Satans Irrlehre von der Hölle

Die erste große Täuschung

Teil 1



Satans Irrlehre von der Hölle

Die erste große Täuschung

Teil 1

 

Von der frühesten Geschichte des Menschen an begann Satan seine Bemühungen, unser Geschlecht zu verführen. Der im Himmel Empörung angestiftet hatte, wollte die Bewohner der Erde veranlassen, sich mit ihm in dem Streit gegen die Regierung Gottes zu verbinden.

Adam und Eva lebten im Gehorsam gegen das Gesetz Gottes vollkommen glücklich, und diese Tatsache war ein beständiges Zeugnis gegen die Behauptung, die Satan im Himmel vorgebracht hatte, daß Gottes Gesetz seine Geschöpfe knechte und ihrem Glück entgegenstehe.

Auch war durch die schöne, dem sündlosen Paar bereitete Heimat Satans Neid gereizt worden.

Er beschloß daher, die Menschen zu Fall zubringen, um dann, nachdem er sie von Gott getrennt und unter seine eigene Macht gebracht hätte, die Erde einzunehmen und hier, dem Allerhöchsten zum Trotz, sein Reich aufzurichten. Hätte er seinen wahren Charakter offenbart, so wäre er ohne weiteres zurückgewiesen worden; denn Gott hatte Adam und Eva vor diesem gefährlichen Feind gewarnt.

Doch Satan wirkte im Verborgenen und verhüllte seine Absicht, um sein Ziel um so sicherer zu erreichen. Die Schlange, damals eine Kreatur von anziehendem Äußeren, als Werkzeug benutzend, wandte er sich an Eva: „Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allerlei Bäumen im Garten?“ 1.Mose 3,1.

Hätte sich Eva nicht auf ein Gespräch mit dem Versucher eingelassen, so wäre sie bewahrt geblieben; doch sie wagte es, mit ihm zu sprechen und fiel seinen listigen Anschlägen zum Opfer. So werden noch immer viele Menschen überwunden.

Sie bezweifeln und erwägen Gottes Anforderungen und nehmen, statt den göttlichen Geboten zu gehorchen, menschliche Theorien an, die nur die Pläne Satans verdecken. „Da sprach das Weib zur Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret‘s auch nicht an, daß ihr nicht sterbet.

Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben; sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ 1.Mose 3,2-5.

Satan erklärte, daß sie würden wie Gott, begabt mit größerer Weisheit als zuvor und zu einer höheren Daseinsstufe befähigt. Eva gab der Versuchung nach, und durch ihren Einfluß wurde auch Adam zur Sünde verführt. Sie glaubten den Worten der Schlange, daß Gott nicht meinte, was er sagte, sie mißtrauten ihrem Schöpfer und bildeten sich ein, daß er ihre Freiheit beschränke, daß sie aber große Weisheit und eine hohe Stellung erlangen könnten, wenn sie sein Gesetz übertreten würden.

 

Doch welchen Sinn fand Adam, nachdem er gesündigt hatte, hinter den Worten: „Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben?“ 1.Mose 2,17.

Fand er ihre Bedeutung dementsprechend, was Satan ihn glauben gemacht hatte, daß er in eine erhabenere Daseinsstufe versetzt werden sollte? Dann wäre in der Tat durch die Übertretung ein großer Gewinn zu erzielen, und Satan erwiese sich als der Wohltäter unseres Geschlechts.

Aber Adam stellte fest, daß dies keineswegs der Sinn des göttlichen Ausspruchs war. Gott hatte erklärt, daß der Mensch als Strafe für die Sünde wieder zu Erde werden müsse, von der er genommen war: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden.“ 1.Mose 3,19.

Die Worte Satans: „So werden eure Augen aufgetan“, erwiesen sich als wahr nur in einem Sinne; denn nachdem Adam und Eva Gott ungehorsam waren, wurden ihnen die Augen geöffnet, damit sie ihre Torheit einsähen; sie erkannten das Böse und kosteten die bittere Frucht der Übertretung.

In der Mitte des Gartens wuchs der Baum des Lebens, dessen Frucht die Kraft hatte, das Leben immerwährend zu erhalten. Wäre Adam Gott gehorsam geblieben, so hätte er sich stets des freien Zugangs zu diesem Baum erfreuen dürfen und würde ewig gelebt haben.

Als er aber sündigte, trennte Gott ihn von dem Baum des Lebens und unterwarf ihn dem Tode. Der göttliche Urteilsspruch: „Du bist Erde und sollst zu Erde werden“ deutet auf eine gänzliche Austilgung des Lebens hin. Die dem Menschen unter der Bedingung des Gehorsams verheißene Unsterblichkeit war durch die Übertretung verwirkt worden.

Adam konnte seiner Nachkommenschaft nichts überlassen, was er selbst nicht besaß, und es hätte keine Hoffnung für die gefallene Menschheit gegeben, wenn Gott den Menschen durch die Hingabe seines Sohnes nicht den Weg zur Unsterblichkeit gewiesen hätte.

Während „der Tod zu allen Menschen durchgedrungen“ ist, „die weil sie alle gesündigt haben“, hat Christus „das Leben und ein unvergänglich Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium“.

Römer 5,12; 2.Timotheus 1,10.

 

Durch Christus allein kann Unsterblichkeit erlangt werden. Jesus sagte: „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen.“ Johannes 3,36.

Jeder Mensch kann diesen unschätzbaren Segen erlangen, wenn er die Bedingungen erfüllt. Alle, „die mit Geduld in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben“, empfangen „Preis und Ehre und unvergängliches Wesen“. Römer 2,7.

Der große Betrüger versprach Adam Leben im Ungehorsam. Die Erklärung, die die Schlange der Eva im Paradiese gab, „Ihr werdet mitnichten des Todes sterben!“, war die erste über die Unsterblichkeit der Seele gehaltene Predigt. Und doch hallt diese Erklärung, die auf der Autorität Satans beruht, von den Kanzeln der Christenheit wider und wird von der Mehrzahl der Menschen ebenso bereitwillig angenommen, wie sie von unseren ersten Eltern angenommen worden ist.

Der göttliche Richterspruch: „Welche Seele sündigt, die soll sterben“ (Hesekiel 18,20) wird danach gedeutet: Die Seele, die sündigt, soll nicht sterben, sondern ewig leben.

 

Wir können uns nur wundern über die seltsame Verblendung, die die Menschen hinsichtlich der Worte Satans so leichtgläubig und bezüglich der Worte Gottes so ungläubig macht. Hätte der Mensch nach seinem Fall freien Zugang zu dem Baum des Lebens gehabt, so würde er ewig gelegt haben, und auf diese Weise wäre die Sünde unsterblich geworden.

Aber „Cherubim mit dem bloßen hauenden Schwert“ bewahrten „den Weg zu dem Baum des Lebens“ (1.Mose 3,24), und keinem aus der Familie Adams war es gestattet worden, die Schranke zu überschreiten und von der lebenspendenden Frucht zu genießen. Deshalb gibt es keinen unsterblichen Sünder.

Nach dem Fall gebot Satan seinen Engeln, besondere Anstrengungen zu machen, dem Menschen den Glauben an seine natürliche Unsterblichkeit einzuschärfen. Wenn sie das Volk zur Annahme dieses Irrtums verleitet hätten, sollten sie es zu der Schlußfolgerung führen, daß der Sünder ewig im Elend leben würde.

Der Fürst der Finsternis stellt durch seine Diener Gott als einen rachsüchtigen Tyrannen dar und erklärt, dieser verstoße alle, die ihm nicht gefallen, in die Hölle, wo er sie auf ewig seinen Zorn fühlen lasse, und ihr Schöpfer blicke, während sie unaussprechliche Qualen erdulden und sich in den ewigen Flammen vor Schmerzen krümmen, mit Befriedigung auf sie nieder.

Auf diese Weise bekleidet der Erzfeind den Schöpfer und Wohltäter des Menschengeschlechts mit den Eigenschaften, die er selbst besitzt. Grausamkeit ist satanisch. Gott ist die Liebe, und alles, was er schuf, war rein, heilig und lieblich, bis durch den ersten großen Empörer die Sünde hereingebracht wurde. Satan selbst ist der Feind, der den Menschen zur Sünde verführt und ihn dann womöglich vernichtet. Hat er sein Opfer sicher, frohlockt er über das Verderben, das er bewirkte.

 

Könnte er, wie er wollte, so würde er das ganze Menschengeschlecht in sein Netz einfangen. Legte sich nicht die göttliche Macht ins Mittel, ihm würde nicht ein Sohn, nicht eine Tochter Adams entrinnen.

Satan sucht die Menschen heute zu überwinden, wie er unsere ersten Eltern überwand, indem er ihr Vertrauen zu dem Schöpfer erschüttert und sie verleitet, die Weisheit seiner Regierung und die Gerechtigkeit seiner Gesetze anzuzweifeln. Satan und seine Sendlinge stellen Gott schlimmer dar, als sie selbst sind, um ihre eigene Bosheit und Empörung zu rechtfertigen.

Der große Betrüger versucht, seinen schrecklich grausamen Charakter unserem himmlischen Vater unterzuschieben, damit er selbst als ein Wesen erscheine, dem durch die Verstoßung aus dem Himmel ein großes Unrecht zugefügt wurde, da er sich einem so ungerechten Herrscher nicht unterwerfen wollte.

Er führt der Welt die Freiheit vor Augen, der sie sich unter seiner milden Herrschaft erfreuen könnte, im Gegensatz zu der durch die strengen Erlasse Gottes auferlegten Knechtschaft. Auf diese Weise gelingt es ihm, Seelen von ihrer Treue zu Gott abwendig zu machen.

Wie unvereinbar mit jeder Regung von Liebe und Barmherzigkeit, ja selbst mit unserem Sinn von Gerechtigkeit ist die Lehre, daß die gottlosen Toten mit Feuer und Schwefel in einer ewig brennenden Hölle gepeinigt werden, daß sie für die Sünden in einem kurzen irdischen Leben leiden müssen, solange Gott lebt! Und doch ist dies allgemein gelehrt worden, und diese Lehre findet sich noch heute in vielen Glaubensbekenntnissen der Christenheit.

 

Ein angesehener Theologe sagte:

„Der Anblick der Höllenqualen wird die Glückseligkeit der Heiligen für immer erhöhen. Wenn sie sehen, wie andere, gleicher Natur wie sie und unter den gleichen Umständen geboren, in solches Elend verstoßen sind, während sie selbst erhaben dastehen, werden sie innewerden, wie glücklich sie sind.“ Ein anderer sprach folgendes: „Während der Verdammungsbefehl ewig an den Gefäßen des Zornes ausgeübt wird, wird der Rauch ihrer Qual ewiglich vor den Gefäßen der Gnade aufsteigen, und diese werden, statt an dem Schicksal dieser Elenden Anteil zu nehmen, sagen: Halleluja! Lobt den Herrn!“

Wo finden sich im Worte Gottes solche Lehren? Werden die Erlösten im Himmel für alle Gefühle des Mitleids und des Erbarmens, ja selbst für die Empfindungen gewöhnlicher Menschlichkeit unzugänglich sein?

Sollen diese gegen den Gleichmut des Stoikers oder die Grausamkeit des Wilden eingetauscht werden? Nie und nimmer!

Solches lehrt das Wort Gottes nicht! Männer, welche die in jenen Zitaten dargelegten Ansichten verkündigen, mögen Gelehrte und sogar aufrichtige Menschen sein, aber sie sind durch die Sophistereien Satans betrogen.

Er verleitet sie, wichtige Ausdrücke der Heiligen Schrift zu entstellen und dem Wortlaut eine Färbung zur Bitterkeit und Bosheit hin zu geben, die ihm selbst, aber nicht unserem Schöpfer eigen ist. 


Sprich zu ihnen: „So wahr ich lebe, spricht Gott, der HERR, ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daran, daß der Gottlose sich abwende von seinem Wege und lebe!“ Hesekiel 33:11 Wendet euch ab, wendet euch ab von euren bösen Wegen! Warum wollt ihr sterben, Haus Israel?

Könnte es zu Gottes Gunsten sein, wenn wir zugeben wollten, daß er sich beim Anblick unaufhörlicher Qualen ergötze, daß er erquickt werde durch das Stöhnen, das Geschrei und die Verwünschungen der leidenden Geschöpfe, die er in den Flammen der Hölle gefangenhält?

Können diese entsetzlichen Töne Musik sein in den Ohren unendlicher Liebe?

Es wird behauptet, daß die Verhängung endlosen Elends über die Gottlosen den Haß Gottes gegen die Sünde bekunde, die den Frieden und die Ordnung im Weltall zerstöre. O schreckliche Gotteslästerung!

Als ob Gottes Haß gegen die Sünde ein Grund sei, sie zu verewigen!

Denn nach den Lehren dieser Theologen macht die fortgesetzte Qual ohne Hoffnung auf Erbarmen ihre elenden Opfer rasend; und da sich ihre Wut in Flüchen und Gotteslästerungen äußert, vergrößern sie ständig ihre Schuldenlast. Gottes Herrlichkeit wird nicht erhöht durch eine solche endlose Verewigung der beständig zunehmenden Sünde.

 

Es liegt außerhalb der Fähigkeit des menschlichen Geistes das Übel abzuschätzen, das durch die falsche Lehre von der ewigen Qual geschaffen worden ist.

Die Religion der Bibel, die voller Liebe und Güte und überaus reich an Erbarmen ist, wird durch den Aberglauben verfinstert und in Schrecken gehüllt. Ist es verwunderlich, daß unser gnadenreicher Schöpfer gefürchtet, gescheut und sogar gehaßt wird, wenn wir bedenken, in welchen falschen Farben Satan das Wesen Gottes gemalt hat?

Die entsetzlichen Vorstellungen von Gott, wie sie durch jene Lehren von der Kanzel herunter über die Welt verbreitet wurden, haben Tausende, ja Millionen von Zweiflern und Ungläubigen hervorgerufen.

Die Ansicht von einer ewigen Qual ist eine der falschen Lehren, die zu dem Greuelwein des geistlichen Babylons gehören, mit dem es die Völker trunken macht. Offenbarung 14,8; Offenbarung 17,2.

Wie Diener Christi diese falsche Lehre annehmen und sie von geweihter Stätte herab verkündigen konnten, ist in der Tat unverständlich. Sie empfingen sie, wie auch den falschen Sabbat, von Rom.

Wohl haben große und gute Männer diese Lehre auch gepredigt; aber ihnen war darüber nicht die Erkenntnis geworden wie uns heute. Sie waren nur für das Licht verantwortlich, das zu ihrer Zeit schien; wir müssen Rechenschaft ablegen über das Licht, das in unserer Zeit scheint.

Wenden wir uns von dem Zeugnis des Wortes Gottes ab und nehmen wir falsche Lehren an, weil unsere Väter sie verbreiteten, so fallen wir unter die über Babylon ausgesprochene Verdammnis; wir trinken von dem Wein ihrer Greuel. Sehr viele Menschen, denen die Lehre von einer ewigen Qual anstößig ist, werden zu dem entgegengesetzten Irrtum getrieben.

Sie sehen, daß die Heilige Schrift Gott als ein Wesen der Liebe und der Barmherzigkeit darstellt, und sie können nicht glauben, daß er seine Geschöpfe dem verzehrenden Feuer einer ewig brennenden Hölle überlassen werde.

Durch die Behauptung, daß die Seele an und für sich unsterblich sei, kommen sie zu dem Schluß, daß alle Menschen schließlich gerettet werden.

 

Die Drohungen der Bibel sind, nach ihrer Auffassung, nur dazu bestimmt, die Menschen durch Furcht zum Gehorsam zu bringen, aber nicht um buchstäblich erfüllt zu werden. Auf diese Weise kann der Sünder in selbstsüchtigem Vergnügen dahinleben, die Anforderungen Gottes mißachten und doch erwarten, schließlich in Gnaden angenommen zu werden.

Eine solche Lehre, die auf Gottes Gnade pocht, aber seine Gerechtigkeit unbeachtet läßt, gefällt dem fleischlichen Herzen und macht die Gottlosen kühn in ihrer Ungerechtigkeit.

Um zu zeigen, wie die an eine allgemeine Erlösung glaubenden Menschen die Bibel verdrehen, um ihre seelenverderbenden Lehrsätze zu unterstützen, braucht man nur ihre eigenen Aussprüche anzuführen. Beim Begräbnis eines ungläubigen jungen Mannes, der durch einen Unfall plötzlich getötet worden war, wählte ein universalistischer Geistlicher als Text die auf David bezogene Aussage der Bibel: „Er hatte sich getröstet über Amnon, daß er tot war.“ 2.Samuel 13,39.

„Man fragt mich häufig“, sagte der Sprecher, „was das Schicksal jener sein werde, die in Sünden die Welt verlassen, die vielleicht in trunkenem Zustand sterben, mit den unabgewaschenen Scharlachflecken des Verbrechens an ihren Kleidern, oder die dahinfahren wie dieser junge Mann, ohne je nach Religion gefragt oder ihren Segen erfahren zu haben.

Wir sind zufrieden mit der Heiligen Schrift; ihre Antwort soll die schwierige Aufgabe lösen. Amnon war überaus sündig; er war unbußfertig, er wurde trunken gemacht und in diesem Zustand umgebracht. David war ein Prophet Gottes; er muß gewußt haben, ob Amnon es in der zukünftigen Welt schlecht oder gut haben werde. Was waren die Äußerungen seines Herzens? ‚Er hatte sich getröstet über Amnon, daß er tot war.‘

 

Welchen Schluß könne wir aus diesen Worten ziehen? Ist es nicht dieser, daß die endlose Qual keinen Teil seines religiösen Glaubens ausmachte?

So denken wir; und hier entdecken wir einen trefflichen Beweis als Stütze der angenehmeren, erleuchtenderen, wohltätigeren Annahme einer letzten allgemeinen Reinheit und eines dauernden Friedens. Er war getröstet darüber, daß sein Sohn tot war. Und warum?

Weil sein prophetisches Auge vorwärts in die herrliche Zukunft blicken und sehen konnte, daß sein Sohn, nachdem er, von allen Versuchungen weit entfernt, der Knechtschaft entbunden, von der Verderbtheit der Sünde gereinigt, hinreichend geheiligt und erleuchtet worden war, in die Versammlung zum Himmel aufgefahrener, frohlockender Geister aufgenommen wurde.

Sein einziger Trost war, daß sein geliebter Sohn, entrückt aus dem gegenwärtigen Zustand der Sünde und des Leidens, dorthin versetzt sei, wo die erhabensten Einflüsse des heiligen Geistes sich in seine verfinsterte Seele ergießen würden, wo sein Gemüt der Weisheit des Himmels und dem süßen Entzücken unsterblicher Liebe geöffnet würde und er, auf diese Weise ausgerüstet mit einem geheiligten Wesen, die Ruhe und die Gemeinschaft des himmlischen Erbes genießen könne.

In diesen Gedanken möchten wir so verstanden werden, daß wir glauben, die Seligkeit des Himmels hängt von nichts ab, was wir in diesem Leben tun können, weder von einer gegenwärtigen Veränderung des Herzens noch von dem jetzigen Glauben oder einem gegenwärtigen Religionsbekenntnis.“

Auf diese Weise wiederholte der angebliche Diener Christi die von der Schlange im Paradies ausgesprochene Lüge: „Ihr werdet mitnichten des Todes sterben. Welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott.“

Er erklärte, daß der gröbste Sünder, ob Mörder, Dieb oder Ehebrecher, nach dem Tode vorbereitet wird, um in unsterbliche Wonne einzugehen.

Und woraus zieht dieser Verfälscher der Heiligen Schrift seine Schlüsse? Aus dem einzigen Satz, der Davids Unterwerfung unter die Fügung der Vorsehung ausdrückt. „David stand davon ab, auszuziehen wider Absalom; denn er hatte sich getröstet über Amnon, daß er tot war.“

Nachdem die Heftigkeit seines Schmerzes mit der Zeit nachgelassen hatte, wandten sich seine Gedanken von dem toten zu dem lebendigen Sohn, der aus Furcht vor der gerechten Bestrafung seines Verbrechens freiwillig in die Verbannung gegangen war. Und das wäre der Beweis, daß der blutschänderische, betrunkene Amnon unmittelbar nach dem Tode an den Ort der Wonne entrückt wurde, um dort gereinigt und zubereitet zu werden für die Gemeinschaft sündloser Engel!

 

Eine angenehme Fabel in der Tat, wohl geeignet, das fleischliche Herz zufriedenzustellen!

Dies ist Satans eigene Lehre, und sie wirkt erfolgreich für sein Werk. Dürfen wir uns wundern, daß bei solcher Belehrung die Gottlosigkeit überhandnimmt? Das Verfahren dieses falschen Lehrers veranschaulicht das vieler anderer. Einige wenige Worte der Heiligen Schrift werden aus dem Zusammenhang gerissen, der in vielen Fällen zeigen würde, daß ihr Sinn gerade entgegengesetzt ist.

Dann werden diese zerstückelten Stellen verdreht und als Beweis von Lehren gebraucht, die im Worte Gottes keine Grundlage haben. Das als Beweis angeführte Zeugnis, daß der betrunkene Amnon im Himmel sei, ist nichts als eine Schlußfolgerung, der die deutliche und bestimmte Erklärung der Heiligen Schrift, daß kein Trunkenbold das Reich Gottes ererben kann (1.Korinther 6,10), direkt widerspricht.

Auf diese Weise verwandeln Zweifler, Ungläubige und Skeptiker die Wahrheit Gottes in eine Lüge; viele sind durch solche Sophistereien getäuscht und in fleischliche Sicherheit gewiegt worden. Wenn es wahr wäre, daß die Seelen aller Menschen bei ihrem Tod sofort in den Himmel gingen, dann möchten wir wohl eher den Tod begehren als das Leben. Viele sind durch diesen Glauben dazu verleitet worden, ihrem Dasein ein Ende zu machen.

Von Sorgen, Schwierigkeiten und Enttäuschungen überwältigt, scheint es ein leichtes zu sein, den schwachen Lebensfaden zu zerreißen und sich zur Wonne der ewigen Welt aufzuschwingen. Gott hat in seinem Wort entschiedene Beweise dargelegt, daß er die Übertreter seines Gesetzes strafen will.

Wer annimmt, daß Gott zu barmherzig sei, um an dem Sünder Gerechtigkeit zu üben, braucht nur auf das Opfer von Golgatha zu schauen. Der Tod des makellosen Sohnes Gottes bezeugt, daß der Tod der Sünde Sold ist, daß jede Übertretung des Gesetzes Gottes ihre gerechte Vergeltung erfahren muß. Christus, der ohne Sünde war, wurde um unsertwillen zur Sünde gemacht.

Er trug die Schuld der Übertretung; seines Vaters Angesicht war vor ihm verhüllt, bis sein Herz brach und das Leben in ihm erstickte.

Dies Opfer wurde gebracht, damit Sünder erlöst werden könnten.

 

Auf keine andere Weise war es möglich, den Menschen von der Strafe der Sünde frei zu machen. Jede Seele, die sich weigert, an der so teuer erkauften Versöhnung teilzuhaben, muß selbst die Schuld und Strafe der Übertretung tragen.

Wir wollen betrachten, was die Bibel weiter über die Gottlosen und Unbußfertigen lehrt, die der Universalist als heilige, glückliche Engel in den Himmel versetzt. „Ich will dem Durstigen geben von dem Brunnen des lebendigen Wassers umsonst.“ Diese Verheißung gilt nur denen, die dürsten.

Nur die nach dem Wasser des Lebens verlangen und es unter allen Umständen suchen, werden es erhalten. „Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein.“ Offenbarung 21,6.7.

Hier werden ebenfalls Bedingungen aufgestellt. Um alles zu ererben, müssen wir der Sünde widerstehen und sie überwinden.

Der HERR erklärt durch den Propheten Jesaja: „Prediget von den Gerechten, daß sie es gut haben ... Weh aber den Gottlosen! Denn sie haben es übel, und es wird ihnen vergolten werden, wie sie es verdienen.“ Jesaja 3,10.11.

„Ob ein Sünder hundertmal böses tut und lange lebt, so weiß ich doch, daß es wohl gehen wird denen, die Gott fürchten, die sein Angesicht scheuen. Aber dem Gottlosen wird es nicht wohl gehen“, sagt Salomo. Prediger 8,12.13.

Und Paulus bezeugt, daß der Gottlose sich selbst häufe „Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, welcher geben wird einem jeglichen nach seinen Werken, denen, die da zänkisch sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit, Ungnade und Zorn“. Römer 2,5.6.8.

„Das sollt ihr wissen, daß kein Hurer oder Unreiner oder Geiziger, welcher ist ein Götzendiener, Erbe hat in dem Reich Christi und Gottes.“ Epheser 5,5. „Jaget nach, dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen.“ Hebräer 12,14.

„Selig sind, die seine Gebote halten, auf daß sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt. Denn draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Totschläger und die Abgöttischen und alle, die liebhaben und tun die Lüge.“ Offenbarung 22,14.15.

Gott hat den Menschen sein Wesen und seine Verfahrensweise mit der Sünde beschrieben: „HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue! der da bewahret Gnade in tausend Glieder und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, und vor welchem niemand unschuldig ist.“ 2.Mose 34,6.7.

„Der HERR wird vertilgen alle Gottlosen.“ „Die Übertreter werden vertilgt miteinander, und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet.“ Psalm 145,20; Psalm 37,38.


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