Geburt im Haus, nicht in einer Krippe


Die Archaeological Study Bible kommentiert die Geburt Jesu folgendermaßen:

„Die ,Krippe‘ war eine Futterkrippe für Tiere.

Das ist der einzige Hinweis, dass Jesus im Stall geboren wurde.

Nach der frühen Tradition soll es sich um eine Höhle gehandelt haben, die als Stall genutzt wurde.

Im 2. Jahrhundert n. Chr. schrieb Justin der Märtyrer, dass die Geburt Jesu in einer Höhle nahe Bethlehem stattfand.

An der traditionellen Stätte dieser Höhle ließen der römische Kaiser Konstantin (330 n. Chr.) und seine Mutter Helena die Geburtskirche errichten“ (2005, Seite 1669).

 

Zu beachten ist, dass nur die Futterkrippe als Hinweis auf einen Stall dient.

In der Tat hätte man eine Futterkrippe im Stall finden können, doch im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung fand man sie auch in Häusern!

Im typischen jüdischen Haus jener Zeit gab es eine Stelle nahe des Eingangs zum Haus, oft mit einem Lehmfußboden, wo die Tiere des Hausbewohners bei Nacht gehalten wurden.

So waren sie vor Diebstahl oder Angriffen geschützt, und in der kalten Jahreszeit diente ihre Körperwärme auch zur Erwärmung des Hauses.

 

Die Familie lebte und schlief im gleichen Raum auf einem erhöhten, von der Eingangstür abgesetzten Fußboden.

Außerdem gab es oft auch ein Gästezimmer, entweder im ersten Stock oder in einem weiteren Zimmer des Erdgeschosses, getrennt vom familiären Aufenthalts- und Schlafzimmer.

In der Nähe der Eingangstür fand sich gewöhnlich eine Futterkrippe bzw. Tränke für die Tiere.

 

Eric F. F. Bishop, der sich mit der nahöstlichen Kultur befasst, ist der Meinung, dass die Geburt Christi wahrscheinlich „in einem der Bethlehemer Häuser stattfand, in denen der untere Teil [des Erdgeschosses] für Tiere vorgesehen war, mit einer ,aus Steinen gefertigten‘ Futterkrippe, und mit einer Empore, die für die Familie vorgesehen war.

Die Futterkrippe wäre unbeweglich gewesen und hätte, mit Stroh gefüllt, als Wiege dienen können.

Ein Säugling, wenn entsprechend gewickelt, hätte dort in Sicherheit liegen können, sollte die Mutter wegen einer Besorgung kurz außer Haus sein“ (Jesus of Palestine, 1955, Seite 42).

 

Ein weiterer Experte der nahöstlichen Lebensweise, Gustaf Dalmann, fügt hinzu:

„Im heutigen Nahen Osten wohnen Menschen und Tiere oft in dem gleichen Raum.

Es ist ganz normal, wenn die Familienmitglieder auf einem erhöhten Fußboden als Empore in dem einen Raum des Hauses leben, essen und schlafen, wo die Tiere, besonders Esel und Rinder, ihren Platz daneben auf dem eigentlichen Fußboden in der Nähe der Tür haben . . . Auf diesem Fußboden findet sich die Futterkrippe, oder sie wird an der Wand befestigt oder am Rand der Empore“ (Sacred Sites and Ways, 1935, Seite 41).

 

Der Gedanke an einen Esel oder ein Rind im Haus bei Nacht erscheint uns in westlichen Ländern unpassend zu sein. Dazu meint Kenneth Bailey:

„Wir im Westen haben entschieden, dass ein Leben mit diesen großen sanften Tieren kulturell inakzeptabel ist.

Doch der erhöhte Fußboden, auf dem die Familie aß, schlief und lebte, blieb von den Tieren unbeschmutzt. Sie wurden täglich hinausgeführt, und der untere Fußboden wurde dann gereinigt.

Ihre Anwesenheit im Haus war keineswegs anstößig“ (Bailey, Seite 105).

Selbstverständlich wären die Tiere bei einer Geburt auch nicht im Haus gewesen!

Als König Saul das Gesetz Gottes übertrat und ein Medium aufsuchte, hatte die Frau [das Medium] „im Haus ein gemästetes Kalb; das schlachtete sie eilends und nahm Mehl und knetete es und backte ungesäuertes Brot und setzte es Saul und seinen Männern vor“ (1. Samuel 28,24-25).

Es waren die reichen Leute, die einen separaten Stall für ihre Tiere hatten, also getrennt vom Haus.

 

Eine realistischere Sicht der Geburt Christi in Übereinstimmung mit den Bräuchen jener Zeit wäre, dass die Futterkrippe nicht im Stall, sondern in einem Haus war. Ausschließen kann man nicht, dass damit eine Höhle verbunden war, aber nur deshalb, weil manche Häuser über Höhlen errichtet wurden.

Doch dies war nicht die Norm.

 

Die Tradition mit der Höhle mag ihren Ursprung in dem heidnischen Mythos über den persischen Sonnengott Mithras haben, der angeblich in einer Höhle geboren wurde.

Damit verknüpft ist die Überzeugung einiger, dass die Geburt Christi in Abgeschiedenheit hätte stattfinden müssen.

 

Www.bibel-aktuell.org


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