schönsten Licht, auf dass sie ihre Schätze hier lagern und ihre Liebe zu irdischen Dingen binden. Wir müssen unser Möglichstes tun, um jene, welche das Werk Gottes tun, keine Mittel erlangen zu lassen, welche sie gegen uns einsetzen können. Haltet das Geld in unseren eigenen Reihen. Je mehr Mittel sie erhalten, desto mehr werden sie unserem Königreich schaden, indem sie unser Eigentum von uns nehmen. Bringt sie dazu, sich mehr um das Geld zu sorgen, denn für die Errichtung des Königreichs Christi und die Verbreitung der Wahrheit die wir hassen und wir müssen ihren Einfluss nicht fürchten. Denn wir wissen, dass jede selbstsüchtige und begehrliche Person unter unsere Macht fallen wird und letztendlich von Gottes Volk getrennt wird.“
„Durch jene, welch eine gewisse Form von Gottesfurcht haben, aber die Macht nicht erkennen, können wir viele gewinnen, welche uns ansonsten großen Schaden angetan hätten. Jene, welche die Lust mehr lieben als Gott, werden unsere effektivsten Helfer sein. Jene, von dieser Sorte, welche begabt und intelligent sind, werden uns als Köder dienen um andere in unsere Fallschlingen zu locken. Viele werden deren Einfluss nicht fürchten, da sie sich zum selben Glauben bekennen. So werden wir sie dazu bringen, dass sie daraus schlussfolgern, dass die Anforderungen Christi weniger strikt sind, als sie einst glaubten und dass sie sich durch Anpassung an die Welt besseren Einfluss über die Weltlichen ausüben könnten. Auf diese Weise werden wir sie von Christus trennen; dann werden sie keine Kraft haben, unserer Macht zu widerstehen und letztendlich werden sie bereit sein, ihren früheren Eifer und ihre Hingabe ins Lächerliche ziehen.“

„Bis unser großer entscheidender Schlag herabkommt, müssen unsere Bemühungen gegen die Sabbathalter unermüdlich sein. Wir müssen in all ihren Zusammenkünften zugegen sein. In ihren großen Versammlungen wird unsere Sache viel erleiden und wir müssen äußerste Wachsamkeit ausüben und uns unserer verführerischsten Kunst bedienen, um Seelen daran zu hindern, die Wahrheit zu hören und von ihr geprägt zu werden.“
„Ich werde unter ihnen Menschen als meine Agenten haben, welche falsche Lehren mit gerade genug Wahrheit vermischen, um Seelen zu verführen. Ich werde auch Ungläubige unter ihnen anwesend sein lassen, welche ihre Zweifel betreffend der Warnungen des Herrn an seine Kirche zum Ausdruck bringen werden. Wenn das Volk diese Warnungen liest und daran glaubt, besteht nur geringe Hoffnung, sie zu überwinden. Doch wenn wir ihre Aufmerksamkeit von diesen Warnungen ablenken können, werden sie in Unwissenheit bleiben über unsere Macht und List und sie werden letztendlich in unseren Reihen verbleiben. Gott wird es nicht erlauben, dass sein Wort straflos geschmäht wird. Wenn wir die Seelen für eine gewisse Zeit verführen können, wird Gottes Gnade zurückgezogen werden und er wird sie unserer vollkommenen Kontrolle überlassen.“
„Wir müssen Verwirrung und Zwiespalt verursachen. Wir müssen die Sorge für deren eigene Seelen zerstören und sie dazu bringen, einander zu kritisieren, zu richten, zu beschuldigen und zu verurteilen, und Selbstsucht und Feindschaft zu erhalten. Wegen dieser Sünden verbannte uns Gott vor seinem Angesicht und alle, welche unserem Beispiel folgen, werden ein ähnliches Schicksal erleiden.“

Die Schrift erklärt, dass bei einer Gelegenheit, als die Engel Gottes kamen, um vor dem Herrn zu stehen, Satan auch unter ihnen war, nicht um sich vor dem Ewigen König zu beugen, sondern um seine bösen Absichten gegen die Gerechten vorzubringen. Mit dieser selben Absicht wohnt er den Versammlungen der Menschen bei, wenn sie Gott verehren. Obwohl nicht sichtbar, wirkt er mit allem Fleiß daran, die Gemüter der Anbeter zu kontrollieren. Wie ein geschickter General legt er seine Pläne aus. Wenn er den Boten Gottes sieht wie dieser die Schrift erforscht, erkennt er den Punkt, der dem Menschen zum Verständnis werden soll. Dann benutzt er all seine Verschlagenheit und Schlauheit um die Umstände derart zu kontrollieren, dass die Botschaft nicht jene erreicht, die er gerade in diesen einen Punkt zu verführen trachtet. Derjenige, der die Warnung am meisten benötigt, wird in eine geschäftliche Transaktion gedrängt werden, welche seine Anwesenheit erfordert oder er wird durch irgendetwas anderes daran gehindert werden, die Worte zu hören, welche sich für ihn als Geruch des Lebens zum Leben erweisen könnte.

Und wiederum, Satan sieht, dass die Diener des Herrn beladen sind wegen der geistigen Finsternis, welches das Volk umgibt. Er hört ihre ernsthaften Gebete um göttliche Gnade und Kraft, um den Bann der Gleichgültigkeit, der Sorglosigkeit und Trägheit zu durchbrechen. Dann, mit neuerlichem Eifer benutzt er seine Kunst. Er versucht die Menschen, ihrem Appetit nachzugeben oder irgendeiner anderen Form der Selbstbefriedigung nachzugeben um so ihre Sinne zu betäuben, sodass sie daran scheitern, dass zu hören, was sie am meisten benötigen, zu erlernen.
Satan weiß sehr wohl, dass alle, welche er dazu bringen kann, das Gebet und die Erforschung der Schrift zu vernachlässigen, durch seine Angriffe überwunden werden können. Deswegen ersinnt er alle möglichen Mittel um den Geist zu beschäftigen. Es hat schon immer eine Klasse gegeben, welche Gottesfurcht vorgaben und anstatt nachzufolgen, um die Wahrheit zu erkennen, es zu ihrer Religion gemacht haben an anderen nach Fehlern im Charakter oder nach Irrtümern des Glaubens zu suchen an jenen, mit welchen sie nicht übereinstimmen. Solche Gehilfen sind Satans rechte Hand. Die Beschuldiger der Brüder sind nicht wenige und sie sind immer dann aktiv, wenn Gott am Wirken ist und seine Diener ihm wahre Verehrung zollen. Diese werfen ein falsches Licht auf die Worte und Taten von jenen, welche die Wahrheit lieben und ihr gehorchen. Sie werden die ernsthaftesten, eifrigsten und selbstlosesten Diener Christi als verführt oder als Verführer darstellen. Es ist ihre Arbeit, die Motive einer jeden wahren und noblen Tat falsch darzustellen, Anspielungen zu verbreiten und so Misstrauen in den Gemütern der Unerfahrenen zu erwecken. Auf jede erdenkliche Art werden sie danach trachten, dass das, was rein und rechtschaffen ist als verdorben und betrügerisch betrachtet wird. In diesem Werk haben diese Agenten des Satans die Hilfe ihres Herrn und seiner Engel.

Doch keiner muss darin getäuscht werden. Es kann leicht erkannt werden, wessen Kinder sie sind, wessen Beispiel sie folgen und wessen Werk sie tun. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Matthäus 7; 16. Sie ähneln Satan sehr, dem giftigen Verleumder, dem Beschuldiger der Brüder.
Es ist Satans Plan, unaufrichtige und nicht erneuerte Elemente in die Kirche zu bringen, welche zu Zweifel und Unglauben ermutigen und all jene daran hindern, die Gottes Werk vorankommen sehen wollen und mit ihm vorankommen wollen. Viele, die keinen wirklichen Glauben in Gott oder in sein Wort haben, pflichten einigen Grundsätzen der Wahrheit bei und können so als Christen gelten. Auf diese Weise wird es ihnen ermöglicht, ihre Irrlehren als Grundsätze der Schrift zu darzulegen.

Die Meinung, dass es keinerlei Konsequenz hat, woran Menschen glauben, ist eines von Satans erfolgreichsten Täuschungen. Er weiß, dass die Wahrheit, empfangen in Liebe zu ihr, die Seele des Empfängers heiligt. Deswegen ist er ständig daran, sie mit falschen Theorien, Märchen und anderen Evangelien zu ersetzen. Von Anfang an kämpften die Diener des Herrn gegen falsche Lehrer, die nicht nur bösartige Menschen sondern auch Präger von Irrlehren waren, welche für die Seele fatal waren. Elias, Jeremia, Paulus, standen fest und furchtlos gegen jene, welche die Menschen vom Wort Gottes abwandten. Diese Freiheit, welche einen korrekten Glauben als unwichtig darstellt, fand keinerlei Gunst bei diesen heiligen Verteidigern der Wahrheit.

Die wagen und fantasievollen Auslegungen der Schrift und die vielen sich widersprechenden Theorien über den religiösen Glauben, welche in der christlichen Welt gefunden werden können, sind das Werk unseres großen Feindes, um die Gemüter derart zu verwirren, damit sie nicht die Wahrheit erkennen mögen. Die Zwietracht und Uneinigkeit, welche unter den Kirchen des Christentums herrscht, rührt zu einem großen Teil von dem vorherrschenden Brauch, die Schrift derart zu verdrehen, um eine favorisierte Theorie zu unterstützen. Anstatt sorgfältig Gottes Wort mit Demut im Herzen zu studieren, um die Erkenntnis seines Willens zu erhalten, trachten viele nur danach etwas Außergewöhnliches oder Originelles zu entdecken.
Um irrige Lehren oder unchristliche Praktiken zu untermauern, nehmen sie sich Passagen aus der Schrift hervor, aus dem Zusammenhang gerissen, möglicherweise den halben Teil eines einzigen Verses zitierend, um so ihren Standpunkt zu beweisen, wenn doch der übrige Teil genau das Gegenteil ihrer Deutung aufzeigen würde. Mit der List einer Schlange verschanzen sie sich selbst hinter Äußerungen, die aus dem Zusammenhang genommen, derart aufgebaut werden, um ihren fleischlichen Wünschen zu entsprechen. (343) So pervertieren viele mutwillig das Wort Gottes. Andere welche eine rege Fantasie haben, nehmen Figuren und Symbole aus der Heiligen Schrift, interpretieren sie die ihrer eigenen Einbildung entspricht, ohne darauf zu achten, dass sich die Heilige Schrift selbst auslegt und so präsentieren sie ihre eigenen vagen Aussagen als die Lehren des Wortes Gottes.

Wann auch immer das Studium der Schrift ohne einen bittenden, demutsvollen und belehrbaren Geist angefangen wird, werden die einfachsten, simpelsten als auch die allerschwierigsten Passagen ihrer wahren Bedeutung entrissen. Die päpstlichen Führer suchen jene Teile der Schrift hervor, die ihren Absichten am Besten dienen, interpretieren sie dermaßen, dass es zu ihren Gunsten ist und bringen es dann dem Volk vor, während sie ihnen das Privileg verweigern, die Bibel zu studieren und deren heiligen Wahrheiten für sich selbst zu erkennen. Solange nicht die gesamte Bibel dem Volk so gegeben wird, wie sie gelesen werden sollte, wäre es besser, diese überhaupt nicht zu haben.

Die Bibel war geschaffen worden als Anleitung für all jene, die sich vertraut machen wollen mit den Willen ihres Schöpfers. Gott gab den Menschen das sichere Wort der Prophezeiung; Engel und sogar Christus selbst kamen, um Daniel und Johannes die Erkenntnis über die Ereignisse zu geben, welche in Kürze geschehen würden. Diese wichtigen Angelegenheiten, welche unsere Erlösung betreffen, waren nicht an ein Mysterium gebunden. Sie wurden nicht auf solche Art offenbart, um den wahren Suchenden der Wahrheit zu verwirren und ihn in die Irre zu führen. Der Herr sprach zum Propheten Habakuk: „Schreib auf, was du geschaut hast, deutlich auf eine Tafel, dass es lesen könne, wer vorüber läuft.“ Habakuk 2; 2. Das Wort Gottes ist einfach für jene, welche es mit einem Herzen, in Gebet versunken, studieren. Jede wahrhaft aufrichtige Seele wird zum Licht der Wahrheit gelangen. „Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen.“ Psalm 97; 11. Keine Kirche kann Fortschritte in ihrer Heiligkeit machen, es sei denn ihre Mitglieder suchen ernsthaft nach der Wahrheit, wie nach einem verborgenen Schatz.

Durch den Schrei von Freiheit, sind die Menschen geblendet für Einfälle ihres Feindes während dieser die ganze Zeit über ständig daran ist, sein Werk zu vollbringen. Während er erfolgreich daran ist, das Wort Gottes durch menschliche Spekulationen zu verdrängen, wird das Gesetz Gottes fallen gelassen und die Kirchen befinden sich in den Fesseln der Sünde, während sie von sich behaupten, frei zu sein.

Für viele ist die wissenschaftliche Forschung zu einem Fluch geworden; ihre eingeschränkten Geister sind zu schwach, sodass sie ihre Balance verlieren. Sie können ihre Sicht der Wissenschaft nicht in Einklang mit den Aussagen der Schrift bringen und sie denken, dass die Bibel unter deren fälschlicherweise so genannten „Wissenschaft“ geprüft werden muss. So verirren sie sich vom Glauben und werden so vom Teufel verführt. Menschen haben danach getrachtet, weiser zu sein als ihr Schöpfer und sie haben mit menschlichen Philosophien versucht, Geheimnisse zu erforschen und zu ergründen, die in alle Ewigkeit nicht offenbart werden. Wenn die Menschen derart forschen und verstehen würden, was Gott ihnen über sich und seine Absicht zur Erkenntnis gebracht hat, sie würden einen derartigen Blick von Herrlichkeit, Majestät und der Macht Jehova erhalten, dass sie ihre eigene Winzigkeit erkennen würden und sie zufrieden wären mit dem, was ihnen offenbart worden ist für sich und ihre Kinder.

Es ist ein Meisterstück der Täuschung Satans, den Menschen ständig danach suchen und mutmaßen zu lassen, was Gott ihnen nicht zu erkennen gegeben hat, was er nicht beabsichtigt hat, uns verstehen zu lassen. (345) Deswegen wurde selbst Luzifer aus dem Himmel geworfen. Er wurde unzufrieden, weil ihm nicht alle Geheimnisse von Gottes Absicht anvertraut wurden und er dem absolut keine Beachtung schenkte, was ihm offenbart worden war betreffend seines Werkes und der hohen Stellung, die er innehatte. Indem er diese selbe Unzufriedenheit bei den Engeln erweckte die unter seiner Führung standen, verursachte er deren Fall. Nun trachtet er danach, das Gemüt der Menschen mit diesem selben Geist zu erfüllen und sie dazu zu bringen, die direkten Gebote Gottes zu missachten.

Jene, welche nicht willens sind, die einfache, einschneidende Wahrheit der Bibel zu akzeptieren, sind ständig auf der Suche nach gefälligen Fabeln, um ihr Gewissen zu beruhigen. Je weniger geistig, selbstlos und demutsvoll sich diese Lehren darstellen, desto größer ist die Gunst, mit der sie aufgenommen werden. Diese Menschen degradieren ihre intellektuelle Kraft um ihren fleischlichen Gelüsten zu dienen. Zu weise nach ihrem eigenen Gutdünken um das Wort Gottes mit reuiger Seele und ernsthaftem Gebet nach göttlicher Führung zu erforschen, haben sie keinen Schutz vor Selbsttäuschungen. Satan ist bereit, den Wünschen des Herzens gerecht zu werden und er bringt seine Täuschungen anstelle der Wahrheit ein. So gewann auch die Päpstlichkeit ihre Macht über die Gemüter der Menschen und da dies nun mal eine Bürde beinhaltet, haben auch die Protestanten die Wahrheit abgelehnt und folgen nun demselben Pfad. All jene, die das Wort Gottes vernachlässigen um jene Bequemlichkeit und Politik zu erlernen, damit sie nicht im Gegensatz zur Welt stehen, werden der grässlichen Irrlehre überlassen werden, die sie als religiöse Wahrheit anerkennen werden. Der Apostel Paulus spricht von einer Gruppe, welche nicht die Liebe zur Wahrheit hatte, auf dass sie gerettet würden. Er sagt: „Darum sendet ihnen Gott auch kräftige Irrtümer, dass sie glauben der Lüge, auf dass gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern hatten Lust an der Ungerechtigkeit.“ 2. Thessalonicher 2; 11-12. Mit solch einer Warnung vor uns, gehört es sich, wachsam zu bleiben, welche Lehren wir empfangen.

Jeder nur erdenkliche Irrtum wird aufgenommen werden von jenen, die willfährig die Wahrheit verwerfen. Satan hat verschiedene Täuschungen bereit, um verschiedene Gemüter zu erreichen; einige, welche mit Abscheu auf eine Täuschung blicken, werden bereitwillig eine andere empfangen.
Unter den erfolgreichsten Mitteln des großen Betrügers sind die irreführenden Lehren und lügnerischen Wunder des Spiritualismus. Verkleidet als ein Engel des Lichts, breitet er sein Netz aus, wo es am wenigsten erwartet wird. Wenn die Menschen doch nur das Wort Gottes mit ernsthaftem Gebet erforschen würden, um deren Lehren zu verstehen, würden sie nicht in der Finsternis gelassen werden um falsche Lehren zu empfangen. Doch so wie sie die Wahrheit verwerfen, verfallen sie diesen Täuschungen als Beute.

Eine andere gefährliche Ketzerei ist die Verweigerung der Göttlichkeit Christi. Menschen, die kein erfahrungsgemäßes Wissen von Jesus haben, werden jedoch eine Erscheinung von großer Weisheit vermuten, als wäre ihr Urteil über jeden Zweifel erhaben und dreist verkünden, dass der Sohn Gottes vor seiner ersten Ankunft auf dieser Erde nicht existiert hat. Dieser Standpunkt steht im direkten Widerspruch zu den einfachsten Aussagen des Erlösers über sich; und doch wird sie von einer großen Menge an Menschen mit Freuden aufgenommen, welche von sich behaupten, an die Schrift zu glauben. Mit solchen Leuten ist es närrisch zu streiten. Kein Argument, wäre es noch so logisch, würde jene überzeugen, welche die direkte Aussage des Sohns Gottes verworfen haben. „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich verstanden werden.“ 1. Korinther 2; 14. Jene, welche sich beharrlich an solche Irrtümer klammern, geben einen Beweis ihrer eigenen Unwissenheit von Gott und seinem Sohn.

Noch ein anderer raffinierter und schändlicher Irrtum ist der sich schnell ausbreitende Glaube, dass Satan als eine Persönlichkeit nicht existiert sondern dass der Name in der Schrift nur benutzt wird, um die bösen Gedanken und Wünsche des Menschen darzustellen.

Die Lehre, welche allgemein von den bekannten Kanzeln ausgebreitet wird, dass die zweite Ankunft Christi für jedem einzelnen zum Zeitpunkt seines Todes sei, ist ein Mittel, um die Gemüter der Menschen von seiner persönlichen Ankunft in den Wolken des Himmels, abzulenken. Vor Jahren sprach Satan: „Sehet, er ist in der geheimen Kammer!“, und viele Seelen sind dadurch verloren gegangen, indem sie dieser Täuschung erlagen.

Und wiederum erklärt weltliche Weisheit, dass das Gebet nicht wichtig sei. Männer der Wissenschaft behaupten, dass es keine wirkliche Antwort auf Gebete geben kann, dass dies eine Übertretung des Gesetzes, und somit ein Wunder wäre und dass Wunder keinerlei Existenz haben. Das Universum, so sagen sie, wird von bestehenden Gesetzen erhalten und Gott selbst tut nichts Gegenteiliges zu diesen Gesetzen. So stellen sie Gott als gebunden an seine eigenen Gesetze dar; als ob die Ausführung der göttlichen Gesetze die göttliche Freiheit nicht ermöglichen könnte. Solche Lehren stehen im Gegensatz zu den Aussagen der Schrift. Wurden nicht Wunder von Christus und seinen Aposteln vollbracht? Derselbe gütige Erlöser lebt heute und er ist genauso willig, Gebete des Glaubens zu erhören wie einst, als er sichtbar unter den Menschen wandelte. Das Natürliche kooperiert mit dem Übernatürlichen. Es ist ein Teil des Plans Gottes, uns das zu geben, als Antwort auf das Gebet des Glaubens, welches er nicht verleihen würde, täten wir nicht danach fragen.

Unendlich sind die irrigen Lehren und fantastischen Ideen, welche unter den Kirchen des Christentums erhalten werden. Es ist unmöglich, das üble Ergebnis dessen abzuschätzen, wenn man einen der Grundsteine entfernt, dass durch das Wort Gottes eingesetzt worden ist. Nur wenige, die sich wagen, dies zu tun halten ein nach der Ablehnung einer einzelnen Wahrheit. Die Mehrheit macht weiter
darin, einen Grundsatz nach dem anderen zu verwerfen, bis sie dann eigentlich Ungläubige sind.

Und das ist es, was Satan versucht zu erreichen. Es ist für ihn nichts
erstrebenswerter, als das Vertrauen in Gott und sein Wort zu vernichten. Satan steht an der Spitze der großen Armee der Zweifler und er wirkt mit dem Möglichsten seiner Macht, um Seelen in seine Reihen zu verleiten. Es ist modern geworden, zu zweifeln. Es gibt viele, die scheinbar fühlen, dass es eine Tugend ist, auf der Seite des Unglaubens, der Skepsis und der Untreue zu sein. Doch unter einem Anschein der Offenheit und Demut kann erkannt werden das solche Menschen nur von Selbstsicherheit und Stolz bewegt werden. Es ist eine schreckliche Sache den Glauben an Gott oder sein Wort zu verlieren. Der Unglaube verstärkt sich, je mehr er ermutigt wird. Es ist eine Gefahr, auch nur einmal den Zweifel zum Ausdruck zu bringen; es ist eine Saat gesät worden, welche ihre Art der Ernte einbringen wird. Satan wird diese Ernte immer nähren. Jene, die sich erlauben über ihre Zweifel zu reden, werden sich ständig immer mehr bestätigt finden. Gott wird niemals jede Gelegenheit für Zweifel entfernen. Er wird niemals ein Wunder wirken, um den Unglauben zu entfernen wo er doch genügend Beweise für den Glauben gegeben hat.

Gott schaut mit Unmut auf die sich selbst genügenden und Ungläubigen, welche immer seine Versprechen anzweifeln und der Zusicherung seiner Gnade misstrauen. Sie sind fruchtlose Bäume, die ihre dunklen Äste weit ausbreiten, das Sonnenlicht von den anderen Pflanzen ausschließen und so das Verwelken und Absterben unter ihrem kalten Schatten verursachen. Das Lebenswerk dieser Menschen wird als ein nie endend wollendes Zeugnis gegen sich selbst erscheinen. Sie säen eine Saat des Zweifels und der Skepsis dass ihnen eine verdiente Ernte einbringen wird.

Die Nachfolger Christi wissen wenig über die Verschwörungen, die Satan und seine Scharen gegen sie formen. Doch Er, der da sitzt im Himmel wird all diese Hindernisse für die Vollendung seines tiefgehenden Plans überwinden. Der Herr lässt es geschehen, dass sein Volk den feurigen Qualen der Versuchungen ausgesetzt wird, nicht weil er Gefallen an ihrem Leid und Kummer hat, sondern weil dieser Prozess essentiell für ihren letztendlichen Sieg ist. Er konnte nicht, beständig in seiner Herrlichkeit, sie vor den Versuchungen schützen. Denn der eigentliche Sinn dieser Prüfung ist es, sie darauf vorzubereiten, allen Verleitungen des Bösen zu widerstehen.

Satan ist sich dessen wohl bewusst, dass die schwächste Seele, welche sich an Christus hält mehr als ebenbürtig ist für die Scharen der Finsternis und dass, sollte er sich ihnen offenbaren, ihm entgegengetreten und widerstanden wird. Deswegen versucht er, die Kämpfer des Kreuzes aus ihrer starken Festung hervorzulocken, während er mit seiner Streitmacht im Hinterhalt liegt, bereit alle zu vernichten, die sich auf seinen Boden wagen. Kein Mensch ist für einen Tag oder auch nur eine Stunde ohne Gebet sicher. Wir sollten den Herrn insbesondere für Weisheit anflehen um seine Worte zu verstehen. Satan ist ein Experte darin, aus der Schrift zu zitieren und eigene Interpretationen auf jene Passagen zu setzen, über welche er
hofft, uns zum Stolpern zu bringen. Wir sollten die Bibel mit Demut im Herzen erforschen und niemals unsere Abhängigkeit von Gott aus den Augen lassen. Während wir immer vor den Mitteln Satans wachsam sein müssen, sollten wir ständig im Glauben beten: „Führe uns nicht in Versuchung.“
Ellen G. White, Der große Kampf – 1884, Kapitel 31: Die Wirksamkeit der bösen Geister, S. 207-216

Möchtest du mehr über den Feind erfahren, um ihm widerstehen, gegen ihn durch Christus kämpfen und siegreich sein zu dürfen?
Dann möchte man dir folgendes empfehlen:
Botschaft an das Volk Gottes – Woher kommt all das Übel, warum leidest du?
Wer folgt und dient Satan?

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