Gibt es ein Fegefeuer?

Platzieren Sie hier Ihre eigenen Texte und Bilder. Bearbeiten Sie diesen Text einfach durch einen Doppelklick.

Für die ersten Christen bestand kein Anlass, sich über den Zustand des Menschen im Tode grosse Sorgen zu machen. Sie erwarteten die baldige Rückkehr ihres geliebten Meisters, der sich schon durch mehrere Totenauferweckungen und erst recht durch seine eigene Auferstehung als Herr über Leben und Tod ausgewiesen hatte. Als dann aber die Wiederkunft Jesu noch nicht stattfand, wie die ersten Zeugen der Auferstehung Christi erwartet hatten, schlichen sich allerlei Ersatzhoffnungen in die christliche Gemeinde ein.

An solchen bestand vor allem in der griechischen Welt ein reichhaltiges Angebot. Besonders die platonische Lehre von der Unsterblichkeit der Seele und die vielen zirkulierenden Ausschmückungen des griechischen Hades schienen geeignet zu sein, die durch die Verzögerung der Rückkehr Jesu entstandene Lücke auszufüllen. Die Annahme eines irgendwie als Weiterleben gearteten Zwischenzustandes für die Zeit vom Tode bis zur Wiederkunft Jesu bot eine Fülle von Möglichkeiten, diesen „leeren Raum“ auszuschmücken, und schien das Warten auf die endgültige Erfüllung des von Gott Verheissenen zu erleichtern.

Lebten die Seelen Verstorbener, dann musste man sich unwillkürlich Gedanken machen über ihr Ergehen. Viele meinten, die Seelen der Gläubigen stiegen beim Sterben gleich in den Himmel. Aber irgendwie widersprach diese Annahme dem Worte Gottes, das doch von der Notwendigkeit eines Gerichts sprach, bevor der Mensch schliesslich entweder Belohnung oder Strafe empfangen konnte.

Dazu kam noch, dass manche Christen einen fragwürdigen Lebenswandel führten und daher gar nicht bereit schienen für eine sofortige Aufnahme in den Himmel. Sie wünschten sich eine Gelegenheit, Versäumtes jenseits des Todes nachzuholen. Gleich kam auch die Frage, was man für Verstorbene tun könnte, für deren Seligkeit man vielleicht aus guten Gründen bangte. In der Zeit der Apostel wurden die Christen noch nicht von solchen Gedanken und Sorgen geplagt. Je weiter man aber von der herrlichen Botschaft des Heils in Christus und seiner Gerechtigkeit abrückte, desto mehr vertraute man auf eigene Werke und Bussübungen, denen der Gedanke des Verdienens und Abbüssens zugrunde lag.

Damit war der Boden vorbereitet für eine Lehre, deren zentraler Gedanke in der Möglichkeit gesehen wird, nach dem Tode die fehlende Vollkommenheit nachzuholen. Es ging also um das „Abtun jener Schäden, die der Seele aus der Unvollkommenheit ihres Wandels auf Erden noch verblieben sind“.

Tertullian (ab Mitte des 2. und Anfang des 3. Jh.) war der erste Christ, welcher Äusserungen machte, die als Hinweise auf eine Läuterung in einem Zwischenzustand gedeutet werden können. Allerdings waren seine Angaben noch widersprüchlich, denn er lehrte zugleich, dass „jede Seele im Hades in Gewahrsam gehalten werde bis zum Tag des Herrn“. Er berichtet auch über das Beten für Verstorbene. Später wogte noch lange ein Hin und Her über Ablehnung oder Annahme solcher Gedankengänge.

Auf verschiedenen Konzilien formulierte die Kirche dann das Dogma, wonach es nach dem Tode einen Läuterungsprozess gebe, der aber durch Fürbitte der Gläubigen und durch Ablässe der Kirche abgekürzt werden könne. „Seit dem Ausgang des Mittelalters lehrt sie [die kath. Kirche] eindeutig, dass die Seelen der Gerechten, die noch nicht ganz gereinigt sind, sofort nach dem Tod durch eine zeitlich begrenzte Prüfung zu gehen haben, nach der sie dann in den Himmel kommen, ohne dass sie auf die Auferstehung des Fleisches und das Jüngste Gericht warten müssen.“1

1 Rondet, Henry S. J.: „Das Mysterium des Fegfeuers“, S. 52. Verlag Paul Pattloch, Achaffenburg, 1958.

 

Die Gefahr, der Bibel Sinnwidriges zu unterstellen

Über Ort, Zeitdauer und Art des Fegefeuers macht die katholische Kirche keine endgültigen Aussagen. Das Konzil zu Trient hat empfohlen, in der Erklärung und Beschreibung des Fegefeuers zurücchaltend zu sein. Trotzdem werden auch heute noch die widersprechendsten Ansichten über das Fegefeuer gepredigt und in der kath. Literatur verbreitet. (Es gibt auch zahlreiche bildliche Darstellungen über das Fegefeuer.)

Nun stehen wir vor der bedeutsamen Frage, ob sich die Lehre vom Fegefeuer mit der Bibel rechtfertigen lässt. Zunächst einmal muss mit aller Deutlichkeit wiederholt werden, dass die Heilige Schrift nur unser jetziges Leben und das nach der Auferstehung kennt.

Offenbar wissen auch kirchliche Schriftsteller davon, dass sich die Lehre vom Fegefeuer recht schwer mit der Bibel begründen lässt. So schreibt denn Henry Rondet S.J.2:

2 Rondet, Henry S. J.: Wie 1 S. 148.

„Wie kann man aber ein Dogma einordnen, wenn man nicht auf seine Quelle zurückgeht und besonders seine Ursprünge in der Heiligen Schrift aufsucht? Wir müssen also feststellen, was die Heilige Schrift über das Fegfeuer lehrt. Zuvor aber müssen wir mit einer falschen Meinung aufräumen.

Wollte man nämlich in der Heiligen Schrift ,Dinge‘ über das Fegfeuer finden, Details, so hiesse das, dieses Unternehmen von vornherein zum Scheitern zu verurteilen. Wir finden nämlich in der Tat nichts oder fast gar nichts über den Ort, die Strafen, die Dauer usw. ... Die Heilige Schrift über das Fegfeuer zu befragen, heisst also absolut nicht, eine Blütenlese von ,Texten‘ zu sammeln, die den Zustand der Seelen der Gerechten an diesem Reinigungsort beweisen oder beschreiben …

Will man darüber hinaus aus der Heiligen Schrift Einzelheiten herauslesen, so begibt man sich in die Gefahr, Sinnwidriges hineinzulesen, denn das hiesse, der Heiligen Schrift einen Sinn unterstellen, den sie nicht hat. So wird man also bald feststellen, was schon so viele andere festgestellt haben, dass nämlich die Heilige Schrift über das Fegfeuer sehr wenig sagt.“

 

Keine biblischen Anhaltspunkte

Wir finden in der Bibel aber nicht nur keine Details über das Fegefeuer, sondern überhaupt keine Anhaltspunkte für diese Lehre. Gehen wir nun den Bibelworten und Argumenten nach, mit denen versucht wird, das Fegefeuer zu rechtfertigen. Da wird etwa auf eine Stelle in den Apokryphen hingewiesen. So geht z. B. Karl Adam3 vor. Er schreibt:

3 Adam, Karl: „Das Wesen des Katholizismus“, S. 129. Verlag von L. Schwann, Düsseldorf, 1928.

„An diese Möglichkeit dachte schon Judas der Makkabäer, als er für die im Glaubenskampf gegen Gorgias gefallenen Helden, die in bösem Widerspruch mit dem mosaischen Gesetz unter ihren Kleidern Weihegeschenke von Götzen verborgen hatten, ,Opfer und Fürbitten‘ in Jerusalem darbringen liess, damit sie so ,von ihren Sünden befreit‘ und der ,Auferstehung‘ teilhaftig würden (2. Makk. 12,43 f.).“

Auf diese Stelle in den Apokryphen wurde die Lehre vom Fegefeuer aufgebaut, wie dies aus folgender Anmerkung zu 2.Makk. 12, 39.45 in der Übersetzung der Professoren Hamp, Stenzel und Kürzinger aus dem Verlag Paul Pattloch in Aschaffenburg hervorgeht. Es heisst in dieser Fussnote: „Diese Juden benützten zu abergläubischen Zwecken Amulette (Götterbildnisse), in deren Besitz sie durch Plünderung oder Kauf gekommen waren ... Wenn für diese Toten Opfer gebracht werden, so setzt das den Glauben an ein Fortleben der Toten voraus. Doch nicht nur das; darüber hinaus ist der Verfasser der zuversichtlichen Hoffnung, dass für die Verstorbenen sühnende Fürbitte eingelegt werden kann, ein Glaube, der in unserer Fegfeuerlehre weiterlebt.“

Diese Anmerkung zeigt mit aller Klarheit, wie es um den Glauben dieser Juden bestellt war. Ihr Denken war ganz griechisch, obwohl sie sich noch zum Judentum halten mochten. Und in dieser griechischen Auffassung über das Weiterleben der Seele nach dem Tode ist auch die Lehre vom Fegefeuer zu suchen.

Worum handelt es sich aber bei den Apokryphen, also auch bei den Makkabäern? Dazu ist als erstes zu bemerken, dass es vier Bücher der Makkabäer gibt. Interessanterweise anerkennt sogar die kath. Kirche nur deren zwei als inspiriert und zur Bibel gehörend. Die Apokryphen wurden von den in Palästina lebenden Juden nie anerkannt; dies besonders deshalb, weil in der jüdischen Diaspora manche Dinge gelehrt wurden, die mit dem Alten Testament nicht übereinstimmten. Es gibt in der ganzen bekannten Bibel – sowohl im Alten wie im Neuen Testament – keinen einzigen Text, der das Gebet für Verstorbene rechtfertigen würde. Die Schreiber der Apokryphen waren von der griechischen Philosophie beeinflusst und dachten mehr griechisch als biblisch. Trotzdem ist zu beachten, dass in der Makkabäerstelle von einer Geldsammlung die Rede ist, die gemacht wurde, „weil er an die Auferstehung dachte“ (Kap. 12, Vers 43, letzter Teil).

Eine weitere Stelle, ein Ausspruch Jesu, wird herangezogen, um eine mögliche Vergebung in der jenseitigen Welt zu begründen.

Karl Adam schreibt dazu:

„Auf diese Möglichkeit spielt auch Jesus an, wenn Er vor einer gewissen Sünde gerade deshalb warnt, weil sie

,weder in dieser noch in der künftigen Welt vergeben wird‘
(Matth. 12:32),

und wenn Er von einem Kerker spricht, aus dem niemand entrinnen wird,

,bis er den letzten Heller bezahlt hat‘
(Matth. 5:26).“

Lassen wir den ganzen Vers hier folgen:

Und wer etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.“ Für „Welt“ müssten wir lesen: „weder in diesem Äon noch in dem zukünftigen.“ (Matth. 12:32.)

Mit dem zukünftigen Äon (d. h. Zeitalter) ist nicht das Reich der Toten, sondern das Reich der Herrlichkeit gemeint.

So schrieb Paulus:

Durch sie [die Macht seiner Stärke] hat er ihn von den Toten auferweckt und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und was sonst genannt mag werden, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.“
(Eph. 1:20-21.) Siehe dazu Markus 10:30; 1.Tim. 4:8; Hebr. 6:4-6!

Neue Gelegenheit nach dem Tod?

Es wird gut sein, auch noch die Stellen Luk. 12:10 und Mark. 3:28-29 zum Vergleich mit Matth. 12:31-32 heranzuziehen. In Luk. 12:10 bleibt keinerlei Möglichkeit offen, dass Sünder eventuell später Vergebung erlangen könnten.

Dort heisst es klar,

dem soll es nicht vergeben werden“.

Beinahe noch schärfer ist die Formulierung in Mark. 3:

Wahrlich ich sage euch:

Alle Sünden werden vergeben den Menschenkindern, auch die Lästerungen, soviel immer sie lästern;

wer aber den heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung ewiglich,

sondern ist ewiger Sünde schuldig.“
(Verse 28-29.)

Im Grundtext heisst der massgebende Satz in Matth. 12:32:

Der hat keine Vergebung für den Äon.“

So ergibt sich das klare Bild, dass die Annahme, in einem Fegefeuer könnte es noch ein Abbüssen und Nachlassen der Sünden geben, eine gefährliche Täuschung ist.

Der Satz:

Dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt“

bedeutet einfach und schlicht, dem wird es nie vergeben.

 

Ein weiterer Text, der zur Begründung des Fegefeuers herangezogen wird, ist die Stelle Matth. 5:25-26: „Sei willfährig deinem Widersacher bald, solange du noch mit ihm auf dem Wege bist, auf dass dich der Widersacher nicht überantworte dem Richter und der Richter dem Diener und du werdest in den Kerker geworfen. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest.“

Diese Aussage Jesu betrifft die Versöhnungsbereitschaft unter den Menschen. Jesus fordert auf, so zu handeln, dass wir nicht in den Kerker oder ins Gefängnis gelangen. Wir selbst bestimmen also, ob wir ins Gefängnis gehen müssen oder nicht. Die Stellen Matth. 5,25.26 und Luk. 12:58-59 handeln nicht von einem Zwischengericht, sondern von der irdischen Obrigkeit. In diesen Texten ist kein Hinweis auf das Gericht Gottes zu finden. Jesus betont das Verhalten eines Menschen zuseinem Widersacher. Dieser Widersacher ist aber nicht Gott, sondern ein Mitmensch, mit dem es eine Streitfrage zu regeln gilt!

Die Hauptstelle, auf die man sich bei der Lehre vom Fegefeuer beruft, ist 1.Kor. 3:15. Lesen wir diesen Vers im Zusammenhang, dann wird schon einiges klarer: „Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeglicher aber sehe zu, wie er darauf baue. Einen andern Grund kann niemand legen ausser dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf diesen Grund baut Gold, Silber, edle Steine, Holz, Heu, Stroh, so wird eines jeglichen Werk offenbar werden; der Tag wird’s klar machen. Denn mit Feuer wird er sich offenbaren; und welcherlei eines jeglichen Werk sei, wird das Feuer bewähren. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“ (1.Kor. 3:10-15.)

Paulus spricht von den Arbeitern am Reiche Gottes. Es sind die Verkündiger des Evangeliums. Er selbst hat in der Korinthergemeinde als weiser „Baumeister“ ein gutes Fundament gelegt: Jesus Christus.

Nun gibt es aber auch Lehrer und Prediger, die in der Verkündigung des Evangeliums wohl ehrlich meinen, sie verrichteten eine solide Arbeit, doch in Wirklichkeit verwenden sie verkehrte Methoden oder verkünden Dinge, die nicht schriftgemäss sind. Sie gründen die Gemeinden nicht genügend, ihre Arbeit ist oberflächlich, oder es fehlt ihnen an persönlichem Mut, Irrtum und Sünde zu rügen und den Sünder zur Busse zu rufen.

Das Baumaterial des guten Verkündigers ist dauerhaft wie das Fundament selbst. Paulus hat die unzuverlässigen Verkündiger im Auge, wenn er erklärt, ihre Arbeit bewähre sich in der Anfechtung nicht. Letzten Endes muss ein solcher Prediger die schmerzliche Feststellung machen, dass in der Zeit der Not alles zusammenbricht. Der Arbeiter mit dem bleibenden Werk empfängt Lohn, wer aber mit verderblichem Material baut, verwirkt oder verliert den Lohn (1.Kor. 3:14.15).

Vielleicht kann er durch das Wahrnehmen des Zusammenbruchs seiner Arbeit noch zur Busse gelangen und selbst gerettet werden wie einer, der bei einer Feuersbrunst bloss das nackte Leben retten kann.

Das Sätzchen:

Der Tag wird’s klar machen“

in Vers 13 kann sich entweder auf den Tag beziehen, wo der Arbeiter sein mangelhaftes Werk zusammenbrechen sieht, oder aber auf den Tag, wenn der Herr kommt,

welcher wird ans Licht bringen, auch was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen“
(1.Kor. 4:5).

Auch in 1.Kor. 3 ist nicht von einem Fegefeuer die Rede.

Höchst eigenartig ist die Tatsache, dass die katholische Kirche wohl den Spiritismus ablehnt, anderseits aber die Hilfe für „arme Seelen“ ermutigt. Es wird ein grosser Unterschied gemacht, ob man mit „Seelen Verstorbener“ Kontakte herzustellen sucht oder ob sich solche Seelen selbst melden.

So heisst es z. B.4:

4 Reginald-Omez: „Kann man mit den Toten in Verbindung treten?“, S. 119.147. Paul Pattloch Verlag, Aschaffenburg, 1957.

„Muss erst auf den schroffen Gegensatz hingewiesen werden zwischen den herbeigeführten Botschaften der Neo-Spiritisten und den Mitteilungen, die spontan von den heiligen Verstorbenen, Seelen im Fegfeuer, ja Verdammten, auf Grund eines besonderen Auftrags Gottes gemacht werden können und ein echtes Wunder darstellen? Hier liegt ein völlig anderer Zusammenhang vor …

 

Der Katholizismus bejaht die geistige Gegenwart unserer Toten. Er lehrt, dass sie handeln, durch ihre Fürsprache auf Gottes Herz einwirken und uns mit seiner Erlaubnis und in seinem Namen ständig helfen können.“

Es herrscht nach der Lehre der katholischen Kirche ein reger Verkehr zwischen den Lebenden und den Verstorbenen. Lebende seien imstande, für arme Seelen im Fegefeuer zu wirken, und umgekehrt könnten erlöste Seelen „im Auftrage Gottes“ den Lebenden beistehen. Wird diese Annahme von der Heiligen Schrift unterstützt oder abgelehnt?

Nach den klaren Aussagen der Bibel ruhen die Verstorbenen bis zur Auferstehung im Grabe. Trotzdem werden immer wieder Texte herbeigeholt, um etwas anderes zu beweisen. Dies geschieht neuerdings wieder in einer mit „Meine Erlebnisse mit Armen Seelen“überschriebenen Broschüre5.

5 Simma, Maria: „Meine Erlebnisse mit Armen Seelen“, S. 13. Christiana-Verlag, Stein am Rhein.

Der Verleger erklärt darin:

„Dass die Seelen Verstorbener Lebenden erscheinen können, ist ausdrücklich im Neuen Testament bezeugt: Matth. 27:52-54 schildert, wie nach der Auferstehung Christi vielen Menschen die Seelen von Verstorbenen erschienen sind.“

Lesen wir den eben angeführten Text selber in der Hl. Schrift. Wörtlich lauten die Verse 52 und 53 in der katholischen Übersetzung von Hamp, Stenzel und Kürzinger:

Die Gräber öffneten sich, und viele Leiber der Heiligen, die entschlafen waren, wurden auferweckt, gingen nach seiner Auferstehung aus den Gräbern, kamen in die Heilige Stadt und erschienen vielen.“

Beachten wir nun, dass es nicht heisst „Seelen Verstorbener“ sondern „Leiber“. Es geht um eine leibliche Auferstehung, nicht um „Seelen“. „Unsterbliche Seelen“ müssten nicht auferweckt werden. Auch sind nicht „Seelen von Verstorbenen“ erschienen, sondern auferweckte „Leiber der Heiligen“ oder ganz schlicht: Zu neuem Leben erweckte Menschen. Dass Auferstandene erschienen sind, ist biblisch bezeugt, aber „Seelen Verstorbener“ können nicht erscheinen.

 

Verstoss gegen ein göttliches Gebot

Ist es nicht sonderbar, dass in der Praxis der Kirche doch gegen das von katholischer Seite als göttlich anerkannte Verbot, die Toten zu befragen, verstossen wird? Ein Beispiel aus vielen bildet Maria Simma. Der Priester Alphons Matt berichtet darüber recht ausführlich in dem oben angeführten Büchlein6:

6 Simma, Maria: Wie 5, S. 28.29.30.37.

„Bedenken hat es erweckt, dass Maria Simma über Arme Seelen anfragen konnte und auch entsprechende Antworten erhielt. Mit Recht wird befürchtet, dass es von neugierigen Leuten zur Sensation ausgeschlachtet wird. Zuerst baten einzelne Personen, Maria Simma möchte für nahestehende Verstorbene anfragen. Mitte Oktober wurde ihr eröffnet, in der Allerseelenwoche könne sie für jede Seele anfragen, für die deren Angehörige auch die Werke übernehmen und ausführen, die jene Seelen notwendig hätten. Es ist zweifellos Gott wohlgefällig, wenn sich die Angehörigen um die Verstorbenen kümmern.“

Dabei wird eindeutig immer noch der Gedanke vertreten, mit einer Spende könnten arme Seelen aus dem Fegefeuer erlöst werden. „Nicht immer und überall wurde die nötige Diskretion beobachtet, so dass die Angelegenheit ins Gerede kam. Wahres und Falsches wurde weitergegeben.

Zwei Fälle wurden besonders besprochen und erregten Anstoss.

Ein Wirt in S. war im Oktober 1954 plötzlich gestorben. Er war kein eifriger Kirchenbesucher, religiös nicht besonders aktiv. Auf Anfragen hin hiess es, die hl. Messen, die man für ihn lesen lasse, würden ihm nicht viel helfen, weil er im Besuch der hl. Messe gleichgültig war.

Später bekam Maria Simma zur Antwort, mit einer Spende von 3000 S für die Weltmission könne er erlöst werden. Der Bruder des verstorbenen Wirtes und dessen Frau beteten viel, dass er noch im Marianischen Jahr erlöst werde, und übernahmen auch die Bezahlung der Spende.

Der Verstorbene wurde bald darauf erlöst, und zwar, weil er oft im Gespräch den Glauben und die Jungfräulichkeit Mariens verteidigt hatte.“

„Ein Tag schweren Fegfeuers ist mehr als zehn Jahre leichten Fegfeuers. Der Dauer nach ist es sehr verschieden. Der Kölner Priester war vom Jahre 555 bis Christi Himmelfahrt 1954 im Fegfeuer, und wäre er nicht durch Sühneleiden von Maria Simma erlöst worden, hätte er noch lange furchtbar weiterleiden müssen. Es gibt auch Seelen, die bis zum Jüngsten Tag schwer leiden müssen. Andere haben nur eine halbe Stunde zu leiden oder noch weniger, sie fliegen gleichsam durch das Fegfeuer.“

 

Christus, unser einziger Nothelfer und Erlöser

Die Bibel lehnt solche Auffassungen ganz entschieden ab. Auch viele gläubige Katholiken empfinden bei Aussagen wie den eben erwähnten nicht gut. Kein Mensch kann sich oder andere durch Almosen oder andere Opfer von Sünden loskaufen.

In Psalm 49:8-9 steht diesbezüglich unmissverständlich:

Es kann kein Bruder loskaufen, kein Mensch, und keiner Gott das Lösegeld für sich erlegen noch für sein Leben einen Lösepreis, wenn er sich auch in Ewigkeit abmühte.“ (Übersetzung von A. Arndt, S. J.)

Eine Umkehr ist nur möglich, solange der Mensch lebt, nachher ist es zu spät.

Ein Bruder kann nicht einen Bruder retten noch kann ein Mensch für sich selbst Gott ein Lösegeld geben.“
(Ps. 49:7, Übers. von George M. Lamsa.)

„Keineswegs vermag jemand seinen Bruder zu erlösen, nicht kann er Gott sein Lösegeld geben.“
(Ps. 49,7, Elberf. Übers.)

Wörtlich nach dem hebräischen Text: „Ein Bruder kann bestimmt nicht loskaufen [oder lösen]: einem Mann nicht geben Elohim [Gott] sein Lösegeld. Zu teuer ist das Lösegeld für ihre Seelen. Es müsste anstehen in Ewigkeit.“

Es bleibt daher eine sehr fragwürdige Angelegenheit, wenn sogenannte „hilfesuchende“ Seelen lebende Menschen um Mittlerdienst zu ihrer Befreiung aus dem Fegfeuer oder einer anderen Not bitten. Es gibt nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen: Jesus Christus.

Denn nur einen Gott gibt es und einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Christus Jesus.“
(1.Tim. 2:5, Übersetzung von Hamp, Stenzel und Kürzinger.)

Könnte das „Zweite Helvetische Bekenntnis“7 vielleicht auf der rechten Fährte sein, wenn es dort heisst:

„Was man nun schon berichtet über Geister und Seelen von Verstorbenen, die gelegentlich den Lebenden erscheinen und von ihnen Dienste begehren zu ihrer Erlösung, so halten wir diese Erscheinungen für Spott, List und Betrug des Teufels, der, wie er sich in einen Engel des Lichts verwandeln kann, so sich auch alle Mühe gibt, den wahren Glauben zu zerstören oder in Zweifel zu ziehen“?

7 „Das Zweite Helvetische Bekenntnis“, Volksausgabe, S. 97. Zwingli-Verlag, Zürich, 1938.

Nach dem Tode kann nichts Versäumtes nachgeholt werden. Die Entscheidung für oder gegen Christus ist mit dem Tode endgültig gefallen (2.Kor. 5:10).

Die Bibel weiss nichts von dem Gedanken, dass einer nach dem andern aus dem Fegefeuer zum Himmel steige. Nach Joh. 14:1-3; 1.Thess. 4:13-18; 1.Kor. 15:51-52; Hebr. 9:27 und 11:39.40 werden die Erlösten bei der Wiederkunft Christi miteinander in den Himmel genommen.

 

Nach den genannten Texten, die wir später noch eingehender besprechen, kommt kein Mensch, auch nicht der allerfrömmste unter ihnen, beim Tode sofort in den Himmel, sondern die grosse Befreiung aus Tod und Grab wird erst bei der Wiederkunft Jesu stattfinden.

Die Bibel lehnt auch die Lehre ab, wonach der bussfertige und gläubige Mensch für seine Sünden abzubüssen habe. Christus hat am Kreuz gebüsst, wir können durch Werke seinem Verdienst nichts hinzufügen.

Derselbe ist die Versöhnung für unsre Sünden.“

Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, dass wir durch ihn leben sollen. Darin steht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.“

Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wieviel mehr werden wir durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! Denn wenn wir mit Gott versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wieviel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind! Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch welchen wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.“
(1.Joh. 2:2; 4:9-10; Römer 5:8-11.)

 

Das Wort büssen, abbüssen, kommt im Neuen Testament nicht vor, sondern nur „Busse tun“, d. h. Umsinnen!

Allein im Namen Jesu ist Heil (Apg. 4:12). Gott angenehme Werke können nur das Ergebnis des Glaubens sein. Wahrer Glaube erweist und bewährt sich in guten Werken; aber diesen Werken wohnen nicht die Möglichkeiten inne, Schulden abzutragen, vor Gott Verdienste zu erwerben, durch die jemand für sich oder für andere einen Fonds guter Werke anlegen könnte.

Über diese Frage gibt es eine eindeutige Stellungnahme in der Heiligen Schrift.

Da wir aber wissen, dass kein Mensch gerechtfertigt wird auf Grund von Gesetzeswerken, sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus, so sind wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir eben auf Grund des Glaubens an Christus und nicht auf Grund von Gesetzeswerken Rechtfertigung erlangten; denn aus Gesetzeswerken wird ,kein Mensch gerechtfertigt werden‘.“
(Gal. 2:16, Jerusalemer Bibel.)

Jetzt aber ist unabhängig vom Gesetz Gottes Gerechtigkeit, die vom Gesetz und von den Propheten bezeugt wird, offenbar geworden, Gottes Gerechtigkeit aber aus dem Glauben an Jesus Christus für alle Glaubenden; es gibt ja keinen Unterschied. Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes. Sie werden nun durch seine Gnade auf Grund der Erlösung in Christus Jesus geschenkweise gerechtfertigt. Ihn hat Gott als Sühnmal hingestellt durch den Glauben in seinem eigenen Blut, um seine Gerechtigkeit zu erweisen.

Die früher begangenen Sünden liess er hingehen in der Zeit der Geduld Gottes, weil er seine Gerechtigkeit erweisen wollte in der jetzigen Zeit, auf dass er selbst gerecht ist und den gerecht mache, der aus dem Glauben an Jesus ist.

Wo bleibt nun das Rühmen?

Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz?

Etwa durch das der Werke?

Nein, durch das Gesetz des Glaubens.

Denn wir sind überzeugt, dass der Mensch durch den Glauben ohne Gesetzeswerke gerechtfertigt wird.“
(Römer 3:21-28, Jerusalemer Bibel.)

Denn durch Gnade seid ihr gerettet auf Grund des Glaubens; und das nicht aus euch selbst, nein, Gottes Geschenk ist es; nicht aus Werken, damit keiner sich rühme.“
(Eph. 2:8-9, Jerusalemer Bibel.)

 

Die Meinung ist also ganz unbiblisch, wonach ein frommer oder heiliger Mensch „mehr tut, als er für sich selbst zur Erlangung der Seligkeit notwendig hat“. Das Verdienst Christi allein erlöst uns. Auch der Heilige lebte nur vom Verdienst Christi, und niemand kann daher einen „Schatz von guten Werken“ anlegen, der an „arme Seelen“ verteilt werden könnte.

Die Lehre vom Fegfeuer ist unbiblisch. Sie trägt dazu bei, den Ruhm Christi zu schmälern, den göttlichen Plan zur Rettung des Menschen seiner Schönheit zu berauben und den Ernst des Evangeliums abzuschwächen. Wäre das Fegefeuer ein Ort schrecklichster Pein, dann käme Gottes Liebe nicht recht zur Geltung; wäre es ein Ort der seligen Freude und der Zufriedenheit, dann würde dem Ernst der biblischen Botschaft Abbruch getan. Die Lehre vom Fegefeuer ist Menschenlehre, eine Pflanze, die nicht von Gott kommt (Matth. 15:13).

Aber

alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen“.

 

 

 

Ausschnitt aus:


Kein Tod mehr!

Wann beginnt das ewige Leben?

http://www.jesus-christus-erloesungsweg-zum-ewigen-leben.de/kein-tod-mehr-wann-beginnt-das-ewige-leben.php



Kommentare

Noch keine Einträge vorhanden.



Flag Counter