Die Wahrheit über Minneapolis 1888


MINNEAPOLIS 1888

W.Meyer STA-Prediger
2. Auflage 1976
Augenzeugen-Berichte und Kommentare über die bedeutsame GK in der Geschichte der
S.T.Adventisten

Vorwort

Die in dieser Schrift dargelegten Gedanken entstammen nicht den Überlegungen einer einzelnen Person. Des Öfteren in der Geschichte des Adventvolkes fühlten sich Männer gedrungen, sich zu der im Jahre 1888 stattgefundenen General-Konferenz von Minneapolis zu äußern. Die Meinungen gingen dabei oft weit auseinander. Aufgabe der vorliegenden Studie soll es sein, die wichtigsten dieser Stimmen zusammenzutragen, gegenüberzustellen und miteinander zu vergleichen. Die Tatsache, dass uns dieses Thema bis heute keine Ruhe lässt, sollte jedem Adventisten Anlass genug sein, diese wichtigste Phase unserer Geschichte zu überprüfen.

 

KAPITELVERZEICHNIS
EINLEITUNG
Eine bedeutsame Konferenz
Schwerer Widerstand
Die Ursachen
Eine Gelegenheit für das Volk
Bekenntnis
Wie A.T.Jones es sieht
Was wurde aus Waggoner und Jones?
1901,Keine innere Wende
Weitere Zeugen
Die Sünden der Väter
Kräftige Irrtümer

 

Die Reise des Volkes Israel von Ägypten in das „Gelobte Land” dauerte viel länger, als sie erwarteten. Bei Kades-Barnea, vor den Toren Kanaans, entschied es sich, dass Israel - um seines Unglaubens willen - noch vierzig Jahre in der Wüste bleiben musste.
Von den zwölf Kundschaftern gaben alle, außer zweien, einen negativen und entmutigenden Bericht ab. Gottes Macht und Führung außer Acht lassend, malten sie dem Volke auf übertriebene Weise die Schwierigkeiten vor Augen, die der Einnahme des ihnen von Gott verheißenen Landes entgegenstünden. Riesen seien dort, große befestigte Städte und ein starkes Volk. Da erhob sich Israel im Unglauben wider Gott, wider Mose und wider den guten Bericht des Josua und Kaleb und entschied sich, nicht nach Kanaan einzuziehen. Die daraus folgende vierzigjährige Wüstenwanderung ist wohl jedermann bekannt.

Doch das alles wurde geschrieben als Vorbild und Warnung für uns heute, auf die das Ende der Welt gekommen ist. (l.Kor. 10,11) Das sich auf dem Wege zum himmlischen Kanaan befindende Adventvolk hat nicht nur generell, sondern in vielen bemerkenswerten Einzelheiten erstaunliche Parallelen zum Volke Israel*. Zum Beispiel: Das alte Israel hätte viel eher in Kanaan sein können. - Dem Adventvolk wurde bereits um die Jahrhundertwende gesagt, dass Christus schon "ehedem” hätte kommen können, wenn es treu gewesen wäre. 6 Testimonies 450, Desire of Ages 633

Wenngleich das Volk Israel seinen Unglauben über eine längere Zeit hinweg bekundete (zehnmal hatten sie den Herrn schon versucht - 4.Mose 14,22), so ist der Grund für die Verzögerung der Inbesitznahme des verheißenen Landes besonders in ihrem Verhalten bei Kades-Barnea zu suchen. Hätten sie hier Glauben geübt, so wären sie zu "seiner Ruhe” eingegangen. So auch wir. Kades-Barnea hat sich in der Geschichte des Adventvolkes auf ähnliche Weise durch „die schreckliche Erfahrung der Minneapolis*-Konferenz” (E.G. White) im Jahre 1888 wiederholt.

Das Schreckliche an dieser General-Konferenz war, dass dem Adventvolk eine Botschaft vorgestellt wurde, von der die Dauer seines Verbleibens auf dieser Erde abhing. An der Einstellung gegenüber jener göttlichen Wahrheit sollte sich entscheiden, ob das Werk Gottes auf Erden damals schon in aller Kürze beendet werden konnte oder ob es sich noch jahrzehntelang dahinschleppen würde. Satan „weiß, dass er wenig Zeit hat”. Deshalb arbeitete er in der Stunde, als Gott sein Volk heimholen wollte, besonders daran, es „auf eine lange Reise zu führen”, auf dass es wegen Widersetzlichkeit noch viele Jahre in dieser Welt bleiben müsste. Diese von E.G. White ausgesprochene Befürchtung hat sich buchstäblich erfüllt. Seit jener Zeit sind viele Jahre mit schrecklichen Kriegen und unermesslichem Elend ins Land gegangen, ohne dass wir unser Ziel erreichten.
*Siehe folgende engl. Zeugnisse: 5T 217, 728, 456, 75, 76, IT 609

*Minneapolis ist eine Stadt in den USA, in der 1888 die STA-General-Konferenz stattfand.
Schon seit Jahrzehnten verkündigen wir die baldige Wiederkunft Christi. Wenn uns nun das klare Zeugnis vor Augen geführt wird, dass „wir” schon 1888 vor den Toren des himmlischen Kanaans standen, so sollten wir die Hindernisse zu ergründen suchen, derentwegen wir nicht zu "seiner Ruhe” kommen konnten. Welche "Riesen” sind es, die uns daran hindern, den Spätregen zu empfangen? Welche "festen Städte” sind es, die unseren Eingang in das uns verheißene Land hindern? Wer sich ernstlich diese Frage stellt, kann in Wirklichkeit nur zu einer Antwort kommen: Die Sünde! Zwar singen wir "...wenn wir ziehn, von Sünde frei und rein, in das gelobte Kanaan ein”; doch leider glauben wir kaum noch, dass die in der Bibel geweissagte Freiheit von jeglicher Sünde in diesem Leben erreichbar ist. Das ist es, was wir im tiefsten Herzen in Wirklichkeit nicht glauben. Und doch ist es die Grundbedingung, um überhaupt einziehen zu können. Die Macht Gottes außer Acht lassend, welche sehr wohl imstande ist, unsere Herzen in solch einen Zustand zu versetzen, verharren wir im "Unglauben”. Statt des Wortes Gottes, das uns deutlich sagt, dass es möglich ist und wie es möglich ist, haben wir unsere eigene, negative Erfahrung, welche uns "beweist”, dass es nicht möglich sei, jede Sünde zu überwinden, als „Glaubensrichtschnur” angenommen.

Dieser Einstellung, welche nichts als Unglaube ist, standen in Minneapolis ein Josua und ein Kaleb gegenüber. Sie verwiesen auf die Gerechtigkeit Christi, durch die wir alles zu tun vermögen. Es ist lediglich die eigene Gerechtigkeit, mag sie sich auch als „Glaubensgerechtigkeit” ausweisen, welche das zu bezweifeln sucht, denn sie kennt weder die Schrift noch die Kraft Gottes. In Minneapolis standen diese beiden von Gott gesandten Boten - E.J. Waggoner und A.T. Jones - auf und predigten eine Erlösung von Sünde und vom Sündigen, wie sie nur der Allmächtige durch Jesus Christus geben kann. Unser Kades-Barnea war es, diese Botschaft durch denselben Unglauben zu verwerfen, den die Israeliten zeigten. Das Gefährliche ist heute, dass die meisten von uns gar nicht wissen, dass es überhaupt geschehen ist.

Diese Schrift möchte nicht so sehr die Wahrheit von Minneapolis, sondern die Wahrheit über Minneapolis behandeln, denn die letztere ist heute genauso umstritten wie die erstere. Wie können wir je die Wahrheit von Minneapolis lieben und verstehen, wenn wir nicht einmal bereit sind, die Wahrheit über Minneapolis anzuerkennen. Damals, in den ersten Jahren nach Minneapolis, „hätte”, nach den Worten der Prophetin, der laute Ruf "wie ein Lauffeuer durchs Stoppelfeld” in alle Welt gehen können. Es sollte einen jeden Adventgläubigen brennend interessieren, warum es bis heute nicht geschehen ist.
Ehe das endzeitliche Volk Gottes zur himmlischen Ruhe eingehen kann, muss es seine eigene Geschichte richtig beurteilen lernen. Es muss in Demut und Selbsterkenntnis die negativen Seiten zugeben und die richtigen Schlüsse für die Gegenwart ziehen. Dass die Folgen dieser "entscheidendsten aller General-Konferenzen” unserer gesamten Geschichte (L.E. Froom) einmal in der ganzen Reichweite erkannt werden, hat E.G. White geweissagt. Das muss geschehen, ehe die letzte große Erweckung kommen kann, welche der Inbesitznahme des himmlischen Kanaans vorausgeht.

Alle Kirchen wollen eine Erweckung, doch die wahre, von Gott gesandte Erweckung kommt erst, wenn die Fehler der Vergangenheit bereut, freimütig bekannt und ihre Folgen eingesehen und überwunden werden. Möge sich das Adventvolk fortan entschieden weigern, irgendeinem der vielen, heute schon typischen Aufrufe zur Erweckung - es spielt keine Rolle, von wo er kommen mag - Folge zu leisten, wenn er nicht auf echte Reue gegründet und vom Eingeständnis der Schuld begleitet ist. Persönliches Sündenbekenntnis ist wichtig für den einzelnen, das Volk als solches jedoch muss sich zu einem offenen Bekenntnis der Gemeindesünden durchringen. Wenn auf diese Weise sichtbar wird, wie der alte Gemeindestolz von Laodizea im Staube liegt, wird der Gott der Demütigen aufstehen und mächtig für sein Volk wirken können. Sobald wir erkennen, was in Minneapolis und den darauffolgenden Jahren geschah, werden wir die Botschaft, die dort an uns erging, umso besser erkennen und schätzen.
Um uns selbst und die Lage, in der wir heute sind, verstehen zu können, müssen wir den Mut aufbringen, auch unangenehme geschichtliche Tatsachen unbeschönigt und verwässert gelten zu lassen. Eine Verkennung unserer eigenen Geschichte, in der, von 1844 abgesehen, wohl die Geschehnisse der Jahre 1888 bis 1893 von überragendster Bedeutung sind, kann in der Tat einer Weichenstellung gleichkommen, durch die wir auf ein falsches Geleise gelangen.

Das in dieser Broschüre zusammengetragene geschichtliche Material soll dem deutschsprechenden Leser, vielleicht zum ersten Mal, auf umfassende Weise einen objektiven Einblick in das gewähren, was vor 85 Jahren im Adventvolk wirklich vor sich ging. Wenn uns dabei manches schmerzhaft durchs Herz geht, so wollen wir uns in keinem Falle der Erkenntnis entziehen, dass Wahrheit zwar weh tut - aber auch heilt.

 

EINE BEDEUTSAME KONFERENZ

Einige Jahre vor der Minneapolis-Konferenz ergingen verschiedentlich Botschaften an die Gemeinde, die darauf hinwiesen, dass der "laute Ruf’ auf unerwartete und überraschende Weise kommen würde.


"Es sei denn, dass sie ...zu einem Bewusstsein ihrer Pflicht aufgerüttelt werden, so werden sie, wenn der laute Ruf der dritten Engelsbotschaft gehört wird, das Werk Gottes nicht erkennen. Wenn das Licht zur Erleuchtung der Erde hervorleuchtet, dann werden sie, anstatt dem Herrn zu Hilfe zu kommen, nur den Wunsch haben, das Werk des Herrn zu hindern, damit es ihren engen Gedanken angepasst werde. Lasst euch gesagt sein, dass der Herr in diesem letzten Werk in einer Weise wirken wird, die sehr weit außerhalb der gewöhnlichen Ordnung liegt und im Gegensatz zu allen menschlichen Plänen stehen wird. Es wird zwar unter uns solche geben, die das Werk Gottes zu beherrschen wünschen und sogar jede Bewegung diktieren möchten, wenn das Werk unter der Leitung jenes Engels, der sich dem dritten Engel zur Verkündigung der Botschaft an die Welt anschließt, voranschreitet. Gott wird aber Wege und Mittel benützen, durch welche man erkennen wird, dass er die Zügel in seine eigenen Hände nimmt” 1.10.1885 Testimonies to Ministers 300
"Wenn der Heilige Geist am Menschen arbeitet, fragt er uns nicht, wie er vorgehen soll. Er wirkt oft auf unerwartete Weise. Christus kam nicht gemäß der Erwartung der Juden. Er kam nicht auf eine Weise, durch welche ihre Nation verherrlicht wurde... Die Juden weigerten sich, Christus aufzunehmen, weil er nicht gemäß ihren eigenen Erwartungen kam...


Das ist die Gefahr, der die Gemeinde jetzt ausgesetzt ist - nämlich dass die Erfindungen sterblicher Menschen dem Heiligen Geist genau vorschreiben, wie er zu kommen hat. Einige haben das, obwohl sie es nicht zugeben wollen, schon getan. Weil aber der Geist kommt, nicht um Menschen zu loben oder um ihre irrigen Theorien zu stützen, sondern um die Welt zu tadeln wegen Sünde, Gerechtigkeit und Gericht, wenden sich viele von ihm ab. Sie sind nicht gewillt, den Tausch einzugehen und für ihre eigene Gerechtigkeit, welche Ungerechtigkeit ist, die Gerechtigkeit Christi anzunehmen, welche reine, unverfälschte Wahrheit ist. Der Heilige Geist schmeichelt niemandem, noch wirkt er gemäß menschlichen Erfindungen. Sterbliche, sündliche Menschen können dem Heiligen Geist nichts vorschreiben. Wenn er kommt und irgendeinen von Gott dazu erwählten Menschen benützt, um zu tadeln, dann müssen die Menschen auf seine Stimme hören und gehorchen.” TM 64, 65

"Brüder, wenn ihr fortfahrt, so träge und so selbstsüchtig zu sein, wie ihr gewesen seid, dann wird Gott sicher an euch vorübergehen und solche nehmen, die weniger selbstsüchtig sind, weniger nach weltlicher Ehre streben und die sich nicht weigern, wie ihr Meister aus dem Lager zu gehen und die Schmach zu tragen.” 5T461

Schon 1882 heißt es: ”Elia nahm Elisa vom Pflug und warf ihm den Mantel der Weihe um. Die Berufung zu diesem großen, feierlichen Werk war an studierte Männer in hohen Stellungen ausgegangen; hätten sich diese in ihren eigenen Augen als wenig erachtet und sich ganz auf den Herrn verlassen, dann hätte er sie damit geehrt, seine Standarte des Triumphes und Sieges tragen zu dürfen... Gott wird in unserer Zeit ein Werk tun, das nur wenige erwarten. Er wird solche unter uns erwecken und aufrichten, die viel mehr durch die Salbung des Heiligen Geistes gelehrt wurden, als durch die äußere Ausbildung wissenschaftlicher Anstalten.” 5T 82

Bedeutsamer weise erwählte sich Gott im selben Jahr, als diese Worte geschrieben wurden, demütige Werkzeuge, die die Botschaft des lauten Rufs geben sollten. Durch die Salbung und Leitung des Heiligen Geistes wurde ein junger Mann - E.J. Waggoner - vorbereitet, ein ganz besonderes Werk zu tun. Jahre später, kurz vor seinem Tode 1916 schilderte er folgendes:


"Christus ist in erster Linie das Wort Gottes, der Ausdruck des Gedankens Gottes. Die Bibel ist einfach deswegen das Wort Gottes, weil sie Christus offenbart. Es war mit diesem Gedanken, als ich vor 34 Jahren (1882) mit meinem wirklichen-Bibelstudium begann. Damals wurde mir Christus als der 'Gekreuzigte’ vor Augen geführt. An einem düsteren Sabbatnachmittag saß ich ein wenig abseits von der Menge in dem großen Zelt einer Zeltversammlung in Healdsburg. Ich hatte keine Ahnung, was das Thema der Predigt war, nicht ein Wort oder einen Bibeltext habe ich je gewusst. Alles, was ich behalten habe, ist das, was ich sah. Plötzlich schien ringsumher ein Licht, und das Zelt schien für mich weit heller erleuchtet zu sein, als wenn die Nachmittagssonne schiene. Ich sah Christus am Kreuz hängend, für mich gekreuzigt. In diesem Augenblick kam mir wie eine überströmende Flut zum ersten Mal die Erkenntnis, dass Gott mich liebt und Christus für mich starb. Gott und ich waren die einzigen Wesen im ganzen Universum, deren ich mir bewusst war. Ich erkannte regelrecht mit meinen Augen, dass Gott in Christus die ganze Welt mit sich versöhnt; ich war die ganze Welt mit ihrer Sünde. Ich bin mir sicher, dass Pauli Erfahrung auf dem Weg nach Damaskus nicht wirklicher war als meine... Ich entschied mich sofort, die Bibel im Lichte dieser Offenbarung zu studieren, damit ich anderen helfen könnte, dieselbe Wahrheit zu sehen. Ich habe schon immer geglaubt, dass alles in der Bibel mit mehr oder weniger Lebhaftigkeit auf diese glorreiche Offenbarung des Gekreuzigten hinweist.”

Etwa zur selben Zeit bereitete der Herr ein anderes menschliches Werkzeug zu. A.T. Jones, Gefreiter der US Army, fand die Wahrheit durch eine echte, tiefe Erfahrung mit Gott. Dieser Mann war nicht ein Produkt von Schulen, sondern er lernte Tag und Nacht und bereicherte sich durch eigenes Studium mit ungeheuren biblischen und geschichtlichen Kenntnissen. Das wichtigste jedoch, er war demütig, ernst und von tiefer Überzeugung. Er hatte ein großes Auffassungsvermögen, war aber zugleich herzlich und einfach und hatte einen kindlichen Glauben. In den Jahren nach der Minneapolis-Konferenz, als Gott ihn gebrauchte, um die gegenwärtige Wahrheit darzulegen, war er mächtig durch den Geist in der Verkündigung, die damals vor aller Augen durch viele ungewöhnliche Bekundungen der Gegenwart Gottes bekräftigt wurde.
Dass diese jungen Männer zur selben Zeit und an verschiedenen Orten begannen, sich mit der gleichen Botschaft zu befassen, zu der selben Erkenntnis kamen und sich in der Verkündigung dieser Wahrheit zusammenfanden, ist zweifellos auf die Vorsehung Gottes zurückzuführen. Die Stunde war gekommen. Der im Adventvolk schon lang erwartete Spätregen sollte mit einer ganz bestimmten und besonderen Botschaft, wie sie noch nie zuvor verkündigt worden war, eingeleitet werden. Die von Gott dazu benutzten Werkzeuge, das lässt sich nicht bestreiten, sollten diese beiden jungen Männer sein. Im Jahre 1888 nahmen Waggoner und Jones an der General-Konferenz teil. Über ihre Predigten sagte E.G. White: ”Gott bringt vor die Gemüter der Menschen köstliche, von ihm stammende Edelsteine der Wahrheit, genau angebracht für unsere Zeit.” 1888 Sermons* 40

Die Dienerin Gottes erkannte sofort die Bedeutung dieser Offenbarung des Lichtes Gottes:

”Der Herr hat seinem Volk in seiner großen Gnade eine überaus kostbare Botschaft durch die Prediger Waggoner und Jones gesandt. Diese Botschaft sollte vor der Welt noch mehr den erhöhten Heiland als das Opfer für die Sünden der ganzen Welt heraussteilen. Sie zeigt die wahre Rechtfertigung durch den Glauben und fordert das Volk auf, die Gerechtigkeit Christi, die im Gehorsam gegen alle Gebote Gottes zum Ausdruck kommt, anzunehmen... Es ist die dritte Engelsbotschaft, die mit einer lauten Stimme verkündet und von der Ausgießung des Heiligen Geistes in reichem Maße begleitet werden soll... Seit Jahren hat die Gemeinde auf Menschen geschaut und viel von Menschen erwartet, aber auf Jesus, der unsere Hoffnung zum ewigen Leben ist, hat sie nicht geschaut. Darum gab Gott seinen Boten (Waggoner und Jones) ein Zeugnis, das die Wahrheit darstellt, wie sie in Jesus ist, die dritte Engelsbotschaft in klaren und deutlichen Linien... Dies ist das Zeugnis, das kreuz und quer durch die ganze Welt gehen muss. Es stellt Gesetz und Evangelium dar, beide als ein vollkommenes Ganzes miteinander verbunden... Gott gab seinen Boten genau das, was das Volk brauchte.” TM 9195


"Auf dieser Zusammenkunft (Minneapolis) habe ich zum ersten Mal Dr. Waggoners Gründe für seine Stellung gehört.” 1888 Sermons 57

*”1888 Sermons” ist die unautorisierte Veröffentlichung der ursprünglich nur vervielfältigten Ansprachen E.G. Whites durch dii E.G. White Publications, Washington, D.C.

”Als Bruder Waggoner diese Gedanken in Minneapolis hervorbrachte, war das die erste klare Lehre über dieses Thema, die ich je von Menschenlippen vernahm, mit Ausnahme von Gesprächen zwischen meinem Mann und mir.” 1889 Manuscript 5 ”Die von Waggoner und Jones gegebene Botschaft ist die Botschaft Gottes an die Gemeinde zu Laodizea.”1892 MS 24

Es ist die Hoffnung und das brennende Verlangen eines jeden Adventgläubigen, den lauten Ruf, der in der Macht des Spätregens, ertönen wird, zu erleben und anschließend am Einzug ins himmlische Kanaan teilzunehmen. Seit mehreren Generationen warten wir sehnlichst auf diese letzte, weltweite Erweckung, während der die ganze Erde mit der Herrlichkeit Gottes erleuchtet wird. Wenn wir nach all dieser langen Wartezeit zurückblicken in unsere Geschichte und uns hier gesagt wird, dass schon 1888 eine Botschaft kam,... die dritte Engelsbotschaft, die mit einer lauten Stimme verkündigt und von der Ausgießung des Heiligen Geistes in reichem Maße begleitet werden sollte, dann sollten wir erstaunt oder gar erschreckt sein. Diese Botschaft von Waggoner und Jones war wirklich etwas ganz Besonderes, denn es war die Botschaft des lauten Rufes.

Es ist hier wichtig, die beiden Phasen des lauten Rufes zu erkennen. Ehe er nämlich in aller Welt zu einem letzten Zeugnis ertönen kann, muss er erst dem Volke Gottes, das ihn geben soll, nicht nur als Theorie, sondern als eine lebendige Erfahrung zu eigen gemacht werden. Man kann nur etwas weitergeben, das man selber hat. Erst wenn die Adventisten die Botschaft des lauten Rufes, die sie bringen sollen, selbst kennen und darin leben, kann die große Phase in der Macht des Spätregens beginnen. Erst selbst lernen - dann andere lehren. Nur wer in dieser Schule Christi ein demütiger und williger Schüler war, wird als ein Lehrer vor Hunderten und Tausenden von Menschen stehen können, um die letzte Warnungsbotschaft an eine untergehende Welt zu richten.

Wenn nun, wie aus oben angeführtem Zitat ersichtlich ist, im Jahre 1888 die Botschaft des lauten Rufes und des Spätregens an das Adventvolk gekommen war, dann kann das nur bedeuten, dass die erste Phase des lauten Rufes begonnen hatte, und so gewiss wie das der Fall war, sollte danach auch die zweite Phase folgen. Dass die erste Phase tatsächlich begonnen hatte, geht klar aus diesen Aussagen hervor:

”Der 'Laute Ruf des dritten Engels hat schon in der Offenbarung der Gerechtigkeit Christi, des sündenvergebenden Erlösers, begonnen. Das ist der Anfang jenes Lichtes, mit dem der Engel die ganze Erde erfüllen wird.” Review and Herald, 22.11.1892


Jawohl, die erste Phase des lauten Rufes hatte begonnen, und die zweite, weltweite Phase musste jetzt kommen. Aber sie kam nicht und ist bis auf den heutigen Tag nicht gekommen. Das ist eine unumstößliche Tatsache. Der laute Ruf soll jedoch "wie ein Feuer durchs Stoppelfeld gehen”. E.G. WhiteDoch das ist damals und bis heute nicht geschehen. Das Licht jenes Engels hat noch nicht die ganze Erde erleuchtet. Das ist die einfache Tatsache, die uns unsere eigene Geschichte schmerzlich ins Gesicht sagt. Hätte das Volk Gottes diese Botschaft angenommen, so wäre das alles längst erfüllt. Die Botschaft des lauten Rufes sollte das Volk zubereiten, der Welt die letzte Warnung geben zu können. Hätte es sie angenommen, so würde es dieselbe sofort zur endgültigen Beendigung des Werkes in die Welt hinausgetragen haben. Die aus diesen Aussagen hervorgehende erschreckende Erkenntnis ist, dass damals schon der Spätregen hätte kommen können, aber nicht kam. Das ist ein Umstand, dessen ungeheure Tragik und Reichweite man kaum zu erkennen imstande war. ”Was die Folge dieses hartnäckigen Unglaubens sein wird, müssen wir noch lernen”. 1890 Brief W32. Doch der Geist der Weissagung belehrt uns deutlich, dass "einmal” die ganze Tragweite von dem, was in Minneapolis geschehen ist, erkannt wird. Bezugnehmend auf den Widerstand gegen die Botschaft von Waggoner und Jones heißt es: "Einmal wird dies in seiner ganzen Reichweite erkannt werden, mit all den Bürden und Wehen, die sich daraus ergeben haben.”

Die Gründe dafür, warum die ganze Tragweite dessen, was damals geschehen war, doch einmal erkannt werden wird und nach dem Plane Gottes erkannt werden muss, sollen in einem anderen Kapitel näher erörtert werden. Vorweg genügt es, laut dieser Aussage zu wissen, dass es so ist, und dass es so sein muss. "Einmal wird dies in seiner ganzen Tragweite erkannt werden.” Gott wartet darauf. Die nun folgenden Aussagen gewähren uns einen Einblick in die Geschehnisse von Minneapolis. Zuerst solche von E.G. White, die direkt während jener denkwürdigen Zusammenkunft gemacht wurden.

"Ich möchte euch jetzt sagen, dass es etwas Furchtbares ist, wenn Gott euch Licht sendet, und nachdem es auf Geist und Herz eingewirkt hat, verhaltet ihr euch wie sie (die Juden). Wenn Gottes Wahrheit nicht angenommen wird, wird sich sein Geist zurückziehen. Christus wurde aber von einigen angenommen: der Geist bezeugte, dass Er Gott war. Aber eine Gegenströmung drängte sich herein. Böse Engel arbeiteten in der Versammlung, um Zweifel aufkommen zu lassen und Unglauben zu verbreiten, damit jeder von Gott geschenkte Lichtstrahl ausgeschlossen würde. An solch einem Ort konnte Christus nichts mehr tun. Ihr seht, welch einen Einfluss Satan hatte und welche Fehlet das Volk machte. Sie hatten keinen Fortschritt gemacht, und weil sie nicht fortgeschritten waren, arbeiteten sie unter der Leitung Satans, und dennoch gaben sie vor, unter der Leitung Gottes zu stehen. Gott aber hatte nichts mit ihrem Unglauben und ihrer Feindschaft wider Jesus Christus zu tun. Ich wünschte, ihr könntet sehen und merken, dass ihr, wenn ihr keinen Fortschritt macht, euch im Rückgang befindet.” 1888 Sermons 26


”Die Pharisäer weigerten sich, Gott und den von ihm gesandten Jesus Christus zu erkennen. Stehen wir nicht in Gefahr, dasselbe zu tun wie die Pharisäer und Schriftgelehrten?” ebd. 37


”Die, welche den Schacht nicht tiefer und noch tiefer in die Grube der Wahrheit getrieben haben, werden keine Schönheit sehen in den köstlichen Dingen, die auf dieser Konferenz dargelegt wurden. Wenn der Wille sich erst einmal in hartnäckiger Opposition gegen das Licht setzt, ist es schwer, nachzugeben, selbst angesichts der überzeugenden Beweise, die auf dieser Konferenz gegeben wurden. Streiten, Bezweifeln, Kritisieren und Lächerlich machen, das ist die Erziehung, die viele mitbekommen haben, und das sind die Früchte, die sie zeitigen. Sie weigern sich, Beweise anzuerkennen. Das natürliche Herz steht im Kampf gegen Licht, Wahrheit und Erkenntnis. Jesus ist in jedem Schlafsaal gewesen, wo ihr euch unterhalten habt. Wie viel Gebete sind von diesen Räumen aufgestiegen?” ebd. 41


”Brüder, Gott hat überaus kostbares Licht für sein Volk; ich nenne es nicht neues Licht, aber oh, - vielen ist es so merkwürdig neu! Oh, eure Leichtfertigkeit, eure Reden sind alle im Buche niedergeschrieben... Wenn ihr nur wüsstet, wie Christus euer Verhalten während dieser Zusammenkunft ansieht.” ebd. 41, 42


”Nun ist unsere Zusammenkunft fast zu Ende, und nicht ein Bekenntnis ist abgelegt worden; es gab nicht einen einzigen Durchbruch, dem Heiligen Geist Einlass zu gewähren. Wie ich schon sagte, welchen Sinn hat es, hier zusammen zu sein, wenn unsere Prediger nur herkommen, um den Geist Gottes vom Volk abzuhalten? Wir hatten hier auf ein Hinwenden zum Herrn gehofft. Vielleicht meint ihr, ihr hättet alles was ihr braucht... Ich habe mit euch geredet und gefleht, aber es scheint alles an euch vorbeizugehen... Noch nie war ich so beunruhigt wie zur gegenwärtigen Zeit.” ebd. 52


”Ich nahm meine Brüder und sagte ihnen genau, wo sie standen. Doch sie glaubten es mir nicht; sie glaubten nicht, dass sie in Gefahr sind... Als mir die Geschichte der jüdischen Nation vor Augen geführt wurde und ich sah, wie sie strauchelten, weil sie nicht im Licht wandelten, erkannte ich, was aus uns als ein Volk werden würde, wenn wir das von Gott gegebene Licht ablehnten... Das ist nun unsere letzte Predigerversammlung, das heißt, wenn ihr nicht noch alleine Zusammenkommen möchtet... Wenn die Prediger das Licht nicht annehmen, möchte ich dem Volk eine Gelegenheit geben. Vielleicht nimmt das Volk es an. Gott hat mich nicht aufgerichtet und diese weite Reise machen lassen, um zu euch zu sprechen, wenn ihr dasitzt und seine Botschaft in Frage stellt und bezweifelt, ob Schwester White noch dieselbe ist wie in den vergangenen Jahren...” ebd. 53, 54


”Und ich habe gesehen, wie kostbare Seelen, die bereit waren, die Wahrheit anzunehmen, davon abgehalten wurden durch die Art und Weise, mit der man sie behandelte. Jesus war nicht darin. Und das ist, worum ich euch die ganze Zeit anflehe - wir wollen Jesus! Wo liegt die Ursache, dass der Geist Gottes bei unseren Stunden nicht zugegen ist? Weil wir Schranken um uns aufgerichtet haben! Ich spreche entschieden, weil ich euch zu erkennen geben möchte, wo ihr steht. Ich möchte, dass ihr jüngeren Männer aus eurem eigenen Verständnis der Wahrheit Stellung bezieht und nicht weil es ein anderer tut... Es ist gesagt worden, Bruder Waggoner hätte sich die Führung der Tagung angeeignet. Hat er euch nicht die Worte der Bibel dargereicht? Ich glaube, dass mein Zeugnis nicht angenehm ist, aber in der Furcht des Herrn werde ich es geben.” ebd. 54


”Dr. Waggoner hat in einfacher und verständlicher Weise gesprochen. In seinen Worten ist kostbares Licht... Würden unsere dienenden Brüder die so deutlich dargelegte Lehre der Gerechtigkeit Christi in seiner Verbindung mit dem Gesetz annehmen - und ich weiß, dass sie dies annehmen müssen, dann wären ihre Vorurteile nicht die beherrschende Macht, und das Volk könnte gespeist werden mit Speise zur rechten Zeit... Ich sehe keine Entschuldigung für den auf dieser Zusammenkunft geschaffenen Zustand der Gefühlserregung. Es ist meine erste Gelegenheit, in Bezug auf dieses Thema etwas zu hören. Ich habe hierüber noch kein Gespräch mit meinem Sohn W.C. White, mit Dr. Waggoner oder mit Bruder A.T. Jones geführt. Auf dieser Zusammenkunft hörte ich zum ersten Mal die Gründe für Dr. Waggoners Stellung. Mein Führer sagte mir: 'Viel Licht wird vom Gesetz Gottes und vom Evangelium der Gerechtigkeit scheinen. Wenn der wahre Charakter dieser Botschaft verstanden und in der Geisteskraft verkündigt wird, wird die ganze Erde von der Klarheit erleuchtet werden. Die große, entscheidende Frage muss vor alle Nationen, Sprachen und Völker gebracht werden. Das Endwerk der dritten Engelsbotschaft wird von einer Kraft begleitet sein, durch die die Strahlen der Sonne der Gerechtigkeit alle Straßen des Lebens erreichen. Entscheidungen werden für Gott, als den höchsten Herrscher, gemacht werden; sein Gesetz wird als Maßstab angesehen werden.’” ebd. 58


"Ich bitte euch dringlich, verschließt eure Herzen nicht aus Furcht, dass ein Lichtstrahl euch erreichen könnte. Ihr braucht größeres Licht. Ihr braucht ein besseres Verständnis der Wahrheit, welche ihr dem Volk bringt. Wenn ihr das Licht nicht selber seht, werdet ihr eure Herzen verschließen und - wenn ihr könnt - verhindern, dass die Lichtstrahlen das Volk erreichen. Lasst nicht von diesem hochbegünstigten Volk gesagt werden: 'Ihr kommt nicht hinein und wehret denen, die hinein wollen!’ Luk. 11,52” ebd. 59

 

”Es ist eine hochernste Angelegenheit für uns, ob wir den Charakter vervollkommnen oder nicht, ob wir in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus zunehmen oder nicht.” ebd. 60


"Als die Juden den ersten Schritt zur Verwerfung Christi machten, begaben sie sich in große Gefahr. Als sich nachher die Beweise häuften, dass Jesus von Nazareth der Messias war, waren sie zu stolz, anzuerkennen, sich geirrt zu haben. So ist es mit dem heutigen Volk, das die Wahrheit verwirft... Es ist nicht weise, dass sich diese jungen Männer auf dieser Zusammenkunft einer Entscheidung unterwerfen, wo mehr Opposition als Untersuchung auf der Tagesordnung steht.” ebd. 62


"Niemandem ist es erlaubt, die Zugänge, durch welche das Licht an das Volk gelangen soll, zu verschließen. Sobald dies versucht wird, erlischt der Geist Gottes, denn dieser Geist ist fortwährend dabei, seinem Volk durch sein Wort neues, zunehmendes Licht zu geben.” ebd. 63

 

Einen zusammenfassenden Bericht von der Konferenz gab Prediger Nash.
"Der Schreiber dieses Traktates wohnte der Minneapolis Konferenz von 1888 bei, wo er viele der Dinge, welche gesprochen und getan wurden, sah und hörte. Schwester E.G. White sowie Dr. E.J. Waggoner und Prediger A.T. Jones aus Kalifornien waren anwesend. Die Prediger Waggoner und Jones hatten die Aufgabe, die allmorgendlichen Weihestunden während der Konferenz zu halten. Sie lehrten in der allereinfachsten und freundlichsten Weise, dass Jesus, das Lamm Gottes, alle unsere Sündenlast auf sich selbst nahm und uns sein Leben gab. Sie lehrten, dass er unsere Schuld abtrug und uns befreite, indem er unsere unflätigen Kleider wegnahm und uns sein weißes Gewand der Gerechtigkeit dafür gab. Welch ein wunderbarer Tausch!

Als Christus auf diese Weise als die einzige Hoffnung der Gemeinde und aller Menschen erhöht wurde, standen fast alle unsere ältesten Prediger in vereintem Widerstand gegen sie. Man versuchte, die Botschafter davon abzuhalten, die Lehre von der Glaubensgerechtigkeit noch weiter vorzuführen und zu diskutieren. Als Schwester White ihnen dann mitteilte, dass es die Vorsehung Gottes war, die die Brüder Waggoner und Jones geführt habe, dieses Thema laut zu verkündigen, wählten sie Oppostions-Führer, die die Meinung der Gegenseite vertreten sollten. Ihr Sprecher war J.H. Morrison. Es wurde vereinbart, dass die Prediger Waggoner und Jones auf seine Rede antworten sollten.

In seiner Rede befasste sich Prediger Morrison offen und deutlich mit den zwei Bündnissen, wie Paulus sie in dem Gleichnis von der Magd und der Freien behandelt, in welchem Ismael das Volk des alten Bundes und Isaak das Volk des neuen Bundes darstellen. Sara, die Freie, verlangte: Treibe diese Magd aus mit ihrem Sohn; denn dieser Magd Sohn soll nicht erben mit meinem Sohn Isaak.’ (l.Mose 21,10)

Abraham befolgte das, und Hagar wanderte hinweg in die Wüste Beerseba. Prediger Morrison erklärte, dass wir (Siebenten-Tags-Adventisten) die Gerechtigkeitslehre immer schon gehabt hätten und wir Kinder der Freien wären. Er dachte, dass dieses Thema auf der Konferenz überbetont würde, und schien zu befürchten, dass wir die Wichtigkeit, die dem Gesetz beigemessen werden sollte, aus den Augen verlieren würden.

 

Schwester White erwiderte dagegen:
'Wir haben als ein Volk das Gesetz gepredigt, bis wir trocken waren wie die Berge von Gilboa, die weder Tau noch Regen hatten. Wir müssen Christus im Gesetz predigen, dann werden unsere Predigten voller Lebenskraft und Nahrung sein, die hungernde Herde zu speisen. Wir dürfen nicht unseren eigenen Verdiensten vertrauen, sondern nur den Verdiensten Jesu von Nazareth’.
Als die Prediger Jones und Waggoner dazu kamen, ihren Gegnern zu antworten, stellten sie sich mit offenen Bibeln nebeneinander.
Waggener fing an und las Jer.23,5-8
Jones las                Eph.2,4-8
Waggoner             Gal.2,16-21
Jones                     Röm.11,1-33
Waggoner             Röm.10,14.17
Jones                    Röm.2,12-29
Waggoner            Gal.3 ganzes Kapitel
Jones                    Röm. 3
Waggoner            Gal.5,1-6
Jones                    Röm.9,7-33
Waggoner            Gal.2
Jones                    Röm.4,1-11
Waggoner            Röm.5
Jones                   Röm.4,13-25
Waggoner            Röm.6
Jones                   Röm.1,15-17
Waggoner           Röm.8,14-39
Jones                  1.Joh.5,1-4

 

Ohne einen Kommentar setzten sie sich wieder. Während der ganzen Zeit des Vorlesens hing eine gespannte Stille über der großen Versammlung. Das machte auf den Schreiber einen Eindruck, den selbst die Zeit nicht auslöschen kann. Auch im Vorwort des Buches 'Christus unsere Gerechtigkeit’ von A.G. Daniells, in welchem, auf Anfrage vieler Arbeiter, Geschwister und ganzer Vereinigungen, Zitate vom Geist der Weissagung über Glaubensgerechtigkeit zusammengestellt wurden, wird angedeutet, dass viele genauso beeindruckt waren.

 

Schwerer Wiederstand

Weil die Kapelle von Minneapolis für solch eine große Delegation zu klein war, war sie außerordentlich überfüllt. Während der Eröffnung einer dieser Andachtsstunden kam der Schreiber neben Prediger Kilgore zu stehen. Er bat um das Wort. Als man ihm das Wort erteilte, sagte er: 'Ich möchte einige Worte an die Abgeordneten, die zu dieser Konferenz versammelt sind, richten. Wie ja einige von euch wissen, ist Prediger George I. Butler wegen seiner kranken Frau in Battle Creek abgehalten worden, und er kann auch bis später nicht hier sein. Deswegen möchte ich beantragen, dass wir diese Diskussion über das Thema Gerechtigkeit durch den Glauben abbrechen, bis der Präsident der General-Konferenz zugegen sein kann.’


Schwester White, die vorn auf dem Podium saß, stand auf. Als man ihr das Wort erteilte, sagte sie: 'Brüder, dies ist des Herrn Werk. Soll der Herr mit seinem Werk auf Prediger Butler warten? Der Herr will, dass sein Werk vorangeht, und es soll auf keinen Menschen warten.’ Darauf kam keine Antwort. Die Prediger Jones und Waggoner fuhren fort mit ihrer Botschaft. Ellen G. Whites Haltung und Worte machten klar, dass sie hundertprozentig auf der Seite von Waggoner und Jones stand, diese Botschaft auf der Minneapolis-Konferenz darzubringen.


Auf dieser Konferenz begann der Widerstand gegen die Botschaft der Glaubensgerechtigkeit. Der Schreiber betet und hofft aufrichtig, dass die Opposition doch aufhören, umkehren und unter der Führung des Heiligen Geistes arbeiten möchte, auf dass das Licht jenes 'anderen Engels’ (Offb. 18,1.2) bald die ganze Erde erleuchte. 'Und danach sah ich einen anderen Engel niederfahren vom Himmel, der hatte eine große Macht, und die Erde ward erleuchtet von seiner Klarheit. Und er schrie aus Macht mit großer Stimme und sprach: Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große, und eine Behausung der Teufel geworden und ein Behältnis aller unreinen Geister und ein Behältnis aller unreinen und verhassten Vögel.’


Es kommt nun eine sehr wichtige Frage auf: Werken wir an dieser Herrlichkeit, die die ganze Erde erleuchtet, teilhaben? Wenn wir Jesus Christus, der unsere Waffe des Lichtes ist, anziehen, ja! Römer 13,12.14; Offb. 19,8.9: 'Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen: so lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichtes. ...ziehet an den Herrn Jesus Christus und wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde.’ 'Und es ward ihr gegeben, sich anzutun mit reiner und schöner Leinwand. (Die köstliche Leinwand aber ist die Gerechtigkeit der Heiligen.) Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Abendmahl des Lammes berufen sind. Und er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes.’ Das Kleid der Gerechtigkeit Christi wird jedem frei angeboten, der es im Glauben annehmen will. 'Ich weiß, dass ein Werk für das Volk getan werden muss, oder viele werden nicht bereit sein, das Licht des Engels, der vom Himmel gesandt wird, um die ganze Erde mit seiner Klarheit zu erleuchten, anzunehmen.’ TM 468, 469. Dieses Zitat weist deutlich darauf hin, dass Gottes Volk ohne Einschränkung alles in die Waagschale auf Seiten Christi und seiner Gerechtigkeit werfen muss. Dies ist unsere einzige Sicherheit. Lieber Leser, tue es sofort!” Prediger Nash, nach einem von ihm geschriebenen Traktat.


Der Stein des Anstoßes, den Gott den Menschen durch die Auswahl unerwarteter Werkzeuge in den Weg legte, verhinderte eine heimliche oder unbewusste Umgehung der von ihm aufgeworfenen Wahrheiten. Sollen sich widerstrebende Gemüter daran erhitzen! Dadurch rückt gegenwärtige Wahrheit in den Mittelpunkt. Entscheidungen sind offen und betont. Versteckte oder unbewusste Ablehnung der Wahrheit hätte eine spätere, genaue Analyse, wie sie für unser richtiges Verhalten heute von größter Bedeutung ist, erheblich erschwert. Doch als man einmal gegen die Botschaft von Waggoner und Jones Stellung bezogen hatte und es sich dann herausstellte, dass E.G. White voll und ganz für die Botschaft war, gab es ein schmerzliches Erstaunen. Dass E.G. White die beiden jungen, unerfahrenen Brüder, entgegen dem "umsichtigen und ausgeglichenen Urteil” langgedienter Veteranen, derartig stützte, brach ihnen fast das Herz. Es kam sogar die Frage auf, ob Schwester White noch dieselbe sei:


"Wieder und immer wieder legte ich in klarer und eindeutiger Weise vor den Versammelten mein Zeugnis ab, aber das Zeugnis wurde nicht angenommen. Als ich nach Battle Creek kam, wiederholte ich das gleiche Zeugnis in der Gegenwart von Prediger Butler. Es war aber nicht einer dort, der den Mut hatte, mir zur Seite zu stehen, um Prediger Butler sowohl wie anderen zu helfen, zur Einsicht zu kommen, dass sie eine falsche Stellung bezogen hatten. Nachdem Prediger Butler durch unsere dienenden Brüder die verschiedenen Berichte über die Minneapolis-Konferenz gehört hatte, war sein Vorurteil noch stärker. Bruder Butler legte mir in einem Brief nahe, mein Verhalten dort auf der Konferenz hätte einigen unserer dienenden Brüder fast das Herz gebrochen.” E.G. White, 1889 U3


"Gott hat mich nicht aufgerichtet und diese weite Reise machen lassen, um zu euch zu sprechen, wenn ihr dasitzt und seine Botschaft in Frage stellt und bezweifelt, ob Schwester White noch dieselbe sei wie in vergangenen Jahren.” 1888 Sermons 53

 

GEIST DER VERFOLGUNG

”Wir sollten in aller Welt das letzte Volk sein, welches auch nur im Geringsten den Geist der Verfolgung gegen die hegt, die der Welt die Botschaft Gottes Dringen. Das ist das schrecklichste der unchristlichen Merkmale, die sich seit der Minneapolis-Konferenz unter uns offenbart haben.” 1893 General Conference Bulletin 184


"Einige haben gegen die Männer, die Gott mit einer besonderen Botschaft an die Welt beauftragt hat, Hass genährt. Sie haben dieses satanische Werk in Minneapolis begonnen... Dass Männer jenen Geist, der in Minneapolis die Zügel schießen ließ, weiterhin lebendig erhalten, ist eine Beleidigung Gottes. Wie sorgfältig sollten wir im Urteil über das Werk eines anderen sein, damit wir nicht schuldig werden, das Wirken des Heiligen Geistes bösen Mächten zuzuschreiben... Wer das Licht und die von Gott freimütig gewährten Beweise verwirft, verwirft damit Christus; für ihn gibt es keinen anderen Erlöser. Die Gefahren der letzten Tage bedrohen uns... Satan übernimmt die Herrschaft über jeden Geist, der sich nicht entschieden unter die Herrschaft des Heiligen Geistes stellt... Männer können genauso wie Pharisäer werden. In ihren Ratsversammlungen wagen sie ein Urteil über Gottes Werk auszusprechen; denn sie haben sich in Dingen geübt, die der Herr niemals von ihnen zu tun gefordert hat.


Es wäre besser, sie würden ihre eigenen Herzen vor Gott demütigen und ihre Hände von der Lade Gottes wegnehmen, damit nicht der Zorn Gottes gegen sie entbrenne. Denn wenn Gott je durch mich gesprochen hat, dann bezeuge ich, dass sie mit ihrer Kritik und ungesunden Beurteilung etwas auf sich genommen haben, was nicht recht ist. Ich erinnere daran, dass Gott, der ewige Gott, niemals Männer in solche Stellungen eingesetzt hat, wie sie von ihnen in Minneapolis eingenommen wurden und seit dieser Zeit besetzt gehalten werde.” Special Testimonies, Series A, mim. ed., 143, 145, 172, 175. Vergl. TM 63-81, 89-98

 

DIE URSACHEN

Die Behandlung der Ursachen dessen, was 1888 und in den Jahren danach geschah, ist ein wichtiges Kapitel für jeden Erforscher der Geschichte unserer Glaubensväter. Wer die Ursache der Geschehnisse der Vergangenheit versteht, ist viel eher imstande, unsere gegenwärtige Lage zu verstehen und richtig einzuschätzen.

 

SCHRANKEN

"Wo liegt die Ursache, dass der Geist Gottes bei unseren Stunden nicht zugegen ist? Weil wir Schranken um uns aufgerichtet haben!” 1888 Sermons


"Wollt ihr ihnen im Wege stehen? Wollt ihr kritisieren? Wollt ihr sagen: 'Sie überschreiten ihre Schranken’? Doch ihr habt das Werk nicht getan, welches ihnen nun aufgetragen wurde!” TM 413

 

VORURTEILE

"Eine fehlende Bereitschaft zur Aufgabe von Vorurteilen und Annahme der Wahrheit war der Grund für den weitgehenden Widerstand, der sich gegen die von den Brüdern Waggoner und Jones in Minneapolis verkündete Botschaft des Herrn richtete.” E.G. White, 1896 Brief 96


Doch die Vorurteile gegen die Wahrheit verbargen sich großenteils in der Kritik gegen die Männer, welche als Boten für die Wahrheit standen.


”...sie begannen nachzugeben, drückten ihr Bedauern aus und brachten Entschuldigungen vor derer wegen, die die Botschaft predigten. Als ob es in allem nur um persönliche Dinge ginge.” A.T. Jones, 1893 GCB 185


"Diejenigen, die Gott mit einer Botschaft gesandt hat, sind nur Menschen... Einige haben sich von der Botschaft der Gerechtigkeit Christi abgewandt, um Menschen zu kritisieren.” RH
27.5.1890

"Ich habe einen tiefen Herzenskummer, weil ich gesehen habe, wie schnell ein Wort oder eine Handlung der Prediger Waggoner und Jones kritisiert wird. Wie schnell übersehen Menschen all das Gute, was von diesen Männern in den vergangenen wenigen Jahren getan wurde. Sie sehen nicht die Tatsache, dass Gott durch diese Werkzeuge am Wirken ist. Sie suchen irgendetwas, um es verdammen zu können, und ihr Verhalten gegenüber diesen Brüdern, welche so eifrig mit einem guten Werk beschäftigt sind, offenbart, dass feindselige und bittere Gefühle in ihren Herzen wohnen.” Brief 1.9.1892


”Gott hat seinen Boten aufgetragen, eine Botschaft für diese Zeit zu bringen. Aber die Botschaft stimmt nicht in jeder Besonderheit mit den Gedanken all der leitenden Männer überein, und einige kritisieren die Botschaft und die Botschafter.” TM 465


"Niemand soll sich über die Diener Gottes beklagen, die mit einer himmlischen Botschaft gekommen sind. Hört auf, sie zu bemängeln und zu sagen: Sie sind zu bestimmt. Ihre Reden sind zu streng. Sie mögen streng sprechen, doch ist dies nicht notwendig?” TM 412


"Einige unserer Brüder sind voller Eifersucht und bösem Argwohn, immer bereit zu zeigen, in welcher Weise sie sich von den Brüdern Waggoner und Jones unterscheiden.” ST A7, 54


"Diejenigen, die Gott mit einer Botschaft gesandt hat, sind nur Menschen... Gott hat seine Boten erweckt für diese Zeit... Christus hat all die gegen seine Diener geführten, harten, stolzen, höhnischen Reden vermerkt, als ob sie ihm selbst gegolten hätten.” RH 27.5.1890


"Welchen Weg die Boten auch einschlagen, den Gegnern der Wahrheit ist er verwerflich; aus jedem Mangel der Wahrheitsverteidiger, sei es in Manieren, Gewohnheiten oder im Charakter, wird Kapital geschlagen.” 1892 Brief 24
"Einige haben sich von der Botschaft Christus unsere Gerechtigkeit abgewandt, um Menschen zu kritisieren... Die dreifache Engelsbotschaft werden die nicht verstehen können, und das Licht, das die Erde mit seinem Schein erleuchten soll, werden die ein falsches Licht nennen, welche nicht in seinem vordringenden Schein wandeln wollen. Die Verwerfer der Wahrheit werden wegen ihres Unglaubens Arbeit, die längst getan sein könnte, unverrichtet lassen. Von euch, die ihr dem Lichte der Wahrheit im Wege steht, verlangen wir dringend, dem Volk Gottes die Bahn frei zu machen. Lasst das himmlische Licht in klaren, stetigen Strahlen auf alle scheinen.” RH 27.5.1890


"Sie (die Gegner) beschauen das verwerfliche Atom unter dem Vergrößerungsglas, bis es in ihren Vorstellungen eine Welt zu sein scheint, welche ihnen die Sicht der kostbaren himmlischen Botschaft versperrt... Warum soll man auf Dinge achten, die einem an dem Botschafter als verwerflich Vorkommen, und alle Beweise in Bezug auf Wahrheit wegfegen, die Gott uns zu einer ausgeglichenen Gesinnung gegeben hat?” RH 18.4.1893

 

EIGENE WEISHEIT

”Auf der Minneapolis-Konferenz ging ich durch eine schmerzliche Erfahrung, und zwar wegen des Verhaltens unserer dienenden Brüder, von welchem ich wusste, dass es nicht im Einklang mit dem Geist Gottes stand... Ich wünsche nur das Wohlergehen eines jeden einzelnen meiner Brüder. Doch ich zittere um ihre Seelen, wenn ich sehe, wie sie ihrer eigenen Weisheit, ihrem eigenen Urteil folgen und Eindrücke voneinander annehmen, von denen ich weiß, dass sie falsch sind und sie in Schwierigkeiten und Trennung von Gott führen werden.” 1889 Brief U23

 

ALS FANATISMUS VERKANNT

Fanatismus ist ein schreckliches Feuer. Wir werden ermahnt, lieber zwei Schritte in entgegengesetzter Richtung, als einen Schritt zum Fanatismus zu tun. Seine verzehrende Höllenglut, jener unduldsame Eifer ohne Liebe und Langmut, kann nur schwerlich gelöscht werden.


Leider hat es der Feind verstanden, die Wahrheit Gottes als etwas Fanatisches hinzustellen:


"Ich denke, dass ich nie wieder berufen werde, so wie in Minneapolis unter der Leitung des Heiligen Geistes zu stehen. Ich wandelte in der Gegenwart Jesu. Alle, die in den Versammlungen zugegen waren, hatten Gelegenheit, sich auf die Seite der Wahrheit zu stellen, indem sie den Heiligen Geist, den Gott in solch reichem Strom der Liebe und der Gnade gesandt hat, aufgenommen hätten; aber in den Räumen, die von einigen unserer Leute belegt waren, wurde Spott, Kritik, Hohn und Gelächter gehört. Die Bekundungen des Heiligen Geistes wurde dem Fanatismus zugeschrieben. Wegen der Szenen, die sich auf dieser Zusammenkunft abspielten, schämte sich der Gott des Himmels, die Beteiligten seine Brüder zu nennen! All das ist von dem himmlischen Wächter beachtet und im Gedächtnisbuche Gottes verzeichnet worden.” ”Sunnyside”, Cooranbong, 1896


"Unter uns hat ein Abweichen von Gott stattgefunden. Buße, Reue und Rückkehr zur ersten Liebe, die zur Wiederaufnahme bei Gott so notwendig sind, sind nicht erfolgt. Unglaube ist in unsere Reihen eingedrungen. Es ist Mode geworden, von Christus abzutreten und dem Geist der Skepsis Raum zu gewähren. Viele rufen in ihrem Herzen: 'Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche.’ Baal, Baal ist ihre Wahl. Die Religion vieler von uns wird die Religion des abgefallenen Israels sein, denn sie lieben ihre eigenen Wege statt des Weges Gottes. Die wahre Religion der Bibel, die einzige Religion, welche Vergebung durch die Verdienste des gekreuzigten und auferstandenen Heilandes lehrt, welche die Gerechtigkeit durch Glauben an den Sohn verteidigt, wurde verachtet. Gegen diese Religion wurde geredet, sie wurde verlacht und verworfen; sie wurde als Enthusiasmus und Fanatismus denunziert... Welch eine Zukunft liegt vor uns, wenn wir nicht zur Einheit des Glaubens kommen?” TM 467,468

 

VEREITELUNG

Eine weitere Ursache dafür, dass die Botschaft des Spätregens damals nicht über die ganze Erde ging und sie mit aller Klarheit erleuchtete, lag darin, dass führende Brüder, die es ein falsches Licht nannten, sich zwischen das Volk und das Licht stellten.


"Gerade die Männer, welche wach sein sollten zu erkennen, dass das Volk Gottes damit den Weg für den Herrn bereiten würde, verhindern, dass das Licht Gottes zu seinem Volk gelangt, und verwerfen die Botschaft seiner heilenden Gnade.” Brief an die Brüder Miller,23.7.1889


”Das Licht, welches die Erde mit seiner Klarheit erleuchten wird, wird ein falsches Licht genannt werden. Wir bitten euch dringend, die ihr dem Licht der Wahrheit widersteht, zur Seite zu treten, dem Volk Gottes aus dem Wege. Das vom Himmel gesandte Licht soll in klaren, starken, stetigen Strahlen leuchten. Gott macht euch, zu denen das Licht gekommen ist, verantwortlich. Die Wahrheit ist in ihre Reichweite gekommen, doch sie verachten ihre Gelegenheiten und Vorrechte.” RH27.5.1890


”Des Öfteren haben einige führende Brüder auf der falschen Seite Stellung genommen. Würde Gott eine Botschaft senden und darauf warten, bis diese älteren Brüder den Weg freigäben, dann würde die Botschaft das Volk nie erreichen... Wer Wächter der Lehre sein will und den Weg versperrt, dass kein größeres Licht zum Volke kommt, steht unter der Missbilligung Gottes... Niemand soll es wagen, sich zwischen das Volk und die Botschaft vom Himmel zu stellen. Die Botschaft von Gott wird zum Volke kommen. Wenn keine menschliche sie verkündigen würde, dann würden die Steine schreien. R&H 26.6.1892


E.G. White gab die Hoffnung auf den Spätregen trotz der Schwierigkeiten mit den leitenden Brüdern nicht auf. ”Wenn die Prediger das Licht nicht annehmen, möchte ich dem Volk eine Gelegenheit geben, vielleicht nimmt das Volk es an.” In den Jahren unmittelbar nach der Minneapolis-Konferenz reisten Waggoner, Jones und E.G. White aus eigener Initiative (denn: "würde Gott eine Botschaft senden und darauf warten, bis diese älteren Brüder den Weg freigäben, dann würde die Botschaft das Volk nie erreichen...”) von Stadt zu Stadt und wandten sich mit der Botschaft direkt an die einzelnen Gemeinden.


Wie zur Zeit Jesu war das einfache Volk tatsächlich geneigt, die Botschaft zu bejahen. Alle, "deren Herz nicht durch Vorurteile verschlossen war”, nahmen das Licht freudig an.


"Auf jeder Versammlung seit der General-Konferenz haben Gläubige die kostbare Botschaft der Gerechtigkeit Christi begierig aufgenommen. Wir danken Gott, dass es Seelen gibt, die ihren Mangel an etwas einsehen, das sie nicht besitzen: an Gold des Glaubens und der Liebe, an dem weißen Leinen der Gerechtigkeit Christi, an der Augensalbe geistlicher Erkenntnis. Wer die köstlichen Gaben besitzt, dessen Seelentempel gleicht nicht einem entweihten Heiligtum. Brüder und Schwestern, ich rufe euch auf im Namen Jesu Christi von Nazareth: Wirkt dort, wo Gott wirkt! Jetzt ist der Tag, ein gnädiges Vorrecht in Anspruch zu nehmen.” RH 23.7.1889


Von einer Versammlung in South-Lancaster schreibt E.G. White: ”Nie habe ich ein Erweckungswerk mit solcher Gründlichkeit sich ausbreiten und dabei so frei von aller unpassenden Erregung bleiben sehen. Es gab kein Drängen oder Auffordern. Die Menschen wurden nicht nach vorn aufs Podium gerufen, aber es herrschte der feierliche Eindruck, dass Christus gekommen war, nicht um die Gerechten, sondern um die Sünder zur Buße zu rufen. Die ein feines Herz hatten, waren bereit, ihre Sünden zu bekennen und, soweit es in ihrer Macht lag, durch Buße und Erneuerung Gott Früchte zu bringen. Es schien, als atmeten wir Himmelsluft. Es schwebten wirklich Engel um uns. Am Freitagnachmittag begann der gemeinsame Gottesdienst um fünf Uhr; er schloss erst gegen neun... Viele legten Zeugnis ab, dass sie sich, nachdem die Wahrheit in ihr Herz gedrungen sei, als Gesetzesübertreter schuldig gesehen hätten; dass sie zuvor auf ihre eigene Gerechtigkeit vertraut hätten, die im Vergleich zu der vor Gott allein geltenden Gerechtigkeit Christi ein unflätig Kleid ist.” RH 5.3.1889


Solche Zitate sind in der Tat ermutigend. Sie zeigen uns, was E.G. White meinte, als sie etwas später von dem Wirken der Prediger Waggoner und Jones spricht: "...all das Gute, was sie in den wenigen vergangenen Jahren getan haben...” So erfreulich die Aussage über die Annahme der Botschaft beim Volke auch sein mag, so muss an dieser Stelle darauf verwiesen werden, dass man sich nicht, wie dies leider vielfach geschehen ist, dazu verleiten lassen darf, gewisse oberflächliche Schlussfolgerungen daraus zu ziehen, die mit einem ganzen Aufgebot unmissverständlicher Aussagen späteren Datums im Widerspruch stehen.


Eine Anzahl von neuerlich erschienenen Werken möchten es gern wahrhaben, dass die Botschaft von Waggoner und Jones trotz anfänglicher Krise schließlich doch allgemein die Oberhand gewonnen hätte und angenommen wurde. Diese Meinung lässt sich in keiner Weise mit den aus vielen Quellen nachweisbaren geschichtlichen Tatsachen vereinbaren. Die Minneapolis-Epoche war laut Aussagen von E.G. White eine Parallele zu bestimmten negativen Erfahrungen des alten Judenvolkes, aus dessen Beispiel wir leicht ersehen können, wie folgenschwer Verkennung und Missdeutung der eigenen Geschichte werden kann. Zu dieser späten Stunde können wir es uns nicht mehr erlauben, uns mit der halben Wahrheit über einen der wichtigsten Abschnitte unserer Vergangenheit zu begnügen. Diese Vergangenheit ist es, die unsere Gegenwart prägt. Wer sie falsch auslegt, hat keine Hoffnung, unsere merkwürdige gegenwärtige Lage verstehen zu können und folgerichtig zu handeln. Die durch die Tätigkeit von Waggoner und Jones 1888 in Erscheinung tretenden Erweckungen in den verschiedenen lokalen Gemeinden waren nur kurzlebig. Das lag nicht an der Botschaft, auch noch nicht einmal so sehr beim Volke selbst, sondern großenteils an der Führung.


Ein Jahr nachdem E.G. White jenen Bericht über den Eingang der Botschaft in South- Lancaster gab, geht sie noch einmal darauf ein: ”Ich sah, dass die Botschaft von der Macht Gottes begleitet wurde, wo immer sie verkündigt wurde. Man konnte den Menschen in South- Lancaster nicht ausreden, dass die an sie gelangende Botschaft eine Botschaft des Lichtes war... Gott hat seine Hand darin und wirkt. Wir arbeiteten in Chicago; erst nach einer Woche kam es in den Versammlungen zürn Durchbruch. Wie eine Flut der Herrlichkeit ergoss sich der Segen Gottes über uns, als wir auf das Lamm Gottes verwiesen, das hinwegnimmt die Sünden der Welt. Der Herr offenbarte seine Herrlichkeit, und wir gewahrten die tiefe Wirkung des Heiligen Geistes.”
Doch dann wird im gleichen Artikel diese offene Frage gestellt: "Ich habe versucht, euch die Botschaft darzulegen, so wie ich sie verstanden habe, doch wie lange wollen die, welche an der Führung des Werkes stehen, sich von Gottes Botschaft fernhalten?” RH 18.3.1890


Nicht nur hielt sich die Leitung von der Botschaft fern, sondern, wie schon zuvor angeführt, sie stand ihr im Wege: ”Von euch, die ihr der Wahrheit im Wege steht, verlangen wir dringend, dem Volke Gottes die Bahn frei zu machen. Lasst das himmlische Licht in klaren, stetigen Strahlen auf alle scheinen.” RH 27.5.1890 ”Der Herr hat Boten erweckt und mit seinem Geist ausgerüstet. Er hat ihnen aufgetragen: 'Rufe getrost, schone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk ihre Übertretungen und dem Hause Jakob ihre Sünden.’ Niemand wage es, sich zwischen das Volk und die Himmelsbotschaft zu stellen.” RH 26.6.1892


”Viele haben die Wahrheit gehört, die unter der Demonstration des Heiligen Geistes gesprochen wurde, und sich nicht nur geweigert, das Licht anzunehmen, sie haben das Licht gehasst. Diese Männer ergreifen Partei zum Ruin ihrer eigenen Seelen. Sie haben sich zwischen das vom Himmel gesandte Licht und das Volk gestellt. Sie haben das Wort Gottes mit Füßen getreten und gegen seinen Heiligen Geist gehandelt. Ich rufe das Volk Gottes auf, die Augen zu öffnen. Wenn ihr die Entscheidung von Männern gutheißt oder befolgt, von denen ihr wisst, dass sie nicht im Einklang mit der Wahrheit und Gerechtigkeit stehen, so schwächt ihr euren eigenen Glauben.” 4.6.1896 TM 91


Das zeigt, wie berechtigt E.G. Whites warnende Bemerkung schon 1888 war: "Wenn ihr das Licht nicht selbst seht, werdet ihr eure Herzen verschließen und, wenn ihr könnt, verhindern, dass die Lichtstrahlen das Volk erreichen. Lasst nicht von diesem hochbegünstigten Volk gesagt werden: 'Ihr kommt nicht hinein und wehret denen, die hinein wollen.’”


Es wäre weitaus angenehmer, bei jener These zu bleiben, dass die auf Grund der Tätigkeit der drei Wahrheitsverteidiger hervorgerufenen Erweckungen in den Jahren 1889, 1890 den Anfang einer allgemeinen und weltweiten Annahme der Botschaft kennzeichneten und dass danach Prediger und Volk generell und durchweg die Darlegungen von Minneapolis angenommen hätten (so das Literature Defence Committee der General Conference). Diese Ansicht hält jedoch einer genauen Untersuchung und Gegenüberstellung von Aussagen nicht stand.
Die Erweckungen in South-Lancaster sowie an vielen anderen Orten waren in der Tat echt und von Gott. Doch was ihre Bedeutung im Gesamtplan Gottes anbetrifft, so waren sie nur ein Beweis denen gegenüber, die die Botschaft als fanatisch und extrem bezeichnet hatten. Hiermit stellte der Herr unter Beweis, dass sie im Unrecht waren:
"Obwohl entschiedene Anstrengungen gemacht worden sind, der von Gott gesandten Botschaft die Wirkung zu nehmen, beweisen ihre Früchte, dass sie der Quelle des Lichtes und der Wahrheit entstammen.” Brief an Olsen, 1892


Von Fanatismus war nicht die geringste Spur erkennbar:


"Nie habe ich ein Erweckungswerk mit solcher Gründlichkeit sich ausbreiten und dabei so frei von allen unpassenden Erregungen bleiben sehen.”
*Über Waggoner machte man sich sogar lustig wegen seiner äußeren Erscheinung: Er war nämlich klein.


"Früchten” der Botschaft nicht die zu einer Umkehr notwendigen Schlüsse zog.


"Der Geist Gottes ist in Macht unter seinem Volke zugegen gewesen, konnte aber nicht verliehen werden, weil sie ihre Herzen nicht öffneten, ihn zu empfangen. Nicht den Widerstand der Welt haben wir zu fürchten, unter uns selbst sind Elemente am Wirken, die der Botschaft entgegenstehen... "Brief an die General-Konferenz 1893
"Wenn ihr das während der letzten zwei Jahre die Gerechtigkeit Christi verkündigende Zeugnis zum Schweigen brächtet, wen könntet ihr nennen, der dem Volk besonderes Licht bringen würde?” RH 18.3.1890


”Sie begannen dieses satanische Werk in Minneapolis. Nachher, als sie die Kundgebungen des Heiligen Geistes sahen und fühlten, mit denen bezeugt wurde, dass die Botschaft von Gott kam, hassten sie sie umso mehr, weil es ein Zeugnis gegen sie war. Sie wollten ihre Herzen nicht zur Buße demütigen und Gott die Ehre geben, indem sie für das Recht eintraten. Sie fuhren in ihrem Geiste fort, erfüllt mit Neid, Eifersucht und bösem Argwohn, so wie die Juden es taten. Sie öffneten dem Feinde Gottes und des Menschen ihre Herzen. Und dennoch haben diese Männer hohe Stellungen inne, sie haben das Werk, soweit sie es auch nur konnten, nach ihren eigenen Vorstellungen ausgerichtet.” 1.5.1895 TM 80
"Ich weiß, dass der Herr einen Segen für uns hat. Er hatte einen Segen für uns in Minneapolis und ebenfalls zu der Zeit der General-Konferenz (1889), hier. Aber der Segen wurde nicht in Empfang genommen. Einige empfingen das Licht mit Freuden. Doch andere hielten sich ganz zurück; und ihre Stellung hat anderen Mut gemacht, Unglauben zu hegen, zu verbreiten... Wenn es möglich ist, möchte ich von hier fort sein, ehe ich den letzten Funken Energie verliere.“16.3.1890 Sermon in Battle Creek


Durch den anhaltenden Widerstand der Leitung, die sich zwischen das Volk und das Licht stellte, kam Verwirrung:
"Seit nun fast zwei Jahren nötigen wir die Menschen immer wieder, sich aufzuraffen und das Licht, die Wahrheit über die Gerechtigkeit Christi anzunehmen. Aber sie wissen nicht, ob sie diese köstliche Wahrheit sich zu Eigen machen sollen oder nicht. Sie sind zutiefst in eigene Vorstellungen verstrickt; sie lassen den Heiland nicht in ihre Herzen ein.” RH 11.3.1890


"Unsere jungen Männer schauen auf unsere älteren Brüder; wenn sie aber sehen, dass diese die Botschaft nicht annehmen, sondern so behandeln, als sei sie bedeutungslos, werden sie, da sie die Schrift nicht kennen, dahin beeinflusst, das Licht abzuweisen. Diese Männer, die die Wahrheit nicht annehmen wollen, stellen sich zwischen das Volk und das Licht.” RH
18.3.1890


Die fortwährenden (fast ermüdenden) Andeutungen E.G. Whites während dieser Zeit, dass wir im Begriff seien, gewisse Erfahrungen des jüdischen Volkes zu wiederholen, hatten ihre Berechtigung. Das Volk hätte die Botschaft gerne angenommen, wenn die Leitung sich unvoreingenommen auf die richtige Seite gestellt oder zumindest zugelassen hätte, das Licht unentstellt und ohne Hindernisse und Widerstand auf das Volk scheinen zu lassen.
"Die Brüder stimmten dem von Gott gesandten Licht zu, doch da waren die, die mit unseren Anstalten verbunden sind, besonders mit dem ’Review and Herald’ und der Konferenz, die Elemente des Unglaubens einführten, so dass nicht auf das gegebene Licht hin gehandelt wurde.” 1901 GCB 23


Zwischen den Zitaten, die von-den Erweckungen in den Gemeinden sprechen, und denen, die aussagen, dass die Botschaft verworfen wurde, besteht nicht der geringste Widerspruch. Es war genau wie zurzeit Jesu. Das einfache Volk hörte ihn gern und empfing den Segen. Wären die Priester und Rabbiner nicht dazwischengetreten, würde seine Lehre die größte Reformation verursacht haben, die die Welt je gesehen hat. DA 205


Was dem Volk allerdings gesagt werden muss, ist das, was E.G. White gerade auf der Minneapolis-Konferenz so hervorhob. - "Ich ermahne euch, baut euer Vertrauen auf Gott. Vergöttert keinen Menschen. Macht euch nicht von Menschen abhängig.” Predigt 24.10.1888


Der fortwährende offene und versteckte Widerstand der Führung einerseits und die unentschiedene, gleichgültige Haltung andererseits brachten Verwirrung ins Volk, wenngleich es willig war, die Botschaft anzunehmen. Der Heilige Geist wurde gedämpft, die Bewegung erstickte, und die Wahrheit verlor ihre Wirkung.


"Niemandem ist es erlaubt, die Zugänge, durch welche das Licht an das Volk gelangen soll, zu versperren. Sobald das geschieht, erlischt der Geist Gottes.” 1888 Sermons 63


"Der aus dem Widerstand gegen Licht und Wahrheit von Minneapolis entstandene Einfluss neigt dazu, das dem Volke Gottes durch die Zeugnisse geschenkte Licht wirkungslos zu machen... denn einige jener, die verantwortungsvolle Stellungen innehatten, wurden von dem Geist durchdrungen, der in Minneapolis vorherrschte, ein Geist, der das Wahrnehmungsvermögen des Volkes verdunkelte.” Brief an die General-Konferenz 1893


Wie bedeutsam war doch im Lichte all dessen die Ermahnung, die im September 1889 an das Adventvolk erging.


”Der Feind Gottes und der Menschen ist entschieden dagegen, dass diese Wahrheit (Rechtfertigung durch den Glauben) klar verkündet wird; denn er weiß, dass, wenn das Volk sie voll aufnimmt, seine Macht gebrochen ist. Wenn er aber die Herzen derer, die Kinder Gottes zu sein beanspruchen, so beherrschen kann, dass ihre Glaubenserfahrungen aus Zweifel, Unglauben und Dunkelheit bestehen, dann kann er sie durch Versuchungen überwältigen.” RH 3.9.1889

"Unsere gegenwärtige Lage ist gespannt und gefahrvoll. Wir stehen in der Gefahr, Licht vom Himmel zurückzuweisen; darum müssen wir sorgsam auf unser Gebetsleben achten, damit wir nicht ein böses Herz des Unglaubens bekommen.” ebd.

 

 

BEKENNTNIS

In letzter Zeit wurde viel darüber geschrieben, dass die Gegner der Botschaft "Christus unsere Gerechtigkeit” innerhalb von drei, vier Jahren ihren Irrtum eingesehen, bereut und den Weg für eine generelle Annahme der Botschaft freigegeben hätten. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten sei die Botschaft immer mehr durchgedrungen - bis zu ihrem endgültigen Sieg 1901 - und seit der Zeit immer völliger verkündigt worden.


Wenn das tatsächlich der Fall wäre, befände sich die STA-Gemeinde zur gegenwärtigen Zeit in einer lobenswerten Lage, jedenfalls in einem viel besseren Zustand als zurzeit vor 1888. Die Macht Satans wäre gebrochen. Dass dies aber wahrhaftig nicht der Fall ist, weiß jeder Aufrichtige nur allzu gut. Als Beweis dafür, dass die Botschaft angenommen worden sei, wird oft angeführt, dass die Hauptgegner ihr Verhalten eingesehen und bereut hätten. Im Januar 1891 berichtet E.G. White über eine Begegnung mit Uriah Smith wie folgt: "Am Montag kam Prediger Smith zu mir. Wir hatten ein ernstes, tiefgehendes Gespräch. Ich konnte erkennen, dass er einen ganz anderen Geist hatte als vor Monaten. Er war nicht hart und unempfänglich. Er fühlte die Worte, mit denen ich ihm getreulich vor Augen führte, welchen Weg er eingeschlagen und welchen Schaden er durch diese Stellung angestellt hatte. Er sagte, er wolle mit den Zeugnissen und dem Geist Gottes in Einklang kommen. Ich hatte ihm einen dreizehn Seiten langen Brief, der deutliche Worte enthielt, geschrieben.


Am Dienstag kam er wieder zu mir und bat um eine Zusammenkunft mit einigen bestimmten Leuten, auf der er etwas sagen wolle. Ich sagte zu. Gestern, Mittwoch, kam es zu dieser Zusammenkunft im Büro. Prediger Smith las allen meinen an ihn gerichteten Brief vor und sagte, er nehme dies alles von Gott an. Er bezog sich dann auf die Minneapolis- Konferenz und bekannte, dass er durch seine Einstellung eine sehr schwere Last auf mich geworfen hatte. Bruder Rupert bekannte ebenfalls, und wir hatten ein sehr gewinnbringendes, ausgezeichnetes Treffen. Bruder Smith ist auf den Fels gefallen und zerbrochen. Der Herr Jesus wird nun mit ihm arbeiten. Als er den Raum verließ, nahm er meine Hand und sagte: 'Wenn der Herr mir die Sorgen und Lasten, die ich dir aufgebürdet habe, vergibt, dann, sage ich dir, war es das letzte Mal. Ich will deine Hand stützen. Die Zeugnisse Gottes sollen diese Stellung in meiner Erfahrung behalten.’ Selten vergießt Prediger Smith Tränen. Doch diesmal weinte er, seine Stimme war mit Tränen erstickt. So kannst du sehen, dass ich Grund zur Freude und zum Lob gegenüber dem Herrn habe.” 1891 Brief 32


Aus diesem Bericht ist leicht zu erkennen, dass der Engel des Herrn noch immer am Wirken war, der Botschaft zum großen Durchbruch zu verhelfen. Um diese Zeit legten andere ebenfalls Bekenntnisse ab. Ein Werk der Reue und der Umkehr hatte begonnen. Die Gelegenheit, den Spätregen zu empfangen, war trotz allem, was geschehen war, noch nicht verstrichen.


E.G. White hoffte und glaubte fest, dass nun alles gut würde. Sich auf das Bekenntnis von Prediger Smith beziehend, sagte sie: ”Der Herr Jesus wird nun mit ihm arbeiten!” Was sollte nun geschehen? Uriah Smith war Herausgeber des ”Review and Herald” und hatte in dieser Tätigkeit seinen großen Einfluss gegen Waggoner und Jones geltend gemacht. Er hätte jetzt mit Bekenntnis und Wiedergutmachung durch den "Review and Herald” und somit in der Einfluss Sphäre, in welcher er bislang seine Gegnerschaft zu Waggoner und Jones bekundet hatte, weitergehen sollen. Schon im Dezember 1890 war folgende Instruktion bezüglich gründlicher Wiedergutmachung gekommen: "Für das geringste Unrecht, das ihr einander getan habt, verlangt Gott von euch, euren Fehler zu bekennen, nicht nur bei demjenigen, den ihr verletzt habt, sondern allen denen gegenüber, die durch euren Einfluss dazu geführt wurden, ihren Bruder in einem falschen Lichte zu sehen und das ihm von Gott gegebene Werk wirkungslos zu machen.” RH 16.12.1890.


Das wurde nicht befolgt. Im Gegenteil, im "Review and Herald” erschienen weiterhin Artikel, die sich offen sowohl gegen Waggoner als auch Jones richteten, woraus einhellig hervorgeht, dass man die besonderen Boten Gottes und das Werk, das der Herr durch sie tun wollte, immer noch nicht verstand und anerkannte.

 

Niemand wird die Aufrichtigkeit der Bekenntnisse anzweifeln oder gar in Erwägung ziehen wollen, ob diese Brüder selig werden. Diese Gedanken stehen alleine Gott zu. Wir lassen die Toten ruhen und glauben und hoffen, dass sie errettet sind. Nichtsdestoweniger kommen wir mit keinerlei auch noch so plausibel erscheinenden Erklärungen um die Tatsache herum, dass die abgelegten Bekenntnisse der Brüder nicht ausreichten, um den Spätregen herbeizuführen. So merkwürdig sich folgende Worte aus der Feder des Geistes der Weissagung damals auch angehört haben mögen, erkennen wir, von unserer Warte heute zurückblickend, ihre tiefe Bedeutung: "Prediger Smith sagte, dass das Zeugnis ihn beträfe, er glaube, es sei an ihn gerichtet; aber er blieb stehen und ging nicht weiter. Beide (Prescott und Smith) jedoch stellten sich zu den Reumütigen und Gottsuchenden...” 1891 Brief 32


Man ging nicht weiter. Nie erschien ein öffentliches Eingeständnis der Schuld im "Review and Herald” oder in einem anderen offiziellen Organ. Auch wurden solche Bekenntnisse viel mehr bei E.G. White abgelegt und nicht so sehr gegenüber Waggoner und Jones. Für den Spätregen war das nicht genug."Eure Reue geht nicht tief genug... Reue, die durch vorübergehende Gefühlserregung hervorgerufen wird, ist eine Reue, die bereut werden muss, denn sie ist irreführend.” Elmshaven Leaflets, Methods Nr. 11


Dass der Geist von Minneapolis kurze Zeit nach den Bekenntnissen wieder auflebte, ist ein untrügliches Zeichen einer nur oberflächlichen Reue. Im Jahre 1893 geht E.G. White darauf ein:


"Danach sah er (ein australischer Bruder namens Foster) im ’Review’ den Artikel von Bruder A.T. Jones über das Bild des Tieres, und dann den von Prediger Smith, der die gegenteilige Ansicht vertrat. Bruder Foster war verwirrt und verstört. Vom Lesen der Artikel von Waggoner und Jones hatte er viel Licht und Trost empfangen, und nun kam einer der alten Arbeiter, einer, der viele unserer Gemeindebücher geschrieben hatte, einer, von dem er geglaubt hatte, dass er unter der Leitung Gottes stünde, und scheint mit Bruder Jones im Konflikt zu stehen. Was sollte das bedeuten? War Bruder Jones im Unrecht? Wer war im Recht? Er wurde verwirrt. Auf wen kann man sich verlassen, wenn bedeutsame Arbeiter im Werke Gottes in der gleichen Zeitschrift gegenteilige Stellungen einnehmen? Wem sollen wir glauben? Wer hat die richtige Stellung...? Wenn sich Prediger Smith vor Herausgabe des Artikels von Prediger Jones mit ihm beraten und ihm verdeutlicht hätte, dass sich seine Ansicht von der des Bruders Jones unterschied und dass er im Falle des Erscheinens des Artikels auch die gegenteilige Stellung darlegen müsse, dann läge die Sache ganz anders. Der hierin eingeschlagene Weg ist jedoch der gleiche wie der von Minneapolis. Die Gegner von Waggoner und Jones zeigten keine Neigung, ihnen wie Brüder entgegenzutreten und die unterschiedlichen Punkte in christlichem Geiste, mit der Bibel in der Hand, unter Gebet zu untersuchen. Nur solch ein Weg hat die Zustimmung Gottes. Wer das in Minneapolis nicht zu tun bereit war, stand unter der Mißbilligung Gottes. Und trotzdem geht dieser blinde Kampf weiter... Wir wissen, daß Bruder Jones die Botschaft für diese Zeit hat - Speise zur rechten Zeit für die hungernde Herde Gottes - ...Die Konferenz in Minneapolis war für alle, die ihr beiwohnten, eine goldene Gelegenheit, ihre Herzen vor Gott zu demütigen und Jesus als den großen Lehrer willkommen zu heißen. Doch die Stellung, die von einigen dort bezogen wurde, diente zu ihrem Untergang. Seit der Zeit haben sie nie klar sehen können und werden es auch nie, denn sie hegen hartnäckig den Geist, der dort vorherrschte, einen bösen, kritischen, denunzierenden Geist. Seit jener Zusammenkunft ist doch Licht und Beweis in reichem Maße gnädiglich erbracht worden, so dass alle die Wahrheit verstehen könnten. Die, die damals verblendet waren, könnten inzwischen das Licht angenommen haben. Wäre es nicht um des Stolzes ihres eigenen aufrührerischen Herzens, so könnten sie sich an der Wahrheit erfreuen, wie sie in Jesus ist. Im Gericht werden sie gefragt werden: 'Wer hat von euch verlangt, euch gegen die Botschaft und Boten zu erheben, die ich mit Licht, Gnade und Macht an mein Volk aussandte? Warum habt ihr eure Seelen gegen Gott erhoben? Warum habt ihr mit eurem verderbten Geist den Weg versperrt? Und warum habt ihr nicht nachher, als Beweise angehäuft waren, eure Herzen vor Gott gedemütigt und die Verwerfung der von ihm gesandten Gnadenbotschaft bereut?’” Melbourne, 9.1.1893


Es sollte darüber hinaus, wie es auch in den letzten Sätzen dieses Zitates zum Ausdruck kommt, nicht außer Acht gelassen werden, dass den Bekenntnissen mächtige göttliche Beweise und Bekundungen für die Botschaft vorausgingen und man sich schließlich regelrecht gezwungen sah, ihr beizupflichten. E.G. White sagte diesbezüglich 1890:


”Die gegenwärtigen Bekundungen seines Wirkens sind euch offenbart worden, und ihr seid nun verpflichtet zu glauben.” TM 466


Später sagte sie: "Einige fühlten sich durch dieses Ausgießen (des Heiligen Geistes) gestört. Sie sagten: Das ist nur eine Gefühlserregung; es ist nicht der Heilige Geist, es ist nicht das Fallen des Spätregens vom Himmel. Es waren dort Herzen voll Unglauben, welche nicht vom Geiste tranken... Oftmals wirkte der Heilige Geist. Die dem Geiste Gottes in Minneapolis widerstanden, warteten auf eine Gelegenheit, nochmals den gleichen Weg zu gehen, denn ihr Geist war der gleiche. Nachher, als Beweis auf Beweis vorlag, ließen sich einige überführen. Aber die, welche sich nicht von dem Wirken des Heiligen Geistes erweichen und unterwerfen ließen, gaben jeder Kundgebung seines Wirkens ihre eigene Auslegung und haben viel verloren. In ihren Herzen und Worten erklärten sie diese Bekundungen des Heiligen Geistes als Fanatismus und Verführung. Sie standen wie ein Felsen, umflossen von den Wogen der Gnade, die durch ihre harten, bösen, dem Heiligen Geist widerstrebenden Herzen zurückgeschlagen wurden.” ST A6 20


Dass die Bekenntnisse dennoch aufrichtig und die Reue der Brüder echt war, darf man getrost glauben. Dass aber ihre Früchte weder andauerten noch fortschritten, ist ein durch viel stichhaltiges Beweismaterial festgelegter Umstand, den wir nicht übergehen können.


Es ist, im Gegensatz zu Satan, nicht Gottes Art, Sünden oder Fehler, die wirklich bekannt und bereut wurden, noch zu erwähnen oder gar immer wieder vorzuhalten. Umso schwerwiegender müssen uns darum die Aussagen des Geistes der Weissagung sein, die selbst Jahre nach den in Frage kommenden Bekenntnissen prominenter Gegner der Botschaft immer noch die Sünde von Minneapolis aufgreifen. Es wäre uns als Volk bestimmt weitaus angenehmer, diese unliebsamen Dinge zu übersehen, doch das können wir nicht tun, ohne der offenen Gefahr einer geschichtlichen Unwahrheit in die Arme zu laufen. Wenn sich der Geist der Weissagung so lange nach Minneapolis und selbst nach den Bekenntnissen von 1891 immer noch negativ über diese Konferenz und ihre Folgen ausspricht, so sind wir gezwungen, unsere Version von der "schließlichen allgemeinen Annahme der Botschaft” erneut zu überprüfen. Hier einige Beispiele von Aussagen betreffs Minneapolis noch nach 1891.

 

"Einige unserer Brüder sind, voll Eifersucht und bösem Argwohn, immer bereit zu zeigen, in welcher Weise sie sich von den Brüdern Jones und Waggoner unterscheiden. Derselbe Geist, der sich in der Vergangenheit offenbarte (1888), offenbart sich jetzt (1892) bei jeder Gelegenheit. Das kommt nicht vom Geiste Gottes. Es werden Botschaften kommen, die in den Ohren derer, die die Botschaft Gottes verwarfen, höchst erstaunlich klingen werden. Der Geist Gottes wird die Ankündigungen in eine Heiligkeit und Feierlichkeit kleiden, die für solche schrecklich sein wird, die den Ruf der unendlichen Liebe hörten und das Angebot der Vergebung nicht annahmen. Die verletzte und beleidigte Gottheit wird sprechen und verborgene Sünden verkündigen. So wie die Priester und Führer bei der letzten Szene der Tempelreinigung voller Empörung und Schrecken die Flucht ergriffen, so wird es sein in dem Werk dieser letzten Tage.” ST A7 54, 55

"Doch die Unzufriedenheit mit eurem geistlichen Zustand war nicht tief und schmerzlich genug, um eine Reform zu bewirken.... Mein Herz ist tief betrübt, wenn ich sehen muss, wie schnell ein Wort oder eine Handlung der Brüder Waggoner und Jones kritisiert wird.” Brief 1.9.1892


”Die Lichtstrahlen, die in Minneapolis leuchteten, sollten ihre gewissensüberführende Macht an denen ausüben, die sich gegen das Licht stellten. Wenn sich damals alle übergeben und ihren Willen dem Geiste Gottes unterstellt hätten, hätten sie die reichsten Segnungen empfangen, den Feind enttäuscht und wären als treue, nach ihrer Überzeugung handelnde Männer erfunden worden.” Brief an Olsen, 19.10.1892


”Das Licht, welches die ganze Erde mit seiner Klarheit erfüllen soll, ist von einigen verachtet worden, die vorgeben, der gegenwärtigen Wahrheit zu glauben.” TM 89


”Ich kann nie die Erfahrung vergessen, die wir in Minneapolis machten, oder die Dinge, die mir offenbart wurden betreffs des Geistes, der die Menschen beherrschte, der Worte, die gesprochen wurden, der Handlungsweise, in der man im Gehorsam gegenüber den Mächten des Bösen vorging... Ein anderer Geist bewegte sie auf der Tagung und sie wussten nicht, dass Gott diese jungen Männer gesandt hatte, um ihnen eine besondere Botschaft zu bringen; sie behandelten diese Botschaft mit Spott und Verachtung, ohne zu erkennen, dass sie von himmlischen Wesen beobachtet wurden.


Ich weiß, dass der Geist Gottes zu der Zeit beleidigt war, und wenn ich etwas sehe, das derselben Handlungsweise nahesteht, bin ich sehr betrübt.” 1892 MS 24


Sie hatten ihre Sünde zwar bekannt, doch es war nicht gründlich genug. Nie wurde die Axt an die Wurzel gelegt:


”Die Vorurteile und Meinungen, die in Minneapolis vorherrschend waren, sind keineswegs verschwunden. Der Same, der dort in einigen Herzen gesät wurde, ist im Begriff aufzusprießen und dieselbe Ernte zu bringen. Zwar waren die Spitzen abgeschnitten, aber die Wurzeln sind nie vernichtet worden; sie bringen immer noch ihre ungeheiligten Früchte, welche das Urteils- und Wahrnehmungsvermögen vergiften und entstellen und den Verstand derer verblenden, mit welchen ihr euch betreffs der Botschaft und der Botschafter verbindet. Erst wenn die Wurzeln der Bitterkeit durch gründliches Bekenntnis vernichtet sind, werdet ihr Gottes Licht als Licht erkennen. Ohne dieses gründliche Vorgehen werdet ihr eure Seelen niemals säubern.” 1893 GCB 184


Es stimmt nicht, dass nur einige einzelne die Botschaft ablehnten. Warum belastete der Geist der Weissagung hier immer noch die ganze Versammlung der General-Konferenz mit dieser unangenehmen Sache, und warum spricht sie im folgenden Zeugnis durch den "Review and Herald” das ganze Volk an?

”Oh, wie wenige wissen den Tag ihrer Heimsuchung! Wir sind davon überzeugt, dass trotz der unaussprechlichen Gunsterweisungen Gottes geistige Blindheit und Herzenshärte unter seinem Volk herrscht... Wenige dienen dem Herrn heute von ganzem Herzen.
Die meisten, die zu unseren Versammlungen gehören, sind geistlich tot in Übertretungen und Sünden... Die schönsten Melodien, die durch menschliche Lippen von Gott kommen - Rechtfertigung durch den Glauben und die Gerechtigkeit Christi -, erwecken in ihnen keinen Ausdruck der Dankbarkeit und Liebe... Erwachet, erwachet, ehe es für immer zu spät ist.” RH 4.4.1893


"Wenn Gott ihr Leben verschont und sie denselben Geist hegen, der ihre Handlungweise vor und nach der Minneapolis-Konferenz kennzeichnete, dann werden sie sich mit den Taten derer messen können, die Christus während seines Erdenwandels verdammte.” E.G. White 1895


"Eine fehlende Bereitschaft zur Aufgabe von Vorurteilen und Annahme der Wahrheit war der Grund für den weitgehenden Widerstand, der sich gegen die von den Brüdern Waggoner und Jones in Minneapolis verkündete Botschaft des Herrn richtete. Durch die Erweckung jenes Widerstandes gelang es Satan in einem großen Ausmaß, die besondere Kraft des Heiligen Geistes, die Gott den Seinen mitzuteilen wünschte, von unserem Volk fernzuhalten. Der Feind verhinderte es, dass sie mit jener Tüchtigkeit ausgerüstet wurden, die sie bei der Verkündigung der Wahrheit in der Welt ebenso wie die Apostel nach Pfingsten hätten besitzen können. Man widerstand dem Licht, das die ganze Erde mit seiner Klarheit erleuchten sollte, und durch die Handlungsweise unserer eigenen Brüder wurde in einem großen Maße jenes Licht von der Welt ferngehalten.” E.G. White 6.6.1896, I. Selected Messages 234, 235

Weitere Zeugnisse aus dem Jahre 1896, die immer noch auf Minneapolis zurückweisen als einer Sache, die bei weitem noch nicht in Ordnung gebracht war:


"Wenn man doch endlich den Geist des Widerstandes gegen den Heiligen Geist aufgeben würde - den Geist, der so lange ihre religiöse Erfahrung durchsäuerte -. dann könnte der Geist Gottes ihre Herzen ansprechen. Er würde sie der Sünde überführen. Welch ein Werk! Aber der Heilige Geist wurde beleidigt und das Licht verworfen. Ist es denen, die seit Jahren verblendet sind, möglich zu sehen? Ist es möglich, dass zu dieser späten Stunde ihres Widerstandes ihre Augen noch gesalbt werden?” Geschrieben von Australien 18%, TM 393”Dass man den aufrührerischen Geist von Minneapolis weiterhin am Leben hält, ist eine Beleidigung Gottes. Der ganze Himmel ist über den Geist entrüstet, der sich seit Jahren in unserer Verlagsanstalt Battle Creek offenbart.” Cooranbong, 5.5.1896


”Ich möchte diejenigen warnend ansprechen, die seit Jahren dem Lichte widerstreben und den Geist des Widerstandes hegen. Wie lange wollt ihr die Boten der Gerechtigkeit Gottes hassen und verachten? Ich möchte euch weissagen: ’Es sei denn, ihr demütigt euch vor Gott und bekennt eure Sünden, deren viele sind, so werdet ihr, wenn es zu spät ist, erkennen, dass ihr gegen Gott gekämpft habt. Durch die Überführung des Heiligen Geistes, die dann aber nicht mehr zur Reformation und Vergebung gereicht, werdet ihr erkennen, dass diese Männer, gegen die ihr geredet habt, als Zeichen in der Welt standen, als Zeugen für Gott... Fahrt noch ein wenig fort in Verwerfung des himmlischen Lichtes, dann seid ihr verloren.’ ” ebd. 4.6.1896
”Liebe Brüder in verantwortlichen Stellungen des Werkes! Der Herr hat eine Auseinandersetzung mit euch. Den Grund dazu brauche ich nicht besonders zu erläutern - er ist euch wieder und wieder vorgelegt worden... Genau der gleiche Geist hat sich in Battle Creek gezeigt. Die, welche die Türen ihrer Herzen der Versuchung in Minneapolis öffneten und diesen selben Geist mit sich nach Hause trugen, werden, wenn auch nicht jetzt, in naher
Zukunft erkennen, dass sie dem Heiligen Geist widerstanden und sich gegen den Geist der Gnade gestellt haben. Werden sie bereuen? Oder werden sie ihre Herzen verstocken und den Beweisen trotzen?” "Avondale”, Cooranbong, 16.1.1896


”Feder und Worte vermögen nicht meine Betrübnis wiederzugeben. Zweifelsohne handelte Prediger... so wie Aaron bezüglich der Männer, die seit Minneapolis immer dem Wirken Gottes widerstanden. Sie haben ihre Handlungsweise, dass sie dem Licht und den Beweisen widerstanden, nicht bereut.” "Sunnyside”, Cooranbong, 27.8.1898


"Szenen, die für einen Christen eine Schande sind, wurden mir gezeigt. Es waren Ratsversammlungen, die nach der Minneapolis-Konferenz stattfanden... Diese Versammlungen sollten aufgelöst worden sein, weil sie eine Beleidigung Gottes waren. Der Herr wurde von denen, die zu Rate saßen, nicht als Ehrengast behandelt; wie konnten sie da erwarten, dass göttliches Licht auf sie fiel?
Der Herr wird die Übertretungen derer, die seitdem mit aufrichtiger Reue bereut haben, auslöschen; aber jedes Mal, wenn derselbe Geist in der Seele erwacht, werden die Taten von damals bejaht. Die Täter werden dann von Gott zur Rechenschaft gezogen werden. Vor seinem Richterstuhl müssen sie sich verantworten. Derselbe Geist, der die Verwerfer Christi trieb, schwelt in ihren Herzen.” ebd. 31.5.1896


Alle diese wiederholten Aussagen Jahre nach den Bekenntnissen führender Gegner der Botschaft bedeuten nicht, dass Gott das Bekenntnis der Brüder nicht anerkennen wollte, sondern vielmehr, dass ihre Reue nicht tief genug, ihre Wiedergutmachung nicht umfassend genug und die Annahme und Bejahung der Botschaft nicht echt war. Von der Richtigstellung dieser Gegebenheiten hängt es ab, ob für uns die Stunde gekommen ist, von der es damals hieß: Einmal werden diese Dinge in ihrer ganzen Tragweite erkannt werden. Die Tragik einer Wiederholung des Fehlers von Minneapolis wäre für uns heute unermesslich. Wenn es stimmen würde, dass die Väter ihr Verhalten schließlich berichtigt und wir als ein Volk die Botschaft angenommen hätten, wäre die Schlussfolgerung gerechtfertigt, dass sie uns die Botschaft von Waggoner und Jones richtig weitergegeben haben. Was wäre, wenn wir hierin einer Selbsttäuschung zum Opfer gefallen sind? Was die Väter nicht annahmen, können sie den Kindern nicht überliefern, noch können die Kinder es je von Gott selbst bekommen, wenn sie nicht bereit sind, den Fehler der Väter einzusehen und daraus zu lernen. Deswegen muss Minneapolis in seiner ganzen Tragweite erkannt werden. Der Herr führt sein Volk wieder über dieselbe Stufe. Wir alle stehen in der Untersuchung dieses Themas sozusagen in Minneapolis. Geradliniges Denken, unbestechliche Konsequenz und eine gegenüber persönlichen Empfindungen rücksichtslose Unparteilichkeit ist das Gebot der Stunde. In unserer Bereitschaft, geschichtliche Fakten unbeschönigt anzuerkennen, mag sich sehr wohl unsere Einstellung gegenüber der göttlichen Wahrheit überhaupt widerspiegeln.


Zahlreiche Beispiele sind diesem Volke gegeben, die zeigen sollten, wie nichtig alle Bestrebungen nach geistlichem Fortschritt und Glaubenserneuerung sind, wenn sie nicht von der richtigen Erforschung der Ursachen des schlechten, gegenwärtigen Standes und von der kompromisslosen Anerkennung der daraus resultierenden Fehler und Fehlverhalten, ungeachtet dessen, wie weit sie zurückliegen, begleitet sind. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil erlebte die katholische Kirche einen Ruf nach Erneuerung, wie es ihn in dem Maße für sie kaum gegeben hat. So aufrichtig wie dieses innere Verlangen auch sein mag, göttliche Früchte wird es nicht zeitigen; fehlt doch dabei das Eingeständnis der Schuld der Vergangenheit. Die katholische Kirche ist nach wie vor ungeneigt, ihre eigene Rolle in der Vergangenheit richtig einzuschätzen, die Fehler der Väter zuzugeben und zur Erkenntnis der eigentlichen Ursachen
ihres Verhaltens im Mittelalter zu kommen. Gleichermaßen auch die protestantischen Kirchen heute. Sie möchten gerne eine Erweckung. Sie kann jedoch nie kommen - jedenfalls nicht eine echte -, wenn man nicht gewillt ist, die Ursachen des gegenwärtigen Zustandes zu untersuchen und einzugestehen, dass ihre Väter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine von Gott gesandte Botschaft verworfen haben.


Ein solches Eingeständnis läuft freilich dem alten Gemeindestolz eines jeden Kirchenvolkes zuwider. Ohne echte Reue und richtige Demut kann jedoch eine göttliche Erneuerung nicht stattfinden, und das, davon ist der Schreiber zutiefst überzeugt, stellt den eigentlichen Grund dar, warum uns heute, drei oder vier Generationen später, vom Geist Gottes die Minneapolis-An-gelegenheit mit all ihren Konsequenzen nochmals vor Augen geführt wird.


"Möge der Herr verhüten, dass die Geschichte der Kinder Israel, die von Gott abwichen und sich weigerten im Licht zu wandeln und ihre Sünden, ihren Unglauben und ihre Verwerfung seiner Botschaften zu bekennen, zur Erfahrung des Volkes wird, das vorgibt, der gegenwärtigen Wahrheit zu glauben.” RH 21.10.1890

 

WIE A.T. JONES ES SIEHT

Mit all dem vorangegangenen Beweismaterial scheint es fast überflüssig, weitere Zeugen anzuführen. Wer mit den hier aufgeworfenen Fragen schon zu tun hatte, weiß jedoch, dass es für eine genaue Darstellung dieses wichtigen Abschnittes der Adventgeschichte und seiner wahrheitsgemäßen Bewertung notwendig ist, alle Einblicke zu notieren.


Der Geist der Weissagung lässt keinen Zweifel daran, dass die Botschaft abgelehnt worden ist. Durch ihn spricht Gott zu seinem Volk, und wir sollten jede gegenteilige Meinung hierüber korrigieren. Gott muss es am besten wissen, wie es um die Annahme seiner Botschaft stand.


Nicht nur sprach Gott durch den Propheten, sondern auch durch den von ihm ernannten Boten. Wenn außer E.G. White jemand wissen sollte, wie die Botschaft aufgenommen wurde, so ist es der, der sie im Auftrag Gottes zu bringen hatte. Er verstand, was die Botschaft war und was sie bei ihrer Annahme bezwecken würde. Auf der General-Konferenz 1893 definiert A.T. Jones unmissverständlich, dass die Botschaft den Spätregen eingeleitet haben sollte - eine Erkenntnis, die alle gegenwärtigen Behauptungen, die Botschaft sei angenommen worden, von vornherein Lügen straft. Heute, viele Jahrzehnte später, warten wir immer noch auf den Spätregen! Hören wir A.T. Jones, den Verkünder der Botschaft des Spätregens selber:


"Ihr erinnert euch, als ich neulich aus Joel 2 las, wie einer der Bruder - es war Bruder Corliss - auf den Rand Text* aufmerksam machte. Ich hatte dann gesagt, dass wir diesen ein andermal vornehmen würden. Wir wollen nun alle diesen Text aufschlagen und den Rand Text lesen.


'Freuet euch nun ihr Kinder Zions und seid fröhlich in dem Herrn, eurem Gott, denn er hat euch den Frühregen gegeben nach rechtem Maß.’ Joel 2,23 "King James Version”. Was sagt die Rand Note? 'Einen Lehrer der Gerechtigkeit.' Er hat euch gegeben 'einen Lehrer der Gerechtigkeit'. Wie? 'Gemäß Gerechtigkeit’. Was wird der Regen sein, wenn er ihn herabsendet? Was war der Frühregen? ’Ein Lehrer der Gerechtigkeit’. Und was wird der Spätregen sein? ’Ein Lehrer der Gerechtigkeit’. Wie? ’Gemäß Gerechtigkeit.’ Ist das nicht genau das, was uns das Zeugnis in jenem Artikel sagt, der uns nun schon einige Male vorgelesen wurde? - 'Der laute Ruf des dritten Engels’, der Spätregen, hat bereits begonnen


’in der Botschaft der Gerechtigkeit Christi.’ Ist das nicht das, was uns Joel schon damals sagte? Waren unsere Augen nicht gehalten, dass wir es nicht sahen? Brauchten wir nicht eine Salbung? Brüder, was in aller Welt brauchen wir mehr als das? Wie froh sollten wir sein, dass Gott den Propheten seinen eigenen Geist gibt, um uns zu zeigen, was wir nicht sahen! Wie unsagbar froh sollten wir darüber sein! Nun, der Spätregen - der laute Ruf - ist nach Schrift und Zeugnis 'die Lehre der Gerechtigkeit’, und zwar 'gemäß Gerechtigkeit’.” 1893 GCB 183


Nachdem er so klar gemacht hatte, was die Botschaft war, fuhr er in einem Atemzuge fort und stellte unter Beweis, dass sie nicht angenommen worden war. "Nun Brüder, wann begann jene Botschaft der Gerechtigkeit Christi unter uns als Volk? (Einer oder zwei Fußnote zu Seite 68: A.T. Jones las aus der geläufigen "King James” Bibel. Die dort in den Randbemerkungen wiedergegebene Übersetzung ist vom Urtext her gerechtfertigt: "...einen Lehrer der Gerechtigkeit, gemäß Gerechtigkeit.” unter den Zuhörern: Vor drei oder vier Jahren.) Vor wie viel Jahren, drei oder vier? (Zuhörer: Vier.) Ja, vier. Wo war es? (Zuhörer: Minneapolis.) Was verwarfen die Brüder in Minneapolis? (Einige der Zuhörer: Den lauten Ruf.) Was ist jene Botschaft der Gerechtigkeit? Das Zeugnis hat uns gesagt, was es ist: der laute Ruf - der Spätregen. Was also verwarfen die Brüder in der schrecklichen Stellung, in der sie in Minneapolis standen? Sie verwarfen den Spätregen, den lauten Ruf der dritten Engelsbotschaft. Brüder, ist das nicht schade? Die Brüder wussten natürlich nicht, was sie taten, aber der Geist Gottes war zugegen und sagte es ihnen, oder nicht? Doch was geschah, als sie den lauten Ruf, ’die Lehre der Gerechtigkeit’ verwarfen und als der Geist Gottes durch seinen Propheten zugegen war und uns sagte, was wir taten? Oh, dann hat man den Propheten einfach auch noch beiseite getan, mit all dem anderen. Das war das Nächstliegende. Brüder, es ist an der Zeit, diese Dinge zu bedenken. Es ist an der Zeit, es nüchtern und genau zu überdenken.” ebd.


Folgende Aussagen gewähren uns einen Einblick, welche Aufnahme die Botschaft fand.

”Sie entwerfen ganz einfach Richtlinien über Dinge, die sie die Lehre Gottes nennen, und dann glaubst du das und tust dein Bestes; das gilt dann als Rechtfertigung durch Glauben. Ob dieses Bekenntnis nun regelrecht zu Papier kommt, oder ob die Idee irgendeines Menschen durch Abstimmung in einer General-Konferenz geltend gemacht wird, spielt grundsätzlich keine Rolle - das Glaubensbekenntnis ist da, wer es billigt, hat soundso einen Glauben. Es sind hier welche unter uns, die sich an eine Zeit vor vier Jahren erinnern und an einen Ort - Minneapolis -, als drei direkte Anstrengungen gemacht wurden, um mit der dreifachen Engelsbotschaft durch Abstimmung in der General-Konferenz genau so etwas zu verknüpfen. Was ein Mensch glaubt, soll als Grundsatz gelten, dann soll, ob du weißt, was die Grundsätze sind oder nicht, abgestimmt werden bei denselben bleiben zu wollen. Weiter will man Übereinkommen, die Gebote Gottes zu halten und eine Menge anderer Dinge zu tun; und das alles soll als Rechtfertigung durch Glauben gelten.


Wurde uns damals nicht durch den Engel des Herrn gesagt: 'Macht diesen Schritt nicht, ihr wisst nicht was dahintersteckt.’? 'Ich habe jetzt nicht die Zeit, euch zu sagen was dahintersteckt, doch der Engel sagte, macht es nicht.’ Das Papsttum steckte dahinter. Das war es, was der Herr versuchte uns mitzuteilen und erkennen zu lassen. Das Papsttum steckte dahinter. Es war so, wie es mit jeder anderen Kirche, die sich vom Papsttum trennte, gewesen war. Eine Zeitlang schritten sie im Glauben vorwärts: dann stellten sie irgendeine menschliche Idee oder ein Dogma auf, und durch Abstimmung entschlossen sie sich, bei dieser Sache zu bleiben. Durch Abstimmung legten sie fest, dass das die Lehre der Gemeinde


und ’der Glaube des Glaubensbekenntnisses’ sei, und das sollte dann durch ihre eigenen Taten befolgt werden.” A.T. Jones, 1893 GCB 265


"Aber mit sehr vielen von denen, die diese Botschaft der Gerechtigkeit Christi gehört haben, ist es so, dass sie die Botschaft gemäß ihrer eigenen Vorstellung darüber, wag Seine Gerechtigkeit ist, annehmen. Doch dann haben sie die Gerechtigkeit Christi überhaupt nicht... Wer glaubt, er könne die Gerechtigkeit Christi gemäß seinen eigenen Vorstellungen annehmen, der verfehlt sie ganz und gar.” ebd. 243


”Der Gedanke, den wir neulich hatten, kommt wieder auf: Als die Botschaft vor vier Jahren dargebracht wurde - und bis heute wurde sie ohne weiteres von einigen angenommen. Diese waren froh über die Botschaft, dass Gott eine Gerechtigkeit hatte, die im Gericht bestehen kann, eine Gerechtigkeit, die vor Gott gilt und in seiner Sicht annehmbar ist. Diese Gerechtigkeit ist viel besser, als sie irgendjemand durch jahrelange Bemühungen herstellen könnte. Einige haben sich fast erschöpft in ihren Bestrebungen, eine Stufe der Gerechtigkeit zu erlangen, mit der sie in der Zeit der Trübsal bestehen und dem Heiland bei seinem Kommen in Frieden entgegentreten können. Aber sie konnten diese Stufe nicht erreichen. Diese waren froh, als sie hörten, dass Gott solch ein Kleid der Gerechtigkeit für die, dieses glaubten und annahmen, bereit hatte. Diese Gerechtigkeit genügt, um jetzt, in der Zeit der Plagen, Einige nahmen sie ohne weiteres freudig an und dankten dem Herrn von ganzem Herzen dafür. Andere wollten nicht das Geringste damit zu tun haben. Sie verwarfen die ganze Sache. Andere nahmen eine Zwischenposition ein: sie nahmen die Botschaft nicht völlig an, aber offen verwerfen wollten sie sie auch nicht. Sie gedachten sich an den Mittelweg zu halten und, wenn die breite Menge das auch täte, sich mit ihr treiben zu lassen. Auf diese Weise, meinten sie, könne man die Gerechtigkeit Christi und die Gerechtigkeit Gottes empfangen. Andere wiederum missbilligten etwa fünfzig Prozent der Botschaft und nannten das die Gerechtigkeit Gottes. Seit der Zeit war es immer so, dass sich von der vorbehaltlosen Annahme bis zur absichtlichen und völligen Ablehnung der Botschaft alle Arten von Kompromissen befanden. Diejenigen, die die Kompromiss Stellung eingenommen hatten, sind heute Abend genauso wenig in der Lage, zu beurteilen, was die Gerechtigkeit


Christi ist, wie sie es vor vier Jahren waren. Seit der Minneapolis-Konferenz habe ich selbst gehört, wie einige dieser Brüder Predigten und Zitate bejahten, die völlig heidnisch waren, und sie dachten, es sei die Gerechtigkeit Christi. Ich habe gehört, wie einige derer, die damals offenen Widerstand leisteten und später mit erhobener Hand gegen die Botschaft abstimmten, zu Zitaten ’Amen’ sagten, die offen und entschieden päpstlich sind, wie die päpstliche Kirche sie nicht anders anführen würde. Ich werde in einer späteren Lektion darauf eingehen und eure Aufmerksamkeit auf die Aussage der katholischen Kirche und ihre Lehre über Glaubensrechtfertigung lenken. Ich lasse das für eine spätere Stunde, dann zeige ich euch, was die Lehre der katholischen Kirche über die Rechtfertigung durch den Glauben ist. ’Wieso’, fragt hier jemand, ’ich wusste nicht, dass die katholische Kirche an Rechtfertigung durch den Glauben glaubt’. Oh ja, das tut sie wohl. Das tut sie sehr wohl. Du kannst es in ihren Büchern nachlesen. Jemand wird sagen: ’ich dachte, sie hätte die Gerechtigkeit durch Werke’. Das hat sie auch. Und sie hat nichts anderes als das. Aber sie lässt dies alles als Rechtfertigung durch Glauben gelten. Sie sind nicht die einzigen in der Welt, die das tun. (Ich meine die Katholiken.) Sie sind nicht die einzigen, die das tun.” 1893 GCB 243, 244


A.T. Jones hatte viel über die Halbherzigkeit solcher zu sagen, die Vorgaben, die Botschaft anzunehmen.


”(Ich) kann jetzt nicht einen nennen - außer E.G. White natürlich - der die Wahrheit auf jener Konferenz 1888 offen annahm. Später jedoch sagten viele, dass ihnen die Botschaft geholfen hätte. Jemand von Battle Creek sagte nach einer Stunde von Dr. Waggoner: ’Wir könnten nun ’Amen’ dazu sagen, wenn das alles wäre, was diese Sache anbetrifft. Aber tief dahinter ist noch etwas anderes, was noch kommt; und das soll uns dahinbringen, dass wir in der Falle sitzen, wenn wir dazu ’Amen’ sagen.’ ...So etwas - was verborgen dahinter lag - gab es gar nicht. So stahlen sie sich selbst das, was ihre Herzen als Wahrheit erkannten. Indem sie gegen etwas stritten, das nur in ihren Vorstellungen existierte, verhärtete sich ihr Widerstand gegen etwas, zu dem sie nach eigener besserer Erkenntnis ’Amen’ hätten sagen sollen.” A.T. Jones, Brief an E.C. Holmes, 12.5.1921


"Ich weiß, dass dort einige die Botschaft annahmen. Andere verwarfen sie ganz. Ihr wisst es auch. Andere versuchten zurechtzukommen, indem sie eine Mittelstellung einnahmen. Doch so kann man die Botschaft nicht empfangen; Brüder, so nicht. Sie wollten den mittleren Weg gehen. Obwohl sie sie nicht direkt annahmen und sich nicht festlegten, waren sie bereit, mit dem Strom zu schwimmen. Sie waren willig, dort hinzugehen, wo die Masse hinging... Brüder, die Gerechtigkeit Christi muss unserem Herzen näher sein. Jedem von uns muss die Gerechtigkeit Gottes mehr bedeuten, als einfach nur abzuwägen und sich den Parteien gegenüber neutral zu verhalten. Sonst wird man die Gerechtigkeit Gottes nie erkennen.


Andere haben sie scheinbar begünstigt und äußerten sich, solange alles gut verlief, positiv darüber. Als aber das Feuer dieses Geistes - des Geistes, der als Verfolgungsgeist bezeichnet wurde - als dieser Geist in seiner Heftigkeit entbrannte und die Botschaft der Gerechtigkeit durch den Glauben bekämpfte, da blieben sie nicht tapfer in der Furcht Gottes stehen und bekannten angesichts des Angriffes nicht: ’Es ist die Wahrheit Gottes, ich glaube es von ganzem Herzen.’ Nein, sie begannen nachzugeben, drückten ihr Bedauern aus und brachten Entschuldigungen um derer willen hervor, die die Botschaft predigten, als ob es lediglich um persönliche Dinge von Menschen ginge... Brüder, die Wahrheit bedarf keiner Entschuldigung. Der Mann, der die Wahrheit predigt, braucht keine Entschuldigung... Die Wahrheit Gottes braucht lediglich, dass du und ich ihr glauben, sie im Herzen aufnehmen und trotz aller Angriffe, die gegen sie gemacht werden, für sie einstehen. Und lässt es wissen, dass ihr zu den Boten haltet, die Gott sandte, nicht weil sie gewisse Männer sind, sondern weil Gott sie mit einer Botschaft gesandt hat.” 1893 GCB 185


Auch die scheinbare Annahme der Botschaft erklärte Jones: ”Als dann die Zeit der Zeltversammlungen kam, besuchten wir alle drei (Jones, Waggoner und E.G. White) die Versammlungen mit der Botschaft der Gerechtigkeit durch den Glauben... Manchmal waren wir alle drei auf derselben Zusammenkunft. Das brachte die Umkehr beim Volk und anscheinend bei den. meisten der leitenden Männer. Aber das letztere war nur scheinbar und nie wirklich. Die ganze Zeit ging ein heimlicher Widerstand im General-Konferenz-Aus- Schuss und bei anderen immer weiter, behielt schließlich in der Gemeinde die Oberhand und verlieh den Männern und dem Streitgeist von Minneapolis die Herrschaft.” ebd. 145


1888 war in der Tat eine ernste Prüfung für das Adventvolk. Noch ernster war es freilich für die Boten selbst und die, die auf ihrer Seite standen. Sie wussten in aller Gewissheit, dass dieses Volk das Volk Gottes war, dass es die Verheißung des Spätregens hatte und dass ihre von Gott empfangene Botschaft den Spätregen einleiten sollte. Würden sie ihre Enttäuschung ertragen können? Ein Hauch von Wehmut klingt selbst in den gedruckten Worten von Bruder Jones zu uns herüber: "Keine Seele kann sich die wunderbaren Segnungen erträumen, die Gott in Minneapolis für uns bereit hatte, Segnungen, deren wir uns nun schon ganze vier Jahre hätten erfreuen können, wenn Herzen bereit gewesen wären, die von Gott gesandte Botschaft
anzunehmen. Wir könnten vier Jahre weiter sein. Wir könnten heute Abend mitten in den Wundern des lauten Rufes selbst sein. Sagte uns nicht der Geist der Weissagung zu jener Zeit, dass der Segen schon über unseren Häuptern bereit lag?” ebd. 183


Gottes Kinder von damals konnten es nicht erleben. Sie schlafen in ihren Gräbern und warten auf eine Generation, die die Demut hat, die Wahrheit über Minneapolis anzuerkennen, "die Missetat der Väter” zuzugeben und die daraus entstandenen, bis in unsere Zeit reichenden Fehler und Irrwege zu begradigen.


Nicht nur der Spätregen war von der Annahme der Botschaft abhängig, sondern auch das Vorrecht, lebendig verwandelt zu werden, ohne den Tod zu schmecken. "Das ist es, was diese Botschaft für dich und mich bedeutet - Verwandlung.” A.T. Jones, ebd. 185


Kann man den durch die Ablehnung der Botschaft entstandenen Verlust - die Verzögerung der Wiederkunft Christi - ermessen? Noch Jahrzehnte später äußerte sich ein langjähriger Präsident der General-Konferenz, auf die Zeit von Minneapolis zurückblickend: "...Wer kann den Schaden ermessen, den die Gemeinde dadurch erlitten hat, dass so viele diese Botschaft nicht annahmen?” Christus unsere Gerechtigkeit

 

ANTIKLIMAX 1893

In letzter Zeit haben etliche Schreiber den Gedanken geäußert, die Erfahrung der Kinder Israel bei Kades-Barnea sei eine Parallele zu Minneapolis. So wie das Volk damals vor den Toren Kanaans stand und sich für den Einzug in das Gelobte Land entscheiden musste, so stand das geistliche Israel 1888 an der Schwelle des himmlischen Kanaans und damit vor der Entscheidung, den Fehler von Kades-Barnea zu wiederholen oder im Glauben und durch Glauben einzuziehen. Die Riesen waren die Sünde. Zwei treue Kundschafter, Waggoner und Jones, brachten die freudige Botschaft, dass man sie durch die Gnade Gottes vollkommen überwinden könne. Das Volk aber zog nicht ein und fiel, dadurch, dass es nicht zu seiner Ruhe von aller Sünde einging, in "dasselbe Beispiel des Unglaubens”. Hebr.4. Die Parallele ist auffallend und nicht zu leugnen.


Diesbezüglich werden wir jedoch noch auf eine unerwartete Wende, den Antiklimax dieses Geschichtsabschnitts, aufmerksam gemacht. Nachdem das alte Israel sich gezwungen sah, sein schreckliches Verhalten und die daraus entstandenen Folgen zu erkennen, zogen sie hinauf auf die Höhe und bekannten: ”Wir haben gesündigt”, um dann sogleich in falscher menschlicher Begeisterung, ohne die Bundeslade und aus eigener Kraft Kanaan einnehmen zu wollen. Jeder kennt wohl die Geschichte der darauffolgenden Niederlage. Unsere Parallele dazu war 1893.


Das Hauptthema der General-Konferenz von 1893 war bewusst oder auch unbewusst die Botschaft von Minneapolis. Aus den schon angeführten Zitaten ersehen wir, wie A.T. Jones die Zuhörer überführte, dass die Botschaft abgelehnt worden war. Allerseits schien man auf dieser Konferenz etwas Bestimmtes zu erwarten. So Präsident O.A. Olsen während ihres Verlaufs: "Dieser Ort wird wegen der Gegenwart Gottes immer feierlicher. Ich denke, keiner von uns hat je an einem solchen Treffen wie diesem hier teilgenommen... Ich fühlte die Feierlichkeit gestern Abend. Der Ort hier schien mir schrecklich, der Nähe Gottes und des feierlichen Zeugnisses wegen, das uns vorgetragen wurde.”


Auch A.T. Jones äußerte sich dementsprechend: "Schwester White sagt, dass wir uns seit der Minneapolis-Konferenz in der Zeit des Spätregens befinden... In diesen vier Jahren hat Er (Gott) versucht, uns zu bewegen, den Spätregen anzunehmen; wie lange wird er noch warten, bis wir ihn annehmen? Und die Tatsache ist, dass etwas geschehen wird... Das ist die Schrecklichkeit der Situation auf dieser Konferenz; das ist es, was dieser Konferenz diesen schrecklichen Charakter verleiht. Die Gefahr ist, dass einige, die sich dieser Sache schon seit vier Jahren, oder auch weniger, widersetzt haben, jetzt nicht zum Herrn kommen, um es anzunehmen, und indem sie es nicht annehmen, so wie der Herr es gibt, übergangen werden. Auf dieser Konferenz wird eine Entscheidung von Gott - in der Tat von uns selbst - getroffen werden.” A.T. Jones, 1893 GCB 377
"Brüder, wir stehen hier auf dieser Konferenz in einer schrecklichen Position. Es ist einfach schrecklich. Ich sagte es schon zuvor, aber heute Abend erkenne ich es noch mehr. Ich kann mir nicht helfen, Brüder, ich kann mir nicht helfen. Wir sind hier in einer schrecklichen Lage. Keine Seele unter uns stellt sich vor, welches schreckliche Schicksal von diesen Tagen abhängt...” A.T. Jones, ebd. 346

 

Und wiederum hören wir den gleichen Gedanken von einem der Hauptredner dieser Konferenz, nämlich Prediger W. W. Prescott.


”Mir kommt nun der ernste Gedanke, dass Gott ungeduldig wird und nicht mehr viel länger auf dich und mich warten will... Ich komme nicht von dem Gedanken los, dass dies eine ganz kritische Zeit für uns persönlich ist... Es scheint mir, dass wir jetzt und hier eine Wahl treffen, von der es abhängt, ob wir mit dem Werk des lauten Rufs fortfahren und verwandelt werden oder ob wir durch Satans Pläne verführt und in Dunkelheit gelassen werden... Es scheint mir, das ist der Punkt, an dem wir stehen. Ich habe dieses Gefühl schon während der ganzen Konferenz.” ebd. 386


Doch es war gerade W.W. Prescott, der jetzt einen falschen Geist hereinbrachte, wenngleich er es selbst auch nicht erkannte und es zu der Zeit vielleicht niemandem bewusst wurde, A.T. Jones eingeschlossen, dessen Sache Prescott ja zu vertreten schien. Ohne die Notwendigkeit des wahren Bekenntnisses und einer echten Reue und Abkehr von der Sünde und dem Geist von Minneapolis zu betonen, drängte er die Brüder (fast ungebührend), den Spätregen jetzt endlich anzunehmen und einfach zu glauben, den Heiligen Geist in Fülle zu besitzen. - Das liegt dem Irr pfade der Anmaßung verhängnisvoll nahe und erinnert an die Kinder Israel, die, nachdem sie Josua und Kaleb der Wahrheit wegen hatten steinigen wollen, ohne echtes Bekenntnis und wahre Reue zur Besitzergreifung des verheißenen Landes heraufzogen. W.W. Prescott in seinen Predigten ”Die Verheißung des Heiligen Geistes”:


"Ich bin äußerst beunruhigt über die Situation. Ich will niemandem vorschreiben, aber etwas muss getan werden. Irgendetwas anderes muss noch kommen, als das, was wir bisher auf dieser Konferenz gehabt haben, das steht fest...” ebd. 387


"Nach nichts sehnt sich meine Seele mehr, als dass die Taufe des Heiligen Geistes über die gegenwärtigen Gottesdienste komme... Wer diese Erfahrung wünscht, wird bereit sein, alles Gott zu übergeben, selbst das Leben. (’Amen’ von den Zuhörern.) Und wir sollten bedenken, dass es leichter ist, ’Amen’ zu sagen, als zu tun, was Gott sagt... Was ist jetzt unsere Pflicht zur gegenwärtigen Zeit? - Hinauszugehen und der Welt den lauten Ruf der Botschaft zu bringen! Seit langem wartet der Herr darauf, uns den Heiligen Geist zu geben. Gerade jetzt wartet er ungeduldig darauf, ihn uns zu verleihen... Jetzt hat ein Werk begonnen, das größer sein wird als das zu Pfingsten, und es sind solche hier, die das sehen werden. Hier und jetzt müssen wir für dieses Werk bereit werden. Keinen Augenblick haben wir zu verlieren, keinen Augenblick zu vertun.” ebd. 38, 39


”Es ist zwecklos, weiterzumachen wie bisher. Jedem, der jetzt nicht von der Kraft aus der Höhe durchdrungen hinausgeht, das himmlische Licht tragen und das vorliegende Werk Gottes tun kann, dem gebe ich den ernsten Rat, zu Hause zu bleiben. Ich weiß, das ist sehr hart; aber ich sage euch, Brüder, es muss jetzt etwas für uns kommen, wir müssen von irgendetwas ergriffen werden... Die Frage ist, was müssen wir tun? Was sollen wir, du und ich, jetzt und hier, auf dieser Konferenz tun? Abermals sage ich, was werden wir tun? Ich sage, es ist an der Zeit, jetzt mit diesen Dingen zu beginnen. Keinen Tag haben wir zu verlieren.” ebd. 67


Die zeitgemäße und richtige biblische Antwort auf diese immer wiederkehrende Frage Prescotts hätte lauten sollen: ”Tut nun Buße und bekehret euch, dass eure Sünden vertilgt werden, auf dass da komme die Zeit der Erquickung.”

 

Prescotts Aufforderung: ”Wir müssen jetzt etwas tun!” brachte Verwirrung und lenkte von dem Werk ab, das jetzt wirklich zu tun war. Kann man Gott zwingen, "jetzt” den Spätregen zu geben? Prescott entwickelte den Gedanken, man solle einfach nur glauben, dass man den Spätregen habe, und dann habe man ihn tatsächlich! In solchen Dingen, die Gott wirklich verheißen hat, können und sollen seine Kinder ihn allerdings beim Worte nehmen, dies umso mehr, wenn die Bedeutung einer entsprechenden Verheißung genau bekannt ist und die daran geknüpften Bedingungen erfüllt werden. (Z.B.”So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend.”) Doch in diesem Falle war es Gott allein aus dem Grunde nicht möglich, jetzt seiner Verheißung, die Geistesfülle zu verleihen, nachzukommen, weil eine ganz offensichtlich damit verbundene Bedingung nicht erfüllt war. Was hätte getan werden müssen? Wie wir aus den Aussagen des vorherigen Kapitels entnehmen können, war A.T. Jones auf dieser Konferenz, zum ersten Male seit 1888, die Gelegenheit gegeben, vor allen Delegierten die Sünde von Minneapolis, die Verwerfung des Spätregens, vor Augen zu führen.* Buße, Reue, Bekenntnis und Abkehr von dieser Sünde samt den zugrundeliegenden Ursachen war das,


*A.T. Jones konnte sich mit Nachdruck auf die erst kurz zuvor erschienene Aussage beziehen, dass die Botschaft von 1888 der Anfang des lauten Rufs sei. RH 22.11.1892. Außerdem hatte er gerade einen Brief mit einer ähnlichen Aussage erhalten: "Vor kurzem erhielt ich einen Brief aus Australien von Bruder Starr. Ich möchte zwei oder drei Sätze vorlesen. Sie passen gerade in unser Thema: 'Schwester White sagt, dass wir seit der Minneapolis-Konferenz in der Zeit des Spätregens leben...’”


Was jetzt zu tun war. Und nichts anderes. Nichts hätte Segen Gottes im Wege stehen können, wenn es geschehen wäre. Es zu verhindern, muss das ganze derzeitige Bestreben des Feindes gewesen sein. Warnungen davor, aus berufener Feder waren reichlich vorhanden, paar Tage vor dem Beginn der Konferenz kamen diese Worte:
Satan ist jetzt dabei, durch seine Einflüsterungen und Verführungsmacht Menschen von dem Werk der Drei-Engelsbotschaft abzubringen, die mit großer Macht verkündigt werden soll. Wenn der Feind sieht, dass Gott dabei ist, sein Volk zu segnen und vorzubereiten, Satans Verführungen zu erkennen, dann wird er mit meisterhafter Kraft wirken, Fanatismus einerseits oder kalten Formalismus andererseits hereinzubringen, um eine Seelenernte einzuheimsen. Gebt acht auf den ersten Schritt des Aufmarsches, den Satan unter uns machen wird. Es sind Gefahren von links sowohl wie von rechts, vor denen wir auf der Hut sein müssen. Einige werden von der Lehre der Rechtfertigung nicht den rechten Gebrauch machen.” E.G. White, RH 24.1.1893


Es ist in dieser Verbindung wichtig zu erkennen, dass die Situation jetzt ganz anders lag als 1888. Dama1s war es offener Widerstand gegen Waggoner und Jones, der aber jetzt durch die kompromisslose Wahrheitsverteidigung der allgemein beglaubigten göttlichen Prophetin bei der Mehrheit gebrochen war. Es begann nun die Zeit, in der die zuvor Verachteten immer mehr und allzu menschlich-populär als die Boten Gottes anerkannt wurden. Das war ein Umstand, der, wenngleich der oberflächliche Beobachter nur Positives darin zu sehen vermag, der späteren Entwicklung der Sache nicht dienlich war.

 

Jetzt also, da der Feind mit offenem Widerstand gegen die Botschaft nichts mehr erreichen konnte, galt es auf der Hut zu sein vor dem nächsten Schritt, den Satan von links oder von rechts unternehmen würde. Dass er sich eines Geistes bediente, der die Botschaft bejahte, sich sogar mit ihr identifizierte, nur um ihren eigentlichen Zweck - nämlich das Volk zu echter Reuf* und offenem Bekenntnis und Ablegen der Sünde zu führen - zu vereiteln, das war ein Meisterstück der Täuschung, das von vielen selbst bis auf den heutigen Tag noch nicht durchschaut wurde. Genau zehn Tage vor Ende der General-Konferenz 1893 begann Prescott, ohne die Notwendigkeit des Bekenntnisses der Sünde von Minneapolis betont zu haben, mit aller Bestimmtheit darauf zu pochen, dass die Geistesausgießung in der Fülle jetzt im Glauben erfasst werden müsse.


"Ich sage euch offen, dass ich anfange mich über unser Werk zutiefst besorgt zu fühlen... Ich werde in keiner Weise zufrieden sein, wenn diese Konferenz ohne eine größere Geistesausgießung, als wir sie bisher erlebt haben, zu Ende gehen wird. Ich bin über diese Situation äußerst besorgt, denn die Zeit verfliegt und die Tage vergehen so rasch einer nach dem andern... Etwas muss getan werden; irgend etwas anderes als das, was wir bisher auf dieser Konferenz gehabt haben, muss noch kommen. Das steht fest... Warum sollten wir uns denn nicht auf dieselbe Weise hineinbegeben. Es verbleiben uns auf dieser Konferenz nur noch etwa zehn Tage. Nun, Brüder, ist es nicht an der Zeit, mit dieser sache zu beginnen?... Stehen wir nun nicht in den zehn Tagen dieser Zeit? Sollten wir nicht jetzt den Herrn suchen wie noch nie zuvor?“ Prescott,1893 GCB 384,386,389


Ich möchte euch sagen, dass hier in diesem Hause Personen sind, die diese Erfahrungen machen werden. Sie werden durch den Engel des Herrn aus dem Gefängnis geführt werden, um hinauszugehen und die Botschaft zu verkündigen. Sie werden Kranke heilen und selbst Tote auferwecken. Das wird aber gerade in dieser Botschaft geschehen... Wir müssen diese Dinge glauben wie kleine Kinder.” Prescott, ebd. 386


”Nun aber ist die Beendigung, des Werkes Gottes... Die Gaben werden im Volke Gottes wieder erscheinen. Gott beabsichtigt nicht, so scheint es mir, dass diese Gaben auf eine Person hier oder eine andere dort begrenzt seien oder dass die Offenbarung der besonderen Gaben eine seltene Sache in irgendeiner Gemeinde sei... die Gabe der Heilung, des Wunderwirkens, der Weissagung oder der Auslegung der Zungen, all diese Dinge werden sich wieder in der Gemeinde kundtun.” Prescott, ebd. 461


Das war die Beschreibung des Spätregens, der wohl am Ende der "Zehn Tage”* kommen sollte. Zeit und Geschichte beweisen, dass er nie kam. Doch Prescotts ungute Begeisterung war ansteckend. Selbst A.T. Jones ließ sich am Ende zu ähnlichen Aussagen hinreißen! Das unverrichtete Werk der Buße, der Erforschung sowie der Beseitigung der Ursachen der Minneapolis-Niederlage blieb einer späteren Generation überlassen.
Vielsagend ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass es gerade Prescott war, der auf dieser Konferenz eine völlig unbiblische Lehre über Reue und Sündenbekenntnis vertrat. Diese Lehre stand dabei in direktem Widerspruch zu dem ebenfalls auf dieser Tagung geäußerten Gedanken von A.T. Jones. Es scheint nur merkwürdig, dass zu der Zeit niemandem, A.T. Jones


(Eine Anspielung des Redners auf jene Zehn Tage, die der Ausgießung des Frühregens vorausgingen.)

Wiederum eingeschlossen, dieser Gegensatz aufgefallen ist. Hier eine Gegenüberstellung der beiden Aussagen: Prescott: "Angenommen, wir erkennen überhaupt nicht, was wir zu bekennen hätten, so spielt das in keiner Weise eine Rolle. Wenn Gott sagt, wir seien sündhaft, so müssen wir es bejahen, ob wir es erkennen oder nicht.” ebd. 65


Dagegen Jones: ”Was würde es uns helfen, wenn der Herr unsere Sünden wegnähme, ohne dass wir es wüssten? Wir würden dann einfach nur Maschinen werden. Das beabsichtigt Gott nicht. Demzufolge will er, dass du und ich wissen, wann unsere Sünden entfernt werden, so dass wir wissen, wann die Gerechtigkeit kommt... Vergesst nicht, dass wir immer seine verständnisvollen Werkzeuge sein sollen... Der Herr gebraucht uns nach unserer eigenen Entscheidung als Lebende... ” ebd. 405 "


Doch Prescotts Gedanke war, insbesondere hinsichtlich der noch immer durch die Sünde von Minneapolis aufgewallten Gefühle, menschlich gesehen einfacher.


”Ich habe es mir etwa auf diese Weise vorgestellt. Wenn wir einfach alle Fragen über den anderen aufgeben würden, über Bruder A und Bruder B und darüber, ob wir sie (die Botschaft) angenommen oder abgelehnt haben, und unser Herumjagen aufgeben und uns statt dessen in der Einfachheit eines Kindes hierhersetzen würden... Es scheint mir, es würde eine Freude sein, vor... Personen zu stehen, die sie (die Botschaft) in ihrem ganzen Leben noch nie gehört haben... Ich kann mir vorstellen, wie sie sagen würden: 'Ist das nicht gut? Ich will es nun annehmen.’ Brüder, was hindert uns daran, sie jetzt auf diese Weise anzunehmen? Nichts.” Prescott, ebd. 388, 389


Natürlich ging es nicht darum, das Verhalten von Bruder A oder Bruder B während oder nach der Minneapolis-Konferenz zu erforschen. Das ist die Sache eines jeden einzelnen persönlich. Es ging jedoch um das Verhalten des Volkes als solchem und um bestimmte Personen, die durch ihr Verhalten einen Einfluss auf das Volk ausgeübt hatten. Für das Adventvolk und seine Leiter war es jetzt und unter diesen Umständen völlig unmöglich, die Botschaft in der von Prescott vorgeschlagenen Weise zu handhaben. Es ist ein riesiger Unterschied, ob jemand die Botschaft noch nie gehört hat und sie annimmt - oder man sie schon einmal abgelehnt hat und will sie jetzt annehmen. Für letztere ist der Weg der Reue und des Bekenntnisses über das Geschehene unerlässlich. Sünde muss beim Namen genannt werden. Wo sie vertuscht wird, auch wenn es unbewusst geschieht, kann es nur sein, dass der alte Stolz, in diesem Falle der Gemeindestolz, noch am Leben ist.


Mit der General-Konferenz von 1893 ging die Minneapolis-Epoche zu Ende und mit ihr die Möglichkeit einer schnellen Beendigung des Werkes in der Kraft Gottes für die damalige Generation. Die Brüder selbst hatten es zu der Zeit erkannt und bezeugt. Die falschen Vorstellungen über einen "durch Glauben” erzwingbaren Spätregen, der nicht von echter Buße und Herzenszerknirschung über vergangenes Unrecht begleitet war, stellten sich bald als menschliches Wunschdenken heraus. Die Erwartung einer bevorstehenden Ausgießung des Geistes in der Fülle war vorbei. Sie kam auch nicht annähernd jemals wieder so auf, wie zu der Zeit von 1888 bis 1893. Die eigentliche Botschaft selbst geriet in Vergessenheit. A.G. Daniells gab das viele Jahre später offen zu. Er schreibt: ”...wie traurig, dass diese herrliche Botschaft mit den Spalten des ’Review and Herald’ vergessen wurde und so lange begraben lag! Ist es nicht an der Zeit, sie der Gemeinde erneut klar und nachdrücklich zum Bewusstsein zu bringen, so wie Esra das vergessene Buch des mosaischen Gesetzes wieder bekannt machte und seine Anweisungen dem Volke Israel vorlas?” Chr. uns. Ger. 22

 

”Wie traurig”! Diese besondere Botschaft wurde nicht angenommen. Die Gelegenheit einer schnellen Beendigung des Werkes wurde vertan, der Einzug in das himmlische Kanaan um Jahrzehnte verzögert. Die lange ”Wüstenwanderung”, auf der wir uns seitdem befinden, wurde dann auch tatsächlich vom Geist der Weissagung vorausgesagt:


"Wenn Satan das Gemüt beeinflusst und die Leidenschaften derer schürt, die vorgeben, der Wahrheit zu glauben, und sie auf diese Weise dazu führt, sich mit den bösen Mächten zu vereinigen, dann freut er sich sehr. Wenn er sie einmal dazu bringt, sich auf der falschen Seite festzulegen, sind seine Pläne fertig, sie auf eine lange Reise zu führen.” Brief an Olsen,1.9.1893


Es mag hier die alte Frage aufkommen, ob nicht der Zeitpunkt der letzten Ereignisse völlig in Gottes Hand liegt und der Mensch am Ablauf der Dinge doch nichts ändern könne. Wie hätte sich überhaupt. die ganze Prophetie erfüllen können, wenn das Ende schon im letzten Jahrhundert gekommen wäre? - Aus Schrift und Zeugnis geht deutlich hervor, dass wir die Wiederkunft Christi beschleunigen oder verzögern können.


* Was jeden Adventgläubigen sehr nachdenklich stimmen sollte, ist die Tatsache, dass gerade in den Jahren unmittelbar nach 1888 die Frage nach Sonntagsgesetzen in den USA die Gemüter bewegte und dass solche Gesetze dann auch vom Kongress gebilligt wurden. Der Hauptredner gegen diese Gesetze war, wie aus verschiedenen Quellen nachweislich zu ersehen ist, A.T. Jones. Gesalbt und befähigt durch die Botschaft Christus unsere Gerechtigkeit war er derjenige, der prophetische "Ereignisse von höchst erstaunlicher Bedeutung” in ihrer Erfüllung erkannte. "Wir wissen, dass Bruder Jones die Botschaft für diese Zeit hat, - Speise zur rechten Zeit für die hungernde Herde Gottes.... Bruder Jones hat die Botschaft von Gemeinde zu Gemeinde getragen und von Staat zu Staat. Licht und Freiheit und die Ausgießung des Geistes Gottes haben das Werk begleitet. Da Ereignisse von höchst erstaunlicher Bedeutung in der Erfüllung der Prophetie gezeigt haben, dass die große Krise eilends herannaht, versucht Bruder Jones das bekenntliche Volk Gottes aus seinem tödlichen Schlaf aufzurütteln, damit sie einsehen, wie wichtig es ist, die Welt zu warnen.” Melbourne, 9.1.1893


Mit dem Ende der Minneapolis-Epoche starb die Diskussion um die Sonntagsgesetze wieder ab. Die Prophetie erfüllt sich dann, wenn das Volk Gottes sich bereitet.


Mögen wir aus unserer Vergangenheit lernen. Mögen wir keinem der Aufrufe nach Erweckung, die heute wahrhaftig sehr oft zu hören sind, Folge leisten, solange er nicht begleitet ist von echter Reue, Sündenbekenntnis und einer Gewissenserforschung betreffs der Vergangenheit des Volkes als Ganzem. Alle anderen Aufrufe und Bemühungen zu einer Erweckung, wie ernstlich sie auch gemeint seien oder mit welcher Begeisterung sie aufgenommen werden, können nur zur Enttäuschung führen. Sie sind eine Wiederholung des alten Fehlers der Kinder Israel bei Kades-Barnea, als sie zur Besitzergreifung des gelobten Kanaans hinaufzogen ohne echte Reue und Sündenbekenntnis.

 

WAS WURDE AUS WAGGONER UND JONES?

Der Widerstand gegen die Botschaft von 1888 entstand scheinbar oft wegen der Boten und nicht so sehr wegen der Botschaft selbst. Aus den zu Anfang angeführten Aussagen des Geistes der Weissagung war jedoch ersichtlich, dass das nur eine Ausrede war. Bezüglich Waggoner und Jones kam die besondere Ermahnung:


"Wenn ihr Christi erwählte Boten verwerft, dann verwerft ihr Christus selber.” TM 97


Doch die Neigung, eine von Gott gesandte Botschaft zu umgehen, indem man die Werkzeuge bekrittelt, ist groß. Spuren dieses Geistes von Minneapolis sind auch in neuerem Schrifttum immer wieder zu erkennen. Hier einige Beispiele:
"Die Männer, die sich in Minneapolis für die Lehre der Glaubensrechtfertigung einsetzten, legten ihre Ansichten nicht immer in einer diskreten, taktvollen Weise dar. Durch diese bedauerliche Situation entwickelte sich ein Geist des Vorurteils...” N.F. Pease, By Faith Alone 130, 131


Selbst bei vielen, die vorgeben, für die Botschaft zu sprechen, kommt immer wieder die Versuchung auf, die Schuld für den ”Streitgeist” von Minneapolis den Boten Gottes zuzuschieben. A.T. Jones, so sagt man, "hatte ein bedauerliches Benehmen, durch welches die Zuhörer mit gegenteiliger Ansicht in die Defensive versetzt wurden. Das neigte dazu, die Uneinigkeit zu festigen.” Movement of Destiny 259


"(Zur Zeit der Minneapolis-Konferenz)...einige neigten stark dazu, radikale Stellungen einzunehmen, als ob es ein Zeichen der Kraft wäre, extrem zu sein. E.G. White... schien sogar ein Gefühl zu haben, als ob die beiden derzeitig so prominenten Männer sich später durch ihre extremen Ansichten verleiten lassen würden. L.H. Christian, Fruitage of Spiritual Gifts 232


Andere Kommentatoren möchten es so hinstellen, als ob beide Seiten gleich viel im Unrecht gewesen wären und nur E.G. White festgestanden habe wie ein Fels und sich in dem ganzen Streit von keiner Seite mitreißen ließ.


"Wenn wir auf die Auseinandersetzung zurückblicken, bemerken wir, dass die Erbitterung viel mehr durch Persönlichkeiten als durch Glaubensunterschiede hervorgerufen wurde. Die Gruppe Butler, Smith und Morrison glaubte an die Theorie der Glaubensrechtfertigung... Die Gruppe Waggoner und Jones glaubte an die Tätigung guter Werke; doch... sie stützten sich fast ausschließlich auf den Glauben als Erlösungsfaktum. Eine Gesinnung, die alles zu erwägen bereit ist, kann diese Ansichten in Einklang bringen. Es war aber keiner geneigt, die andere Seite ruhig anzuhören.” A.W. Spalding, Captains of the Host 599


Diese falschen Darstellungen werden nun auch durch die Lehrbücher der Schulen über Gemeindegeschichte bei der Jugend verbreitet:


”Die Auseinandersetzung (1888) hing viel mit persönlichen Dingen und Gefühlen zusammen... Der in den Reden zum Ausdruck gekommene Unterschied der beiden Ansichten war hauptsächlich ein Unterschied der Betonung... Jones war ungehobelt, aber beeindruckend. Er verließ sich sehr auf seine Redegewalt... Ellen White nahm keine Stellung... Am letzten Tag der Konferenz hatte noch keine der beiden Seiten eine echte christliche und brüderliche Einstellung... Es war großenteils ein Streit wegen Personen, der nicht durch unvereinbare Lehrgegensätze verursacht wurde, sondern durch Selbstsucht, Stolz und Hartherzigkeit...

 

Warum konnte E.G. White keine der beiden Seiten befürworten?” The Story of our Church 244-247


Derartige Äußerungen tragen nicht nur dazu bei, das in Minneapolis Geschehene zu verschleiern, sondern sie sind direkt unwahr und beweisen, wie sehr die Wurzeln des Widerstandes gegen die Botschaft selbst immer noch vorhanden sind, ganz davon abgesehen, dass das ein Unrecht gegen Waggoner und Jones ist, für das wir uns im Gericht verantworten müssen. Wollen wir etwa behaupten, Gott habe sich ungeheiligte Extremisten und Fanatiker zu Werkzeugen erwählt? Oder war es sogar die Botschaft selbst, die diese Merkmale gehabt haben soll? Nein! Es waren die Gegner von Waggoner und Jones, die ”von einem anderen Geist” bewegt wurden. Für eine Verkennung dieser Tatsache gab es weder damals - und gibt es heute noch viel weniger - eine Entschuldigung. Dementsprechende Aussagen sind zur Genüge angeführt worden. E.G. White: "Hier waren Beweise, woran jeder erkennen konnte, wen der Herr als seine Diener (Waggoner und Jones) anerkannte.” TM 97


Nun kommt aber etwas hinzu, das den Gegnern in allem, was sie gegen die Boten vorbrachten, nachträglich recht zu geben scheint. Beide, Waggoner sowohl wie Jones, blieben in den späteren Jahren nicht fest im Glauben. Der erstere machte einen großen persönlichen Fehler, sodass er 1902 sein Predigtamt niederlegen musste. Jones verließ einige Jahre später sogar die Gemeinde. Was immer ihre Schwierigkeiten gewesen waren, steht es nicht Menschen zu behaupten, sie seien verloren, denn beide hielten sich bis an ihr Lebensende an die Lehren der dreifachen Engelsbotschaft. Dennoch war ihr Fall tief genug, um dem Feind willkommene Argumente zuzuspielen, ”an denen nun einmal wirklich etwas daran war.” Die Botschaft geriet zwangsläufig in Misskredit. Genau diese Befürchtung wurde von E.G. White schon Jahre vorher ausgesprochen:


"Einige unserer Brüder... sind voller Eifersucht und bösem Argwohn, immer bereit zu zeigen, in welcher Weise sie sich von den Brüdern Waggoner und Jones unterscheiden. Derselbe Geist, der sich in der Vergangenheit offenbarte, offenbart sich bei jeder Gelegenheit; das kommt nicht vom Geiste Gottes... Es ist durchaus möglich, dass die Prediger Jones und Waggoner unter der Versuchung des Feindes fallen; sollten sie fallen, so wäre dies kein Beweis, dass sie keine Botschaft von Gott gehabt hätten oder dass ihr ganzes Werk ein Irrtum gewesen wäre. Wie viele würden, wenn das geschähe, diese Stellung einnehmen, die nichts anderes als ein verhängnisvoller Irrtum ist; denn sie werden nicht vom Geiste Gottes beherrscht... Sie wandeln in der Blindheit der Juden. Ich weiß, dass viele genau diese Stellung einnehmen würden, wenn einer dieser Männer fiele. Es ist mein Gebet, dass diese Männer, denen der Herr die Last eines solch feierlichen Werkes aufgelegt hat, befähigt sein mögen, der Posaune einen bestimmten Ton und Gott bei jedem Schritt die Ehre zu geben. Möge ihr Pfad bei jedem Schritt bis hin zum Ende heller und heller scheinen!” 1892 MS 24


E.G. White hatte viel Grund, solche Worte zu schreiben, nicht, wie man es gerne wahrhaben möchte, weil Waggoner und Jones etwa wegen extremer Ansichten vom Kurs abkommen könnten, sondern ganz einfach, weil zu befürchten war, dass die gegen sie gerichtete böse Feindschaft nicht lange zu ertragen wäre.


"Sie (ihre Gegner) gehen Schritt für Schritt in die falsche Richtung, bis es für sie keinen anderen Weg mehr zu geben scheint, als zu glauben, die bitteren Gefühle gegen ihre Brüder bestünden zu Recht. Wird der Bote des Herrn dem gegen ihn gerichteten Druck standhalten? Wenn ja, dann deshalb, weil Gott ihn bittet, in Seiner Kraft zu stehen und die Wahrheit zu verteidigen... Sollten die Boten des Herrn, nachdem sie sich eine Zeitlang mannhaft für die Wahrheit eingesetzt haben, der Versuchung anheimfallen und dem Unehre bereiten, der ihnen
ihr Werk aufgetragen hat - wird das ein Beweis sein, dass die Botschaft nicht wahr war? Nein... Satan jubelt, wenn der Bote Gottes in Sünde fällt, und die, welche die Botschaft und die Boten verwarfen, triumphieren. Die schuldigen Männer haben dennoch in keiner Weise eine Entschuldigung für die Verwerfung der Botschaft Gottes... Mein Herz ist tief betrübt, wenn ich sehen muss, wie schnell ein Wort oder eine Handlung der Brüder Jones und Waggoner kritisiert wird.” Brief an Olsen, 1.9.1892


Man muss auch bedenken, dass Waggoner und Jones in der Verkündigung ihrer besonderen Botschaft jahrelang fast alleine standen: "Wenn ihr das Zeugnis der letzten zwei Jahre über die Gerechtigkeit Christi auslöschen könntet, wer wäre dann noch da, der besonderes Licht für das Volk bringt?” RH 13.8.1890


Die beiden jungen Männer hielten eine lange Zeit stand gegen Anfeindung, Hass, Spott, Hohn, Misstrauen und selbst gegen "genau denselben Geist, der sich weigerte, Christus anzunehmen.” (E.G. White) Während dieser Zeit konnten sie sich nicht voll und ganz dem Studium der Botschaft widmen. Die fortwährende Begegnung mit der Opposition zerrieb ihre ganzen Kräfte.


”Die Opposition in unseren eigenen Reihen hat den Boten Gottes eine große, seelenprüfende Arbeit auferlegt. Sie mussten gegen Schwierigkeiten und Hindernisse angehen, die nicht zu sein brauchten... All die Zeit, Überlegung und Arbeit, die notwendig wurde, um dem Einfluss der Brüder, die der Botschaft widerstehen, zu begegnen, hat dementsprechend die schnellen Gerichte Gottes über diese Welt verzögert... Kälte und Misstrauen haben eine Uneinigkeit verursacht, durch die wir unsere ganzen Kräfte verausgabten... Wir waren in großem Ausmaße gezwungen, unsere Energie dem Werk des Feindes unter unseren Reihen entgegenzusetzen. Die Trägheit einiger und die Opposition anderer begrenzten unsere Kräfte.” Brief an die General-Konferenz 1893


Unter diesen Umständen konnte die Botschaft auch bei den Boten selbst nicht den Fortschritt machen, der gewiss gekommen wäre, wenn sie diesem Widerstand nicht hätten begegnen müssen und wenn sie von anderen, vor allem auch von den erfahrenen Brüdern, im Studium unterstützt worden wären. Dann hätte nicht nur die Botschaft zugenommen bis hin zum Spätregen, sondern sie selbst hätten persönlichen Gewinn daraus gezogen. Später, als sie nicht mehr als die Verachteten und Verfolgten, sondern als anerkannte und sogar berühmte Boten Gottes dastanden*, wären sie dann gegenüber gewissen Versuchungen bestimmt besser gewappnet gewesen. Die Ehre, die man der Botschaft selbst, als sie von geringen Werkzeugen dargelegt wurde, nicht erweisen wollte, zollte man später den Boten, als sich das Blatt der Gunst für sie gewendet hatte. Das konnte nicht dazu beitragen, sie charakterlich zu stärken und zu festigen. Es ist so, wie E.G. White sagte, die Schuld für den Abgang der Boten lag auch „in einem großen Ausmaße” bei der Opposition.


Eine Frage, die noch zu beantworten bleibt, ist: Warum ließ Gott es zu, dass der Feind auf diese Weise über die Boten und die Botschaft "triumphieren” konnte? Ein bekannter Bibeltext gibt uns die Antwort: "Darum sendet ihnen Gott auch kräftige Irrtümer, dass sie glauben der Lüge, auf dass gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern hatten Lust an der Ungerechtigkeit.” 2.Thess. 2,11.12

 

Es ist geweissagt, dass all diese Dinge einmal in ihrer ganzen Tragweite erkannt werden. Was bezweckt Gott damit? Hier sind einige der Grundsätze, die wir heute daraus lernen sollen.


1.Gott erwählt seine Werkzeuge ganz entgegengesetzt menschlicher Erwartungen.

2.Obwohl die Boten der Wahrheit eine unfehlbare Botschaft tragen, können sie schwache Menschen sein, an denen Fehler und Mängel zu erkennen sind.

3. Der in der vordersten Reihe kämpfende Diener Gottes hat ein großes Vorrecht, steht aber in einer großen Gefahr. Der Baum auf dem Berge ist Stürmen ausgesetzt, die einen Baum im Tal nicht berühren. Das wollen wir bei Waggoner und Jones demütig berücksichtigen.

4.Es besteht die Neigung, die Botschaft abzulehnen, wenn die Boten in Sünde fallen. (E.G. White: "Ich weiß, dass viele genau diese Stellung einnehmen würden.”) Dementsprechend werden entweder die Bücher von Waggoner und Jones heute nicht gedruckt und gelesen, oder ihrer Botschaft wird keine besondere Bedeutung beigemessen. - Kernpunkte ihrer Verkündigung wie z.B. über Römer 7, die Vollkommenheit und die Fleischwerdung Christi werden abgeschwächt und abgelehnt.

5.Beim Evangelium Gottes geht es nicht um persönliche Dinge, sondern um ewige Wahrheiten.

Mögen wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.

 

1901, KEINE INNERE WENDE

Die letzten uns bekannten Aussagen von E.G. White betreffs der Botschaft von Waggoner und Jones stammen aus der Zeit direkt nach ihrer Rückkehr von Australien im Jahre 1901. In der Zeit vor ihrer Abreise von den USA, etwa zehn Jahre zuvor, waren alle Gemüter wegen der besonderen Botschaft bewegt gewesen. Einige der führenden Gegner hatten zwar bekannt, dass sie zu Unrecht gehandelt hätten, waren jedoch nicht weit genug gegangen. Auf diese Zeit zurückblickend, sagte sie in ihrer Eröffnungsansprache zur General Konferenz von 1901:


”Ich bin besonders an den auf dieser Konferenz zu treffenden Maßnahmen und Entscheidungen betreffs der Dinge interessiert, die schon vor Jahren hätten getan werden sollen, besonders vor 10 Jahren, als wir zur Konferenz versammelt waren und Gottes Geist und Macht unter uns kam und bezeugte, dass er bereit war, für dieses Volk zu wirken, wenn es sich der Arbeitsordnung unterstellen würde. Die Brüder pflichteten dem von Gott gegebenen Lichte bei, doch es waren dort jene von unseren Anstalten, besonders vom Verlag des "Review and Herald” und von der (General-)Konferenz, die ein Element des Unglaubens hereinbrachten, sodass man das gegebene Licht nicht in die Tat umsetzte. Es wurde wohl beigepflichtet, besondere Veränderungen aber, durch welche ein Zustand hätte eintreten können, der die Offenbarung der Macht Gottes in seinem Volke zuließ, kamen nicht.” 1901 GCB


In einer weiteren Ansprache bezieht sich E.G. White noch einmal direkt auf das leidige "Minneapolis” selbst.* Doch sie war nicht die einzige Person, die dies tat. A.G. Daniells und A.T. Jones äußerten sich: "Ich will nicht stille sein, bis jene Gerechtigkeit - die Gerechtigkeit, über die wir in den letzten zehn oder zwölf Jahren so viel gesprochen haben - aufgeht wie eine leuchtende Fackel. Ich kann mir nicht helfen, ich fürchte, dass wir zwar über die Gerechtigkeit sprechen, sie aber irgendwie nicht so ergreifen, wie wir es tun könnten und sollten.” ebd. 272


”Vor 13 Jahren sandte Gott in Minneapolis eine Botschaft an sein Volk... Was ist aus diesem Volk und aus diesem Werk seit jener Zeit geworden? Wieweit ist die Wahrheit angenommen, d.h. nicht nur gebilligt, sondern tatsächlich aufgenommen worden? Bei weitem nicht viel, sage ich euch. Denn in den letzten 13 Jahren haben viele das Licht zurückgewiesen und sich dagegen gewandt, und bis heute noch weisen sie dieses Licht ab und lehnen sich dagegen auf.” A.T. Jones, 18.4.1901 GCB


So viel man sich auch von der Konferenz 1901 versprach, so sehr auch lobenswerte äußerliche Veränderungen organisatorischer Art erstrebt wurden und so sehr selbst Gott mit seinen Engeln unter den Delegierten weilte, um sie zu segnen*, die durch eine vorbehaltlose Annahme der Gerechtigkeitsbotschaft bedingte innere Erneuerung trat nicht ein:


"Wäre auf der letzten General-Konferenz in Battle Creek ein sorgfältiges Werk getan worden, wäre dort, wie es Gott wünschte, der brache Boden des Herzens von den verantwortlichen Brüdern gebrochen worden, wären sie in Herzensdemut zu einem Werk des Bekenntnisses und der Weihe vorangegangen, hätten sie sich als solche erwiesen, die die von Gott gesandten Ratschläge und Warnungen zur Ausmerzung ihrer Fehler angenommen haben, so würde eine der größten Erweckungen seit Pfingsten stattgefunden haben.” Brief 5.8.1902


Es war so wie 1893. Man wollte schon eine Erweckung und sprach auch viel davon, doch von einem Sündenbekenntnis war wenig die Rede:


"Welch ein wunderbares Werk könnte für die große Gesellschaft der in Battle Creek versammelten General Konferenz von 1901 getan worden sein, wenn sich die Leiter unseres Werkes aufgerafft hätten. Doch das Werk, das der ganze Himmel zu tun bereit war, geschah nicht, denn die Führer verschlossen und verriegelten dem Geist den Eintritt. Man ging nicht den ganzen Weg der Übergabe. Herzen, die von allem Irrtum hätten gereinigt werden können, wurden im Unrecht bestärkt. Dem himmlischen Strom, der alles Böse hinweggefegt hätte, wurde der Eingang versperrt. Männer bekannten nicht ihre Sünden.” ebd.


Offenbar war das gute Werk der Reorganisation von 1901 bei weitem noch nicht mit der von Gott gewünschten geistlichen Erneuerung gleichzusetzen:
"Das Ergebnis der letzten General-Konferenz ist eine der größten und schrecklichsten Sorgen meines Lebens gewesen. Keine Veränderung fand statt.” Brief von Elmshaven, 14.1.1903


"Eines Nachmittags schrieb ich über das Werk, welches auf der letzten General-Konferenz hätte getan werden können, wenn die Männer in den Vertrauensstellungen dem Weg und Willen Gottes gefolgt wären. Die, die großes Licht hatten, sind nicht darin gewandelt. Die Zusammenkunft wurde geschlossen, ohne dass es zu einem Durchbruch gekommen war. Man demütigte sich nicht vor Gott, wie man es hätte tun sollen. Der Heilige Geist wurde nicht verliehen... Es wurden folgende Worte an mich gerichtet: 'Dies hätte sein können. Der ganze Himmel wartete darauf, sich gnädig zu erweisen.’ Ich dachte daran, wo wir sein könnten, wenn auf der letzten General-Konferenz ein gründliches Werk getan worden wäre; und eine quälende Enttäuschung überkam mich, als ich erkannte, dass das, was ich gesehen hatte, nicht Wirklichkeit war.” 8T 104, 106


In den zehn Jahren der Abwesenheit von E.G. White hatte sich der innere Zustand des Volkes Gottes, was die Annahme der Gerechtigkeitsbotschaft betrifft, nicht verändert. Vor ihrer Abreise 1891 war sie wegen der Haltung der Brüder gegenüber der Botschaft am Ende ihre Kräfte;* schon ein Jahr nach ihrer Rückkehr schreibt sie erneut fast dieselben Worte:
”Ihr Kurs bringt mich zur Ratlosigkeit; ich beabsichtige, mich nun meiner besonderen Aufgabe zu widmen, nicht mehr an ihren Ratsversammlungen teilzunehmen und weder nah noch fern einer Zeltversammlung beizuwohnen. Ich bin fertig. Ich will meinen von Gott gegebenen Verstand bewahren.


Meine Stimme ist auf verschiedenen Konferenzen und Zeltversammlungen gehört worden. Jetzt muss ich es anders machen. Ich kann mich nicht in die Atmosphäre der Auseinandersetzung begeben und dann Zeugnisse ablegen, die mich viel mehr kosten, als die, denen sie gelten, sich vorstellen können. Wenn ich den verschiedenen Versammlungen beiwohne, bin ich gezwungen, mich mit verantwortlichen Männern auseinanderzusetzen, von denen ich weiß, dass sie keinen gottgefälligen Einfluss ausüben. Und wenn ich ein Zeugnis betreffs ihrer Handlungsweise ablege, so wird dies zu ihrem Vorteil ausgenutzt. Diese Männer sehen nicht klar. Wenn ich das sagen würde, was ich weiß, so würden sie diese Belehrung in ihrer gegenwärtigen Erfahrung nicht weise anwenden. Dadurch würden mir unabsehbare Bürden auferlegt.


Darum will ich sie lassen. Sollen sie es von der Bibel hören, da sind die Grundsätze, nach denen sie arbeiten sollen, klarsten niedergelegt... Ich habe Mitleid mit ihnen, doch ich kann sie nicht immer auf den Weg der Gerechtigkeit hinweisen... Das Licht, das ich für unsere Prediger habe, ist: Sucht Gott. Hört auf mit dem von Satan angestachelten Geflüster und bösen Argwohn, und seht zu, ob nicht die Liebe Gottes Herz und Seele erfüllen kann. Und ich werde mich meiner Schreibarbeit widmen. Das ist das Licht, das mir gegeben wurde; ich werde nicht davon abweichen.” 1902 Brief W 186


In der Gebetstagslesung von 1901 wendet sich E.G. White offen gegen die Illusion, die derzeitig im Mittelpunkt stehende Reorganisation könne das Verwerfen der Botschaft von 1888 wettmachen.


"Dies ist die Botschaft für unsere Zeit. Es ist die Botschaft, welche vor 13 Jahren (im Jahre 1888) an unser Volk erging, und sie ist zurückgewiesen, als ob es keine Botschaft wäre. Aber es ist die Botschaft, selbst wenn manche, die während dieser Zeit ihre Augen dagegen verschlossen haben, es niemals klar sehen werden. Wie kann aber das Werk und das Volk aus dem gegenwärtigen, verworrenen und entmutigenden Zustand herausgebracht werden? Gott muss wirken! Er muss irgend einem, der willig ist, die Botschaft anzunehmen, die Kraft verleihen hervorzutreten, um sie mit Klarheit zu verkündigen und den Weg zu zeigen, der aus der Verwirrung und Finsternis herausführt. Denkt nicht, dass es geschehen wird durch einfache Veränderung der Pläne, durch einen Wechsel in der Leitung, durch eine neue Art und Weise, die Dinge anzufassen. Die Veränderung, die notwendig ist, ist eine völlige Veränderung des Herzens.” Gebetstagslesung 1901


Die schreckliche Ahnung, die E.G. White schon nach der General-Konferenz von 1893 ausgesprochen hatte, wiederholte sie nun nach der General-Konferenz 1901 und noch bestimmter 1903.


"Vielleicht müssen wir wegen Widersetzlichkeit genau wie die Kinder Israel noch viele weitere Jahre in dieser Welt bleiben; um Christi willen sollte sein Volk jedoch nicht Sünde auf Sünde häufen, indem Gott die Folgen ihrer falschen Handlungsweise angelastet werden.” Brief 7.12.1901


”Die Lehre (aus Israels Wüstenwanderung) gilt für uns. Der Herr hat seinem Volke den Weg bereitet. Sie waren nahe am verheißenen Land angekommen. Noch eine kurze Zeit, und sie hätten Kanaan betreten. Sie selbst aber hatten den Einzug verzögert... Hätten sie ihr Vertrauen auf den Gott Israels gesetzt, dann hätten sie geradewegs einziehen können. Gott wäre ihnen vorausgegangen... Brüder und Schwestern, von dem Lichte her, das mir Gott gegeben hat, weiß ich, dass, wenn Gottes Volk eine lebendige Erfahrung mit Ihm gemacht hätte, es heute schon im himmlischen Kanaan sein könnte.” 1903 GCB 9

 

WEITERE ZEUGEN

Die in dieser Schrift aufgezeigte, nunmehr schon über 80 Jahre währende "Wüstenwanderung” des geistlichen Israel ist auch nach dem Stille werden der Prophetin des Öfteren als solche erkannt worden. In all den seither verstrichenen Jahren wurden immer wieder Stimmen laut, die sich nicht scheuten, die Wahrheit über Minneapolis auszusprechen. Leider drangen sie nie bis zum ganzen Volk hindurch, sodass im Gewissen desselben kein Widerhall hervorgerufen werden konnte

 

A.G. DANIELLS, VIER JAHRZEHNTE DANACH

”Im Jahre 1888 empfing die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten eine sehr klare Erweckungsbotschaft. Sie wurde damals als 'die Botschaft der Gerechtigkeit durch den Glauben’ bezeichnet. Sie selbst, aber auch die Art, wie sie erschien, machten auf Prediger und Glieder einen tiefen und bleibenden Eindruck, den die seither vergangene Zeit nicht aus dem Gedächtnis auslöschen konnte. Viele, die sie damals hörten, halten sie noch heute fest und in Ehren, ja hegten während all dieser Jahre die feste Überzeugung und freudige Hoffnung, dass diese Botschaft bei uns eines Tages stark in den Vordergrund gerückt würde, damit sie das Reinigung- und Erneuerungswerk in der Gemeinde bewirken könnte, zu dem der Herr sie, wie sie glaubten, gesandt hatte.” Chr. uns. Ger. 15


”In unserer Blindheit und Herzensträgheit sind wir aber weit von diesem Wege abgekommen. Viele Jahre lang haben wir es versäumt, uns diese göttliche Wahrheit zu eigen zu machen. Aber während all dieser Zeit rief der Heiland sein Volk ununterbrochen auf, sich auf diesen wichtigen, grundlegenden Teil des Evangeliums zu besinnen...” ebd. 4


"Früher oder später werden sie verstanden, angenommen und gewürdigt. Es bleibt daher zu erwarten, dass die Botschaft der Glaubensgerechtigkeit, die der Gemeinde im Jahre 1888 so deutlich nahegebracht wurde, am Abschluss der großen Bewegung, in der wir stehen, doch noch die beherrschende Rolle finden wird, die ihr zugedacht ist.” ebd. 18


”Aus der Entfernung unserer Tage scheint es, dass diese deutlichen, ernsten Botschaften einen tieferen Eindruck auf alle Prediger hätten machen müssen. Man sollte meinen, sie seien genug vorbereitet worden, diese zeitgemäße, begeisternde Botschaft der Erweckung, der Reformation, des Heils begierig aufzunehmen... Wer kann sagen, welchen Aufschwung die Gemeinde und die Sache Gottes genommen hätten, wenn diese Botschaft von der Gerechtigkeit durch den Glauben damals allgemein voll und ungeteilt aufgenommen wäre? Und wer kann den Schaden ermessen, den die Gemeinde dadurch erlitten hat, dass viele diese Botschaft nicht annahmen? Erst die Ewigkeit wird ihn zeigen.” ebd. 27

"Welche mächtige Erweckung zu wirklicher Frömmigkeit, welche Erneuerung des geistlichen Lebens, welche Reinigung von Sünde, welche Geistestaufe, welche Offenbarung göttlicher Kraft zur Beendigung des Werkes in unserem Leben und in der Welt hätte das Volk Gottes erfahren, wenn alle Prediger die Konferenz von Minneapolis so verlassen hätten wie diese treue, gehorsame Dienerin des Herrn!” ebd. 32

”Wie traurig und zutiefst bedauerlich ist es, dass diese Botschaft von der Gerechtigkeit Christi zur Zeit ihres Erscheinens auf den Widerstand solcher Männer stieß, die es mit der Sache Gottes ernst und gut meinten! Nie ist die Botschaft so empfangen, so verkündigt worden, nie hat sie so freie Bahn erhalten, wie es nötig gewesen wäre, um der Gemeinde den unermesslichen Segen zu vermitteln, den sie in sich barg. Wie ernst und gefährlich der Einfluss dieser Männer war, erhellt aus den Mahnungen, die an sie gerichtet wurden. Diese Worte verdienen heute sorgfältig betrachtet zu werden.” ebd. 32


”Oh dass wir doch alle auf die Mahnung und den Aufruf gehört hätten, als wir sie in anscheinend seltsamer, dennoch eindrucksvoller Weise bei der Konferenz von 1888 empfingen! Welche Unsicherheit wäre dann behoben, welche Irrwege, Niederlagen und Verluste wären vermieden worden! Welches Licht, welchen Segen, welchen Triumph, welchen Fortschritt hätten wir erlangt! Aber dank seiner Liebe, mit der Gott uns stets umfangt, ist es selbst jetzt noch nicht zu spät, mit ganzem Herzen auf Mahnung und Aufruf zu antworten und die großen Segnungen zu empfangen, die uns bereitet sind.” ebd. 47

 

TAYLOR BUNCH

Dieser nicht unbekannte STA-Lehrer, -Prediger und -Autor bekannte sich in seinem Buch”The Exodus and the Advent Movement in Type and Antitype” (erschienen 1937) offen zu der in dieser Schrift dargelegten Tatsache der Verwerfung der Gerechtigkeitsbotschaft und der „daraus entstandenen langen Verzögerung der letzten Ereignisse. Er fasst diese Gedanken wie folgt zusammen:


"Geradeso, wie sich das alte Israel 'viele Tage’ bei Kades-Barnea aufhielt, ehe es in die Wüste zurückgeführt wurde, so blieb das Adventvolk etliche Jahre an der Schwelle des himmlischen Kanaans, ehe die Botschaft, die sie dorthin geführt hätte, verworfen wurde und aufhörte gepredigt zu werden. Es ist unmöglich, genau zu sagen, wann die Botschaft aufhörte ihr Werk zu tun und wann die Adventbewegung in die Wüste zurückgeführt wurde. Mehr als zehn Jahre wurde die Botschaft der Glaubensgerechtigkeit verkündigt und der Leitung die Minneapolis-Krise vor Augen gehalten. Diese Botschaft brachte den Anfang des Spätregens. 'Wir stehen mitten in der Prüfungszeit, denn das laute Rufen des dritten Engels hat mit der Offenbarung der Gerechtigkeit Christi, des sündenvergebenden Erlösers, bereits angefangen. Damit beginnt das Licht des Engels sichtbar zu werden, der die ganze Erde mit seiner Klarheit erfüllen soll.’ Review and Herald, 22.11.1892.* Warum fiel der Spätregen nicht weiter? Weil die Botschaft, die ihn brachte, aufhörte gepredigt zu werden. Sie war von vielen verworfen worden und starb bald in der Erfahrung des Adventvolkes aus und damit auch der laute Ruf. Er kann nur dann wieder beginnen, wenn die Botschaft, die ihn brachte, wieder auflebt und angenommen wird.” Seite 107

 

ERNEST DICK

Ungeachtet seiner besonderen Stellung als General Konferenz-Sekretär tat E. Dick seine Überzeugung betreffs 1888 wie folgt kund:


"Das war die große Frage auf der Minneapolis-General-Konferenz im Jahre 1888, als Gott seinem Volke eine Botschaft und eine Erfahrung zu bringen suchte, die, wenn sie angenommen und gepredigt worden wäre, den lauten Ruf der dritten Engelsbotschaft und die Ausgießung seines Geistes zur Beendigung des Werkes in einem neuen und größeren Maße eingeleitet hätte. Das ist der Kern unserer Botschaft.” Atlame for God 82

 

WIELAND UND SHORT

Im Jahre 1950 überreichten zwei STA-Missionare namens Wieland und Short den Beamten der General Konferenz eine 200 Seiten umfassende These über die Bedeutung von Minneapolis in der Geschichte der STA. Ohne Zweifel war das die erste ausführliche Dokumentation über Minneapolis. Mit unbestechlicher Gründlichkeit, unter Bezugnahme auf viel Beweismaterial, wird die Tatsache belegt, dass die Botschaft von 1888 nicht angenommen wurde. Kein Siebenten-Tags-Adventist, der den Namen zu Recht trägt, kann ihr Schriftstück ohne Schmerz lesen. Doch er wird mit heilender Erkenntnis belohnt. - Die tief im Herzen des Adventgläubigen liegende Frage "Warum und wie lange noch verzieht der Bräutigam?” wird darin beantwortet. Wenn die Sünde von Minneapolis erkannt und bereut wird, dann können die letzten Ereignisse beginnen. Der eigentliche Sinn und Beweggrund des Aufsatzes war darum ein Aufruf an die Gemeinde, die Sünde von Minneapolis offen zu bekennen und die Botschaft anzunehmen. Ohne diese besondere Herzensdemütigung und Buße könne nie der Spätregen kommen.


Solch einem Aufruf Folge zu leisten, zeigten sich die General-Konferenz-Beamten jedoch von vornherein nicht gewillt. In ihrer Antwort an Wieland und Short Stellten sie sich ganz gegen deren Darlegungen und bürdeten den beiden Afrika-Missionaren absolute Schweigepflicht auf. Dazu war es allerdings zu spät. Die These hatte schon einen beträchtlichen Umlauf unter solchen erfahren, denen die Frage der Verzögerung des Spätregens wichtig war. Wie völlig unzureichend die Antwort der General-Konferenz war, zeigt die Tatsache, dass sich der Literarische Ausschuss sieben Jahre später gezwungen sah, einen zweiten Gegen-Aufsatz herauszubringen. Darin wird, entgegen der Aussage des Geistes der Weissagung und dem Zeugnis der Geschichte, behauptet: ”Die große Mehrheit der STA- Arbeiter und -Laien nahmen die Darlegungen von Minneapolis an und empfingen den Segen daraus.”


Hier zeichnete sich schon die spätere Entwicklung ab. Wer beharrlich an dieser unwahren Behauptung festhielt, war zwangsläufig der Gefahr größerer Irrtümer ausgesetzt. Eine Unwahrheit bleibt selten allein.

 

DIE SÜNDEN DER VÄTER

Wieland und Short hatten mehrmals darauf hingewiesen, dass die heutige Gemeinde sich mitschuldig macht, wenn die Sünde von Minneapolis nicht anerkannt und bereut wird. Dieser Standpunkt wurde mit folgenden Worten grundsätzlich abgelehnt:


”Wir glauben nicht, dass es im Plane Gottes steht, dass die Führung der Bewegung die Fehler der Führung einer vergangenen Generation, ob sie privater oder öffentlicher Art waren, anerkennen und bekennen soll. Oftmals in den Tagen Israels gab es Abfall von Gott; mitunter stand es sogar sehr ernst. Doch der Herr verlangte von der nachfolgenden Generation nicht, dass sie Fehler und Übertretungen der vorherigen Generation als Vorbedingung zur Erteilung seines Segens zu bekennen hätte. Gott rief seine Kinder zur Buße für ihre Sünden auf, und wenn sie mit ganzem Herzen zu ihm kamen, empfing er sie gnädiglich und erteilte ihnen den reichsten göttlichen Segen...


Wir brauchen nicht zurück nach 1888; das liegt Jahrzehnte zurück und gehört der Vergangenheit an. Die meisten, die jetzt für Gott arbeiten, haben diese Zeit nicht mehr erlebt. Wir müssen an heute denken.”
Diese Einstellung seitens führender Männer der STA versetzt uns in Erstaunen; sie ist völlig unbiblisch. Es ist eine Tatsache, dass der Herr sehr wohl ein Bekenntnis der Sünden der Väter verlangt:


”Da werden sie denn bekennen ihre Missetat und ihrer Väter Missetat, dass sie mir untreu gewesen sind und mir zuwidergehandelt haben. - Darum habe auch ich ihnen zuwidergehandelt und sie in das Land ihrer Feinde getrieben. - Da wird sich ja ihr unbeschnittenes Herz demütigen, und dann werden sie die Strafe für ihre Missetat abtragen. Und ich werde an meinen Bund mit Jakob gedenken und an meinen Bund mit Isaak und an meinen Bund mit Abraham und werde an das Land gedenken.” 3.Mose 26,40-42


So stehen sich hier also eine völlig biblische und eine völlig unbiblische Meinung gegenüber. Die Bibel verlangt, dass wir die Sünden der Väter bekennen, die Männer der General-Konferenz bestreiten es. Wir wissen, dass manche, die das lesen, solch einen blinden Glauben an die Leitung haben, dass sie die Brüder entschuldigen und ihre Stellung einnehmen werden. Doch das ändert in keiner Weise den Sachverhalt, denn bei Gott ist kein Ansehen der Person. Tatsache bleibt Tatsache, Wahrheit bleibt Wahrheit.


Dem Befehl Gottes, sowohl die Sünden der Väter als auch die eigenen zu bekennen, sind demütige Männer Gottes zu allen Zeiten gefolgt, Hiskia, Esra, Nehemia, Daniel; sie wollten eine Erweckung so wie wir und begannen mit dem Bekenntnis ihrer und ihrer Väter Sünden. Gott hat geboten, dass es getan werden soll. Niemals kann er uns die Kraft des Spätregens verleihen, wenn wir die von ihm selbst festgelegten Bedingungen nicht erfüllen. Doch der Ungehorsame wehrt sich mit der Frage: ”Wieso kann Gott von uns verlangen, die Sünden der Väter zu bekennen?” Obwohl Gott uns keine Antwort schuldig ist, ist er bereit, denen eine Antwort zu geben, die gehorsam sein wollen, denn Gott verlangt nichts Unnötiges.


Wahres Sündenbekenntnis und die damit verbundene Reue und Herzensdemütigung setzt immer voraus, dass man die Sünde ablegt und die daraus entstandenen Fehler wiedergutmacht. Der Grund, warum Gott von uns verlangen muss, die Sünden der Väter zu bekennen, liegt in der Tatsache, dass ihre Sünden auch unsere Sünden geworden sind. In ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der göttlichen Botschaft konnten die Väter unmöglich für sich bleiben: "...unser keiner lebt sich selber...” Röm. 14,7. Ihr Geist und ihre Einstellung ging, vielleicht unbewusst, aber dennoch tatsächlich auf die Kinder und Kindeskinder über. Das, was sich durch die Verwerfung jenes Lichtes in ihrem Leben auswirkte, wurde den Nachkommen übermittelt. In diesem Sinne ist ihre Sünde unsere Sünde geworden. Zum Ablegen dieser Sünde muss, wie es bei jeder Sünde der Fall ist, die Ursache behoben werden, ungeachtet dessen, wie lange sie zurückliegen mag. Ein Bekenntnis der Sünden unserer Väter setzt eine Kenntnis unserer eigenen Geschichte voraus. Deswegen befiehlt Gott, dass wir sie studieren:

”Es ist heute ebenso wichtig, dass sich die Kinder Gottes vor Augen halten, wie und wann sie geprüft wurden, wo ihr Glaube versagte und wo sie durch Unglauben und Selbstvertrauen sein Werk schädigten... Wenn Gottes Volk so die Vergangenheit überblickt, sollte es erkennen, dass der Herr seine Handlungen immer wiederholt. Wir sollten uns die früher gegebenen Warnungen zu Herzen nehmen und uns davor hüten, die damaligen Fehler zu wiederholen.” 7T 210


Die Frage von Minneapolis geht jeden Adventisten so an, als wäre er dabei gewesen. Sind wir bereit, diesen Teil unserer Geschichte unvoreingenommen zu prüfen und das dort begangene Unrecht zuzugeben? Nur dann kann uns der Geist der Verwerfung, in dem wir durch die Väter erzogen wurden, weggenommen und uns ein ganz neuer Geist - ein Geist, der uns befähigt, die Botschaft anzunehmen und sie von einer Rechtfertigung-lehre gefallener Kirchen zu unterscheiden - geschenkt werden.


Hinzu kommt der Umstand, dass dieselbe Botschaft ein zweites Mal kommt und ebenso behandelt wird wie 1888. Nur wer aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen bereit ist, wird heute die richtige Entscheidung treffen können. Aus folgenden Worten der Prophetin ist ersichtlich, wie die Botschaft bei ihrem zweiten Kommen aufgenommen würde:


”Da soll in den Gemeinden eine wunderbare Kraft Gottes offenbart werden, aber sie wird die nicht bewegen, die sich nicht vor dem Herrn gedemütigt und durch Reue und Bekenntnis ihrer Sünde die Tür ihres Herzens geöffnet haben. In der Offenbarung dieser Kraft, die die Erde mit der Klarheit Gottes erleuchtet, werden sie nur etwas sehen, was sie in ihrer Blindheit als gefährlich erachten und in ihnen Furcht erweckt, und sie werden sich erheben, derselben zu widerstehen. Weil der Herr nicht nach ihren Erwartungen und Vorstellungen wirkt, werden sie sich dem Werk widersetzen. 'Wieso’, sagen sie, 'sollen wir, die wir so viele Jahre im Werke Gottes gewesen sind, den Geist Gottes nicht kennen?’” RH 23.12.1890

"Die dritte Engelsbotschaft wird nicht erkannt werden; das Licht das die ganze Erde mit seiner Klarheit erleuchten wird, wird von denen ein falsches Licht genannt werden, die nicht mit seiner zunehmenden Klarheit Schritt halten. Das Werk, das getan werden könnte, wird bei den Verwerfen der Wahrheit wegen ihres Unglaubens ungetan bleiben.” RH 27.5.1890 Ohne Zweifel ist die Zeit für die Erfüllung dieser Worte gekommen, und manche sind jetzt dabei, den Fehler zu wiederholen oder haben es sogar, ohne es zu wissen, schon getan. Aus folgenden schwerwiegenden Worten A.T. Jones ist erkennbar, dass das zweite Kommen der Botschaft noch überraschender und ungewöhnlicher sein würde als 1888. Wer gewillt ist, aus den Beispielen der Vergangenheit zu lernen, wird sie erkennen:


"Das ist jedoch nur ein Exempel. Es werden Dinge kommen, die für sie noch überraschender sein werden als das in Minneapolis - überraschender als alles, was wir bisher gesehen haben. Brüder, es wird von uns verlangt, jene Wahrheit zu predigen... Sollte jedoch nicht jede Faser dieses Geistes aus deinem und meinem Herzen entfernt sein, so werden wir jene Botschaft und die Boten, durch die sie gesandt wird, genau so behandeln, wie wir - gemäß der Aussage Gottes - diese andere Botschaft behandelt haben.” 1893 GCB 185


Die Sünde der Verwerfung der Botschaft von 1888 durch die Väter hat Folgen für uns heute, die wir kaum erkennen.
Ist es zum Beispiel nicht merkwürdig, lieber Leser, dass wir als Adventgläubige mehr oder weniger in der Vorstellung leben, der Großteil der orthodox protestantischen Kirchen und Gemeinschaften predige die Lehre von der Glaubensgerechtigkeit, obwohl sie durch die Verwerfung eines "ewigen Evangeliums” laut Offb. 14, 6-8 schon seit 1844 Babylon sind? Steht nicht der, der die Glaubensgerechtigkeit hat, im Evangelium? ”Wer dem Evangelium glaubt, wird errettet... Gibt es außer dem Evangelium nichts zu predigen? Der Mensch, der Gottes Gerechtigkeit hat, hat alles...” (Bibelstudium über den Römerbrief von Waggoner, Seite 1,2.) Jemand mag nicht jeden Wahrheitspunkt verstehen, er mag noch unerkannte Irrtümer haben - solange er das Evangelium hat, wird er errettet. Wenn diese Kirchen und Gemeinschaften tatsächlich die Gerechtigkeit durch den Glauben predigen, sind sie auch Prediger des Evangeliums. Wie können sie aber dann Babylon sein?


Wer die Botschaft von 1888 erforscht, merkt bald, dass es eine andere Rechtfertigungslehre ist als die, die überall gepredigt-wird, und dass diese Lehre des heutigen Protestantismus in der Tat nur eine Fälschung sein kann. Nicht mehr in der Lage zu sein, die Fälschung als das zu erkennen, was sie wirklich ist, das ist eine der sich auf uns auswirkenden Folgen der Sünde unserer Väter, als sie die Botschaft ablehnten.


Folgende Aussagen vergegenwärtigen, wie ernst diese Gefahr heute tatsächlich zu nehmen ist.


”In den großen Fundamentallehren des Glaubens, der einmal den Heiligen übergeben wurde, sind wir uns mit unseren christlichen Brüdern der kirchlichen Gruppen eins.” Qiiestions on Doctrine 32. Bezeichnenderweise wird auf Seite 188, 189 desselben Buches den neuzeitlichen evangelischen Erweckungen Amerikas (”The National Association of Evangelicals”) zuerkannt, dass sie eine "von Gott geführte” Erweckung sind, die den Glauben predige, der einmal den Heiligen übergeben wurde. Demselben Gedanken sind in dem Buch "Movement of Destiny” zwei Seiten gewidmet (319-321), die besagen, dass andere "Organisationen und Männer außerhalb der Adventbewegung” die Botschaft von 1888 predigen.


Eine Richtung wiederum drückt es so aus: "Warum wurde nun 1888 die Botschaft 'Gerechtigkeit durch den Glauben’ dem Adventvolk durch den Geist der Weissagung gegeben? Wollte der Herr ihnen eine bessere Erkenntnis über Christus und seine Gnade vermitteln? Ich glaube, dass wir solch eine Botschaft nicht brauchen, sie wird gern von allen Gemeinschaften und Kirchen gepredigt.” Sabbatwächter 1.3.1968 (Reformgemeinde)


Im Jahre 1890 wurde dem Adventvolk eine Weissagung über die letzte Auseinandersetzung mit den gefallenen Kirchen gegeben, in der es heißt: "Fundamentale Grundsätze werden hervorgebracht und über ihnen entschieden werden.” 1890 MS la (Siehe "Der letzte Streit”, Seite 7). Diese Zeit ist da. Fundamentale Grundsätze werden jetzt hervorgebracht: Was ist Evangelium? Wer ist Babylon? Ist Babylon im Fundamentalen richtig? Ist der Unterschied zwischen Licht und Finsternis im Grunde gar nicht so groß? Wieso ist die Botschaft Christus und seine Gerechtigkeit "die dreifache Engelsbotschaft im eigentlichen Sinne”? Hat Babylon den eigentlichen Sinn der dreifachen Engelsbotschaft?


Auf diesem Gebiet liegt heute die Prüfung. Unsere Entscheidung bezüglich solcher fundamentaler Grundsätze wird nur dann positiv ausfallen, wenn wir persönlich den falschen Christus vom wahren Christus, die falsche Glaubensgerechtigkeit von der wahren Glaubensgerechtigkeit unterscheiden können, was nur dann der Fall sein wird, wenn wir die wahre, von Sünde befreiende Botschaft kennengelernt und an uns selbst erfahren haben. Doch wir können sie nicht kennenlernen und darum auch nicht erfahren, wenn wir in unserer laodizeanischen Blindheit verharren und sagen, wir hätten sie immer schon gehabt. Wir werden es aber als ein Volk auf irgendeine Weise solange sagen und meinen, wie wir nicht willig sind, die traurige Bedeutung von Minneapolis in unserer Geschichte und die damalige Verwerfung der Gerechtigkeitsbotschaft zu erkennen und zuzugeben. Und solange wir das nicht tun, werden wir weiterhin behaupten, das Volk der dreifachen Engelsbotschaft unterscheide sich nicht in den großen Fundamentallehren, sondern in Nebenfragen von den anderen Gemeinschaften. Dann sind wir "nicht fähig, das edle Erz von der Schlacke zu unterscheiden” und "werden den großen Führer des Abfalls nehmen und ihn Christus unsere Gerechtigkeit heißen.” Leaflet Series, Nr. 3, Apostasies


Hier schließt sich der Kreis. Das sind die Folgen der Sünde von Minneapolis für uns. Das ist das falsche Geleise, auf das wir kommen, wenn wir sie nicht bekennen und ablegen. Das ist das Ziel jener "langen Reise”, auf die uns Satan führen wollte.
In der Gnade Gottes können wir zu denen gehören, die durch Umkehr und Buße davor bewahrt werden und die Botschaft heute, bei ihrem zweiten Kommen erkennen können.

 

KRÄFTIGE IRRTÜMER

Die General-Konferenz von 1888 war die bedeutendste in der Geschichte der Gemeinde. (L.E. Froom) Warum aber hat das gewöhnliche Gemeindeglied all die Jahre hindurch so wenig darüber erfahren? Weil es uns unangenehm war. Ein Zeitgenosse der Prediger Waggoner und Jones drückte es auf folgende Weise aus: "Einige mögen sich geplagt fühlen wegen des Gedankens, dass man sich auf Minneapolis bezieht. Ich weiß, dass einige über jede Erwähnung dieser Konferenz und der Situation dort bedrückt sind und sich geplagt fühlen. Es sollte aber bedacht werden, dass der Grund für solche Gefühle ein unnachgiebiger Geist der Person selbst ist. Sobald wir uns völlig aufgeben und unsere Herzen vor Gott demütigen, ist die ganze Schwierigkeit fort. Allein der Gedanke, dass sich jemand geplagt fühlt, zeigt sofort den Samen des Aufruhrs im Herzen.” Olsen, 1893 GCB 188


In einem 1971 beim "Review and Herald” erschienenen Buch (Movement of Destiny) des bekannten Schreibers L.E. Froom bemüht man sich, dieses peinliche Kapitel unserer Geschichte ein für alle Mal zu bewältigen. Das 700 Seiten umfassende Werk will darlegen, dass die Botschaft von 1888 angenommen wurde und heute unangefochten und allgemein verkündigt wird. In den Jahren vor 1888 sei die Botschaft mehr oder weniger in Vergessenheit geraten, doch dann, 1888, sei der große Wendepunkt gekommen. Zwar hätte eine kleine Minderheit verantwortlicher Brüder der Botschaft eine Zeitlang widerstanden, doch die daraus entstandene Krise sei, nachdem diese Männer Bekenntnisse abgelegt hatten, bald überwunden worden. Die Botschaft habe trotz zeitweiliger Schwierigkeiten immer Fortschritte gemacht und sei heute ein fester, unwiderruflicher Teil des Glaubensbekenntnisses. Demnach braucht sich über Minneapolis niemand mehr bedrückt fühlen. In der Entwicklung der letzten Jahre (speziell seit 1957) sieht der Autor einen ganz besonderen Aufschwung. Er legt dem Leser auf fast überzeugende Weise nahe, dass wir jetzt "mehr Christus” hätten als je zuvor in unserer Geschichte. Der Spätregen könne somit nicht mehr lange auf sich warten lassen.


Dieses Konzept steht nicht nur im Widerspruch mit den vielen in dieser Broschüre angeführten Aussagen, sondern auch mit dem tatsächlichen heutigen Zustand der Gemeinde Laodizea. Die demütigende Wahrheit über Minneapolis ist es nicht.


Der Grund, warum "Movement of Destiny”, mehr als andere in den letzten Jahren erschienene Abhandlungen über Minneapolis, einen sehr plausiblen Anschein erweckt, liegt an einer Akzentverlagerung besonderer Art. Froom sieht in der Botschaft etwas anderes, als das, was sie wirklich ist. Er sieht in ihr etwas, das heute tatsächlich voll und ganz angenommen und weltweit gepredigt wird, nämlich die Lehre, dass Christus völlig Gott sei und sündloses Fleisch gehabt habe. Zu Hilfe kommt ihm dabei der Umstand, dass in der Zeit vor 1888 zwei oder drei führende Brüder, zu denen auch Uriah Smith gehörte, der ja bekanntlich einer der Hauptgegner der Minneapolis-Botschaft war, den arianischen Irrtum vertraten, Christus sei nicht völlig Gott gewesen. Um diesen Irrtum zu korrigieren, behauptet Froom, habe Gott 1888 die Botschaft gesandt, die im eigentlichen Sinne nichts anderes sei, als die große Wahrheit der völligen Gottheit Christi und, in enger Verbindung damit, die Sündlosigkeit des Fleisches Christi.


Diese Botschaft sei es also gewesen, die den Widerstand einiger Brüder entfacht habe. Später sei sie jedoch immer mehr angenommen worden, und heute sei alles in Ordnung. Die Gemeinde stehe jetzt "unwiderruflich” in der Wahrheit des Evangeliums, dass Christus völlig Gott ist.


Was sollen wir dazu sagen? Keiner von uns wird je an der völligen Gottheit Christi Zweifel haben. Nie waren wir - Froom gibt es an anderer Stelle zu - eine arianische Gemeinde. Nur einzelne waren es, die in diesem Punkte falsch standen. Warum aber müsste dann die Botschaft von 1888 mit solch großer Betonung an die ganze Gemeinde ergehen, und warum wurde sie dann nicht von der Mehrheit begrüßt? Die eigentliche Frage ist jedoch, ob Christus dasselbe sündliche Fleisch besaß wie der Mensch. Christus könne ja nicht völlig Gott gewesen sein und trotzdem sündliches Fleisch gehabt haben. Deswegen verbindet "Movement of Destiny” die Wahrheit der Gottheit Christi mit dem Irrtum vom sündlosen Fleisch Christi und stellt das als den Kern der Botschaft von Minneapolis hin.


Das Dogma vom sündlosen Fleisch Christi ist nicht nur irgendeine, sondern die Irrlehre des Katholizismus und heutigen Protestantismus. Sie ist das Merkmal des Antichristen. (l.Joh. 4,1-3; Röm. 8,3) Sollten Waggoner und Jones so etwas gelehrt haben? Genau das Gegenteil ist wahr, beide lehrten unmissverständlich, dass Christus nicht sündloses, sondern sündliches Fleisch hatte!*


Dem Betrachter ergibt sich nun folgendes Bild. Das von ”60 unserer fähigsten Gelehrten bearbeitete” und vom Präsidenten der General-Konferenz aufs wärmste empfohlene Buch sieht als den Kern und damit den eigentlichen Sinn der Botschaft von 1888 die, wie Froom


*Schriftmaterial erhältlich sagt, "ewigen Wahrhaftigkeiten”; diese sind, so führt er wieder und wieder an, die völlige Gottheit Christi, die Sündlosigkeit des Fleisches Christi, die völlige Versöhnung am Kreuz und die Dreieinigkeit Gottes. Das sei, so behauptet Froom, die Botschaft, die seitens einiger Brüder Widerstand hervorgerufen habe, später aber voll und ganz angenommen worden sei.


Da es "Movement of Destiny” scheinbar gelingt, jene "ewigen Wahrhaftigkeiten” als den eigentlichen Sinn der Botschaft von 1888 hinzustellen, sieht es tatsächlich so aus, als ob sie heute überall bejaht und gepredigt würde. Hier muss, bei aller Höflichkeit, ein ganz offenes Wort gesprochen werden. Diese  Gedanken sind "kräftige Irrtümer”, die heute denen geschickt werden, die nicht die Wahrheit über Minneapolis lieben.


Die von "Movement of Destiny” dargelegte Anschauung, einmal ganz davon abgesehen, dass sie jenen verheerenden Irrtum über die Natur Christi enthält, stimmt schon im gesamten nicht mit dem, was der Geist der Weissagung unter der Botschaft versteht, überein.


"Einige fragten brieflich bei mir an, ob die Botschaft der Rechtfertigung durch den Glauben die dreifache Engelsbotschaft sei. Ich antwortete: Es ist die dreifache Engelsbotschaft im eigentlichen Sinne.’” RH 1.4.1890, Chr. uns. Ger. 43
Die Botschaft von 1888 ist die dreifache Engelsbotschaft im eigentlichen Sinne und nichts anderes. Jeder, der einmal das Kapitel ”Die letzte Warnung”* gelesen hat, wird wissen, dass die dreifache Engelsbotschaft während des lauten Rufs, zu einem Zeitpunkt also, wann sie wirklich in ihrem eigentlichen Sinn gepredigt werden wird, erbitterte Feindschaft und Verfolgung bei den Kirchen und Gemeinschaften hervorruft. Dann wiederum wird die dreifache Engelsbotschaft mit einem Spaltbeil verglichen, das uns von den Kirchen und der Welt trennt.
"Durch das mächtige Spaltbeil der Wahrheit, nämlich die Botschaften des ersten und zweiten und dritten Engels, hat Er sie (seine Gemeinde) von den Kirchen und der Welt getrennt, um sie in seine heilige Nähe zu bringen.” 5T 455


Wenn die Botschaft von 1888 der eigentliche Sinn der dreifachen Engelsbotschaft ist, muss sie und wird sie bei den gefallenen Kirchen den Effekt haben, der hier vom Geist der Weissagung beschrieben wird. Hat sie ihn nicht, so kann es sich nicht um die echte Botschaft handeln. Je klarer die dreifache Engelsbotschaft verkündigt wird, desto mehr wird sie den Zorn Satans und der mit ihm verbundenen Kirchen erwecken. Wenn im lauten Ruf ihr eigentlicher Sinn mächtiglich verkündigt wird, kommt Verfolgung.


Aus all dem ist deutlich erkennbar, dass die in "Movement of Destiny” aufgezeigten "Wahrhaftigkeiten” nicht der eigentliche Sinn der dreifachen Engelsbotschaft sind und damit auch nicht die Botschaft von 1888 sein können. Babylon glaubt ja, dass Christus völlig Gott ist. Sie glaubt von ganzem Herzen den Irrtum, dass Christus sündloses Fleisch gehabt habe. "Wie hätte er sonst mit der Sünde fertig werden und die Gebote Gottes halten können?” Jede einzelne dieser "Wahrhaftigkeiten” wird von den gefallenen Kirchen bejaht und sogar begrüßt. Sie sind nicht das "Spaltbeil”, die dreifache

Das Weib in Offb. 17 hat einen goldenen Becher (nach außen hin Wahrheit) voller Gräuel (innen verheerende Irrlehren), mit dem sie die Menschen trunken macht. Babylon hat tatsächlich auch Wahrheiten. denn sonst könnte sie nicht verführen.


Engelsbotschaft. Die Tatsache, dass man die Gottheit Christi anerkennt, ist somit kein Beweis, dass die Botschaft von 1888 angenommen wurde. Die Tatsache, dass man die Lehre von einem sündlosen Fleisch Christi vertritt, zeigt nur, wie weit man tatsächlich vom wahren Evangelium abgekommen ist.


Die Botschaft von Minneapolis ist "Christus unsere Gerechtigkeit”. Jemand mag hier einwerfen: Das predigen doch die anderen Kirchen auch, wo liegt denn da das "Spaltbeil”, wenn die Botschaft "Christus unsere Gerechtigkeit” der eigentliche Sinn der dreifachen Engelsbotschaft sein ‘soll? Insofern wäre es nicht anders als mit Frooms "Wahrhaftigkeiten”.
Die Antwort ist, dass dieselben Kirchen, die den "Wahrhaftigkeiten” voll und ganz zustimmen, die echte Gerechtigkeitsbotschaft voll und ganz ablehnen. Es handelt sich nämlich nicht um die, die heute weitläufig unter dem gleichen Namen in allen Kirchen bekannt ist. Die wahre Gerechtigkeitsbotschaft ist eine ganz andere und kommt aus einem ganz anderen Geist. Sie richtet das Gesetz auf, gegen das diese Kirchen erbittert kämpfen. Sie richtet es auf, nicht nach dem üblichen alten Buchstabengeist, sondern im Herzen und Leben des Menschen, so dass man es wirklich selbst unter den stärksten Versuchungen halten kann.


Lieber Leser, es ist möglich, dass dir diese Botschaft nicht bekannt ist, denn wir haben gesündigt - wir und "unsere Väter” haben sie verworfen. Uns ist gesagt: "Unter hundert gibt es nicht einen, der für seine Person die biblische Wahrheit über dieses Thema (Rechtfertigung durch Glauben) versteht." Nach ihrem Erscheinen 1888 bis 1893 geriet sie in Vergessenheit. „Wie traurig, dass diese herrliche Botschaft mit den Spalten des 'Review and Herald’ vergessen wurde und so lange begraben lag.”


Doch dabei ist es nicht geblieben. In seiner großen Gnade sandte der Herr diese höchst kostbare Botschaft ein zweites Mal - heute, für unsere Zeit. Wenn es auch nicht im Rahmen dieses Buches lag, die Botschaft von Minneapolis als solche darzulegen, so mag es doch dazu gedient haben, jenen Hunger nach der Wahrheit zu wecken, der ihrer eigentlichen Aufnahme vorausgehen muss, und auf das neuerliche Vorhandensein derselben aufmerksam zu machen. Die Botschaft ist wiedergekommen, und darum ergeht an uns das Wort: Ihr Männer von Israel, Jesus von Nazareth, den ihr gekreuzigt habt, der ist auferstanden!



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