Die Glaubwürdigkeit der Bibel


Die Glaubwürdigkeit der Bibel

Dr. Roger Liebi

 

Inhalt
Einleitung
Was sagt die Bibel über sich selbst
Ist der Bibeltext abgeändert worden
Zum Neuen Testament (NT)
Zum Alten Testament (AT)

Einleitung

Auf den folgenden Seiten wollen wir uns mit fundamental wichtigen Fragen auseinandersetzen:

Ist die Bibel Gottes Wort, das unser uneingeschränktes Vertrauen in alle seine Aussagen verdient? Oder handelt es sich bei diesem Buch um ein völlig menschliches Werk aus der Antike, das zwar interessant zu lesen ist, aber in keiner Weise maßgebend und verbindlich sein kann für unser Leben, Denken und Handeln?

Wenn die Bibel Gottes unfehlbare Offenbarung an den Menschen ist, dann kann man ihren Wert nie hoch genug einschätzen. Dann haben wir in ihr endgültige Antworten, die den Menschen in seinem Ringen nach Klarheit bezüglich der Grundfragen des Daseins völlig zur Ruhe bringen können. Mit Bestimmtheit könnten wir dann z.B. wissen, wer der Mensch ist, woher er kommt und wohin er geht. Ebenso wäre es möglich zu erfahren, wer Gott ist, was Er will, wie Er handelt und wie wir mit Ihm Gemeinschaft haben können. Auch hätten wir klare ethische Richtlinien für alle Bereiche des menschlichen Lebens.

Ist die Bibel jedoch lediglich ein mit Fehlern behaftetes menschliches Buch, dann wären wir hilflos den unzähligen, letztendlich nie befriedigenden Spekulationen, Mutmaßungen und Meinungen der Menschen ausgeliefert.

Wir sehen, bei dem vor uns liegenden Gegenstand geht es um Entscheidendes, das für jeden Menschen von Bedeutung ist. Es lohnt sich, einmal in Ruhe über diese aufgeworfenen Fragen nachzudenken.

Der Rahmen der vorliegenden Ausführungen ist bewusst eng gesteckt worden. Zu jedem Themenbereich verweise ich jedoch auf weiterführende Literatur (bitte Fußnoten beachten). Diese kleine Publikation soll als Einführung zum Thema «Glaubwürdigkeit der Bibel» verstanden werden. Im folgenden sollen einfach wichtige Daten und Fakten aufgezeigt werden, die, so hoffe ich, Skeptikern und Zweiflern eine Hilfe sein mögen, um einen lohnenswerten Zugang zum Buch der Bücher finden zu können.

Was sagt die Bibel über sich selbst?

Zunächst wollen wir in Betracht ziehen, was die Bibel über sich selbst aussagt.

In 2.Timotheus 3:16 heißt es: «Alle Schrift ist von Gott eingegeben.»

Der Ausdruck «Schrift» oder auch «Schriften» bezeichnete bei den Juden die Bibelbücher des Alten Testaments (1). Bei den ersten Christen wurde dieser Begriff erweitert und auch auf neutestamentliche Bibelbücher angewandt(2).

Die zitierte Stelle bezeugt also deutlich die Eingebung der Heiligen Schrift.

Die Bibel erwähnt ferner an unzähligen Stellen, dass Gott in ihr spricht(3).

 

Fazit:

Wir sehen, dass die Bibel sich selbst als das inspirierte Wort Gottes bezeichnet.

Für Menschen, die der Bibel kritisch gegenüberstehen, ist das natürlich kein Beweis dafür, dass dem auch so ist. Bisher ging es aber nur darum abzuklären, welches Selbstverständnis die Bibel an den Tag legt. Würde die Bibel für sich eine göttliche Autorität ablehnen, wäre eine weitere Behandlung dieses Themas äußerst fragwürdig. Nun aber macht die Bibel Aussagen, die ihre Leser im höchsten Maß herausfordern.

Ist der Bibeltext abgeändert worden?

Besitzen wir heute eigentlich noch denselben Bibeltext, wie er ursprünglich aufgeschrieben worden ist? Haben die unzähligen Abschreiber den ursprünglichen Wortlaut im Lauf der Zeit nicht entstellt und verfälscht?

Die Frage, ob die Bibel Gottes Wort sei, wäre doch in gewissem Sinn überflüssig, wenn wir heute gar nicht mehr im Besitz der ursprünglich abgefassten Mitteilungen wären.

Das Thema der Genauigkeit der Textüberlieferung der Bibel muss für das Alte und das Neue Testament gesondert behandelt werden, weil die Überlieferungsgeschichte jeweils recht unterschiedlich aussieht.

Zum Neuen Testament (NT)

Die 27 Schriften des NT wurden zwischen 30 und ca. 95 n.Chr. in griechischer Sprache verfasst.

Heute sind rund 5'400 griechische Handschriften des NT bekannt(4).

Dies ist eine überwältigende Zahl! Bei den griechischen und lateinischen Klassikern (Plato, Cicero, und Cäsar etc.), muss man nämlich froh sein, wenn man für ein bestimmtes Werk etwa ein Dutzend Manuskripte hat(5).

Zu diesen ca. 5'400 Handschriften des NT kommt jedoch noch die beachtliche Zahl von etwa 9'000 Manuskripten der alten Übersetzungen (z.B. ins Lateinische, Syrische, Koptische, Armenische, Georgische etc.) hinzu(6). - Schließlich sollten auch noch die Zehntausende von Bibelzitaten in den Schriften der sogenannten Apostolischen Väter und Kirchenväter erwähnt werden(7).

Die ältesten Handschriften reichen für große Teile des Neuen Testaments bis auf einige Jahre an die Originalschriften heran. Geradezu spektakulär ist in diesem Zusammenhang z.B. die Papyrus-Handschrift «P52», die erstmals 1935 publiziert worden war. Dieses kleine Fragment umfasst Teile von Johannes 18:31-33-37 und 38. Man datiert es auf ca. 100 - 125 n.Chr.(8). Damit rückt dieser Textzeuge ganz dicht an die wahrscheinliche Entstehungszeit des Johannes-Evangeliums um 90 - 95 n.Chr. heran. Diese Handschrift liefert eine entscheidende Bestätigung für die großartige Qualität unseres bisherigen Bibeltextes.

Ferner möchte ich noch auf die Papyrus-Handschrift «P46» hinweisen. Gemäß der 1988 gründlich ausgeführten Datierungsarbeit des koreanischen Gelehrten Young Kyu Kim stammt dieses Manuskript, das fast alle Paulusbriefe enthält, aus der Zeit zwischen 75 - 100 n.Chr.(9). Aufgrund einer oberflächlichen Untersuchung wurde dieser Text bisher auf ca. 200 n.Chr. angesetzt. Die Ergebnisse von Kim sind von gewissen Gelehrten angezweifelt worden. Dies ist verständlich: Diese Datierung zerstört eine ganze Reihe von bibelkritischen Thesen. Es ist bis heute aber niemandem gelungen, diese Datierung zu widerlegen. Es liegt nach wie vor nicht einmal ein gründlich durchgeführter Versuch einer Widerlegung vor. Wer sich mit dieser Bibelhandschrift näher befasst und sie mit den späteren Handschriften vergleicht, sieht, dass das NT im Lauf der Zeit nicht verfälscht worden ist. Wir können mit Bestimmtheit sagen, dass wir Menschen des 20. Jahrhunderts das gleiche NT besitzen, wie die Christen im 1. Jahrhundert!

Der zeitliche Abstand zwischen dem Originaltext und den ältesten Handschriften beträgt bei den griechischen und lateinischen Klassikern im Normalfall etwa 750 - 1'600 Jahre. Wenn solche Texte dennoch als vertrauenswürdig betrachtet werden, wie viel mehr gilt das für das NT!

Alle oben genannten Textquellen werden im «Westdeutschen Institut für Textforschung des Neuen Testaments» wissenschaftlich untersucht und miteinander verglichen. Diese Forschungsstätte ist der Universität Münster angeschlossen. Mit detektivischer Akribie versucht man dort Abschreibfehler aufzudecken, damit der ursprüngliche Text jedem interessierten Leser in Form moderner Grundtextausgaben zugänglich gemacht werden kann(10). Der Benutzer kann damit rechnen, dass der ursprüngliche Wortlaut des NT entweder im Textteil oder zumindest im Fußnotenapparat dieser Bibelausgaben zu finden ist.

Wir kommen nun zu folgendem

 

Fazit:

Die Überlieferung des Neuen Testamentes ist ein Phänomen, das unter der klassischen Literatur ohne Parallele dasteht. Wir haben heute noch denselben neutestamentlichen Bibeltext wie zur Zeit als er abgefasst worden ist.

Die moderne Textforschung bestätigt auf eindrückliche Weise die Worte Jesu in Lukas 21:33: «Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.»

Zum Alten Testament (AT)

Das AT wurde im Zeitraum von ca. 1'450 bis ca. 400 v.Chr. auf Hebräisch und Aramäisch verfasst.

Auch die Überlieferung des AT ist höchst erstaunlich: Heute sind wir im Besitz von Tausenden von hebräischen Masoreten-Bibelhandschriften(11).

Die Masoreten, auf deren Arbeit diese Handschriften zurückgehen, waren jüdische Gelehrte, die im Mittelalter das AT mit äußerster Sorgfalt kopierten. Ihre von Perfektion gekennzeichnete Arbeit lässt sich durch ihre Kopiermethoden, die sie anwandten, erklären(12).

Sie zählten z.B. alle Buchstaben, sowie bestimmte Wörter und Ausdrücke in der Vorlage aus und kontrollierten ihre Ergebnisse in den Abschriften wieder nach. So konnte man z.B. gemäß den masoretischen Angaben im Tanach Jehoash davon ausgehen, dass die 5 Bücher Mose 304'805 Buchstaben und 79'847 Wörter enthalten.

Zu den neueren Erkenntnissen der modernen Archäologie gehört die Einsicht, dass solche Methoden nicht erst seit dem Mittelalter bei der Überlieferung wichtiger Texte angewandt wurden, sondern bereits im alten Israel! Diese Sorgfalt beim Abschreiben ist kennzeichnend für die Völker des Nahen und Mittleren Ostens und lässt sich dort schon vor der Zeit Moses nachweisen(13).

Diese Tatsache erklärt, weshalb die ab 1947 in der Wüste Judäa entdeckten Handschriften, deren älteste bis auf das 3. Jahrhundert v.Chr. zurückreichen, so genau mit dem mittelalterlichen Text übereinstimmen. Diese unzähligen Fragmente und Handschriften aus Qumran, Massada und dem Wadi Murabba'at haben auf ganz besondere Weise gezeigt, wie genau das AT bis in unsere Zeit überliefert worden ist(14).

1979 wurden westlich der Altstadt von Jerusalem zwei Silberstreifen aus der Mitte des 7. Jahrhunderts v.Chr. mit Texten aus dem Alten Testament (Priestersegen aus 4.Mose 6:24-27) entdeckt. Das Eindrückliche ist, dass sich diese über 2'600 Jahre alten Bibeltexte bis auf den letzten Buchstaben absolut exakt mit dem Text der Handschriften aus dem Mittelalter decken!(15)

Noch eine Tatsache muss in diesem Zusammenhang genannt werden: Im AT finden sich viele Namen von Königen aus der fremdsprachigen Umwelt Israels. Viele solcher Namen konnten mit zeitgenössischen Inschriften dieser Könige verglichen werden! Man stellte dabei fest, dass die Abschreiber der Bibel selbst bei Namen aus fremden Sprachen (z.B. ägyptisch, babylonisch, assyrisch und moabitisch) sich mit einer unglaublichen Präzision an eine korrekte Schreibweise gehalten hatten - dies trotz der besonderen Schwierigkeiten. Deshalb können wir sicher sein, dass sie mit derselben Gewissenhaftigkeit auch den Rest des Textes präzis überliefert haben(16).

Zu den oben genannten hebräischen Handschriften kommen noch etwa 10'000 Manuskripte der antiken Übersetzungen hinzu (z.B. ins Aramäische, Griechische, Äthiopische, Koptische, Lateinische etc.).(17)

Daneben gibt es noch eine unzählbare Menge von Bibelzitaten in der umfassenden rabbinischen Literatur, die für die Textüberlieferung auch von großem Wert sind(18).

Schon seit Jahren wird in Jerusalem alles erreichbare und nutzbringende Textmaterial gesammelt und studiert. Die Arbeit, die an der «Hebräischen Universität» auf diesem Gebiet geleistet wird, übersteigt an Monumentalität das vergleichbare Werk am NT in Münster! Die Ergebnisse werden fortlaufend im Rahmen des «Hebrew University Bible Project» veröffentlicht(19).

Diese Arbeit steht noch am Anfang. Dem am gesamten hebräischen Text des AT Interessierten steht aber bereits ein großes Gelehrtenwerk aus Deutschland zur Verfügung, das bis heute die Standardausgabe des hebräischen AT ist: die «Biblia Hebraica Stuttgartensia», die im großen und ganzen den neusten Stand der Textforschung wiedergibt(20).

 

Fazit:

Die Bücher des AT haben heute noch denselben Inhalt wie zur Zeit, als sie abgefasst wurden.

Die Forschung kann nur bestätigen, was der Prophet Jesaja schon um 700 v.Chr. gesagt hatte: «Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit» (Jesaja 40:8).

__________
Anmerkungen:
1 Vgl. M. Jastrow: Dictionary of the Targumim, Talmud Babli, Yerushalmi and Midrashic Literature, New York 1985,5.680.
2 In 1.Timotheus 5:18.19 wird aus 5.Mose 25:4 (AT) und aus Lukas 10:7 (NT) zitiert. Beide Anführungen werden als Aussagen der «Schrift» bezeichnet. In 2.Petrus 3:16 werden die Briefe des Apostels Paulus zu den «Schriften» gerechnet.
3 Vgl. z.B. die so oft wiederkehrenden Formulierungen, wie «So spricht der Herr: ...», «Das Wort des Herrn geschah zu mir also: ...»etc.
4 K. und B. Aland: Der Text des Neuen Testaments, Stuttgart 2. Aufl. 1989, S. 87 (= wissenschaftliches Standardwerk zu diesem Thema). Als ausführliche und allgemeinverständliche Darstellung dieses Themas sei folgende Publikation empfohlen: W.J.J. Glashower: So entstand die Bibel, Bielefeld 1987.
5 Vgl. R. Pache: Inspiration und Autorität der Bibel, Wuppertal2. Aufl. 1976,5. 187-188.
6 Pache: Inspiration und Autorität der Bibel, a.a.O., S. 187.
7 N. Geisler, W.E. Nix: A General Introduction to the Bible, Chigaco 1969, S. 353ff.
8 Aland: Der Text des Neuen Testaments, a.a.O., S. 94+97.
9 R. Liebi: Paulusbriefe neu bestätigt, factum 11/12 1989, S. 458. Vgl. die Originalarbeit von Y.K. Kim in Biblica, Nr. 69, S. 248-257.
10 Novum Testamentum Graece, Nestle-Aland, 26. Auflage, Stuttgart 1979. The Greek New Testament, United Bible Societies, Third (corrected) Edition 1983.
11 E. Würthwein: Der Text des Alten Testaments, 5. Auflage, Stuttgart 1988, S. 37ff. (wissenschaftliche Standardausgabe zu diesem Thema).
12 Würthwein: Der Text des Alten Testaments, a.a.O., S. 13-53.
13 A.R. Millard: Die antiken Schreiber und der Text des Alten Testaments, Fundamentum 1/82 Basel, S. 31-47.
14 Würthwein: Der Text des Alten Testaments, a.a.O., S. 38-41.
15 G. Barkay: A Treasure Pacing Jerusalem's Walls, Cat. No. 274, Summer 1986, The Israel Museum, Jerusalem.
16 Pache: Inspiration und Autorität der Bibel, a.a.O., S. 186.
17 Würthwein: Der Text des Alten Testaments, a.a.O., S. 57-115.
18 Würthwein: Der Text des Alten Testaments, a.a.O., S. 53
19 Würthwein: Der Text des Alten Testaments, a.a.O., S. 53.

 

Quelle: http://www.fbibel.de/artikel.asp?id=93

 

 


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