Sabbat oder Sonntag?





Sabbat oder Sonntag?

Eine Ausarbeitung von Peter Engehausen

 

Worum geht es überhaupt?

Was heißt hier Sabbat? Jeder gute Christ geht doch sonntags in die Kirche! Christen sind ja keine Juden! - Auch, wenn es manche LeserInnen verwundern wird: Es gibt tatsächlich auch Christen die nicht sonntags, sondern samstags ihren Gottesdienst feiern.
Was mag das wohl für ein seltsames Völkchen sein? - Sind es irgendwelche Sektierer, die eine eigene oder umgedichtete Bibel haben? - Nein, nein. Die Antwort ist eher nüchtern: Es sind Menschen wie Du und ich... Mit einem kleinen Unterschied: Aus irgendeinem Grund haben Sie sich entschlossen dumme Sprüche und andere Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen. Diese Seite soll etwas die Hintergründe zum Thema "Sabbat vs. Sonntag?" beleuchten.

Ich persönlich habe mich für den Sabbat entschieden, weil er in meinen Augen eine geniale Erfindung und auch heute sinnvoll ist. Nach meiner Erkenntnis ist der Sabbat ein wichtiges Gebot, das gerade jetzt beachtet werden sollte. Rein praktisch könnten die Menschen auch von einer Sonntagsruhe profitieren. Biblisch gesehen ziehe ich aber den Ruhetag Gottes vor. Die Gründe sind in dieser Ausarbeitung zusammen getragen.



Was soll das Sabbatgebot, bzw. „Sonntagsgebot“?

Vom Sinn des Sabbat

Zunächst eine Warnung: Niemand sollte sich einbilden, er könne irgend etwas leisten, in dem er den Sabbat hält. Gottes Gebote sind keine Checkliste, die man abhaken kann. Sie können in Wirklichkeit nur durch die Liebe zu Gott und den Menschen erfüllt werden. Daher sagte Jesus:

"»Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« (5.Mose 6,5). Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. " (Mt 22,37-40)

 

Und Paulus formulierte dieses folgendermaßen:

"Denn was da gesagt ist (2.Mose 20,13-17): »Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht begehren«, und was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefaßt (3.Mose 19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.«

Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung." (Röm 13,9-10)

 

Es liegt völlig auf der Hand, dass wenn jemand Gott und seinen Nächsten liebt, er oder sie gegen keines der zehn Gebote mutwillig verstoßen wird. 

Jesus hat in der Bergpredigt (Mt 5) versucht, den Menschen klar zu machen, was der Kern des Gesetzes ist: Es sind nicht die Buchstaben, sondern die innere Haltung. So nennt er jemanden, der seinen Bruder zürnt, einen Mörder, obgleich dieser seinen Bruder nicht wirklich getötet hat. Obwohl ein Mensch die Buchstaben des Gesetzes erfüllen mag, kann er doch zum Mörder werden. (Mt 5,21f).

 

Die Menschen glauben leider immer wieder, dass wenn sie bestimmte Gebote oder menschliche Regelungen einhalten, sie besser vor Gott stehen. Dies ist ein fataler Fehler, denn wenn Menschen die Gebote Gottes nur äußerlich halten, so sind sie wie "die übertünchten Gräber, die von außen hübsch aussehen aber innen voller Totengebeine und lauter Unrat sind!" (Mt 23,27) - Davon abgesehen ist kein Mensch von sich aus in der Lage immer Gottes Willen zu tun, wie Paulus in Röm 7-8 darlegt.

 

Es ändert unsere Stellung in Gottes Augen nicht, wenn wir regelmäßig zum Gottesdienst gehen oder Spenden oder sogar unser Leben ganz in den Dienst Gottes stellen. Wir können nichts tun, damit wir gerettet werden. Wir werden allein durch die Gnade Gottes gerettet.

 

Nun darf man aber nicht daraus schließen, dass die Gebote Gottes unbedeutend geworden sind. Ganz und gar nicht! Diesen Fehler machten schon einige der ersten Christen. Darum ermahnt uns Johannes ernstlich:

"Und daran merken wir, daß wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten.Wer sagt: Ich kenne ihn, und hält seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in dem ist die Wahrheit nicht." (1.Joh 2,3.4)

"Daran erkennen wir, daß wir Gottes Kinder lieben, wenn wir Gott lieben und seine Gebote halten." (1.Joh 5,2)

 

Diese Stellen können jedoch falsch verstanden werden. Die Aussage lautet nicht: "Ich halte die Gebote Gottes, also liebe ich Gott." - Wie hartnäckig hat Paulus gegen den Irrtum gekämpft, dass unsere Taten uns rechtfertigen können. Die Pharisäer haben aus ihrer Sicht auch Gottes Gebote gehalten aber sie haben Gott nicht ge- und erkannt. Die Aussage soll also heißen: "Ich liebe Gott, also halte ich seine Gebote!"

 

Jesus sagt in Johannes 15,5

"Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun."

 

Wir können ohne Jesus nichts - wirklich nichts - tun. Wenn wir aber mit Jesus uns verbinden und uns ganz von ihm abhängig machen, dann werden wir viel Frucht bringen. Paulus nennt die Frucht dieser geistigen Verbindung mit Jesus:

"Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies ist das Gesetz nicht." (Gal 5,22.23)

 

Schließlich werden wir dadurch, dass wir Gott lieben und unsere bösen Taten ablegen (Gott schenkt das Wollen und Vollbringen und wir dürfen um beides beten!) auch seine Gebote erfüllen. Es ist keine Bedingung, sondern eine Verheißung, die Johannes niederschrieb:

"Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten." (Joh 14,15)

 

Was hat das mit dem Sabbat zu tun?

Im Abschnitt "Wurde der Sabbat ans Kreuz genagelt?" wird darauf hingewiesen, dass viele alttestamentliche Gesetze noch heute gelten. Gott ändert sich nie. Das, was er früher als Gräuel bezeichnete, wird heute nicht anders beurteilt. Die Frage ist nun, ob der Sabbat noch heute eine Bedeutung für uns hat. Dabei steht Außerfrage, dass einige der alttestamentlichen Vorschriften für uns nicht mehr verbindlich sind, da sie lediglich als Anschauungsunterricht für das Erlösungswerk Jesu dienten (z. B. Opferdienst) oder weil sie durch den heutigen Wissenstand durch bessere bzw. zeitkonforme "Vorschriften" abgelöst wurden (z. B. Umgang mit Leprakranken, Hygienevorschriften, etc.). Gilt das gleiche für den Sabbat? War er eine Kulthandlung oder ist er, wie die anderen neun Gebote, ein Ausdruck der Liebe?

 

Viele Christen haben kein Problem damit, wenigstens 60% der zehn Gebote anzuerkennen und als "verbindlich" zu betrachten.

Sie sehen ein, dass es gut ist, die Eltern zu ehren, nicht zu töten oder zu stehlen, oder in der Ehe treu zu sein. Auch Lügen und das Begehren des Eigentums unserer Mitmenschen wird klar abgelehnt. Diese sechs Gebote betreffen die Liebe zu unserem Nächsten. Wie steht es um die Liebe zu Gott? Die ersten vier Gebote betreffen unsere Beziehung zu Gott.

 

So heißt es:

"Du sollst keine anderen Götter haben neben mir." (2Mo 20, 3)

Das ist schon für viele eine Herausforderung. Hängt unser Herz nicht all zu oft an anderen Dinge wie Geld, Erfolg, Ansehen? Beten wir wirklich nur Gott an?

Ferner heißt es:

"Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten." (2Mo 20, 4-6)

 

Leider gibt es ebenso wie damals viele Menschen, die etwas "zum Anfassen" brauchen, um ihren Glauben zu praktizieren. Genauso wie früher Bildnisse gemacht wurden, um sie zu verehren und anzubeten, beten Menschen noch immer Bildnisse an. Sie knien vor ihnen nieder, machen sich Schutzamulette oder beten und meditieren vor einem Maria-Bild oder eines "Heiligen". Das zweite Gebot steht in solch einem krassen Widerspruch zu den Praktiken der röm.-kath. Kirche, dass es aus dem Dekalog des Katechismus gestrichen wurde.

"Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht." (2Mo 20, 7)

 

Auch das dritte Gebot wird des öfteren übertreten. Wie oft wird von uns "Gott" oder "Jesus" in den Mund genommen, um lediglich Ärger oder Wut auszudrücken? Wie oft wird Gott ins Lächerliche gezogen?

Aber auch das vierte Gebot wird kaum beachtet.

Es lautet:

"Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn." (2Mo 20, 8-11)

 

"Gedenke des Sabbattages, daß du ihn heiligest." - Viele Christen leben ja in dem Irrtum, dass der Sonntag der Sabbat und siebter Tag der Woche sei (Durch eine Kalenderreform in den 70’er Jahren ist in Deutschland der Sonntag zum siebten Tag der Woche geworden. Zuvor war der Samstag der siebte und der Sonntag der erste Tag der Woche.

Weil über die Jahrhunderte der Sonntag immer mehr ins Zentrum des christlichen Lebens gerückt ist, hat die röm.-kath. Kirche schließlich die Zehn Gebote so weit geändert, dass es heute im Katechismus heißt "Du sollst den Feiertag (Sonntag) heiligen". Die Reformatoren hatten es leider versäumt, sich auch von diesem Irrtum frei zu machen und ihre Nachfolger versuchen heute, die Sonntagsheiligung auf zweierlei Weise zu begründen: entweder durch Bibelstellen die angeblich eine Sonntagsheiligung rechtfertigt (was ihnen nicht gelingt, da die Bibel keine Sonntagsheiligung kennt) oder indem behauptet wird, das Gesetz (oder nur der Sabbat) habe seine Bedeutung verloren. Wir seien vom Gesetz frei und somit seien auch Gottes Gebote überflüssig. Der Sabbat sei nur für die Juden bestimmt worden. Daher treffe man sich am Sonntag aus traditionellen und kulturellen Gründen.

 

Wenn man die Bibel nicht nur stellenweise liest, sondern den Kontext der jeweiligen Bibeltexte berücksichtigt, wird einem klar, dass Paulus nicht die Gesetzlosigkeit meint, wenn er von der Freiheit vom Gesetz spricht (siehe Anmerkungen zu Röm 7 und 8). Betrachtet man allein das Sabbatgebot, so wird ebenfalls deutlich, dass es nicht nur für Juden, sondern auch für Kinder, Sklaven, Fremde (=Heiden) und sogar für das Vieh gelten soll. Jesus selbst bestätigt, dass der Sabbat für alle Menschen gedacht ist (Mk 2,27).

 

Dann wird wiederum behauptet, der Sabbat wäre Teil des alten Bundes und darum ohne Bedeutung für uns. Auch hier wird Wahrheit und Unwahrheit vermischt: Der Sabbat war selbstverständlich ein Teil des alten Bundes aber das Gebot "Du sollst nicht töten" war es ebenso und niemand würde behaupten, dass wir jetzt töten dürfen, weil das Gebot ein Teil des alten Bundes war. Auch andere alttestamentlichen Gesetze haben noch heute ihre Bedeutung. Übrigens ist die Summe alle Gesetze und Gebote, sprich das "wichtigste Gebot" (Mt 22,37-40) nichts anderes als die Verbindung zweier Gebote aus dem AT.

 

Auf die Behauptung, dass der Sabbat "ans Kreuz genagelt" wurde, wird an anderer Stelle eingegangen. Die eigentliche Frage lautet, ist der Sabbat nur ein Sinnbild auf Jesus hin und genauso zu verstehen wie beispielsweise der Opferdienst, der lediglich eine kultische Lehrhandlung darstellte?

Die rituellen Handlungen d. h. Sinnbilder oder Schatten, wie Paulus sie in Kol 2 bezeichnet, sind in der Tat durch Jesus in Erfüllung gegangen und haben ihren Zweck erfüllt. Sie sind für uns nicht mehr bindend. Paulus schreibt im Bezug auf die Beschneidung, dass nicht die äußere, rituelle Beschneidung, sondern die innere Beschneidung zählt (Röm 2,28-29; Phil 3,3; Kol 2,11). Aber ist auch der Sabbat als eine rituelle Handlung zu verstehen?

 

Um die echte Bedeutung des Sabbats zu klären, müssen folgende Punkte untersucht werden:

1.      Wann und warum wurde der Sabbat geschaffen?

2.      Was ist Sabbatheiligung? Handel es sich um eine Kulthandlung?

Ad 1: Nun, wie wir in 2Mo 20, 8-11 lesen, wurde die besondere Rolle des siebten Wochentages am Ende der Schöpfungswoche erstmalig erwähnt. Allerdings findet sich im AT kein Hinweis darauf, dass der Sabbat, wie er in 2Mo 20 beschrieben wird, seit der Schöpfung von den Menschen tatsächlich gehalten wurde. Man findet keine Textstelle, die vor dem Exodus die Sabbatheiligung direkt beschreibt. Auf der anderen Seite möchte ich betonen, dass die Sabbatheiligung schon vor dem Berg Sinai (2 Mo 19,1f) eingeführt wurde (siehe 2Mo 16, 23). Ferner kann die vorwurfsvolle Frage "Wie lange weigert ihr euch, meine Gebote und Weisungen zu halten?" (2Mo 16, 28) im Bezug auf den Sabbat auch dahingehend interpretiert werden, dass Gott den Menschen schon früher über den Sabbat "aufgeklärt" hat. Zudem berichtet die Bibel, dass Abraham den Zehnten zahlte (Hebr 7, 2), obgleich nicht berichtet wird, dass er von Gott dazu aufgefordert wurde.

 

Noch deutlicher ist die folgende Bibelstelle:

"... weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen ist und gehalten hat meine Rechte, meine Gebote, meine Weisungen und mein Gesetz." (1Mo 26,5)

 

Abraham hielt Gottes Rechte, Gebote, Weisungen und Gesetz(!), ohne dass uns überliefert wurde, wie und wann er oder seine Vorfahren es empfangen haben. Es ist somit zu bezweifeln, dass der Sabbat nur für die Juden und eine bestimmte Zeit geschaffen wurde.

Ad 2: Es ist anzumerken, dass der Ruhetag Gottes vor dem Sündenfall des Menschen gegründet wurde. Er ist somit nicht Teil eines Anschauungsunterrichts des Erlösungswerks Jesu. Um die wahre Funktion des Sabbats zu erkennen, ist es notwendig verschiedene Bibelstellen etwas genauer zu betrachten.

 

In der Bibel lesen wir, dass der Schöpfer am siebten Tag ruhte und ihn heiligte und segnete (1Mo 2,3) und Jesus sagt in Mk 2,27: "Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht." – Gott hat den Sabbat nicht für sich (z. B. weil er ruhen wollte), sondern für die Menschen gemacht! Es ergibt sich daraus, dass Gott den Sabbat als einen besonderen Segen für den Menschen bestimmt hat. Der Ruhetag wurde also von Gott geheiligt (zur Ehre Gottes) und gesegnet (für den Menschen).


Es macht durchaus Sinn, über die Bedeutung des Wortes "heiligen" (in 1Mo 2 und in 2Mo 20) ein paar Worte zu verlieren. Das hebräische Pendant lautet (qadash (kaw-dash’)) und kann auch mit "(ab)trennen (als heilig)", "unterscheiden" oder "widmen" übersetzt werden. Der Sabbat wird also durch das Unterscheiden oder Abtrennen von den gewöhnlichen Wochentagen "heilig". Halten wir fest: Gott hat einen Wochentag (vor dem Sündenfall und vor jeglichen Bünden und Nationen) von den übrigen Tagen abgetrennt ("geheiligt") und "später" von den Menschen ebenfalls eine "Heiligung", also ein Unterscheiden der Wochentage gefordert. Ist es nicht seltsam, dass - wie manche Christen behaupten - die Heiligung und der Segen, der auf diesen Tag gelegt wurde, irgendwann ein Ende gefunden hat?

 

Die Heiligung des Sabbats im AT hat sich entsprechend dieser Bedeutung darin geäußert, dass die alltägliche Arbeit ruhte und der Tag für Gott abgetrennt und Ihm gewidmet wurde. Daher traf man sich am Sabbat in der Synagoge. Das Sabbatgebots in 2Mo 20 sagt explizit, dass alle Geschöpfe nicht arbeiten, sondern ruhen sollen, um den Sabbat zu heiligen. In diesem Sinne kann die Formulierung des Sabbatgebotes (also das "Verbot" von Arbeit) als Ausformulierung (besser: als Beschreibung eines Aspektes) der wirklichen Sabbatheiligung gesehen werden. Das Nicht-Arbeiten, also das Ruhen lassen der weltlichen Dinge, ist jedoch nur ein Aspekt der Heiligung.

 

Die Frage nach dem "Sinn" des Sabbats lässt sich wie folgt beantworten: Der Sabbat wurde als Segen für die Menschen geschaffen. Zudem fungiert er als Gedächtnistag, an dem der Mensch an seinen Schöpfer erinnert wird (2Mo 20, 8-11). Dadurch, dass die alltägliche Arbeit gemieden wird, bietet sich dem Menschen die Möglichkeit, Gott frei von anderen Sorgen und Verpflichtungen zu begegnen. Warum sollte Gott diesen Segenstag auf Golgatha ein Ende setzen?

 

Der Sabbat als Ruhetag passt perfekt zu dem natürlichen Bedürfnis nach Ruhe: Es hat sich erwiesen, dass der 7-Tage-Zyklus für den menschlichen Organismus sehr positiv ist. Die Versuche in den letzten Jahrhunderten, eine 10-Tage-Woche einzuführen, scheiterten. Natürlich ist das kein Beweis dafür, dass die Einhaltung des Sabbats noch heute von Gott gefordert wird, wohl aber ein Hinweis darauf, dass der wöchentliche Ruhetag auch heutzutage einen Sinn hat.

 

Es ist eher unwahrscheinlich, dass der Sabbat eine rituelle Kulthandlung war. Natürlich kann der Sabbat rein formell, also äußerlich gehalten und dennoch nicht richtig geheiligt werden. Wenn man nur die Buchstaben des Gesetzes sieht und nicht ihren Sinn versteht, begeht man den gleichen Irrtum, wie die Pharisäer zur Zeiten Jesu. Genauso, wie beispielsweise das Gebot "Du sollst nicht töten" oder "Du sollst nicht begehren..." durch schlechte Gedanken und Mangel an Liebe gebrochen wird (Mt 5), kann auch die Sabbatheiligung falsch verstanden werden, nämlich als eine Formsache.

 

Im Grunde hat die Feiertagsheiligung sehr viel mit unserer Beziehung zu Gott zu tun und zwar in zweierlei Hinsicht: Durch die Heiligung des Tages, also dadurch dass wir den Tag "abtrennen" und ihn unserem Schöpfer und Erlöser widmen, setzen wir zumindest einmal pro Woche ganz bewusst Gott an erste Stelle. Natürlich wäre es noch viel besser, wenn wir jeden Tag zu einem Sabbat machen könnten, doch leider sind die meisten von uns darauf angewiesen "ihr Brot sauer zu verdienen".


Auf der anderen Seite erwartet auch Gott von uns, dass wir mit Ihm Zeit verbringen
wollen. Übertragen wir unsere Beziehung zu Gott auf das Zwischenmenschliche, so erwartet ein Partner vom anderen, dass dieser eine feste Verabredung einhält und erst recht, dass der andere ihn auch treffen will. Da wahre Sabbatheiligung keine formelle Handlung ist, wird auch dieses Gebot durch die Liebe (in diesem Falle zu Gott und unseren Mitmenschen) erfüllt. Die Liebe sollte uns von sich aus dazu antreiben, uns Zeit für Gott (oder unseren Partner) zu nehmen. Vom Standpunkt der Liebe aus wäre es viel verständlicher, wenn wir für Gott alles stehen und liegen lassen und den Ruhetag genießen würden und uns nicht den Kopf darüber zerbrechen würden, ob der Sabbat als eines der zehn Gebote überflüssig und bedeutungslos geworden ist.


Dazu kommt ein weiterer Aspekt, der in unserem Kulturkreis und in unserer Zeit kaum Beachtung findet: Der Gehorsam (z. B. gegenüber den Eltern oder Gott). Auch wenn uns Gehorsam und Liebe heute wie ein Widerspruch erscheinen, so kann - muss aber nicht - auch hier die Liebe gefunden werden: Die Liebe zu Gott besteht hierbei darin, dass wir auf das hören, was er uns sagt und Ihm ganz vertrauen - auch wenn wir es nicht ganz verstehen oder wenn es uns selber nicht gefällt. Er, der Vater, weiß was gut für uns ist. Dadurch, dass die eigenen Wünsche zurückgestellt werden und wie in Mt 21,28-29 der eine Sohn letztendlich den Willen des Vaters tut, zeigt sich die Liebe zum Vater.



Von der Verbindlichkeit des Sabbat

Wenn man nun einsieht, dass die Sabbatheiligung nicht überflüssig geworden ist und nicht wie andere "Schattengesetze ans Kreuz genagelt" wurde, stellt sich unmittelbar die Frage: Darf man sich nicht selbst den Ruhetag aussuchen? (Manch einer beharrt ja auf der Aussage: "Alle Tage sind gleich" - auch wenn dies den obigen Überlegungen widerspricht; siehe Röm 14, 5).

 

Die Bibel kennt nur einen Wochentag, der für Gott abgesondert wurde: den siebten Tag der Woche. Auf diesen Tag legt Gott Seinen Segen. Die Behauptung, dass alle Tage gleich sind und es egal sei, ob ich mir den Montag, Mittwoch oder Sonntag als den Ruhetage aussuche, würde diesem Segen widersprechen. Gott hat den Menschen nicht geboten, mal eine Pause zu machen, wenn sie Lust haben, sondern er hat den Menschen einen konkreten Tag genannt, an dem sie den Alltag beiseite legen sollen, um dem Schöpfer zu begegnen. Unsere Beziehung zu Gott basiert auf der Liebe, die Gehorsam einschließt und nicht auf dem Lustprinzip oder auf unserer Meinung.

 

Natürlich ist es nicht so, dass in den ersten Jahrhunderten einige Christen einfach so dazu übergegangen sind, den Sonntag statt des Sabbats zu heiligen. Sie hatten auch ihre Gründe, die später erörtert werden sollen. Ein Blick in die Geschichte (und in die Bibel) zeigt jedoch, dass es viele Christen gab, die noch lange nach Jesu Kreuzigung den Sabbat feierten und keineswegs der Meinung waren, man könne sich den Feiertag aussuchen.

Ein klarer Hinweis darauf, dass weder Jesus noch die Apostel den Sonntag eingeführt hatten:

"Als die Portugiesen Afrika umsegelten, stellten sie erstaunt fest, dass die Äthiopier Christen waren. Es verwirrte die Portugiesen außerdem, dass dieses Volk nicht den Sonntag feierte, sondern den siebten Tag der Woche, den Sabbat (Samstag). Als eine äthiopische Gesandtschaft 1534 n. Chr. am Königshof von Lissabon darüber befragt wurde, gab sie folgende Antwort:

"Weil Gott, nachdem er die Schöpfung der Welt vollendet hatte, an demselben ruhte; da nun Gott diesen Tag den heiligen genannt haben will, so scheint die Nichtbeachtung desselben deutlich gegen Gottes Willen und Gebot, welcher eher Himmel und Erde vergehen lässt, als sein Wort, und dies besonders, da Christus nicht kam, das Gesetz zu zerstören, sondern zu erfüllen. Es geschieht deshalb nicht, um den Juden nachzuahmen, sondern aus Gehorsam gegen Christus und seine Apostel, dass wir diesen Tag feiern." (Dr. Geddes, Church History of Ethiopia, S. 87, 88)" (Ausschnitt aus dem Infobrief der Stimme der Hoffnung, Februar 2001)

 

Es gibt auch verschiedene biblische Argumente, die für die Sabbatheiligung sprechen:

"Jesus hat diese Gebote (die zehn Gebote) in der Bergpredigt nicht für aufgehoben erklärt, sondern ihre Gültigkeit bis zum Weltende bestätigt (Mt 5,17-20). Er hat sie sogar an zwei Beispielen noch verstärkt (Mt 5,21.22.27.28). Jesus besuchte regelmäßig den Gottesdienst am Sabbat (Lk 4,16). ... Seine Nachfolger sollten darum beten, in schwierigen Zeiten nicht an diesem Tag fliehen zu müssen (Mt 24,20). Laut Jesaja werden die Gläubigen den Sabbat auch auf der neuen Erde feiern (Jes 66,22.23). So ist es kein Wunder, dass die Apostel am Sabbat predigten, während sie wochentags arbeiteten oder weiterzogen (Apg 18,1-4)." (eben da)

 

Dass Paulus den Sonntag als Arbeitstag und als Reisetag nutze, wird aus Apg 18,1-4 und den Anmerkungen zu Apg 20,7f deutlich.

Zwar wird behauptet, dass sich Paulus mit den Juden am Sabbat unterhalten hat  Apg 16,13; 17,2; 18,4), um "den Juden ein Jude" zu sein und nicht etwa, weil er den Sabbat halten wollte, doch diese Behauptung bleibt unbewiesen. Im Gegenteil: Da er sich mit Juden UND Griechen also Heiden am Sabbat getroffen und unterredet hat, ist es wahrscheinlich, dass er nach dem handelte, was Johannes wie folgt formulierte:

"Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch leben, wie er gelebt hat." (1.Joh 2,6)

 

So wie Jesus am Sabbat in den Synagogen lehrte, ging auch später Paulus am Sabbat hin und lehrte das Volk. Das Jesus nicht den Sabbat aufgehoben hat, zeigt sich u. a. auch daran, dass seine Nachfolger nach der Kreuzigung nach dem Gesetz ruhten (Lk 23,56). Die bemerkenswerte Bibelstelle Mt 24,20, in der Jesus seinen Jüngern sagt, sie sollen beten, dass sie nicht am Sabbat fliehen müssen, ist ebenfalls ein Hinweis, wenn auch ein umstrittener.

 

Interessanterweise hat selbst Jesus als er gestorben ist, am Sabbat geruht, nämlich im Grab! Es gäbe sicherlich keine Schwierigkeit für Ihn, gleich am nächsten Morgen nach seinem Tod aufzuerstehen, aber er tat es erst am dritten Tag.

Auch der Blick in die Zukunft (Jes 66,22.23) ist nicht uninteressant, wo direkt oder indirekt auf den Sabbat angespielt wird. Außerdem wurden die Zehn Gebote in der Bundeslade aufbewahrt. Auch im Himmel steht eine solche Lade! (Offb 11,19) Ist diese Lade leer? Oder sind in ihr die gleichen moralischen Maßstäbe zu finden, die Gott den Menschen einst verkündet hat und nach denen Er auch einmal richten wird?

 

Der Prediger sagt in Pred 12,13.14: "Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote! Denn das soll jeder Mensch tun. Denn Gott wird jedes Werk, es sei gut oder böse, in ein Gericht über alles Verborgene bringen."

Zum Ende will ich noch einmal betonen, dass das Einhalten des Sabbatgebotes nicht eine äußere Handlung, sondern eine Herzenssache ist. So wie jedes Werk, dass nicht aus Liebe geschieht vor Gott nutzlos ist, ist auch das Sabbathalten nutzlos, wenn es nicht von Herzen kommt. Dieses darf nie vergessen werden.

 

Www.bibel-aktuell.org

 

!!!1.Thessalonicher 5:21 prüfet aber alles. Das Gute behaltet,!!!

 


Der Sabbat am Samstag oder Sonntag?


Die Hure Babylon, die Katholische Kirche, gibt öffentlich die Verlegung des Sabbats auf den Sonntag zu, ohne biblische Autorität dafür zu haben.


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