Die Versöhnung durch das Opfer

am Ende der siebzig Wochen.



Gedanken über das Buch Daniel


Kapitel 13:


Die Versöhnung durch das Opfer am Ende der siebzig Wochen


in Daniel 9,24




Um die Bedeutung von Daniel 8,14 verstehen zu können, müssen wir die Bedeutung von Daniel 9,24 verstehen.

Beide Texte beschreiben einen Akt der Versöhnung.

Der erste ist die vollständige Erfüllung der Mittler-Versöhnung, der zweite die vollständige Erfüllung der Schlachtopfer-Versöhnung.

Das englische Wort Versöhnung (atonement) bedeutet ‚Einheit herstellen‘, ‚Einswerden‘ (at-one-ment).

In diesem Sinne wird es in den Schriften Ellen Whites gebraucht, wie im folgenden Abschnitt.

Niemand, der an Jesus glaubt, steht unter der Knechtschaft des Gesetzes Gottes, denn sein Gesetz ist jenen, die seinen Vorschriften gehorchen, ein Gesetz des Lebens, nicht des Todes.

Alle, die die geistliche Dimension des Gesetzes begreifen, alle, die seine Macht im Aufdecken der Sünde erkennen, sind in ebenso hilfloser Lage wie Satan selbst, es sei denn, sie nehmen die Versöhnung an, die für sie im heilenden Opfer Jesu Christi vorgesehen ist, der unsere Versöhnung — Einswerden — mit Gott ist.

Durch den Glauben an Christus ist Gehorsam gegen jeden Grundsatz des Gesetzes möglich. — Manuskript 122, 1901.



Das Werk der Versöhnung ist weitreichend wie die Ewigkeit.

Es übt eine Wirkung auf jedes vernunftbegabte Geschöpf im Weltall aus und sollte von jedem studiert werden.

Es kann von vier verschiedenen Gesichtspunkten aus studiert werden:

A. Die Versöhnung zwischen dem Vater und dem Menschen Jesus Christus

B. Die Versöhnung zwischen der Gottheit und der Menschheit in Jesus Christus

C. Die Versöhnung zwischen der Gottheit und dem himmlischen All

D. Die Versöhnung zwischen Gerechtigkeit und Gnade, den beiden ewigen Grundsätzen des Gesetzes Gottes



In dieser Versöhnung, die Jesus Christus vollbrachte, hat Gott die Menschheit angenommen.

Kein Wunder, daß das Kennwort des Himmels „Jesus Christus der Gekreuzigte“ lautet. General Conference Bulletin 378 (1893).


Der Engel sagte:

„Gebt ihm das Kennwort (zum Eingang) in die himmlische Gesellschaft: Jesus Christus der Gekreuzigte.“ — General Conference Bulletin 378 (1893).



Eine Zusammenfassung einiger der mächtigsten Aussagen:

Als Er sein Leben nun demütig Gott anvertraute, wurde das Gefühl, der Vater habe Ihn verlassen, zurückgedrängt. — Das Leben Jesu 756; The Desire of Ages 756.


... und pflanzte sein Kreuz zwischen Menschlichkeit und Göttlichkeit auf. — Selected Messages I, 261.


Durch das Selbstopfer der Liebe sind die Bewohner der Erde und des Himmels an ihren Schöpfer mit Banden unauflöslicher Einheit gebunden. — The Desire of Ages 26; vgl. Das Leben Jesu 16.


Sein (Christi) Ziel war es, die Vorrangstellungen der Gerechtigkeit und der Gnade miteinander zu versöhnen. Questions on Doctrine 674.


...unlösbar miteinander verbunden... — Das Leben Jesu 764; The Desire of Ages 762.



A. Die Versöhnung zwischen dem Vater und dem Menschen Jesus Christus

Von Ewigkeit an war der Herr Jesus eins mit dem Vater. — Das Leben Jesu 9; The Desire of Ages 19.


Während seines ganzen Erdenlebens war Er im Licht der Gegenwart Gottes gewandelt, und selbst im Zwiespalt mit Menschen, die vom Geist Satans besessen waren, konnte Er sagen:

„Der mich gesandt hat, ist mit mir.

Der Vater läßt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was Ihm gefällt.“ Johannes 8,29.


Jetzt aber schien Er von dem bewahrenden Licht der Gegenwart Gottes ausgeschlossen zu sein; Er wurde nun zu den Übeltätern gerechnet.

Er mußte die Schuld der gefallenen Menschheit tragen; auf Ihn, der von keiner Sünde wußte, mußte alle unsere Missetat gelegt werden.

So schrecklich erschien Ihm die Sünde, so groß war die Last der Schuld, die Er zu tragen hatte, daß Er befürchtete, auf ewig von der Liebe des Vaters ausgeschlossen zu werden ...

Die Sünde trennte Ihn von seinem Vater, das fühlte Er.

Der Abgrund war so breit, so dunkel und so tief, daß sein Geist davor zurückschauderte ...

Sein Leiden läßt sich am besten mit den Worten des Propheten Sacharja ausdrücken: „Schwert, mach dich auf über meinen Hirten, über den Mann, der mir der nächste ist! spricht der Herr Zebaoth.“ Sacharja 13,7.


Als Vertreter und Bürge der sündigen Menschen litt Christus unter der göttlichen Gerechtigkeit, deren ganzen Umfang Er nun erkannte.

Bisher war Er ein Fürsprecher für andere gewesen, jetzt sehnte Er sich danach, selbst einen Fürsprecher zu haben.

Als der Heiland fühlte, daß sein Einssein mit dem himmlischen Vater unterbrochen war,... — Das Leben Jesu 682-684; The Desire of Ages 685-687.



Als Jesus ausrief:

Es ist vollbracht!“, war die Einheit zwischen Vater und Sohn wiederhergestellt.

Plötzlich lichtete sich das Dunkel um das Kreuz, und mit heller, lauter Stimme, die durch die ganze Schöpfung zu hallen schien, rief der Herr:

„Es ist vollbracht!“—„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Johannes 19:30.


Ein blendender Lichtschein umgab das Kreuz, und das Angesicht des Heilandes leuchtete wie der Glanz der Sonne.

Dann neigte Jesus sein Haupt und verschied.

Inmitten der schrecklichen Finsternis, scheinbar von Gott verlassen, hatte Jesus den Leidenskelch bis zur Neige geleert.

In diesen furchtbaren Stunden hatte er sich auf die Ihm vorher gegebene Zusicherung verlassen, daß Ihn der Vater annehmen werde.

Er kannte das Wesen seines Vaters und verstand auch dessen Gerechtigkeit, Erbarmen und große Liebe.

In festem Glauben verließ Er sich auf Gott, dem Er stets freudig gehorcht hatte.

Als Er sein Leben nun demütig Gott anvertraute, wurde das Gefühl, der Vater habe Ihn verlassen, langsam zurückgedrängt.

Durch den Glauben wurde Christus Sieger.

Durch sein Leben und Sterben hat Christus mehr erreicht als nur die Rettung aus dem durch die Sünde verursachten Untergang.

Satan hatte eine ewige Trennung zwischen Gott und Mensch erreichen wollen.

Durch Christus aber werden wir enger mit Gott verbunden, so als hätten wir niemals gesündigt.

Dadurch, daß Er unser Wesen annahm, hat sich der Heiland unlöslich mit uns Menschen verbunden.

Für alle Ewigkeit ist Er mit uns verbunden.


„Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er seinen eingeborenen Sohn gab.“ Johannes 3,16.


Er gab Ihn nicht nur, damit Er unsere Sünden tragen und für uns als Opfer sterben sollte, Er schenkte Ihn dem gefallenen Menschengeschlecht...

Um uns seiner unwandelbaren Friedensgesinnung zu versichern, gab Gott seinen eingeborenen Sohn, daß Er Glied der menschlichen Familie werde und für immer seine menschliche Natur beibehalte...

Das ist das Unterpfand dafür, daß Gott seine Verheißung auch erfüllen wird.


„Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.“ Jesaja 9,5.


Gott hat seinenSohn die menschliche Natur annehmen lassenund sie in den höchsten Himmel getragen.

Als „Menschensohn“ heißt Er:


Jesaja 9:6
Denn geboren ist uns ein Kind!
Ein Sohn ist uns gegeben!
Und ruhen wird die Fürstenmacht auf seiner Schulter.
Und genannt wird sein Name wunderbar.
Rat bringt er dem Mächtigen -
dem Fürsten der Zukunft Wohlstand


Er, „der da ist heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern abgesondert“, schämt sich nicht, uns „Brüder zu heißen“. Hebräer 2,11; 7,26.


Durch Christus wird die Familie auf Erden mit der des Himmels verbunden.

Der in die Herrlichkeit aufgenommene Christus ist unser Bruder.


Der Himmel ist eingeschlossen in die menschliche Natur, und menschliches Wesen seinerseits entfaltet sich im Herzen dessen, der die unendliche Liebe ist.Das Leben Jesu 15-16; The Desire of Ages 25-26.



B. Die Versöhnung zwischen Göttlichkeit und Menschlichkeit in Jesus Christus

Er verhüllte seine Göttlichkeit im Gewand der Menschlichkeit.

Als göttlich-menschlicher Erlöser stellte Er sich als Haupt des gefallenen Menschengeschlechts hin, um dessen Erfahrung vom Kindes- bis zum Mannesalter zu teilen. — The Review and Herald, 15. Juni 1905; S.D.A. Bible Commentary V, 1128.


Obwohl jedoch Christi göttliche Herrlichkeit eine Zeitlang verhüllt und durch seine Annahme der menschlichen Natur verdeckt war, hörte Er doch nicht auf, Gottes Sohnzu sein, als Er Mensch wurde.

Das Menschliche nahm nicht den Platz des Göttlichen, noch das Göttliche den des Menschen ein.

Dies ist das Geheimnis der Gottseligkeit.

Die beiden Ausdrücke „menschlich“ und „göttlich“ waren in Christus eng und untrennbar eins; dennoch hatte jeder von ihnen seine besondere Eigenart.

Obwohl Christus sich zum Menschen erniedrigte, war Er immer noch Gottes Sohn.

Es gab Anlässe, bei denen Jesus im menschlichen Fleische als der Sohn Gottes hervortrat.

Das Göttliche blitzte durch die menschliche Wesensart hindurch und wurde von den spottenden Priestern und Volksführern wahrgenommen.

Erkannte man seine Göttlichkeit?

Einige anerkannten, daß Er der Messias sei, der größere Teil derer aber, die bei diesen besonderen Anlässen zu sehen gezwungen waren, daß Er der Sohn Gottes war, lehnten seine Annahme ab.

Ihre Blindheit entsprach ihrer entschieden ablehnenden Haltung.

Als Christi innewohnende Herrlichkeit hervorblitzte, war sie zu stark, als daß sein reines und vollkommenes Menschentum sie gänzlich verbergen konnte.

Die Schriftgelehrten und Pharisäer sprachen nicht anerkennend über Ihn, aber sie waren in ihrer Feindschaft und ihrem Haß irritiert, als seine Majestät hervorleuchtete. Die Wahrheit, die ja verdeckt war durch einen Vorhang von Erniedrigung, sprach zu jedem Herzen mit unmißverständlicher Deutlichkeit.

Dies führte zu den Worten Christi: „Ihr wißt, wer Ich bin.“ Menschen und Teufel waren durch das Hervorleuchten seiner Herrlichkeit gezwungen zu bekennen: „Wahrlich, dies ist Gottes Sohn.“ So wurde Gott offenbart; so wurde Christus verherrlicht. — The Signs of the Times, 10. Mai 1899; S.D.A. Bible Commentary V, 1129.



Als Jesus am Kreuz starb, waren Menschlichkeit und Göttlichkeit in Christus auf ewig vereint.

Er setzte sein Kreuz zwischen beide, um sie zu unauflöslicher Einheit zu verbinden.

All dies konnte geschehen, weil Christus die menschliche Natur ergriff, an den göttlichen Wesenseigenschaften teilhatte, sein Kreuz zwischen Menschlichkeit und Göttlichkeit aufpflanzte und so den Abgrund überbrückte, der den Sünder von Gott trennte ... Hebräer 2,16-18; 4,15; 5,1-9 zitiert. — Selected Messages I, 126.


Christus zerriß nicht sein Gewand, sondern seine Seele war zerrissen.

Sein Gewand aus menschlichem Fleisch wurde zerrissen, als Er am Kreuz als Sündenträger des Menschengeschlechts hing.

Durch sein Leiden und Sterben wurde ein neuer, lebendiger Weg eröffnet. — The Review and Herald, 12. Juni 1900; S.D.A. Bible Commentary V, 1105.


Jesus allein konnte Gott Sicherheit bieten, denn Er war mit Gott eins.

Er allein konnte Mittler zwischen Gott und Mensch sein; denn Er besaß Göttlichkeit und Menschentum.

Auf diese Weise konnte Jesus beiden Seiten für die Erfüllung der vorgeschriebenen Bedingungen bürgen.

Als der Sohn Gottes bürgt Er Gott für uns, und als das ewige Wort, als einer, der dem Vater ebenbürtig ist, versichert Er uns der Liebe des Vaters, die wir seinem versprochenen Worte glauben.

Wenn Gott uns seinen unabänderlichen Friedensrat zusichert, gibt Er seinen eingeborenen Sohn dahin, der eins wird mit der menschlichen Familie und für immer seine menschliche Natur beibehält als Pfand, daß Gott sein Wort erfüllt. — The Review and Herald, 3. April 1894; Questions on Doctrine 692.


In Christus waren das Göttliche und das Menschliche vereint, der Schöpfer und das Geschöpf.

Die Natur Gottes, deren Gesetz übertreten wurde, und die Natur Adams, des Übertreters, trafen sich in Jesus, dem Gottes- und Menschensohn. — Manuskript 141, 1901; S.D.A. Bible Commentary VII, 926.



Die Absicht der Vereinigung des Menschlichen mit dem Göttlichen in Christo

Obgleich seinem Charakter kein Sündenflecken anhaftete, ließ Er sich dennoch herab, unsere gefallene Natur mit seiner Göttlichkeit zu verbinden.

Indem Er so die Menschennatur annahm, ehrte Er sie.

Als Er unsere gefallene Natur angenommen hatte, zeigte Er, was daraus werden kann, wenn wir die reichen Vorkehrungen in Anspruch nehmen, die Er dafür getroffen hat und wenn wir der göttlichen Natur teilhaftig werden. — Questions on Doctrine 657.


Soll irgendjemand von uns so verständnislos sein wie die Juden?

Oder sollen wir auf Christus als ein vollkommenes Beispiel unseres vervollkommneten Menschentums blicken, der in sich die Eigenschaften der Gottheit mit unserer menschlichen Natur vereint?

Der eingeborene Sohn Gottes zeigte, was aus der menschlichen Natur werden kann. In seiner geheiligten menschlichen Natur offenbarte Er, wie der Mensch sein muß. Durch Ihn wurde es der Gnade möglich, gerecht bei der Bestrafung des Gesetzesübertreters zu handeln, und die Gerechtigkeit konnte vergeben, ohne ihre Würde oder Reinheit zu verlieren.

Am Kreuz umarmten sich Gnade und Wahrheit, und Gerechtigkeit und Friede küßten sich.

O, welch wunderbare Vorkehrung doch für den Menschen getroffen wurde!

Weshalb schätzen wir diese himmlische Gabe nicht?

Durch den Lebenswandel, den wir persönlich führen bezeugen wir, welchen Wert wir den goldenen Vorrechten beimessen, die uns geschenkt sind. — The Signs of the Times, 18. Juni 1896.


Durch sein Menschsein kam Christus der Menschheit nahe, durch seineGöttlichkeitergreift Er den Thron Gottes.

Als Menschensohn gab Er uns ein Beispiel des Gehorsams, als Sohn Gottes schenkte Er uns die Kraft zu gehorchen. — Das Leben Jesu 14; The Desire of Ages 24.



C. Die Versöhnung zwischen der Gottheit und dem himmlischen All

Durch sein Leben mitten unter uns sollte Jesus das Wesen Gottes den Menschen und den Engeln kundtun.

Er war das Wort Gottes, durch Ihn wurden Gottes Gedanken vernehmbar gemacht.


In seinem hohepriesterlichen Gebet sagt Jesus:

„Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan (barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue)..., damit die Liebe, mit der du mich liebst, sei in ihnen und ich in ihnen.“ Johannes 17,26.


Doch diese Offenbarung wurde nicht nur seinen erdgeborenen Kindern geschenkt, vielmehr ist unsere kleine Welt zugleich das Lehrbuch für das Weltall.

Gottes wunderbares Gnadenziel, das Geheimnis seiner erlösenden Liebe ist das Thema, das „auch die Engel gelüstet zu schauen“ (1.Petrus 1,12), und sie werden sich damit die ganze Ewigkeit hindurch beschäftigen. — Das Leben Jesu 9; The Desire of Ages 19.


Aber der Erlösungsplan hatte noch einen umfassenderen, tieferen Sinn als den, die Menschen zu retten.

Nicht deshalb allein kam Christus auf die Erde.

Er kam nicht nur, damit die Bewohner unserer kleinen Welt sein Gesetz so beobachteten, wie es sich gehört, sondern um das Wesen Gottes vor dem Weltall zu rechtfertigen.

Diese Folge seines großmütigen Opfers, dessen Wirkung auf die vernunftbegabten Wesen anderer Welten ebenso wie auf den Menschen, sah der Heiland voraus, als Er kurz vor seiner Kreuzigung sagte:

„Jetzt geht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden. Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ Johannes 12,31f.


Das Opfer Christi zur Errettung der Menschen würde nicht nur ihnen den Himmel wieder erschließen, sondern Gott und seinen Sohn in ihrer Handlungsweise bei der Empörung Satans vor dem ganzen Weltall rechtfertigen.

Es würde ferner die ewige Gültigkeit des göttlichen Gesetzes begründen und Wesen und Folgen der Sünde offenbaren. — Patriarchen und Propheten 46; Patriarchs and Prophets 68.


Selbst als es beschlossen war, daß Satan nicht länger im Himmel bleiben könnte, vernichtete ihn die unendliche Weisheit nicht.

Da nur der Dienst der Liebe Gott angenehm sein kann, so muß sich die Treue seiner Geschöpfe auf die Überzeugung von seiner Gerechtigkeit und Güte gründen.

Die Bewohner des Himmels und anderer Welten hätten, da sie unvorbereitet waren, das Wesen und die Folgen der Sünde zu begreifen, die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit Gottes bei der Vernichtung Satans nicht erkennen können.

Wäre er unmittelbar aus dem Dasein ausgetilgt worden, so hätten sie Gott mehr aus Furcht denn aus Liebe gedient.

Weder wäre der Einfluß des Betrügers völlig verwischt noch der Geist der Empörung gänzlich ausgetilgt worden.

Das Böse mußte ausreifen dürfen.

Zum Besten des gesamten Weltalls für ewige Zeiten mußte Satan seine Grundsätze ausführlicher entfalten, damit alle erschaffenen Wesen seine Anklagen gegen die göttliche Regierung in ihrem wahren Lichte sehen und die Gerechtigkeit und die Barmherzigkeit Gottes sowie die Unveränderlichkeit seines Gesetzes für immer ohne allen Zweifel feststellen konnten. The Great Controversy 498-499; Der große Kampf 501-503.


In der Versöhnung offenbart sich das Wesen Gottes. — The Great Controversy 501; Der große Kampf 501.


„Daß vieler Herzen Gedanken offenbar werden.“ Lukas 2,34.35.


Im Lichte des Lebens Christi werden die Herzen aller, selbst vom Schöpfer bis zum Fürsten der Finsternis, offenbar.

Satan hat Gott als eigennützig und gewalttätig hingestellt, als einen Herrn, der alles für sich verlange und nichts gebe, der den Dienst seiner Geschöpfe zu seiner eigenen Verherrlichung beanspruche, selber aber um ihretwillen keine Opfer bringe.

Doch die Gabe Christi offenbart, was im Herzen des Vaters ist; sie bezeugt, daß Gott nur „Gedanken des Friedens und nicht des Leidens“ für uns hat. Jeremia 29,11.


Sie bekundet, daß Gottes Abscheu gegen die Sünde zwar stark ist wie der Tod, seine Liebe zum Sünder aber noch stärker.

Er wird, nachdem Er die Aufgabe, uns zu erlösen, in Angriff genommen hat, alles daransetzen, koste es, was es wolle, um diese Aufgabe zu vollenden.

Er wird uns die ganze zu unserem Heil notwendige Wahrheit kundtun, alle Barmherzigkeit erweisen und alle Hilfe von oben gewähren, die wir brauchen.

Er häuft Wohltat auf Wohltat, Gabe auf Gabe.

Die Schatzkammer des Himmels steht denen offen, die bereit sind, sich von Ihm retten zu lassen.

Alle Schätze des Weltalls und alles Vermögen seiner unbegrenzten Macht stellt Er Christus zur Verfügung mit der Erklärung, daß alles für den Menschen sei, und er soll diese Gabe benutzen, ihn zu überzeugen, daß es weder im Himmel noch auf Erden größere Liebe gebe als die seine.

Der Mensch solle erkennen, daß es kein größeres Glück für ihn gebe, als Gott immer zu lieben.

Am Kreuz von Golgatha standen Liebe und Selbstsucht einander gegenüber.

Hier offenbarten sich beide am deutlichsten.

Christus hatte nur gelebt, um zu trösten und zu segnen; Satan dagegen bekundete die ganze Bosheit seines Hasses gegen Gott, indem er den Herrn tötete.

Er ließ deutlich werden, daß die von ihm entfachte Empörung nur dem einen Zweck dienen sollte, Gott zu stürzen und den zu vernichten, durch den die Liebe Gottes offenbar wurde.

Durch Christi Leben und Sterben werden auch die Gedanken der Menschheit enthüllt. Das Leben Jesu 40-41; The Desire of Ages 57.


Mit großer Aufmerksamkeit hatten die nichtgefallenen Welten zu beobachten gehofft, wie der Herr sich aufmachen und die Bewohner der Erde hinwegraffen würde.

Und während dies geschehen sollte, wollte Satan seinen Plan ausführen, sich die Ergebenheit der himmlischen Wesen zu sichern.

Er hatte erklärt, daß die Grundsätze der Herrschaft Gottes eine Vergebung unmöglich machten.

Würde Gott die Welt vernichtet haben, so hätte der Teufel behauptet, daß seine Anklagen gegen Gott wahr seien.

Im Engl, genauer: „Er war bereit, Gott die Schuld zuzuweisen“ und auch andere Welten in die Empörung hineinzuziehen.


Aber statt die Welt zu vernichten, sandte Gott seinen Sohn, sie zu retten.

Obwohl überall Verderbtheit und Trotz herrschten, wurde ein Weg der Erlösung der Menschheit vorbereitet.

Im entscheidenden Augenblick, gerade da Satan zu triumphieren schien, brachte der Sohn Gottes die frohe Botschaft von der göttlichen Gnade.

In allen Zeiten, in jeder Stunde ist die Liebe Gottes dem gefallenen Menschengeschlecht nachgegangen.

Ungeachtet seiner Bosheit, empfing es beständig sichtbare Zeichen seiner Gnade. Und als die Zeit erfüllt war, offenbarte die Gottheit ihre Herrlichkeit, indem sie die Fülle heilsamer Gnade über die Welt ausschüttete.

Diese Gnade sollte nie aufgehalten oder der Welt entzogen werden, bis die Durchführung des Heilsplanes vollendet wäre. — Das Leben Jesu 28-29; The Desire of Ages 37.


Satan erkannte, daß ihm seine Maske abgerissen war.

Seine Handlungsweise wurde vor den nicht gefallenen Engeln und dem ganzen Himmel offenbar.

Er hatte sich als Mörder zu erkennen gegeben.

Indem er das Blut des Sohnes Gottes vergoß, verspielte er alle Sympathien der himmlischen Wesen.

Fortan war sein Wirken beschränkt.

Welche Haltung er auch immer einnehmen würde, er konnte nicht mehr auf die Engel warten, wenn sie von den himmlischen Höfen kamen, und vor ihnen Christi Brüder verklagen, daß sie mit unreinen, sündenbefleckten Kleidern angetan seien.

Das letzte Band der Zuneigung zwischen der himmlischen Welt und Satan war zerrissen. — Das Leben Jesu 762; The Desire of Ages 761.


An Jesu geistigem Auge zogen die Ereignisse der Vergangenheit und der Zukunft vorüber.

Er sah die Verstoßung Satans aus dem Himmel, er schaute voraus auf die Szenen seines eigenen Seelenkampfes, die den Charakter des großen Betrügers vor der ganzen Welt offenbaren würde, und hörte den Ruf:

„Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30), der der Welt die Erfüllung des Erlösungsplanes ankündigen und den Himmel vor den Anklagen, Täuschungen und Ansprüchen Satans auf ewig schützen würde. — Das Leben Jesu 486; The Desire of Ages 490.


Christi Opfer aus Liebe hat die Bewohner der Erde und des Himmels unauflöslich mit ihrem Schöpfer verbunden. — Das Leben Jesu 16; The Desire of Ages 26.



D. Die Versöhnung zwischen Gerechtigkeit und Gnade

Gerechtigkeit und Gnade sind die beiden ewigen Grundsätze des unveränderlichen Gesetzes Gottes und werden nur in der Selbsthingabe vereinigt. — Der große Kampf 506; Das Leben Jesu 764; The Great Controversy 503; The Desire of Ages 762.



Wenn der Mensch sündigt, wird das Gesetz gebrochen.

Die beiden Grundsätze des Gesetzes, Gerechtigkeit und Gnade, fordern für den Übertreter Entgegengesetztes.

Zu Beginn des großen Kampfes hatte Satan erklärt, daß Gottes Gesetz nicht gehalten werden könne, daß Gerechtigkeit und Barmherzigkeit unvereinbar seien und daß es, sollte das Gesetz übertreten werden, für den Sünder unmöglich sei, Vergebung zu erlangen.

Jede Sünde müsse bestraft werden, sagte Satan, und wenn Gott die Strafe erlassen würde, wäre Er kein Gott der Wahrheit und Gerechtigkeit.

So oft die Menschen Gottes Gebote verletzen und dem göttlichen Willen trotzen, triumphiert Satan.

Er behauptet jedes mal, es sei nun erwiesen, daß man das Gesetz nicht halten und daß den Menschen nicht vergeben werden könne.

Weil er nach seiner Empörung aus dem Himmel ausgestoßen worden war, forderte er, daß auch das Menschengeschlecht von der Gunst Gottes ausgeschlossen sein sollte. Gott könne nicht gerecht sein und zugleich einem Sünder Gnade erweisen. — Das Leben Jesu 763; The Desire of Ages 761.


Christus kam, um der Welt ein Beispiel zu geben, was ein vollkommenes Menschentum in Verbindung mit der Göttlichkeit vermag.

Er stellte der Welt eine neue Ära der Größe vor, indem Er Gnade, Mitleid und Liebe zeigte.

Er gab dem Menschen eine neue Auslegung Gottes.

Als Haupt der Menschheit erteilte Er den Menschen Anschauungsunterricht in der Wissenschaft der göttlichen Regierung, wobei Er die Rechtmäßigkeit der Versöhnung von Gnade und Wahrheit offenbarte.

Die Versöhnung von Gnade und Wahrheit schloß keinerlei Kompromiß mit der Sünde ein, noch ließ sie irgendeine Forderung der Gerechtigkeit unbeachtet: aber indem jeder göttlichen Eigenschaft ihr bestimmter Platz eingeräumt wurde, konnte Gnade bei der Bestrafung des sündhaften, unbußfertigen Menschen walten, ohne daß ihre Milde zerstört wurde oder Mitleidscharakter verlorenging, und Gerechtigkeit konnte geübt werden, indem dem reumütigen Sünder vergeben wurde, ohne daß ihre Reinheit verletzt wurde. — Selected Messages I, 260-261.


Sein Ziel war es, Gerechtigkeit und Gnade miteinander zu versöhnen und jedes gesondert, aber doch vereint, in seiner Würde stehenzulassen.

Seine Gnade war nicht Schwäche, sondern eine furchtbare Macht, die Sünde um ihrer selbst willen zu bestrafen und doch wiederum war sie eine Macht, die Liebe der Menschheit an sie zu ziehen.

Durch Christus ist es möglich geworden, daß die Gerechtigkeit vergibt, ohne auch nur ein Pünktchen ihrer erhabenen Heiligkeit zu opfern.

Gerechtigkeit und Gnade waren gesondert, im Gegensatz zueinander, getrennt durch einen weiten Abgrund.

Der Herr, unser Erlöser, kleidete seine Göttlichkeit in menschliche Natur und erarbeitete sich um des Menschen willen einen Charakter ohne Flecken und Makel. Er pflanzte sein Kreuz mitten zwischen Himmel und Erde auf und machte es zum Anziehungspunkt, der sich in beide Richtungen erstreckte und beides, Gerechtigkeit und Gnade, über den Abgrund zog.

Die Gerechtigkeit kam von ihrem erhabenen Thron herab und näherte sich dem Kreuz mit allem himmlischen Heer.

Dort sah sie einen, der Gott gleich war und die Strafe für alle Ungerechtigkeit und Sünde trug.

In völliger Genugtuung verneigte sich die Gerechtigkeit am Kreuz und sagte:

„Es ist genug.“ — Manuskript 94, 1899; S.D.A. Bible Commentary VII, 935-936.


Der Regenbogen, der den Himmel mit seinem Lichtbogen überspannt, ist ein Zeichen des „ewigen Bundes zwischen Gott und allen lebenden Geschöpfen.“ 1.Mose 9,16.


Und der Regenbogen, der den Thron droben umspannt, ist für Gottes Kinder ebenfalls ein Zeichen seines Friedensbundes.

Wie der Bogen in den Wolken eine Folge der Vereinigung von Sonnenlicht und Regen ist, so stellt der Bogen über Gottes Thron die Vereinigung Seiner Gnade und Seiner Gerechtigkeit dar.

Der sündigen, aber reumütigen Seele sagt Gott, sie solle leben, denn „ich habe ein Lösegeld gefunden.“ Hiob 33,24. — Erziehung 105.


Im himmlischen Tempel, der Wohnstätte Gottes, ist sein Thron auf Gerechtigkeit und Gericht gegründet.

Im Allerheiligsten ist sein Gesetz der große Maßstab des Rechts, nach dem alle Menschen geprüft werden.

Die Bundeslade, welche die Tafeln des Gesetzes birgt, ist mit dem Gnadenstuhl bedeckt, vor dem Christus sein Blut zugunsten des Sünders darbietet.

Auf diese Weise wird die Verbindung von Gerechtigkeit und Gnade im Plan der menschlichen Erlösung dargestellt.

Diese Vereinigung konnte allein ewige Weisheit ersinnen und unendliche Macht vollbringen; es ist eine Verbindung, die den ganzen Himmel mit Staunen und Anbetung erfüllt.

Die ehrerbietig auf den Gnadenstuhl niederschauenden Cherubim des irdischen Heiligtums versinnbilden die Anteilnahme, mit der die himmlischen Heerscharen das Werk der Erlösung betrachten.

Dies ist das Geheimnis der Gnade, das auch die Engel verlangt zu schauen: daß Gott gerecht sein kann, während Er den reumütigen Sünder rechtfertigt und seine Verbindung mit dem gefallenen Geschlecht erneuert; daß Christus sich herablassen konnte, unzählige Scharen aus dem Abgrund des Verderbens herauszuheben und sie mit den fleckenlosen Gewändern seiner eigenen Gerechtigkeit zu bekleiden, damit sie sich mit Engeln, die nie gefallen sind, vereinen und ewig in der Gegenwart Gottes wohnen können. — Der große Kampf 417; The Great Controversy 415.


Verwandt mit den bereits erwähnten Gefahren ist das Wagnis, die Gerechtigkeit Gottes zu unterschätzen.

Die Neigung des modernen Kanzelredners geht dahin, die göttliche Gerechtigkeit von der göttlichen Güte abzusondern und die Güte mehr zu einem Gefühl herabzuwürdigen, als zu einem Grundsatz zu erheben.

Die neue theologische Schau scheidet, was der HERRzusammengefügt hat.

Ist das göttliche Gesetz etwas Gutes oder Böses?

Es ist etwas Gutes.

Dann ist auch die Gerechtigkeit gut; denn sie ist die Willensneigung, das Gesetz auszuführen.

Aus der Gewohnheit, die göttliche Gerechtigkeit und das göttliche Gesetz, die Ausdehnung und Strafbarkeit menschlichen Ungehorsams zu unterschätzen, neigt der Mensch leicht dazu, die Gnade gering zu achten, die eine Sühne für die Sünde gebracht hat. — Der große Kampf 465; The Great Controversy 465-466.


Die oben zitierten Aussagen zeigen, daß der Vater und der Menschensohn Göttlichkeit und Menschentum, die Gottheit und das himmlische All Gerechtigkeit und Gnade durch das Kreuz auf ewig und unauflöslich miteinander verbunden sind, um solch einen armen Wicht wie mich und dich zu retten.



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Gedanken über das Buch Daniel

Kapitel 13

Die Versöhnung durch das Opfer am Ende der siebzig Wochen in Daniel 9,24

 

Ellen G. White – Eine Prophetin Gottes

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