Das Gesetz der Freiheit



Das Gesetz der Freiheit

 

von Roland Lachmann, Pastor

Wiederholt haben wir bereits festgestellt, daß die Liebe Gottes und seine Gerechtigkeit keine Gegensätze sind. Der Begriff „Sünde“ wird in der Bibel vom Gesetz her defi niert (1. Johannes 3:4, Elberfelder Bibel).

Sünde ist Gesetzlosigkeit und hat mit Gott nichts zu tun. Darum ist das Gesetz wiederum ein Ausdruck der Gerechtigkeit Gottes und seines Charakters, ein Symbol der Freiheit von der Sünde.

 

 

I. Liebe und Gesetz

1. 5. Mose 33:1-5: Gesetz und Liebe gehen Hand in Hand, ja, sie zeugen voneinander. Das ganze nachfolgende Kapitel zeigt, daß das Gesetz Gottes Segen bringt.

2. Matthäus 22:34-40: Das Gesetz ist identisch mit den Liebesgeboten, es ist nur deren Erklärung für eine Menschheit, die nicht mehr genau weiß, was Liebe wirklich ist und wie sie sich ausdrückt. Vergleiche 2. Mose 20:3-17.

3. Römer 13:9 f.: Hier zeigt Paulus, daß man nur aus dem Motiv der Liebe zu Gott und den Mitmenschen das Gesetz halten kann. Das weiß er aus der Thorah: 5. Mose 6:4; 3. Mose 19:18.

4. Vergleiche Apostelgeschichte 16:30 f. mit Matthäus 19:16-19. Glaube an Gott und Jesus sowie das Halten der Gebote – das ist das Leben eines Menschen, der ins Reich Gottes geht. Siehe Joh14:15.

 

 

II. Gesetz und Evangelium

Das Gesetz gilt für ewig (Psalm 111:7f.; Lukas 16:17; 1. Petrus 1:24f.). Jesus hat es nicht aufgehoben (Matthäus 5:17f.), auch Paulus nicht – im Gegenteil, er richtet durch die Glaubensgerechtigkeit das Gesetz erst wirklich auf! Römer 3:31. Wie geht das zu? Die Gebote sind Verheißungen! Im Hebräischen sind sie etwa so formuliert: „Du wirst nicht töten, du wirst nicht ehebrechen, etc.“ Durch den Glauben an Jesu Blut werden für uns diese Verheißungen wahr, denn Gott will uns ja zu solchen Leuten machen, die in seinen Geboten wandeln (Hesekiel 36:25ff.). Die Gebote zeigen also, was Gott aus uns machen will – und das ist einfach großartig! Der unbekehrte Mensch aber kann mit dem Gesetz Gottes nichts anfangen; er kann nicht danach leben, weil er unter die Sünde versklavt ist (Römer 8:7). Wer aber Gott liebt, ist befreit zum Gehorsam: Johannes 14:15. Paulus zeigt, daß Glaube und Liebe, Wiedergeburt und das Halten der Gebote für ihn austauschbare Begriffe sind, die alle in die gleiche Richtung gehen (Galater 5:6; 6:15; 1. Korinther 7:19; Römer 13:9f.).

 

Für den Sünder ist das Gesetz tatsächlich ein Problem, denn es entlarvt seine Übertretung (Römer 3:20; 7:12 f.), ja, es reizt ihn sogar zur Sünde (Römer 7:7-10), weil er als Sünder gegen das Gesetz rebellisch reagiert!

Für den Gerechten aber ist es ein Segen (Psalm 19:8 f.; 119).

Was das Gesetz für uns ist, hängt also von unserer Einstellung zu Gott ab! Dies erinnert an das Volk Israel: Es erhielt das Gesetz erst, als es bereits aus der ägyptischen Knechtschaft befreit war! Um das Gesetz zu empfangen, mußte es erst frei werden (im geistlichen Sinne frei von Sünde durch Vergebung!), siehe 2. Mose 5:1-9; Römer 6:17-22. Darum auch „Gesetz der Freiheit“: Jakobus 2:10 ff. Leider verdrehte das Volk den Auftrag, des „Herrn Fest“ zu feiern (2. Mose 32:1-8), wofür es auch bestraft wurde.

 

Darum ist das Gesetz Gottes ein Gesetz der Freiheit (Jakobus 2:8-12; interessant hier auch die absolute Identifizierung der zehn Gebote mit dem Liebesgebot!), weil es dem von Sünde befreiten Menschen als Richtschnur gegeben wird, als Wegweiser. Dem von Sünde geknechteten Menschen signalisiert das Gesetz, daß er einen Befreier braucht (siehe Römer 10:4; „Ende“ bedeutet hier „Ziel“; vergleiche Römer 3:31!).

Der Ursprung des Gesetzes war nicht am Sinai: 1. Mose 26:5. Die großen Prinzipien der Wahrheit waren immer schon bekannt (1. Mose 39:9). doch waren sie in der ägyptischen Gefangenschaft so in Vergessenheit geraten, daß sie neu formuliert werden mußten.

 

III. Die Aufrichtung des Gesetzes durch den Glauben

Römer 3:31 wird für uns zu einer Art Schlüsseltext, um andere Texte bei Paulus besser zu verstehen. Für Paulus steht das Gesetz keineswegs im Widerspruch zum Evangelium. Wovor man sich hüten muß, ist nicht das Gesetz, sondern der falsche Gebrauch desselben! Römer 9:30-10:4. Hier geht es um die Gerechtigkeit Gottes und darum, daß das Gesetz auf die Notwendigkeit eines Befreiers hinweist! Wir brauchen den Messias!

 

Dies ist das Bekenntnis zur Gerechtigkeit Gottes durch die wir Heil erlangen! Das uns als Sünder verurteilende Gesetz macht uns dies unmißverständlich klar, es liefert sozusagen die Diagnose, für die wir dankbar sein sollten, weil wir durch die ernste Darstellung unseres Zustandes auf die einzig, richtige Therapie verwiesen werden. In diesem Sinne ist auch Galater 3:24 ff. zu verstehen. Der Zuchtmeister ist wörtlich ein „Pädagoge“, ein Erzieher auf Christus hin. Nicht mehr unter dem Pädagogen zu sein, bedeutet nicht, daß dessen Prinzipien nicht mehr gelten, sondern daß sie einen nicht mehr verurteilen (man steht nicht mehr unter dem Fluch des Gesetzes, unter seiner Verdammnis; siehe Galater 3:13; Römer 7:6-10; 8:1-9). Weil wir Christus haben, sind wir frei vom Verdammungsurteil des Gesetzes doch aufgerufen, nun ein heiliges Leben zu führen, das ja seinerseits wiederum vom Gesetz her defi niert wird (Matthäus 19:16 f.).

Nur der Gläubige, dem die Sünde vergeben ist, hat daher ein gutes Verhältnis zum Gesetz! Er betrachtet es nicht als ein Mittel, durch das er vor Gott gerecht werden kann, denn dies ist unmöglich. Er ist aber auch kein Gegner des Gesetzes mehr, da er in Christus die Kraft erhält, nach dem Willen Gottes zu leben. Er muß nicht mehr das Gesetz verändern, um noch ruhig schlafen zu können, sondern er selbst als Mensch wird verändert: Hesekiel 36:25 ff; 37:24; Hebräer 8:10; Offenbarung 12:17.

 

Darum bestätigt der Gläubige das Gesetz: weil er es hält! Siehe Offenbarung 14:12.

Nicht Gesetzeswerke, durch die wir Gott imponieren wollen, sind gefragt (Römer 3:28), sondern Glaubenswerke (Jakobus 2:14-20; Epheser 2:8 ff.), die Zeugnis davon geben, daß die Frucht des Glaubens heranreift (Galater 5:18-23!).

Darin ist Jesus Christus unser Vorbild, dem wir nacheifern (Römer 8:3 f.), was nicht schwer ist (1. Johannes 5:3).

 

So ist das Gesetz ohne Christus für die Sünder ein Fluch, der ihnen zeigt, daß sie ohne einen Befreier verlorengehen. Für die Gläubigen sind die Gebote ein Ausdruck des liebevollen Charakters Gottes, der ein Maßstab für ihr eigenes Leben ist. Sie anerkennen sie als Gottes Maßstab im letzten Gericht (Jakobus 2:12; Offenbarung 11:19), denn der Mensch wird wohl aus Glauben gerecht, aber aus seinen Werken gerichtet, die ein Beweis der Natur seines Glaubens sind (Johannes 5:28f.; Offenbarung 18:6f.; und viele andere). Römer 5:1.

Wir haben Frieden mit Gott, weil wir die Gewißheit haben dürfen, daß in Jesus Christus unsere Sünden bezahlt und vergeben sind. Psalm 119:165.

Wir haben Frieden mit Gott, wenn wir sein Gesetz halten. Vergleiche auch Jesaja 48:18.

 

Wollen wir nicht Gottes Gebote zur Richtschnur in unserem Leben machen? Sie tun uns nicht nur den Willen Gottes kund, sie sind eine Verheißung dessen, was Gott aus uns machen will! Sie verheißen, was wir sein werden, wenn Gott in uns sein Ebenbild wiederherstellen darf! Das hat Gott mit uns vor, solche Leute will er aus uns machen! Ist das nicht ein ganz außergewöhnlicher und wunderbarer Plan für unser Leben?

Sind wir bereit, als von der Sünde befreite Kinder Gottes das Gesetz der Freiheit Gottes anzunehmen? 1. Johannes 5:3.

 

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