Verloren und ist gefunden worden



Christi Gleichnisse

Kapitel 16:

„Verloren und ist gefunden worden“

Auf der Grundlage von Lukas 15,11-32.

 

Die Gleichnisse vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und vom verlorenen Sohn führen uns in deutlichen Zügen Gottes Mitleid und Liebe für diejenigen, die sich von ihm abgewandt haben, vor Augen.

Obgleich sie ihn verlassen haben, verläßt er sie doch nicht in ihrem Elend. Er ist voll Liebe und zarten Mitleids für alle, die den Versuchungen des listigen Feindes ausgesetzt sind. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn wird uns des HERRN Verfahrungsweise mit solchen dargestellt, die einmal des Vaters Liebe erkannt, aber dem Versucher gestattet haben, sie nach seinem Willen gefangen zu führen.

„Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngste unter ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Teil der Güter, das mir gehört. Und er teilte ihnen das Gut. Und nicht lange darnach sammelte der jüngste Sohn alles zusammen, und zog ferne über Land.“

Der jüngere Sohn war der ihm im Vaterhause auferlegten Schranken überdrüssig geworden. Er glaubte, daß seine Freiheit beschränkt werde. Seines Vaters Liebe und Fürsorge wurden von ihm falsch gedeutet, und er beschloß, seinen eigenen Neigungen zu folgen. Dieser Jüngling fühlt keinerlei Verpflichtung seinem Vater gegenüber und zeigt ihm keine Dankbarkeit.

Dennoch beansprucht er das Vorrecht eines Kindes, einen Teil des Besitztums seines Vaters. Er wünscht das ihm beim Todes seines Vaters zufallende Erbe jetzt zu erhalten. Er denkt nur an gegenwärtigen Genuß und bekümmert sich nicht um die Zukunft. Nachdem er seinen Anteil bekommen hat, verläßt er seines Vaters Haus und zieht „ferne über Land“. Da er Geld die Fülle hat und tun kann, was ihm gefällt, so schmeichelt er sich mit dem Gedanken, daß sein Herzenswunsch jetzt erfüllt ist.

 

Es gibt niemand, der sagt:

Tue dies nicht, denn es wird dir schaden; oder: Tue das, weil es recht ist. Verderbte Kameraden helfen ihm, immer tiefer in Sünde zu geraten und er bringt „sein Gut um mit Prassen“.

 

Die Bibel sagt von gewissen Menschen: „Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden“ (Römer 1,22), und dies ist auch die Erfahrung des jungen Mannes im Gleichnis. Den Reichtum, den er in selbstsüchtiger Weise von seinem Vater beansprucht hatte, verschwendete er mit Huren.

Der Schatz seiner Manneskraft wird vergeudet. Die köstlichen Jahre des Lebens, die Verstandeskräfte, die glänzenden Erwartungen der Jugend, das geistige Emporstreben, alles wird vom Feuer der Lust verzehrt. Es kommt eine große Teurung über das Land; er fängt an zu darben und hängt sich an einen Bürger des Landes, der ihn auf seinen Acker schickt, die Säue zu hüten. Für einen Juden war dies die gemeinste und erniedrigendste Beschäftigung.

Der Jüngling, der sich seiner Freiheit gerühmt hatte, sieht sich jetzt als Sklave.

Er ist in der allerschlimmsten Sklaverei, „er wird mit dem Strick seiner Sünde gehalten.“

Sprüche 5,22.

 

Der Flitter, der Tand, der ihn verlockte, ist verschwunden; er fühlt die Last seiner Kette. In jenem öden, von Hungersnot heimgesuchten Lande sitzt er auf dem kahlen Erdboden, nur die Schweine sind seine Gesellschafter, und in seinem Hunger begehrt er sich zu sättigen an den Trebern, womit die Schweine gefüttert wurden.

Von all den lustigen Kameraden und Freunden, die sich in den Tagen seines Wohlstandes um ihn scharten und auf seine Kosten schwelgten, ist auch nicht ein einziger da, der ihn unterstützen möchte.Wo ist jetzt die beim Prassen empfundene Freude?

Indem er sein Gewissen beschwichtigte und sein Gefühl betäubte, hielt er sich für glücklich; aber jetzt, ohne Vermögen, mit ungestilltem Hunger, mit gedemütigtem Stolze und sittlich heruntergekommen, ist sein Wille geschwächt und unzuverlässig und seine feineren und edleren Gefühle scheinen abgestorben; er ist der elendeste aller Sterblichen.

Welch ein Bild wird hier von dem Zustande des Sünders entworfen! Umgeben von den Segnungen der göttlichen Liebe wünscht der auf Befriedigung des eigenen Ich und unrechte Vergnügungen bedachte Sünder nichts so sehr, als von Gott getrennt zu sein. Gleich dem undankbaren Sohn beansprucht er die guten Dinge Gottes als ihm rechtmäßigerweise zukommend. Er nimmt sie als eine ganz selbstverständliche Sache an, spricht keinen Dank dafür aus und leistet keinen Liebesdienst dafür.

Wie Kain vom Angesicht des HERRN ausging, um ein Heim zu suchen, wie der verlorene Sohn „ferne über Land“ zog, so suchen Sünder ihr Glück im Vergessen Gottes.

Römer 1,28.

 

Gleichviel was auch der Anschein sein mag, so ist doch ein jedes Leben, dessen Mittelpunkt das eigene Ich ist, ein vergeudetes. Wer es versucht, getrennt von Gott zu leben, verpraßt sein Gut. Er verschwendet die köstlichen Jahre, vergeudet die Kräfte des Verstandes, des Herzens und der Seele, und richtet sich für immer zugrunde.

Ein Mensch, der sich von Gott trennt, um sich selbst zu dienen, wird zum Sklaven des Mammons. Die Seele, die Gott für die Gesellschaft von Engeln schuf, wird zu irdischem, tierischem Dienst herabgewürdigt. Das ist das Ende von dem Dienen des eigenen Ich.

Wenn du ein solches Leben gewählt hast, so weißt du, daß du Geld darzählst für etwas, das nicht Brot ist, und Arbeit tust, von der du nicht satt werden kannst.

Es kommen für dich Stunden, in denen du deine Entwürdigung erkennst. Allein, im fernen Lande, fühlst du dein Elend und rufst in Verzweiflung aus:

„Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?“

Römer 7,24.

 

In den Worten des Propheten wird eine allgemeine Wahrheit ausgesprochen: „Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verläßt, und hält Fleisch für seinen Arm, und mit seinem Herzen vom HERRN weicht. Der wird sein wie die Heide in der Wüste, und wird nicht sehen den zukünftigen Trost, sondern wird bleiben in der Dürre, in der Wüste, in einem unfruchtbaren Lande, da niemand wohnet.“

Jeremia 17,5.6.

 

Gott „läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte“ (Matthäus 5,45), aber es steht in der Menschen Macht, sich von Sonnenschein und Regen abzuschließen. So können auch wir, während die Sonne der Gerechtigkeit leuchtet und Ströme der Gnade reichlich frei für uns alle fließen, „sein wie die Heide in der Wüste“, wenn wir uns von Gott trennen.

Die Liebe Gottes sehnt sich immer noch nach dem, der sich von ihm getrennt hat, und läßt nichts unversucht, um ihn zum Vaterhause zurückzubringen. Der verlorene Sohn in seinem Elend schlug in sich.

Die betörende Macht, die Satan über ihn ausgeübt hatte, war gebrochen.

Er sah, daß sein Leiden die Folge seiner Torheit war und sprach: „Wie viel Taglöhner hat mein Vater, die Brot die Fülle haben, und ich verderbe im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen.“ So elend der verlorene Sohn auch war, fand er doch Hoffnung in der Überzeugung, daß sein Vater ihn liebe.

Diese Liebe zog ihn heimwärts. So ist es auch die Versicherung der Liebe Gottes, die den Sünder bewegt, zu Gott zurückzukehren.

„Weißt du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet?“

Römer 2,4.

 

Eine goldene Kette, die Gnade und das Mitleid göttlicher Liebe wird um eine jede gefährdete Seele gelegt.

 

Der HERR sagt:

„Ich habe dich je und je geliebet, darum hab ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“

Jeremia 31,3.

 

Der Sohn entschließt sich, seine Schuld zu bekennen.

Er will zu seinem Vater gehen und ihm sagen:

„Ich sündigte gegen den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.“.

Eine wie sehr beschränkte Auffassung er aber noch von der Liebe seines Vaters hatte, zeigt sich, wenn er hinzufügt:

„Mache mich als einen deiner Tagelöhner.“

 

Der junge Mann wendet den Schweineherden und den Trebern den Rücken und richtet sein Angesicht heimwärts. Zitternd vor Schwäche und matt vor Hunger dringt er mühsam voran. Er kann seine Lumpen nicht verbergen, aber sein Elend hat seinen Stolz besiegt und er eilt weiter, um die Stellung eines Knechts zu erbitten, da, wo er einstmals ein Kind war.

Als der frohe, unbekümmerte Jüngling sein Vaterhaus verließ, hatte er kein Verständnis von dem Schmerz und dem Sehnen, die in des Vaters Brust zurückblieben. Als er mit seinen wilden Genossen tanzte und praßte, dachte er nicht an den Schatten, der auf sein Vaterhaus gefallen war.

Und jetzt, da er mit müden und schweren Schritten den Heimweg verfolgt, weiß er nicht, daß einer auf seine Rückkehr wartet. Aber „da er noch ferne“ ist, erkennt der Vater seine Gestalt. Die Liebe hat ein gutes Auge. Selbst die durch jahrelanges Sündenleben verursachte Entartung kann den Sohn dem Vaterauge nicht verbergen.

„Es jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals“ und hielt ihn lange und zärtlich umarmt.

Der Vater will nicht, daß über seines Sohnes Elend und Lumpen gespottet werde. Er nimmt den weiten, kostbaren Mantel von seinen eigenen Schultern und hüllt des Sohnes abgezehrte Gestalt damit ein; der Jüngling aber schluchzt sein reumütiges Bekenntnis und sagt: „Vater, ich sündigte gegen den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.“

Der Vater hält ihn nahe an seiner Seite und bringt ihn heim.

 

Es wird ihm gar keine Gelegenheit gegeben, um die Stellung eines Taglöhners zu bitten. Er ist der Sohn, der mit dem Besten, was das Vaterhaus zu bieten vermag, geehrt werden, dem von den aufwartenden Männern und Frauen Achtung gezollt, dem gedient werden soll. Der Vater sagte zu seinen Knechten:

„Bringet das beste Kleid hervor und tut ihn an, und gebet ihm einen Fingerreif an seine Hand und Schuhe an seine Füße; und bringet ein gemästet Kalb her und schlachtet‘s; lasset uns essen und fröhlich sein; denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig worden; er war verloren und ist gefunden worden. Und fingen an, fröhlich zu sein.“

In seinen ruhelosen Jugendjahren hielt der verlorene Sohn seinen Vater für streng und hart. Wie so ganz anders ist aber jetzt seine Ansicht über ihn! So halten auch die von Satan Betörten Gott für hart und strenge. Sie betrachten ihn als einen, der sie beobachtet, um sie zu rügen und zu verdammen, der nicht willig ist, den Sünder anzunehmen, solange er noch irgend eine Entschuldigung finden kann, um ihm nicht zu helfen.

Sein Gesetz betrachten sie als eine Beschränkung der Glückseligkeit der Menschen, ein drückendes Joch, dem sie gern entfliehen möchten. Ein Mensch aber, dessen Augen durch die Liebe Christi geöffnet sind, erkennt Gott als den, der voll Erbarmen ist.

Ihm erscheint er nicht als ein tyrannisches und hartherziges Wesen, sondern als ein Vater, den darnach verlangt, seinen reumütigen Sohn zu umarmen.

Der Sünder wird mit dem Psalmisten ausrufen:

„Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der HERR über die, so ihn fürchten.“

Psalm 103,13.

 

Im Gleichnis wird dem verlorenen Sohn sein schlechter Lebenswandel nicht vorgeworfen. Der Sohn fühlt, daß das Vergangene vergeben und vergessen und auf ewig ausgelöscht ist.

So sagt auch Gott zu dem Sünder:

„Ich vertilge deine Missetaten wie eine Wolke, und deine Sünden wie den Nebel.“

Jesaja 44,22.

„Ich will ihnen ihre Missetat vergeben, und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“

Jeremia 31,34.

„Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter seine Gedanken, und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich sein erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.“ „Zur selbigen Zeit und in denselbigen Tagen wird man die Missetat Israels suchen, spricht der HERR, aber es wird keine da sein, und die Sünden Judas, aber es wird keine gefunden werden.“

Jesaja 55,7; Jeremia 50,20.

 

Welch eine Versicherung von der Willigkeit Gottes, den bußfertigen Sünder anzunehmen! Hast du, lieber Leser, deinen eigenen Weg gewählt? Hast du dich entfernt von Gott?

Hast du versucht, dich an den Früchten der Übertretung zu ergötzen und hast gefunden, daß sie auf deinen Lippen zu Asche wurden? Und jetzt, da dein Gut verpraßt ist, deine Lebenspläne vereitelt, und deine Hoffnungen geschwunden sind, sitzest du einsam und verlassen da?

Jetzt hörst du jene Stimme, die so lange zu deinem Herzen gesprochen hat, der du aber kein Gehör schenken wolltest, klar und deutlich sagen:

„Darum macht euch auf! Ihr müsset davon, ihr sollt hier nicht bleiben; um ihrer Unreinigkeit willen müssen sie unsanft zerstört werden.“

Micha 2,10.

Kehre zu deines Vaters Haus zurück.

Er ladet dich ein und sagt:

„Kehre dich zu mir, denn ich erlöse dich.“

Jesaja 44,22.

Schenke der Einflüsterung des Feindes, von Christo fortzubleiben, bis du dich selbst besser gemacht hast, bis du gut genug bist, zu Gott zu kommen, kein Gehör.

Wenn du bis dahin wartest, wirst du nie zu ihm kommen. Wenn Satan auf deine unreinen Gewänder hinweist, so wiederhole die Verheißung Jesu:

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“

Johannes 6,37.

Sage dem Feinde, daß das Blut Jesu Christi rein macht von aller Sünde. Bete mit David:

„Entsündige mich mit Ysop, daß ich rein werde; wasche mich, daß ich schneeweiß werde.“

Psalm 51,9.

 

Mache dich auf und gehe zu deinem Vater. Er wird dir entgegengehen, wenn du noch ferne bist. Wenn du auch nur einen Schritt nimmst, um dich ihm in Reue und Buße zu nähern, wird er zu dir eilen und dich mit Armen ewiger Liebe umfassen. Sein Ohr ist dem Schreien der bußfertigen Seele geöffnet. Das erste Sehnen des Herzens nach Gott ist ihm bekannt.

Nie wird ein Gebet dargebracht, einerlei wie stammelnd, nie eine Träne vergossen, gleichviel wie verborgen, nie ein aufrichtiges Verlangen nach Gott genährt, wie schwach es auch sein möge, ohne daß der Geist Gottes es wahrnimmt und dem betreffenden Herzen entgegenkommt.

Ja, ehe noch das Gebet gesprochen, oder das Sehnen des Herzens kundgegeben wird, unterstützt die Gnade Gottes die Kraft, die an der menschlichen Seele wirkt.

Dein himmlischer Vater wird die mit Sünden befleckten Gewänder von dir nehmen. In der herrlichen parabolischen Weissagung Sacharjas stellt der Hohepriester Josua, der in unreinen Gewändern vor dem Engel des HERRN steht, den Sünder dar.

Und der HERR spricht das Wort:

„Tut die unreinen Kleider von ihm! Und er sprach zu ihm: Siehe, ich habe deine Sünde von dir genommen, und habe dich mit Feierkleidern angezogen ... Und sie setzten einen reinen Hut auf sein Haupt und zogen ihm Kleider an.“

Sacharja 3,4.5.

 

So wird Gott dich mit „Kleidern des Heils“ anziehen und dich bedecken mit „dem Rock der Gerechtigkeit“. „Wenn ihr zwischen den Hürden laget, so glänzte es als der Taube Flügel, die wie Silber und Gold schimmern.“ Jesaja 61,10; Psalm 68,14.

„Er wird dich in seinen Festsaal führen, und seine Liebe wird sein Panier über dir sein.“ Hohelied 2,4. „Wirst du in meinen Wegen wandeln,“ sagt er, so will ich „dir geben von diesen, die hier stehen, daß sie dich geleiten sollen“ (Sacharja 3,7), nämlich von den heiligen Engeln, die seinen Thron umgeben. „Wie sich ein Bräutigam freuet über der Braut, so wird sich dein Gott über dir freuen.“ „Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein und vergeben, und wird über dir mit Schall fröhlich sein.“

Jesaja 62,5; Zephanja 3,17.

 

Und Himmel und Erde werden sich mit des Vaters Freudengesang vereinen: „Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig worden; er war verloren und ist wieder gefunden.“

Bis so weit ist im Gleichnis des Heilandes kein Mißklang, um die Harmonie der Freudenszene zu stören; aber jetzt führt Christus ein anderes Element ein. Als der verlorene Sohn heimkam, war der älteste Sohn „auf dem Felde. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er das Gesänge und den Reigen; und rief zu sich der Knechte einen und fragte, was das wäre.

Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist kommen, und dein Vater hat ein gemästet Kalb geschlachtet, daß er ihn gesund wieder hat. Da wird er zornig und wollte nicht hineingehen.“

Dieser älteste Bruder hatte nicht teilgenommen an des Vaters Sorge um den einen, der verloren war. Er nimmt deshalb auch keinen Anteil an des Vaters Freude über die Rückkehr des Verirrten. Der Freudengesang erweckt keine Freude in seinem Herzen.

Er fragt einen Knecht um den Grund der Festlichkeit, und die erhaltene Antwort erregt seine Eifersucht. Er will nicht hineingehen, um seinen verlorenen Bruder zu bewillkommnen.

Die dem Verlorenen bezeigte Liebe und Güte betrachtet er als eine Beleidigung seiner selbst. Als der Vater hinauskommt, um mit ihm darüber zu sprechen, da werden der Stolz und die Bosheit seiner Natur so recht offenbar. Er betrachtet sein Leben im Vaterhause als eine Runde unbelohnten Dienstes und vergleicht dann in verächtlicher Weise damit die dem eben zurückgekehrten Sohne gewordene gute Aufnahme.

Er macht sich klar, daß sein eigener Dienst eher der eines Knechts, als der eines Sohnes gewesen ist. Während er sich beständig hätte freuen sollen, bei seinem Vater zu sein, waren seine Gedanken auf den Vorteil gerichtet gewesen, der ihm durch sein behutsames Leben erwachsen könne.

Seine Worte zeigen, daß er aus diesem Grunde den Freuden der Sünde entsagt hat. Wenn jetzt dieser Bruder an des Vaters Gaben teilnehmen soll, dann meint der älteste Sohn, geschehe ihm Unrecht. Er mißgönnt seinem Bruder die ihm gewordene freundliche Aufnahme. Er zeigt deutlich, daß, wenn er an des Vaters Stelle gewesen wäre, er den Verlorenen nicht aufgenommen haben würde.

Er erkennt ihn nicht einmal als seinen Bruder an, sondern spricht in kalter Weise von ihm als „dein Sohn“. Dennoch behandelt der Vater ihn liebevoll. „Mein Sohn,“ sagt er, „du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein.“ Ist es dir nicht in allen diesen Jahren, in denen dein Bruder ein elendes Leben geführt, vergönnt gewesen, bei mir zu sein?

Alles, was zum Glück seiner Kinder beitragen konnte, wurde ihnen freudig gegeben. Der Sohn braucht nicht um eine Belohnung oder Gabe zu bitten. „Alles, was mein ist, das ist dein.“

Du brauchst nur meiner Liebe zu vertrauen und die Gaben anzunehmen, die so reichlich dargeboten werden. Der eine Sohn hatte sich eine Zeitlang von der Familie getrennt, weil er des Vaters Liebe nicht erkannte. Jetzt aber ist er zurückgekehrt, und vor der Flut der Freude weicht jeder störende Gedanke.

„Dieser, dein Bruder war tot und ist wieder lebendig worden; er war verloren und ist wieder gefunden.“

 

Erkannte der älteste Bruder seine niederträchtige, undankbare Gesinnung? Begriff er, daß, obgleich sein Bruder gottlos gehandelt hatte, er dennoch sein Bruder war? Bereute er seine Eifersucht und seine Hartherzigkeit? Christus schwieg hierüber.

Die hier dargestellte Handlungsweise wurde noch ausgeübt und seine Zuhörer konnten selbst vermuten, was das schließliche Ende sein würde. Durch den ältesten Sohn wurden die zur Zeit Christi lebenden unbußfertigen Juden dargestellt, sowie auch die Pharisäer eines jeden Zeitalters, welche mit Verachtung auf solche blicken, die ihnen als Zöllner und Sünder gelten.

Weil sie selbst nicht in die tiefsten Laster gefallen sind, sind sie von Selbstgerechtigkeit erfüllt. Jesus traf diese Wortklauber auf ihrem eigenen Boden. Gleich dem ältesten Sohn im Gleichnis hatten sie besondere, ihnen von Gott gegebene Vorrechte genossen. Sie behaupteten, Söhne im Hause Gottes zu sein, aber sie hatten den Geist eines Mietlings.

Sie arbeiteten nicht aus Liebe, sondern getrieben durch die Hoffnung auf Belohnung. In ihren Augen war Gott ein harter, strenger Meister.

Sie sahen, wie Christus Zöllner und Sünder einlud, um die große Gabe seiner Gnade frei anzunehmen, die Gabe, welche die Rabbiner sich durch harte Arbeit und Bußübungen zu sichern hofften, und sie ärgerten sich. Die Rückkehr des verlorenen Sohnes, welche das Vaterherz mit Freude erfüllte, erweckte in ihnen Neid und Eifersucht.

Die Vorstellungen, welche der Vater im Gleichnis dem ältesten Sohne machte, waren Gottes zärtliche Bitten an die Pharisäer.

„Alles, was mein ist, das ist dein“, nicht als Lohn, sondern als Gabe. Wie der verlorene Sohn, so könnt auch ihr dies nur als unverdientes Geschenk der väterlichen Liebe erhalten.

Selbstgerechtigkeit verleitet die Menschen nicht nur dazu, Gott falsch darzustellen, sondern macht sie auch kaltherzig und tadelsüchtig gegen ihre Brüder.

Der älteste Sohn war in seiner Selbstsucht und seinem Neide bereit, seinen Bruder zu beobachten, jede seiner Handlungen zu kritisieren und ihn wegen des geringsten Mangels zu verklagen. Er machte jeden Fehler ausfindig und stellte jede unrechte Handlung so groß wie möglich hin.

 

In dieser Weise versuchte er seinen unversöhnlichen Geist zu rechtfertigen. Viele tun heute ganz dasselbe. Während die Seele ihre ersten Kämpfe gegen eine Flut von Versuchungen kämpft, stehen sie trotzig, eigenwillig, fehlerfindend und beschuldigend dabei.

Sie mögen behaupten, Kinder Gottes zu sein, aber sie bekunden den Geist Satans in ihren Handlungen. Durch ihre Handlungsweise gegen ihre Brüder nehmen diese Beschuldiger eine Stellung ein, in welcher Gott das Licht seines Angesichts nicht über ihnen leuchten lassen kann.

Viele fragen beständig:

„Womit soll ich den HERRN versöhnen, mich bücken vor dem hohen Gott? Soll ich mit Brandopfern und jährigen Kälbern ihn versöhnen? Wird wohl der HERR Gefallen haben an viel tausend Widdern, an unzähligen Strömen Öls? ... Aber es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

Micha 6,6-8.

Dies ist der Dienst, den Gott erwählet hat:

„Laß los, welche du mit Unrecht gebunden hast; laß ledig, welche du beschwerest; gib frei, welche du drängest; reiß weg allerlei Last; ... und entzeuch dich nicht von deinem Fleisch.“

Jesaja 58,6.7.

 

Wer sich als Sünder erkennt, der nur durch die Liebe seines himmlischen Vaters gerettet ist, der wird auch Liebe und Mitleid für andere haben, die infolge der Sünde leiden; der wird dem Elend und der Reue nicht mit Eifersucht und Tadel entgegentreten.

Wenn das Eis der Selbstsucht von unseren Herzen geschmolzen ist, dann werden wir in Harmonie mit Gott sein und werden mit ihm die Freude teilen über die Rettung Verlorener. Wohl behauptest du mit Recht ein Kind Gottes zu sein, aber wenn diese Behauptung wahr ist, dann ist der „dein Bruder“, welcher „tot“ war „und ist wieder lebendig worden“; welcher „verloren“ war, „und ist wieder lebendig worden“; welcher „verloren“ war „und ist wiedergefunden“.

Er ist durch die zartesten Bande mit dir verbunden, denn Gott erkennt ihn als seinen Sohn an. Verleugnest du aber deine Verwandtschaft mit ihm, dann zeigst du, daß du nur ein Mietling im Haushalte, aber nicht ein Kind in der Familie Gottes bist. Obgleich du dich der Begrüßung des Verlorenen nicht anschließen willst, wird doch der Freude kein Einhalt getan werden. Der Wiedergefundene wird seinen Platz an des Vaters Seite und in des Vaters Werk einnehmen. Wem viel vergeben ist, der liebt auch viel.

Du aber wirst draußen in der Finsternis sein, denn „wer nicht liebhat, der kennet Gott nicht; denn Gott ist Liebe“.

1.Johannes 4,8.

 

Quelle:

Christi Gleichnisse

oder auch

Bilder vom Reiche Gottes

Ellen Gould White

 

www.bibel-aktuell.org

 

!!!1.Thessalonicher 5:21 prüfet aber alles. Das Gute behaltet,!!!

 

Ellen G. White – Eine Prophetin Gottes

Bücher von Ellen Gould White als PDF

http://www.jesus-christus-erloesungsweg-zum-ewigen-leben.de/buecher-von-ellen-g-white.php


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