Reue, die keiner bereut


Der bessere Weg zu einem neuen Leben

Kapitel 3

Reue, die keiner bereut

Ellen Gould White

 

Wie kann ein sündiger Mensch vor Gott gerecht werden?

Die Antwort lautet:

Nur durch Christus!

Er allein kann die Beziehung zwischen Gott und Mensch neu knüpfen. Wenn das so ist, müssen wir natürlich fragen: Wie kommt man zu Christus? Diese Frage ist nicht neu. Als seinerzeit zu Pfingsten in Jerusalem viele erkannten, daß sie nicht weiterleben konnten wie bisher, wollten sie wissen:

„Brüder, was sollen wir tun?“ Petrus antwortete: „Kehrt jetzt um und macht einen neuen Anfang! Laßt euch alle auf den Namen Jesu Christi taufen! Dann wird Gott euch eure Schuld vergeben und euch seinen heiligen Geist schenken.“

Apostelgeschichte 2,37.38.

 

Reue und Buße haben damit zu tun, daß jemand seine Sünde erkennt und von ihr loskommen möchte. Wir werden die Sünde erst ablegen, wenn uns klar wird, wie verwerflich unser Tun ist. Nur wenn wir bereit sind, der Sünde ganz und gar abzusagen, kann es zu einer wirklichen Umkehr in unserem Leben kommen.

Viele verstehen die wahre Bedeutung der Buße nicht. Mag sein, daß sie bekümmert sind über ihre Sünden; vielleicht vollzieht sich bei ihnen auch äußerlich ein gewisser Wandel. Aber wenn man genau hinschaut, dann fürchten sie sich im Grunde nur vor den Folgen ihrer Taten. Das entspricht nicht dem, was die Bibel unter Buße versteht.

Wer nur die Folgen seines Tuns beklagt, ohne über die Sünde an sich bekümmert zu sein, sollte sich nicht für bußfertig halten. Wie das zu verstehen ist, läßt sich gut an Beispielen aus der Heiligen Schrift zeigen. Bileam, ein recht fragwürdiger Prophet, fragte nicht immer nach Gottes Willen. Eines Tages trat ihm ein Engel mit gezogenem Schwert in den Weg, um ihn seiner Sünden willen zur Rechenschaft zu ziehen.

Bileam erschrak und bekannte seine Sünden, weil er keine andere Möglichkeit sah, mit dem Leben davonzukommen. Solche Bekenntnisse haben meist nicht viel mit wahrer Bekehrung zu tun. Sie entspringen einer Notlage und nicht der Trauer über das falsche Verhalten. Ähnliches könnte man von Judas Iskariot sagen, der Jesus um Geld verriet.

 

Als er sah, was er angerichtet hatte, jammerte er:

„Ich habe eine schwere Schuld auf mich geladen ... ein Unschuldiger wird getötet, und ich habe ihn verraten.“ Matthäus 27,4.

Auch hier liegt der Gedanke nahe, daß die Angst vor der Verdammnis und dem Gericht Gottes größer war, als die Reue über den Verrat. Es scheint so, als habe Judas die Konsequenzen seines Handelns bedauert, aber daß er die schändliche Tat an sich bereute, lassen die biblischen Berichte nicht erkennen. Bevor Mose Israel aus der Sklaverei befreien konnte, mußte Gott den ägyptischen Herrscher durch Plagen regelrecht „zwingen“, seine Einwilligung zum Auszug zu geben. Immer, wenn Unheil hereinbrach, bekannte der Pharao seine Sünden und gelobte, die Hebräer ziehen zu lassen.

War die Plage vorbei, brach er sein Versprechen. Offensichtlich „bereute“ er nur, um weiteren Plagen zu entgehen. Auch er scheute mehr die Folgen als die Sünde selbst. Anders dagegen, wenn der Mensch sein Herz dem Einfluß des Geistes Gottes öffnet. Wo das geschieht, erwacht das Gewissen, und der Schuldige begreift, daß Sünde immer auch ein Vergehen gegen Gottes heilige Ordnungen ist, unabhängig davon, welche Folgen sie sonst noch hat. Von Jesus heißt es, daß er „in die Welt kam und in der Welt war, um allen Menschen Licht zu geben“.

Johannes 1,9.

 

Diese bildhafte Aussage läßt sich auch so deuten, daß Christus bis in die entferntesten Winkel unseres Herzens leuchtet und die geheimsten Regungen unserer Seele ans Licht bringt.

Der Mensch wird sozusagen von innen her erleuchtet und erschrickt im Lichte der Gerechtigkeit Gottes über seine eigene Ungerechtigkeit. Zugleich erkennt er, daß Gott nicht nur heilig ist, sondern auch voller Liebe.

Und er wünscht sich nichts sehnlicher als die Vergebung seiner Schuld, um wieder in ungetrübter Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater leben zu können.

Ein Beispiel echter Reue findet sich in den Psalmen Davids. Als ihn der Prophet Natan wegen des Ehebruchs mit Batseba zur Rede stellte, sah der König seine Tat plötzlich im Lichte Gottes.

Sein Gebet zeigt, daß der Kummer über die Sünde echt und die Reue aufrichtig war. David versuchte nicht, die Schuld abzuschwächen oder zu verharmlosen.

Er schüttete sich auch nicht „Asche aufs Haupt“, um die Folgen der Sünde so gering wie möglich zu halten. Vielmehr scheint er über das Ausmaß seiner Schuld zutiefst erschrocken gewesen zu sein. Dabei ging es ihm nicht in erster Linie um die äußeren Folgen seiner Sünde, sondern um die innere Verdorbenheit. Deshalb bat er nicht nur um Vergebung, sondern um Reinheit des Herzens. Er sehnte sich nach Heiligkeit und wollte wieder in ungetrübter Gemeinschaft mit Gott leben.

 

So ist sein Gebet bis auf den heutigen Tag ein bewegendes Zeugnis echter Reue:

„Gott, du bist reich an Liebe und Güte; darum erbarme dich über mich, vergib mir meine Verfehlungen!

Nimm meine ganze Schuld von mir, wasche mich rein von meiner Sünde! Ich weiß, ich habe Unrecht getan, meine Fehler stehen mir immer vor Augen.

Gegen dich selber habe ich mich vergangen, ich habe getan, was du verabscheust.

Darum bist du im Recht, wenn du mich schuldig sprichst.

Es wird sich zeigen, daß dein Wort gilt.

Verfehlung und Schuld bestimmen mein Leben, seit meine Mutter mich in diese Welt hineingeboren hat.

Das war mir verborgen; du hast es mir gezeigt.

Dir gefällt es, wenn einer die Wahrheit erkennt.

Nimm meine Schuld von mir, dann werde ich rein!

Wasche mich, dann werde ich weiß wie Schnee!

Laß mich wieder Freude erleben und mit deiner Gemeinde jubeln.

Du hast mich völlig zerschlagen; richte mich doch wieder auf!

Sieh nicht auf meine Verfehlungen, tilge meine ganze Schuld!

Mach mich zu einem neuen Menschen, HERR, der fest und beständig zu dir hält!

Vertreibe mich nicht aus deiner Nähe, entzieh mir nicht deinen göttlichen Geist!

Mach mich doch wieder froh durch deine Hilfe, und gib mir ein gehorsames Herz!“

Psalm 51,1-14.

 

Solche Reue kann kein Mensch aus sich selbst hervorbringen; sie ist ein Geschenk Christi, der bei Gott für die Menschen eintritt. Das kann nicht oft genug betont werden; denn viele Menschen haben in dieser Beziehung irrige Vorstellungen.

Sie meinen, Christus erst um Hilfe bitten zu können, nachdem sie bereut und Buße getan haben, da Buße die Vorstufe zur Vergebung der Sünden sei. Das ist ja auch richtig; denn wer seine Sünde nicht bereut, wird sich auch nicht nach Erlösung sehnen. Hier geht es eigentlich nur um die richtige Reihenfolge.

Deshalb ganz konkret die Frage: Muß ein Sünder warten, bis er bereut hat, ehe er zu Jesus kommen darf? Soll denn die Buße als Hindernis zwischen dem Sünder und dem Erlöser stehen?

Die Bibel lehrt nirgends, daß der Sünder erst Reue empfinden müsse, ehe er der Einladung Christi Folge leisten kann:

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“

Matthäus 11,28.

 

Das ist die Einladung; von Reue ist hier noch nicht die Rede. Das „Zu-Jesus Kommen“ ist also nicht an Vorleistungen wie Reue oder Buße gebunden; die erwachsen nämlich erst aus der Begegnung mit ihm. Ähnlich äußerte sich Petrus vor dem Hohen Rat in Jerusalem, als man ihm verbot, öffentlich von Jesus zu sprechen:

„Gott hat ihn als Herrscher und Retter zu dem Ehrenplatz an seiner rechten Seite erhoben. Durch ihn will er Israel dazu bringen, daß es umkehrt und ihm seine Schuld vergeben werden kann.“

Apostelgeschichte 5,31.

Ohne den Geist Christi, der das Gewissen weckt, können wir weder Buße tun, noch Vergebung der Sünden empfangen. Der heilige Geist ist der Ursprung allen guten Wollens. Er allein läßt uns erkennen, wie verwerflich die Sünde ist, und schenkt die Kraft, sie zu überwinden.

Erst wenn Gottes Geist unser Herz berührt, regt sich der Wunsch nach Rechtschaffenheit und Reinheit, weil wir in seinem Lichte sehen, wie wir wirklich sind. Im Blick auf seine Kreuzigung sagte Jesus: „Wenn ich von der Erde erhöht werde, will ich alle zu mir holen.“

Johannes 12,32.

 

Zuerst muß der Sünder Christus als seinen Heiland erkennen, der für die Sünden der Welt in den Tod ging. Wenn wir aufblicken zu dem gekreuzigten Sohn Gottes, dann fangen wir an, das Geheimnis der Erlösung zu begreifen. Indem Christus für uns starb, zeigte er, wie unfaßbar groß seine Liebe ist.

Im Nachdenken über diese Liebe bricht das Herz des Sünders auf und öffnet sich der Reue. Nun mag jemand einwenden, daß es auch Menschen gibt, die sich ihrer Charakterschwächen oder bösen Taten schämen, obwohl sie gar nicht an Christus glauben. Ist das nicht ein Beweis dafür, daß echte Reue auch aus anderen Quellen kommen kann?

Ich glaube nicht! Wer um Erneuerung ringt und von dem Verlangen beseelt ist, rechtschaffen zu leben, steht bereits unter dem Einfluß Christi, ob er es weiß oder nicht. Wenn das Gewissen erwacht, geschieht das nicht, weil der Mensch es so will, sondern weil sich Gott durch den heiligen Geist in sein Leben „einmischt“.

Selbstverständlich kann sich der Mensch dem Einfluß Christi und seiner Liebe entziehen. Dann wird er das Ende des Weges, an dessen Anfang Reue und Buße stehen, nicht erreichen. Verschließt er sich dem Werben Christi jedoch nicht, führt ihn der heilige Geist Schritt für Schritt in den Erlösungsplan ein.

Schließlich wird er am „Fuße des Kreuzes“ erkennen, daß es auch seine Sünden waren, die den Gottessohn in den Tod getrieben haben. Derselbe göttliche Geist, der in der Schöpfung wirkt, spricht auch zu den Herzen der Menschen. Er weckt in ihnen eine unerklärliche Sehnsucht, die zeigt, daß ihrem Leben das Entscheidende fehlt.

Wo das geschieht, können alle Angebote dieser Welt das Verlangen der Seele nicht mehr stillen. Aber der heilige Geist hilft, das zu finden, was allein Frieden und Ruhe geben kann: die Gnade Christi und die Freude, die der Gotteskindschaft entspringt. Gott möchte, daß uns die zweifelhaften Freuden der Welt unwichtig werden, weil wir ausgefüllt sind von dem, was er anbietet.

Deshalb ruft er allen, die nach Wahrheit dürsten, zu:

„Wer durstig ist, soll kommen, und wer von dem Wasser des Lebens trinken möchte, wird es geschenkt bekommen.“

Offenbarung 22,17.

 

Wenn du dich nach etwas sehnst, was die Welt nicht geben kann, dann erkenne in diesem Verlangen die Stimme Gottes! Bitte ihn um echte Reue und darum, daß dir Christus in seiner Liebe und Reinheit offenbart werde. Sein Leben ist der beste Beweis dafür, daß sich Gottes Gesetz in dem Wort Liebe zusammenfassen läßt:

Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten.

Und wenn wir auf ihn blicken und damit beginnen, seine Liebe in unser Leben hineinzunehmen, wird uns bewußt werden, wie unvollkommen wir noch sind. Mag sein, daß wir uns bisher wie Nikodemus eingebildet haben, unser Lebenswandel sei einigermaßen rechtschaffen, unsere sittliche Haltung weise kaum Flecken auf, so daß es eigentlich nicht nötig sei, sich in dem Maße vor Gott zu demütigen, wie das bei anderen nötig ist.

Doch wenn Christus uns erleuchtet, wird klar, daß unsere Gerechtigkeit nichts wert ist, daß allein Jesus uns von der Sünde reinwaschen und unser Herz erneuern kann. Ein Strahl der Herrlichkeit Gottes, ein Schimmer der Reinheit Christi, die unser Innerstes durchdringen, lassen jeden Schmutzfleck deutlich hervortreten und legen unsere Fehler und Schwächen, unsere unheiligen Wünsche, die Untreue unseres Herzens und unsere Doppelzüngigkeit bloß.

Der Geist des Herrn durchdringt alles und führt zur Demut.Wer seinen eigenen Charakter am Wesen Jesu mißt, muß erschrocken feststellen, daß er vor Gott nicht bestehen kann.

Als Daniel die Herrlichkeit Gottes sah, die den himmlischen Boten umgab, der zu ihm gesandt worden war, überwältigte ihn das Gefühl der eigenen Schwäche und Unvollkommenheit. Der Prophet beschrieb diese Erfahrung so: „Beim Anblick der gewaltigen Erscheinung verließ mich alle Kraft, und das Blut wich aus meinem Gesicht.“

Daniel 10,8.

Wer so etwas erlebt, schämt sich seiner Selbstsucht und Eigenliebe. Er sehnt sich nach einem reinen Herzen und möchte in ungetrübter Gemeinschaft mit Gott leben. Der Apostel Paulus schreibt im Blick auf seinen Lebenswandel, er sei „gemessen an dem, was das Gesetz vorschreibt ... ohne Fehler“ (Philipper 3,6) gewesen.

 

Als er aber den tieferen Sinn des Gesetzes verstanden hatte, erkannte er sich trotz allem als Sünder. Gemessen am Buchstaben des Gesetzes, hatte sich Paulus nichts zu Schulden kommen lassen, aber dann sah er sich, wie Gott ihn sah, und gestand:

„Wir wissen genau: In uns selbst, so wie wir von Natur sind, ist nichts Gutes zu finden.Wir bringen es zwar fertig, das Rechte zu wollen; aber wir sind zu schwach, es auch auszuführen. Wir tun nicht das Gute, das wir gern möchten, sondern das Böse, das wir verabscheuen.“

Römer 7,18.19.

 

Paulus war klargeworden, daß das Gesetz von anderer Art ist, als er bisher angenommen hatte. Nun sah er das Böse in seiner ganzen Abscheulichkeit. Seitdem hatten Hochmut und Selbstgerechtigkeit keinen Platz mehr in seinem Leben. Nicht jede Sünde wiegt gleich schwer. Auch Gott kennt Unterschiede hinsichtlich der Größe der Schuld, aber wie geringfügig diese oder jene unrechte Tat in unseren Augen auch sein mag: vor Gott ist keine Sünde so gering, daß er darüber hinwegsehen könnte.

Unser menschliches Urteil ist einseitig und unvollkommen; Gott aber beurteilt alles so, wie es wirklich ist. Da blickt man mit Verachtung auf einen Trunkenbold und denkt, daß ihn seine Sünde vom Reich Gottes ausschließen wird. Wie oft aber geht man über Hochmut, Eigenliebe, Habgier oder Klatschsucht hinweg, ohne ein Wort zu verlieren! Doch gerade diese Sünden sind vor Gott besonders verwerflich; denn sie stehen in schroffem Gegensatz zu seiner Selbstlosigkeit und Liebe.

Wer in grobe Sünden gefallen ist, kann seine Schande und Bedürftigkeit kaum übersehen; er weiß, daß er der Gnade Christi bedarf.

Der Stolze dagegen ist sich seiner Sünde oft nicht einmal bewußt. Sein Herz verschließt sich vor Christus, und er kann den Segen, den Gott bereit hält, nicht empfangen. Denkt an den Zolleinnehmer, von dem Jesus im Gleichnis erzählte.

Der Mann wußte, wie die Leute über ihn dachten, und in seinem Herzen spürte er, daß sie recht hatten. Deshalb betete er eines Tages im Tempel: „Gott, hab Erbarmen mit mir, ich bin ein sündiger Mensch!“

Lukas 18,13.

 

Im Gegensatz zu dem selbstgerechten Pharisäer hatte der Zolleinnehmer sein Elend erkannt. Deshalb kam er mit der Last seiner Schuld und Schande zu Gott und bat um Vergebung. Sein Herz war offen für das Wirken des heiligen Geistes, durch das er von der Macht der Sünde befreit werden konnte. Ganz anders der Pharisäer. Seine eitle Selbstdarstellung zeigt, wie weit er innerlich von Gott entfernt war.

Weil es in seinem Herzen keinen Platz für den Geist Gottes gab, begriff er auch nicht, wie verloren er in Wirklichkeit war. Statt um Vergebung zu bitten, rühmte er sich seiner vermeintlichen Vorzüge. Er spürte sein Elend nicht, deshalb konnte ihm auch nicht geholfen werden.

Wir halten fest: Sündenerkenntnis ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg des Heils. Allerdings lauert an dieser Stelle auch eine große Gefahr.

Viele, die sich ihrer Schuld bewußt werden, meinen, jetzt müßten sie mit voller Kraft darangehen, sich selbst besser zu machen. Sie glauben, bevor sie zu Christus kommen können, müsse sich ihr Leben grundlegend ändern. Wer so denkt, muß sich allerdings fragen lassen:

Meinst du wirklich, du könntest aus eigener Kraft ein besserer Mensch werden?

Gottes Wort hat diese Frage längst mit einem klaren Nein beantwortet: „Kann ein Schwarzer seine Hautfarbe wechseln oder ein Leopard sein geflecktes Fell?

Genauso wenig seid ihr fähig, das Gute zu tun; zu sehr habt ihr euch an das Böse gewöhnt!“

Jeremia 13,23.

 

Wenn es irgendwo Hilfe gibt, dann erwächst sie nicht aus der Kraft unseres Willens oder aus moralischen Anstrengungen, sondern kommt allein von Gott. Es ist auch töricht, erst auf einen stärkeren Glauben, bessere Gelegenheiten oder heiligere Gefühle zu warten.

Wir können nichts aus uns selbst erreichen. Wir müssen zu Christus kommen, so wie wir sind. Niemand aber betrüge sich selbst mit dem Gedanken, daß Gott in seiner großen Liebe und Barmherzigkeit auch die noch retten werde, die seine Gnade verschmähen. Nur im Licht des Kreuzes erkennen wir die außerordentliche Sündhaftigkeit der Sünde.

Wer da behauptet, Gottes Erbarmen sei zu groß, als daß er von ihm verdammt werden könnte, sollte nach Golgatha blicken. Es gab keinen anderen Erlösungsweg für die Menschen. Ohne das Opfer am Kreuz kann keiner der Macht der Sünde entrinnen und in die Gemeinschaft der Heiligen gelangen.

Die Liebe, das Leiden und der Tod des Sohnes Gottes sind ein Beweis für die furchtbare Macht der Sünde, der wir unentrinnbar unterworfen sind. Es gibt keine Hoffnung auf ewiges Leben, solange wir uns nicht Christus anvertraut haben. Unbußfertige Menschen entschuldigen sich oft damit, daß sie von anderen Christen sagen:

„So gut wie die bin ich längst. Bei denen ist auch nicht mehr Selbstverleugnung zu erkennen, sie beherrschen sich nicht mehr als ich und sind nicht gewissenhafter in ihrem Lebenswandel als ich. Sie lieben ebenso die Freuden und Vergnügungen dieser Welt.“

Das ist sicher nicht von der Hand zu weisen; aber dadurch, daß man sich mit den Fehlern anderer rechtfertigt und mit deren Versäumnissen entschuldigt, ist doch nichts gewonnen. Wenn Gott unser Leben beurteilt, wird er nicht danach fragen, wie wir im Vergleich mit anderen abgeschnitten haben.

Unser Maßstab sind nicht Menschen, die uns besser oder schlechter erscheinen als wir es sind, sondern wir haben uns an Christus zu messen. Er ist unser Vorbild. Wer sich über den fragwürdigen Lebenswandel anderer Christen aufregt, setzt ein verkehrtes Zeichen. Viel besser wäre es, durch das eigene Verhalten deutlich zu machen, was gut und richtig ist. Wer andere kritisiert, will damit ja wohl zeigen, daß er es besser weiß.

Nur, wenn „Besserwissen“ nicht zum „Bessermachen“ führt, nützt es nichts. Leider stellt sich oft gerade bei denen, die genau wissen, was richtig ist, heraus, daß sie selbst nicht bereit sind, es zu tun.

Hüten wir uns davor, die Bekehrung mit fadenscheinigen Begründungen auf die lange Bank zu schieben.

 

Unzählige haben diesen Fehler begangen und dadurch ihr Heil verscherzt. Trennt euch von euren Sünden, indem ihr sie zu Jesus bringt. Er nimmt sie euch ab und reinigt eure Herzen von aller Schuld. Ich will nicht viele Worte darüber verlieren, wie kurz unser Leben sein kann, und wie wenig wir die Zukunft in der Hand haben.

Das wissen alle, auch wenn viele den Gedanken daran lieber verdrängen. Doch es ist gefährlich, an sündigen Gewohnheiten festzuhalten, weil man der mahnenden Stimme des heiligen Geistes kein Gehör schenkt. Unbußfertigkeit birgt immer die Gefahr in sich, das ewige Leben zu verlieren, ganz gleich, ob die Schuld „groß“ oder „klein“ ist. Was wir nicht mit Christi Hilfe überwinden, das wird letztlich uns überwinden und ins Verderben reißen.

Adam und Eva verkannten das Ausmaß und die möglichen Folgen ihrer Sünde, als sie zur verbotenen Frucht griffen. Doch dann zeigte sich, daß dieser scheinbar geringfügige Ungehorsam die Sünder von Gott trennte und eine Lawine von Leid und Tod über die Menschheit hereinbrechen ließ. Seit jener Zeit steigt ein unaufhörliches Wehklagen von der Erde zum Himmel empor.

Die ganze Schöpfung wurde durch die Sünde unserer Ureltern ins Unglück gestürzt. Selbst der Himmel hat die Folgen des Ungehorsams zu spüren bekommen.

Das Kreuz auf Golgatha zeigt, welche Anstrengung nötig war, um die Mißachtung des Willens Gottes zu sühnen. Deshalb sollten wir Sünde niemals auf die leichte Schulter nehmen. Jede Übertretung der Gebote, jede Geringschätzung oder Zurückweisung der Gnade Christi fällt auf uns zurück.

Dadurch verhärtet sich das Herz, der Wille wird geschwächt, der Verstand beeinträchtigt und unfähig gemacht, der mahnenden Stimme des heiligen Geistes zu folgen. Viele suchen ihr Gewissen damit zu beruhigen, daß sie sich einreden, sie könnten zu jeder Zeit vom Weg der Sünde auf den des Gehorsams überwechseln. Manche verlassen sich darauf, daß Gott nicht nur einmal zur Umkehr mahnt, sondern immer wieder. Nicht zu vergessen diejenigen, die hoffen, ihr Leben noch in letzter Minute durch eine Bekehrung abrunden zu können.

 

Wer so denkt, treibt ein gefährliches Spiel.

Er rechnet nicht damit, daß seine Erfahrungen und seine Lebensweise das Denken und den Charakter in einer Weise formen können, die schließlich gar nicht mehr den Wunsch zu einem Leben mit Christus aufkommen läßt. Sünde, die wir hegen und pflegen, ist ein Nährboden, auf dem die Abneigung gegen Gott schneller wächst als uns lieb sein kann. Wer in ungläubigem Trotz oder störrischer Gleichgültigkeit gegen Gottes Willen beharrt, wird einst das ernten, was er gesät hat.

In der ganzen Bibel findet sich kaum eine ernstere Warnung vor dem Spiel mit dem Bösen als die Worte Salomos:

„Deine Sünde wird dir zur Schlinge, in der du dich selber fängst.“

Sprüche 5,22.

 

Christus ist bereit, uns von der Sünde zu erlösen; doch er wird uns niemals dazu zwingen. Wenn wir nicht den Wunsch haben, frei zu werden, und nicht den Willen, sein Gnadenangebot anzunehmen — was kann er dann noch für uns tun? Wir selbst bringen das Verderben über uns, wenn wir Gottes Liebe hartnäckig abweisen.

In der Heiligen Schrift heißt es „Gebt acht, jetzt ist die Zeit der Gnade! Heute ist der Tag der Rettung!“ 2.Korinther 6,2.

Und an anderer Stelle:

„Seid heute, wenn ihr meine Stimme hört, nicht so verstockt ...“

Hebräer 3,7-8.

 

Gott sagte zu Samuel: „Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe ins Herz“ (1.Samuel 16,7)—in unser Herz, in dem Freude und Leid miteinander streiten; in das irrende, launische Herz, in dem so viel Unreinheit und Falschheit wohnt. Gott kennt die Beweggründe, die eigentlichen Ziele und Absichten des Menschen.

Wende dich zu ihm mit deinem unreinen Herzen! Versuche gar nicht erst, Gott hinters Licht zu führen; denn ihm machst du nichts vor! Bitte ihn so wie einst David:

„Durchforsche mich, Gott, sieh mir ins Herz, prüfe meine Wünsche und Gedanken! Und wenn ich in Gefahr bin, mich von dir zu entfernen, dann bring mich zurück auf den Weg zu dir!“

Psalm 139,23-24.

Bedauerlicherweise begnügen sich viele mit einem Verstandesglauben oder gar mit einer christlichen Fassade, ohne daß sie ihr Herz je von Gott hätten reinigen lassen. Bete deshalb:

„Mach mich zu einem neuen Menschen, HERR, der fest und beständig zu dir hält!“

Psalm 51,12.

Sei ehrlich zu dir selbst, denn davon hängt das ewige Leben ab. Wenn du Zukunft haben willst, muß zwischen dir und Gott alles in Ordnung gebracht werden. Du brauchst die Gewißheit, gerettet zu sein, Vermutungen helfen nicht. Forscht unter Gebet in der Heiligen Schrift!

Sie zeigt euch im Gesetz Gottes und im Leben Christi die wesentlichen Grundsätze der Heiligung, ohne die wir „den Herrn nicht zu sehen bekommen“.

Hebräer 12,14.

Gottes Wort sagt uns, was Sünde ist, und zeigt zugleich den Weg der Rettung. Verzweifelt nicht, wenn euch das Ausmaß eurer Sündenschuld bewußt wird und ihr erkennt, wie ihr wirklich seid!

Wir müssen Gott nicht mit uns versöhnen, sondern Gott hat „in Christus selbst gehandelt und hat aus dem Weg geschafft, was die Menschen von ihm trennte“.

2.Korinther 5,19.

Er wirbt in inniger Liebe um seine Kinder. Irdische Eltern werden kaum mit ihren Kindern so geduldig sein, wie Gott mit denen, die er retten will. All seine Verheißungen, aber auch seine Warnungen haben nur das eine Ziel, seine verirrten Kinder wieder ins Vaterhaus zurückzubringen. Welch eine Liebe!

Wenn Satan dir einflüstert, daß du ein großer Sünder bist, dann blicke auf zu deinem Erlöser und berufe dich auf das, was er für dich getan hat. Bekenne deine Sünden und halte Satan entgegen: „Jesus kam in die Welt, um die Sünder zu retten.“

1.Timotheus 1,15.

Klammere dich daran, daß seine unbegreifliche Liebe dich gerettet hat. Als Jesus eines Tages bei einem Pharisäer zu Gast war, erzählte er ein Gleichnis:

„Zwei Männer hatten Schulden bei einem Geldverleiher, der eine schuldete ihm fünfhundert Silberstücke, der andere fünfzig. Weil keiner von ihnen zahlen konnte, erließ er beiden ihre Schulden. Welcher von ihnen wird wohl dankbarer sein?“

Simon antwortete: „Ich nehme an, der Mann, der ihm mehr geschuldet hat.“

Lukas 7,41-43.

Keiner von uns kann sagen, ich stehe vor Gott schuldlos da. Deshalb wurde Gottes Sohn Mensch, um die „Schulden“ zu tilgen. Was sein Opfer bewirkte, reicht aus, um uns mit Gott zu versöhnen. Und auch hier gilt: Je größer die Schuld war, desto intensiver werden Liebe und Dankbarkeit sein.

Je besser wir Gottes Liebe erkennen, um so deutlicher wird uns auch die Sündhaftigkeit der Sünde. Je fester wir Gottes Hand ergreifen, desto mehr wird sich ihm unser Herz in Liebe und Reue öffnen.

 

Wegsehen hilft nicht!

„Ich kann den Dreck nicht mehr sehen“, beschwert sich die Hausfrau und zieht die Gardinen vor die schmutzigen Fensterscheiben.

Wenn es um den „Schmutz der Sünde“ geht, machen es viele ähnlich wie sie.

Die Bibel fordert dagegen zur Buße auf. „Buße“ heißt:

Sünde nicht nur erkennen und zugeben, sondern auch alles tun, um von ihr befreit zu werden. Leider ist diese Bedeutung des Begriffs „Buße“ kaum noch vorhanden. Heute spricht man von „Bußgeld“ und meint damit eine Entschädigung oder Strafe für ein Vergehen.

Oder man sagt:

„Das mußt du mir büßen!“ und denkt an Strafe oder Vergeltung. Das paßt zwar zur Verwandtschaft von „Buße“ mit „besser“ im Althochdeutschen, ist jedoch weit vom biblischen Verständnis dieses Wortes entfernt.

 

Unser ständiger Begleiter

Ein kinderloser König suchte einen Jungen, den er zum Prinzen machen wollte. Als er in einer Gruppe spielender Kinder einen fand, der ihm gefiel, versprach er: „In einem Jahr komme ich wieder.

Wenn du dich bis dahin so wie ein Königskind verhältst, nehme ich dich an meinen Hof und mache dich zu meinem Sohn.“ So sehr sich der Junge auch bemühte:

Die Umwelt war stärker. Nach ein paar Monaten war er von seinen Spielgefährten nicht mehr zu unterscheiden. Er war eben ein Junge von der Straße und kein geborener Prinz!

Ein anderer König, dem es ähnlich wie dem ersten erging, machte es anders:

Als er den Jungen fand, den er für geeignet hielt, stellte er keine Bedingungen, sondern nahm ihn mit an seinen Hof, adoptierte ihn und gab ihm einen Erzieher zur Seite, der Tag und Nacht für ihn da war. Immer wenn das Kind einen Fehler machte, erinnerte er den Jungen daran: „Majestät, Sie sind ein König.

Ein König aber benimmt sich anders.“ Er lehrte ihn das rechte Verhalten und erinnerte ihn immer wieder daran, was er bereits war. Dieses Experiment gelang: Trotz aller Rückfälle verwandelte sich der Straßenjunge in einen wirklichen Prinzen. Genau das tut der heilige Geist für alle, die Gott zu seinen Kindern gemacht hat. Er ist ihr ständiger Begleiter, der sie ermutigt, anleitet und schützt.

 

Wertberichtigung

Wie viel Tränen hat es uns als Buben gekostet, wenn die Mutter unsere „Schätze“ aus den Hosentaschen entfernt hat: ein Stück Kupferdraht, ein glatt geschliffener Stein, ein Stück Kreide ... Alles Dinge, die einem so wertvoll waren, von den Eltern jedoch als Plunder betrachtet wurden, der die Hosentaschen zerreißt.

Später hat sich immer wieder der Wert der Dinge verändert, an denen unser Herz hing. Entweder erwiesen sie sich als Plunder, oder wir fanden etwas Besseres. Paulus beschrieb seine Erfahrung mit den Worten: „Dies alles, was mir früher als großer Vorzug erschien, habe ich durch Christus als Nachteil und Schaden erkannt.

Ich betrachte überhaupt alles andere als Verlust im Vergleich mit dem überwältigenden Gewinn, daß ich Jesus Christus als meinen Herrn kenne. Durch ihn hat für mich alles andere seinen Wert verloren, ja ich halte es für bloßen Dreck.

Nur noch Christus besitzt für mich einen Wert. Zu ihm möchte ich um jeden Preis gehören.“ (Philipper 3,7-9)

Dieses Umdenken ist mit dem Wort „Bekehrung“ gemeint. Es ist ein Sinneswandel und eine Kehrtwendung zu Gott hin, die der heilige Geist bewirkt.

 

Zum Nachdenken

—Wie kommt echte Buße zustande? Welche Rolle spielt dabei der Mensch, was tut Gott?

—In welchen Situationen ist es mir ähnlich wie David ergangen, nachdem er schwer gesündigt hatte? Was hat bei mir zur Reue geführt?

—Was muß geschehen, damit sich die Einstellung eines Menschen zur Sünde ändert?

—Wie wird man zum Pharisäer?

 

Www.bibel-aktuell.org

 

!!!1.Thessalonicher 5:21 prüfet aber alles. Das Gute behaltet,!!!


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