Ohne hochzeitlich Kleid



Christi Gleichnisse

Kapitel 24:

Ohne hochzeitlich Kleid

Auf der Grundlage von Matthäus 22,1-14.

 

Das Gleichnis vom hochzeitlichen Kleide enthält eine Lehre von größter Wichtigkeit. Durch die Hochzeit wird die Vereinigung der Menschheit mit der Gottheit dargestellt; das hochzeitliche Gewand stellt den Charakter dar, den alle haben müssen, die als geeignete Gäste für die Hochzeit erfunden werden.

In diesem Gleichnis sowohl, wie in jenem vom großen Abendmahl, werden die Evangeliumseinladung, ihre Verwerfung durch das jüdische Volk und der gnadenvolle Ruf an die Heiden geschildert. Aber betreffs derer, welche die Einladung verwerfen, zeigt dies Gleichnis eine noch größere Beleidigung und eine noch schrecklichere Bestrafung. Die Einladung zum Feste ist eines Königs Einladung. Sie wird von jemand gegeben, der Macht hat zu gebieten.

Durch sie wird dem Geladenen eine große Ehre erwiesen. Aber die Ehre wird nicht geschätzt. Die Autorität des Königs wird verachtet. Während die Einladung des Hausvaters mit Gleichgültigkeit aufgenommen wurde, hat die des Königs sogar die Beleidigung und Ermordung seiner Knechte zur Folge. Sie behandelten seine Knechte mit Verachtung, höhnten und töteten sie.

Als der Hausvater sah, wie seine Einladung abgewiesen wurde, erklärte er, daß keiner der Geladenen sein Mahl schmecken solle.

Aber denen, welche den König derart geschmäht hatten, wurde eine größere Strafe auferlegt, als die Verbannung von seiner Gegenwart. Er „schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.“


In beiden Gleichnissen wird das Fest mit Gästen versehen, aber das zweite zeigt, daß alle, die dem Feste beiwohnen, eine Vorbereitung für dasselbe treffen müssen. Wer diese Vorbereitung unterläßt, wird ausgestoßen.

„Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereinkommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an?

Er aber verstummte.

Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße, und werfet ihn in die Finsternis hinaus! Da wird sein Heulen und Zähneklappen.“


Die Einladung zum Feste war von Christi Jüngern gegeben worden. Unser Herr hatte die Zwölfe und später die Siebzig ausgesandt, um zu verkündigen, daß das Reich Gottes nahe sei, und die Menschen aufzufordern, Buße zu tun und dem Evangelium zu glauben.

Aber die Einladung wurde nicht beachtet. Die zum Feste Geladenen kamen nicht. Später wurden die Knechte ausgesandt mit der Botschaft: „Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet, und alles bereit, kommt zur Hochzeit!“


Dies war die Botschaft, die den Juden nach der Kreuzigung Christi gebracht wurde; aber das Volk, das doch behauptete, das Besondere Volk Gottes zu sein, verwarf das ihm in der Kraft des heiligen Geistes gebrachte Evangelium.

Viele taten dies in einer höchst spöttischen Weise. Andere wurden, weil sie den Herrn der Herrlichkeit verwarfen, über das Anerbieten des Heils und das Anerbieten der Vergebung so erbittert, daß sie sich gegen die Träger der Botschaft wandten.

Es fand „eine große Verfolgung“ statt. Apostelgeschichte 8,1.


Viele Männer und Frauen wurden ins Gefängnis geworfen und einige der Boten des Herrn, wie Stephanus und Jakobus, wurden getötet. So besiegelte das jüdische Volk seine Verwerfung der Gnade Gottes.

Die Folge davon hatte Christus in diesem Gleichnis vorausgesagt.

Der König „schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an.“


Das über die Juden ausgesprochene Urteil kam über sie in der Zerstörung Jerusalems und in der Zerstreuung des Volkes. Die dritte Einladung zum Feste stellt das Predigen des Evangeliums an die Heiden dar.

Der König sagte: „Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren‘s nicht wert. Darum gehet hin auf die Straßen und ladet zur Hochzeit, wen ihr findet.“


Die Knechte des Königs gingen dann hinaus „auf die Straßen und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute“.


Es war eine gemischte Gesellschaft. Einige von ihnen hatten nicht mehr wirkliche Achtung vor dem Gastgeber als die, welche die Einladung gar nicht angenommen hatten. Die zuerst geladene Klasse konnte, wie sie dachte, ihre weltlichen Vorteile nicht opfern, um dem Feste des Königs beizuwohnen. Und unter denen, welche die Einladung angenommen hatten, waren einige, welche nur darauf bedacht waren, sich selbst dadurch zu nützen. Sie kamen, um an den Genüssen des Festes teilzunehmen, wünschten aber durchaus nicht, den König zu ehren.

Als der König hinein ging, um die Gäste zu besehen, wurde der wirkliche Charakter aller offenbar. Für einen jeden der zum Feste geladenen Gäste wurde ein hochzeitliches Gewand bereit gehalten. Dieses Gewand war eine Gabe des Königs. Durch das Tragen desselben bezeigten die Gäste ihre Achtung vor dem Gastgeber. Ein Mann war aber in seinen gewöhnlichen Kleidern erschienen. Er hatte sich geweigert, die vom König geforderte Vorbereitung zu treffen. Er verschmähte es, das mit großen Kosten für ihr beschaffte Gewand zu tragen.

Dadurch beleidigte er seinen Herrn.

Auf des Königs Frage: „Wie bist du hereinkommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an?“ konnte er nichts antworten.

Er war durch sich selbst verdammt.

Dann sagte der König: „Bindet ihm Hände und Füße und werfet ihn in die Finsternis hinaus.“


Durch das Prüfen der Gäste, welches der König auf dem Feste vornimmt, wird das Untersuchungsgericht dargestellt.

Die Gäste beim Evangeliumsfeste sind die, welche bekennen, Gott zu dienen, es sind die, deren Namen im Buche des Lebens geschrieben stehen. Aber nicht alle, die bekennen Christen zu sein, sind wahre Jünger. Ehe die Belohnung gegeben wird, muß entschieden sein, wer geschickt ist, am Erbteil der Gerechten teilzunehmen.

Diese Entscheidung muß vor der Wiederkunft Christi in den Wolken des Himmels getroffen werden, denn wenn er kommt, ist sein Lohn mit ihm, „zu geben einem jeglichen, wie seine Werke sein werden.“ Offenbarung 22,12.


Vor seinem Kommen wird demnach der Charakter der Werke eines jeden Menschen festgestellt und einem jeden der Nachfolger Christi der Lohn nach seinen Werken zuerkannt worden sein. Während die Menschen noch hier auf Erden leben, findet das Untersuchungsgericht im himmlischen Gerichtshof statt. Das Leben aller, die da bekennen, seine Nachfolger zu sein, wird von Gott einer Untersuchung unterworfen; alle werden nach den Berichten in den Büchern des Himmels geprüft, und das Schicksal eines jeden wird nach seinen Werken auf ewig festgestellt.

Durch das hochzeitliche Kleid, von welchem im Gleichnis die Rede ist, wird der reine, fleckenlose Charakter, welchen die wahren Nachfolger Christi besitzen werden, dargestellt.

Es wird der Gemeinde gegeben, „sich anzutun mit reiner und schöner Leinwand,“ auf daß sie sei „eine Gemeinde, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel oder des etwas“.

„Die köstliche Leinwand aber,“ sagt die Schrift, „ist die Gerechtigkeit der Heiligen.“ Offenbarung 19,8; Epheser 5,27.


Es ist die Gerechtigkeit Christi, sein fleckenloser Charakter, die durch den Glauben aller mitgeteilt wird, die ihn als ihren persönlichen Heiland annehmen. Das weiße Gewand der Unschuld wurde von unsern Stammeltern getragen, als sie von Gott in das heilige Eden gesetzt wurden. Sie lebten in vollkommener Übereinstimmung mit dem Willen Gottes. Alle ihre Liebe konzentrierte sich auf ihren himmlischen Vater. Ein schönes, weiches Licht, das Licht Gottes, umhüllte das heilige Paar.

Dies Lichtgewand war ein Sinnbild ihrer geistlichen Gewänder himmlischer Unschuld.

Wären sie Gott treu geblieben, so würde es sie beständig eingehüllt haben; als aber die Sünde Eingang fand, schnitten sie ihre Verbindung mit Gott ab, und das Licht, welches sie umgeben hatte, schwand.

Nackt und beschämt versuchten sie das himmlische Gewand dadurch zu ersetzen, daß sie Feigenblätter zu einer Decke zusammenflochten. Dies haben die Übertreter des Gesetzes Gottes getan, seit dem Tage, da Adam und Eva in Ungehorsam fielen. Sie haben Feigenblätter zusammengeflochten, um die durch Übertretung verursachte Blöße zu decken.

Sie haben die von ihnen selbst gemachten Kleider getragen; sie haben versucht, durch ihre eigenen Werke ihre Sünden zu bedecken und sich vor Gott angenehm zu machen. Aber dies kann nie geschehen. Der Mensch kann nichts erfinden oder herstellen, was die Stelle seines verlorenen Gewandes der Unschuld einnehmen könnte.

Keine Decke aus Feigenblättern, kein irdisches Gewand kann von denen getragen werden, die sich mit Christo und den Engeln zum Abendmahl des Lammes niedersetzen. Nur das Gewand, das Christus selbst für uns vorgesehen hat, kann uns geschickt machen, in der Gegenwart Gottes zu erscheinen.

Diese Decke, dies Gewand seiner eigenen Gerechtigkeit wird Christus einer jeden gläubigen, bußfertigen Seele geben.

„Ich rate dir,“ sagt er, „daß du ... von mir kaufest ... weiße Kleider, daß du dich antust

und nicht offenbart werde die Schande deiner Blöße.“ Offenbarung 3,18.


Dieses auf dem himmlischen Webstuhl gewobene Gewand enthält nicht einen Faden menschlicher Erfindung. Christus hat in seiner Menschheit einen vollkommenen Charakter entwickelt und diesen Charakter will er uns mitteilen. „Alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid.“ Jesaja 64,5.


Alles was wir in eigener Kraft tun, ist von Sünde befleckt. Aber der Sohn Gottes „ist erschienen, auf daß er unsere Sünden wegnähme, und ist keine Sünde in ihm.“ Die Sünde besteht in der „Übertretung des Gesetzes“ (1.Johannes 3,5.4), aber Christus kam allen Ansprüchen des Gesetzes nach. Er sagte von sich selbst: „Deinen Willen, mein Gott, tu ich gerne, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen.“ Psalm 40,9.


Als er auf Erden war, sagte er seinen Jüngern, daß er seines Vaters Gebote halte. Johannes 15,10.


Durch seinen vollkommenen Gehorsam hat er es jedem Menschen ermöglicht, Gottes Geboten zu gehorchen. Wenn wir uns Christo unterwerfen, so wird unser Herz mit seinem Herzen vereint, unser Wille geht in seinem Willen auf, unsere Gesinnung wird eins mit seiner Gesinnung, unsere Gedanken werden alle unter seine Herrschaft gebracht; wir leben sein Leben. Dies bedeutet, mit dem Kleide seiner Gerechtigkeit bekleidet zu sein. Wenn der Herr dann auf uns blickt, so sieht er nicht das aus Feigenblättern hergestellte Gewand, nicht die Blöße und Häßlichkeit der Sünde, sondern sein eigenes Gewand der Gerechtigkeit, die ja vollkommener Gehorsam gegen das Gesetz Gottes ist.

Die zum Hochzeitsmahl erschienenen Gäste wurden vom König einer genauen Prüfung unterzogen. Nur die, welche seinen Forderungen nachgekommen waren und das hochzeitliche Gewand angelegt hatten, wurden angenommen.

So ist es auch mit den Gästen beim Evangeliumsfeste, beim Abendmahl des Lammes. Alle müssen sich der genauen Untersuchung des großen Königs unterwerfen und nur die, welche das Gewand der Gerechtigkeit Christi tragen, werden angenommen. Gerechtigkeit ist Rechttun; und nach ihren Taten werden alle gerichtet werden. Unsere Charaktere werden offenbar durch das, was wir tun. Die Werke zeigen, ob der Glaube echt ist. Es genügt nicht, daß wir glauben, daß Jesus kein Betrüger, und die Religion der Bibel keine schlau ersonnene Fabel ist. Wir können glauben, daß der Name Jesus der einzige Name unter dem Himmel ist, wodurch der Mensch selig werden kann, und dennoch ihn nicht im Glauben zu unserem persönlichen Heiland machen.

Es genügt nicht, die Theorie der Wahrheit zu glauben.

Es genügt nicht, unsern Glauben an Christum mit dem Munde zu bekennen und unsere Namen im Gemeindebuch eingetragen zu haben.

„Wer seine Gebote hält, der bleibet in ihm und er in ihm. Und darum erkennen wir, daß er in uns bleibet, an dem Geist, den er uns gegeben hat.“ „Und an dem merken wir, daß wir ihn kennen, so wir seine Gebote halten.“ 1.Johannes 3,24; 1.Johannes 2,3.

Dies ist der Beweis wahrer Bekehrung.


Was auch unser Bekenntnis sein mag, es ist von keinem Nutzen, wenn Christus nicht durch Werke der Gerechtigkeit offenbart wird. Die Wahrheit muß in das Herz gepflanzt werden. Sie muß das Gemüt beeinflussen und unsere Neigungen beherrschen. Der ganze Charakter muß das Gepräge des Göttlichen haben. Ein jedes Pünktchen, ein jeder Tüttel des Wortes Gottes muß in unser tägliches Leben hineingebracht werden. Der Mensch, der Teilhaber der göttlichen Natur wird, wird auch im Einklang mit Gottes großem Maßstab der Gerechtigkeit, seinem heiligen Gesetze, sein.

Dies ist die Richtschnur, mit welcher Gott die Handlungen der Menschen mißt, und wird auch der Prüfstein sein, nach welchem die Charaktere im Gericht geprüft werden.

Es gibt viele, die behaupten, daß das Gesetz durch den Tod Christi abgetan ist, aber durch diese Behauptung widersprechen sie Christi eigenen Worten:

„Ihr sollt nicht wähnen, daß ich kommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen ... Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Tüttel vom Gesetze.“ Matthäus 5,17.18.


Um die Übertretung des Gesetzes seitens des Menschen zu versöhnen, gab Christus sein Leben dahin. Hätte das Gesetz verändert oder beiseite gesetzt werden können, dann hätte Christus nicht zu sterben brauchen.

Durch sein Leben auf Erden ehrte er das Gesetz Gottes.

Durch seinen Tod richtete er es auf.

Er gab sein Leben als Opfer hin, nicht um das Gesetz Gottes aufzuheben oder einen niedrigeren Maßstab des Rechts einzuführen, sondern damit Gerechtigkeit aufrecht erhalten und die Unveränderlichkeit des Gesetzes gezeigt werden und dieses ewiglich bestehen möge.


Satan hatte behauptet, daß es dem Menschen unmöglich sei, den Geboten Gottes zu gehorchen; und es ist auch wahr, daß wir dieses in unserer eigenen Kraft nicht tun können. Aber Christus kam in Menschengestalt und bewies durch seinen vollkommenen Gehorsam, daß der Mensch mit Gott verbunden einem jeden Gebote Gottes gehorsam sein kann.

„Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen Glauben.“ Johannes 1,12.


Diese Macht liegt nicht im Menschen. Es ist die Kraft Gottes. Wenn eine Seele Christum annimmt, dann empfängt sie Kraft, das Leben Christi leben zu können.

Gott fordert Vollkommenheit von seinen Kindern.

Sein Gesetz ist der Ausdruck seines Charakters, und ist das Richtmaß für einen jeden Charakter. Dies göttliche Richtmaß wird allen gegeben, damit niemand eine irrige Ansicht haben möchte betreffs des Charakters der Menschen, aus denen Gott sein Reich aufbauen will.

Das Leben Christi auf Erden war ein vollkommener Ausdruck des Gesetzes Gottes, und wenn die, welche beanspruchen, Gottes Kinder zu sein, einen Christo ähnlichen Charakter bekommen, werden sie allen Geboten Gottes gehorchen.

Dann kann der Herr sie aufnehmen in die Zahl derer, die einst die himmlische Familie bilden werden.


Mit dem herrlichen Gewande der Gerechtigkeit Christi bekleidet, haben sie einen Platz beim Festmahl des Königs. Sie haben ein Recht, sich der im Blute gewaschenen Schar anzuschließen.

Der Mensch, welcher ohne das hochzeitliche Kleid zum Feste kam, stellt den Zustand vieler dar, die heute in unsererWelt sind. Sie bekennen Christen zu sein und beanspruchen die Segnungen und Vorrechte des Evangeliums, fühlen aber nicht die Notwendigkeit der Ausbildung ihres Charakters. Sie haben niemals wahre Reue über ihre Sünden gehabt. Sie erkennen nicht, wie notwendig sie einen Heiland brauchen; sie üben sich nicht im Vertrauen auf ihn. Sie haben ihre ererbten oder genährten Neigungen zum Unrechttun nicht überwunden. Dennoch halten sie sich selbst für gut genug und verlassen sich auf ihre eigenen Verdienste, anstatt Christo zu vertrauen. Als Hörer des Wortes kommen sie zum Festmahl, aber sie haben das Kleid der Gerechtigkeit Christi nicht angezogen. Viele, die sich Christen nennen, sind nur moralisch gute Menschen. Sie haben die Annahme der Gabe verweigert, die allein sie

befähigen konnte, Christum dadurch zu ehren, daß sie ihn der Welt darstellten.


Das Wirken des heiligen Geistes ist ihnen fremd geblieben. Sie sind nicht Täter des Wortes.

Die himmlischen Grundsätze, welche diejenigen, die eins mit Christo sind, von denen, die eins mit der Welt sind, unterscheiden, sind beinahe unkenntlich geworden. Die vorgeblichen Nachfolger Christi sind nicht mehr ein abgesondertes und besonderes Volk. Die Scheidelinie ist undeutlich.

Die Christen passen sich der Welt, ihren Gebräuchen, ihren Gewohnheiten, ihrer Selbstsucht an.

Die Gemeinde ist durch die Übertretung des Gesetzes zur Welt übergegangen, wogegen die Welt im Gehorsam gegen das Gesetz zur Gemeinde übergegangen sein sollte. Täglich wendet sich die Gemeinde mehr der Welt zu.

Alle diese erwarten durch den Tod Christi selig zu werden, während sie sich weigern, sein selbstaufopferndes Leben zu führen. Sie preisen die Reichtümer der freien Gnade und versuchen sich mit einem Anschein der Gerechtigkeit zu bedecken, hoffend, ihre Charaktermängel dadurch zu verbergen, aber ihre Bestrebungen werden ihnen am Tage Gottes von keinem Nutzen sein.

Die Gerechtigkeit Christi wird auch nicht eine gehegte Sünde bedecken.


Ein Mensch mag in seinem Herzen ein Gesetzesübertreter sein; wenn er sich aber keine sichtbare Übertretung zuschulden kommen läßt, so kann er vor der Welt als ein Mann von großer Rechtschaffenheit gelten. Aber das Gesetz Gottes erforscht die Geheimnisse des Herzens. Eine jede Handlung wird nach den Beweggründen, die sie veranlaßten, gerichtet.

Nur das, was im Einklang mit den Grundsätzen des Gesetzes Gottes ist, wird im Gericht bestehen.

Gott ist Liebe. Er hat seine Liebe in der Dahingabe Christi gezeigt.

Als „er seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3,16), da enthielt er seinem erkauften Eigentum nichts vor.

Er gab uns den ganzen Himmel, aus dem wir Kraft und Tüchtigkeit ziehen können, um nicht von dem großen, starken Widersacher zurückgetrieben oder überwunden zu werden.


Aber seine Liebe läßt ihn nicht die Sünde entschuldigen. Er entschuldigte sie nicht in Satan; er entschuldigte sie nicht in Adam oder Kain und er wird sie auch nicht in irgend einem andern der Menschenkinder entschuldigen. Er wird unsere Sünden nicht unbeachtet lassen und unsere Charaktermängel nicht übersehen. Er erwartet, daß wir in seinem Namen überwinden. Die, welche die Gabe der Gerechtigkeit Christi verwerfen, verwerfen die Charaktereigenschaften, die sie zu Söhnen und Töchtern Gottes machen würden. Sie verwerfen das, was allein sie für einen Platz am Hochzeitsfeste zubereiten kann.

Als der König im Gleichnis fragte: „Wie bist du hereinkommen und hast doch kein hochzeitlich Kleid an?“ da verstummte der Mann.


So wird es auch an dem großen Gerichtstage sein.

Die Menschen mögen jetzt die Mängel in ihrem Charakter entschuldigen, aber an jenem Tage werden sie keine Entschuldigung hervorbringen. Die sich zu Christo bekennenden Gemeinschaften in diesem Geschlecht genießen die höchsten Vorrechte. Der Herr hat sich uns im beständig zunehmenden Licht offenbart.

Unsere Vorrechte sind viel größer, als die Vorrechte des Volkes Gottes vor alters waren. Wir haben nicht nur das große, dem Volk Israel gegebene Licht, sondern wir haben auch die vermehrten und verstärkten Beweise von dem großen Heil, das Christus uns gebracht hat.

Was den Juden Vor- und Sinnbild war, das ist uns Wirklichkeit. Jene hatten die alttestamentliche Geschichte; wir haben diese und das Neue Testament dazu.

Wir haben die Gewißheit eines Heilandes, der gekommen ist, eines Heilandes, der gekreuzigt worden und auferstanden ist und der über dem geöffneten Grabe Josephs verkündigt hat: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“


Durch die Erkenntnis Christi und seiner Liebe ist das Reich Gottes mitten unter uns aufgerichtet. Christus wird in Predigten offenbart und in Liedern besungen. Das geistliche Festmahl ist in reicher Fülle vor uns aufgetragen. Das mit so unendlich großen Kosten beschaffte hochzeitliche Kleid wird einer jeden Seele frei angeboten. Durch die Boten Gottes werden uns die Gerechtigkeit Christi, die Rechtfertigung durch den Glauben, die allergrößten und teuersten Verheißungen des Wortes Gottes, der freie Zutritt zum Vater durch Christum, der Trost des heiligen Geistes und die auf festem Grunde stehende Versicherung des ewigen Lebens im Reiche Gottes gezeigt. Was könnte Gott für uns tun, das er noch nicht getan hätte, indem er das große Abendmahl, das himmlische Festmahl, für uns bereitete?


Im Himmel sagen die dienenden Engel: Wir haben den Dienst, zu dem wir ausgesandt wurden, verrichtet. Wir haben die Schar böser Engel zurückgedrängt.

Wir haben Licht und Klarheit in die Seelen der Menschen gebracht und ihre Erinnerung an die in Jesu ausgedrückte Liebe Gottes neu belebt.

Wir haben ihre Augen auf das Kreuz Christi gelenkt.

Ihre Herzen waren durch das Bewußtsein der Sünde, die den Sohn Gottes ans Kreuz brachte, tief bewegt. Sie waren überzeugt.

Sie sahen die Schritte, die sie zur Bekehrung tun mußten.

Sie fühlten die Kraft des Evangeliums; ihre Herzen wurden weich, als sie die unendliche Liebe Gottes sahen.

Sie erkannten die Schönheit des Charakters Christi.

Aber bei den meisten war alles vergebens.

Sie wollten ihre Gewohnheiten nicht aufgeben und ihren Charakter nicht ändern.

Sie wollten die Gewänder der Erde nicht ablegen, um mit dem Gewande des Himmels bekleidet zu werden. Ihre Herzen waren der Habsucht ergeben. Sie liebten die Gesellschaft der Welt mehr als ihren Gott.


Feierlich ernst wird der Tag der schließlichen Entscheidung sein.

Im prophetischen Gesichte beschreibt der Apostel Johannes ihn folgendermaßen:

„Ich sah einen großen, weißen Stuhl und den, der drauf saß; vor des Angesicht floh die Erde und der Himmel, und ihnen ward keine Stätte erfunden. Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott, und Bücher wurden aufgetan. Und ein ander Buch ward aufgetan, welches ist des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken.“ Offenbarung 20,11.12.


Traurig wird an jenem Tage, wenn der Mensch der Ewigkeit gegenüber steht, der Rückblick sein. Das ganze Leben wird, gerade wie es gewesen ist, an ihm vorüberziehen. Die Freuden dieser Welt, die Reichtümer und Ehren werden dann nicht so wichtig erscheinen. Die Menschen werden dann sehen, daß die von ihnen verachtete Gerechtigkeit allein Wert hat. Sie werden sehen, daß sie ihre Charaktere unter den trügerischen Lockungen Satans gebildet haben.

Die Kleider, die sie gewählt haben, sind das Abzeichen ihrer Treue gegen den großen, ersten Abgefallenen. Dann werden sie die Folgen ihrer Wahl sehen. Dann werden sie erkennen, was es bedeutet, die Gebote Gottes zu übertreten. Es wird keine zukünftige Gnadenzeit geben, in welcher man sich für die Ewigkeit vorbereiten kann.

Schon in diesem Leben müssen wir das Gewand der Gerechtigkeit Christi anlegen. Hier ist unsere einzige Gelegenheit, Charaktere zu bilden für das Heim, welches Christus bereitet hat denen, die seine Gebote halten.

Unsere Gnadenzeit nähert sich schnell ihrem Abschluß.

Das Ende ist nahe.

Uns wird die Warnung gegeben: „Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch.“ Lukas 21,34.


Sehet euch vor, damit er euch nicht unvorbereitet finde. Seid vorsichtig, damit ihr beim Feste des Königs nicht ohne hochzeitlich Kleid gefunden werdet.


„Des Menschen Sohn wird kommen zu einer Stunde, da ihr nicht meinet,“ „Selig ist, der da wachet und hält seine Kleider, daß er nicht bloß wandle und man nicht seine Schande sehe.“ Matthäus 24,44; Offenbarung 16,15.


Christi Gleichnisse

Kapitel 24:

Ohne hochzeitlich Kleid

Auf der Grundlage von Matthäus 22,1-14.

 

Ellen G. White – Eine Prophetin Gottes

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