Bekennen macht frei!


Der bessere Weg zu einem neuen Leben

Kapitel 4

Bekennen macht frei!

Ellen Gould White

 

„Wer seine Verfehlungen verheimlichen will, dem gelingt nichts; wer sein Unrecht bekennt und aufgibt, der findet Gottes Erbarmen.“

Sprüche 28,13.

Einfach, gerecht und verständlich sind die Bedingungen, unter denen Gott uns Gnade und Vergebung gewährt. Wir brauchen keine beschwerlichen Wallfahrten zu unternehmen und müssen uns nicht mit Bußübungen quälen, um Gott gnädig zu stimmen. Jeder, der seine Sünden bekennt und läßt, soll Vergebung bekommen.

Der Apostel Jakobus schreibt:

„Bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, daß ihr gesund werdet.“ Jakobus 5,16.

 

Wir werden aufgefordert, unsere Sünden vor Gott zu bekennen, der sie allein vergeben kann, und unsere Fehler einander einzugestehen. Wenn du deinem Mitmenschen Unrecht getan hast, mußt du ihm deine Schuld bekennen. Geschieht das, ist es an ihm, dir zu verzeihen. Doch damit ist der Akt der Vergebung noch nicht abgeschlossen, denn immer ist auch Gott von der Sünde betroffen.

Was wir anderen antun, trifft nicht zuletzt ihn, denn alle Menschen sind seine Geschöpfe und Kinder. Deshalb muß jede Verfehlung auch vor Jesus gebracht werden, der für uns als Fürsprecher bei Gott eintritt. Wer sich nicht vor Gott demütigt, hat noch nicht einmal den ersten Schritt getan, um wieder mit ihm ins reine zu kommen. Wer seine Sünde nicht aufrichtig bereut und vor Gott zur Sprache bringt, kann nicht mit Vergebung rechnen. Er wird keinen Frieden finden.

Wenn wir spüren, daß alte Schuld noch nicht bereinigt ist, dann liegt das in der Regel daran, daß wir uns nicht vor Gott beugen wollten und den von ihm vorgeschriebenen Weg zur Vergebung nicht gegangen sind.

Die Heilige Schrift macht klare Aussagen darüber, wie Vergebung zu erlangen ist. Ein Sündenbekenntnis, ob öffentlich oder unter vier Augen, muß ohne Beschönigung und aus eigenem Antrieb abgelegt werden. Niemals sollte es dem Sünder abgenötigt werden oder leichtfertig und sorglos erfolgen.

Es darf auch nicht von jemandem gefordert werden, dem gar nicht klar ist, daß er gesündigt hat. Wenn aber ein Mensch begreift, daß er Schuld auf sich geladen hat, und seine Sünde bekennt, darf er sich der Gnade Gottes gewiß sein. Der Psalmdichter drückt das so aus: „Wenn die Seinen rufen, hört er sie und rettet sie aus jeder Bedrängnis.“

Psalm 34,18.

 

Ein wahres Bekenntnis ist daran zu erkennen, daß der Mensch sich nicht in pauschalen Erklärungen ergeht, sondern die einzelne Sünde eingesteht. Dabei gibt es Vergehen, die wir nur Gott zu bekennen brauchen, aber auch Unrecht, über das wir mit denen sprechen müssen, die davon betroffen sind. Sünden, die in der Öffentlichkeit begangen wurden, sollten auch öffentlich und ohne Umschweife bekannt werden.

Zur Zeit Samuels fielen die Israeliten von Gott ab. Sie vertrauten ihm nicht mehr, wollten sich nicht länger von einem unsichtbaren Gott regieren lassen, sondern lieber von einem König, wie ihn die Nachbarvölker auch hatten. Erst dann, so meinten sie, würde sich das Volk entfalten können und Frieden finden.

Doch sie täuschten sich, denn die Erwartungen erfüllten sich nicht. Frieden fand Gottes Volk erst wieder, nachdem es aufrichtig seine Schuld bekannt hatte. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß Israel sich nicht mit einem allgemein gehaltenen Sündenbekenntnis begnügte, sondern die eigentliche Sünde beim Namen nannte:

„Wir sind sündige Menschen, und nun haben wir den HERRN auch noch damit erzürnt, daß wir einen König verlangt haben.“

1.Samuel 12,19.

 

Ein Sündenbekenntnis ohne aufrichtige Reue und das Verlangen nach Erneuerung kann von Gott nicht angenommen werden. Wer Vergebung lediglich als himmlische Dienstleistung ansieht, ohne bereit zu sein, aus seinem Leben alles wegzuräumen, was Gott mißfällt, geht den falschen Weg.

Die Heilige Schrift drückt sich in dieser Beziehung unmißverständlich aus: „Wascht euch, reinigt euch! Macht Schluß mit eurem üblen Treiben; hört auf, vor meinen Augen Unrecht zu tun! Lernt Gutes zu tun, sorgt für Gerechtigkeit, haltet die Gewalttätigen in Schranken, helft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht!“

Jesaja 1,16-17.

 

Oder: „Wenn ich zu einem bösen Menschen sage: Du mußt sterben!, und er wendet sich vom Unrecht ab, gibt dem armen Schuldner sein Pfand zurück, erstattet, was er widerrechtlich an sich gebracht hat, und hält sich an die Weisungen, die zum Leben führen, dann muß er nicht sterben.“ Hesekiel 33,15.

Wenn die Sünde erst einmal das sittliche Urteilsvermögen zerstört hat, wird der Übeltäter blind für seine Sünde und deren Folgen. Für ihn ist klar: Wenn jemand Schuld auf sich geladen hat, dann die anderen, keinesfalls ich! Und wenn er doch einmal gezwungen ist, Fehler einzugestehen, findet er tausend Entschuldigungen für sein Verhalten.

Nachdem Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen hatten, erfüllte sie Scham und Schrecken zugleich. Ihr erster Gedanke war, wie sie sich herausreden und dem drohenden Todesurteil entgehen könnten.

Als Adam vom HERRN zur Verantwortung gezogen wurde, versuchte er die Schuld teils auf Gott und teils auf seine Frau abzuwälzen:

„Die Frau, die du mir gegeben hast, reichte mir eine Frucht, da habe ich gegessen.“ Eva aber schob die Schuld auf die Schlange und sagte: „Die Schlange ist schuld, sie hat mich dazu verführt.“

1.Mose 3,12-13.

 

Wer genau hinhört, liest zwischen den Zeilen den Vorwurf:

Warum hast du die Schlange geschaffen? Warum hast du sie ins Paradies kommen lassen? So wollten die ersten Menschen Gott für den Sündenfall verantwortlich machen. Seither ist Schuldverschiebung eine beliebte Taktik, um Schuld loszuwerden. Doch letztlich löst sie die Probleme nicht, sondern stößt den Menschen nur noch tiefer in den Sumpf der Sünde. Bekenntnisse dieser Art sind nicht vom heiligen Geist bewirkt und deshalb wertlos vor Gott. Wahre Buße dagegen führt den Menschen zum rückhaltlosen Eingeständnis seiner Schuld. Wie der Zöllner, von dem Jesus in einem seiner Gleichnisse erzählt, wird er ausrufen:

„Gott, sei mir Sünder gnädig!“

Wer sich so wie dieser Mann Gott zuwendet, wird gerechtfertigt werden, weil Jesus mit seinem Blut für ihn bittet. In der Bibel ist an verschiedenen Stellen von Menschen die Rede, deren Verhalten zeigt, was echte Reue ist. Einer von ihnen ist der Apostel Paulus. Bevor er zur Gemeinde Jesu stieß, war er ein gefürchteter Christenverfolger.

Als er Christ wurde, legte sich ihm die Erkenntnis seiner Schuld wie eine Last auf die Seele. Paulus wußte, daß es jemand mit dieser Vergangenheit schwer haben würde in der Gemeinde.

Dennoch versuchte er nie, seine Verfehlungen zu vertuschen oder wenigstens abzuschwächen. Freimütig bekannte er:

„Ausgestattet mit einer Vollmacht der führenden Priester, brachte ich viele Christen ins Gefängnis und gab meine Stimme gegen sie ab, wenn sie zum Tode verurteilt wurden. In allen Synagogen habe ich immer wieder versucht, sie durch Auspeitschen dahin zu bringen, ihren Glauben zu verleugnen. Mein Haß war so groß, daß ich sie sogar noch über die Grenzen des Landes hinaus verfolgen wollte.“

Apostelgeschichte 26,10-11.

Und als Paulus sich als einen der schlimmsten Sünder auf Gottes Erdboden bezeichnete, da war das alles andere als eine fromme Floskel.

1.Timotheus 1,15.

Ein demütiges und zerbrochenes Herz, von echter Buße erfüllt, weiß die Liebe Gottes und die Größe des Opfers auf Golgatha zu schätzen. Wer seine Schuld aufrichtigen Herzens zu Gott bringt, den wird der Vater im Himmel nicht enttäuschen.

Denn wenn wir „unsere Schuld eingestehen, dürfen wir uns darauf verlassen, daß Gott Wort hält: Er wird uns dann unsere Verfehlungen vergeben und alle Schuld von uns nehmen, die wir auf uns geladen haben.“ 1.Johannes 1,9.

 

Verdrängen macht krank

Frau K. unterhält seit Jahren ein Verhältnis zu einem Geschäftsfreund ihres Mannes. Weil sie seitdem unter ständigem Waschzwang leidet, geht sie zu einem Psychotherapeuten.

Die Gespräche zeigen: Frau K. ist eine „unverstandene“ Frau, die mit ihrem Mann nie so harmoniert hat wie mit dem Geliebten.

Den Waschzwang wird Frau K. mit Hilfe des Therapeuten los, aber sie lebt weiter wie bisher. Wenn ihr Mann auf Reisen ist, kommt der Geliebte in die Wohnung.

Die Psychotherapie war sogar so erfolgreich, daß nun keine inneren „Konflikte“ mehr entstehen.

Sie hat die Absolution eines Analytikers empfangen, aber nicht die Vergebung Christi. Viele meinen, Sünde sei wie blauer Dunst am Auspuffrohr, der sich bald auflöst. Doch der Schein trügt: Die Giftstoffe bleiben, auch wenn man sie nicht sieht. Die Schäden an Umwelt und Gesundheit sprechen Bände!

Mit der Sünde ist es ähnlich: Sie verschwindet nicht dadurch, daß man sie verschweigt oder verheimlicht. Vielmehr vergiftet sie unser Innenleben, macht seelisch und oft auch körperlich krank.

Nur wer seine Sünde bekennt, wird frei und heil. Vgl. Psalm 32.

 

Es ging gar nicht um einen „Apfel“!

Als Adam und Eva zur Sünde verführt wurden, ging es nur vordergründig um das Essen der verbotenen Frucht.

Die Verlockung bestand darin, zu sein wie Gott — wissend, mächtig, unsterblich — und somit nicht mehr auf ihn angewiesen.

Der Griff nach der Frucht war zugleich ein Griff nach Freiheit von Gott! Darum geht es, wenn die Bibel von „Sünde“ (Einzahl) spricht. „Sünden“ (Mehrzahl) sind nur die Folgeerscheinungen der verhängnisvollen Trennung von Gott. „Sünde“ hängt sprachlich mit dem Wort „Sund“ zusammen.

Mit „Sund“ bezeichnet man eine Meerenge, die Land voneinander trennt, das ursprünglich zusammengehörte. So trennt „Sünde“ Gott und Mensch voneinander, obwohl beide eigentlich aufeinander hin angelegt sind und zueinander gehören.

 

Zum Nachdenken

—Warum fällt es uns schwer, Schuld zu bekennen?

—In welcher Situation habe ich die Befreiung erlebt, die auf Bekenntnis und Vergebung folgt?

—Wodurch wird Vergebung zu einer „himmlischen Dienstleistung“ herabgewürdigt?

 

Www.bibel-aktuell.org

 

!!!1.Thessalonicher 5:21 prüfet aber alles. Das Gute behaltet,!!!


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